Die Alt-Katholische Kirche in Deutschland hat durch bischöflichen Erlass im Jahr 2014 eine offizielle âFeier der Partnerschaftssegnungâ eingeführt.1 âGleichgeschlechtlich liebende Paare, deren Gemeinschaft auf Dauer angelegt ist und die füreinander verantwortlich sorgen wollen, können und dürfen mit Recht für ihre Partnerschaft um den Segen Gottes bittenâ,2 heiÃt es im Vorwort des Bischofs zum neuen Ritus. Im Jahr 2021 hat die Alt-Katholische Kirche in Deutschland dann sogar die rechtliche und liturgische Gleichstellung der Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften und der Ehe beschlossen. Die Alt-Katholische Kirche in Ãsterreich hat ein Jahr später, 2022, veranlasst, dass gleich- oder verschiedengeschlechtliche Paare, die eine staatliche Ehe geschlossen haben oder eine eingetragene Partnerschaft eingegangen sind, in Bezug auf den altkatholischen, liturgischen Ritus gleichgestellt werden. Die Christkatholische Kirche in der Schweiz hat sich bereits im Jahr 2020 zu einer Gleichbehandlung von gleichgeschlechtlichen Paaren bekannt und im Jahr 2022 die Ãffnung des Ehesakraments für nicht gegengeschlechtliche Paare verkündet.
Dies sind Reaktionen auf die verhältnismäÃig raschen Veränderungen der gesellschaftlichen und rechtlichen Situationen von gleichgeschlechtlich liebenden Personen: In den Niederlanden trat als erstem Land auf der Welt 2001 die Eheöffnung für sie in Kraft. In Deutschland haben lesbische und schwule Paare immerhin seit 2017 ein Recht auf EheschlieÃung, in Ãsterreich seit 2019 und in der Schweiz seit 2022. Auch in vielen anderen europäischen Ländern ist es Lesben und Schwulen ermöglicht worden, gleichgeschlechtliche Ehen oder andere Formen gleichgeschlechtlicher Partnerschaften zu schlieÃen. Trotzdem bleibt in nicht wenigen europäischen Staaten unterschiedlichen queeren Leuten eine rechtliche Anerkennung ihrer Beziehungen zueinander nach wie vor verwehrt. Besonders queere Personen in postkommunistischen Ländern Osteuropas sind davon betroffen, wobei in einigen vermehrt neu aufkeimende antiqueere Tendenzen zu beobachten sind. In einem Staat wie Russland gibt es momentan ein autoritäres Regime mit einer queerfeindlichen Politik, welche sich durch Diskriminierungen von gleichgeschlechtlichen Paaren und Transgenderpersonen etc. bemerkbar macht. Inzwischen sind dort nicht nur Christopher Street Days, sondern insgesamt Werbung für nicht-traditionelle sexuelle Beziehungen verboten. Jüngst wurde die internationale LGBTQ-Bewegung für extremistisch erklärt und in Russland untersagt. Jegliches queeres Engagement wird momentan in diesem Staat kriminalisiert. Letztendlich soll sowohl ein offen queeres Leben als auch ein solches im Verborgenen bekämpft werden. Der Angriffskrieg auf die benachbarte Ukraine durch Russland seit 2022 im Osten Europas wird unter anderem mit der Verteidigung von ârussischenâ Werten gegen westliche Anschauungen begründet. Im Zuge dessen müssen unter anderem auch queere Personen als neue alte Feindbilder herhalten. Neuerdings gewinnen queerfeindliche Strömungen teilweise auch in Europa wieder mehr Zulauf. Ãsterreichs Nachbarland Ungarn, ein Mitgliedsstaat der Europäischen Union, ist ein gegenwärtiges Beispiel für staatlich verordnete Rückschritte bezüglich der Rechte von LGBTQ-Bürger_Innen. Queerfeindliche Gesetzesänderungen stehen dann im Widerspruch zu geltendem EU-Recht und bedeuten Konflikte mit anderen EU-Staaten.
Im Judentum und im Christentum gibt es momentan je nach religiöser Gruppierung unterschiedliche Regelungen für offizielle Feiern von lesbischen und schwulen Paarbeziehungen: Im Judentum werden innerhalb des Reformjudentums und bei den Rekonstruktionisten seit Jahren gleichgeschlechtliche Trauungen abgehalten. Inzwischen werden diese sogar in progressiven Kreisen des Konservativen Judentums weltweit praktiziert. Im Christentum werden in Europa zum Beispiel innerhalb der schwedischen, dänischen und norwegischen Evangelisch-Lutherischen Kirche und innerhalb der meisten deutschen evangelischen Landeskirchen gleichgeschlechtliche Paare verheiratet: In der Evangelischen Kirche in Baden, Bayern, Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Braunschweig, Bremen, Hannover, Hessen und Nassau, Kurhessen-Waldeck, Lippe, Mitteldeutschland, Norddeutschland, Oldenburg, in der Pfalz, im Rheinland, in Westfalen sowie in der Evangelisch-Reformierten Kirche in Deutschland können sich solche Paare neuerdings, heterosexuellen Paaren gleichgestellt, kirchlich trauen lassen. In Deutschland ist eine evangelische Trauung grundsätzlich eine rein kirchliche Feier, die keinerlei staatliche Rechtsgültigkeit hat, sondern eine standesamtliche EheschlieÃung voraussetzt.
