Queere Lesarten der Hebräischen Bibel â was ist damit gemeint?1 Mit dem aus dem Englischen stammenden, inzwischen eingedeutschten Wort âqueerâ wird heute auf nicht normative Sexualitäten hingewiesen.2 Die Quellentexte, die hier in besonderer Weise ausgelegt werden, stammen aus der Hebräischen Bibel bzw. dem Tanach.
Die biblischen Schriften
Die Bezeichnung âBibelâ war ursprünglich ein pluralistisches Substantiv. Der jüdische Historiker Flavius Josephus erklärt im 1. Jahrhundert n. d. Z. in einem seiner Werke3 der griechischen Leserschaft, welche Schriften im Judentum normative Bedeutung haben, und bezeichnet diese Schriften dabei als
Ausgangspunkt meiner Untersuchungen ist nur die Hebräische Bibel, also jener ältere und gröÃere Teil der biblischen Schriften, abgefasst in Althebräisch, welcher religiöse Schriften beinhaltet, die bis heute für das Judentum maÃgeblich sind. Bei der Hebräischen Bibel handelt es sich um eine Bibliothek offiziell anerkannter Bücher. Die gesammelten Schriften der wichtigsten jüdischen Ãbersetzung der Hebräischen Bibel ins Griechische, Septuaginta genannt, wurden später konkret in der Absicht zusammengestellt, um der aus dem Judentum neu entstandenen, sich jedoch davon abgrenzenden christlichen Religionsgemeinschaft als âKanonâ,8 das heiÃt als normative Schriftensammlung, zu dienen.9 Im Kontext heutiger Bibelwissenschaften ist aber auch im Christentum die Hebräische Bibel in der Originalsprache10 â und nicht etwa die Septuaginta â die vorrangige Quelle für wissenschaftliche Untersuchungen.
Queer â ein radikales Plädoyer für Freiheit
In Abgrenzung zu den lesbischen und schwulen Befreiungsbewegungen entwickelte sich seit Beginn der Neunzigerjahre des 20. Jahrhunderts zuerst in den USA der Begriff âqueerâ als Bezeichnung sowohl für eine theoretische Richtung (Queer-Theorie, Queere Studien) als auch für eine neue Art von politischem Aktivismus. Queer fungiert nicht nur als Ãberbegriff, sondern auch als grundsätzliche Infragestellung von Identitätskonzepten oder als politisch-strategisches Konzept.11
Die Ereignisse des Wochenendes vom 27.â29. Juni 1969 im Stonewall Inn in New York City gelten nach wie vor als Wendepunkt in der Geschichte der queeren Community im Kampf um ihre Gleichberechtigung.12 Ohne âBlack Powerâ und die Zweite Frauenbewegung hätte der 27. Juni 1969, als sich im New Yorker Stonewall Inn in der Christopher Street Schwule, Cross-Dresser, Drag Queens und Lesben gegen unzählige willkürliche Polizeirazzien zur Wehr setzten, nicht dieselbe politische Schlagkraft gehabt. Da sei âeine Haarnadel zu Boden gefallen, welche die ganze Welt gehört hatâ.13 Symbolisch fungiert Stonewall als Stichtag für den Bruch der queeren Community mit Anpassung und Stillhalten.14 Jedes Jahr wird im Juni international an diese Geschehnisse im Zuge der sogenannten Christopher Street Days bzw. diverser queerer Prides wie Worldpride, Europride, nationaler und lokaler Prides angeknüpft, wo Menschen stolz ihre unterschiedlichen queeren Sexualitäten in der Ãffentlichkeit feiern.
Die Geschichte des Sichtbarwerdens von Lesben und Schwulen in der US-amerikanischen Gesellschaft wird in einem Film wie Before Stonewall15 nachgezeichnet. Im Universum History-Dokumentarfilm Die Regenbogen-Revolution â der lange Weg in die Freiheit16 wird mit historischen Filmaufnahmen, TV-Ausschnitten und Interviews der spektakuläre Kampf der US-amerikanischen lesbischen und schwulen Befreiungsbewegung um das Grundrecht auf freie Sexualität nachgezeichnet, wo auch Mitglieder der ersten US-amerikanischen Schwulen- und Lesbenorganisationen (âMattachine Societyâ bzw. âDaugthers of Bilitisâ) wie Franklin Kameny und die gebürtige Wiener_in Barbara Gittings zu sehen sind. In den 1970er Jahren wollten lesbische und schwule Menschen in den USA nicht länger als psychisch krank bezeichnet werden und starteten eine pionierhafte Kampagne: Sie errangen 1973 einen legendären Sieg über das medizinische Establishment, indem die US-amerikanische Gesellschaft für Psychiatrie in jenem Jahr Homosexualität17 aus ihrem Index der psychischen Krankheiten strich. Aus einem Kampf gegen Pathologisierung, zwangsweise psychiatrische Behandlungen und sonstige Verfolgungen von Lesben und Schwulen wurde inzwischen ein Kampf für gänzliche Gleichstellungen diverser queerer Personen innerhalb verschiedenster Bereiche der Gesellschaft, auch innerhalb von religiösen Gemeinschaften.18
Queere Leute sind Lesben, Schwule, bisexuelle Leute, Transgenderpersonen, Intersexuelle, Asexuelle, Personen, die ihre sexuelle Orientierung oder ihre Identifizierung mit dem soziokulturellen Geschlecht hinterfragen, BDSM-Leute (das Akronym BDSM verweist auf die englischen Bezeichnungen âBondage & Disciplineâ, âDominance & Submissionâ, âSadism & Masochismâ) etc. Diese Personen haben das ursprüngliche Schimpfwort gegen sie â engl. âqueerâ bedeutet âseltsamâ, âsonderbarâ â als affirmative Selbstbezeichnung vereinnahmt und verwenden es im Sinne von âpositiv perversâ. Auch das deutsche Wort âseltsamâ wurde bereits in den DreiÃigerjahren des 20. Jahrhunderts positiv umgedeutet: So schrieb Peter Munk für den Travestiestar Bertie Wolf im Jahre 1937 das Chanson âDie Seltsameâ, welches später von Röbi Rapp in der Zürcher Schwulenorganisation mit dem Namen âDer Kreisâ und in dessen Kabarett weiter vorgetragen wurde. Zu hören ist das Lied âDie Seltsameâ im Film Der Kreis19 aus dem Jahr 2014, welcher die Liebesgeschichte zwischen Röbi Rapp und seinem Partner im Zusammenhang mit dieser frühen Schweizer Schwulenorganisation der Jahre 1943â1967 und der gleichnamigen Zeitschrift Der Kreis20 zeigt. Eine positive Umdeutung von Beschimpfungen wie bei den Begriffen âqueerâ bzw. âseltsamâ ist nicht neu, z. B. engl. âQuakerâ (âQuäkerâ), frz. âhuguenotsâ (âHugenottenâ) oder ndl. âgeuzenâ (als Selbstbezeichnung niederländischer Freiheitskämpfer im Achtzigjährigen Krieg, die als frz. âgueuxâ, âBettlerâ geschmäht wurden). In der Linguistik heiÃen solche Wörter im Anschluss an letztgenanntes Beispiel âGeusenwörterâ. Als Verb wird engl. âto queerâ gebraucht für âjemanden irreführen, etwas verderben oder verpfuschenâ. Substantivisch steht es z. B. für âFalschgeldâ. Es spielt also mit der Assoziation, dass solche Leute so etwas wie Falschgeld sind, mit dem die âstraight worldâ, die Welt der ârichtigenâ Frauen und Männer, getäuscht werden soll.21
Umgekehrt könnte behauptet werden, dass queere Menschen all jenen Leuten quer â das heiÃt störend dazwischen â kommen, die eine Weltsicht, beruhend auf fixen Geschlechternormen, aufrechterhalten wollen. Hinter der queerfeministischen Forderung einer radikalen Relativierung von festen Geschlechterkonfigurationen verbirgt sich ein Ideal der Autonomie: die Wahl der eigenen Identität durch Unterwandern vorgegebener Normkonstellationen. Geschlechtsidentitäten werden flieÃend und Geschlechterstereotype verblassen, wenn Individuen sich frei definieren können und ihre eigenen Positionierungen sozial und auch sexuell grenzüberschreitend neu festzulegen vermögen.22 Hinter den Diskursen um queer und drag (drag kings und queens sind Transvestit_Innen, welche ihr Geschlecht inszenieren) verbirgt sich letztendlich ein radikales Plädoyer für Freiheit.23 Aus queerer Sicht wird gesellschaftspolitisch eingefordert, dass sich einzelne Menschen nicht bestimmten soziokulturellen Geschlechternormen fügen müssen, zu denen sie etwa nicht passen, sondern dass die Gesellschaft sie zu respektieren hat, so wie sie sein wollen und in der Ãffentlichkeit wahrgenommen werden möchten.
Sogenannte âHomosexualitätâ, ein in mehrerer Hinsicht problematischer Begriff, welcher nicht anachronistisch auf biblische und halachische (d. h. jüdisch rechtliche) Texte der Antike angewendet werden sollte â wie ich später näher erläutern werde â,24 ist nicht mehr länger nur reines Objekt wie in herkömmlichen wissenschaftlichen Abhandlungen, zum Beispiel zu den Gesetzen bezüglich Sex zwischen Männern in Lev 18,22 und Lev 20,13. Auf diese Verbote aus dem biblischen Buch Levitikus werde ich ebenfalls in dieser Einleitung noch zu sprechen kommen.25 Durch die Entstehung queerer Lesarten der Bibel und weiterer jüdischer und christlicher Schriften im Anschluss an sie fand eine Umkehrung diskursiver Machtverhältnisse statt: Unterschiedliche queere Personen haben begonnen, alte religiöse Quellen wie die Bibel selbst aus ihren jeweiligen Sichtweisen wissenschaftlich zu untersuchen.26 Im Zuge queerer bibelwissenschaftlicher und judaistischer Forschung hat sich das Feld der zu analysierenden religiösen Schriften geweitet. Je nach eigener Fragestellung können viel mehr biblische Texte und deren spätere Auslegungen (also unter anderem auch die Liebesgebote aus Levitikus und jüdische und christliche Interpretationen im Anschluss daran)27 queer gelesen werden, letztendlich auch von Personen, die sich selbst nicht einer der unter dem Sammelbegriff âqueerâ subsumierten Gruppen zuordnen, aber â zum Beispiel aus politischen Gründen â einen queeren Ansatz verfolgen. Das heiÃt jedoch nicht, dass biblische und rabbinische rechtliche Passagen zu weiblicher und männlicher Homoerotik aus dem Blickfeld eines queeren Forschungsinteresses verschwinden und sich Wissenschaftler_Innen wie ich nicht weiter daran abarbeiten, wovon mein Beitrag zu jüdischen gesetzlichen Auslegungen zu weiblicher Homoerotik zeugt.28
Queere Lesarten der Hebräischen Bibel und späterer jüdischer Texte im Anschluss an sie nehmen nicht normative Sexualitäten ins Blickfeld. Heteronormativität wird dabei unterlaufen. Ziel queerer Auslegungen ist es, unterschiedliche queere Lebensweisen zu fördern und somit Lesben, Schwule und bisexuelle Leute etc. zu stärken. Sich allein auf das Thema Sexualität (im Zusammenhang mit queer) in Bezug auf antike Schriften wie die Hebräische Bibel und rabbinische Texte im Anschluss daran zu konzentrieren, entspringt einer Fragestellung der Gegenwart. Seit der Jahrtausendwende zum 21. Jahrhundert wurde im angloamerikanischen Raum angefangen, die Bibel29 bzw. die Tora30 sowohl im christlichen als auch im jüdischen Kontext queer zu lesen.
Queere Lesarten der Hebräischen Bibel â eine Hinführung zum Thema
Beispielhaft gebe ich hier paraphrasierend Auszüge aus der Einleitung bzw. dem Vorwort der Publikationen Queer Commentary and the Hebrew Bible (âQueerer Kommentar und die Hebräische Bibelâ) und Torah Queeries (âQueere Hinterfragungen der Toraâ)31 wieder, um deren Verständnis queerer Bibellektüren zu zeigen. Zugänge zu queeren Lesarten der Bibel sind vielfältig. Das hängt mit der Verschiedenheit queerer Personen zusammen, mit deren unterschiedlichen Erfahrungen und gesellschaftlichen Verortungen, die einen Einfluss darauf haben, welche Fragen diese Menschen an biblische Texte stellen und welche Antworten sie geben.32 Daher ist es adäquat, im Hinblick auf queere Lesarten von einer Reihe von Methoden biblischer Interpretation zu sprechen, die kritisch hinterfragen, auf welche Arten und Weisen vergangene und gegenwärtige herkömmliche Bibelauslegungen heteronormative und normalisierende Konfigurationen sexueller Praktiken und sexueller Identitäten unterstützen. Der Wert einer queeren intellektuellen Arbeit liegt vor allem in ihrer Wirkung â in der Ãffnung der Räume für bisher nicht gehörte Stimmen und in der Schaffung von Möglichkeiten für eine Transformation der Praktiken, Vergnügen, Begehren und Identitäten, verknüpft mit Sexualität.33 Ob meine Arbeit dem annähernd entspricht, mögen Leser_Innen am Ende der Lektüre meines Werks beurteilen.
