In dem Gedicht DISPLACEMENT von Amanda Gorman heißt es: We’ve come so far, / We say, / But we have further to go. So scheint es auch zu sein, wenn man ein wissenschaftliches Buch schreibt, – selbst dann, wenn man fertig ist, denkt man, man müsse noch weiter. Umso verblüffender, dass nach den vielen kleinen Schritten, die sich vor allem im Denken vollziehen, eines Tages buchstäblich ein Buch existiert, das all diese Schritte wie einen großen Satz aussehen lässt. Vielleicht hätte ich den ersten Schritt nie getan, wenn ich gewusst hätte, wie viele darauf noch folgen würden. Vielleicht hätte ich ihn doch getan, wenn mir zugleich bewusst gewesen wäre, dass man diese Schritte weder alle allein gehen kann noch muss. Die Arten von Unterstützung, um ein Buch zu schreiben, sind vielfältig. Mal fühlt sich Unterstützung stärkend an, manchmal erscheint sie entmutigend, mal umfasst sie eine Aufforderung, mal besteht sie darin, dass jemand mitaushält, dass es für den Augenblick nicht weitergeht, und mal ist es die gemeinsame Freude über einen getanen Schritt. Wer unterstützt, lässt sich auf den Weg des anderen ein, ohne ihn als gegeben hinzunehmen. Er folgt dem Weg und lässt sich zugleich nicht auf eine Richtung festlegen. Vielmehr sind es Fragen und Anmerkungen, die Richtung betreffend, durch die der eigene Weg möglich wird, ohne zu einem fremden Weg zu werden.
Dieses Buch ist als Dissertation an der Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie in Bielefeld unter der Betreuung von Ralf Stoecker entstanden, der diesen Weg mit viel Geduld und Abenteuerlust begleitet hat. Ich freue mich sehr, dass ich dieses Glück hatte. Auch Christian Neuhäuser danke ich dafür, dass er sich aufrichtig und interessiert mit meinen Überlegungen auseinandergesetzt und im Gespräch so ernsthaft engagiert hat. Corinna Mieth hat sich spontan und bereitwillig darauf eingelassen, die letzten Schritte möglich zu machen, in einer ausgesprochen herzlichen und begeisterungsfähigen Weise. All dies scheint mir im überfüllten Arbeitsalltag der Wissenschaft keineswegs selbstverständlich zu sein. Um wissenschaftlich tätig zu sein, kommt es auf das Gleichgewicht zwischen kritischer Distanz und einem offenen Geist an, und es ist ein Geschenk, von Menschen lernen zu dürfen, die ein Gefühl für dieses Gleichgewicht haben. Dabei, eine eigene Idee von diesem Gleichgewicht zu entwickeln, haben mir ebenfalls die Teilnehmenden des Forschungskolloquiums Praktische Philosophie der Abteilung Philosophie in Bielefeld durch ihre Fragen, ihre Skepsis und Ermutigungen immer wieder geholfen, wofür ich ihnen sehr herzlich danke. Annette Dufner und der Publikationsfonds der Universität Bielefeld haben die Veröffentlichung im Buch- und open access-Format finanziell großzügig unterstützt, auch dafür möchte ich meinen ausdrücklichen Dank aussprechen. Stephan Kopsieker vom mentis-Verlag hat den Prozess der Veröffentlichung dankenswerterweise sehr bedacht und gelassen begleitet. Ein ganz besonderer Dank gilt Henrike Pracht dafür, dass sie mir eine ihrer beeindruckenden Zeichnungen für die Covergestaltung des Buches zur Verfügung gestellt hat.
Neben der wissenschaftlichen Herausforderung bestand die noch größere Anstrengung, um dieses Buch schreiben zu können, in der persönlichen Auseinandersetzung mit dem Thema. Die Philosophie nicht nur als Wissenschaft, sondern ihren Sinn auch in der persönlichen Suche zu verstehen, habe ich in dieser Zeit gemeinsam mit Thomas Wachtendorf erlebt. Ich danke allen, die immer wieder größere oder kleinere Stücke des Weges mit mir gegangen sind und möchte meinen Dank an diese Menschen nicht gewichten, denn sie alle waren auf ihre je eigene Art mit mir – das ist ein großes Geschenk. Sie alle haben eine Idee davon, dass wir nicht weitermüssen, sondern dass wir weitergehen – und dass es gut ist, wenn wir das nicht bloß tun, sondern es auch tun wollen. Sie begreifen, dass unsere Reisen Geschichten sind, die nur über Umwege geschehen können – so wie es Gorman in DISPLACEMENT zum Ausdruck bringt: Yes. / We have gone further than we’ve come.