Anderenorts in Europa gibt es noch keine der heterosexuellen Hochzeit gleichwertige kirchliche Feier für diverse queere Personen. Nur Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare werden in einigen Kirchen der westlich geprägten Welt â und auch da wieder nur in bestimmten Teilen â angeboten: Es gibt etwa in den anderen Landeskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland Segnungen von gleichgeschlechtlichen Paaren, wobei eine eingetragene Lebenspartnerschaft oder eine zivile Ehe Voraussetzung ist. Sogenannte âGebete der Liebe und des Glaubensâ werden seit Kurzem in der Church of England für gleichgeschlechtliche Paare angeboten.
Bestimmte Texte der Hebräischen Bibel werden bei Segnungsfeiern und Trau-ungen gleichgeschlechtlicher Paare als Lesungen oder als Predigttexte beson-ders gerne verwendet. Es sind dies 1 Samuel 18,1â4 für Männerpaare und Rut 1,14â17 für Frauenpaare sowie Kohelet 4,9â12 für beide oder andere queere Paare.
Hier bespreche ich nun die beiden Lesungstexte 1 Sam 18,1â4 und Rut 1,14â17.3 Zuvor möchte ich jedoch deren biblischen Kontext skizzieren. Beachtenswert ist nämlich, dass dort eigentlich keine reinen Paarbeziehungen, sondern nur Mehrfachbeziehungen vorkommen. Das verweist nicht zuletzt auf ein Verständnis von Ehen und Hochzeiten, welches sich von unserem heutigen unterscheidet.
8.1 Mehrfachbeziehungen in der Hebräischen Bibel statt reiner Paarbeziehungen
Die Bibelstelle 1 Sam 18,1â4 kann mit âDie erste Begegnung zwischen David und Jonatanâ betitelt werden und beinhaltet Jonatans Zusage der Lebensgemeinschaft an David. Sie steht in einem Erzählzusammenhang, in dem ein Dreiecksverhältnis Davids zu Jonatan und dessen Vater, dem israelitischen König Saul geschildert wird.4 Auch für die vorangegangene Auseinandersetzung zwischen David und Goliat werden erotische Motive angeführt.5 Um die Stelle auf eine exklusive gleichgeschlechtliche Partnerschaft beziehen zu können, müsste der Kontext also mehr oder weniger ausgeblendet werden. Auch für heterosexuelle Beziehungen ist die ausschlieÃliche Paarbeziehung nicht die allgemeine Norm in der Hebräischen Bibel. Dort gibt es nämlich neben der Einehe auch Polygynie (bei der ein Mann mehrere Frauen hat), während das Gegenteil, Polyandrie (bei der eine Frau mehrere Männer hat), allerdings als Ehebruch gewertet wird.6 Nicht nur israelitische Könige wie Saul und David durften mehrere Frauen haben, auch andere Männer mit geringerem Status. Von David sind zum Beispiel in den Samuelbüchern acht Frauen überliefert, nämlich Michal, Ahinoam, Abigal, Haggit, Abital, Egla, Maacha und Batseba. Am Anfang des 2. Samuelbuchs, in 2 Sam 1,26, wird in Davids berühmter Klage um Jonatan das Verhältnis zwischen Davids Männer- und Frauenbeziehungen von ihm selbst so charakterisiert, dass ihm sein âBruderâ â das heiÃt sein Liebhaber â7 Jonatan sehr lustvoll und dessen Liebe für ihn auÃergewöhnlicher als Frauenliebe gewesen sei.
Aus heutiger queerer Sicht erinnert Davids Klage an einen schwulen oder bisexuellen Mann, der behauptet, dass er die Liebe seines Liebhabers der Liebe von Frauen vorzieht. AuÃerdem kann König Davids ausgelassenes, fröhliches und eventuell sexuelles Verhalten beim Tanzen in der Ãffentlichkeit â in der Erzählung der Ladeüberführung nach Jerusalem in 2 Samuel 6 â Assoziationen mit dem Verhalten heutiger Personen auslösen, die sich als gay (âfröhlichâ, âschwulâ) bezeichnen.9
Auch Rut 1,14â17, âRuts Bindung an Noomiâ, welcher der zentrale Text der Hebräischen Bibel für weibliche Homoerotik ist, erscheint in einem anderen Licht, sobald die ganze Geschichte der Frauenbeziehung zwischen Rut und Noomi und beider Verhältnis zu dem Mann Boas einbezogen wird. Diese Bindung einer Frau an eine andere Frau kann als queere Gegengeschichte zu jener Stelle im zweiten Schöpfungsbericht verstanden werden, nach welcher dem ersten Menschen, Adam, eine Frau geschaffen wird, damit dieser das Alleinsein überwinden kann.10 Auf die Fragestellung, welche Partner_Innen wir heute alle brauchen, um nicht allein zu sein und überleben zu können, legt das erste Kapitel des Buchs Rut ein anderes Modell als eine ausschlieÃliche Mann-Frau Beziehung nahe, nämlich eine Frauenbeziehung zwischen Rut und Noomi.
