Sucht man heute nach großen Bildern, mit denen sich die gegenwärtige geistige Situation zumindest des Abendlandes und der sogenannten westlichen Welt wenigstens etwas beschreiben ließe, so fallen einem zwar die Konzepte der bekannten Großdenker der Postmoderne und des (Post-)Strukturalismus ein, doch stellt sich zugleich das Gefühl ein, dass diese heute nicht mehr ganz so brandaktuell sein dürften. Gleichzeitig meldet sich das philosophische Gewissen, wollten doch auch die Autoren der Postmoderne – zumindest offiziell – keine neuen Meistererzählungen begründen, sondern mit ebendenselben aufräumen. Das heißt nicht, dass es implizit ganz anders gemeint sein könnte, und vor allem nicht, dass ihre Anliegen und Bewegungen nicht weiterlaufen und sich in aktuellen Debatten fortsetzen, man denke nur an den Postkolonialismus. Doch das Moment des Neuen und Innovativen, mit dem sie selbst sich ihren Status als Orientierungspunkte des 20. Jahrhunderts erkämpft haben, ist definitiv verzogen. Ein Nachzögling dieser neueren französischen Philosophie allerdings, der sich immer etwas am Rande der Szene aufhielt und sich doch nicht nur durch persönliche Kontakte, sondern auch seinem Anspruch nach stets mittendrin wahrnahm, ringt noch immer damit, alle Fäden zusammenzuziehen. Sein Anliegen ist das der bisherigen Philosophie zumindest kontinentaler Prägung, nämlich zur letzten entscheidenden Frage nach dem Prinzip von allem durchzudringen und dazu eine Antwort zu formulieren. Die letzte Frage stellt sich ihm nicht mehr in den bekannten Formulierungen, was ist das Seiende (Parmenides), warum ist überhaupt etwas und nicht nichts (Leibniz) oder was ist der Sinn von Sein (Heidegger). Für Jean-Luc Marion dreht sich alles – wirklich alles – um die Frage „was gibt?“.
Es verwundert wenig, dass Karlheinz Ruhstorfer bei seinem Durchgang durch die Geschichte der Philosophie und seiner Suche nach einer heutigen Philosophie, die auch für die Theologie als Gesprächspartner relevant ist, auf das Werk dieses Phänomenologen gestoßen ist. Er reflektiert die mögliche Verbindung seiner eigenen Grundeinsichten mit dieser wirkmächtigen Gestalt der jüngsten Phänomenologie.1 Darüber hinaus kümmerte er sich auch um die deutsche Übersetzung des für die Verbindung Theologie-Philosophie zunächst wichtigsten Werkes Marions, nämlich Gott ohne Sein. Wer die Veröffentlichungen Ruhstorfers kennt, weiß aber auch, dass sein erster Ausgangspunkt das Werk Heribert Boeders war.2 Welchen Sinn macht nun der Bezug zu Marion? Taugt er zu einer Gesamtorientierung im Sinne eines „Großen Bildes“? Findet sich ein gemeinsamer Fluchtpunkt in diesen beiden großen Panoramabildern der Philosophie, obschon sie völlig anders angelegt und aus unterschiedlichen Voraussetzungen entstanden sind?
Diese Fragen sollen in drei Schritten angegangen werden. Der erste Schritt ist scheinbar anekdotischer, kontingenter Natur, weil er das historische Feld der Studienzeit- und situation in Freiburg in den 1980er und 1990er Jahren umreißt, in dem sowohl der Jubilar als auch der Gratulant und Autor dieses Beitrags in Freiburg studierten, und einige biographische Bezüge enthält. Da Erinnerung immer kreativ ist und Bezüge nicht nur findet, sondern auch erfindet, wird hier im Nachhinein manches zusammengefügt, was damals für den Autor dieses Artikels nicht erkennbar sein konnte, sich aber im Rückblick doch nicht übergehen oder übersehen lässt. Gedanken, auch in Form von Studieninhalten, sind keine toten Informationen, sondern lebendig mit einem gewissen Schuss Entelechie. Das zeigt sich im zweiten Schritt, der in einigen Punkten Verbindungen zwischen dem Denken Marions und dem Boeders herstellt. Der dritte Schritt hebt die Bedeutung der Philosophie Marions für die Theologie überhaupt heraus und möchte so mit den eigenen schwachen Kräften ein Anliegen des Jubilars stärken. Zugleich finden dabei die Erinnerungsbilder aus der Freiburger Studienzeit einen Ort in einem größeren Gefüge.
