Johannes Lepsius’ Reise in das Osmanische Reich 1896
„A German pastor is leaving for Armenia next week. He will look into the matter, and be a bearer of sympathy on the part of German Christians for their oppressed brethren.“1 Diese konzise Meldung der Londoner Zentrale der Evangelischen Allianz kündigte ihren Lesern Anfang Mai 1896 an, dass man nicht untätig blieb hinsichtlich der Berichte über die Massenmorde an den Armeniern, die zunehmend aus dem Osmanischen Reich nach Europa eingingen.2 Die Organisation hatte es sich zu Aufgabe gemacht, diese Nachrichten nicht nur unter den Gefährten bekannt zu machen und sie zum Gebet für die verfolgten Glaubensbrüder aufzurufen, sondern auch Geldmittel zu sammeln, um die gröbste Not der Armenier abzumildern. Der deutsche Zweig der Evangelischen Allianz griff dieses Vorhaben auf und mobilisierte seinerseits Kräfte, um einen möglichst wirksamen Beitrag zu leisten.3 Johannes Lepsius bewegte sich zu jenem Zeitpunkt in eben diesen Kreisen und nahm sich gleichfalls des Themas an. Seine persönlichen Absichten und die Pläne der Evangelischen Allianz kreuzten sich in einem günstigen Moment und mündeten darin, dass er der Anfrage in das Osmanische Reich zu reisen, zustimmte und sich kurz darauf – am 20. April 1896 – auf den Weg nach Konstantinopel machte.
Über Johannes Lepsius’ Reise wird in erster Linie von Andreas Baumann, Aschot Hayruni und Axel Meißner berichtet.4 Diese Autoren stützen sich in ihren Darstellungen zum einen auf Richard Schäfer, der zu den engsten Mitstreitern und langjährigen Wegbegleitern Lepsius’ zählte und somit zeitlich wie persönlich sehr nahe an den Geschehnissen dran war.5 Zum anderen beziehen sie sich – wie auch Schäfer selbst – auf Lepsius’ Selbstzeugnisse, die er in seinen Zeitschriften zu verschiedenen Zeitpunkten und aus unterschiedlichen Anlässen publiziert hat.6
Es existiert aber ein unveröffentlichter Reisebericht mit dem Titel „Lepsius, Armenische Reise“ von Lepsius in Form eines Rundschreibens vom Juli 1896, den er unmittelbar nach der Rückkehr aus dem Osmanischen Reich seinen engsten Vertrauten zukommen ließ.7 Anhand dieser Berichte und neu erschlossener Quellen wird im Folgenden seine Reise in das Osmanische Reich nachgezeichnet. Dabei handelt es sich v.a. um den unveröffentlichten Reisebericht und die Korrespondenz zwischen Lepsius und seiner ersten Frau Margarethe – „die still und praktisch Wirkende“ – sowie vereinzelte Briefe an seine Freunde.8
Johannes Lepsius und seine Reisemotive
Über die Motive für Lepsius’ Reise finden sich in seinen Schriften mehrere Erklärungen. Nach der Rückkehr aus dem Osmanischen Reich im Juni 1896, beschrieb er seine Beweggründe wie folgt: „Eine doppelte Absicht leitete mich auf dieser Reise. Ich wünschte in erster Linie als Augenzeuge der armenischen Zustände ein unparteiisches Urteil darüber zu gewinnen, auf welchem Wege am besten von deutscher Seite eine energische Hilfeleistung für das armenische Volk ins Werk gesetzt werden könnte, sodann hoffte ich, im Blick auf unser geplantes Missionswerk Fingerzeige zu erhalten, ob und in welchen Gebieten des türkischen Reiches sich eine Thür für unsere Arbeit öffnen würde.“9
Das erstgenannte Motiv findet sich auch in einem Brief von Margarethe an ihre Eltern. An Lepsius sei seitens der Evangelischen Allianz die Bitte herangetragen worden, er möge nach Armenien reisen, „um sich von der Lage der Dinge zu überzeugen, zu sehen wie man am besten helfen kann, teils gleich zu helfen, teils zu erkunden, wie und wo man etwa ein Waisenhaus begründen könnte etc.“10 In einem Bericht über eine Konferenz der Evangelischen Allianz im April wird berichtet, ein Freund werde demnächst nach Armenien reisen und an „Ort und Stelle erkunden, ob eine directe Hülfe möglich ist.“11 Die geplanten Hilfsleistungen wurden möglich, nachdem schon zu Beginn des Jahres 1896 die ersten größeren Geldsummen für die verfolgten Armenier innerhalb der Gemeinschaftsbewegung Deutschlands und der Evangelischen Allianz gesammelt worden waren.12 Einen Teil dieser Gelder sollte Lepsius vor Ort verwenden.