Ruts bekannter Treueschwur gegenüber Noomi in Rut 1,16â17: âWo du hingehst, will ich hingehenâ, entspringt ihrer Zuneigung zu ihrer Schwiegermutter. Später, im dritten Kapitel des Buchs Rut, wird in einem positiven Kontext über diese beiden Frauen berichtet, dass sie quasi gemeinsam einen Mann, nämlich Boas, sexuell verführen. Gemäà Noomis Plan soll ihre moabitische Schwiegertochter Rut Boas, den judäischen Verwandten und Löser, zum Geschlechtsverkehr verleiten, um wieder einen männlichen Nachkommen zu erhalten, nachdem beide Söhne Noomis verstorben sind. Noomi und Rut erweitern ihre Beziehung mithilfe eines Manns namens Boas, welche durch ihn gelingt, wie schon sein sprechender Name andeutet: âIn ihm ist Machtâ. Solch gezieltes Einsetzen weiblicher Sexualität in einem heterosexuellen Geschlechtsakt, um eine Frauenbeziehung gesellschaftlich und wirtschaftlich abzusichern, ist heute zwar nicht für lesbische, aber möglicherweise für bisexuelle Leser_innen nachvollziehbar. Aus gegenwärtiger queerer Sicht könnte Boas einem Mann entsprechen, der Samenspender ist und zusätzlich das Leben des lesbischen Paars unterstützt. Im biblischen Text ist nicht einmal klar, ob sich Boas überhaupt von Frauen und speziell von Rut sexuell angezogen fühlt.11
So ist bemerkenswert, dass die beiden Lesungstexte 1 Sam 18,1â4 und Rut 1,14â17 eigentlich gar keine reinen Paarbeziehungen zwischen zwei Männern oder zwei Frauen betreffen, sondern im Kontext von Mehrfachbeziehungen stehen. Gegenwärtige â heterosexuelle oder gleichgeschlechtliche â Ehemodelle oder Hochzeitsriten durch Texte der Hebräischen Bibel begründen zu wollen, wäre anachronistisch.12 Die zahlreichen Verben in der Hebräischen Bibel, die â nicht im heutigen Sinn â âheiratenâ bedeuten, zeugen insgesamt von einer hauptsächlich androzentrischen Sichtweise und einer frauenverachtenden Welt, in der fast ausschlieÃlich Frauen â auch gegen deren Willen â von Männern verheiratet und wie Besitz angeschafft werden können. Allerdings gibt es â vor allem im Hohelied und im Buch Rut â demgegenüber auch konträre Aussagen. So ist es im Fall Ruts ausnahmsweise die Frau, welche den Mann Boas in Rut 3,9 auffordert, sie zu heiraten: âNimm deine Sklav_in zur Frau [
Der einzige althebräische Begriff, welcher das deutsche Wort âEheverpflichtungâ wiedergibt, ist
8.2 Die erste Begegnung zwischen David und Jonatan: Jonatans Zusage der Lebensgemeinschaft an David
Der Name Davids, des späteren Königs von Israel und Juda, ist programmatisch: David (
Als David aufgehört hatte, mit Saul zu reden, fühlte sich Jonatan herzlich mit David verbunden, und Jonatan liebte ihn wie sich selbst [
1 Sam 18,1×Ö·×Ö°×Ö´× ×Ö¼Ö°×Ö·×ֹּת×Ö¹ ×Ö°×Ö·×ֵּר ×Ö¶×־ש×Ö¸××Ö¼× ×Ö°× Ö¶×¤Ö¶×©× ×Ö°××Ö¹× Ö¸×ªÖ¸× × Ö´×§Ö°×©×Ö°×¨Ö¸× ×Ö¼Ö°× Ö¶×¤Ö¶×©× ×Ö¼Ö¸×Ö´× ×Ö·×Ö¼Ö¶×Ö±×Ö¸×Öµ××Ö¼ ×Ö°××Ö¹× Ö¸×ªÖ¸× ×Ö¼Ö°× Ö·×¤Ö°×©××Ö¹ ].