Aus queerfeministischer Sicht wird ein Konnex zwischen Feminismus und queerer Lektüre der Tora betont. Torah Queeries (âQueere Hinterfragungen der Toraâ) knüpfen folgendermaÃen an die Geschichte feministischer Kommentare an: Der Kreis der einstigen AuÃenseiter_Innen wird erweitert â nach den Frauen melden sich nun auch unterschiedlichste queere Interpret_Innen zu Wort â, welche die Autorität beanspruchen, sich am Auslegungsprozess der Tora zu beteiligen. Die Ergiebigkeit der Lektüre durch queere Linsen soll all jenen aufgezeigt werden, die an einer Hinterfragung traditioneller Lesarten der Tora interessiert sind. Es wird ein Beitrag zur Demokratisierung jüdischer Gemeinschaften geleistet, indem Perspektiven beleuchtet werden, die zuvor nicht beachtet bzw. ein Anathema waren, seien es Betrachtungsweisen von Personen, die sich selbst als queer bezeichnen, oder von Verbündeten, welche Machtungleichheiten in Frage stellen, die bislang durch Texte der Tora gerechtfertigt worden sind. Queere Lesarten stellen klar, dass die jüdische Gemeinschaft nicht erst jetzt queere Personen miteinschlieÃt, sondern dass es niemals anders war. Mit frischem Blick und neuen Fragen gelesen, stellt sich die Tora als queerer Text heraus, voll von produktiven Widersprüchen. Sie ist voller wendiger und sich wandelnder Charaktere, die Normen in Frage stellen, welche der Text anderswo für absolut zu erklären scheint, manchmal Grenzen überwachend, die sich zu anderen Zeitpunkten auflösen.34
Biblische Figuren erscheinen hinsichtlich ihrer Geschlechtlichkeit nicht immer eindeutig bzw. im Hinblick auf ihr soziokulturelles Rollenverhalten oder ihre Beziehungsformen queer. Das ist einerseits der Tatsache geschuldet, dass es innerhalb der biblischen Schriften selbst nicht selten mehrere unterschiedliche Traditionen gibt â wie zum Beispiel gleich am Anfang der Genesis (âEntstehungsgeschichteâ)35 zur Erschaffung des ersten Menschen, Adam: So wird in Gen 1,27 im ersten Schöpfungsbericht im Anschluss an die Schöpfung des ersten Menschen â aus herkömmlicher Sicht â ein Hinweis auf die binäre36 sexuelle Teilung in Mann (
Im Vorwort von Torah Queeries42 wird ganz am Anfang Mischna Avot 5,22 zitiert: âWende und wende sie immer wieder [
Queere Studien auf Bibelwissenschaften, Jüdische Studien und Kunstgeschichte anzuwenden, ist ein innovatives Unterfangen, welches aufgrund der langen, teilweise bis in die Gegenwart anhaltenden homo- und transphoben Traditionen im Anschluss an biblische Texte leider notwendig ist. Diesem Projekt habe ich mich bereits mit meiner Diplomarbeit Homoerotik und Hebräische Bibel51 gewidmet. Frei nach dem Motto in einem Wiener Dialektlied âDie Freiheit, die ma wü, muaà ma si nehmenâ (âDie Freiheit, die man will, muss man sich nehmenâ)52 habe ich nach der Jahrtausendwende zum 21. Jahrhundert begonnen, den oft sehr erdrückenden religiösen Anschauungen samt ihren traditionellen wissenschaftlichen Auslegungstraditionen â deren homo- bzw. transphobe Sichtweisen auf antike Texte bis hin zum Ausschluss sogenannter âHomosexuellerâ aus religiösen Gemeinschaften und anderen Teilen der Gesellschaft führte â, andere Perspektiven entgegenzusetzen, die ein befreiendes Potenzial für diverse queere Personen aufweisen. Da die unterschiedlichen kirchlichen Establishments, âdie für eine_n denkenâ, bisher kaum diejenigen waren, die emanzipatorisch in Sachen queerfeministischer Anliegen vorgeprescht sind, war und ist es noch immer naheliegend, erstmals auch âfür sich selbst zu denkenâ, und zwar im Hinblick auf die je eigenen Sexualitäten. Mein Ansatz in diesem Projekt ist es aber, nicht nur von mir selbst auszugehen â das wäre der feministische Gedanke â, sondern queere Lesarten der Hebräischen Bibel und Auslegungen im Anschluss daran sowohl im jüdischen als auch im christlichen Kontext für unterschiedliche queere Personen zu liefern.
Da es unvermeidbar ist, aus defensiver Sicht gegenüber heterosexistischen53 Bibelinterpretationen immer wieder bei Adam und Eva anzufangen, gibt es auch in diesem Sammelband einen queeren Beitrag zu den Schöpfungsberichten der Genesis, dem ersten Buch der fünf Bücher Mose bzw. des Pentateuchs (âFünfrollenbuchâ),54 nämlich zur Androgynie Adams, des ersten Menschen.55 Ich nehme mir die intellektuelle Freiheit, besondere Fragestellungen, ausgehend von meiner Person, zu entwickeln und dabei Themen zu behandeln wie lesbischer Eros im Zusammenhang mit der Halacha (d. h. dem Jüdischen Recht)56 und im Zusammenhang mit einem Erzähltext wie dem biblischen Buch Rut, in dem sich die Moabiter_in Rut an die Judäer_in Noomi, eine bereits ältere Frau, bindet.57 Ich lese also biblische und spätere jüdische Texte queer, die für ein weibliches* Publikum relevant sind. Meine queeren Lesarten des Hohelieds58 und meine queeren Auslegungen der Liebesgebote aus Levitikus59 sind zwar zuerst in Frauen*zusammenhängen publiziert worden, richten sich aber an alle queer Lesenden. Für schwule Männer mögen vor allem meine queere Lesart von Kohelet 4,9â1260 interessant sein, sowie die Beiträge in Zusammenhang mit den biblischen Figuren Josef, welcher aus rabbinischer Sicht als schöner, effeminierter Jüngling auftritt und mit dem der Ãgypter Potifar Sex haben will,61 und David, ob als ebenfalls attraktiver Jüngling, welcher das Begehren von älteren Männern wie Goliat62 oder König Saul und dessen Sohn Jonatan hervorruft,63 oder als König von Juda und Israel, der sich beim Tanz vor G*tt (
Diese jüdischen Texte mit sehr bekannten biblischen Namen (Rut, König Davids UrgroÃmutter, nach welcher das biblische Buch Rut benannt ist; Josef, Sohn Jakobs und einer der Stammväter der zwölf Stämme Israels; und David, König von Juda und Israel) handeln nicht etwa von romantischen Beziehungen zwischen gleichaltrigen und gleichrangigen Frauen- und Männerpaaren, sondern es gibt Unterschiede hinsichtlich ihrer gesellschaftlichen Stellung, ihres Alters und ihrer Herkunft etc., die heute unter dem Stichwort âIntersektionalitätâ diskutiert werden, womit Ãberschneidung und Wechselwirkung mehrerer Formen von Diskriminierung bei einer Person gemeint sind.66 So haben diese miteinander in Beziehung gebrachten Personen kein gleiches Alter, keinen gleichen gesellschaftlichen Rang und auch nie die gleiche Herkunft. Sie kommen aus verschiedenen Völkern (Rut aus Moab und Noomi aus Betlehem in Juda; Josef, der Sohn Jakobs, ist ein Stammvater der zwölf Stämme Israels, und Potifar kommt aus aus Ãgypten; David aus Betlehem in Juda und Goliat aus Gat, einer philistäischen Stadt) oder auch aus verschiedenen Stämmen (David aus Betlehem in Juda und Saul aus Gibea in Benjamin). Keine dieser Figuren (Rut, Josef und David) wird nur in einer reinen Paarbeziehung (Frauen- oder Männerpaar) beschrieben, sondern alle in Mehrfachbeziehungen. Diese gibt es zwischen den beiden ungleichen Frauen Rut und Noomi und dem mächtigen Mann Boas. David soll neben seiner erotischen Anziehungskraft für den riesengroÃen Goliat, für König Saul und für dessen Sohn Jonatan gleich acht Frauen gehabt haben.67 Das Verhältnis zwischen dem nach Ãgypten verkauften Josef, dem Hofbeamten des Pharaos und Obersten der Leibwache, Potifar, und dessen verführerischer Frau wird als komplexes geschildert.68
Queere Lesarten der Hebräischen Bibel im Rahmen von Intertextualität
Meine queeren Lesarten unternehme ich im Zusammenhang mit unterschiedlichen Konzepten von Intertextualität. Als Intertextualität bezeichnet man die Interferenz (d. h. Beeinflussung) und Interdependenz (d. h. gegenseitige Abhängigkeit) literarischer Texte und Kunstwerke und das daraus entstehende kommunikative Potenzial. Der ursprünglich von Julia Kristeva stammende Begriff69 geht auf die Erkenntnis zurück, dass Texte nicht in einem Vakuum entstehen und existieren, sondern immer sie beeinflussende Vorläufer haben, wie sie auch selbst spätere Texte beeinflussen. Ein literarischer Text wird als von seiner Umgebung und einem historischen oder zeitgenössischen Kontext abhängig verstanden, welcher der Erschaffung jedes Textes vorausgeht.70 Dabei ist das Erkennen und Entwickeln von Intertextualitäten nicht allein auf die Verfasser_Innen beschränkt, sondern gehört auch zu den konstruktivistischen Tätigkeiten eines (queeren) Lesepublikums. Bereits zur Zeit der Antike haben die Rabbinen im Umgang mit der Tora anhand ihrer hermeneutischen Auslegungsregeln vielfältige neue intertextuelle Zusammenhänge geschaffen.71 Heute liegt die Deutungsmacht nicht nur bei einer herkömmlichen Leserschaft, sondern auch bei queer Lesenden, die aus ihren je eigenen Erfahrungswelten und Sichtweisen eine Herausforderung und Bereicherung mit ihren Auslegungen darstellen. Auch Werke der Bildenden Kunst entstehen nicht aus dem Nichts heraus, sondern spiegeln die Diskurse wider, welche Einfluss auf die Künstler_Innen hatten â unter anderem auch biblische und rabbinische Texte oder die Frage nach der Sexualität (im Zusammenhang mit Knabenliebe,72 effeminierten Männern73 oder sexuell ambivalenten Figuren74 etc.).
Im Kontext von Michelangelos Gewölbefresko Jakob und Josef in der Sixtinischen Kapelle kann der schöne feminine Josef, Jakobs Sohn, quasi als queerer Vorfahre Jesu Christi verstanden werden. Mit einer solch ungewöhnlichen neuen Auslegung eines Teils der weltbekannten Renaissance-Malerei in der Sixtinischen Kapelle im Papstpalast in Vatikanstadt wird ein queerer Blick auf die Abstammung Jesu im Matthäusevangelium 1,16 ermöglicht.75 Auch die Tatsache, dass biblische Figuren wie David und Jonatan als Männerpaar oder Rut und Noomi als Frauenpaar in Werken der Bildenden Kunst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in England homoerotisch dargestellt werden, eröffnet neue â heute würden wir sagen â âqueereâ Lesarten von bestimmten Textpassagen der Bibel: So zeichnet Simeon Solomon den jungen David als effeminierten Liebhaber Jonatans beim Liebesschwur und ermöglicht somit, diesen biblischen Schwur zwischen Männern in 1 Sam 20,17 mit Erotik in Zusammenhang zu bringen.76 AuÃerdem malt Philip Hermogenes Calderon die Frau Noomi als sexuell mehrdeutige Gestalt in inniger Umarmung mit Rut, sodass dieses Gemälde eine erotische Lesart von Rut 1,14â17 unterstützt.77 Damit komme ich auf ein weiteres Verständnis von Intertextualität zu sprechen, die auch im Sinne eines wi(e)dersinnigen Verhältnisses78 zwischen biblischer Literatur und Kunst aufgefasst werden kann: Während herkömmliche Leser_Innen daran zweifeln mögen, dass erotische Aussagen zu den gleichgeschlechtlichen Paaren David und Jonatan bzw. Rut und Noomi in biblischen Textpassagen zu finden sind, weil ihnen das widersinnig erscheint, finden queere Interpret_Innen die hier in den Werken der Bildenden Kunst abgebildete Homoerotik in den dazugehörigen Texten der Hebräischen Bibel sehr wohl wieder. Nicht nur rabbinische Auslegungen, welche biblische Figuren wie den ersten Menschen seltsam androgyn79 oder Josef effeminiert80 darstellen und bestimmte Bibelstellen homoerotisch deuten,81 sondern auch Kunstwerke wie Michelangelos Malerei Jakob und Josef in der Sixtinischen Kapelle legen also queere Interpretationen des biblischen Materials nahe.82 Im Zuge eines solchen Ansatzes von Intertextualität im Zusammenhang mit Rezeptionsästhetik liegt es im Ermessen der jeweiligen Lesenden, wie die Verbindungen zwischen ursprünglichem Bibeltext und späteren jüdischen und christlichen Schriften und Werken der Bildenden Kunst interpretiert werden. Ich zeige in diesem Sammelband bewusst eine Auswahl an rabbinischen Behauptungen und Kunstwerken, die für eine queere Lektüre biblischer Texte relevant sind.