1. Kurze Vorgeschichte in Freiburg
Die Unterscheidung der abendländischen Philosophie- und damit Geistesgeschichte in Epochen, wie man sie in Ruhstorfers Werk immer wieder findet, ist konkret inspiriert von Bernhard Uhde, lange Jahre Privatdozent und dann Professor für Religionsgeschichte in Freiburg i.Br.3, und dessen Lehrer und Gesprächspartner Heribert Boeder, der selbst 1954 in Freiburg promovierte und sich dann ebenda 1962 habilitierte. Doch diese Fragestellung reicht weit über solche konkreten, auch biographischen Bezüge hinaus. Sie war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts deutlich weniger befremdlich als in den 1980er oder 1990ern. Gerade Boeders wegweisender Lehrer Martin Heidegger rätselte um das Geschick des Abendlandes und versuchte die Grenzen der Seinsvergessenheit auch zeitlich und philosophiegeschichtlich zu bestimmen, ja er gab wesentliche Anstöße für die Erkenntnis, dass die Philosophie nicht immer vom Selben gehandelt hat. Karl Löwith und Hans Blumenberg konkurrierten in der Einschätzung des eigenständigen Charakters der Neuzeit. Von einem ungebrochenen Fragekontinuum vom Mittelalter bis über Hegel hinaus gingen beide nicht aus. Auch ein wacher katholischer Zeitbeobachter wie Romano Guardini nahm die fundamentalen Umbrüche wahr und schrieb schon 1950 über das Ende der Neuzeit. Ab François Lyotards La condition postmoderne (1979) unterlagen solche philosophiegeschichtlichen Betrachtungen dem Verdacht, neue große Erzählungen zu sein und damit einem veralteten, hegelsch-autoritären Denken verhaftet zu bleiben. Denken in Epochen hatte danach auch in der Freiburger Welt der Philosophie den Beigeschmack einer Art Restauration, obgleich es neben den genannten nachgerade zahlreiche solcher grundlegenden Entwürfe gab, die aber von der Schülergeneration meist nicht mehr weiterverfolgt oder gar dekonstruiert wurden. Zu erwähnen wäre die Abkehr vom Doktorvater und Vorbild bei mehreren Personen, die in den 1980ern und 1990ern in Freiburg lehrten, etwa bei Klaus Jacobi von Heinrich Rombach und bei Rainer Marten von Martin Heidegger oder die Distanz zu Heidegger bei Ute Guzzoni. Davon war ein Werner Beierwaltes als Philosophiehistoriker aus Leidenschaft seit seiner Berufung nach München räumlich und inhaltlich ebenso weit entfernt, wie die Vorlesungen des emeritierten, in Freiburg als Honorarprofessor lehrenden Max Müller trotz der räumlichen Nähe zeitlich aus einer anderen Welt übriggeblieben zu sein schienen. Sprachanalytisch inspiriertes Philosophieren zur Aufklärung des alltäglichen, „normalen“ Denkens, Weghilfen in ein anderes Naturverständnis, Dekonstruktion des Meisterdenkers Heidegger konnte man am Philosophischen Seminar studieren. Völlig unverbunden damit entwickelte an der Theologischen Fakultät Bernhard Casper in Nachfolge seines Lehrers Bernhard Welte eine religionsphänomenologische Philosophie, die ebenfalls um die großen Systemdenker der Philosophie eher einen Bogen machte, dafür aber auf Emanuel Levinas und die zeitgenössische französische Phänomenologie aufmerksam machte, die am Seminar für Philosophie eher weniger Anklang fanden. Doch ihren jeweils eigenen philosophischen Ort machten alle diese Richtungen nicht plausibel, weil sie letztlich in ihrer Unmittelbarkeit das Ganze der abendländischen Philosophiegeschichte nicht thematisieren konnten oder wollten. Was sollte ein Student mit Überlegungen zur „Phänomenologie des Idols“, wie sie Casper in einem Sammelband herausgab4, anfangen, wenn nicht zuallererst der Weg bis zur Frage aufgezeigt worden war? Auch wenn in diesem Sammelband der Beitrag eines Franzosen namens Jean-Luc Marion in der Übersetzung von Ludwig Wenzler abgedruckt war? Durchaus anders war da der Umgang Bernhard Uhdes in der Religionsgeschichte mit der Tradition, nämlich nicht nur negativ, sondern auch affirmativ, ohne dabei die Neuzeit oder Moderne zu übergehen. Er zeigte, dass die Theologie, wie sie bei den Kirchenvätern grundgelegt worden war, sich durch die Auseinandersetzung mit dem Neuplatonismus selbst einsichtig wurde und dann in den großen Synthesen des Mittelalters entfaltete, von einer eigenen, epochalen Dignität war und geblieben ist, auch wenn darin nicht alle Fragen schon beantwortet, geschweige denn gestellt worden sind. Dass die Philosophie und ihre Aufgaben epochal verschieden gewesen waren und dass die Philosophie vergangener Zeiten grundlegende Herausforderungen auch gemeistert hat, konnte bei Uhde mit Verweis auf den von ihm geschätzten Lehrer H. Boeder gelernt werden, auch hinsichtlich der Frage nach der Verhältnisbestimmung der Religionen.5 Schon dieser kleine Einblick zeigt, dass alle wesentlichen postmodernen Philosophieströmungen in der überschaubaren Freiburger Universitätswelt ihre Stimme erhoben, allein es fehlte der Blick für das Gesamte. Hier dachte man im bunten Pluralismus der Postmoderne, die sich ihres eigenen Gefüges noch nicht klargeworden war. Ein Gesamtbild war nicht auszumachen. Der Partikularismus der „Ansätze“ blieb entsprechend fade.
