Meine Diskussion über gesetzliche Auslegungen zu weiblicher Homoerotik1 fokussiert erstens auf das Fehlen eines diesbezüglichen Verbots innerhalb der Hebräischen Bibel und zweitens auf spätere jüdisch-rechtliche Anschauungen, die sexuelle Lust und Heirat zwischen Frauen im Anschluss an die âLebensart des Landes Ãgyptenâ im Bibelvers Lev 18,3 aus der einleitenden Ermahnung im 18. Kapitel des Buchs Levitikus gedanklich verbinden.
Gegenwärtig ist Heterosexualität in allen Staaten der Welt die vorherrschende Norm. Auch die Gesetzesmaterien der Hebräischen Bibel und das Jüdische Recht zeugen davon, dass die Sexualität zwischen Mann und Frau im Zentrum steht und hauptsächlich deren Regelung Sache ist. In der ganzen Hebräischen Bibel findet sich hingegen nicht eine einzige Vorschrift zum Thema âSex unter Frauenâ. Mit den Versen Lev 18,22 und Lev 20,13 gibt es zwar zwei Gesetze bezüglich Sex zwischen Männern im biblischen Buch Levitikus,2 aber es existiert nicht etwa ein eigenes Gesetz bezüglich Sex unter Frauen analog dazu. Heute werden weibliche und männliche Gleichgeschlechtlichkeit als parallele Konzepte begriffen. Aus der Hebräischen Bibel sind solche parallelen Grundideen von weiblicher und männlicher Homoerotik jedoch nicht ersichtlich.
Obwohl es sowohl in der Tora als auch in der Mischna und der Tosefta keine Verbotstexte und keine gesetzlichen Ausführungen zu weiblicher Homoerotik gibt, ist weibliche Lust unter Frauen vor allem aus jüdisch-orthodoxer Sicht, welche auf rechtlichen Vorstellungen wie jenen des jüdischen Rechtsgelehrten Maimonides fuÃt, heute nach wie vor problematisch. Eine Auseinandersetzung mit halachischen Auslegungen zu weiblicher Homoerotik in Sifra zu Lev 18,3 und in den babylonischen Talmudtraktaten, welche Maimonides zitiert, ist deshalb im Zuge einer queeren Lektüre biblischer Ãberlieferungen und deren jüdischer Rezeptionen unerlässlich.
Queere Lesarten der Hebräischen Bibel und der Halacha nehmen nicht normative Sexualitäten ins Blickfeld. Heteronormativität wird dabei unterlaufen. Ziel queerer Auslegungen ist es, unterschiedliche queere Lebensweisen zu fördern und somit Lesben, Schwule, bisexuelle Leute, Transgenderpersonen, intersexuelle und andere Personen, die ihre sexuelle Orientierung oder ihre Identifizierung mit dem soziokulturellen Geschlecht hinterfragen, zu stärken. In diesem Kapitel ist lesbischer Eros das Thema.
Nach der Entstehung der Lesbenbewegung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben sich jüdische lesbische Frauen als Jüd_innen geoutet und in den Neunzigerjahren begonnen, ihr religiöses Erbe zu hinterfragen.3 Heute mögen sich diverse queere Personen auf unterschiedliche Weise selbst definieren, wenn sie rabbinische Texte zu weiblicher Homoerotik lesen. Ich liefere nun eine queere Abhandlung der für das Thema âweibliche Homoerotikâ relevanten halachischen Schriften. Spätere jüdisch-rechtliche Positionen zu weiblicher Homoerotik lassen sich in drei Punkten zusammenfassen, nämlich (1) âSifra zu Lev 18,3â; (2) âTalmudische Aussagen zu weiblicher Homoerotikâ; und (3) âMaimonides zu weiblicher Homoerotikâ. In Sifra zu Lev 18,3 wird gegen die Heirat weiblicher und männlicher homoerotischer Paare und gegen bestimmte Formen von Polygamie polemisiert. Talmudische Aussagen zu weiblicher Homoerotik finden sich im palästinischen Talmud Gittin 8,10,49c und in den babylonischen Talmudtraktaten Yevamot 76a und Schabbat 65aâb. Maimonidesâ Werke Mischne Tora, Sefer Keduscha, Hilchot Issure Bia 21,8 und Kommentar zur Mischna Sanhedrin 7,4 zeugen von seinen unterschiedlichen Anschauungen zu weiblicher Homoerotik. Ich beginne mit dem Hinweis auf das Fehlen eines Verbots weiblicher Homoerotik in der Hebräischen Bibel.
4.1 Kein Verbot weiblicher Homoerotik in der Hebräischen Bibel
Lesbische Sexualität, wie wir sie heute seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verstehen, kann in antiken biblischen oder rabbinischen Texten nicht gefunden werden. Dies wäre anachronistisch. Die deutschen Begriffe âLesbeâ bzw. âlesbischâ rühren vom altgriechischen Verb
Gibt es überhaupt Begriffe, die auf Sex zwischen Frauen in der Hebräischen Bibel hinweisen? Im Zusammenhang mit erotischen Anspielungen durch sprechende Namen (das heiÃt durch Namen, welche etwas über die Charaktere der Figuren aussagen) legt es sich im biblischen Buch Rut nahe, die hebräische Formulierung
Im späteren Judentum werden Aussagen gegen weibliche Homoerotik nachträglich aus der Hebräischen Bibel abgeleitet, wie ich in den nächsten Abschnitten darstellen werde. Zuerst wurde in der Antike in Sifra9 (einem halachischen Midrasch zum Buch Levitikus) und später erneut im Mittelalter durch den jüdischen Rechtsgelehrten Maimonides10 versucht, â heute würde es heiÃen: lesbophobe â Stellungnahmen durch Hineinlesen in die Tora zu autorisieren. Dabei wurden in Sifra erstmals die Heirat zwischen Frauen und bei Maimonides zusätzlich auch sexuelle Lust zwischen Frauen mit der in Lev 18,3 erwähnten âLebensart des Landes Ãgyptenâ assoziiert. Deshalb zitiere ich hier nun den ganzen Vers Lev 18,3 im Zusammenhang mit der Redeeinleitung Lev 18,1, dem Redeauftrag Lev 18,2a und der einleitenden Paränese (das heiÃt der Ermahnung) Lev 18,2bâ4:
G*tt sprach zu Mose Folgendes [
×Ö·×Ö°×ַבֵּר ×Ö°××Ö¸× ×Ö¶×Ö¾×Ö¹ï¬ªÖ¶× ï¬¼Öµ××ֹר ]:
Sprich zu den Israelit_Innen und sage ihnen [
Lev 18,1â4דַּבֵּר ×Ö¶×Ö¾ï¬±Ö°× Öµ× ×ִשְׂרָ×Öµ× ×Ö°×Ö¸×ַרְïÖ¸ ×Ö²×Öµ×Ö¶× ]: âIch bin G*tt, euer Gott [×Ö²× Ö´× ×Ö°××Ö¸× ×Ö±×Ö¹×Öµ××Ö¶× ]. Weder die Lebensart des Landes Ãgypten, in welchem ihr gewohnt habt [כְּ×Ö·×¢Ö²ï¬«Öµ× ×ֶרֶץ־×ִצְרַ×Ö´× ×ֲשֶׁר ×ְשַׁ×Ö°ïÖ¶×־בָּהּ ×Ö¹× ×ªÖ·×¢Ö²ï¬«ï¬µ ], noch die Lebensart des Landes Kanaan, in welches ich euch hineinführe, sollt ihr nachahmen [וּ×Ö°×Ö·×¢Ö²ï¬«Öµ× ×Ö¶×¨Ö¶×¥Ö¾ï¬»Ö°× Ö·×¢Ö·× ×ֲשֶׁר ×Ö²× Ö´× ×Öµ×Ö´×× ×ֶתְ×Ö¶× ï¬ªÖ¸ï¬¾Ö¸× ×Ö¹× ×ªÖ·×¢Ö²ï¬«ï¬µ ]. Nach ihren Satzungen sollt ihr nicht wandeln [וּ×Ö°×Ö»ïֹתֵ××Ö¶× ×Ö¹× ×ªÖµ×Öµ×וּ ]. Meine Rechtsbestimmungen sollt ihr erfüllen [×ֶת־×ִשְׁïÖ¸×Ö·× ïַעֲשׂוּ ] und meine Satzungen sollt ihr halten, um nach ihnen zu wandeln [×Ö°×ֶת־×Ö»ïÖ¹×ªÖ·× ïִשְׁ×ְרוּ ×Ö¸×Ö¶×ֶת בָּ×Ö¶× ]. Ich bin G*tt, euer Gott [×Ö²× Ö´× ×Ö°××Ö¸× ×Ö±×Ö¹×Öµ××Ö¶× ].â
Es ist offenkundig, dass in dieser biblischen Paränese weder von Sex zwischen Frauen noch von Heirat unter Frauen explizit die Rede ist. Teile des Satzes Lev 18,3 wurden in späteren jüdischen Auslegungen zitiert, weil anschlieÃend nicht nur sexuelle Verbote, wie Inzestverbote in Lev 18,6â17 oder Ehebruchsverbot in Lev 18,20, zu finden sind, sondern weil auch das Verbot von Sex zwischen Männern Lev 18,22 vorkommt.11 Laut Lev 18,3 sollen die Israelit_Innen weder die Lebensart des Landes Ãgypten (
Aus heutiger Sicht mag es verwundern, weshalb nur Sex zwischen Männern, nicht aber Sex zwischen Frauen in der Hebräischen Bibel bestraft wird. Erstens ist klar ersichtlich, dass diese Gesetze, welche sich fast ausschlieÃlich an freie, israelitische Männer richten,14 in einem patriarchalen Zusammenhang stehen. Die einzelnen Gesetze sind aus androzentrischer Sicht geschrieben, das heiÃt aus einer, welche den Mann ins Zentrum des Denkens stellt. Zweitens ist davon auszugehen, dass aufgrund der damaligen patriarchalen Perspektive Frauen als Besitz von Männern betrachtet wurden. Es wurde an dieser Stelle der Hebräischen Bibel ausgeschlossen, dass Frauen über andere Frauen sexuell verfügen könnten. Frauen waren im damaligen Kontext von Levitikus 18 ihrem Status nach geringer als Männer. Sie durften nur Tiere besitzen. Nur aus einer solchen Sichtweise ist das Verbot Lev 18,23 plausibel: âEine Frau soll nicht vor ein Tier hintreten, um mit ihm Sex zu haben [
4.2 Spätere jüdisch-rechtliche Positionen zu weiblicher Homoerotik
Wie wird nun heute im herkömmlichen Judentum über lesbischen Sex gedacht? An die ältesten rabbinischen Quellen, Mischna und Tosefta, kann nicht angeknüpft werden, weil sich in ihnen bemerkenswerterweise keine gesetzlichen Aussagen zum Thema âweibliche Homoerotikâ finden. Ich beginne meine Diskussion der unterschiedlichen späteren jüdisch-rechtlichen Positionen zu weiblicher Homoerotik mit einer queeren Interpretation jener alten jüdischen Quellen, die später zum Teil auch Maimonides im Mittelalter zitiert und die heute vor allem noch für jüdisch-orthodoxe Frauen relevant sind. In Sifra zu Lev 18,3 ist nicht Sex zwischen Frauen, sondern Heirat unter Frauen das Thema. In den Talmuden gibt es jedoch drei für das Thema âSex zwischen Frauenâ relevante Stellen, nämlich den palästinischen Talmud Gittin 8,10,49c und die babylonischen Talmudtraktate Yevamot 76a und Schabbat 65aâb. Ich behandle diese drei Textpassagen in zwei Unterabschnitten, gegliedert je nach talmudischem Herkunftsland Palästina bzw. Babylonien. Zuletzt werde ich mich Maimonides zuwenden, der sich in zwei seiner Schriften unterschiedlich zu weiblicher Homoerotik äuÃert. Einige seiner Standpunkte haben zwar für jüdisch-orthodoxe Kreise bis in die Gegenwart noch Gültigkeit, sollten aber aufgrund der Unvereinbarkeit mit Menschenrechten nicht nur aus queer-feministischer Sicht heute nicht mehr heraufbeschworen und geltend gemacht werden.