Intertextualität kann nach Gérard Genette schlieÃlich auch restriktiv âdie effektive Präsenz eines Textes in einem anderenâ83 meinen, wobei in diesem Konzept zwischen Zitaten (d. h. ausdrücklich deklarierten Ãbernahmen, mit oder ohne genaue Quellenangaben), Plagiaten (d. h. nicht deklarierten Ãbernahmen von Zitaten) und Anspielungen (d. h. Aussagen, zu deren vollständigem Verständnis die Kenntnis des vorhergehenden Textes notwendig ist) unterschieden wird. In antiken religiösen Texten wie dem Neuen Testament und in rabbinischer Literatur gibt es sogenannte Schriftzitate, wobei mit âder Schriftâ die unterschiedlichen biblischen Texte gemeint sind, auf die Bezug genommen wird. Schriftzitate wurden ursprünglich nicht wie heute in Textausgaben bereits mit expliziten Bibelstellenangaben ausgewiesen, sondern die Kenntnis der zugrunde liegenden religiösen Schriften wurde dabei quasi vorausgesetzt. In meinen folgenden Beiträgen gehe ich zur Verdeutlichung so vor: Bei meinen eigenen Ãbersetzungen von rabbinischen Texten kennzeichne ich die Schriftzitate durch Kursivierung. AuÃerdem füge ich nach den einzelnen Schriftzitaten die Stellenangaben der âzitiertenâ religiösen Bücher in eckiger Klammer hinzu.84 Wenn weiters innerhalb eines Targums (d. h. einer aramäischen Bibelübersetzung) eine ähnliche Aussage wie in einem rabbinischen Text (z. B. einem Midrasch) vorkommt,85 verfahre ich ähnlich. Es ist aber diesbezüglich nicht immer klar, ob es sich dabei um konkrete Anspielungen (z. B. eines aramäischen Texts auf einen hebräischen) gehandelt hat oder bloà um ähnliche Behauptungen in verschiedenen jüdischen Ãberlieferungen, bei denen die Abhängigkeiten voneinander heute zwar aufgrund von zeitlicher Verortung vermutet, aber nicht immer mehr eindeutig belegt werden können.
Als Beispiel für eine wörtliche Anspielung innerhalb der Hebräischen Bibel kann ein Schwur im Hohelied herangezogen werden, nach welchem in Hld 2,7 und Hld 3,5 bei den Gazellen (
Auch Namensgebungen in der Hebräischen Bibel sind Anspielungen. Nomen est omen â der Name ist Programm: David (
Von der Bibel über rabbinische Schriften bis hin zu Werken der Bildenden Kunst
Intertextuelle Bezüge finden sich innerhalb der Hebräischen Bibel. Es gibt sie zwischen ihr und den Ãbersetzungen ins Griechische (Septuaginta), Lateinische (Vulgata) und Aramäische (Targume) etc. Aus christlicher Sicht wird im Neuen Testament in der Regel an die Septuaginta91 und aus jüdischer Sicht in den rabbinischen Schriften an die hebräischen Bibeltexte angeknüpft. Die ersten Christ_Innen lasen die religiösen âSchriftenâ von Anfang an in ihrer sprachlich und zum Teil auch sachlich hellenisierten Gestalt. Auch das rabbinische Judentum ist vom Hellenismus, das heiÃt von der nachklassischen Kulturepoche von Alexander dem GroÃen bis zur römischen Kaiserzeit, welche durch die wechselseitige Durchdringung griechischer und orientalischer Kulturelemente gekennzeichnet ist, nicht unbeeinflusst. So ist zum Beispiel platonisches Gedankengut in bestimmten rabbinischen Behauptungen zu erkennen.92
Ich behandle nicht nur neutestamentliche Aussagen im Zusammenhang mit Jesus von Nazaret, sondern auch rabbinische Aussprüche, welche Gelehrten â wie Hillel und Schammai â aus der ältesten Zeit, das heiÃt im 1. Jahrhundert n. d. Z. und in der Periode von Jabne (70â135 n. d. Z.), zugeschrieben worden sind. Des Weiteren erwähne ich Behauptungen von Tannaiten, das heiÃt von rabbinischen Lehrern â wie zum Beispiel Rabbi Akiba â aus der Zeit der Mischna, also bis zum frühen 3. Jahrhundert n. d. Z, und von Amoräern, welche die tannaitischen Lehren bis etwa 500 n. d. Z. kommentierten. Zu den rabbinischen Schriften zählen talmudische Literatur (Mischna und Tosefta, palästinischer und babylonischer Talmud und auÃerkanonische Traktate wie Avot de Rabbi Nathan) sowie Midraschim, nämlich halachische Midraschim (wie etwa Sifra), älteste Auslegungsmidraschim (wie der Midrasch zu Genesis), Predigtmidraschim (wie unter anderem die Midraschim zu Levitikus und zu Numeri sowie der gewöhnliche Tanchuma und Tanchuma in der Fassung von Salomon Buber), Midraschim zu den fünf Megillot (âFestrollenâ) wie der Midrasch zu Kohelet und Haggadawerke wie Pirqe de Rabbi Eliezer.93 Werke von Rabbinen wie zum Beispiel von Raschi und Werke des Jüdischen Rechts wie etwa von Maimonides oder der Schulchan Aruch, die hier in diesem Sammelband zitiert werden, zählen zur jüdischen Literatur aus dem Mittelalter.94 Aus der jüdischen Aufklärung, der Haskala, zitiere ich Literatur des jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn (1729â1786) und des jüdischen Dichters, Sprachwissenschaftlers und Exegeten Naftali Herz Wessely (1725â1805).
In der Bildenden Kunst kann Michelangelos Gewölbefresko Jakob und Josef in der Sixtinischen Kapelle aus der Zeit der Renaissance quasi als queere Aneignung der biblischen Josefserzählung in Genesis 37â50 â höchstwahrscheinlich im Anschluss an homoerotische rabbinische Literatur â mitten im Papstpalast in Vatikanstadt in Rom angesehen werden. Von der Zeit der Frührenaissance bis zur Gegenwart identifizieren sich verschiedene Bildhauer und Maler mit dem Knabenliebhaber Goliat: etwa Donatello und Caravaggio.95 Die Erschaffung sexuell ambivalenter Figuren in Werken der Bildenden Kunst der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in England liefert zusätzliche queere Interpretationen der an sich schon bemerkenswert homoerotischen Bibelstellen: Simeon Solomon zeichnet David als effeminierten Liebhaber Jonatans beim Liebesschwur (1 Sam 20,17), und Philip Hermogenes Calderon malt Noomi als sexuell mehrdeutige Gestalt in inniger Umarmung mit Rut (Rut 1,14â17).96
Die Abwehr der eigenen gleichgeschlechtlichen Sexualität
Wer und weshalb jemand für queer bzw. seltsam gehalten wird, ist auch subjektiv. Für einen Menschen, der sich â in welcher Form auch immer â der queeren Community zugehörig fühlt, wird es heute seltsam und suspekt erscheinen, wenn jemand anderer behauptet, er_sie hätte noch nie lesbisch, schwule, bisexuelle Leute etc. getroffen bzw. sie existieren nicht. Umgekehrt kann gefragt werden: Gibt es überhaupt viele Menschen, die tatsächlich geschlechtlichen und sexuellen gesellschaftlichen Normen gänzlich entsprechen?
Die Abwehr der eigenen gleichgeschlechtlichen Sexualität ist nicht neu. Als Beispiel kann folgende antike Tradition in rabbinischer Literatur herangezogen werden: Auf die bemerkenswerte, homoerotisch anmutende, mischnaische Anschauung, dass es unverheirateten Männern nicht verboten war, unter demselben Mantel zu schlafen,97 wurde beginnend mit der Tosefta â das heiÃt in der âErgänzungâ der Mischna, deren Redaktion im späten 3. oder frühen 4. Jahrhundert n. d. Z. in Palästina angenommen wird â im Traktat Qidduschin (âAntrauungâ) 5,10 erwidert, dass jüdische Männer nicht verdächtigt werden, sich so zueinander zu legen: âIsrael steht deswegen nicht im Verdacht [
Sie [d. h. die Gelehrten] sagten zu Rabbi Jehuda (bar Ilai)100 [dem es als suspekt erschien, wenn zwei ledige Männer miteinander unter demselben Mantel schlafen]:
Israel wird weder des Geschlechtsverkehrs mit einem Mann noch des Geschlechtsverkehrs mit einem Tier verdächtigt [
bQid 82a×× × ×ש×× ×שר×× ×¢× ×ש×× ×××ר 101××× ×¢× ××××× ].102
Sind aber tatsächlich alle Juden vor sexuellen Handlungen mit Männern gefeit, wie in der Tosefta Qidduschin 5,10 in Anklängen, im palästinischen Talmud Qidduschin 4,11,66c ansatzweise und zuletzt im babylonischen Talmud Qidduschin 82a explizit behauptet wird? Dass es keine lesbischen, schwulen oder andere queeren Personen â wie bisexuelle oder Transgenderpersonen etc. â in der eigenen Religionsgemeinschaft gibt, ist auch heute eine gängige homo- und transphobe Anschauung, die gleichgeschlechtliches Begehren und sonstige nicht normative Sexualitäten und Geschlechterrollen in den je eigenen Reihen abwehrt und nach auÃen projiziert: Bei uns gibt es so etwas nicht, sondern nur bei anderen Ethnien oder religiösen Gruppierungen, nur in anderen Ländern oder Kontinenten.
Die Verbote von Sex zwischen Männern in Lev 18,22 und Lev 20,13
Wenn in Israel keine Männer im Verdacht stehen, mit anderen Männern Sex zu haben, stellt sich hinsichtlich der jüdischen Tradition aber die Frage, weshalb es trotzdem rabbinische Diskussionen zu den biblischen Verboten im Buch Levitikus103 bezüglich Sex unter Männern gibt: Bereits zu biblischen Zeiten mussten Männer existiert haben, die andere Männer und Knaben zu sexuellen Handlungen bewegt oder gezwungen haben, sonst hätte es keinen Anlass dazu gegeben, Verbote wie Lev 18,22 und Lev 20,13 im Heiligkeitsgesetz104 zu überliefern. Da ich diese Gesetzestexte in den folgenden Beiträgen in diesem Sammelband nicht weiter abhandeln werde, sie hie und da aber erwähnt werden, seien hier wesentliche Aspekte meiner queeren Diskussion darüber kurz wiedergegeben:105 Die Verbote sexueller Handlungen zwischen Männern haben einen relativ geringen Stellenwert in der Hebräischen Bibel, weil sie nur im Heiligkeitsgesetz in Lev 18,22 und Lev 20,13 und nicht auch im Dekalog und in den anderen beiden groÃen Rechtssammlungen, im Bundesbuch Exodus 20â22 und im Deuteronomium im 5. Buch Mose 12â26, genannt werden.
Das Verbot von Sex zwischen Männern in Lev 18,22 richtet sich an einen erwachsenen israelitischen Mann:
Mit einem Mann sollst du [maskulin] nicht Sex haben, wie [verschiedentlich] mit einer Frau; ein Gräuel ist es [
Lev 18,22×Ö°×ֶת־×Ö¸×ָר ×Ö¹× ×ªÖ´×©×Ö°×Ö¼Ö·× ×ִש×Ö°×Ö¼Ö°×Öµ× ×ִש×Ö¼Ö¸× ×ªÖ¼×Ö¹×¢Öµ×Ö¸× 106×Ö´×× ].107
Im Unterschied zum Verbot Lev 18,22 werden in Lev 20,13 beide am Sex beteiligten männlichen Personen geahndet:
Wenn ein Mann mit einem Mann Sex hat, wie [verschiedentlich] mit einer Frau, haben beide eine abscheuliche Tat begangen [
Lev 20,13×Ö°×Ö´××©× ×ֲש×ֶר ×ִש×Ö°×Ö¼Ö·× ×ֶת־×Ö¸×ָר ×ִש×Ö°×Ö¼Ö°×Öµ× ×ִש×Ö¼Ö¸× ×ªÖ¼×Ö¹×¢Öµ×Ö¸× ×¢Ö¸×©××Ö¼ ש×Ö°× Öµ××Ö¶× ]; sie sollen unbedingt den Tod erleiden [××ֹת ××Ö¼×ָת×Ö¼ 108 ]; ihre Schuld lastet auf ihnen [×Ö¼Ö°×Öµ××Ö¶× 109×Ö¼Ö¸× ].