2. Boeder und Marion
Große Bilder haben es an sich, dass sie viel und vieles zu versammeln suchen und das oftmals auch in einer quantitativen, nicht nur qualitativen Art. Der Durchgang Boeders durch die gesamte abendländische Philosophie und Geistesgeschichte, begonnen bei den Weisheitsgestalten von Homer und Hesiod über die biblische Überlieferung des Neuen Testaments in die Neuzeit sowie Betrachtungen zu etwa Samuel Becket und der modernen Kunst, ist mit seiner Vielzahl, nach Selbsteinschätzung gar Gesamtzahl aller relevanten Philosophen und philosophischen Strömungen von den Vorsokratikern an in einem derart auf Geschlossenheit hindrängenden Werk einzigartig. Ähnlich überwältigt tritt man zurück, um auch nur ansatzweise einen Überblick über das Gesamtbild bei Jean-Luc Marion zu bekommen.6 Nicht diese Totalität einer Gesamtkonstruktion von Einzelgestalten wie bei Boeder konturiert hier das große Bild, sondern eine durchgehende Frage durch eine stattliche Anzahl von Philosophen. Dabei werden oftmals dieselben wie bei Boeder betrachtet, etwa Descartes, davor Thomas von Aquin und Johannes Duns Scotus, dann Suarez, die nachfolgende Philosophie, besonders in letzter Zeit Schellings Philosophie der Offenbarung, schließlich Husserl und Heidegger und bis in die neueste Philosophie, auch die analytische Philosophie, doch ebenso zeitlich zurückschauend Augustinus, die griechischen Kirchenväter, dann der als ernstzunehmende Philosophie und nicht mystisch angehauchte Esoterik einzuschätzende Neuplatonismus mit der Zentralgestalt Plotin, schließlich Aristoteles und Platon. Mit Boeder teilt Marion die Aufmerksamkeit für die bildende Kunst, gerade auch die moderne, und deren Aussagekraft für das philosophische Nachdenken.
Viel wesentlicher ist aber die jeweilige Vernunftabsicht bei beiden Denkern, die, wie leicht erkennbar ist, sowohl in ihrer Struktur und Form als auch in konkreten Inhalten auf einen gemeinsamen Grund hindeutet. Boeder formuliert sein Vorhaben sehr klar:
Das ‚Sein‘ oder näher: das ‚Es gibt‘ nimmt bei Heidegger die Bestimmtheit dessen an, was es zu denken gibt. Genau daraufhin ergibt sich aber eine Unterscheidung in der Gegenwart des unmittelbar widerwärtigen metaphysischen Denkens. Und zwar mit der Einsicht, daß das metaphysische Wissen dem Denken einer Vernunft entspringt, die stets in dem Sinne ‚conceptual‘ gewesen ist, daß sie sich der Vorgabe eines Wissens annahm, das sie nicht selber erbracht hatte.7
Das nicht selbst erbrachte, sondern vorgegebene Wissen, mit dem sich die Philosophie auseinanderzusetzen hat, um darin ihre eigene Rationalität zu entwickeln, ist dasjenige, das die Weisheit wissen lässt. Solche Weisheitsgestalten treten in der musischen Weisheit der Antike oder in der Lehre des Neuen Testaments auf. Sie werden auch greifbar in der Literatur und Dichtung von Rousseau, Schiller und Hölderlin. So beschränkt sich Boeders Philosophieren auf ein Zu-Gehör-Bringen durch Nachkonstruieren („bauendes Denken“): „What is our intention? To regain an ear for the configurations of wisdom of our tradition – for what they give to be thought.“8
Das Entscheidende, sozusagen der Anfang des Anfangs, ist das, was die Weisheitsgestalten zu denken geben. Am Anfang steht also ein Geben. So greift Boeder kritisch Heideggers Denken auf und führt es weiter. Zugleich verweist er mit der Haltung, nicht mehr die Philosophie der Metaphysik destruieren und negieren oder sie zumindest dekonstruieren zu müssen, sondern in ihr einer bleibenden Vorgabe zu begegnen, die auch plausibel gemacht werden kann, über den postmodernen Verdacht eines bloßen Konstruiertseins aller Erkenntnis hinaus. Darin kommt er mit dem philosophischen Unternehmen Jean-Luc Marions überein. Dieses zielt von einem sowohl biographisch als auch systematisch völlig anderen Ausgangspunkt, wenn auch einer gemeinsamen starken Auseinandersetzung mit Heidegger ebenfalls auf die Bedeutung des Gegebenen.