Hinsichtlich des zweiten Motivs seiner Reise – der Erkundung der Möglichkeiten für sein geplantes Missionswerk – finden sich mehrere Belege. In der Zeitschrift COJL (1901) heißt es rückblickend, die Begründung der „Orient-Mission“ wäre die Veranlassung für Lepsius’ Armenienreise.13 Ein Jahr zuvor berichtet er, ihm sei die Verpflichtung nahe gelegt worden, „den Dingen im Orient […] weiter nach zu forschen, und so auch die Missionsgedanken, welche uns bewegten, durch persönliche Kenntnisnahme der Zustände im Innern der Türkei nachzuprüfen.“14 Unmittelbar im Zuge der Reise äußert sich Margarethe zu diesem Motiv in einem Brief, indem sie ihren Eltern mitteilt: „Wie viel mehr wird getan werden, wenn einer dagewesen ist, und gesehen hat wie es steht. Und es wird auch dazu dienen, dass die Christen mehr beten und arbeiten, um die Anhänger des Islam für Jesum zu gewinnen.“15 Kurz vor seiner Reise hat Lepsius einen Aufruf an seine Freunde versandt, um sie als Unterstützer für die „Orient-Mission“ zu mobilisieren. Darin heißt es u.a.: „Nicht einen neuen Kreuzzug wollen wir predigen, aber das alte Kreuz wollen wir aufs neue pflanzen helfen in den Boden, in dem es vor alters wurzelte. […] Das, was wir wollen ist: Mit Hilfe des Herrn die vom Islam bedrängten, alten christlichen Kirchen bewahren zu helfen und durch Erweckung derselben dem Herrn den Weg bereiten, in das Herz der muhammedanischen Welt, um den endlichen Sieg des Kreuzes über den Halbmond herbeizuführen.“16
Das dritte Motiv seiner Reise lag in der Informationsbeschaffung. Denn um die Kampagne zur Akquirierung von Spenden zu Hilfszwecken in Armenien intensivieren zu können, schien es Lepsius und seinen Gefährten notwendig, in die öffentliche Meinung mit verifizierten Informationen einzugreifen. Im Rückblick hielt er sich dafür berufen: „Ich sah, daß der einzige Ausweg aus der unklaren Lage […] kein anderer sein konnte als der, daß jemand, dem der Orient nicht unbekannt war, sich an Ort und Stelle über Ursprung und Charakter der armenischen Blutbäder unterrichtete.“17 Auch im Vorwort von Armenien und Europa nimmt Lepsius Stellung zu dem Motiv der Informationsbeschaffung. Über seine Recherchebemühungen hielt er fest: „Die Überzeugungen, welche ich auf der Reise gewonnen, veranlaßten mich, schon im Orient soviel als möglich Material über den Ursprung und Verlauf der Blutbäder zu sammeln“.18 Dies tat er, indem er vielerorts das Gespräch mit den Menschen vor Ort suchte, aber auch schriftliches Material zu den Massakern von den US-amerikanischen Missionaren beschaffte.19
Die Vorbereitung für die Reise