Lev 20,13 ist â anders als das direkte Verbot Lev 18,22 â ein kasuistisches Gesetz. In einem solchen biblischen Gesetz wird ein Rechtsfall konstruiert und für dessen Eintreten eine Rechtsfolgebestimmung benannt. Mit der Thematik des Status lassen sich die Gesetzestexte Lev 18,22 und Lev 20,13 am ehesten erklären: Für einen Mann bedeutet es einen Machtverlust, die gesellschaftliche Stellung einer Frau einzunehmen. Bezüglich des Heiligkeitsgesetzes (Levitikus 17â26) kann ein deutliches Machtgefälle zwischen den Geschlechtern zu Ungunsten der Frauen angenommen werden. Erniedrigt wird derjenige Mann beim Sex zwischen Männern, an welchem â wie an einer Frau â Sex auf verschiedene Arten und Weisen vollzogen wird. Je nach Ãbersetzung der Constructus-Verbindung
Die sogenannte
Die Gesetze Lev 18,22 und Lev 20,13 aus dem Heiligkeitsgesetz mochten der Prävention gedient haben. Sie wurden aus utopischer Sicht verfasst. Die Adressaten mochten durch diese Rhetorik âeinen Kopf kürzerâ gemacht worden sein. Es ist aber nicht nachweisbar, dass sie deshalb umgebracht worden sind. Es gab keine direkte Anwendung von Lev 20,13 in biblischen Zeiten. Das Vorhandensein einer nachexilischen jüdischen Rechtsprechung ist anhand von Levitikus 18 und 20 nicht belegbar. Die Verbote sexueller Handlungen zwischen Männern Lev 18,22 und Lev 20,13 könnten â ähnlich wie das Nächsten- und Fremdenliebegebote Lev 19,18 und Lev 19,34 â110 der Wunschvorstellung einer antiken Redaktor_In des Heiligkeitsgesetzes entsprungen sein und einen rein utopischen Hintergrund haben.111
Eine rabbinische Erzählung über Sex zwischen Männern im Schulhaus
Ich weise auÃerdem darauf hin, dass in der gesamten rabbinischen Literatur von keiner tatsächlichen gerichtlichen Verhandlung oder gar Vollstreckung der Todesstrafe durch Steinigung im Zusammenhang mit sexuellen Handlungen zwischen Männern berichtet wird. Auch in den Schriften des jüdischen Historikers Josephus und im Neuen Testament werden keine Fälle geschildert, wo Männer wegen ihrer sexuellen Aktivitäten mit anderen Männern â weder von jüdischen noch von römischen Behörden â in der Tat gerichtlich belangt werden. Im palästinischen Talmud Sanhedrin112 findet sich hingegen eine Stelle, in der ein Männerpaar beim Sex von einem Rabbi im Obergeschoà des Schulhauses aufgeschreckt wird:
Rabbi Jehuda ben Pazzi113 ging ins Obergeschoà des Schulhauses [
pSan 6,3,23bר×× ××××× ×× ×¤×× ×¡××§ ××¢××××ª× ××× ×××¨×©× ] und sah zwei Männer beim Geschlechtsverkehr [×× ××× ×ר×× ×©× × ×× × ××× × ××§×§×× 114 ]. Sie sagten zu ihm [×××¨× ××× ]: âRabbi [ר×× ]! Erkenne, dass du einer bist, wir aber zwei sind [×× ××¢×ª× ××ת ×× ××× × ×ª×¨× ]!â115
Meist wird diese Stelle in einem rechtlichen Kontext gelesen. Da aber hier nicht explizit von einem Gericht die Rede ist, wäre auch folgende queere Lesart möglich: Die beim Sex überraschten Männer wehren sich und erwidern Rabbi Jehuda ben Pazzi, dass es zwei zu eins an anwesenden Personen steht. Rabbi Jehuda ben Pazzi könnte in dieser Szene aus heutiger Sicht als Schwulenhasser vorgestellt werden, der gerade dabei ist, die zwei Männer körperlich anzugreifen. Doch die beiden âWoamenâ bzw. schwulen Männer â die sich laut Koh 4,11 âgewärmtâ, das heiÃt sexuell erregt haben â116 kontern in Anlehnung an die biblische Stelle Koh 4,12: âWir zwei halten dir gegenüber standâ.117 Sie machen dem homophoben Angreifer klar, dass sie zu zweit sind, während er allein ist. Wäre einer von den beiden â höchstwahrscheinlich jungen â Männern alleine von dem Rabbi angetroffen worden, im Schulhaus oder im Freien, hätte er leichter überwältigt werden können.
Das Thema âSexualitäten zwischen Männernâ wurde also in der Bibel und in rabbinischer Literatur selbst nicht verschwiegen, wie es heute in einigen homophoben jüdischen und christlichen Kreisen gerne gesehen wäre. Auf die Sexualität von Frauen, die weibliches Begehren auch anderen Frauen gegenüber beinhalten kann, wird hingegen in rechtlichen Kontexten der Hebräischen Bibel nicht Bezug genommen. Erst in späteren jüdischen Schriften gibt es unterschiedliche Positionen dazu, auf die ich hier in meinen queeren Lesarten von gesetzlichen Auslegungen zu weiblicher Homoerotik zu sprechen komme.118
Zur Zeit- und Ortsgebundenheit unterschiedlicher Verständnisse von Sexualität
An dieser Stelle meiner Einleitung möchte ich auf die Zeit- und Ortsgebundenheit unterschiedlicher Verständnisse von Sexualität hinweisen. Eine queere Kritik an einer natürlichen Ordnung der Geschlechter ist im Zusammenhang mit der Hebräischen Bibel insofern unangebracht, als nicht nur den beiden biblischen Schöpfungsberichten hinsichtlich der Erschaffung der Menschheit, sondern der ganzen Hebräischen Bibel die Vorstellung einer natürlichen Ordnung fremd ist, auch in Hinblick auf Sexualität: Es gibt nicht einmal einen hebräischen Begriff dafür; der Gedanke einer Ordnung der Natur (
In der Hebräischen Bibel und in rabbinischer Literatur gibt es auch keine Ausdrücke und Auffassungen von Sexualität, die einem modernen Konzept von Hetero- und Homosexualität entsprechen. Nur in Sifra Achare Mot 9,8 (85câd) zu Lev 18,3 kommt ausnahmsweise in jüdischer Literatur eine parallel konzipierte Vorstellung von gleichgeschlechtlichen Ehen zwischen Männern oder Frauen vor. Nicht Sex zwischen Frauen, sondern die Heirat unter Frauen â sowie unter Männern und bestimmte Formen der Polygamie â werden darin abgelehnt.121 Das moderne westliche Konzept von Sexualität basiert auf der Unterteilung sexueller Kategorien entlang der Achse von gleich (homo)122 versus anders (hetero).123 Die grundsätzliche Einteilung beruht auf den soziokulturellen Geschlechtern der involvierten Personen. Zur Zeit der Hebräischen Bibel waren aber andere Geschlechtsklassifikationen vorherrschend. Ich behaupte, dass sexuelle Kategorien dort mit gesellschaftlichem Status und Machtverhältnissen im Zusammenhang stehen. Wie bereits erwähnt, bedeutete es nach den Gesetzen bezüglich Sex zwischen Männern Lev 18,22 und Lev 20,13 für einen Mann vermutlich einen Machtverlust, die gesellschaftliche Stellung einer Frau einzunehmen, da es ein deutliches Machtgefälle zwischen den Geschlechtern zu Ungunsten der Frauen gab.
Auch das biblische Crossdressingverbot Dtn 22,5,124 ein Gesetz, welches heute neben Lev 18,22 und Lev 20,13 am häufigsten als Waffe von homo- und transphoben Ausleger_Innen gegen Personen der queeren Community eingesetzt wird, kann dahingehend interpretiert werden:125 Die eigentliche Zielperson des Crossdressingverbots Dtn 22,5 ist der junge, kräftige Mann, welcher keine Frauenkleider anziehen soll. Dass ein solcher Mann nicht seine männliche Vorrangstellung in einer patriarchalen Gesellschaftsordnung verlieren soll, indem er sich nicht wie eine gewöhnliche Frau anzieht, ist eine mögliche, nicht unplausible Interpretation des Crossdressingverbots unter dem Postulat eines hierarchischen Geschlechterverhältnisses zu Ungunsten der Frau. Vom Wunsch eines Manns, Frauenkleider zum eigenen Lustgewinn oder zwecks Erweckung von Begierden anderer Männer tragen zu wollen, ist in Dtn 22,5 jedoch nicht die Rede. Dieses biblische Gesetz könnte auÃerdem bedeutet haben, dass eine Frau nicht die Waffen eines Manns tragen soll, sodass Frauen nicht den Rang von männlichen Kriegern einnehmen. Das Wort âCrossdressingâ ist eigentlich für biblische und rabbinische Texte anachronistisch,126 da es erst im 20. Jahrhundert entstanden ist. Es wurde von der kleidertauschenden Szene in den USA selbst geprägt.127 Um das biblische Verbot Dtn 22,5 im Zuge einer queeren Diskussion benennen zu können, verwende ich trotzdem diesen wertfreien Begriff.
Zum Begriff âhomosexuellâ
In heutigen Diskursen â vor allem auch noch in diversen kirchlichen Dokumenten wie in dem Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2357128 â werden häufig die Bezeichnungen âHomosexualitätâ und âhomosexuellâ etc. in mehrerer Hinsicht problematisch und anachronistisch verwendet, so auch folgendermaÃen im Zusammenhang mit den Gesetzen Lev 18,22 und Lev 20,13 im Schreiben der Kongregation für die Glaubenslehre an die Bischöfe der Katholischen Kirche über die Seelsorge für homosexuelle Personen vom 30. Oktober 1986:
In Lev 18,22 und 20,13 schlieÃt der Verfasser bei Beschreibung der notwendigen Voraussetzungen, um zum auserwählten Volk Israel zu gehören, diejenigen aus dem Volk Gottes aus, die sich homosexuell verhalten.129
Ein solcher Sprachgebrauch (âdie sich homosexuell verhaltenâ) ist neben der anachronistischen Anwendung zusätzlich missverständlich: Die antiken Verbote Lev 18,22 und Lev 20,13 betreffen zwar Sex zwischen Männern, aber nicht auch Geschlechtsverkehr zwischen Frauen. Es wäre unrichtig, diese biblischen Gesetze auf Sex zwischen Frauen auszudehnen.130
Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, nämlich 1868, findet sich die erste Erwähnung des Wortes âHomosexualâ (und nebenbei auch âMonosexualâ, âHeterosexualâ und âHeterogenitâ) in einem Briefentwurf von Károly Mária Kertbeny, einem deutschstämmigen Ungarn in Wien. Da der Begriff âHomosexualitätâ fest mit den pathologisierenden Diskursen der Medizin verbunden ist, wird er nur noch selten als Selbstbezeichnung benutzt, noch seltener von Frauen, weil er die Konnotation allein von Männern weiter fortsetzt. Der frühere Begriff âsodomitischâ â er wurde von der biblischen Stadt Sodom aufgrund der Erzählung in Genesis 19 abgeleitet und meinte auf ganz unterschiedliche Weisen eine Reihe bestimmter sexueller Praktiken, die nicht der Fortpflanzung dienten â fungierte als Kategorie des Brandmarkens und des AusschlieÃens, während âhomosexuellâ eine Kategorie des Managens und Regulierens ist. Die rhetorische Annahme der Kategorie âsodomitischâ war, dass die Sünde, wenn sie nicht bereut werden konnte, zumindest ausgelöscht werden konnte; die rhetorische Annahme der Kategorie âhomosexuellâ hingegen, dass die Perversion, wenn sie nicht geheilt werden konnte, wenigstens gemanagt werden konnte.131 Der im Zusammenhang mit den biblischen Verboten Lev 18,22 und Lev 20,13 heute oft fälschlich assoziierte Terminus âHomosexualitätâ ist an moderne Konzepte der Sexualität gebunden, und auch das Wort âHomoerotikâ ist nicht gänzlich frei davon.132
Wie hätten wohl biblische und rabbinische Autor_Innen aus der Zeit der Antike auf die Perspektiven der modernen Wissenschaft reagiert, wenn sie diese erfahren hätten? Wir wissen es nicht! Möglicherweise würden ihnen aber solche Behauptungen wie jene in kirchlichen Dokumenten im Zusammenhang mit sogenannter âHomosexualitätâ entweder als sonderbarer Akzent oder sogar als unverständliches Kauderwelsch erschienen sein.