Eine alternative wörtliche Ãbersetzung für â[â¦] fühlte sich Jonatan herzlich mit David verbundenâ lautet: â[â¦] verband sich Jonatans
Saul nahm ihn [d. h. David] an diesem Tag und lieà ihn nicht wieder ins Haus seines Vaters zurückkehren [
1 Sam 18,2×Ö·×Ö¼Ö´×§Ö¼Ö¸×Ö¶××Ö¼ ש×Ö¸××Ö¼× ×Ö¼Ö·×Ö¼×Ö¹× ×Ö·××Ö¼× ×Ö°×Ö¹× × Ö°×ªÖ¸× ×Ö¹ ×ָש××Ö¼× ×Ö¼Öµ×ת ×Ö¸×Ö´×× ].
Was könnte dieser Vers bedeuten, in dem König Saul David â nach dessen Sieg über Goliat â ânimmtâ (
Das Verhältnis zwischen Saul, David und Jonatan ist also eine Dreiecksbeziehung, wobei offenbar die beiden älteren Männer â König Saul und dessen Sohn Jonatan â dem jungen, schönen David bereits bei ihrer jeweils ersten Begegnung verfallen sind. Praktisch gleichzeitig binden sie David an sich.
Jonatan sagte David die Lebensgemeinschaft zu, denn er hatte ihn lieb wie sich selbst [
1 Sam 18,3×Ö·×Ö¼Ö´×ְרֹת ×Ö°××Ö¹× Ö¸×ªÖ¸× ×Ö°×Ö¸×Ö´× ×ְּרִ×ת ×Ö¼Ö°×Ö·×Ö²×ָת×Ö¹ ×ֹת×Ö¹ ×Ö¼Ö°× Ö·×¤Ö°×©××Ö¹ ].
Nach 1 Sam 18,3 erweist Jonatan David seine Liebe, indem er als der höherrangige Königssohn in eine Lebensgemeinschaft mit dem schönen, jungen, erfolgreichen Kriegshelden eintritt, den er âwie sich selbst liebâ hat, womit die starke Aussage über Jonatans Liebe von 1 Sam 18,1 nochmals wiederholt wird.23 Kann also
Jonatan zog sein ärmelloses, mantelartiges Obergewand aus, das er anhatte, und gab es David, dazu sein Gewand und sogar auch sein Schwert, seinen Bogen und seinen Gürtel [
1 Sam 18,4×Ö·×ִּתְפַּש×Ö¼Öµ× ×Ö°××Ö¹× Ö¸×ªÖ¸× ×ֶת־×Ö·×Ö¼Ö°×¢Ö´×× ×ֲש×ֶר ×¢Ö¸×Ö¸×× ×Ö·×Ö¼Ö´×ªÖ¼Ö°× Öµ××Ö¼ ×Ö°×Ö¸×Ö´× ×Ö¼×Ö·×Ö¼Ö¸×× ×Ö°×¢Ö·×Ö¾×ַרְ×Ö¼×Ö¹ ×Ö°×¢Ö·×־קַש×ְתּ×Ö¹ ×Ö°×¢×Ö¾×Ö²×ֹר×Ö¹ ].
Jonatan beginnt die Lebensgemeinschaft mit dem aufstrebenden jungen Kämpfer symbolisch durch die Ãbergabe von Jonatans Kleidung und Waffen. In dieser Geste kündigt sich schon an, dass Jonatan auf das Königtum in Israel zugunsten Davids zu verzichten plant. Sowohl Jonatans ärmelloses, mantelartiges Obergewand als auch Schwert und Bogen zeugen von seiner hohen Stellung als Königssohn. Er ist bereit, sie an David abzugeben.25 Gegenüber heterosexistischen Auslegungen, welche eine erotisch-sexuelle Komponente ausschlieÃen wollen, plädiere ich dafür, emotionale, politische und religiöse Dimensionen hier erst gar nicht auseinanderzudividieren.
Etwas später wird von einem bemerkenswerten Liebesschwur zwischen den beiden Männern David und Jonatan berichtet:
Jonatan lieà David nochmals bei seiner Liebe zu ihm schwören [
1 Sam 20,17×Ö·×Ö¼×ֹסֵף ×Ö°××Ö¹× Ö¸×ªÖ¸× ×Ö°×ַש×Ö°×Ö¼Ö´××¢Ö· ×ֶת־×Ö¼Ö¸×Ö´× ×Ö¼Ö°×Ö·×Ö²×ָת×Ö¹ ×ֹת×Ö¹ ]; denn er liebte ihn wie sich selbst [×Ö¼Ö´×Ö¾×Ö·×Ö²×ַת × Ö·×¤Ö°×©××Ö¹ ×Ö²×Öµ××Ö¹ ].
