Das HäÃliche ist das Gegenteil des Schönen. Eine Ãsthetik hat zu erwägen, ob das HäÃliche darum das Zu Meidende ist. Man kann auf das Verhältnis des Schönen und des HäÃlichen das beziehen, was Hegel in Blick auf das Leben Gottes gesagt hat: âDas Leben Gottes und das göttliche Erkennen mag also wohl als ein Spielen der Liebe mit sich selbst ausgesprochen werden; diese Idee sinkt zur Erbaulichkeit und selbst zur Fadheit herab, wenn der Ernst, der Schmerz, die Geduld und Arbeit des Negativen darin fehlt. An sich ist jenes Leben wohl die ungetrübte Gleichheit und Einheit mit sich selbst, der es kein Ernst mit dem Anderssein und der Entfremdung sowie mit dem Ãberwinden dieser Entfremdung ist.â1, und er spricht von der âkraftlose[n] Schönheitâ, welche sich vor dem Schmerz und dem Tode scheut2. Theodor W. Adorno nennt es darum mittlerweile einen âGemeinplatzâ, daà âKunst im Begriff des Schönen nicht aufgeht, sondern, um ihn zu erfüllen, des HäÃlichen als seiner Negation bedarf.â3 Für Karl Rosenkranz ist das Wahrheitsmoment der Kunst der Grund, das HäÃliche aufzunehmen: âSoll aber Natur und Geist nach ihrer ganzen dramatischen Tiefe zur Darstellung kommen, so darf das natürliche HäÃliche, so darf das Böse und Teuflische nicht fehlen.â Er fährt fort: âMit der christlichen Religion aber als der, welche das Böse in seiner Wurzel erkennen und von Grund aus überwinden lehrt, ist das HäÃliche vollends in die Welt der Kunst eingeführt.â4
Die christliche Auffassung des HäÃlichen kreist um Jes 53,2: âEr hatte keine Gestalt noch Schöne, wir sahen ihn, aber das war keine Gestalt, die uns gefallen hätte.â5 Gott wird Mensch und er läÃt sich kreuzigen. Die Sünde, die Christus dabei trägt (Joh 1,29), in Jes 53,4 als Krankheit und Schmerz benannt, kann auch die HäÃlichkeit des sündigen Menschen genannt werden, die er trägt. Gott wird also häÃlich â er ist aber nicht an sich häÃlich; es ist unsere HäÃlichkeit, die er trägt, und er trägt sie um unseretwillen, um uns von ihr zu befreien. Er ist also gerade dann schön, wenn er häÃlich ist, und der Blick des Glaubens erkennt diese Schönheit in der HäÃlichkeit: das Wort Gottes ist, wie Augustinus sagt, während seiner ganzen inkarnierten Existenz schön, auch bei der GeiÃelung, auch am Kreuzesholz und im Grab6. Eine christliche theologische Ãsthetik hat also in Gott, aber auch im Kunstwerk, dessen Schönheit die Schönheit Gottes ist, diese Schönheit so aufzufassen, daà sie auch das HäÃliche in sich aufnimmt und in sich verschlingt: âder Tod ist verschlungen in den Siegâ (1. Kor 15,54b).
Georg Friedrich Wilhelm Hegel, Phänomenologie des Geistes, hg. v. Johannes Hoffmeister (Sämtliche Werke Bd. II), Leipzig 1973, 20 (Vorrede). Dieser hegelianische Ansatz einer Dialektik des Schönen und des HäÃlichen wird nicht nur von einem Schüler Karl Rosenkranz weitergedacht, sondern auch in der gegenwärtigen Ãsthetik von Mark Roche, Beautiful Ugliness. Christianity, Modernity and the Arts, Notre Dame (IN) 2023.
Ebd., 29f.
Adorno, Ãsthetische Theorie, 74.
Karl Rosenkranz, Aesthetik des HäÃlichen, Königsberg 1853, 39,
Die hebräischen Ausdrücke sind toâar: (ansehnliche) Gestalt, im Griechischen der LXX
Augustinus, Enarrationes in psalmos, in Ps 44, 3 (Ps 45 hebr.), CChr.SL 38, 495,31 â 496,59, dt.: Die Auslegung der Psalmen. Christus und sein mystischer Leib, ausgew. u. übertr. v. Hugo Weber, Paderborn 1955, 94â96, vgl. das Textreferat und -zitat von Johan Bouman, Augustinus. Die Theologie seiner Predigten über die Psalmen, hg. v. Sven Grosse unter Mitarbeit von Benjamin Splitt, Paderborn 2019, 127.