Zum Begriff âgayâ bzw. âschwulâ
In den Sechzigerjahren des 20. Jahrhunderts brachen Aktivist_Innen aus strategischen Erwägungen mit dem Begriff âHomosexualitätâ, indem sie sich das Wort âgayâ (âfröhlichâ, âheiterâ, von nun an auch âschwulâ) aneigneten, welches ursprünglich sowohl Männer als auch Frauen umfasste. Sie griffen dabei auf diesen Ausdruck aus dem 19. Jahrhundert zurück, der im Jargon der damaligen Zeit Frauen zweifelhafter Moral bezeichnete. Auch im Deutschen wurde der Begriff âschwulâ im 19. Jahrhundert, zuerst nur in der Berliner Mundart und in der deutschen Gaunersprache Rotwelsch, mit einer bestimmten sexuellen Orientierung von Männern in Verbindung gebracht. Dieser heute gängige Begriff hatte ursprünglich mit Wärme, Hitze zu tun.133
Im Althebräischen gibt es eine Vielzahl an Euphemismen, wozu unter anderem eine verhüllende Umschreibung für ein anstöÃiges Verhalten des israelitischen Königs David im sechsten Kapitel des zweiten Samuelbuchs zählt, die auch ausgelassene Fröhlichkeit (Stichwort: âgayâ) mit sexuellen Handlungen in Verbindung bringt: Auf die Kritik seiner Frau Michal hin, er hätte sich quasi wie eine Hure bei seiner schamlosen EntblöÃung beim Tanz benommen, behauptet König David nämlich, dass er vor G*tt (
Schönheit von Knaben weckt männliches Begehren
In der Antike ist jugendliche Schönheit von Knaben, welche sexuelles Begehren von älteren Männern weckt, ein mehrfach vorkommendes homoerotisches Motiv in rabbinischer Literatur. Dabei wird die Schönheit von Knaben (
Zum Begriff âlesbischâ
Das Wort âLesbeâ wird ab den Siebzigerjahren des 20. Jahrhunderts als affirmative Selbstbezeichnung von Frauen verwendet, welche im Zuge der zweiten Welle des Feminismus ein neues politisches Selbstverständnis entwickelt haben und/oder sich emotional und sexuell zu Frauen hingezogen fühlen und/oder sexuelle Beziehungen mit anderen Frauen haben. Der Dokumentarfilm Zärtlichkeit und Rebellion speist sich aus dem neuen politischen Bewusstsein der frühen deutschen Lesbenbewegung der Siebzigerjahre und gibt lesbischen Frauen in der Ãffentlichkeit erstmals Stimme und Gesicht.146 So haben sich auch jüdische lesbische Frauen als Jüd_innen geoutet und in den Neunzigerjahren begonnen, ihr religiöses Erbe zu hinterfragen.147 Hinsichtlich lesbischer Sexualität weise ich auf Anachronismen hin, wenn nach ihr in antiken biblischen oder rabbinischen Texten gesucht wird. Dazu erläutere ich antike Begriffe wie das altgriechische Verb
In der Hebräischen Bibel könnte die hebräische Formulierung
Jüngste kirchenpolitische Entwicklungen hinsichtlich queerer Personen
Innerhalb der schwedischen, dänischen und norwegischen Evangelisch-Lutherischen Kirche und neuestens innerhalb der meisten deutschen evangelischen Landeskirchen werden gleichgeschlechtliche Paare verheiratet.154 Selbst vor der Katholischen Kirche machen neue gesellschaftspolitische Entwicklungen im Zusammenhang mit queeren Personen nicht mehr halt. Der Präfekt des Dikasteriums für die Glaubenslehre Kardinal VÃctor Manuel Fernández, einer der engsten Vertrauten von Papst Franziskus, veröffentlichte jüngst mit âFiducia supplicansâ (âDas flehende Vertrauenâ) über die pastorale Sinngebung von Segnungen vom 18. Dezember 2023 eine Grundsatzerklärung, wonach katholische Geistliche unverheiratete und gleichgeschlechtliche Paare segnen dürfen. Darin wird aber auch festgehalten, dass âdie Möglichkeit der Segnung von Paaren in irregulären Situationen und von gleichgeschlechtlichen Paarenâ in ihrer Form âvon den kirchlichen Autoritäten nicht rituell festgelegt werden darf, um keine Verwechslung mit dem dem Ehesakrament eigenen Segen hervorzurufenâ.155 Von einer gänzlichen Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare mit heterosexuellen Paaren in Bezug auf EheschlieÃung und Trauung ist die Katholische Kirche damit noch meilenweit entfernt. Sie liefert nach wie vor ein aktuelles Beispiel für eine diverse queere Personen diskriminierende Haltung im Christentum.
Unterschiedliche offizielle Stellungnahmen der Katholischen Kirche in kurzer Zeit zeugen von einer regen innerkirchlichen Auseinandersetzung zum Thema queerer Lebenswirklichkeiten. Noch am 22. Feber 2021 hatte der ehemalige Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre Kardinal Luis F. Ladaria in Responsum ad dubium der Kongregation für die Glaubenslehre über die Segnung von Verbindungen von Personen des gleichen Geschlechts das Ehesakrament allein für heterosexuelle Paare einzementiert.156 Damit waren nicht einmal Segnungen innerhalb der Katholischen Kirche für gleichgeschlechtliche Paare möglich. Stattdessen wurde deren gelebte Sexualität in den Kontext von Sünde gerückt, was nicht nur bei betroffenen Lesben und Schwulen etc. Empörung hervorruft, sondern als Reaktion auf die gegenwärtigen fortschrittlichen Entwicklungen in Staaten und religiösen Gemeinschaften von vielen Menschen als unnachgiebig gewertet und als unzeitgemäà angeprangert wird.157 Dieses Dokument des Vatikans von 2021, bei dem das Spenden des göttlichen Segens allein auf heterosexuelle Paare beschränkt bleibt, bezieht sich auf biblische Aussagen in den beiden Schöpfungsberichten der Genesis, indem auf die Vereinigung von Mann und Frau, die zu Nachkommen führt, in Gen 1,28 im ersten Schöpfungsbericht158 und auf deren Komplementarität laut Gen 2,18â24 im zweiten Schöpfungsbericht159 verwiesen wird.
Unterschiedliche Darstellungen der Erschaffung der Menschheit innerhalb der biblischen Schöpfungsberichte in Gen 1,27 und Gen 2,7
Auch der ehemalige Papst Benedikt XVI. berief sich in seinen Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen vom 3. Juni 2003, als er noch Kardinal Joseph Ratzinger war, auf eine Bibelstelle aus dem ersten Schöpfungsbericht, nämlich auf Gen 1,27, im Zuge seiner Behauptung, dass Mann und Frau einander gleich seien (damit betonte sogar er den egalitären Aspekt) und sich einander in ihrem Mann- und Frausein ergänzen,160 wobei er aber im selben Kapitel sogenannte homosexuelle Beziehungen moralisch verurteilte.161 Durch eine Dokumentation wie den Film Improvvisamente lâinverno scorso (Plötzlich letzten Winter) von Gustav Hofer und Luca Ragazzi, der im Juni 2009 beim Queer Film Festival âidentitiesâ in Wien Ãsterreich-Premiere hatte, wird bewusst, wie sehr eine solche Argumentation bei konservativen Strömungen zum Beispiel in Italien im Umlauf ist. Bei einer Lektüre der Schöpfungsberichte des biblischen Buchs Genesis könnten Leser_Innen tatsächlich zu dem Schluss kommen, dass in ihnen etwas Ãhnliches wie der âheterosexuelle Vertragâ erkennbar ist â ein von Monique Wittig162 geschaffener Begriff, welcher das System von Annahmen und Institutionen bedeutet, welches auf der binären sexuellen Teilung beruht. In biblischen Zeiten gab es zwar noch keine Rede von einer heterosexuellen Identität eines Menschen (im Unterschied zu einer homosexuellen Identität, wie sie erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden ist). Vor allem der Vers Gen 1,27 des ersten Schöpfungsberichts unterstreicht aber eine binäre Teilung der Menschheit, und der darauffolgende Vers Gen 1,28 fährt mit der Betonung der Reproduktion fort:
Gott schuf den Menschen als sein Abbild [
Gen 1,27â28בְּצַ×Ö°×ï ×ַיִּ×Ö°×¨Ö¸× ×Ö±×Öº×Ö´×× ×ֶת־×Ö¸×Ö¸×Ö¸× ], als Abbild Gottes schuf er ihn [×ְּצֶ×Ö¶× ×Ö±×Ö¹×Ö´×× ×Ö¼Ö¸×¨Ö¸× ×ֹת×Ö¹ ]; und schuf sie als Mann und Frau [×Ö¸×ָר ×Ö¼× Ö°×§Öµ×Ö¸× ×Ö¼Ö¸×¨Ö¸× ×Ö¹×ªÖ¸× ]. Gott segnete sie und Gott sprach zu ihnen [×Ö·×Ö°×ָרֶ×Ö° ×Ö¹×ªÖ¸× ×Ö±×Ö¹×Ö´×× ×Ö·×Ö¼×Ö¹×ֶר ×Ö¸×Ö¶× ×Ö±×Ö¹×Ö´×× ]: âSeid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde [פְּר×Ö¼ ×ּרְ××Ö¼ ×Ö¼×Ö´×Ö°××Ö¼ ×ֶת־×Ö¸×ָרֶץ ] und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über alles Lebendige, das sich auf der Erde regt [×Ö°×Ö´×ְש×Ö»×Ö¸ ×ּרְ××Ö¼ ×Ö¼Ö´×Ö°×ַת ×Ö·×Ö¼Ö¸× ×Ö¼×Ö°×¢×Ö¹×£ ×ַש×Ö¼Ö¸×Ö·×Ö´× ×Ö¼×Ö°×Ö¸×Ö¾×Ö·×Ö¼Ö¸× ×ָרֹ×ֶש×ֶת ×¢Ö·×Ö¾×Ö¸×ָרֶץ ]â.
Mit Gen 1,27 wird sogar argumentiert, dass intersexuelle Körper operativ mit einer männlich/weiblichen Dichotomie in Konformität gebracht werden müssen.163 Seitens der Katholischen Kirche wird zum Beispiel durch den Präfekten der Kongregation für das Katholische Bildungswesen Kardinal Giuseppe Versaldi164 in âAls Mann und Frau schuf er sieâ. Für einen Weg des Dialogs zur Gender-Frage im Bildungswesen vom 2. Feber 2019 die höchst umstrittene Sicht vertreten, dass medizinisches Fachpersonal âtherapeutische Eingriffeâ bei Fällen vornehmen kann, bei denen das körperliche Geschlecht nicht eindeutig ist, um âdie konstitutive Identität der Personâ herzustellen. Intersexuelle Menschen kämpfen weltweit gegen die Zuweisung eines körperlichen Geschlechts durch Ãrzt_Innen und brandmarken sie als Körperverletzung und Genitalverstümmelung. Menschenrechtsorganisationen kritisieren solche medizinisch überflüssige Genitaloperationen als Verstoà gegen das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Die Grund- und Menschenrechte sind für die Länder der Europäischen Union unter anderem in der Charta der Grundrechte der Europäischen Union (GRC) kodifiziert, die im Jahr 2009 in Kraft getreten ist. So heiÃt es in Artikel 3 (âRecht auf Unversehrtheitâ) der Charta der Grundrechte der Europäischen Union: (1) âJeder Mensch hat das Recht auf körperliche und geistige Unversehrtheitâ und (2) âIm Rahmen der Medizin und der Biologie muss insbesondere Folgendes beachtet werden: (a) die freie Einwilligung des Betroffenen nach vorheriger Aufklärung entsprechend den gesetzlich festgelegten Einzelheitenâ.165 Kleinkinder können noch nicht selbst hinsichtlich Operationen an ihren Geschlechtsorganen entscheiden. Auch intersexuelle Menschen haben ein Recht auf Selbstbestimmung.
Aus queerer bibelwissenschaftlicher Sicht kann gegenüber solchen äuÃerst problematischen offiziellen kirchlichen ÃuÃerungen wie folgt argumentiert werden: Neben dem ersten Schöpfungsbericht ist auf den zweiten Schöpfungsbericht zu verweisen, in dem laut Gen 2,7 am Anfang der göttlichen Erschaffung des Menschen nicht von einer sexuellen Teilung berichtet wird:
Da schuf G*tt den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies ihm den Lebensatem in seine Nase [
Gen 2,7×Ö·×Ö¼Ö´×צֶר ×Ö°××Ö¸× ×Ö±×Ö¹×Ö´×× ×ֶת־×Ö¸×Ö¸×Ö¸× ×¢Ö¸×¤Ö¸×¨ ×Ö´×Ö¾×Ö¸×Ö²×Ö¸×Ö¸× ×Ö·×Ö¼Ö´×¤Ö¼Ö·× ×Ö¼Ö°×ַפָּ×× × Ö´×©×Ö°×ַת ×Ö·×Ö¼×× ]. So wurde der Mensch ein lebendiges Wesen [×Ö·×Ö°×Ö´× ×Ö¸×Ö¸×Ö¸× ×Ö°× Ö¶×¤Ö¶×©× ×Ö·×Ö¼Ö¸× 166 ].