Marion geht es in seiner Phänomenologie der „Gegebenheit“ oder „Gebung“ (donation) ebenfalls ums Ganze. Da ist zunächst die Frage nach dem Ende der Metaphysik, die er sich mit Heidegger stellt, und ihrer Überwindung. Den Subjektbegriff welcher Couleur auch immer sieht Marion als Ausläufer metaphysischen Denkens, das mit seinem konstruktiven Zugriff zwar Objekte, aber nicht Objektivität oder gar die Sachen selbst erreicht. Insbesondere werde der Andere oftmals einem feststellenden Zugriff unterworfen wie bei Descartes und Sartre oder in eine Inter-Objektivität hineingezogen wie bei Husserl beziehungsweise gar nicht erst erreicht wie bei Heidegger.9 Zugleich lassen sich seine philosophiegeschichtlichen Studien zu Descartes ganz in Entsprechung zu Boeders Position sehen. Konkret zeigt sich dies nämlich darin, dass man einerseits kein einfaches Kontinuum ontologischen Denkens von Aristoteles bis z.B. Descartes ansetzen kann und dass andererseits sogar der immer aufs Neue als Ausgangspunkt des neuzeitlichen Rationalismus inszenierte Descartes genau besehen eine nicht zu leugnende Unabgeschlossenheit und gar Öffnung gegenüber einer nicht nur rein philosophisch funktionalen Gottesidee aufweist. Ebenso gehört für Boeder Descartes als Vertreter einer natürlichen Vernunft in ihrer neuzeitlichen Ausprägung in eine Gesamtbewegung der Neuzeit, die dann mit Hegel Religion und Theologie nicht abstoßen, sondern integrieren will.
Marion versucht wie Boeder die Philosophie der Gegenwart als gesamte zu ordnen und zu umfassen. Zunächst geschieht dies darin, Husserls „Gegebenheit“ und das von Marcel Maus herkommende Gabedenken zusammenzubringen.10 Nicht zu übersehen ist auch die enge Verbindung zu Heideggers „Es gibt“. Dabei strukturieren sich für Marion entscheidende Strömungen der Phänomenologie der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in ein Gesamtbild. Auch wenn Marions Überblick sehr knapp ausfällt und eher flächig, ohne geschichtliche Tiefendimension gearbeitet ist, verrät er doch die klare Absicht, eine Totalität zu entwickeln, und hat damit einen großen systematischen Stellenwert.11
Jede der phänomenologischen Hauptströmungen zeichnet sich für Marion dadurch aus, dass sie eine Form des „gesättigten“ Phänomens besonders bedacht und erarbeitet hat. Doch auch die anderen Wissenschaften fügen sich in diesen Gesamtentwurf der Phänomenologie ein, nämlich die Mathematik, insofern sie es mit „armen Phänomenen“ zu tun hat, und die Physik und Naturwissenschaften, insofern ihre Phänomene „gewöhnlich“ sind. Die gesättigten Phänomene haben eine Ordnung analog zu Kants vier Kategoriengruppen. Der Quantität zuzuordnen sei das Ereignis, das Paul Ricœur als Denker der Geschichtlichkeit bearbeitet, der Qualität das Idol, dessen Uneinholbarkeit die zahllosen Schriften Jacques Derridas stets aufs Neue herausarbeitet. Der Kategorie der Relation gelten die Arbeiten Michel Henrys, wenn er die besondere Rolle des Leibes entwickelt. Levinas’ Bedenken des Antlitzes des Anderen wird unter dem Stichwort Ikone als ein gesättigtes Phänomen der Modalität aufgegriffen, auch hier in Anlehnung an Kant, insofern Marion mit Modalität den Ich-Bezug des Phänomens anspricht. Allerdings geht Marion weiter als Kant, da für ihn das gesättigte Phänomen der Modalität die Typik aller drei anderen Phänomene in sich birgt und insgesamt grundsätzlicher erfasst. Das gesättigte Phänomen der Modalität hat also somit schon einen synthetischen Zug, den Kant so weniger bei den Kategorien als dann im disjunktiven Urteil der Urteilstafel anspricht. Dies drängt dazu, anhand des Gesichtspunktes der Steigerung nach der äußersten Möglichkeit eines gesättigten Phänomens zu fragen, das wiederum alle vier genannten in sich versammelt, ohne sie zu wiederholen. Damit wird Marion auf das Phänomen der Offenbarung gelenkt, das sich in Gegeben sei als der Schlussstein seiner Überlegung erweist.12 Diesem Phänomen widmete er neben zahlreichen Anläufen und Vorbereitungen das voluminöse Werk D’ailleurs, la révélation (2020).