4.2.1 Sifra zu Lev 18,3
Der vermutlich älteste jüdische Quellentext, welcher üblicherweise zum Thema âweibliche Homoerotikâ herangezogen wird, stammt aus Sifra. Sifra ist ein halachischer Midrasch zu Levitikus, der dieses biblische Buch Vers für Vers, oft sogar Wort für Wort kommentiert.18 In Sifra Achare Mot (âNach dem Todâ)19 9,8 (85câd) wird kein Sex zwischen Frauen geschildert.20 Es ist jedoch eine Stelle, in der seltsamerweise von einer Heirat unter Männern und unter Frauen die Rede ist:
A. Weder die Lebensart des Landes Ãgypten noch die Lebensart des Landes Kanaan sollt ihr nachahmen [
×× ×××¢×©× ×רץ ×צר×× ××××¢×©× ×רץ ×× ×¢× ×× ×ª×¢×©× ] [Lev 18,3].B. Du könntest denken, dass sie [d. h. die Israelit_Innen] keine Gebäude errichten oder keine Pflanzen setzen sollen, wie sie [d. h. die Ãgypter_Innen und die Kanaaniter_Innen] es tun [
×××× ×× ××× × ×× ××× ×ת ××× ×××¢× × ×××¢×ת ××××ª× ].C. Die Schrift sagt [
ת×××× ×××ר ]: âNach ihren Satzungen sollt ihr nicht wandeln [××××§×ת××× ×× ×ª××× ]â [Lev 18,3].D. Ich habe mich nur auf die Satzungen bezogen, welche für sie und für ihre Väter und die Väter ihrer Väter aufgestellt worden sind [
×× ×××¨×ª× ××× ××××§×× ×××§××§×× ××× ×××××ת×× ×××××ת ×××ת××× ].E. Was würden sie tun [
××× ××× ×¢×ש×× ]?F. Ein Mann würde einen Mann heiraten [
×××ש × ××©× ×××ש ], und eine Frau [würde] eine Frau [heiraten] [××××©× ×××©× ].21 Ein Mann würde eine Frau samt ihrer Tochter heiraten [×××ש × ××©× ××©× ×××ª× ], und eine Frau würde an zwei [Personen] verheiratet werden [××××©× × ×סת 22××©× ×× ].G. Deshalb heiÃt es [
Sifra Achare Mot 9,8 [85câd]24 zu Lev 18,3××× × ××ר ]: âNach ihren Satzungen sollt ihr nicht wandeln [××××§×ת××× ×× ×ª××× ]â [Lev 18,3].23
In Sifra Achare Mot 9,8 (85câd) wird der biblische Vers 18,3 aus der einleitenden Paränese in Levitikus Kapitel 1825 zitiert und erklärt, welche ägyptische und kanaanitische Lebensart die Israelit_Innen nicht nachahmen sollen. Würden die Israelit_Innen nach den ägyptischen und kanaanitischen Satzungen wandeln, dann gäbe es in Israel Hochzeiten unter Männern und unter Frauen und bestimmte Formen von Polygamie, bei der ein Mann oder auch eine Frau mehrere Partner_Innen hat.
Von den vier Sätzen bezüglich Sifra Achare Mot 9,8 (85d) in Abschnitt F wird jener zur Heirat unter Männern auf Lev 18,22 und jener zur Heirat eines Manns mit einer Frau samt dessen Tochter auf Lev 18,17 bezogen.26 Wird der Satz âeine Frau würde an zwei [Personen] verheiratet werdenâ als Polyandrie, bei der eine Frau mehrere Männer hat, verstanden â wie es später zum Beispiel Maimonides getan hat â,27 dann wird er vor allem mit Lev 18,20, dem Ehebruchsverbot im Heiligkeitsgesetz (nach dem ein Mann nicht mit der Frau seines Mitbürgers Sex haben soll), in Verbindung gebracht.28 Ich weise jedoch darauf hin, dass in diesen Bibelversen aus Levitikus 18 nicht von Heirat, sondern von sexuellen Aktivitäten die Rede ist. Während Lev 18,7 eine spezielle Inzestvariante untersagt, zählen das Verbot des Ehebruchs Lev 18,20 und das Verbot von Sex zwischen Männern Lev 18,22 nicht zu den Inzestgesetzen.29
Der paränetische Bibeltext Lev 18,3 selbst gibt keinerlei Anhaltspunkte und liefert keinen Grund, weshalb ablehnende Gedanken gegenüber bestimmten Arten von Heirat in einer rabbinischen Auslegung hineininterpretiert werden. In Sifra Achare Mot 9,8 (85d) wird einer Infragestellung patriarchaler Heiratsvorstellungen widersprochen.
Die Aussagen in Sifra Achare Mot 9,8 (85d) sind reine Umkehrungen rabbinischer, ausschlieÃlich gegengeschlechtlich gedachter Ehevorstellungen. Diese werden auf die Ãgypter_Innen und Kanaaniter_Innen der biblischen Zeit projiziert. Nach gegenwärtigem Forschungsstand gibt es keine alten ägyptischen oder kanaanitischen Rechtstexte, welche eine Heirat zwischen Personen des gleichen Geschlechts bezeugen.30 Der rabbinischen Norm entsprechen laut Sifra Achare Mot 9,8 (85d) die Ehe zwischen Mann und Frau und prinzipiell auch die Polygynie, bei der ein Mann mehrere Frauen hat. Bereits in der Hebräischen Bibel wird neben Verbindungen zwischen einem Mann und nur einer Frau auch von Vielweiberei berichtet.31 Es gibt in der Hebräischen Bibel keine grundsätzliche Bevorzugung einer monogamen oder einer polygynen Form der Ehe.32 Berühmte biblische Figuren wie die Erzväter Abraham und Jakob oder die Könige David und Salomo werden darin polygyn dargestellt.33 In Sifra Achare Mot 9,8 (85d) wird gegen die Heirat unter Männern bzw. unter Frauen und gegen die Heirat einer männlichen oder weiblichen Person mit zwei Personen des jeweils anderen Geschlechts polemisiert â ohne dabei die Polygynie grundsätzlich in Frage zu stellen. Vielweiberei ist auch sonst in halachischer Literatur aus mischnaischer und talmudischer Zeit in der Regel erlaubt. Die jüdische Gesellschaft Palästinas kann in der Periode des Zweiten Tempels und in mischnaischer und talmudischer Zeit als polygyn bezeichnet werden.34 AuÃerrabbinische Quellen liefern zusätzliche Beweise für die Existenz von Polygamie innerhalb des antiken Judentums.35 Obwohl es nicht möglich ist, das Ausmaà der Vielweiberei im rabbinischen Judentum abzuschätzen, ist es korrekt, die jüdischen Gesellschaften der Antike, zumindest in Palästina und Babylonien, als polygyne Gesellschaften einzustufen.36
Ob es zur Zeit der Abfassung von Sifra einen konkreten Anlass für die Polemik gegen gleichgeschlechtliche Heiratsvorstellungen gegeben hat, kann aus einem Text wie Sifra Achare Mot 9,8 (85câd) zu Lev 18,3 nicht mehr entnommen werden. Es lässt sich aber rückschlieÃen, dass Hochzeiten zwischen Männern und zwischen Frauen auch damals schon ein Thema waren. Hier kommt ausnahmsweise in jüdischer Literatur eine parallel konzipierte Vorstellung von gleichgeschlechtlichen Ehen zwischen Männern und Frauen vor. Wird heute über die Zulassung einer Homo-Ehe debattiert, so geschieht dies meist im Sinne einer gleichwertigen Anerkennung von Lebensgemeinschaften gleichgeschlechtlicher Paare im Vergleich zu Ehen heterosexueller Paare. Gleichzeitig wird aber in westlichen Ländern nicht etwa die Monogamie zur Diskussion gestellt.
Durch die quasi biblische Ablehnung gleichgeschlechtlichen Heiratens rechtfertigt und autorisiert die Verfasser_In von Sifra ihre eigenen Vorstellungen des Zusammenlebens zwischen den Geschlechtern. Es bleibt aufgrund von Sifra Achare Mot 9,8 (85câd) unklar, ob es tatsächlich gleichgeschlechtliche Ehen zu der Zeit von Sifra gegeben hat oder nicht. Möglicherweise reichte allein schon der Gedanke an Hochzeiten zwischen Männern und zwischen Frauen, um eine Polemik gegen sie in rabbinischer Ãra auszulösen. Es legt sich nahe, dass nur deshalb über ein Thema wie gleichgeschlechtliche Beziehungen in Sifra zu Lev 18,3 diskutiert worden ist, weil es damals auch Menschen gegeben hat, die persönlich betroffen waren. Die Verfasser_In von Sifra ist davon nicht auszuschlieÃen.
4.2.2 Talmudische Aussagen zu weiblicher Homoerotik
Drei talmudische Textpassagen werden herkömmlicherweise zum Thema âweibliche Homoerotikâ zitiert: Es sind dies eine Stelle im palästinischen Talmud Gittin37 und zwei Stellen im babylonischen Talmud, nämlich in den Traktaten Yevamot38 und Schabbat.39 Während im palästinischen Talmud Gittin 8,10,49c die Frage weiblicher Homoerotik als Streit zweier Schulrichtungen aus der ersten Generation der Tannaiten, nämlich zwischen Schammai und Hillel, dargestellt wird, wird in den babylonischen Talmudtraktaten Yevamot 76a und Schabbat 65a eine andere, aber nicht ganz unähnliche rabbinische Aussage in unterschiedlichen Kontexten zitiert, welche jeweils Rav Huna aus dem 3. Jahrhundert n. d. Z. aus Sura am Eufrat zugeschrieben wird. Dieser babylonische Gelehrte erwähnt Frauen, die von sexueller Lust aneinander erfüllt sind, im Zusammenhang einer priesterlichen Gemeinschaft. Das homoerotische Verhalten von Frauen wird im babylonischen Talmud Yevamot 76a nur als Obszönität und nicht etwa als schweres sexuelles Vergehen betrachtet, welches mit groÃen Strafen geahndet worden wäre. Ich beginne meine Diskussion der talmudischen Stellen zu weiblicher Homoerotik mit jener aus dem palästinischen Talmud Gittin.