Kein Paar, sondern ein einzelnes Geschöpf wird hier hervorgebracht, von dem im Hebräischen als
Im Zusammenhang mit den Schöpfungsberichten liefere ich also anhand von Ansätzen der Queer-Theoretiker_innen Wittig und Butler ein erstes Beispiel ausnahmsweise schon in der Einleitung, wie queere Lesarten aussehen: Auf Spannungen und Widersprüche innerhalb der biblischen Darstellungen der Erschaffung der Menschheit aufgrund zweier unterschiedlicher Schöpfungsberichte wird hingewiesen. Im Gegensatz zu Gen 1,27 im ersten Schöpfungsbericht findet sich in Gen 2,7 im zweiten Schöpfungsbericht am Anfang der Erschaffung der Menschheit kein Hinweis auf eine binäre sexuelle Teilung in Mann und Frau, sondern es wird die Schöpfung des Menschen beschrieben.
Die göttliche Erschaffung der Menschheit in ihrer Gesamtheit
Heute wird in queerer Bibelexegese im Zusammenhang mit dem ersten Schöpfungsbericht der Fokus auf die Gesamtheit des von Gott Geschaffenen gelegt: Bei der Erschaffung von Himmel und Erde im ersten Vers der Hebräischen Bibel in Gen 1,1 ist die Schöpfung des ganzen Universums gemeint, und auch hinsichtlich der Erschaffung von Mann und Frau in Gen 1,27 wird die gesamte Menschheit â in ihrer Bandbreite von verschiedenen Geschlechtern und Geschlechtlichkeiten â angesprochen.170 Der erste Schöpfungsbericht ist zweifellos an Dualitäten interessiert: Licht und Finsternis, Wasser und Land, die Sonne als Licht des Tages, der Mond als Licht der Nacht. Aber Dualität (Zweiheit) erzwingt keinen Dualismus (Gegensätzlichkeit). Es gibt auch die Dämmerung und den Strand, wo sich Land und Meer verbinden; und der Mond zeigt sich manchmal auch am Tag.171 Deshalb legt es sich aus queerer Sicht, nach welcher Geschlechtsidentitäten flieÃend sind, nahe, dass Gott mit âMann und Frauâ nicht fixe geschlechtliche Identitäten, sondern ein ganzes Spektrum an geschlechtlichen Möglichkeiten geschaffen hat.
Meine queere Relektüre des Bibelverses Gen 1,27 aus dem ersten Schöpfungsbericht bezüglich der Erschaffung der Menschheit lautet deshalb im Anschluss an die Rabbiner_in Margaret Moers Wenig folgendermaÃen: âGott schuf den Menschen als sein Abbild, als Abbild Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau und jede Kombination dazwischen.â172
Vielstimmigkeit in der Hebräischen Bibel
Nicht nur innerhalb des biblischen Buchs Genesis gibt es zwei Schöpfungsberichte mit unterschiedlichen Darstellungen der Erschaffung der Menschheit, sondern innerhalb der gesamten Hebräischen Bibel finden sich Texte verschiedener Gattungen mit mannigfaltigen Aussagen zum Thema âSexualitätâ. Ich mache auf die Vielstimmigkeit in der Hebräischen Bibel aufmerksam.
Es ist aufschlussreich, zusätzlich weitere Bibeltexte, wie Kohelet 4,9â12, das erste Kapitel des Buchs Rut oder das Hohelied mit Teilen der Schöpfungsberichte zu vergleichen. Aus heutiger Sicht erscheinen sie wie queere Gegentexte zu konservativen Auslegungen der Schöpfungsberichte. Auf die Fragestellung im zweiten Schöpfungsbericht in Gen 2,18, welche Partner_Innen wir brauchen, um nicht allein zu sein oder überleben zu können, legen die Verse Koh 4,9â12 aus queerer Sicht andere Modelle als eine ausschlieÃliche Mann-Frau Beziehung nahe.173 Auch das Buch Rut kann aus heutiger Sicht als queerer Gegentext zu Gen 2,18â24 aus dem zweiten Schöpfungsbericht interpretiert werden, welche Konservative immer noch zur biblischen Begründung der monogamen heterosexuellen Ehe anführen: Im Zuge meiner queeren Lektüre der biblischen Geschichte des Frauenpaars Rut und Noomi vergleiche ich Gen 2,24 mit Rut 1,14, sodass mit Ruts festem Anhangen an Noomi auch eine sexuelle Beziehung zwischen zwei lesbischen Frauen oder gar eine Partnerschaft oder eine Ehe zweier Frauen assoziiert werden können. Im Buch Rut verschwimmen nicht nur hier soziokulturelle Geschlechterrollen, ja sogar sexuell definierte Rollen.174
Das Hohelied kann durch die Darstellung sexueller Liebe auÃerhalb der Ehe als queerer Gegentext zu konservativen Interpretationen des zweiten Schöpfungsberichts betrachtet werden, also konkret âgegenâ eine bestimmte âkirchliche Ehenormâ.175 Das Hohelied kann auÃerdem wegen der Begeisterung für den menschlichen Eros und wegen des gegenseitigen Begehrens der darin besungenen Liebenden als queerer Gegentext zu Gen 3,16â19 aus dem zweiten Schöpfungsbericht aufgefasst werden.176 Meine queere Diskussion des Hohelieds geht noch weiter, indem ich sowohl die Perspektiven weiblichen Begehrens und queerer Selbstbehauptung (im Zuge einer antirassistischen Auslegung) anspreche als auch eine andere Sprache der Erotik und das Hohelied als nicht religiöse Liedersammlung thematisiere.177 Das Hohelied kann also auch queer betrachtet werden, weil es eine nicht religiöse Liedersammlung â im Unterschied zu den ansonsten religiösen Texten der Hebräischen Bibel â darstellt.178
Biblische Sexualität und Erotik als literarische Fiktionen
Was kann über gelebte Sexualität zu biblischen Zeiten in Erfahrung gebracht werden? Menschen aus der damaligen Zeit können zu diesem Thema nicht interviewt werden. Wir haben keine körperlichen Zeugnisse von biblischen Figuren, sofern sie überhaupt real existiert haben und nicht nur erzählte Fiktionen sind. Alles, was wir haben, sind die literarischen Ãberlieferungen von Texten der Hebräischen Bibel, also kulturell übermittelte sprachliche Quellen. Ich bin der Meinung, dass wir trotz dieser spannenden Ãberlieferungen im Dunkeln tappen und eigentlich nicht wissen, wie die Leute damals tatsächlich Sex gehabt haben. Was in den biblischen Texten unterschiedlicher Gattungen, angefangen mit den Schöpfungsberichten, unterschiedlichen Gesetzes- und Erzähltexten bis hin zu Liedern geschrieben steht, zeigt nur Ausschnitte von verschiedenen Verständnissen von Sexualität, vorwiegend aus androzentrischen Sichtweisen (d. h. aus solchen, welche den Mann ins Zentrum des Denkens stellen) verfasst. Dabei mögen das eben erwähnte Buch Rut und das Hohelied Ausnahmen sein, weil ersteres als Frauenbuch gilt und letzteres die Perspektive des weiblichen Begehrens bemerkenswert stark schildert.179
Rückschlüsse zu bestimmten Formen von Sexualität ziehe ich aber, wie bereits erwähnt,180 insofern, als ich die Existenz von nicht normativen Varianten in der damaligen jüdischen Gesellschaft für wahrscheinlich halte, wenn ich die Verbote Lev 18,22 und Lev 20,13 hinsichtlich Sex unter Männern im biblischen Heiligkeitsgesetz lese. Ich setze persönliche Betroffenheit und Wünsche von Personen in der jüdischen Gesellschaft als Anlass für deren Abfassung voraus. Hinsichtlich der rabbinischen Ablehnung der Heirat unter Männern und unter Frauen und bestimmter Formen von Polygamie, bei der ein Mann oder auch eine Frau mehrere Partner_Innen hat, im Zusammenhang mit Sifra zu Lev 18,3 bin ich jedoch skeptisch, was die reale rechtliche Existenz solcher nicht gutgeheiÃener Beziehungsformen in der Antike aufgrund dieser späteren jüdischen Quelle betrifft.181 Werden Androgynie, auÃergewöhnliche Sexualität, Erotik, ungewöhnliches soziokulturelles Rollenverhalten oder queere Beziehungsformen von bestimmten biblischen Figuren wie Adam, dem ersten Menschen, Josef, dem Sohn Jakobs, Rut oder König David etc. in religiösen Schriften überliefert, so betrachte ich dies im Wesentlichen als Bestandteile literarischer Fiktionen.
Neupublikation
Im Prinzip sind alle Artikel in diesem Sammelband gleichzeitig auch Teile meines in Entstehung begriffenen Buchs mit dem Titel âQueere Lesarten der Hebräischen Bibelâ. Meine in verschiedenen wissenschaftlichen Zeitschriften oder Sammelbänden publizierten Artikel, welche hier in mehr oder minder überarbeiteten deutschen Versionen in einem Sammelband vorliegen, stellen relativ kurze Abschnitte aus diesem umfassenden Werk dar. Einzig der Artikel âLesungen für Segnungsfeiern gleichgeschlechtlicher Paare, queer ausgelegtâ182 stellt einen thematisch eigens für den Themenschwerpunkt der Feier der Partnerschaftssegnung konzipierten Beitrag für eine bestimmte Zeitschrift dar, welche sich bewusst an ein breiteres Publikum richtet.
Die Artikel sind unterschiedlich formatiert worden, weshalb eine gewisse Vereinheitlichung notwendig ist. So habe ich nun überall die Abkürzungen âv. d. Z.â bzw. ân. d. Z.â verwendet, die âvorâ bzw. ânach der Zeitenwendeâ bedeuten. Im religiös pluralen Kontext werden damit andere Formulierungen als âv. Chr.â und ân. Chr.â verwendet, welche die Zeitenwende zwar ebenfalls mit dem vermeintlichen Geburtsjahr Jesu von Nazaret ansetzen, aber den christlichen Bezug bewusst weglassen. Die englischen Abkürzungen âBCEâ und âCEâ können dementsprechend im Sinne von âbefore the Common Eraâ (âvor der gewöhnlichen Zeitrechnungâ) und âCommon Eraâ (âder gewöhnlichen Zeitrechnungâ) verstanden werden â und nicht nur im Sinne von âbefore Christian Eraâ (âvor christlicher Zeitrechnungâ) und âChristian Eraâ (ânach christlicher Zeitrechnungâ). In diesem Sammelband werden die ökumenischen Schreibweisen der biblischen Eigennamen nach den Loccumer Richtlinien183 angewendet. Auch die Abkürzungen für biblische Bücher etc. wurden vereinheitlicht. Transkriptionen wurden im Vergleich zu meinem Artikel in Alt-Katholische und Ãkumenische Theologie 1 (2016) herausgenommen.184 Gibt es eine neue Auflage eines Buchs wie zum Beispiel eine 9. Auflage von Günter Stembergers Einleitung in Talmud und Midrasch, so wurde dies in den FuÃnoten berücksichtigt und geändert. Schlug hie und da beim Setzen meiner Texte der Fehlerteufel zu, so habe ich dies nun im Sammelband korrigiert. Einleitende Passagen der jeweiligen Artikel wurden in die allgemeine Einleitung des Sammelbands integriert.185 Erklärungen zu queeren Personen oder zu meinen queeren Schreibweisen (wie der Kombination des Gendergaps mit dem Binnen-I zum Beispiel beim Wort âLeser_Innenâ oder die Bezeichnungen für Gottesnamen mit dem Stern etc.) wurden bereits im Vorwort bzw. der Einleitung angesprochen und kommen daher nicht nochmals in den einzelnen Kapiteln vor. Auch inhaltliche Korrekturen wurden vorgenommen,186 sodass es sich bei den nun folgenden Texten um eine Neupublikation handelt. Der Nachweis der Erstveröffentlichungen befindet sich unmittelbar vor dem Literaturverzeichnis in diesem Sammelband.