Warum ânochmalsâ? Hier stutzen die Lesenden, weil im 1. Samuelbuch von einem früheren Liebesschwur keine Rede ist. Heute kann der Vers 1 Sam 20,17 als queer betrachtet werden: Die Formulierung, dass jemand seinen Geliebten âbei seiner Liebeâ schwören lässt, würde für viele wahrscheinlich eher zu einem Liebeslied wie dem Hohelied passen. In Hld 2,7 und Hld 3,5 wird aber âbei den Gazellen oder den Damhirschkühen des Feldesâ geschworen, was aus meiner Sicht als rein erotische, nicht religiöse Metapher anzusehen ist.26



Simeon Solomon, David und Jonatan, 1854â1855, The Jewish Museum, London
In zwei Zeichnungen des jüdischen Malers Simeon Solomon (1840â1905), der zur Kunstbewegung der Präraffaeliten in London zählte, wird das biblische Motiv des Schwurs zwischen David und Jonatan homoerotisch gedeutet. Solomon zeigt David als effeminierten Mann und bildet ihn in liebevoller Umarmung mit Jonatan ab.27 Auf der farbigen Zeichnung ist der bekrönte David mit auffallend blonden Haaren, die bis auf den Boden reichen, im bodenlangen Kleid zu sehen. Seine rechte Hand hält er auf Jonatans Herz und schwört quasi âbei seiner Liebe zu ihmâ. Wofür das grüne Fantasietier mit groÃen, spitzen Ohren auf Jonatans Helm steht, bleibt unklar. In der Federzeichnung hingegen hat Jonatan seine linke Hand im Schwurgestus erhoben. David, mit nacktem Oberkörper in Jonatans Armen liegend, blickt diesen mit groÃen Augen verliebt an. Solomon lebte seine Sexualität offen mit Männern zu einer Zeit aus, als dies nicht akzeptiert wurde.28
In der Hebräischen Bibel gibt es Liebesschwüre allerdings nicht nur zwischen Mann und Frau â wie im Hohelied â oder zwischen zwei Männern â wie im ersten Samuelbuch â, sondern auch zwischen zwei Frauen, nämlich im Buch Rut.
8.3 Ruts Treueschwur gegenüber Noomi: âWo du hingehst, will ich hingehenâ
âWo du hingehst, will ich hingehenâ. Diese bekannten biblischen Worte der Bindung Ruts an eine andere Frau geben Anlass für eine queere Interpretation. Rut ist die moabitische UrgroÃmutter König Davids. Trotz ihrer fremden Herkunft wird sie in Israel zur Stammmutter. Nach ihr ist das biblische Buch benannt, in welchem eine Frauenbeziehung im Zentrum steht. Rut (
Bis zum Ersten Weltkrieg verdichtete sich die Chiffre âFreundinâ zur doppelsinnig-eindeutigen Selbstbezeichnung. In ihrer Ãberlieferung vermischten sich männerbündische Diskreditierung und lesbisches Selbstbewusstsein.29
So sang Marlene Dietrich im Lied âWenn die beste Freundinâ zusammen mit Margo Lion hintergründig von weiblicher Bisexualität. Schwingt beim Namen Rut zur Zeit der Hebräischen Bibel eine ähnliche Bedeutung mit?
Die sprechenden Namen im Buch Rut unterstützen eine queere Lesart der Frauenbeziehung zwischen Rut und Noomi. Als für die Judäer_in Noomi und ihre beiden moabitischen Schwiegertöchter Rut und Orpa auf der Heimreise nach Betlehem die Zeit gekommen ist, voneinander Abschied zu nehmen und sich endgültig zu trennen, brechen Gefühle hervor. Während Orpa der Aufforderung ihrer Schwiegermutter, nach Moab zurückzukehren, nachgibt und sich durch einen Kuss endgültig von ihr verabschiedet â der Name Orpa (
Im Buch Rut verschwimmen nicht nur hier soziokulturelle Geschlechterrollen, ja sogar sexuell definierte Rollen. Auf einer symbolischen Ebene wird Rut als Noomis Mann dargestellt, weil Rut ihren Vater und ihre Mutter verlässt (
Ruts Treueschwur gegenüber ihrer Schwiegermutter in den darauffolgenden Versen Rut 1,16â17 entspringt â queer gelesen â ihrer Zuneigung zu Noomi:
Rut und Noomi stammen aus verschiedenen Völkern, nämlich aus Moab und Juda, und gehören unterschiedlichen Religionen an. Ruts Zuwendung zu Noomi bedeutet nicht nur, überall mit ihr hinzugehen und an denselben Orten die Nächte zu verbringen. Wegen ihrer Bindung an diese Frau ist sie auÃerdem entschlossen, sich auf eine andere Kultur und eine andere Religion einzulassen, wobei dabei nicht gesagt ist, dass sie deshalb zu einer bedingungslosen Assimilation bereit ist.
Rut schwört, dass nur der Tod sie von ihrer Schwiegermutter wird trennen können, egal was ihr, durch G*tt (
Da sich nirgendwo in der Bibel und in kaum einer anderen Literatur eine bewegendere Bekundung von Liebe und Treue findet, wird Rut 1,16â17 oft als Hochzeitslesung oder Trauspruch bei Hochzeiten heterosexueller Paare verwendet. Aus heutiger Sicht passen diese biblischen Texte eher zu jüdischen oder christlichen Trauungen oder Segnungen lesbischer und schwuler Paare. Ruts Treueschwur gegenüber Noomi geht sogar über die Formel in christlichen Trauliturgien âbis dass der Tod uns scheidetâ in traditionellen kirchlichen Ehegelöbnissen hinaus.36 Während eine Ehepartner_In nach dem Tode der_des anderen nochmals heiraten könnte, möchte Rut am selben Ort wie Noomi begraben werden, also auch im Falle des früheren Ablebens der älteren Frau sich anschlieÃend nicht mehr an einen anderen Menschen binden. Wer wäre heute tatsächlich zu so einem radikalen Schwur bereit? Problematisch und unrealistisch ist die kirchliche Aneignung, wenn daraus eine allgemeine Vorschrift zu unauflöslicher Treue gemacht wird â die in einer patriarchalen Vorstellungswelt vor allem auf Frauen bezogen wird.
