Danksagung
Auf einen tiefgreifenden Umbruch in unserer kulturellen Befindlichkeit hinzuweisen, die Beschaffenheit dieser Krise zu analysieren und zu interpretieren und schließlich die innere Dynamik der damit verbundenen Veränderungen logisch zu rekonstruieren, war die Absicht meiner Studien in den letzten zehn Jahren. Ist ein solches Unterfangen nicht von vornherein zum Scheitern verurteilt?1
Der vorliegende Band beantwortet den bereits vor knapp zehn Jahren vorgebrachten Zweifel des Jubilars mit einem klaren „Nein“. Er dokumentiert, dass Karlheinz Ruhstorfers Ansatz einer ideengeschichtlichen Topologie keineswegs als gescheitert gelten kann. Im Gegenteil, die hier versammelten Autor:innen sind der Überzeugung, dass dieser Ansatz angesichts der heutigen Herausforderungen einer Zeitenwende wichtige Impulse für unser Denken birgt. Insbesondere für eine Suche nach möglicher Gottesrede, die der gegenwärtig zu konstatierenden Zeitenwende angemessen erscheint, gibt uns Ruhstorfer sein Konzept der Konstellation der verschiedenen ideengeschichtlichen Denkorte als mögliche Markierungen mit auf den Weg, wenn es bei ihm heißt: „Wir brauchen ein konstruktives Verhältnis zu Gott, das die metaphysische Vernunft, moderne weltliche Erfahrung und postmoderne Offenheit in neuer Weise verbindet.“2
Die Auseinandersetzung mit Ruhstorfers Denken hat die Entstehung dieses „Werksbands“ maßgeblich inspiriert. In der Zusammen-Stellung der hier versammelten und doch ganz disparaten Beiträge ergibt sich ein beeindruckender Nachweis dafür, auf welch unterschiedliche Weise ein produktiver Umgang mit Ruhstorfers Initiative möglich ist. Damit ist der vorliegende Band nicht allein Ausdruck der tiefen fachlichen Verbundenheit mit Ruhstorfers Werk, sondern auch des großen persönlichen Dankes für die Bekanntschaft mit dem Freund, Kollegen, Weggefährten oder Lehrer, der Karlheinz Ruhstorfer für alle Beitragenden in der ein oder anderen Form (gewesen) ist. Damit hat dieser Werksband auch den Charakter einer „Festschrift“, die wir dem Jubilar anlässlich seines 60igsten Geburtstags widmen. So möchten wir mit diesem Werksband Karlheinz Ruhstorfer zu seinem runden Geburtstag von Herzen gratulieren, sein immer existenziell begründetes Engagement und seinen Optimismus für das Leben feiern, und ihm reichen Segen wünschen, für alles, was da noch kommen möge.
Ein großer Dank gilt allen Beitragenden zu diesem Werksband, deren Beiträge eine so tiefe und facettenreiche Auseinandersetzung mit Ruhstorfers Ansatz vor dem gegenwärtigen Hintergrund dokumentieren. Besonders möchten wir auch den Herausgebenden der Reihe Religion and Transformation in Contemporary European Society (RaT), namentlich insbesondere Prof. Dr. Kurt Appel und Prof. Dr. Jakob Deibl, für die Aufnahme dieses Sammelbands danken. Die Nähe zwischen dem Ziel der Reihe, die verschiedenen Wechselwirkungen von religiösen und gesellschaftlichen Transformationsprozessen zu reflektieren, und Ruhstorfers eigenem Anliegen ist so deutlich, dass eine Publikation in dieser Reihe eine ganz eigene ideale Konstellation darstellt. Dies verdeutlicht eine Formulierung, die Ruhstorfer einige Seiten nach der eingangs zitierten Überlegung in Anlehnung an Kants Wendung über das Verhältnis von Begriff und Anschauung anführt: „Ein Glaube ohne Kultur ist blind und eine Kultur ohne Glaube ist leer.“3 Für die gute Betreuung von Seiten der Buchreihe danken wir Jakob Deibl, Noemi Call und Dr. Martina Kayser vom Verlag Brill/Ferdinand Schöningh. Die großzügige finanzielle Unterstützung bei der Drucklegung in dieser Form hat die Erzbischof Hermann Stiftung ermöglicht. Hannah Stöhr und Cora Wirs danken wir ganz besonders für die großartige und zuverlässige Unterstützung bei den Korrekturarbeiten.
Die künstlerische Rahmung dieses Bandes verdient eine eigene Würdigung. Hier danken wir zunächst Prof. Dr. Hildegard König für ihr Gedicht „namen los“, das sie zum Anlass des 60igsten Geburtstags für den Jubilar verfasst hat, sowie Jeffrey Goldberg für die Vertonung des Gedichts. Hildegard König hat die literarisch-musikalische Inszenierung technisch und finanziell über den QR-Code ermöglicht. Ein großer Dank geht auch an Elia D. Carbognani für die Erstellung der Kalligraphie im Rahmen der Titelgestaltung. Den Anfang und das Ende der Festschrift umfangend dienen beide Kunstwerke neben der Erbauung auch der Mahnung: Wie im Gedicht kommt auch in der Kalligraphie das Bewusstsein um die Begrenztheit all unserer Reden von Gott zum Ausdruck. Hierzu werden zentrale Textpassagen von Michel Foucault, Friedrich Nietzsche, Paulus und Augustinus – die Autoren, mit denen sich Ruhstorfer in seiner Habilitationsschrift beschäftigte – in eine Konstellation mit- und ineinander verwoben, deren Mitte dennoch leer und unbestimmt bleibt.
Freiburg und München im Mai 2023
Anne-Kathrin Fischbach
Stephan Tautz