4.2.2.1 Palästinischer Talmud Gittin 8,10,49c
Der Satz zum Thema âLesbischer Sexâ im palästinischen Talmud Gittin 8,10,49c steht nach der Erwähnung einer Frau, die mit ihrem Sohn âherumtolltâ:
Eine [Frau], die mit ihrem Sohn herumtollt [d. h. Sex hat] [
pGit 8,10,49c××ס××ת ××× × ], schlieÃt die Schule Schammais aus, die Schule Hillels aber ein [××ת ש×× ×¤×ס××× ×××ת ××× ××ש×ר×× ]. Zwei Frauen, welche gemeinsam herumtollen [d. h. miteinander Sex haben] [×©×ª× × ×©×× ×©××× ×ס×××ת ×× ×ת ×× ], schlieÃt die Schule Schammais aus, die Schule Hillels aber ein [××ת ש×× ×¤×ס××× ×××ת ××× ××ש×ר×× ].40
âHerumtollenâ â meine deutsche Ãbersetzung des hebräischen Verbs
Der erste Satz dieser Textpassage aus dem palästinischen Talmud Gittin, in welcher Sex einer Mutter mit ihrem Sohn genannt wird, setzt höchstwahrscheinlich eine Stelle aus der Tosefta Sota41 voraus, nämlich tSot 5,7. Der zweite Satz, in welchem Sex zwischen Frauen thematisiert wird, kann hingegen auf keinerlei ältere rabbinische Quelle zurückgeführt werden. Bemerkenswerterweise gibt es weder in der Mischna noch in der Tosefta gesetzliche Auslegungen zu weiblicher Homoerotik. Bevor ich auf die Textpassage im palästinischen Talmud Gittin 8,10,49c näher eingehe,42 zitiere ich daher jene ältere Quelle aus der Tosefta Sota, welche expliziter ist, und erläutere sie beide gemeinsam:43
Eine [Frau], die von sexueller Lust an ihrem minderjährigen Sohn erfüllt ist [
tSot 5,7××ס××ת ××× × ×§×× ],44 welcher die erste Phase einer sexuellen Verbindung mit ihr einging [d. h. welcher sie sexuell berührte, aber keinen Samenerguss hatte] [×××¢×¨× ×× ], schlieÃt die Schule Schammais [aus der priesterlichen Gemeinschaft]45 aus [××ת ש××× ×¤×ס××× ×× ××××× × 46 ], die Schule Hillels aber ein [×××ת ××× ××ש×ר×× ].47
In dieser Stelle der Tosefta Sota kommen mit Formen von
Mit obiger Ãbersetzung der Tosefta Sota 5,7 liefere ich eine deutsche Ãbersetzung der Handschrift aus Wien,51 welche mit
In anderen Handschriften der Tosefta Sota 5,7 kommen weitere Versionen des für âSex zwischen Mutter und Sohnâ ausschlaggebenden Verbs vor. In der Handschrift aus Erfurt,55 welche älter als jene aus der Wiener Nationalbibliothek ist, steht mit
Im palästinischen Talmud Gittin 8,10,49c wird das Partizip
Ich fahre mit der Besprechung der Tosefta Sota 5,7, der ältesten Quelle im Zusammenhang meiner Auslegung des palästinischen Talmuds Gittin 8,10,49c, fort. Wie oben in diesem Abschnitt bereits angekündigt, wird das Verb
In der Tosefta Sota 5,7 wird der Sohn, an dem die Mutter sexuelle Lust empfindet, als Minderjähriger (
Unsere Rabbinen lehrten [
×ª× × ×¨×× × ]:
Wenn eine [Frau] von sexueller Lust an ihrem minderjährigen Sohn erfüllt war [
bSan 69b××ס×××ת ××× × ×§×× ],70 welcher die erste Phase einer sexuellen Verbindung mit ihr einging [d. h. welcher sie sexuell berührte, aber keinen Samenerguss hatte] [×××¢×¨× ×× ], behauptet die Schule Schammais [××ת ש××× ×××ר×× ], dass er sie damit für die priesterliche Gemeinschaft untragbar macht [פס×× ×× ××××× × ]; die Schule Hillels hält sie aber für tragbar [×××ת ××× ××ש×ר×× ].71
Unmittelbar nach dieser Stelle folgt im babylonischen Talmud Sanhedrin 69b eine Abhandlung, ab welchem Alter die Handlungen eines Knaben als sexuelle einzustufen seien. Seltsamerweise nehmen die Rabbinen ein sehr frühes Lebensalter für die sexuelle Reife eines Jungen an. Sie streiten sich, ob er ab acht oder ab neun Jahren zeugungsfähig ist. Heute wird die Geschlechtsreife für einen Knaben nicht so früh angenommen.
Sowohl in der Tosefta Sota 5,7 also auch in den Parallelen im palästinischen Talmud Gittin 8,10,49c und im babylonischen Talmud Sanhedrin 69b werden Aus- bzw. Einschlüsse betroffener Personen als unterschiedliche Meinungen der Schulen Schammais und Hillels dargestellt. Die sogenannten âHäuserâ (
Im Zuge meiner Lektüre talmudischer Texte zum Thema âweibliche Homoerotikâ bin ich zuerst auf den palästinischen Talmud Gittin 8,10,49c zu sprechen gekommen. Anhand der dortigen Behauptung ist nicht eruierbar, wovon die Frauen, die gemeinsam âherumtollenâ, aus den unterschiedlichen Sichtweisen der Schulen Schammais und Hillels eigentlich ausgeschlossen werden oder nicht. In der Tosefta Sota 5,7 wird jedoch in zwei Quellen, nämlich in Ms. Wien und im Erstdruck der Tosefta Sota im Talmudkompendium des Alfasi, bezeugt, dass die Schule Schammais die im Zusammenhang mit âSex zwischen Mutter und Sohnâ angesprochene Frau aus der priesterlichen Gemeinschaft (
Damit kann die Beeinträchtigung der ehelichen Beziehung zwischen einem Priester (
In der Mischna Sota 4,4 wird auf eine Meinung verwiesen, welche der Haltung, die in der Tosefta Sota 5,7 der Schule Hillels zugeschrieben wird, ähnlich ist:82
Bei allen inzestuösen Verbindungen werden [die Frauen] verwarnt [
mSot 4,4×¢× ××× ×× ×ער××ת ×××§× ×× ], auÃer bei [Verbindungen] mit einem Minderjährigen und mit jemandem, der kein Mann ist [×××¥ ×× ××§×× ×××× ×©××× × ××ש ].83
Blutsverwandte sind zwar für die Ehe verboten, eine Frau kann aber mit ihnen ein Verhältnis haben. So kommen Blutsverwandte grundsätzlich als potentielle Ehebruchsverdächtige in Betracht.84 Nach der Mischna Sota 4,4 gilt inzestuöser Geschlechtsverkehr einer Frau mit einem Minderjährigen (
Aus gegenwärtiger Perspektive erinnert die Tradition, angefangen mit der Tosefta Sota 5,7 und ihren Parallelen in den beiden Talmuden, an einen sexuellen Missbrauch einer Mutter an ihrem Sohn. Denn jede Aktivität eines Elternteils, die ihr Kind dazu bringt, sexuelle Handlungen am Erwachsenen vorzunehmen, ist bereits ein Kindesmissbrauch. Hält eine Mutter ihren Sohn dazu an, wenn auch nur ansatzweise, einen Vaginalverkehr durchzuführen, so ist dies aus heutiger Sicht eine Kindesmisshandlung. Wenn Kinder erwachsene Sexualität praktizieren, wenn sie also vaginalen, analen oder oralen Geschlechtsverkehr ausüben, handelt es sich immer um einen sexuellen Ãbergriff. Solche sexuellen Praktiken schaden den Kindern. Im Zuge solcher Assoziationen ist es in der heutigen Zeit unverständlich, weshalb es überhaupt unterschiedliche rechtliche rabbinische Meinungen zu Verhaltensweisen gibt, die einen Kindesmissbrauch (im Kontext einer priesterlichen Gemeinschaft) beschreiben. Aus heutiger Sicht ist nämlich sexueller Missbrauch von Kindern bzw. Unmündigen eindeutig strafbar. Es gibt nur unterschiedliche Altersgrenzen, ab wann eine Person als sexualmündig gilt. AuÃerdem stellt sich die Frage, weshalb neben dem Inzest zwischen Mutter und Sohn nicht auch andere Varianten des Inzests zwischen Elternteil und Kind hier in der Halacha thematisiert werden. Inzest zwischen Mutter und Kind ist aus der Sicht der heutigen Zeit das gröÃere Tabu im Vergleich zum Inzest zwischen Vater und Kind.87 Zu beiden Themen gibt es keine rechtlichen Vorschriften in der Hebräischen Bibel, auch nicht im Zusammenhang mit den Inzestgesetzen in Levitikus 18 im Heiligkeitsgesetz.
Aus damaliger wie heutiger Sicht zeugen sexuelle Handlungen zwischen Frauen im palästinischen Talmud Gittin 8,10,49c nicht von Gewalt. Aus gegenwärtiger Perspektive würde die Assoziation gewaltloser sexueller Aktivitäten zwischen Frauen mit einem inzestuösen, missbräuchlichen sexuellen Akt einer Frau an ihrem Sohn Widerstand hervorrufen. Der antike Text legt auch nicht nahe, dass ein und dieselbe Frau gemeint sein könnte, die sowohl ihren Sohn als auch eine andere Frau zu sexuellen Handlungen anstiftet, sondern es handelt sich dabei um zwei verschiedene Tatbestände. Laut pGit 8,10,49c soll eine Frau nicht mit ihrem Sohn herumtollen, und zwei Frauen sollen nicht gemeinsam herumtollen. Auf beide Verhaltensweisen wird in den Schulen Schammais und Hillels durch nicht näher definierte Aus- bzw. Einschlüsse reagiert, über die nur spekuliert werden kann. Die beiden Textpassagen können inhaltlich aufeinander bezogen werden, müssen aber keinesfalls zwingend. Es ist eher davon auszugehen, dass sie nebeneinander gereiht wurden, weil sie sich beide ausnahmsweise an Frauen als rechtliche Subjekte richten. Offenkundig werden in beiden Fällen Partizipien im Piʿel (
In der Antike gab es unter den Amoräern höchstwahrscheinlich unterschiedliche Anschauungen zu sexuellen Aktivitäten einer Frau, welche nicht durch einen Penis penetriert wird. Dies wurde als Streit von bedeutenden Schulrichtungen aus der ersten Generation der Tannaiten dargestellt. Eine solche Erklärung könnte auf beide Textpassagen im palästinischen Talmud Gittin 8,10,49c, nämlich âSex zwischen Mutter und Sohnâ und âSex zwischen Frauenâ, gleichermaÃen zutreffen. Wird der Satz bezüglich âSex zwischen Mutter und Sohnâ im palästinischen Talmud Gittin 8,10,49c nämlich im Anschluss an Tosefta Sota 5,7 verstanden, wo der Sohn als Minderjähriger näher spezifiziert wird, der seine Mutter nur unvollständig geschlechtlich berührt, so findet beim Geschlechtsverkehr der Mutter keine gänzliche Penetration durch einen Penis statt. Beim âSex zwischen Frauenâ wird aufgrund der weiblichen Körper ebenfalls eine vollzogene geschlechtliche Durchdringung durch ein männliches Glied ausgeschlossen. Im palästinischen Talmud Gittin 8,10,49c ist die Schule Hillels â im Unterschied zur Schule Schammais â der Ansicht, dass Frauen, die nicht gänzlich oder gar nicht durch einen männlichen Penis penetriert worden sind, kein sexuelles Vergehen begangen haben.88 Im babylonischen Talmud wird im Traktat Yevamot 76a, welchen ich im nächsten Abschnitt erläutere, eine ähnliche Position Rabbi Eleazar zugeschrieben. Dieser behauptet nämlich implizit, dass eine Frau beim Sex mit einer anderen Frau diese nicht zu einer Hure (
Zuletzt stellt sich die Frage, ob die Stellen im palästinischen Talmud Gittin 8,10,49c âSex zwischen Mutter und Sohnâ und âSex zwischen Frauenâ aus unterschiedlichen Quellen stammen.90 In der Tosefta Sota 5,7 ist zuvor nur die Quelle zum Thema âSex zwischen Mutter und Sohnâ überliefert. Auffallend ist auÃerdem, dass die babylonischen Parallelen zu den beiden Textpassagen im palästinischen Talmud Gittin 8,10,49c in verschiedenen Talmudtraktaten zu finden sind, nämlich bezüglich âSex zwischen Mutter und Sohnâ in Sanhedrin 69b und bezüglich âSex zwischen Frauenâ in Yevamot 76a und Schabbat 65a. Die Textpassagen zu Sex zwischen Frauen finden sich also nicht wie die meisten talmudischen Aussagen zu Sex zwischen Männern im Traktat Sanhedrin.91 Dort gibt es überhaupt keine gesetzlichen Auslegungen zu sexuellen Handlungen zwischen Frauen, weil diese im Unterschied zu sexuellen Handlungen zwischen Männern nicht etwa als Kapitalverbrechen betrachtet wurden.92
4.2.2.2 Babylonische Talmudtraktate Yevamot 76a und Schabbat 65aâb
Wesentlicher als der palästinische Talmud Gittin 8,10,49c sind die babylonischen Talmudtraktate Yevamot 76a und Schabbat 65aâb für die Frage nach weiblicher Homoerotik im Jüdischen Recht. Auch Maimonides wird später im Mittelalter nur diese babylonischen Talmudtraktate zitieren,93 weil der babylonische Talmud seit dem 11. Jahrhundert n. d. Z. der Talmud schlechthin geworden ist, nach dem sich die gesamte Halacha richtet.94 Beim palästinischen Talmud Gittin 8,10,49c lässt sich die Frage nicht beantworten, wovon die beiden Frauen, die âgemeinsam herumtollenâ, eigentlich ausgeschlossen werden. In den babylonischen Talmudtraktaten Yevamot 76a und Schabbat 65aâb wird hingegen in einer Rav Huna zugeschriebenen Behauptung erwähnt, dass Frauen aus der priesterlichen Gemeinschaft ausgeschlossen werden, wenn sie âaneinander Lust empfindenâ. Diesen beiden babylonischen Talmudtraktaten, welche die identische Aussage Rav Hunas, eingebettet in unterschiedliche Kontexte, beinhalten, wende ich mich nun zu.