Dieses jüngste Buch vertieft nicht nur den Hingegebenen (adonné) gegenüber Gegeben sei. Es erschließen sich in diesem Schritt hin zum Phänomen Offenbarung auch zentrale andere Phänomene in einer Fülle, die sonst unsichtbar bliebe. Das gilt insbesondere für das Phänomen der Liebe. Marion wird nicht müde, seine Hauptthese, die Liebe unter Menschen und die Liebe Gottes seien univok zu verstehen, zu erläutern. Während Marion sich in dem breit wahrgenommenen Buch Le phénomène érotique. Six méditations (2003) dem Phänomen der Liebe vom Menschen her näherte, verfolgt er in seiner Arbeit über die Offenbarung deren Kennlinien, wie sie sich in der christlichen Theologie und hier besonders der Trinitätslehre niedergelegt haben. Dies kommt in einem derart umfassenden Maße zum Tragen, dass erst der Heilige Geist, dessen dritter Eigenname neben Geist und Liebe ja bei Thomas von Aquin Gabe (donum) lautet, zeigen kann, was im Letzten Gabe ist und bedeutet:
Wenn also der Heilige Geist sich nicht nur als Gabe entfaltet, sondern als Prinzip der Gegebenheit in der immanenten Trinität (die Gemeinschaft der beiden, der Einklang der Geber), dann, wenn er kommt, (um sich) bis in die Ökonomie unserer Zeitlichkeit hinein zu geben, gibt er dort ebenso sehr nicht nur eine Gabe, sondern das Prinzip der Gegebenheit, weil er das eine nicht geben kann, ohne das andere deutlich zu machen.13
Der Heilige Geist erschließt die Gegebenheit selbst und lässt die Logik der Gabe in einer nur durch ihn gegebenen Klarheit als solche aufscheinen, „und zwar er alleine“14. So spielt dieses Werk eine entscheidende Rolle sowohl für die philosophische Phänomenologie als auch die christliche Theologie. Im Gesichtskreis der Offenbarung erschließen sich Geben und Offenbaren gegenseitig15 und damit auch Philosophie und Theologie, ohne dass diese Disziplinen ihre Eigenständigkeit verlieren würden. Diese Verbindung des aktuellen Gabedenkens mit der hochmittelalterlichen Theologie lässt sich fruchtbar weiterentfalten.16 Somit drängt es Marions philosophische Phänomenologie der Gegebenheit genau zu dem, was Boeder als die Weisheitsgestalt der mittleren Epoche aufgezeigt hat.
In der Einteilung der abendländischen Geschichte der Philosophie kommen sich Boeder und Marion ebenfalls sehr nahe. Den drei Epochen der Metaphysik bei Boeder entsprechen die drei Ausformungen einer „Ersten Philosophie“ bei Marion.17 Wie Boeder nun in den Epochen unterschiedliche Ausprägungsgestalten der Vernunft und die vorphilosophischen Weisheitsgestalten im Vergleich zu ihren metaphysischen Konzeptionen als bleibend gegenwärtig herausarbeitet, unterscheidet auch Marion die späteren Rezeptionsbilder der Metaphysik von ihrer ursprünglichen, deutlich sensibleren und offeneren Gestalt. Das Bleibende ist für Marion die Sensibilität für Gegebenheit und deren Wahrnehmung bei Denkern wie Thomas von Aquin oder auch Descartes. Ihre eigentliche Ausformulierung lässt sich aber erst mit und über Husserl und Heidegger hinaus finden. Genauso verweisen auch bei Boeder die Vernunftgestalten der Metaphysik in ihrem Gesamtgefüge auf das bleibend bei ihnen Konzipierte, können dies aber auch nur, weil die moderne Philosophie – wie z.B. die gerade genannten Freiburger Denker – den radikalen Schnitt mit der Metaphysik vollzogen hat.
Auch der Punkt, dass die Theologie des Christentums, sowohl die der Väterzeit als auch die des Mittelalters, eine eigene prägende Kraft hat und etwas Selbstständiges darstellt, verbindet Boeder und Marion. Boeder arbeitet gegen seinen Lehrer Heidegger heraus, dass die christliche Theologie den Rang einer prinzipiell eigenständigen Epoche der Denkgeschichte darstellt. Marion hält die Rede von der „Hellenisierung des Christentums“ im Sinne einer Verfälschung für einen „slogan faussement savant“18 und gibt eher Nietzsche recht, dass sich das Christentum des Hellenismus bemächtigt habe. An unterschiedlichen Beispielen macht er deutlich, dass gerade die großen Konzilien der Alten Kirche das philosophische Denken geprägt haben und nicht umgekehrt. Darin sieht er sogar ein Kennzeichen des inkarnatorischen Grundzugs christlichen Weltverständnisses.
Wenn schließlich Marions Philosophie das Neue Testament bedenkt, um den wesentlichen Punkt im Sich-selbst-durchsichtig-Werden der Phänomenologie betrachten und beschreiben zu können, so kommt er hier mit Boeder in eins. Dieser plante, als letztes seiner Werke das Gefüge der Weisheitsgestalten als solches darzustellen, ohne ihre philosophie- und metaphysikgeschichtliche Verortung. Die Geschichte der Metaphysik und der Philosophie bis in ihre postmodernen Ausprägungen ist ihm da nur der entscheidende Fingerzeig. Diese Weisheitsgestalt zeigt sich uns laut Boeder in der zweiten Epoche wesentlich in Form des Neuen Testaments.19 Auch Marion tritt nochmals von der Geschichte der Philosophie in allen ihren wesentlichen Ausprägungen zurück, um das, was sich im Phänomen der neutestamentlichen Offenbarung zu sehen gibt, als solches zur Geltung bringen zu können.20 Von diesen zahlreichen Beobachtungen her kann durchaus von einem gemeinsamen Fluchtpunkt in Boeders und Marions philosophischen Gesamtbildern gesprochen werden.