Für die Reise war Lepsius durch zwei biografische Prägungen prädestiniert. Zum einen verfügte er durch seinen Vater, den Ägyptologen Carl Richard Lepsius, bereits von seiner Kindheit an Kenntnis über den „Orient“. Zum anderen war er von 1884–1886 als Hilfsprediger und Lehrer in der deutschen Gemeinde in Jerusalem tätig und verfolgte daher „alles, was im Orient vorging, mit lebhaftesten Interesse […] und naturgemäß war dies in doppeltem Maße der Fall, seit ich am 29. September 1895 in meinem Pfarrhaus in Friesdorf bei Wippra i. Harz die Deutsche Orient-Mission gegründet hatte.“20 Noch bevor Lepsius nach Konstantinopel aufgebrochen ist, verschickte er einen von ihm und seinem Schwager Friedrich Zeller initiierten Aufruf an verschiedene Freunde, der dazu aufrief, die armenischen und gregorianischen Christen zu stärken und zu beleben und in diesem Zusammenhang die Muslime zu bekehren.21 Somit liegt hiermit der erste sichere Beleg dafür vor, dass Lepsius sich intensiver mit seinem Missionsprojekt beschäftigte und sein Engagement auf diesem Feld entfaltete.22
Lepsius selbst verfolgte die Nachrichten über die Verfolgung der Armenier über mehrere christliche Zeitschriften und Zeitungen und stand auch dem Informationsnetzwerk der Gemeinschaftsbewegung, der Blankenburger Allianz und Gnadauer Konferenz nahe.23 Es ist davon auszugehen, dass er die Informationen aus dem Osmanisches Reich über die Christliche Welt, die Allgemeine evangelische-lutherische Kirchenzeitung, das Evangelische Allianzblatt oder andere Publikationen aus der Gemeinschaftsbewegung bezog. Diese Zeitschriften berichteten seit Jahresbeginn 1896 regelmäßig über die Massaker an den Armeniern. Darüber hinaus merkte Schäfer an, Lepsius hätte im März das sogenannte Blaubuch in die Hände bekommen, in dem die damals erstmals beglaubigten, statistischen Angaben über die Massaker nachzulesen waren.24 Das ist nicht unwahrscheinlich, da die Christliche Welt und die AELKZ ihre Leser dazu angehalten haben, die Blaubücher zu studieren.25
Der erste Beleg für Lepsius’ Reise ist in einem Brief an Margarethe vom 21. März 1896 zu finden: „Die Reise nach Armenien beschäftigt mich viel; wenn es der Herr so fügt, würde es unserer Missionsarbeit viel Vorschub leisten.“26 Er schrieb diese Zeilen aus Breslau, wo der „Christliche Verein junger Männer“ eine Jahreskonferenz abhielt.27 Nach Breslau reiste Lepsius über Berlin, wo er sich am 14. März 1896 mit Graf Andreas Peter von Bernstorff, dem Vorsitzenden des deutschen Zweiges der Evangelischen Allianz, traf. Anlass ihrer Unterredung waren die „armenischen Sammlungen“. Erwähnenswert ist, dass Lepsius den Kontakt nicht aus eigener Initiative gesucht hat, sondern von Eberhard von Rothkirch gebeten wurde Bernstorff zu treffen.28 Letzterer ist zum gegebenen Zeitpunkt insofern von Bedeutung, da er ein Treffen des „Deutschen Zweiges der Evangelischen Allianz“ am 16. März in Berlin leitete, auf dem eine Gebetsveranstaltung für die verfolgten Armenier abgehalten wurde und er maßgeblich bei der Begründung des Aufrufs zum Gebet für die notleidenden Christen beteiligt war.29 Margarethe berichtete, dass sie und Lepsius sich Anfang April eingehend mit dem Gedanken einer Reise in das Osmanische Reich beschäftigten.30 Am 10. April schien der Entschluss bereits festzustehen Lepsius zu entsenden, da an diesem Tag das Komitee des „Deutschen Zweiges der Evangelischen Allianz“ verkündete, dass ein Teil der für Armenien gesammelten Gelder „zur Verfügung eines deutschen Freundes gehalten [wird], der in der nächsten Zeit nach Armenien zu reisen gedenkt.“31