Nach der biblischen Geschichte gesellt sich im zweiten Buch Rut eine weitere Person, nämlich Boas, zum Frauenpaar Rut und Noomi hinzu, der die Paarbeziehung zu einer Dreiecksbeziehung erweitert. Daher legen sich Ruts Worte der Bindung gegenüber Noomi in Rut 1,16â17 heute genau genommen eher für bisexuelle und polyamore als für lesbische Aneignungen durch öffentliche oder private Feiern familien- und kirchenrechtlich anerkannter oder nicht anerkannter Lebensgemeinschaften nahe. Eine queere Lektüre des Buchs Rut stellt wegen der Dreiecksbeziehung zwischen zwei Frauen und einem Mann eine Herausforderung nicht nur für heterosexuelle, sondern auch für gleichgeschlechtliche Ehe- und Segnungsmodelle dar, welche die Lebensrealität bisexueller und polyamorer Menschen nicht berücksichtigen.



Philip Hermogenes Calderon, Rut und Noomi, 1886, Walker Art Gallery, Liverpool
Gerade dort, wo sich eine Frau als Hauptfigur in einem biblischen Text durch ihre Treue (
In einem romantischen, orientalisierenden Gemälde Philip Hermogenes Calderons (1833â1898)40 werden die Gefühle zwischen Rut und Noomi intensiviert dargestellt. Die Figur, welche Noomi zeigt, ist auffallenderweise sexuell ambivalent und könnte von Betrachter_Innen, welche den Titel des Bildes nicht kennen, auch für Boas gehalten werden.41 Der Titel âRut und Noomiâ weist aber auf die Abschiedsszene zwischen Noomi und ihren Schwiegertöchtern auf dem Weg nach Juda hin, wo Rut sich an ihre Schwiegermutter fest anhängt und ihr Treue schwört, während Orpa nach Moab zurückkehren wird. Es könnte vermutet werden, dass die Schaffung einer sexuell mehrdeutigen Gestalt ein Kompromiss Calderons gewesen ist, weil eine gemalte innige Umarmung zweier biblischer Frauen im viktorianischen England als anstöÃig empfunden worden wäre.
8.4 Fazit
Sich auf die Auslegung bestimmter alter Texte der Hebräischen Bibel im Zusammenhang mit damaligen Bekräftigungen von Beziehungen zwischen zwei Männern bzw. zwischen zwei Frauen zu konzentrieren, entspringt der heutigen Fragestellung, neue liturgische Formen für gegenwärtige Beziehungen diverser queerer Personen zu schaffen.
Erstens weise ich im Zusammenhang meiner queeren Auslegungen der beiden Lesungen für Segnungsfeiern und Trauungen gleichgeschlechtlicher Paare â 1 Sam 18,1â4 (für ein Männerpaar) und Rut 1,14â17 (für ein Frauenpaar) â darauf hin, dass sowohl in den Samuelbüchern mit der homoerotischen Dreiecksgeschichte zwischen Saul, David und Jonatan (plus deren Frauen) als auch im Buch Rut mit der polyamoren Dreiecksgeschichte zwischen Rut, Noomi und Boas keine reinen Paarbeziehungen, sondern Mehrfachbeziehungen dargestellt werden. Bei einem Vergleich heutiger Vorstellungen mit jenen, die wir in der Hebräischen Bibel finden, werden groÃe Unterschiede hinsichtlich Ehe und Hochzeit deutlich. Gegenwärtige â heterosexuelle oder gleichgeschlechtliche â Ehemodelle oder Hochzeitsriten durch Texte der Hebräischen Bibel begründen zu wollen, wäre anachronistisch.
Zweitens ist in der ersten Begegnung zwischen David und Jonatan in 1 Sam 18,1â4, dem Lesungstext für ein Männerpaar, gleich zweimal davon die Rede, dass Jonatan David (ein Name, der nichts anderes als âder Geliebteâ bedeutet) âwie sich selbstâ liebt. Es bleibt den Lesenden überlassen, wie sie das hebräische Verb für âliebenâ verstehen wollen. Vermutlich wurde zur Zeit der Abfassung des biblischen Texts gar nicht zwischen körperlich/sexueller âLiebeâ und unkörperlich/asexueller âLiebeâ unterschieden. Gleichzeitig mit Jonatans wiederholter Liebesbekundung an David nimmt König Saul den schönen, im Kampf erfolgreichen Jüngling zu sich und lässt ihn nicht wieder ins Haus seines Vaters zurückkehren. David könnte deshalb mit einer neu verheirateten Braut verglichen werden, die in den Haushalt ihres Ehemanns einzieht. Jonatan sagt David zeitgleich seine Lebensgemeinschaft zu. Ich plädiere im Zusammenhang mit 1 Sam 18,1â4 dafür, emotionale und politische Dimensionen nicht auseinanderzudividieren.