Im babylonischen Talmud Yevamot 76a wird eine dem palästinischen Talmud Gittin 8,10,49c95 nicht ganz unähnliche Aussage zu weiblicher Homoerotik Rav Huna in den Mund gelegt. Dieser war â gemäà der traditionellen jüdischen Chronologie â im 3. Jahrhundert n. d. Z. nach Rav der bedeutendste Lehrer in Sura,96 einer antiken Stadt im südlichen Babylonien am westlichen Ufer des Eufrat.
Rav Huna sagte [
××״ר ××× × ]:
Frauen, welche von sexueller Lust aneinander erfüllt sind [d. h. miteinander Sex haben] [
bYev 76a× ×©×× ××ס××××ת ×× ××× ], werden aus der priesterlichen Gemeinschaft ausgeschlossen [פס×××ת ××××× × ].
Danach wird im babylonischen Talmud Yevamot 76a Rabbi Eleazar zitiert, der in seiner Heimat Babylonien ein Schüler Ravs und Mar Samuels war:97
Selbst nach Rabbi Eleazar [
bYev 76a××פ××× ×ר×× ×××¢×ר ], welcher behauptete [×××ר ], dass ein unverheirateter Mann, der eine unverheiratete Frau ohne Heiratsabsicht penetriert, sie zu einer Hure macht, erfolgt dieser Ausschluss nur im Falle des Manns [×¤× ×× ××× ×¢× ××¤× ××× ×©×× ××©× ××ש×ת עש×× ××× × ××´× ××ש ]. Aber wenn es eine Frau ist [die mit einer anderen Frau Sex hat] [××× ××©× ], wird ihr Verhalten als bloÃe Obszönität betrachtet [פר×צ××ª× ××¢××× ].98
Nach Rabbi Eleazar findet kein Ehebruch statt, wenn eine Frau mit einer anderen Frau Sex hat. Sexuelle Aktivitäten zwischen Frauen sind seiner Ansicht nach im rechtlichen Sinn nicht als vollzogene Geschlechtsverkehre wie zwischen einem Mann und einer Frau zu betrachten,99 weshalb sie nur eine bloÃe Obszönität bzw. eine schlichte Unanständigkeit (
Im babylonischen Talmud Schabbat 65a kommt eine Stelle vor, welche an Mischna Qidduschin 4,14 und Parallelen105 erinnert, in denen es Rabbi Jehuda als Erstem â im Unterschied zu den anderen Gelehrten â als suspekt erscheint, wenn zwei unverheiratete Männer miteinander unter demselben Mantel schlafen.106 Sowohl bezüglich dieser Stelle als auch hinsichtlich bSchab 65a könnten homoerotische Aktivitäten vermutet werden. Im babylonischen Talmud Schabbat 65a wird nämlich behauptet, dass Abba bar Abba, der gewöhnlich nach seinem berühmten Sohn â wie auch hier â107 âder Vater Samuelsâ genannt wird,108 seinen Töchtern nicht erlaubt, miteinander zu schlafen:
[Abba bar Abba], der Vater [Mar] Samuels, erlaubte ihnen [seinen Töchtern] nicht, miteinander zu schlafen [
bSchab 65a×× ×©×××§ ××× ×× ××× ××× ×××× ].109 Könnte dies [die Behauptung] Rav Hunas bestätigen [×××× ×ס×××¢ ××× ××¨× ××× × ]?
Rav Huna [ein Schüler von Mar Samuels Hauptkollegen und Kontrahenten Rav]110 sagte [
×××ר ×¨× ××× × ]:
Frauen, welche von sexueller Lust aneinander erfüllt sind [d. h. miteinander Sex haben] [
bSchab 65a× ×©×× ××ס××××ת ×× ××× ], werden aus der priesterlichen Gemeinschaft ausgeschlossen [פס×××ת ××××× × ].
Nein [
bSchab 65b×× ]. Er [Abba bar Abba] meinte [ס×ר ], dass sie [seine Töchter] sich nicht an den Körper einer anderen Person gewöhnen sollten [×× ×××× ××× ××××¤× ×××¤× × ××ר×× 111 ].112
Die Behauptung Rav Hunas wird im babylonischen Talmud Schabbat 65b nicht bestätigt. Somit wird darin nicht als Problem angesehen, dass Abba bar Abbas Töchter etwa sexuelle Lust aneinander empfinden könnten. Die Gefahr besteht hingegen angeblich darin, dass sich seine Töchter an den Körper einer anderen Person gewöhnen könnten, also nicht an einen spezifisch weiblichen Körper.
Ich komme nun nochmals auf die Rav Huna zugeschriebene Aussage, welche sowohl im babylonischen Talmud Yevamot 76a als auch im babylonischen Talmud Schabbat 65a identisch zitiert wird, zurück. Später wird diese rabbinische Behauptung auch in Maimonidesâ Mischne Tora, Sefer Keduscha, Hilchot Issure Bia 21,8 und in seinem Kommentar zur Mischna Sanhedrin 7,4 angeführt.113 In Rav Hunas Ausspruch kommt mit dem Wort
Was kann mit Rav Hunas Behauptung in den babylonischen Talmudtraktaten Yevamot 76a und Schabbat 65a, dass bestimmte Frauen aus der priesterlichen Gemeinschaft ausgeschlossen werden bzw. nicht für das Priesteramt geeignet sind (
In vier jüdischen Inschriften der Antike kommen griechische Begriffe für âPriester_inâ, nämlich
In der jüdischen Nekropole von Tell el-Jahudija, der antiken Stadt Leontopolis im östlichen Nildelta, wurde zweitens eine Grabstele einer Priester_in (
Drittens gibt es auf einer marmornen Gedenktafel in der jüdische Katakombe in der Via Portuensis am Monteverde133 zu Rom eine griechische Inschrift, die möglicherweise aus dem 3. oder 4. Jahrhundert n. d. Z. stammt und eine Priester_in (
In der jüdischen Nekropole in Bet Schearim, einem der Zentren der rabbinischen Bewegung im Norden Israels,136 wird viertens Sara (
Ich plädiere dafür, jüdische Grabinschriften als eigenständige Belege wahrzunehmen und nicht voreilig den überlieferten Aussagen in jüdischen Schriften zum Thema âJüdisches Priestertumâ anzugleichen.142 Eine jüdische Frau (
Die jüdischen Priester hatten mit der Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahre 70 n. d. Z. ihre wesentliche Funktion schon lange verloren.145 Der jüdische Tempel in der ägyptischen Stadt Leontopolis, dessen bloÃe Existenz die Frage nach der Pluralität in der antiken jüdischen Religionsausübung aufwirft, ist ebenfalls kurz danach von den Römer_Innen aufgelassen worden.146 In rabbinischer Zeit wurde der Tempelgottesdienst durch den Wortgottesdienst der Synagoge abgelöst, wobei die Rabbinen die Priester zu integrieren versuchten, indem Letztere zum Beispiel bei der Verlesung der Tora zuerst aufgerufen wurden147 und weiterhin zu gewissen Anlässen den Priestersegen148 erteilen durften.149 In synagogalen Gottesdiensten des orthodoxen Judentums haben die männlichen Nachfahren der Priester (
Was könnte mit dem Ausschluss von Frauen âaus der priesterlichen Gemeinschaftâ in Rav Hunas Aussage in den babylonischen Talmudtraktaten Yevamot 76a und Schabbat 65a konkret gemeint sein? Die Formulierung
Aus Rabbi Eleazars Sicht werden sexuelle Handlungen zwischen Frauen im babylonischen Talmud Yevamot 76a im rechtlichen Sinn jedoch nicht als vollzogene Geschlechtsverkehre â wie zwischen einem Mann und einer Frau â erachtet. Wie bereits oben in diesem Abschnitt erwähnt, wird Rav Hunas Aussage Rabbi Eleazars Behauptung entgegengestellt, dass solch ein Verhalten von Frauen nichts weiter als bloÃe Obszönität und keine Hurerei sei. Später hält Maimonides161 intime Handlungen zwischen Frauen nicht für geschlechtliche Vollzüge, sodass Frauen âwegen Liebeslust die priesterliche Gemeinschaft nicht verwehrtâ wird162 bzw. sie âeinem Priester nicht verbotenâ sind.163
Während im angeblichen Schulstreit zwischen Schammai und Hillel im palästinischen Talmud Gittin 8,10,49c164 nicht näher definierte Ein- bzw. Ausschlüsse für diejeningen Frauen gefordert werden, die âgemeinsam herumtollenâ, wird nach der Rav Huna zugeschriebenen Aussage in den babylonischen Talmudtraktaten Yevamot 76a und Schabbat 65a behauptet, dass Frauen, die von sexueller Lust aneinander erfüllt sind, aus der priesterlichen Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Die Rav Huna in den Mund gelegte Behauptung zu weiblicher Homoerotik ist in einem anderen historischen Kontext entstanden. Hier werden Frauen einer priesterlichen Gemeinschaft angesprochen. Es ist aufgrund der Rav Huna zugeschriebenen Aussage jedoch kein konkreter Anlass eruierbar, weshalb in rabbinischen Kreisen in Babylonien die Frage nach weiblicher Homoerotik gerade im Zusammenhang mit der priesterlichen Gemeinschaft behandelt worden ist. Einen solchen Ausspruch aus amoräischer Zeit heute etwa im Zuge einer generellen Polemik gegen lesbische Praxis von Frauen ins Treffen zu führen, wäre nicht richtig. Aus gegenwärtiger lesbischer Sicht ist es für Frauen unerheblich, ob sie einen Nachkommen jüdischer Priester heiraten dürfen oder nicht. Gleichgeschlechtliche Handlungen zwischen Frauen werden heute â im Unterschied zu damals â als sexuelle Aktivitäten eingestuft. So ist seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von sogenannten âhomosexuellenâ Frauen die Rede.165
Obwohl lesbische Leser_Innen der Gegenwart höchstwahrscheinlich aufatmen, dass für Sex zwischen Frauen aus talmudischer Sicht keine analoge Bestrafung wie für Sex zwischen Männern überliefert ist, mögen einige von ihnen der rabbinischen Einschätzung widersprechen, dass ihre sexuellen Aktivitäten quasi unbedeutend sind.166 Der in den antiken talmudischen Texten dahinter liegende Androzentrismus wird kaum bestritten werden. Zum Beispiel wird zumeist von Wissenschaftler_Innen behauptet, dass es in Rav Hunas Aussage eigentlich um die Frage einer korrekten EheschlieÃung eines Priesters mit einer Frau geht, für die bestimmte biblische Gesetze in Levitikus 21 als Kriterien vermutet werden. AuÃerdem kann in den Aussprüchen aus amoräischer Zeit von einem impliziten Fokus auf männliche penile Penetration ausgegangen werden.167 In beiden Talmuden gibt es keinerlei rechtliche Selbstaussagen von Frauen zu weiblicher Homoerotik. Aus queerer feministischer Sicht gilt es aber die Lebens- und Liebesweisen von lesbischen und bisexuellen Personen etc. ins Blickfeld zu rücken, wodurch neue Forderungen wie zum Beispiel die jüdisch rechtliche Anerkennung ihrer Beziehungsformen entstanden sind. Nachdem innerhalb des Reformjudentums und des rekonstruktionistischen Judentums seit Jahren gleichgeschlechtliche Trauungen praktiziert wurden, verheiraten inzwischen auch progressive Rabbiner_Innen der konservativen Bewegung weltweit gleichgeschlechtliche Paare.