3. Dritter Teil
Die Bedeutung, die das Gabedenken für die Theologie aller Konfessionen hat, liegt auf der Hand. Dies hat bereits Veronika Hoffmann für die Themenfelder Rechtfertigung, Opfer, Eucharistie sowie Gottes- und Nächstenliebe herausgearbeitet.21 Wer das Werk Marions studiert, wird schnell weitere Themen beisteuern können, etwa die Gnadenlehre22, die theologische Hermeneutik und das Offenbarungsdenken23, dann natürlich die Trinitätstheologie usw. Auch wenn sich seine Phänomenologie – wie sollte es anders sein – im Kreuzfeuer der philosophischen und auch theologischen Kritik zu bewähren hat, hat sie den großen Vorzug, über solche Einzelthemen hinaus einen Gesamtentwurf zu bieten, mit dem auseinanderzusetzen sich lohnt, eben weil sie ein Gesamtentwurf ist und kein Ansatz für ein Spezialthema. Ein Unterschied zu Boeders Gesamtbild könnte sich sogar in gewisser Hinsicht als Vorteil für das Mitvollziehen erweisen. Boeder geht bekanntlich einen weiten, philosophiegeschichtlich voraussetzungsreichen Anweg zum letztlich Bedeutsamen, nämlich den Weisheitsgestalten. Sein eigener Ansatz verortet sich dann in keiner der bisherigen Gestalten von Philosophie und stellt sich allenfalls in die Nähe des analytischen Denkens. Marion dagegen steigt dezidiert bei einer bestimmten aktuellen philosophischen Strömung ein, nämlich der phänomenologischen Philosophie. Sein bohrendes Fragen nach den Grundprinzipien der Phänomenologie führt ihn dann zwar zu einem ebenfalls mehr als umfassenden Gesamtgebilde. Doch stets gibt es ein nicht bestreitbares Sachthema, das sich in unterschiedlicher Weise und Reichhaltigkeit erschließt, nämlich das Gegebene und die Bedeutung der Gegebenheit allgemein oder in ganz klaren Konkretionen vom Phänomen des Erotischen bis zu einem Bild von Gustave Courbet. Durch diese Standortbezogenheit bleibt der Gesamtentwurf für manchen nachvollziehbarer, weil leichter überprüfbar und kritisierbar. Dass Marions Philosophie im Bereich der Phänomenologie Fürsprecher, Nachfolger und auch scharfe Kritiker hat, international sehr breit diskutiert und immer wieder auch ignoriert wird, lässt den Einstieg in seinen Werkkosmos vergleichsweise normal und leicht erscheinen.24 Der Vorwurf, Marion und andere würden die Phänomenologie religiös oder christlich-katholisch unterwandern und gegen ihre eigenen Prinzipien umwandeln, hat über die sicher zutreffende Beobachtung hinaus, dass Marions Phänomenologie und philosophiegeschichtliche Forschung sowie die vieler anderer heutiger Phänomenologen keinen Bogen mehr um religiöse Phänomene und Denker machen, innerphilosophisch nicht überzeugt.25 Als Anzeige einer gegenseitigen Öffnungsbewegung von Philosophie und Theologie für die jeweils andere Disziplin bleibt Dominique Janicauds Einlassung bedeutsam, doch sein Anspruch auf die Definitionsmacht über die Phänomenologie und ihr Geschäft wird abgelehnt.
Dass es so viele Übereinstimmungen, gemeinsame Anliegen und in Form der Offenbarung beziehungsweise der Weisheitsgestalten auch einen gemeinsamen Fluchtpunkt im Schaffen von Marion und Boeder gibt, kann nicht einfach aus ihrem persönlichen katholischen Glauben oder der Lektüre gleicher Autoren wie Husserl oder Heidegger erklärt werden. Vielmehr sammeln sich in ihrem Denken diesseits und jenseits des Rheins Fragen und Antworten, die mit den Herausforderungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts und in der Übergangsphase von der postmodernen Weitung und Entgrenzung des Denkens hin zu einem sich noch klärenden Selbstverständnis unserer heutigen Zeit Ernst machen. Sie führen auf unterschiedliche Weise jene Gemengelage, wie man sie ganz kontingent, aber eben nicht zufällig in Freiburg vor 40 Jahren erleben konnte, zusammen. Sie waren selbst ein Teil davon, ohne selbst nur ein Teil zu bleiben. Verweisen nicht auch die in Freiburg schon vor 40 Jahren gemachten Versuche, über bloße konstruktivistische Ansätze hinaus die Aufgabe der Philosophie als Reflexion der Alltagssprache und -verständigung, als Bedenken von Natur, Wandern, Reisen oder eben die Selbstverständigung des nur noch „menschlichen Menschen“ zu bestimmen, auf ein der Philosophie Vorgängiges und Gegebenes? Marions und Boeders Philosophien teilen gewissermaßen diesen Punkt, gehen aber weit darüber hinaus. Sie zeigen, warum es im Abendland hinter und in allen großen und kleinen Erzählungen der Geistesgeschichte doch eine nicht zu bestreitende Vorgabe gibt, die in unvergleichlicher Weise etwas in Gang gesetzt hat, das uns wie bei einem großen Gemälde sanft und doch unnachgiebig dazu auffordert, einen Schritt zurückzutreten, und uns nötigt, statt vorbeizugehen, Zeit fürs Verweilen zu nehmen. Dieses Verweilen kann sich einer mit Ruhstorfer gesprochen „produktiven Konstellation“26 überlassen, wie sie ein solches großes Bild freisetzt, in der rechten Mitte zwischen Zufälligkeit, Gewolltheit und Folgerichtigkeit des Gewordenen. Ein solches Verweilen gibt dann nicht nur die Kraft für die gegenwärtigen Herausforderungen. Es lässt auch erst die Zeit finden, die einem zur Gegenwart wird.