Nachdem der Entschluss gefasst war, blieben Lepsius etwa zwei Wochen für seine Reisevorbereitungen. Bis zu seiner Abreise musste er viele Formalitäten innerhalb kurzer Zeit erledigen und fuhr dafür zwischen dem 13. und 16. April 1896 von Friesdorf aus nach Magdeburg und Berlin.32 Wie turbulent die letzten Erledigungen waren, schilderte Margarethe in ihrem Brief anschaulich:
„Zum Beispiel in Magdeburg hatte Johannes keine Zeit zum Generalsuperintendent zu gehen und um eventuellen Urlaub zu bitten. Er fuhr nach Gnadau um die Quartierfragen wegen der Pfingstkonferenz zu erledigen. Und da kommt der Generalsuperintendent dort hin und ist sehr liebenswürdig. In Berlin wollte Johannes vom Handelsminister eine Empfehlung an den deutschen Botschafter in Konstantinopel, damit er im Notfall als Teppichfabrikant dort Schutz hätte. Der war wenig Stunden vorher von einer längeren Reise zurückgekommen. Er wollte, da er Johannes nicht kannte, eine Empfehlung haben u. Johannes ging zum Direktor des Gewerbemuseums. Der wollte in einigen Stunden auf Wochen fort und schrieb ihm eine sehr gute Empfehlung. Dann musste er einen anderen Herrn sehen, traf ihn nicht und es war zu spät nochmals hinzugehen […]“33
In Berlin hatte Lepsius noch die Organisation der Gelder zu erledigen, die zur Linderung der armenischen Not vor Ort eingesetzt werden sollten. Schäfer berichtet von 9000 Schweizer Franken, die ihm die Evangelische Allianz und der Deutsche Philadelphia-Verein übergaben.34 Erstere übernahm auch die Reisekosten für James Greenfield, der Türkisch und Armenisch sprach und Lepsius auf der Fahrt begleiten sollte. Vermittelt wurde dieser Kontakt zuvor von dem Berliner Generalsuperintendenten und Hofprediger Wilhelm Faber.35 Lepsius selbst steuerte zur Finanzierung Greenfields 1000 Mark bei, die ihm unerwartet in diesem Zeitraum zugefallen waren.36
Die Reiseroute
Lepsius und Greenfield starteten am 20. April 1896 um 16 Uhr von Berlin aus mit dem Zug, der sie über Belgrad, Budapest, Edirne nach Konstantinopel brachte. Die Fahrt ging direkt und dauerte knapp drei Tage.37 In Konstantinopel ergaben sich Verzögerungen bei der Weiterreise, da sie erst am 28. April weiter Richtung Ankara fuhren. Über den fünftägigen Aufenthalt in Konstantinopel ist bekannt, dass die Reisenden mit dem armenischen Patriarchen Mattheos II. Izmirlian zusammenkamen.38 Für die Weiterreise mussten örtliche Behörden aufgesucht werden, die Verzögerungen verursachten, „da die Erledigung der Passgeschichten – man muss zur Reise ins Innere ein besonders Teskere haben – und der Bankgeschäfte – Ausstellung eines neuen Creditbriefes – einen gottlangen Tag in Anspruch nehmen […].“39 Außerdem trafen sie mit Dr. William Wheelock Peet zusammen, dem Schatzmeister des „American Board“. Er wies Lepsius darauf hin, dass die Not der Armenier in den Provinzen Adana und Aleppo am größten und die Hilfe am nötigsten sei. Lepsius und Greenfield nahmen am 28. April den Zug Richtung Ankara, vom Bahnhof Haydarpaşa über İzmit vorerst nach Eskişehir, was allein 14 Stunden dauerte.40 Am nächsten Tag (29. April) ging es morgens weiter, sodass sie ihr Etappenziel Ankara um 19 Uhr erreichten.41