AbschlieÃend komme ich in diesem Abschnitt auf die Frage der jüdischen, priesterlichen Nachkommenschaft zu sprechen. Innerhalb des orthodoxen und teilweise auch des konservativen Judentums werden heute grundsätzlich nur Männer als Priester (
4.2.3 Maimonides zu weiblicher Homoerotik
Aus jüdisch orthodoxer Sicht wird Moses Maimonidesâ Abhandlung zum Thema âweibliche Homoerotikâ in Mischne Tora (âWiederholung der Toraâ)175 zitiert.176 Dieser Text ist die auffallendste jüdische Stellungnahme gegen sexuelles Begehren unter Frauen. Maimonides177 (1135â1204) hat diesen wegweisenden Rechtskodex des Hochmittelalters mit 41 Jahren auf Hebräisch zu schreiben begonnen. Er arbeitete daran 10 Jahre lang.178 Nach der Invasion der Almohaden in Spanien hatte sich die angesehene jüdische Familie aus Córdoba, der er angehörte, für eine Auswanderung entschieden, sodass Maimonides letztendlich in Fustat (heute ein Teil von Kairo) landete. Dort arbeitete er als Arzt und war Vorsteher der jüdischen Gemeinde, als er Mischne Tora, sein einziges hebräisches Werk, fertig stellte. Es ist eine systematische Sammlung jüdischer Gesetze in vierzehn Bänden.179 Maimonidesâ Zusammenstellung früherer jüdischer Aussagen zu den Themen âweibliche Lustâ und âeheliche Verbindungen zwischen Frauenâ befindet sich im fünften Buch von Mischne Tora, nämlich in Sefer Keduscha (dem âBuch der Heiligkeitâ), und darin wiederum im Abschnitt Hilchot Issure Bia (in den âGesetzen zu verbotenen sexuellen Beziehungenâ):
[Das Verhalten von] Frauen, welche von sexueller Lust aneinander erfüllt sind [
Maimonides, Mischne Tora, Sefer Keduscha, Hilchot Issure Bia 21,8× ×©×× ××ס××××ת ×× ××× ] [bYev 76a bzw. bSchab 65a],180 ist verboten [×ס×ר ]. Das gehört zur Lebensart Ãgyptens [××××¢×©× ×צר×× ××× ] [Lev 18,3], vor welcher wir gewarnt worden sind [ש×××××¨× × ×¢××× ], denn es heiÃt [×©× ×³ ]: Die Lebensart des Landes Ãgypten etc. sollt ihr nicht nachahmen [×××¢×©× ×רץ ×צר×× ×××׳ ×× ×ª×¢×©× ] [Lev 18,3] und über welche die Gelehrten sagten [××××¨× ××××× ]: âWas würden sie tun [×× ××× ×¢×ש×× ]? Ein Mann würde einen Mann heiraten [××ש × ××©× ××ש ], und eine Frau würde eine Frau heiraten [×××©× × ×ש×× ××©× ], und eine Frau würde zwei Männer heiraten [×××©× × ×©×ת ××©× × ×× ×©×× ]â181 [Sifra Achare Mot 9,8 (85d) zu Lev 18,3]. Obwohl dieses Verhalten untersagt ist [×ע״פ ש××¢×©× ×× ×ס×ר ], wird es nicht mit Peitschenhieben bestraft [××× ×××§×× ×¢××× ], weil kein bestimmtes [biblisches] Verbot missachtet worden ist [ש××× ×× ××× ××××× ] und sowieso überhaupt kein Geschlechtsverkehr stattgefunden hat [×××¨× ××× ×©× ×××× ××× ]. Deshalb ist [Frauen] wegen Liebeslust die priesterliche Gemeinschaft nicht verwehrt [×פ××× ××× × ×סר×ת ××××× × 182×ש×× ×× ×ת ] [bYev 76a],183 und eine Frau ist deswegen ihrem Eheherrn nicht verboten [××× ×ª××סר ××©× ×¢× ××¢×× ××× ], weil ihr Verhalten nicht als Hurerei [d. h. auÃerehelicher Geschlechtsverkehr] betrachtet wird [ש××× ××× ×× ×ת ]. Es ist aber angemessen, ihnen Schläge als Bestrafung für Rebellion zu geben [×ר××× ×××××ª× ××ת ×ר××ת ], weil sie etwas Verbotenes getan haben [××××× ××¢×©× ××ס×ר ]. Ein Mann sollte in dieser Angelegenheit auf seine Frau achten [××ש ×××ש ××קפ×× ×¢× ××©×ª× ×××ר ×× ] und sollte Frauen, welche dafür bekannt sind, solchen Praktiken nachzugehen, davon abhalten, sie [d. h. seine Frau] aufzusuchen [×××× ××¢ ×× ×©×× ×××××¢×ת ××× ××××× ×¡ ×× ] und sie [d. h. seine Frau] davon abhalten, sie [d. h. solche Frauen] aufzusuchen [×××צ×ת ××× ××××× ].184
Maimonides bezieht sich hier nicht nur auf bereits bekannte Gesetzesauslegungen zum Thema âweibliche Homoerotikâ (nämlich sowohl auf die Stellen aus den babylonischen Talmudtraktaten Yevamot 76a und Schabbat 65a185 als auch auf Sifra Achare Mot 9,8 [85câd]), sondern er verbindet sie als Erster miteinander, indem er sie alle auf Lev 18,3 bezieht.186 Zuvor wurde diese Bibelstelle nur in Sifra Achare Mot 9,8 (85câd) zitiert, wo bemerkenswerterweise auch von ehelichen Verbindungen zwischen Frauen die Rede ist.187 Weibliche Homoerotik ist nach Mischne Tora, Sefer Keduscha, Hilchot Issure Bia 21,8 zwar untersagt (
In Maimonidesâ früheren Aussagen war hingegen nicht von gerichtlicher Bestrafung der Frauen, welche von sexueller Lust aneinander erfüllt sind, wegen Rebellion die Rede. In seinem arabisch geschriebenen Kommentar zur Mischna Sanhedrin 7,4 behauptet er zu Recht, dass solche Frauen sowohl nach den biblischen als auch nach den rabbinischen Gesetzen193 nicht bestraft werden.194 Er weist auÃerdem darauf hin, dass sie weder in der Hebräischen Bibel noch in rabbinischen Schriften195 als Huren (
Die Praktiken unter Frauen, die miteinander Sex haben, sind abscheulich [
Maimonides, Kommentar zur Mischna Sanhedrin 7,4××× ×× ×©×× ×©×©××××ת ×× ×ת ××, ××× ××¢×©× ×ת××¢× ]. Aber es gibt dafür keine Strafe, weder aufgrund der Tora noch aufgrund rabbinischer Gesetze [××× ××× ×× ×¢×× ×© ×× ×× ×ת××¨× ××× ××ר×× × ]. Keine dieser Schriften bezeichnen sie als Hure [×××× ×©×× ××ת ××× × ×§×¨×ת ××× × ]. Sie ist ihrem Eheherrn und einem Priester nicht verboten [×××× × × ×סרת ×¢× ××¢××, ×××× × × ×סרת ×××× ]. Sie sind es, welche die Gelehrten Frauen, welche von sexueller Lust aneinander erfüllt sind [bYev 76a bzw. bSchab 65a] genannt haben [××× ××× ×©×§×ר××× ×××ª× ××××× × ×©×× ××ס××××ת ×× ××× ]. Dies [d. h. das Wort××ס××××ת ] kommt vom [Wort] StraÃe [×××× × ××ר ×× ×ס××× ], das Weg bedeutet [ש××× ×××¨× ]. Obwohl es keine Strafe dafür gibt [×××£ ×¢× ×¤× ×©××× ××× ×¢×× ×© ], zählten dies schon die Gelehrten zu den abscheulichen ägyptischen Taten [××ר ×× × ××¢×©× ×× ×××× ×ª××¢××ת ××צר××× ], indem sie ausdrücklich behaupteten [××××¨× ×פ×ר×ש ]: âDie Lebensart des Landes Ãgyptenâ [××¢×©× ×רץ ×צר×× ] [Lev 18,3] â âWas würden sie tun [×× ××× ×¢×ש×× ]? Ein Mann würde einen Mann heiraten [××ש × ××©× ××ש ], und eine Frau würde eine Frau heiraten [×××©× × ×ש×× ××©× ], und eine Frau würde zwei Männer heiraten [×××©× × ×©×ת ××©× × ×× ×©×× ]196 [Sifra Achare Mot 9,8 (85d) zu Lev 18,3]â.197
Auch wenn es aus dieser früheren Sicht von Maimonides in der Tora und bei den Rabbinen keinerlei Strafen für Frauen, die miteinander Sex haben, gegeben hat, so assoziiert er in seinem Kommentar zur Mischna Sanhedrin 7,4 doch ihre sexuellen Praktiken mit den ägyptischen verabscheuenswürdigen Taten (
Die Ableitung des Worts
Maimonides hatte seinen Mischna-Kommentar, dem später die Bezeichnung âBuch der Leuchteâ gegeben wurde, da âLeuchteâ sein Ehrentitel war,203 zwischen seinem 23. und 30. Lebensjahr in arabischer Sprache niedergeschrieben, weil er nicht nur die rabbinischen Gelehrten ansprechen wollte, sondern das jüdische Volk schlechthin Zugang zum jüdischen Wissen und zu den Grundlagen der religiösen Praxis erhalten sollte.204 Die arabische Sprache von Maimonidesâ Kommentar zur Mischna Sanhedrin machten ihn zwar in weiten Kreisen der islamisch beherrschten Welt zugänglich, verhinderte aber zugleich eine Ausbreitung im übrigen Judentum. Maimonidesâ Kommentar zur Mischna Sanhedrin wurde nicht zu seinen Lebzeiten ins Hebräische übersetzt. Sein zeitgenössischer Einfluss war relativ gering. Der hebräische Text von Maimonidesâ Mischna-Kommentar wurde dann zwar in der Mischna-Ausgabe von Neapel im Jahr 1492 gedruckt, damals wurde aber im europäischen Judentum die Mischna als selbständiger Text nur wenig studiert.205
Die von Maimonides selbst in Hebräisch abgefasste Mischne Tora entwickelte sich hingegen zu einer grundlegenden Quelle des Jüdischen Rechts, die wiederum zahlreiche Kommentare initiierte, von denen sich viele mit den von Maimonides benutzten talmudischen Quellen beschäftigten. Die aus Mischne Tora hier diskutierte Stelle Hilchot Issure Bia 21,8 über âweibliche Homoerotikâ wurde im Schulchan Aruch (âGedeckter Tischâ)206 von Joseph Karo (1488â1575) mit ihren Aussagen (das Verhalten von Frauen, welche von sexueller Lust aneinander erfüllt sind, ist verboten (
Auch heute noch kontrollieren Männer sehr häufig die Sexualität von Frauen. Eine ähnlich autoritäre Haltung gegenüber homoerotischen Frauen im Anschluss an Maimonides und den Schulchan Aruch in der Neuzeit oder sogar noch jetzt einzunehmen, zeugt von Respektlosigkeit und Gewalt ihnen und ihrer Sexualität gegenüber, was aus heutiger feministischer und queerer Sicht kritisiert wird. Eine solche Haltung in der Gegenwart zu verteidigen, bedeutet, die Menschenwürde zu missachten, die als Menschenrecht in europäischen Verfassungen verankert ist. Körperliche Bestrafung betrifft die Intimsphäre eines Menschen und ist eine Verletzung seiner körperlichen Integrität. Dies wurde zuletzt für Europa unter anderem in der Charta der Grundrechte der Europäischen Union (GRC) normiert, welche die Grund- und Menschenrechte im Rahmen der Europäischen Union kodifiziert und im Jahr 2009 in Kraft getreten ist. So heiÃt es in Artikel 1 (âWürde des Menschenâ) der Charta der Grundrechte der Europäischen Union: âDie Würde des Menschen ist unantastbar. Sie ist zu achten und zu schützenâ.212 Um die Menschenwürde zu garantieren und einen spezifischen Schutz vor massiven Integritätsverletzungen zu schaffen, heiÃt es auÃerdem in Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union:213 âNiemand darf der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werdenâ.214 Eine Strafe oder Behandlung ist dann als unmenschlich zu qualifizieren, wenn sie lange anhält und eine körperliche Schädigung oder intensive psychische Leiden hervorruft. Deshalb sind unter anderem auch entehrende oder auf den Körper einwirkende Strafen wie Prügelstrafe, Steinigen oder Auspeitschen verboten.215 Unzulässig sind auÃerdem demütigende Behandlungen und Bestrafungen, die bei dem Opfer Gefühle der Angst oder der Minderwertigkeit hervorrufen und geeignet sind, das Opfer bloÃzustellen oder herabzuwürdigen.216
4.3 Fazit
Lesbische Sexualität, wie sie heute seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verstanden wird, wurde nicht in antiken biblischen oder rabbinischen Texten beschrieben. Das würde einen Anachronismus darstellen. In der Hebräischen Bibel gibt es kein Verbot weiblicher Homoerotik. Auch in den ältesten rabbinischen Quellen, Mischna und Tosefta, finden sich keine gesetzlichen Aussagen zu weiblicher Homoerotik. In anderen halachischen Texten des späteren Judentums werden Aussagen gegen weibliche Homoerotik nachträglich aus der Hebräischen Bibel abgeleitet, indem sexuelle Lust oder sogar Heirat zwischen Frauen mit der in der Paränese in Lev 18,3 erwähnten, nicht nachzuahmenden âLebensart des Landes Ãgyptenâ assoziiert werden. Solche und weitere jüdisch-rechtliche Positionen zu weiblicher Homoerotik wurden in drei Punkten untersucht:
Erstens kommt in Sifra, einem halachischen Midrasch zu Levitikus, in Sifra Achare Mot 9,8 (85câd) zu Lev 18,3, ausnahmsweise in jüdischer Literatur eine parallel konzipierte Vorstellung von gleichgeschlechtlichen Ehen zwischen Männern oder Frauen vor. Nicht Sex zwischen Frauen, sondern die Heirat unter Frauen â sowie unter Männern und bestimmte Formen der Polygamie â werden darin abgelehnt. Im Umkehrschluss ergibt sich daraus, dass aus der Sicht von Sifra die Ehe zwischen Mann und Frau und prinzipiell auch Polygynie, bei der ein Mann mehrere Frauen hat, die Regel war.