Literatur
Alferi, Thomas: „Worüber hinaus Größeres nicht ‚gegeben‘ werden kann …“. Phänomenologie und Offenbarung nach Jean-Luc Marion. Freiburg: 2007.
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Boeder, Heribert: Topologie der Metaphysik. Freiburg: 1980.
Boeder, Heribert: Seditions. Heidegger and the Limit of Modernity. New York: 1997.
Boeder, Heribert: Die Installationen der Submoderne. Zur Tektonik der heutigen Philosophie. Würzburg: 2006.
Casper, Bernhard (Hrsg.): Phänomenologie des Idols. Freiburg: 1981.
Gabel, Michael/Joas, Hans (Hrsg.): Von der Ursprünglichkeit der Gabe. Jean-Luc Marions Phänomenologie in der Diskussion. Freiburg/München: 2007.
Gerl-Falkovitz, Hanna-Barbara (Hrsg.): Jean-Luc Marion. Studien zum Werk. Dresden: 2012.
Hénaff, Marcel: Die Gabe der Philosophen. Gegenseitigkeit neu denken. Bielefeld: 2014.
Hoffmann, Veronika: Skizzen zu einer Theologie der Gabe. Rechtfertigung, Opfer, Eucharistie, Gottes- und Nächstenliebe. Freiburg: 2013.
Janicaud, Dominique: Le tournant théologique de la phénoménologie française. Paris: 1991.
Jürgasch, Thomas u.a. (Hrsg.): Gegenwart der Einheit. Zum Begriff der Religion. Festschrift anläßlich des 60. Geburtstages Bernhard Uhdes. Freiburg u.a.: 2008.
Koci, Martin: „La phénoménologie est-elle une théologie? Jan Patočka entre le tournant théologique et la tâche de penser“, in: Transversalités 156 (2021), S. 87–111.
Koci, Martin: „After the Theological Turn: Towards a Credible Theological Grammar“, in: Open Theology 8 (2022), S. 114–127; <doi.org/10.1515/opth-2022-0198> (Datum des letzten Zugriffs: 18.10.2022).
Marion, Jean-Luc: „Auf der Suche nach einer anderen Phänomenologie“, in: Josef Wohlmuth (Hrsg.): Ruf und Gabe. Zum Verhältnis von Phänomenologie und Theologie. Bonn: 2000, S. 35–52.
Marion, Jean-Luc: „Eine andere ‚Erste Philosophie‘ und die Frage der Gegebenheit“, in: Gabel/Joas (Hrsg.): Von der Ursprünglichkeit der Gabe. Freiburg: 2007, S. 56–77.
Marion, Jean-Luc: Le phénomène érotique. Six méditations. Paris: 2003; deutsch: Das Erotische. Ein Phänomen. Sechs Meditationen, übers. v. Alwin Letzkus. Freiburg i.Br.: 2011.
Marion, Jean-Luc: Gott ohne Sein, übers. v. Alwin Letzkus, hrsg. v. Karlheinz Ruhstorfer. Paderborn: 2014.
Marion, Jean-Luc: Gegeben sei: Entwurf einer Phänomenologie der Gegebenheit. Freiburg i.Br./München: 2015.
Marion, Jean-Luc: D’ailleurs, la révélation. Paris: 2020.
Marion, Jean-Luc: Die Stringenz der Dinge. Gespräche mit Dan Arbib, übers. v. Ulli Roth, u. Mitw. v. Alwin Letzkus. Freiburg: 2020.
Marion, Jean-Luc: À vrai dire. Une conversation avec Paul-François Paoli. Paris: 2021.
Rineau, Louis-Marie: „Celui qui donne.“ Le don d’après Thomas d’Aquin. Paris: 2019.
Roth, Ulli: „Sich gegeben sein. Gnadentheologische Reflexionen zu Jean-Luc Marion“, in: Hilary Mooney/Karlheinz Ruhstorfer/Viola Tenge-Wolf (Hrsg.): Theologie aus dem Geist des Humanismus. Festschrift für Peter Walter. Freiburg i.Br. u.a.: 2010, S. 348–369.
Roth, Ulli: Gnadenlehre. Paderborn: 2013.
Ruhstorfer, Karlheinz: Konversionen. Eine Archäologie der Bestimmung des Menschen bei Foucault, Nietzsche, Augustinus und Paulus. Paderborn u.a.: 2004.
Ruhstorfer, Karlheinz: „Nachwort“, in: Jean-Luc Marion: Gott ohne Sein. Paderborn: 2014, S. 359–368.