In der Einleitung und im Schlusskapitel dieses Sammelbands kommt es teilweise zu Ãberschneidungen mit Inhalten meiner bereits publizierten Artikel (vgl. Nachweis der Erstveröffentlichungen). AuÃerdem wird in FuÃnoten auf die Kapitel innerhalb dieses Buchs zum Weiterlesen verwiesen, dabei aber auf eine zusätzliche genaue Zitierung meiner bereits veröffentlichten Beiträge verzichtet.
Die Assoziation des englischen Begriffs âqueerâ mit dem deutschen Wort âquerâ ist zwar nicht von der Hand zu weisen, da das deutsche Adjektiv bzw. Adverb âquerâ früher gedehnt u. a. auch âqueerâ geheiÃen hat (Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm, s. v. QUER), jedoch sind mir vor dem 20. Jh. keine Belege dafür im Zusammenhang mit andersartigen Sexualitäten bekannt. Laut Duden bedeutet âqueerâ (von einer Person) âeiner anderen als der heterosexuellen Geschlechtsidentität zugehörigâ. Duden, s. v. queer. âHeterosexuellâ, eine hybride Bildung aus griech.
Vgl. Josephus, Ap. 1,38â40.
Z. B. Mt 21,42; Lk 24,27; Joh 5,39.
Z. B. Mk 15,28; Joh 2,22.
Vgl. Brieffragment des Melito von Sardes, wiedergegeben in Eusebs Historia ecclesiastica (âKirchengeschichteâ) 4,26,12â14.
De Pury, âKanon des Alten Testamentsâ, 3.
Das Wort âKanonâ geht auf das griechische Wort
Bezüglich eines Ãberblicks über die einzelnen Bestandteile des jüdischen Tanachs im Vergleich zum Kanon der christianisierten Septuaginta vgl. ibid., 5.
Vgl. BHS. Die Biblia Hebraica Stuttgartensia ist die 4. Auflage der Biblia Hebraica-Reihe. Sie wurde in den Jahren 1967â1977 erarbeitet und von den Alttestamentlern Karl Elliger und Wilhelm Rudolph herausgegeben. Sie ist bis heute die einzige vollständige wissenschaftliche Textausgabe des Codex Leningradensis. Ihr textkritischer Apparat bietet alle wichtigen Textvarianten und Korrekturvorschläge zur Hebräischen Bibel. Deutsche Bibelgesellschaft, âBiblia Hebraica Stuttgartensiaâ.
Bezüglich einer Einführung zur Queer-Theorie, die aus dem australischen Englisch ins Deutsche übersetzt wurde, vgl. Jagose, Queer Theory bzw. Jagose, Queer Theory. Eine Einführung.
Matzner, âStonewall Riotsâ, 1.
Ibid., 3.
Jagose, Queer Theory, 30, bzw. Jagose, Queer Theory. Eine Einführung, 46.
Schiller/Rosenberg, Before Stonewall.
Singer/Sammon, Universum History. Regenbogen-Revolution.
Homosexualität, ein hybrides Kompositum aus griech.
Stonewall in Wien (1969â2009) liefert z. B. eine Nacherzählung queerer Geschichte in Ãsterreich.
Haupt, Der Kreis.
Koll / von Hammerstein / Steinle, Der Kreis.
Hark, âQueer Interventionenâ, 103.
Pauer-Studer, Einführung in die Ethik, 170.
Butler, Bodies That Matter, 121â40, bzw. Butler, Körper von Gewicht, 171â97.
Vgl. Einleitung, Abschn. âZeit- und Ortsgebundenheitâ.
Vgl. Einleitung, Abschn. âVerbote von Sex zwischen Männernâ.
Dieser diskursive Wechsel wird in Stone, âHomosexuality and the Bibleâ, 107â18 thematisiert.
Vgl. Kap. 5. âLiebesgebote aus Levitikusâ.
Vgl. Kap. 4. âAuslegungen zu weiblicher Homoerotikâ.
Goss/West, Take Back the Word; Stone, Queer Commentary; Stone, âHomosexuality and the Bibleâ, 107â18; Stone, Practicing Safer Texts; Bohache et al., Queer Bible Commentary; Lavoie /Létourneau, âHerméneutique Queerâ, 503â28 und Hornsby/Stone, Bible Trouble.
Drinkwater/Lesser/Shneer, Torah Queeries.
So lautet meine Ãbersetzung des Buchtitels âTorah Queeriesâ ins Deutsche.
Stone, âQueer Commentary: Introductionâ, 19.
Ibid., 33.
Plaskow, âForewordâ, xiâxii.
Das griechische Wort
Vgl. spätlateinisch âbinariusâ (âzwei enthaltendâ). Duden, s. v. binarisch.
Bei
Vgl. Einleitung, Abschn. âUnterschiedliche Darstellungen der Erschaffung der Menschheitâ.
Vgl. Kap. 1. âAdams Androgynieâ.
Vgl. Einleitung, Abschn. âErschaffung der Menschheit in ihrer Gesamtheitâ.
Plaskow, âForewordâ, xi.
Ich schlieÃe mich der deutschen Ãbersetzung von mAv 5,22 (ed. Chanoch Albeck) von Günter Stemberger an, welcher zusätzlich die wichtigsten Textzeugen dieser rabbinischen Stelle anführt, die deutlich machen, wie wenig stabil dieser Text am Ende des Mischna-Traktats Avot ist. Dieser Spruch wird in mAv 5,22 Ben Bag Bag zugeschrieben. Dieser wird in der rabbinischen Literatur öfter als Tradent halachischer Aussagen zitiert (so etwa in tKet 5,1 als Jochanan ben Bag Bag, der sich an Rabbi Jehuda ben Batyra in Nisibis wendet, womit er nach jüdischer Tradition im frühen 2. Jh. gelebt hätte; auch die Parallelen nennen ihn Jochanan â siehe auch tBQ 10,16). Stemberger, ââWende und wende sie â¦ââ, 427â30.
Ibid., 428.
Ibid., 433.
Vgl. Einleitung, Abschn. âDie biblischen Schriftenâ.
Stemberger, ââWende und wende sie â¦ââ, 431.
Vgl. z. B. Abschn. 3.3. âPerspektive weiblichen Begehrens im Hoheliedâ bezüglich patriarchaler Kontrolle weiblicher Sexualität. Weitere biblische Figuren neben Adam stelle ich erst anschlieÃend im Laufe meiner Einleitung vor.
Vgl. Einleitung, Abschn. âZeit- und Ortsgebundenheitâ.
Stemberger, ââWende und wende sie â¦ââ, 428â30.432.
Hügel, Homoerotik und Hebräische Bibel.
Der Text des Lieds âDie Freiheitâ stammt von Hansi Dujmic. Es ist besser bekannt durch Wolfgang Ambrosâ gleichnamigen Song in dessen Album Mann und Frau von 1989. Die Achtzigerjahre des 20. Jh. waren für mich als Teenager die Zeit der beginnenden intellektuellen Rebellion gegen eine Gesellschaft in Ãsterreich, die ich damals als vorwiegend von heterosexuellem Gedankengut geprägt wahrgenommen habe. Letztendlich habe ich aber schon von Kindesbeinen an mit Hosen und kurzen Haaren in den Siebzigerjahren angeeckt.
Heterosexismus ist die Vorstellung, nach der Heterosexualität allen anderen Sexualitäten überlegen sei, und die (daher für gerechtfertigt gehaltene) Diskriminierung, Unterdrückung, Zurücksetzung, Benachteiligung von unterschiedlichen queeren Menschen aufgrund ihrer geschlechtlichen Identitäten bzw. ihrer sexuellen Orientierungen, Begehren und Verhaltensweisen.
Diese Bezeichnung stammt aus dem Kirchenlateinischen.
Vgl. Kap. 1. âAdams Androgynieâ.
Vgl. Kap. 4. âAuslegungen zu weiblicher Homoerotikâ.
Vgl. Abschn. 8.3. âRuts Treueschwur gegenüber Noomiâ.
Vgl. Kap. 3. âLesarten des Hoheliedsâ.
Vgl. Kap. 5. âLiebesgebote aus Levitikusâ.
Vgl. Kap. 2. âKohelet 4,9â12â.
Vgl. Kap. 6. âJosefâ.
Vgl. Kap. 7. âDavid und Goliatâ.
Vgl. Abschn. 8.2. âDavid und Jonatanâ.
Die Schreibweise der Bezeichnungen für Gottesnamen mit dem Stern, G*tt (
Vgl. Kap. 9. â2 Samuel 6â.
Duden, s. v. Intersektionalität.
Vgl. Abschn. 8.1. âMehrfachbeziehungenâ.
Vgl. Kap. 6. âJosefâ.
Kristeva, âBakhtineâ, 440â41, bzw. Kristeva, âBachtinâ, 348.
Kristeva, âSeitenweise Text abschreibenâ.
Bezüglich einer Einführung zur rabbinischen Hermeneutik vgl. Stemberger, Einleitung, 26â42.
Vgl. künstlerische Selbstporträts als besiegte Knabenliebhaber in Werken wie Donatellos Bronzedavid (Abb. 3) und Caravaggios David mit dem Haupt des Goliat (Abb. 4) bzw. Kap. 7. âDavid und Goliatâ.
Vgl. Michelangelos Darstellung des schönen, femininen Josef in seiner Malerei Jakob und Josef zu Mt 1,16 (Abb. 1) bzw. Kap. 6. âJosefâ und Simeon Solomons David als effeminierter Liebhaber Jonatans beim Liebesschwur in David und Jonatan zu 1 Sam 20,17 (Abb. 5 und 6) bzw. Abschn. 8.2. âDavid und Jonatanâ.
Vgl. Philip Hermogenes Calderons Noomi als sexuell mehrdeutige Gestalt in Rut und Noomi zu Rut 1,14â17 (Abb. 7) bzw. Abschn. 8.3. âRuts Treueschwur gegenüber Noomiâ.
Vgl. Abb. 1 bzw. Kap. 6. âJosefâ.
Vgl. Abb. 5 und 6 bzw. Abschn. 8.2. âDavid und Jonatanâ.
Vgl. Abb. 7 bzw. Abschn. 8.3. âRuts Treueschwur gegenüber Noomiâ.
Mein Gebrauch des sperrigen Begriffs âwi(e)dersinnigâ ist von Mieke Bals Konzept der âwi(e)dersinnigen Geschichteâ (âpreposterous historyâ) inspiriert. âPreposterousâ heiÃt grundsätzlich âabsurdâ bzw. âwidersinnigâ. Bal meint in Quoting Caravaggio: Contemporary Art, Preposterous History damit jedoch eine Denkbewegung der Umkehrung, welche das chronologisch Frühere (âpre-â) als eine Nachwirkung des zeitlich Späteren (âpostâ) betrachtet. Bal, Quoting Caravaggio, 7. Die deutsche Ãbersetzung von âpreposterousâ mit âwi(e)dersinnigâ stammt von Sylvia Mieszkowskis Rezension âBarocker Wi(e)der-Sinn der zeitgenössischen Kunstâ von Bals Buch Quoting Caravaggio: âDenn es geht hier um eine Wiederholung, die auch eine Form der Sinnproduktion ist, der eine temporale und gleichzeitig eine semantische Gegenläufigkeit innewohntâ.
Bezüglich rabbinischer Aussagen zur Androgynie des ersten Menschen vgl. BerR 8,1 zu Gen 1,26 und LevR 14,1 zu Lev 12,2 bzw. Abschn. 1.1. âAndrogynes Geschöpfâ.
Bezüglich rabbinischer Behauptungen von Josefs effeminiertem Auftreten vgl. verschiedene jüdische Interpretationen zu Gen 37,2 und Gen 39,6 bzw. Abschn. 6.1. âJosef als effeminierter Jünglingâ.
So unterstellt z. B. Rabbi Judan dem Philister Goliat, dass er David wegen seiner schönen Augen und seines attraktiven Aussehens begehrt habe. Vgl. LevR 21,2 zu Lev 16,3 bzw. Abschn. 7.1. âJüdische Interpretationen zu 1 Sam 16,12 und 1 Sam 17,42â.
Jan Willem van Henten fragt ähnlich, wenn auch nicht im Zusammenhang mit einer queeren Interpretation, sondern mit einer Filmbesprechung, was ein Film (Bruce Almighty) zum gegenwärtigen Verständnis eines Bibeltexts (Gen 1,26â27) beitragen kann. Van Henten, âPlaying Godâ, 127.
Genette, Palimpsestes, 8, bzw. Genette, Palimpseste, 10.
Dies findet sich zum ersten Mal in meiner Ãbersetzung von BerR 8,1, worin das Schriftzitat Gen 5,2 vorkommt. Vgl. Abschn. 1.1. âAndrogynes Geschöpfâ.
Vgl. z. B. das Vorkommen einer ähnlichen Aussage, nämlich des Hinweises auf âein Mann und seine Frauâ in TKoh 4,11, welche sich bereits in KohR zu Koh 4,9â12 findet. Vgl. Abschn. 2.3. âDer dreifache Fadenâ.