Zweitens habe ich drei talmudische Texte diskutiert, welche Belege für weibliches Begehren unter Frauen darstellen. Im palästinischen Talmud Gittin 8,10,49c sind Frauen, die âmiteinander herumtollenâ, aus Sichtweisen, welche den Schulen Schammais und Hillels des 1. Jahrhunderts n. d. Z. zugeschrieben werden, aber höchstwahrscheinlich erst aus amoräischer Zeit stammen, ein kontroverses Thema: Die Schule Hillels ist â im Unterschied zur Schule Schammais â der Ansicht, dass âdas Herumtollenâ der Frauen kein sexuelles Vergehen bedeutet. Der entscheidende Punkt für diese Anschauung dürfte vermutlich sein, dass Frauen dabei nicht durch einen männlichen Penis penetriert werden. Im babylonischen Talmud Yevamot 76a wird eine relativ ähnliche Position Rabbi Eleazar zugeschrieben. Dieser behauptet nämlich implizit, dass eine Frau beim Sex mit einer anderen Frau diese nicht zu einer Hure macht. Im palästinischen Talmud Gittin 8,10,49c wird das Verb
Drittens rufen Aussagen des jüdischen Rechtsgelehrten Maimonides aus dem Hochmittelalter heute Entrüstung hervor. In Mischne Tora, Sefer Keduscha, Hilchot Issure Bia 21,8 hält er eine gerichtliche Bestrafung für Frauen, âdie füreinander Lust empfindenâ, mit Schlägen wegen ihrer âRebellionâ für legitim. Mit seiner Forderung nach männlicher Kontrolle der weiblichen Sexualität ist er ein Vertreter typisch patriarchalen Gedankenguts. Eine solche respektlose Vorstellung, nämlich Schläge als angemessene Strafe für Frauen, die andere Frauen begehren, steht heute im Widerspruch zu fundamentalen Prinzipien der Menschenrechte und sollte nicht länger in orthodoxen Kreisen des Judentums heraufbeschworen werden. In seinem Kommentar zur Mischna Sanhedrin 7,4 stellt Maimonides jedoch auch fest, dass sowohl nach dem biblischen als auch nach dem rabbinischen Gesetz keine Strafe für weibliche Homoerotik vorgesehen ist. Somit erwähnt er die wesentliche Tatsache, dass es weder in der Hebräischen Bibel noch in der Mischna und der Tosefta ein Verbot weiblicher Homoerotik gibt.
Nach jüdischen gesetzlichen Auslegungen zu weiblicher Homoerotik folgen im nächsten Kapitel queere Auslegungen der Liebesgebote aus Levitikus. Auch im Zusammenhang mit diesen queeren Lesarten zum biblischen Buch Levitikus hinterfrage ich rein androzentrische Sichtweisen antiker Texte. Mein queerer Argumentationsstrang, teilweise aus defensiver Sicht gegenüber heterosexistischen Bibelinterpretationen, angefangen mit den biblischen Schöpfungsberichten bis hin zu gesetzlichen Auslegungen in Levitikus, ist mit diesem Kapitel beendet. Nun vollziehe ich aus queerer Sicht auch hinsichtlich des Buchs Levitikus einen Perspektivenwechsel und untersuche, wie sich unterschiedliche queere Personen selbst die Liebesgebote wie das Nächsten- und Fremdenliebegebot aneignen können, sodass solche maÃgeblichen religiösen Texte der Hebräischen Bibel auch für sie ethisch relevant werden. Meine queeren Auslegungen der Liebesgebote aus Levitikus, das heiÃt von Kerngedanken der Hebräischen Bibel, befinden sich in der Mitte dieses Sammelbands.
Dieses Kapitel basiert auf Karin Hügel, âJüdische gesetzliche Auslegungen zu weiblicher Homoerotikâ, Journal of Ancient Judaism 10, no. 3 (2019 [2020]): 416â54, https://doi.org/10.13109/jaju.2019.10.3.416 bzw. https://doi.org/10.30965/21967954-01003006. Dieser Artikel wurde gekürzt auf Englisch auf der Europäischen Lesben*konferenz âLesben* in Europa. Verbinden, Reflektieren, Handeln, Transformierenâ in der Brotfabrik in Wien 2017, auf dem internationalen Treffen der Society of Biblical Literature an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom 2019 und auf der jährlichen Konferenz der European Association of Biblical Studies an der Universität Warschau 2019 vorgetragen.
Bezüglich Lev 18,22 und Lev 20,13 vgl. Einleitung, Abschn. âVerbote von Sex zwischen Männernâ.
Sarah, âJudaism and Lesbianismâ, 95. AuÃerdem Alpert, Seder Plate. Speziell zum jüdisch-orthodoxen queeren Kontext vgl. Kabakov, Keep Your Wives Away.
âTo do like the Lesbian womenâ. LSJ, s. v.
Georges, s. v. fello.
âRelating to Lesbosâ. Diese aramäischen Worte sind eine Kontraktion aus
Vgl. Rut 1,14. Im Buch Rut verschwimmen nicht nur an dieser Stelle des ersten Kapitels soziokulturelle Geschlechterrollen, ja sogar sexuell definierte Rollen. Auf einer symbolischen Ebene wird Rut als Noomis Mann dargestellt, weil Rut ihren Vater und ihre Mutter verlässt (
Vgl. die Abschiedsküsse der Frauen Noomi und Orpa in Rut 1,9.14.
Vgl. Abschn. 4.2.1. âSifra zu Lev 18,3â.
Vgl. Abschn. 4.2.3. âMaimonides zu weiblicher Homoerotikâ.
Bezüglich Lev 18,22 vgl. Einleitung, Abschn. âVerbote von Sex zwischen Männernâ.
Grünwaldt, Heiligkeitsgesetz Leviticus 17â26, 210.
Ich betrachte die Paränese in Lev 18,5 als nachträgliche redaktionelle Ergänzung. Das Vorkommen der göttlichen Selbstvorstellungsformel âIch bin G*tt, euer Gott [
Der Vers Lev 18,23, in welchem einer Frau der Sex mit einem Tier verboten wird, ist die Ausnahme.
In der EU-Grundrechtecharta, welche mit dem Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon am 1.12.2009 Rechtskraft erlangt hat, gibt es nach dem allgemeinen Gleichheitsgebot des Artikels 20, der die Gleichheit aller Personen vor dem Gesetz garantiert, spezifische Diskriminierungsverbote in Artikel 21 â u. a. wegen des Geschlechts (wobei nicht nur Männer und Frauen, sondern auch Transsexuelle und Menschen mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen erfasst sind) und wegen der sexuellen Ausrichtung (Sexualpartner_Innen sollen frei wählbar sein). Meyer, Charta der Grundrechte, GRC Art. 21 Abs. 1.
Vgl. den Vergleich von Rut 1,14 mit Gen 2,24 in Abschn. 8.3. âRuts Treueschwur gegenüber Noomiâ.
Sifra vereint die Lehren verschiedener Rabbinen aus unterschiedlichsten Quellen und hat eine lange Entstehungsgeschichte: Der Grundstock von Sifra gehört mit seiner Terminologie, der exegetischen Methode und den wichtigsten Rabbinen zur âSchule Akibasâ, wobei es aber eine Reihe von Ergänzungen gegeben hat. Als Grundschicht könnte ein einfacher Kommentar zu Levitikus angenommen werden, der vor der Mischna anzusetzen ist. Die nächste Schicht setzt jedoch mit ihren Fragen an den Bibeltext oft aus der Mischna und aus der Tosefta bekannte Positionen voraus und ist erst ab dem 3. Jh. n. d. Z. zu datieren. Später wurden dann zahlreiche wörtliche Zitate aus der Mischna und aus der Tosefta eingearbeitet. Die umfangreichen Parallelen betonen die Ãbereinstimmung von Sifra mit der Mischna. Der palästinische Talmud setzt vielfach klar einen schriftlichen Text von Sifra voraus, sodass dieser daher (zumindest in groÃem AusmaÃ) schon im 4. Jh. n. d. Z. in fester Form vorgelegen haben muss. Allerdings hat Sifra auch später noch eine umfangreiche Nachgeschichte gehabt. Stemberger, Einleitung, 288â91.
Bezüglich des Namens Achare Mot (âNach dem Todâ) dieses Traktats vgl. Lev 16,1.
Satlow, Tasting the Dish, 189.
Im Unterschied zur Sifra-Ausgabe von Weiss, welche
Eigene Ãbersetzung aus dem Hebräischen bzw. Aramäischen nach Weiss, Sifra. Der Text über die Heirat unter Männern und unter Frauen und über bestimmte Formen von Polygamie ist in folgenden Handschriften von Sifra bezeugt: Ms. Vatikan â Bibliotheca Apostolica 66 (Codex Assemani), 85,4 (der Codex Assemani ist, abgesehen von manchen Geniza-Fragmenten, die älteste erhaltene rabbinische Handschrift und stammt wahrscheinlich aus dem Ende des 9. oder Anfang des 10. Jh. n. d. Z. Stemberger, Einleitung, 292); JTS Rab. 2171 (Ms. 9026), 113a; Ms. Vatikan â Bibliotheca Apostolica Ebr. 31, 158; Ms. Parma â Bibliotheca Palatina 3259, 98 und Ms. London â British Library Add. 16406 = LON BL 341 (Cat. Margoliouth), 226a. Friedman/Moscovitz, Tannaitic Literature, s. v.
Die Folioangaben in den runden Klammern beziehen sich auf die Ausgabe von Weiss, Sifra.
Bezüglich Lev 18,2bâ4 vgl. Abschn. 4.1. âKein Verbot weiblicher Homoerotikâ.
Clenman, âWomanâ, 81.
Vgl. Maimonides, Mischne Tora, Sefer Keduscha, Hilchot Issure Bia 21,8 und Maimonides, Kommentar zur Mischna Sanhedrin 7,4 bzw. Abschn. 4.2.3. âMaimonides zu weiblicher Homoerotikâ.
Satlow, Tasting the Dish, 189, Fn. 16.
Der Terminus technicus für âInzest begehenâ (
Bezüglich männlicher und weiblicher Homoerotik im alten Ãgypten vgl. Manniche, Sexual Life, 22.
Das Gegenteil, Polyandrie, bei der eine Frau mehrere Männer hat, würde als Ehebruch gewertet werden. Satlow, Jewish Marriage in Antiquity, 189.
Friedl, Polygynie, 157.
Es gibt kein Verbot in der Hebräischen Bibel, welches Polygynie untersagt. Der Gesetzestext Dtn 12,15â17 geht von der Existenz einer Ehe eines Manns mit zwei Frauen aus. Schremer, âJewish Polygynyâ, 187.
Ibid., 219.