Drittens unterstützen sprechende Namen im Buch Rut eine queere Lesart des Lesungstexts Rut 1,14â17 für ein Frauenpaar: Aus damaliger wie heutiger Sicht kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Beziehung Ruts, âder Freund_inâ, zu Noomi, der âLustvollenâ, als erotisch motiviert verstanden wird, da sie sich in Rut 1,14 an ihre Schwiegermutter fest anhängt und ihr in Rut 1,16â17 lebenslange Treue schwört. Ãhnliche Formulierungen im Buch Rut und im zweiten Schöpfungsbericht legen aus queerer Sicht ein eheähnliches Verhältnis zwischen diesen beiden Frauen im Buch Rut nahe. Die Aneignung eines solch radikalen Treueschwurs ist jedoch für heutige lesbische Paare problematisch. Die Dreiecksbeziehung zwischen Rut, Noomi und Boas stellt zudem eine Herausforderung nicht nur für heterosexuelle, sondern auch für gleichgeschlechtliche Ehe- und Segnungsmodelle dar, welche die Lebensrealität bisexueller und polyamorer Menschen nicht berücksichtigen.
Die Erschaffung sexuell ambivalenter Figuren in Werken der Bildenden Kunst der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in England liefert zusätzliche queere Interpretationen der an sich schon bemerkenswert homoerotischen Bibelstellen: Simeon Solomon zeichnet David als effeminierten Liebhaber Jonatans beim Liebesschwur (1 Sam 20,17), und Philip Hermogenes Calderon malt Noomi als sexuell mehrdeutige Gestalt in inniger Umarmung mit Rut (Rut 1,14â17).
Nach meinen queeren Auslegungen von Lesungen für Segnungsfeiern und Trauungen gleichgeschlechtlicher Paare folgen im letzten Kapitel dieses Sammelbands meine queeren Lesarten von 2 Samuel 6 im Zusammenhang mit König Davids EntblöÃung beim Tanz. Ãber David gäbe es noch viel mehr im Zusammenhang mit erotischen Verhältnissen zwischen Männern zu sagen, sowohl was homoerotische Rezeptionen in Werken der Bildenden Kunst als auch was bibelwissenschaftliche Interpretationen der schriftlichen Quellen an sich betrifft. Auch meine queeren Lesarten von Rut sind hier im vorletzten Kapitel äuÃerst kurzgefasst.42 Als sich David in der Ladeerzählung im 6. Kapitel des zweiten Samuelbuchs beim Tanz nackt zeigt, ist er bereits König über Juda und Israel.
Dieses Kapitel ist eine Ãberarbeitung von Karin Hügel âLesungen für Segnungsfeiern gleichgeschlechtlicher Paare, queer ausgelegt. Jonathans Zusage der Lebensgemeinschaft an David (1 Sam 18,1â4) und Ruths Treueschwur gegenüber Noomi (Ruth 1,14â17)â, in Alt-Katholische und Ãkumenische Theologie 1 (2016). Jahresheft des Alt-Katholischen Seminars der Universität Bonn, hg. Andreas Krebs (Bonn: Alt-Katholischer Bistumsverlag, 2016), 31â48. Dieser Artikel wurde auf der ersten gemeinsamen Tagung der Gesellschaften für Geschlechterstudien aus Deutschland, der Schweiz und Ãsterreich âAktuelle Herausforderungen der Geschlechterforschungâ an der Universität zu Köln 2017 vorgetragen.
Feier der Partnerschaftssegnung, 8.
Bezüglich Koh 4,9â12 vgl. Kap. 2. âKohelet 4,9â12â.
Bezüglich meiner queeren Lesart dieses Dreiecksverhältnisses vgl. Hügel, âQueere Lesarten der Hebräischen Bibelâ (unveröffentlichtes Manuskript).
Die Schönheit des jungen David weckt das Begehren des Knabenliebhabers Goliat. Vgl. Kap. 7. âDavid und Goliatâ.
Satlow, Jewish Marriage in Antiquity, 189.
In Hld 1,16 macht die Frau ihrem Geliebten folgendes Kompliment: âSiehe, du [bist] schön, mein Geliebter, ja lieblich [
Vgl. Kap. 9. â2 Samuel 6â.
Vgl. Gen 2,18â24.
Brett Krutzsch zeigt heterosexuelle Voreingenommenheit in bibelwissenschaftlichen Interpretationen von Boas auf, welche dieser biblischen Figur unterstellen, dass sie sich von Frauen sexuell angezogen fühlt. Boasâ sexuelles Empfinden ist jedoch keineswegs klar, sondern entspringt weitgehend der Fantasie der Interpret_Innen. Krutzsch, âUn-Straightening Boazâ, 541â52.