Dort stellte Lepsius fest, dass die Stadt aufgrund der Entfernung zu den Massakergebieten für eine Missionsstation nicht geeignet war. Außerdem mangelte es an geeignetem Personal und der notwendigen lokalen Infrastruktur. Daher konzentrierte sich Lepsius darauf, das Gebiet als geschäftliches Betätigungsfeld für seine Teppichfabrikation zu erkunden. Er schaute sich nach Rohstoffen, Preisen und kommerziellen Kontakten um und ließ einige Teppiche nach Friesdorf schicken. Darüber hinaus traf Lepsius den Vali von Ankara Tevik Paşa, der ihm eine Empfehlung an die Gouverneure in Kırşehir und Kayseri ausstellen sollte. Diese Städte kamen für Lepsius infrage, weil sie ebenfalls als Standorte für die Teppichherstellung galten. Ansonsten suchte Lepsius Kontakt zu Einheimischen, um Informationen über die allgemeine Situation vor Ort einzuholen: „Übrigens erfährt man nebenbei, da alle Leute gern plaudern, viel von den Verhältnissen des Landes – allerdings mehr Staffage als Hintergrund. Wenn wir nicht Kaufleute wären, an denen man kein politisches Interesse nimmt, da würden wir landeinwärts überhaupt nicht reisen können.“42
Während sie nun Anfang Mai auf den schriftlichen Bescheid für die Weiterreise in Ankara warteten, machten sie Bekanntschaft mit Jose Zagorsky, einem Künstler aus Italien. Erwähnenswert ist das deswegen, weil dieser mit einer Fotokamera – ebenfalls Richtung Mersin – unterwegs war und er Lepsius versprach, 50 bis 60 fotographische Aufnahmen von der Reise zu machen; ein Dutzend (fotographische) Platten hatte Lepsius bereits im Koffer.43 Für die Weiterreise erwarben sie vier Pferde, die später in Mersin wiederverkauft wurden.44 Nachdem der Vali schließlich die Empfehlung ausgegeben hatte, ging es weiter Richtung Kayseri. Den Kontakt zur dortigen Missionsstation machte Lepsius kurz vor dem Aufbruch: „Fünf Wagen kommen in den Hof unseres Hauses gefahren. Die Familien zweier Missionsdirektoren aus Kaiserie. Ich habe noch gute Auskunft erhalten, wir werden keine Schwierigkeiten haben.“45
Lepsius, Greenfield und Zagorsky brachen von Ankara am 3. Mai 1896 auf und ritten sieben Tage über Kırşehir nach Kayseri.46 Dort angelangt konnte Lepsius nun endlich seiner Kernaufgabe nachgehen und die Versorgung der armenischen Waisenkinder mit den aus Deutschland mitgebrachten Geldern initiieren. Als Anlaufstation diente das Missionswerk des American Board in dem nahe gelegenen Talas, das sich bereits seit Jahren um die armenischen Witwen und Waisen kümmerte und die deutsche Unterstützung dankend annahm. Geleitet wurde diese Station durch James Fowle, der als Ansprechpartner für Lepsius fungierte.