Bezüglich einer jüdischen Frau namens Babatha aus dem 2. Jh. n. d. Z. aus Maḥoza in der römischen Provinz Arabia, die ihre zweite Ehe als Zweitfrau einging und ein kleines Archiv hinterlassen hat, vgl. Satlow, Jewish Marriage in Antiquity, 97â99. Im Jahr 393 n. d. Z. verbot Kaiser Theodosius I. laut dem Codex Justinianus 1,9,7 jüdische Sitten und Gesetze bezüglich Heirat, insbesondere Polygamie. Später veröffentlichte Kaiser Justinian 537 n. d. Z., zwei Jahre nach seiner Anordnung von Novelle 12 zu verbotenen Ehen, mit Novelle 139 jedoch wiederum eine Novelle, welche den Juden von Tyrus eine Erlassung der Strafe wegen Polygynie gewährte. Ibid., 189â90.
Ibid., 190.
Gittin (âScheidebriefeâ [Dtn 24,1]) ist ein Traktat in Naschim (âFrauenâ). Stemberger, Einleitung, 130.
Yevamot (âSchwäger_innenâ), auch Yavmut (âSchwägerschaftâ) vokalisiert, manchmal auch Naschim (âFrauenâ) genannt, ist ein Traktat in Naschim (âFrauenâ). Ibid., 129.
Schabbat ist ein Traktat in MoÊ¿ed (âFestzeitenâ). Ibid., 128.
Eigene Ãbersetzung aus dem Hebräischen bzw. Aramäischen nach Guggenheimer, Jerusalem Talmud: Tractates Giá¹á¹in and Nazir, 351. Bezüglich des hebräischen bzw. aramäischen Texts von pGit 8,10,49c vgl. auÃerdem Hengel/Schäfer, Synopse zum Talmud Yerushalmi, 3: Nashim, 324.
Sota (âdie des Ehebruchs verdächtige Frauâ) ist ein Traktat in Naschim (âFrauenâ). Stemberger, Einleitung, 130.
Die Redaktion des palästinischen Talmuds wird in der 1. Hälfte des 5. Jh. n. d. Z. in Tiberias in Galiläa angenommen. Ibid., 190.
Die Redaktion der Tosefta wird hingegen bereits im späten 3. oder frühen 4. Jh. n. d. Z. in Palästina angenommen. Ibid., 176.
In Ms. Erfurt ist
Diese Formulierung ist nur in Ms. Wien und im Erstdruck im Talmudkompendium des Alfasi bezeugt, weshalb ich sie in eckiger Klammer schreibe. Siehe nächste FuÃnote.
Bemerkenswerterweise fehlt
Eigene Ãbersetzung aus dem Mischna-Hebräischen von Ms. Wien nach Lieberman, Tosefta, 3,2:178. Bezüglich weiterer hebräischer Ausgaben vgl. Lieberman, Tosefta ki-Fshuá¹ah, 8:658, bzw. Bietenhard, Tosefta-Traktat Soá¹a, 86.290. Bezüglich einer englischen Ãbersetzung vgl. Neusner, Tosefta, 3:167.
Im Zusammenhang mit Texten der Hebräischen Bibel werden diese bzw. ähnliche Verben nur in Ausnahmefällen im sexuellen Sinn übersetzt. Arnold Bogumil Ehrlich stellt z. B. einen Zusammenhang zwischen tSot 5,7 und Spr 4,8 her. Er übersetzt
Siehe meine Erläuterungen zu unterschiedlichen Handschriftenversionen von tSot 5,7 weiter unten in diesem Abschnitt.
Kosman/Sharbat, â,Two Womenââ, 53.
Ms. Wien aus dem 13.â14. Jh. befindet sich in der Wiener Nationalbibliothek und ist die einzige fast vollständige Toseftahandschrift. Stemberger, Einleitung, 177.
âTo swingâ, âto boundâ (Jastrow, 995) bzw. âspringenâ, âschwingenâ (HALAT, 715).
Salio bedeutet erstens intransitiv âspringenâ, âhüpfenâ und zweitens transitiv âbespringenâ (von der Begattung der Tiere). Georges s. v. 2. salio I bzw. II.
Ms. Erfurt aus dem 12. Jh., in aschkenasischer Schrift, befindet sich heute in der Orientabteilung der Staatsbibliothek Berlin. Stemberger, Einleitung, 177.
Der Erstdruck der Tosefta im Talmudkompendium des Alfasi stammt aus den Jahren 1521â1522. Ibid., 179.
Meyer, Hebräische Grammatik, 126.
Ãhnlich ibid., 933, ohne konkrete Stellenangabe von tSot 5,7.
âTo boundâ (Qal); âto springâ (âspringenâ) (PiÊ¿el) (ibid., 993) bzw. âhüpfenâ (PiÊ¿el) (HALAT, 714).
Guggenheimer, Jerusalem Talmud: Tractates Giá¹á¹in and Nazir, 351â52, Fn. 89.
âTo stir upâ. Jastrow, 1116.
âTo stimulateâ, especially âto excite the sexual organ by contact (as the first stage of sexual connection)â. Ibid.
Jacob Neusner übersetzt ähnlich: â[â¦] who entered into the first stage of cohabitation with herâ (âder in die erste Phase des Geschlechtsverkehrs mit ihr eintratâ). Neusner, Tosefta, 3:167.
Keritot (âAusrottungenâ) ist ein Traktat in Qodaschim (âHeiligesâ). Stemberger, Einleitung, 133.
Krupp, Mischna, 5.7. Keritot, 14, Fn. 32.
Bietenhard, Tosefta-Traktat Soá¹a, 23, Fn. 17.
Sanhedrin (von
Im Unterschied zu tSot 5,7 ist
Eigene Ãbersetzung aus dem Hebräischen bzw. Aramäischen nach Talmud Bavli (Steinsaltz ed.). Bezüglich englischer Ãbersetzungen vgl. Epstein, Babylonian Talmud: Sanhedrin, 470, bzw. Steinsaltz, Talmud, 19, Tractate Sanhedrin, 5:13.
Stemberger, Einleitung, 20.
Ibid., 81.
Ibid., 74.
Michael L. Satlow hält den Passus âSex zwischen Frauenâ in pGit 8,10,49c deshalb für eine nachtannaitische Quelle. Satlow, Tasting the Dish, 190, Fn. 20 und Fn. 22.
Brooten, Love Between Women, 68.
Epstein, Babylonian Talmud: Sanhedrin, 470, Fn. 1.
Bietenhard, Tosefta-Traktat Soá¹a, 95, Fn. 63.
Brooten, Love Between Women, 67.
Sifra Emor 1,7 (94b) = Sifra 212,3,2 nach der englischen Ausgabe von Neusner, Sifra, 3:169â70.
Sifra Emor 1,14â17 (94c) = Sifra 212,4,6â8 nach der englischen Ausgabe von Neusner, Sifra, 3:171â72.
Neusner, Tosefta, 3:167.
Eigene Ãbersetzung aus dem Mischna-Hebräischen nach Krupp, Mischna, 3.5. Sota, 25. Bezüglich einer anderen deutschen Ãbersetzung vgl. Correns, Mischna, 395.
Krupp, Mischna, 3.5. Sota, 24, Fn. 19.
Vgl. Num 5,11â31.
Krupp, Mischna, 3.5. Sota, vii.
Aktuell wird z. B. in der Panorama-TV-Reportage von Sebastian Bellwinkel Tabuthema: Auch Frauen missbrauchen Kinder vom 2.2.2023 das Thema des sexuellen Kindesmissbrauchs durch Frauen angesprochen. Bei sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen wird in der Regel an Männer als Täter gedacht. Frauen als Täter_innen werden hingegen immer noch tabuisiert. Um wissenschaftliche Lücken zu diesem Thema zu schlieÃen, gibt es ein Forschungsprojekt am Institut für Sexualforschung, Sexualmedizin und Forensische Psychiatrie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.
Weiblicher homoerotischer Kontakt muss aus der Sicht, welche der Schule Hillels zugeschrieben wird, nicht ernsthaft als sexueller Verstoà betrachtet werden, weil er keine Penetration beinhaltet. Brooten, Love Between Women, 69. Nach Admiel Kosman und Anat Sharbat macht aus der Sicht der Schule Hillels nur eine halachisch verbotene sexuelle Penetration durch einen Mann eine Frau zu einer Hure. Kosman/Sharbat, â,Two Womenââ, 55.
Bezüglich bYev 76a vgl. Abschn. 4.2.2.2. âBabylonische Talmudtraktate Yevamot 76a und Schabbat 65aâbâ.
Satlow, Tasting the Dish, 190, Fn. 20.
Bezüglich sexueller Handlungen zwischen Männern im Traktat Sanhedrin vgl. mSan 7,4; pSan 6,3,23b; pSan 7,9,25a; bSan 54aâb.
Bezüglich Steinigung als Art der Bestrafung für Sex zwischen Männern vgl. mSan 7,4; Sifra Qedoschim 9,14 (92b) zu Lev 20,13; pSan 7,9,25a; bSan 54a.
Vgl. Abschn. 4.2.3. âMaimonides zu weiblicher Homoerotikâ.
Stemberger, Einleitung, 237.
Bezüglich pGit 8,10,49c vgl. Abschn. 4.2.2.1. âPalästinischer Talmud Gittin 8,10,49câ.
Die jüdische Tradition siedelt Rav Huna in Babylonien in der zweiten Generation der Amoräer an. Er ist laut dem Brief des Scherira Gaon 297 n. d. Z. gestorben. Stemberger, Einleitung, 103. Dieser Brief wurde im Jahr 987 n. d. Z. vom Gaon von Pumbedita Scherira (ca. 906â1006 n. d. Z.) an Jakob ben Nissim ibn Shahin und die Gemeinde von Kairouan als Antwort auf Fragen zur Redaktion von Mischna, Tosefta und Talmud verfasst. Scherira verbindet eine Darstellung der rabbinischen Schriften mit einer Aufzählung der wichtigen Rabbinen sowie der Geonim bis zu seiner Zeit. Ibid., 16.
Die jüdische Tradition siedelt Rabbi Eleazar ben Pedat (gewöhnlich ohne Nennung des Vaters) in Palästina in der dritten Generation der Amoräer an. In Palästina war er bei Rabbi Jochanan und übernahm von diesem die Schule in Tiberias in Galiläa, starb aber noch im selben Jahr 279 n. d. Z. Ibid., 105.
Eigene Ãbersetzung aus dem Hebräischen bzw. Aramäischen nach Talmud Bavli (Vilna ed.). Bezüglich einer weiteren hebräischen bzw. aramäischen Textausgabe von bYev 76a samt kritischem Apparat vgl. Liss, Tractate Yebamoth, 3:136â37. Bezüglich der englischen Ãbersetzung von bYev 76a vgl. Epstein, Babylonian Talmud: Yebamoth, 513.
Biale, Women and Jewish Law, 194.197.
âMerely an act of obscenityâ. Jastrow, 1227.
âMinor infractionâ. Alpert, Seder Plate, 30.
Biale, Women and Jewish Law, 194.
Bezüglich pGit 8,10,49c vgl. Abschn. 4.2.2.1. âPalästinischer Talmud Gittin 8,10,49câ.
Vgl. mSan 7,4; Sifra Qedoschim 9,14 (92b) zu Lev 20,13; bSan 54a.
Vgl. pQid 4,11,65a; pQid 4,11,66c; bQid 82a.
Vgl. Abschn. 2.4. âMänner unter einem Mantelâ.
Sarah, âJudaism and Lesbianismâ, 96.
Die jüdische Tradition siedelt sowohl Abba bar Abba als auch seinen Sohn Mar Samuel in Babylonien in der ersten Generation der Amoräer an. Abba bar Abbas bekannter Sohn Mar Samuel, auch Samuel Yarḥinaʾa, âder Astronomâ und âAriokh der GroÃe,â genannt, war Leiter einer rabbinischen Schule in Nehardea. Stemberger, Einleitung, 100â1.
Sarah, âJudaism and Lesbianismâ, 96.
Eigene Ãbersetzung aus dem Hebräischen bzw. Aramäischen nach Talmud Bavli (Steinsaltz ed.). Bezüglich der englischen Ãbersetzung vgl. Epstein, Babylonian Talmud: Shabbath, 311.