Ich behaupte zudem, dass eine Liebeslyrik wie das Hohelied, in dem sexuelles Begehren und erotische Anziehung im Vordergrund stehen, sämtliche Ehe- und Lebenspartner_Innenschaftsmodelle herausfordern kann, auch jene von lesbischen und schwulen und anderen queeren Paaren. Vgl. Abschn. 3.1. âLiebe auÃerhalb der Eheâ.
Die Formulierung
Vgl. Hld 1,2 etc.
Die Lesungstexte 1 Sam 18,1â4 und Rut 1,14â17 nach der Einheitsübersetzung, welche im Artikel âLesungen für Segnungsfeiern gleichgeschlechtlicher Paare, queer ausgelegtâ, 35.39 zusätzlich angeführt werden, wurden in diesem Sammelband weggelassen, weil diese oder andere Ãbersetzungen selbst in den jeweiligen Bibelausgaben nachgelesen werden können.
Vgl. Spr 16,26.
Vgl. Gen 34,2â3.
Schroer/Staubli, âSaul, David und Jonathanâ, 18. In der aramäischen Ãbersetzung des Targums Jonathan zu 1 Sam 18,1 wird Jonatans Zuneigung zu David noch expliziter ausgesprochen. Dort wird nämlich das aramäische Verb
Vgl. Abschn. 3.3. âPerspektive weiblichen Begehrens im Hoheliedâ.
Brenner, Intercourse of Knowledge, 13.
DCH, 4:573.
Kaplan, Men We Loved, 105.
Für manche mag diese Ãbersetzung von
Vgl. Mal 2,14.
Im Zusammenhang des ersten Samuelbuchs ist von Bedeutung, dass nur der König und sein Sohn im Unterschied zu allen anderen Israelit_Innen überhaupt Waffen besitzen (vgl. 1 Sam 13,22) und David nun nach 1 Sam 18,4 zum zweiten Mal die Möglichkeit erhält, solche zu bekommen. Wir erfahren nicht, dass David die Kleidung und die Waffen Jonatans ablehnt, wie er es zuvor mit der Kleidung und den Waffen König Sauls getan hatte (vgl. 1 Sam 17,38â39).
Vgl. Abschn. 3.6. âHohelied als nicht religiöse Liedersammlungâ.
Bezüglich dieser beiden Zeichnungen von Solomon, David und Jonatan von 1854â1855, welche sich in The Jewish Museum in London befinden, vgl. Abb. 5 und 6 bzw. Cruise, Love Revealed, 70.
Solomon wurde 1873 zum Opfer der homophoben Gesetzgebung des viktorianischen Englands: Der damals 33-Jährige wurde zusammen mit dem 60-jährigen Stallknecht George Roberts in einer öffentlichen Toilette in London gefangen genommen. Die Anklage lautete auf ein versuchtes geschlechtliches Verhältnis gegen die Ordnung der Natur und unsittliche EntblöÃung. Während Roberts zu achtzehn Monaten harter Arbeit verurteilte wurde, wurde Solomon nur mit einer Geldstrafe bedacht und freigelassen. Seymour, âTrialâ, 28.
Hacker, Frauen und Freundinnen, 192â93.
Duden, s. v. SüÃe.
Vgl. Hld 7,7.
Vgl. 2 Sam 1,26 bzw. Abschn. 8.1. âMehrfachbeziehungenâ.
Pardes, âBook of Ruthâ, 102. Mit 1 Kön 11,2 und Gen 34,3 finden sich zusätzlich Textstellen, wo
Vgl. Abschn. 3.1. âLiebe auÃerhalb der Eheâ.
Devi, Long Time Love.
Jennings, Jacobâs Wound, 228.
Winterer, Verkehrte Sexualität, 111.
Lorde, âVom Nutzen der Erotikâ, 187â94.
In der Hebräischen Bibel gibt es auffallenderweise kein Verbot, das Sex zwischen Frauen ahndet. In einem Lied des Hohelieds mögen queer Lesende sogar wegen der mehrdeutigen bildhaften Sprache der Erotik Anklänge an lesbische Sexualität finden. Hld 4,5 könnte bedeuten, dass sich die mit jungen Gazellen verglichenen Brüste einer Frau an anderen Frauen erquicken. Vgl. Abschn. 3.5. âSprache der Erotik im Hoheliedâ.
Bezüglich des Gemäldes Rut und Noomi, das sich heute in der Walker Art Gallery in Liverpool befindet, vgl. Abb. 7.
In der Bibel wird jedoch keine öffentliche Umarmung zwischen Boas und Rut in freier Natur geschildert, sondern nur ihr heimliches Treffen auf der Tenne, wo bei ihrem Sex keine weitere Person anwesend ist. Vgl. Rut 3,6â14.
Bezüglich meiner ausführlichen queeren Lesarten der Samuelbücher (Saul, Goliat, David und Jonatan) bzw. jener des Buchs Rut (Rut, Noomi und Boas) vgl. Hügel, âQueere Lesarten der Hebräischen Bibelâ (unveröffentlichtes Manuskript).