Gemeinsam mit den Angehörigen der Missionsstation leitete Lepsius die Aufnahme von 14 Mädchen ein. Die Mädchen sollten ernährt, unterrichtet und in der Herstellung von Teppichen ausgebildet werden. Nicht zuletzt sollte ihnen die Botschaft vom „Heiland“ nahe gebracht werden.47 Abseits von den 14 Waisenmädchen, die noch während des Aufenthalts von Lepsius aufgenommen wurden, hielten Fowle und seine Kollegin Glosson nach seinem Weggang rasch Ausschau nach weiteren Kandidaten und nahmen bereits Anfang Juni zwölf weitere Mädchen auf.48 Von den deutschen Spendengeldern sollte ferner die Unterrichtsgebühr in der protestantischen Schule in Kayseri für 23 Jungen finanziert werden.49 Insgesamt kam die deutsche Hilfe für 50 Waisenkinder auf.50
Die Aktivitäten von Lepsius waren den osmanischen Behörden in Kayseri unerwünscht. Eine Gruppe von Polizisten beobachtete alle Tore des Anwesens des American Board während seines Aufenthaltes und notierte jede Tätigkeit mit großer Sorgfalt. Fowle berichtet von einem geheimen, als Dörfler getarnten Kurier, der nach Kayseri ging, um zu melden, dass der Gastgeber mit Lepsius Talas verlassen hatte. Jener hat sie zuvor sogar bedrängt und zum halsbrecherischen Aufbruch gezwungen, als sie sich auf einem Hügel außerhalb der Stadt aufhielten, um Fotografien zu machen. Später wurden alle, mit denen Lepsius Kontakt hatte, zu einer nicht namentlich erwähnten Amtsstelle einbestellt und nach dessen geldmäßigen Aktivitäten befragt – darunter auch Fowle, der ebenfalls unter argwöhnischer Beobachtung stand.51 Lepsius selbst schreibt in seinem Rundschreiben, „an der sorgfältigen Überwachung, die uns durch Polizisten, Soldaten und Spione zu teil wurde,“ würde offensichtlich, „wie eifrig die Regierung bemüht ist, jede Kenntnisnahme der armenischen Zustände durch Europäer zu verhindern.“52 Aufgrund der repressiven Situation vor Ort wies Fowle Lepsius an, darauf zu achten, die Quellen seiner Informationen nicht preiszugeben, wenn er nach seiner Rückkehr über die Verhältnisse zu berichten beabsichtigte.53
Lepsius nutzte den Aufenthalt in Talas und Kayseri auch, um sich über die Massaker zu informieren. Die Niederlassung des hiesigen American Board war hierfür der geeignete Ort. Vermutlich nahm Lepsius von hier schriftliches Material mit nach Deutschland, aber er unterrichtete sich auch auf mündlichem Wege und aus anderen Quellen.54
Geplant war, ursprünglich von Kayseri aus nach Zeitun (Sancak Maraş) zu reisen, doch die Behörden waren zu misstrauisch und der Vali erteilte keine Erlaubnis ostwärts zu reisen.55 Daher entschieden sich die Reisenden nach Tarsus zu gehen, was sechs Tage in Anspruch nahm. Sie kamen am 19. bzw. spätestens am 20. Mai in Tarsus an.56 Der Aufenthalt in Tarsus, Adana und Mersin dürfte nicht länger als drei, höchstens vier Tage gedauert haben, weil Lepsius bereits am 25. Mai vom Schiff aus in Beirut schreibt.57
In Kilikien kamen Lepsius und Greenfield erneut bei US-amerikanischen Missionaren unter. Diese haben bei Lepsius einen großen Eindruck hinterlassen, denn in seinem Rundschreiben hebt er ihren Mut und die Ausdauer in Gefahrensituationen hervor und betont lobend ihre enorme Hilfeleistung: „Ohne das moralische Gegengewicht und die umfassenden Maßnahmen, die von seiten der amerikanischen Missions-Stationen in der furchtbaren Notzeit des letzten Winters getroffen wurden, würde das armenische Volk völliger Vernichtung preisgegeben sein.“58 Die Amerikaner allein konnten jedoch den Erfordernissen der Notsituation aus Kapazitätsgründen nicht gerecht werden und da ihre Missionsarbeit in der letzten Zeit zunehmend eingeschränkt werden musste, war ihnen „die Mitarbeit einer deutschen Missionsgesellschaft sehr willkommen“ gewesen.59