Vgl. Abschn. 3.6. âHohelied als nicht religiöse Liedersammlungâ.
Vgl. Abschn. 8.2. âDavid und Jonatanâ.
Ibid.
Vgl. Abschn. 8.1. âMehrfachbeziehungenâ.
Vgl. Abschn. 8.3. âRuts Treueschwur gegenüber Noomiâ.
Niederwimmer, Theologie des Neuen Testaments, 407.
Aus traditioneller jüdischer Sicht wird Adam, der erste geschaffene Mensch in der Hebräischen Bibel, angefangen mit den Rabbinen, in Anlehnung an Platons Mythos von den Kugelmenschen aus Das Gastmahl, androgyn bzw. zweigesichtig vorgestellt. Vgl. Kap. 1. âAdams Androgynieâ.
Ich folge der Einteilung jüdischer Literatur in Stemberger, Einleitung, 6â8, wobei ich nur diejenigen rabbinischen Schriften erwähne, die auch im Anschluss in diesem Sammelband vorkommen. Sie werden in den folgenden Kapiteln jeweils bei ihrer ersten Erwähnung in FuÃnoten erläutert. Um die einzelnen Traktate der Mischna bzw. der Talmude â wie z. B. Gittin (âScheidebriefeâ), Yevamot (âSchwäger_innenâ) und Schabbat (âSabbatâ) etc. â schneller zu finden, werden die Zugehörigkeiten zu den jeweiligen Ordnungen (
Bezüglich einer Einleitung in die jüdische Literatur des Mittelalters vgl. Stemberger, Einführung, 107â53.
Vgl. Kap. 7. âDavid und Goliatâ.
Vgl. Kap. 8. âLesungen für Segnungsfeiernâ.
Vgl. mQid 4,14 bzw. Abschn. 2.4. âMänner unter einem Mantelâ.
Eigene Ãbersetzung aus dem Mischna-Hebräischen nach Lieberman, Tosefta, 3,2:297. Bezüglich einer englischen Ãbersetzung vgl. Neusner, Tosefta, 3:260.
Hinsichtlich des palästinischen Talmuds vgl. pQid 4,11,66c bzw. Guggenheimer, Jerusalem Talmud: Tractate Qiddušin, 408.
Die jüdische Tradition betrachtet Rabbi Jehuda (bar Ilai) als Tannait der dritten Generation und späteren Schüler Rabbi Akibas. Stemberger, Einleitung, 92. Der Begriff âTannaitenâ leitet sich von aram.
Die rabbinische Formulierung
Eigene Ãbersetzung aus dem Hebräischen bzw. Aramäischen nach Talmud Bavli (Vilna ed.). Bezüglich einer englischen Ãbersetzung vgl. Epstein, Babylonian Talmud: Ḳiddushin, 422.
Das Buch Levitikus besteht fast nur aus Gesetzessammlungen, die am Sinai von Gott an Mose ergehen. Das Buch Levitikus hat aber nichts mit den Leviten zu tun, also nichts mit den Angehörigen des jüdischen Stammes Levi, die mit den Aufgaben des Priesteramts betraut waren. Die Septuaginta und, ihr folgend, die Vulgata haben die unter den Rabbinen übliche Bezeichnung
Das sogenannte Heiligkeitsgesetz umfasst aus moderner wissenschaftlicher Sicht die Kapitel Levitikus 17â26, in welchen Heiligkeit (
Bezüglich einer ausführlichen Diskussion dieser biblischen Verbote und rabbinischer Traditionen im Anschluss daran vgl. Hügel, âQueere Lesarten der Hebräischen Bibelâ (unveröffentlichtes Manuskript).
Alle Ãbersetzungen von Textpassagen der Hebräischen Bibel (nach Elliger/Rudolph, Biblia Hebraica Stuttgartensia) in diesem Band stammen von mir.
Vgl. Kap. 5. âLiebesgebote aus Levitikusâ.
Bezüglich einer ausführlichen Diskussion dieser biblischen Verbote und rabbinischer Traditionen im Anschluss daran vgl. Hügel, âQueere Lesarten der Hebräischen Bibelâ (unveröffentlichtes Manuskript).
Der Traktat Sanhedrin zählt zu Neziqin (âBeschädigungenâ), einer Ordnung, welche im palästinischen Talmud eigens redigiert wurde. Es lassen sich aber weder Ort noch Zeit der Redaktion von Neziqin sicher bestimmen. Stemberger, Einleitung, 194.
Die jüdische Tradition siedelt Rabbi Jehuda bar Simon, auch: der Sohn des Simon ben Pazzi bzw. im palästinischen Talmud auch kurz: Jehuda ben Pazzi und oft einfach nur Rabbi Jehuda, in Lydda in Palästina in der vierten Generation der Amoräer an. Ibid., 109. Die Bezeichnung âAmoräerâ leitet sich von
Eigene Ãbersetzung aus dem Hebräischen bzw. Aramäischen nach ibid.
Vgl. Koh 4,11 bzw. Abschn. 2.2. âWärme als sexuelle Erregungâ.
Bezüglich meiner Diskussion von Koh 4,12 vgl. Abschn. 2.3. âDer dreifache Fadenâ.
Vgl. Kap. 4. âAuslegungen zu weiblicher Homoerotikâ.
âThe regular order of natureâ (âdie reguläre Ordnung der Naturâ). LSJ, s. v.
Vgl. z. B. die Erwähnung der âNaturâ (
Vgl. Abschn. 4.2.1. âSifra zu Lev 18,3â.
Homo- wie z. B. im Wort âHomosexualitätâ leitet sich von
Hetero- wie z. B. im Wort âHeterosexualitätâ leitet sich von
Crossdressing ist eine eingedeutschte Bezeichnung des englischen Begriffs âcross-dressingâ, welcher sich aus âcross-â (âMisch-â) und âdressingâ (âAnziehenâ) zusammensetzt. Duden, s. v. Crossdressing.
Bezüglich einer ausführlichen Diskussion des biblischen Crossdressingverbots Dtn 22,5 und rabbinischer Traditionen im Anschluss daran vgl. Hügel, âQueere Lesarten der Hebräischen Bibelâ (unveröffentlichtes Manuskript).
Die Worte âanachronistischâ oder âAnachronismusâ (
Benedek/Binder, Von tanzenden Kleidern, 14.
Katechismus der Katholischen Kirche, 596.
Schreiben der Kongregation, 5â6. In einem späteren kirchlichen Dokument unter Papst Benedikt XVI. vom 4. November 2005 zum Thema âHomosexualität und Priesterweiheâ wird auf dieses Dokument â ohne Ãnderungen oder Zusätze â verwiesen: Kardinal Grocholewski, âInstruktion über Kriterienâ, 2. Homosexualität und Weiheamt.
Vgl. Abschn. 4.1. âKein Verbot weiblicher Homoerotikâ.
Jordan, âSodomites and Churchmenâ, 238.
Um nicht ohne Begriff auskommen zu müssen und mangels eines besseren Terminus schlieÃe ich mich einem namhaften Bibelwissenschaftler an und verwende trotzdem den Begriff âHomoerotikâ. Nissinen, Homoeroticism.
Vgl. Abschn. 2.2. âWärme als sexuelle Erregungâ.
Vgl. 2 Sam 6,21 bzw. Abschn. 9.5. âDavid will fröhlich seinâ.
Vgl. Koh 4,11 bzw. Abschn. 2.2. âWärme als sexuelle Erregungâ.
Vgl. Hab 2,15 bzw. Abschn. 2.2. âWärme als sexuelle Erregungâ.
Vgl. Gen 39,6 bzw. Kap. 6. âJosefâ.
Vgl. Gen 29,17 und BerR 86,6 bzw. Kap. 6. âJosefâ.
Vgl. 1 Sam 16,12 und 1 Sam 17,42 bzw. Abschn. 7.1. âJüdische Interpretationen zu 1 Sam 16,12 und 1 Sam 17,42â.
Vgl. Abschn. 6.2. âPotifar kauft Josefâ.
Vgl. bSot 13b; BerR 86,3 zu Gen 39,1; TanB Wajescheb (âJakob aber bliebâ) 14 zu Gen 39,1; TPsJ zu Gen 39,1; Raschi zu Gen 41,45 und Jalkut Schimoni zu Genesis §145.
Vgl. BerR 86,3 zu Gen 39,1; TanB Wajescheb (âJakob aber bliebâ) 16 zu Gen 39,1 und Jalkut Schimoni zu Genesis §145.
Die aramäische Formulierung
Bezüglich Anspielungen im Kontext von Intertextualität vgl. weiter oben in Einleitung, Abschn. âIntertextualitätâ.
Vgl. LevR 21,2 zu Lev 16,3 bzw. Abschn. 7.1. âJüdische Interpretationen zu 1 Sam 16,12 und 1 Sam 17,42â.
Müthel, Zärtlichkeit und Rebellion.
Vgl. Kap. 4. âAuslegungen zu weiblicher Homoerotikâ.
Vgl. Abschn. 4.1. âKein Verbot weiblicher Homoerotikâ.
âEine sich zwischen den Geschlechtern bewegende Geschlechtsidentität besitzendâ. Duden, s. v. genderfluid.
âSich hinsichtlich der Geschlechtsidentität nicht nach dem binären Schema von männlich oder weiblich definierend, einordnen lassendâ. Duden, s. v. genderqueer.
Vgl. Abschn. 8.3. âRuts Treueschwur gegenüber Noomiâ.
Vgl. Abschn. 4.2.2.2. âBabylonische Talmudtraktate Yevamot 76a und Schabbat 65aâbâ.
Vgl. Abschn. 4.2.3. âMaimonides zu weiblicher Homoerotikâ.
Vgl. Kap. 8. âLesungen für Segnungsfeiernâ.
Kardinal Fernández, Fiducia supplicans, III. âSegnungen von Paarenâ, Art. 31.
Kardinal Ladaria, Responsum ad dubium.
Ein Beispiel für gegenwärtige progressive Entwicklungen innerhalb von Kirchen ist die queere katholische Initiative in Deutschland âOut in Churchâ ab Anfang 2022. Vgl. die TV-Dokumentation von Seppelt et al., Wie Gott uns schufâ in zwei Teilen bzw. Brinkschröder et al., Out in Church.
Der erste Schöpfungsbericht umfasst die Verse Gen 1,1â2,4a.
Der zweite Schöpfungsbericht umfasst die Verse Gen 2,4bâ3,24.
Kardinal Ratzinger, Erwägungen zu den Entwürfen, 6.
Ibid., 7.
Wittig, âStraight Mindâ, 32 und Wittig, âSocial Contractâ, 33â45.
Gross, âIntersexuality and Scriptureâ, 69.
Kardinal Versaldi, âAls Mann und Frauâ, Nr. 24.
Meyer, Charta der Grundrechte, GRC Art. 3 Abs. 1.2a.
Vergleiche die ähnliche Form
Vgl. Abschn. 1.1. âAndrogynes Geschöpfâ.
Butler, Gender Trouble, 136, bzw. Butler, Unbehagen der Geschlechter, 202.
Stone, âGarden of Edenâ, 67â68.
So wird auch âMann und Frauâ in Gen 1,27 als Merismus (d. h. als biblisches Stilmittel, in dem eine Gesamtheit durch zwei gegensätzliche Begriffe ausgedrückt wird) verstanden.
Krebs, Gott queer gedacht, 19.
Vgl. Abschn. 1.2. âTeilungâ.
Vgl. Kap. 2. âKohelet 4,9â12â.
Vgl. Abschn. 8.3. âRuts Treueschwur gegenüber Noomiâ.
Vgl. Abschn. 3.1. âLiebe auÃerhalb der Eheâ.
Vgl. Abschn. 3.2. âEros und gegenseitiges Begehrenâ.
Vgl. Kap. 3. âLesarten des Hoheliedsâ.
Vgl. Abschn. 3.6. âHohelied als nicht religiöse Liedersammlungâ.
Vgl. Abschn. 3.3. âPerspektive weiblichen Begehrens im Hoheliedâ.
Vgl. weiter oben in Einleitung, Abschn. âVerbote von Sex zwischen Männernâ.
Vgl. Abschn. 4.2.1. âSifra zu Lev 18,3â.
Vgl. Kap. 8. âLesungen für Segnungsfeiernâ.
Ãkumenisches Verzeichnis.
Vgl. Kap. 8. âLesungen für Segnungsfeiernâ im Vergleich zu Hügel, âLesungen für Segnungsfeiernâ, 31â48.
Vgl. z. B. Kap. 5. âLiebesgebote aus Levitikusâ, wo Teile der Einleitung in Hügel, âQueere Auslegungen der Liebesgeboteâ, 204â6 weggelassen wurden.
Vgl. z. B. Kap. 2. âKohelet 4,9â12â und Kap. 6. âJosefâ.