Ruhstorfer, Karlheinz: „Produktive Konstellation. Zur Dia-Lektik von Wissen und Glauben in Europa“, in diesem Band erneut erschienen, S. 3–30.
Staudigl, Michael (Hrsg.): Der Primat der Gegebenheit. Zur Transformation der Phänomenologie nach Jean-Luc Marion. Freiburg i.Br.: 2020.
Uhde, Bernhard: „Die Krise der Gegensätze: ΄ΙΣΤΟΡ΄ΙΗ bei Hekataios, Herodot und Thukydides“, in: Tijdschrift voor Filosofie 33 (1971), S. 559–571.
Uhde, Bernhard: „Katholische Theologie und neuere Philosophie. Zum Verhältnis zweier Wissenschaften“, in: Gunther Stephenson (Hrsg.): Der Religionswandel unserer Zeit im Spiegel der Religionswissenschaft. Darmstadt: 1976, S. 247–261.
Uhde, Bernhard: Gegenwart und Einheit. Typoskript. Freiburg i.Br.: 1982.
Vgl. bes. Ruhstorfer, Nachwort.
Zu Heribert Boeders Grundanliegen und Systematik vgl. bes. Ruhstorfer, Konversionen, S. 22–33 mit dem Überblick S. 473.
Zu Uhdes systematischem Ansatz vgl. bes. Uhde, Die Krise der Gegensätze; Uhde, Gegenwart und Einheit und Jürgasch, Gegenwart der Einheit.
Vgl. Casper, Phänomenologie des Idols.
Vgl. Uhde, Katholische Theologie und neuere Philosophie; Uhde, Gegenwart und Einheit.
Einen guten Einblick in Denkweg und Selbstverständnis gibt der Interview and Marion, Die Stringenz der Dinge.
Boeder, Topologie der Metaphysik, S. 48.
Boeder, Seditions, S. 293.
Vgl. Marion, Gegeben sei, S. 526.
Vgl. Marion, À vrai dire, S. 165.
Vgl. Marion, Gegeben sei, S. 374–391 (§ 23. Topik des Phänomens).
Vgl. Marion, Gegeben sei, S. 392–410 (§ 43. Sich geben, sich offenbaren). Vgl. zur Fragestellung im Gesamtwerk Marions Alferi, Worüber hinaus.
Vgl. Marion, D’ailleurs, la révélation, S. 506: „Si donc l’Esprit Saint ne se déploie pas seulement un don, mais le principe de donation dans la Trinité immanente (la communion des deux, la concorde des donateurs), alors, quand il vient (à se) donner jusque dans l’économie de notre temporalité, il y donne aussi bien non seulement un don, mais le principe de donation, parce qu’il ne peut donner l’un sans manifester l’autre.“
Vgl. Marion, D’ailleurs, la révélation, S. 514: „et lui seul“. Erwähnt werden muss allerdings, dass Marion die Geisttheologie mehr vom Gabegedanken her aufbaut und so auch die zahlreichen Thomaszitate aufreiht, während Thomas den Schluss auf den Eigennamen Gabe für den Heiligen Geist von seinem Eigennamen Liebe her entwirft. Das übergeht Marion, D’ailleurs, la révélation, S. 513, weil der entscheidende Satz aus Thomas von Aquin, Summa Theologiae III q. 38, a. 2 resp. ohne Auslassungszeichen fehlt. Vgl. hierzu Roth, Gnadenlehre, S. 170.
Vgl. Marion, D’ailleurs, la révélation, S. 500 mit Verweis auf ein Dictum aus Bernhard von Clairvaux, Sermo super Cantica Canticorum VIII 2,5, S. 122: „At vero dando Spiritum per quem revelat, etiam ipsum revelat: dando revelat et revelando dat.“
Vgl. bes. Rineau, Celui qui donne.
Vgl. bes. Marion, Eine andere ‚Erste Philosophie‘.
Marion, À vrai dire, S. 204.
Vgl. Ruhstorfer, Nachwort, S. 360 u. 365 mit Verweis auf Marion, Auf der Suche, S. 46.
Vgl. das bei Ruhstorfer, Nachwort, S. 360 wiedergegebene Wort Marions: „In dem Moment, wo man gleichzeitig Derrida, Heidegger und den heiligen Thomas von Aquin kritisiert, um in irgendeiner Weise zu schlussfolgern, dass jetzt das Neue Testament oder gar nichts zählt, handelt es sich um eine Provokation.“ Vgl. Marion, Auf der Suche, S. 46.
Hoffmann, Skizzen.
Vgl. mit abwägender Beurteilung Roth, Gnadenlehre, S. 35–42; Roth, Sich gegeben sein.
Vgl. Alferi, Worüber hinaus.
Vgl. z.B. die umfassende Kritik in Hénaff, Die Gabe der Philosophen.
Vgl. Janicaud, Le tournant, vgl. dazu Marion, À vrai dire, 145–152, und aktuell Koci, La phénoménologie; Koci, After the Theological Turn.
S. Ruhstorfer, Produktive Konstellation, S. 22.