Vgl. Abschn. 4.2.3. âMaimonides zu weiblicher Homoerotikâ.
Die Formulierung
Bezüglich tSot 5,7 vgl. Abschn. 4.2.2.1. âPalästinischer Talmud Gittin 8,10,49câ.
Bezüglich pGit 8,10,49c vgl. ibid.
Jastrow, 933.
Das Partizip Passiv von
âPriesthoodâ, âpriestly privilegesâ, âpriestly communityâ. Ibid., 614.
Bezüglich der Beweislage jüdischer Inschriften, die weibliche Priester_innen kennen, vgl. Brooten, Women Leaders, 73â77.
Bezüglich eines kurzen Ãberblicks über Belege in jüdischen Schriften, welche Frauen im alten Israel zum Thema haben, die priesterliche religiöse Funktionen innehatten, vgl. ibid., 84â88.
Hakeldamach ist die deutsche Wiedergabe von
Vgl. Grabhöhle 2, Kammer B, Ossuarium 18, bzw. Ilan, âOssuary and Sarcophagus Inscriptionsâ, 61â62, bzw. Cotton / Di Segni / Eck, Corpus Inscriptionum Iudaeae/Palaestinae 1.1:320, Nr. 297.
Shadmi, âOssuaries and the Sarcophagusâ, 46.
Ilan, âNew Ossuary Inscriptionsâ, 159.
Cotton / Di Segni / Eck, Corpus Inscriptionum Iudaeae/Palaestinae 1.1: 320.
Ibid., 321.
Bezüglich CIJ 1514 (SEG 1 [1923] Nr. 574) vgl. Edgar, âTomb-stonesâ, 13, Nr. 25, bzw. Horbury/Noy, Jewish Inscriptions, 157â58, und Brooten, Women Leaders, 73â74.
Dies ist in den Jüdischen Altertümern (Antiquitates Judaicae) und im Jüdischen Krieg (Bellum Judaicum) durch Josephus bezeugt. Vgl. Josephus, Ant. 13,62â73, und die Parallele in BJ 7,423â32. Bezüglich weiterer Stellen bei Josephus vgl. Brooten, Women Leaders, 74.
Dies wird beginnend mit mMen 13,10 und tMen 13,12â14 bezeugt. Menaḥot (âSpeiseopferâ) ist ein Traktat in Qodaschim (âHeiligesâ). Stemberger, Einleitung, 132. Bezüglich weiterer rabbinischer Stellen vgl. Brooten, Women Leaders, 74.
Unter der jüdischen Katakombe am Monteverde befindet sich ein Tuffsteinbergwerk mit riesigen Hallen und einem See.
Gaudere bedeutet âfroh seinâ, âsich innerlich freuenâ, âFreude, Wohlgefallen, Vergnügen findenâ. Georges s. v. gaudeo.
Bezüglich CIJ 315 vgl. Noy, Jewish Inscriptions of Western Europe, 2:18, bzw. Brooten, Women Leaders, 75. Bezüglich einer Abbildung vgl. ibid., Tafel VIII.
Stemberger, Einleitung, 12.
Das Wort
So ergänze ich den unvollständigen weiblichen Vornamen im Genetiv in CIJ 1007:
Bezüglich CIJ 1007 vgl. Schwabe/Lifshitz, Beth Sheʽarim, 2:Nr. 66, bzw. Brooten, Women Leaders, 76â77.
Bezüglich CIJ 1001 vgl. Schwabe/Lifshitz, Beth Sheʽarim, 2:Nr. 49, bzw. Brooten, Women Leaders, 97. Theoretisch könnte diese Inschrift auch inklusiv verstanden werden und so eine separate Grabstätte nicht nur für priesterliche Männer, sondern für priesterliche Männer und Frauen im 3. bzw. 4. Jh. n. d. Z. bezeichnet haben.
Nicht alle Forscher_Innen stimmen zu, dass wir es bei solchen Grabinschriften mit realen Priestern und Priester_innen zu tun haben. Priester (
Ibid., 108, Fn. 24.
Brooten, Women Leaders, 99.
Stemberger, âDas allgemeine Priestertumâ, 302.
Brooten, Women Leaders, 74.
Vgl. mGit 5,8.
Vgl. den aaronitischen Segen in Num 6,24â26.
Stemberger, âDas allgemeine Priestertumâ, 313â14.
Bezüglich einer Zusammenfassung aller Privilegien heutiger Priester (
Jastrow, 615.
Bezüglich der rabbinischen Diskussion über die Rechte und Verpflichtungen von Frauen der priesterlichen Klasse vgl. Brooten, Women Leaders, 78â83.245â46, bzw. den Exkurs zu
Vgl. Lev 22,12â13.
Biale, Women and Jewish Law, 194, bzw. Brooten, Love Between Women, 67.
â[â¦] are disqualified from marrying a priestâ (bYev 76a). Epstein, Babylonian Talmud: Yebamoth, 512â13. Diese Variante vertreten auÃerdem Biale, Women and Jewish Law, 193, Brooten, Love Between Women, 67, und Kosman/Sharbat, â,Two Womenââ, 58â60.
Bezüglich tSot 5,7 vgl. Abschn. 4.2.2.1. âPalästinischer Talmud Gittin 8,10,49câ.
Brooten, Love Between Women, 67.
Epstein, Babylonian Talmud: Shabbath, 311, Fn. 2 zu bSchab 65a.
Sifra Emor 2,7 (94d) = Sifra 213,1,11â12. nach der englischen Ausgabe von Neusner, Sifra, 3:175.
Vgl. Abschn. 4.2.3. âMaimonides zu weiblicher Homoerotikâ.
Vgl. Maimonides, Mischne Tora, Sefer Keduscha, Hilchot Issure Bia 21,8.
Vgl. Maimonides, Kommentar zur Mischna Sanhedrin 7,4.
Bezüglich pGit 8,10,49c vgl. Abschn. 4.2.2.1. âPalästinischer Talmud Gittin 8,10,49câ.
Da der Begriff âHomosexualitätâ fest mit den pathologisierenden Diskursen der Medizin verbunden ist, wird er nur noch selten als Selbstbezeichnung benutzt, noch seltener von Frauen, weil er die Konnotation allein von Männern weiter fortsetzt.
Alpert, Seder Plate, 33.
Vgl. dazu auch meine Schlussfolgerungen zu pGit 8,10,49c am Ende von Abschn. 4.2.2.1. âPalästinischer Talmud Gittin 8,10,49câ.
Landman, Universal Jewish Encyclopedia, 233.
Vgl. auch den synonymen deutschen Nachnamen Schiff.
Vgl. die Stadt Porto in Italien.
Karesh/Hurvitz, Encyclopedia of Judaism, 277.
Die vorherrschende halachische Anschauung, dass heutige Priester (
Karesh/Hurvitz, Encyclopedia of Judaism, 277.
Ich verwende das englische Wort âstraightâ (âheterosexuellâ) eingedeutscht. Duden, s. v. straight.
Rapoport, Judaism and Homosexuality, 3.
Akronym: RaMBaM (Rabbi Moses Ben Maimon).
Elon, Jewish Law, 3:1188.
Da die Zahl Vierzehn im Hebräischen dasselbe Schriftbild wie das Wort
Die Quellenangaben stammen nicht von Maimonides, sondern werden im Zuge der Ãbersetzung hinzugefügt.
Maimonidesâ Zitat von Sifra Achare Mot 9,8,F (85d) in Mischne Tora, Sefer Keduscha, Hilchot Issure Bia 21,8 variiert, indem in der hebräischen Ãbersetzung des ursprünglich arabischen Texts der Satz
Bezüglich meiner Diskussion von
Hier handelt es sich um kein wörtliches Zitat von bYev 76a. Vgl. meine Ausführungen zu bYev 76a weiter unten im selben Abschnitt bzw. in Abschn. 4.2.2.2. âBabylonische Talmudtraktate Yevamot 76a und Schabbat 65aâbâ.
Eigene Ãbersetzung aus dem Hebräischen nach Maimonides, Sefer miÅ¡nÈ tÈrÄ, 4:114. Bezüglich einer englischen Ãbersetzung vgl. Maimonides, Code of Maimonides, 5:135.
Maimonides zitiert den babylonischen und nicht etwa (auch) den palästinischen Talmud, weil sich die gesamte Halacha seit dem 11. Jh. n. d. Z. nach den Ãberlieferungen im babylonischen Talmud richtet. Stemberger, Einleitung, 237.
Maimonides ist der Erste, welcher explizit zwischen dem â[Verhalten von] Frauen, welche von sexueller Lust aneinander erfüllt sind [
Vgl. Abschn. 4.2.1. âSifra zu Lev 18,3â.
Vgl. Maimonides, Mischne Tora (âWiederholung der Toraâ), Sefer Schoftim (âBuch der Richterâ), Hilchot Sanhedrin (âGesetze zum Gerichtshofâ) 18,2â3, bzw. Maimonides, Sefer miÅ¡nÈ tÈrÄ, 12:58â61. Bezüglich einer englischen Ãbersetzung vgl. Maimonides, Code of Maimonides, 14:50â51.
Das Nomen
Das hebräische Nomen
In der Mischna Sanhedrin 7,4 kommt kein Verbot von Sex zwischen Frauen, sondern nur eines von Sex zwischen Männern vor. Auch in der Tosefta finden sich keinerlei Gesetze bezüglich weiblicher Homoerotik.
Greenberg, Wrestling with God, 89.
Rabbi Eleazar behauptet in bYev 76a implizit, dass eine Frau beim Sex mit einer anderen Frau diese nicht zu einer Hure (
In seinem Kommentar zur Mischna Sanhedrin 7,4 variiert Maimonides das Zitat von Sifra Achare Mot 9,8,F (85d) auf dieselbe Weise wie in Mischne Tora, Sefer Keduscha, Hilchot Issure Bia 21,8.
Eigene Ãbersetzung aus dem Hebräischen nach QâfÄh, Mishnah, 4: Nezikin, 180. Bezüglich einer englischen Ãbersetzung vgl. Maimonides, Commentary on the Mischnah âTractate Sanhedrinâ, 91.
Bezüglich Lev 18,22 vgl. Einleitung, Abschn. âVerbote von Sex zwischen Männernâ.
Bezüglich der einleitenden Paränese Lev 18,2bâ4 vgl. Abschn. 4.1. âKein Verbot weiblicher Homoerotikâ.
âTo treadâ. Jastrow, 995.
Meir ha-Levi Abulafia (Akronym: Ramah; 1170â1244) liefert eine ähnliche Anmerkung zu
Vgl. meine Diskussion von vier jüdischen Inschriften, welche die Existenz weiblicher jüdischer Priester_innen in der Antike nahelegen, in Abschn. 4.2.2.2. âBabylonische Talmudtraktate Yevamot 76a und Schabbat 65aâbâ.
Stemberger, Einleitung, 163.
Stemberger, âMaimonidesâ, 196â98.
Ibid., 207â8.
Vgl. Schulchan Aruch (âGedeckter Tischâ), Even HaEzer (âStein der Hilfeâ) 20,2, bzw. Karo, Shulḥan Ê¿Arukh, Even Ha-Ê¿Ezer, 55b. Even HaEzer ist der dritte Teil des Schulchan Aruch und ist dem Eherecht gewidmet.
Akronym: Rif. Nach Studien in Kairouan lehrte er in Fes, daher sein Beiname âAlfasiâ. Stemberger, Einführung, 135.
Akronym: Rosch.
Akronym: Rama.
Stemberger, Einführung, 136.
Elon, Jewish Law, 3:1365â66.
Meyer, Charta der Grundrechte, GRC Art. 1.
Bei Art. 4 GRC handelt es sich um ein einheitliches Grundrecht, das über die Transferklausel von Art. 52 Abs. 3, 1 mit der Parallelbestimmung in Art. 3 der Europäischen Menschenrechtskonvention aus dem Jahr 1950 inhaltlich identisch ist. Ibid., GRC Art. 4, Rn. 14.
Ibid., GRC Art. 4.
Ibid., GRC Art. 4, Rn. 16.
Von der Groeben / Schwarze / Hatje, Europäisches Unionsrecht, 1:GRC Art. 4, Rn. 6.