In diesem Umfeld konnte Lepsius sich der vordringlichen Aufgabe widmen und „überall Menschen der verschiedensten Nationalitäten [treffen und fragen], die, die einen hier, die anderen dort, Massaker miterlebt hatten, die Türken seit Jahrzehnten kannten und den Charakter der Ereignisse vollkommen durchschauten.“ Lepsius benennt explizit die „amerikanischen Missionare im Innern“, denen er eine Fülle von Dokumenten über die Massaker verdankte.60
In Tarsus trat Lepsius mit dem englischen Theologen Rendel Harris in Kontakt, der einige Zeit zuvor monatelang die Gebiete Ostanatoliens bereist und ihm Nachrichten über die desolate Lage der Armenier in Urfa übermittelt hatte.61 Harris war gerade dabei in Urfa ein Waisenhaus zu eröffnen und kooperierte dabei mit Corinna Shattuck, die bereits viele Jahre in Maraş und Antep aktiv war und seit 1892 die protestantische Schule in Urfa leitete.62 Als Lepsius sich im nahe gelegenen Adana aufhielt, beschloss er, sich mit der Missionarin in Verbindung zu setzen, um die Versorgung von Waisenkindern in die Wege zu leiten.63
Die Verwendung der aus Deutschland mitgebrachten Gelder war allerdings alles andere als einfach. In seinem Rundschreiben spricht Lepsius von „größeren Schwierigkeiten“, denen das American Board ausgesetzt war.64 In einem Brief des US-amerikanischen Missionars Willis W. Mead gibt es diesbezüglich Hinweise von Shattuck. Darin legt sie Lepsius Rechenschaft ab über ihre bisherigen Aktivitäten, die er in Auftrag gegeben hat. Allerdings wisse sie derzeit nicht genau, wie sie ihre Arbeit organisieren solle, weil die Regierung ihr beständig Steine in den Weg lege. In einem Gespräch mit dem Gouverneur teilte ihr dieser mit, Ausländer sollten sich ohnehin lieber aus der Arbeit mit den Waisenkindern heraushalten, da dies Aufgabe der Regierung sei. Als Shattuck Mead kontaktierte, ergaben sich zwar langsam Öffnungen in den beschränkten Handlungsmöglichkeiten, jedoch müsse sie bedacht agieren, weil die Behörden sie sorgfältig überwachten. Hinsichtlich des Auftrags von Lepsius lässt sie ihm mitteilen, dass zwei Abteilungen für Waisenkinder geplant seien – eine für Mädchen und eine für Jungen. Da das Ehepaar Harris hier ebenfalls finanziell für einen Teil unterstützend einstehen würde, könne nun die Suche nach Kandidaten gestartet werden.65
Damit war Lepsius’ erste Mission in Kilikien erfüllt. Er hatte zuverlässige Informationen über die Massaker gesammelt, Kontakte mit relevanten Persönlichkeiten geknüpft und die Gründung eines deutschen Missionswerkes eingeleitet. Nach seiner Rückkehr erreichte ihn eine schriftliche Benachrichtigung von Shattuck, in dem sie ihm die Existenz eines „Lepsius-Home“ verkündete, das 50 Waisenkinder beherbergte.66 Eigentlich wollten Lepsius und Greenfield nun die Rückreise von Mersin nach Deutschland über Konstantinopel antreten, jedoch fuhr das Schiff erst acht Tage später. Anstatt die Zeit abzuwarten, entschloss sich Lepsius zu einer Änderung der Reiseroute und besuchte seine Schwiegereltern Hanna und Johannes Zeller in Jerusalem.67
Über Tripoli reisend, traf Lepsius am 25. Mai in Beirut ein und kam dort mit dem evangelischen Pfarrer Karl Otto Fritze und einigen Diakonissen zusammen. Noch am gleichen Tag reiste er weiter nach Jaffa, wo er am Morgen des 26. Mai ankommen sollte.68 In Jaffa traf sich Lepsius mit dem Missionar Wolters-Gobat. Noch am selben Tag sollte er abends in Jerusalem eintreffen.69
In Jerusalem, das ihm aus seiner zweijährigen Tätigkeit als Hilfspfarrer und Lehrer vertraut war, nutzte er die Gelegenheit, alte Bekannte zu treffen. Lepsius traf sich mit der Familie von Max Sandreczki, dem Leiter des dortigen Marienstifts. Außerdem besuchte er den Pfarrer der deutschen evangelischen Gemeinde in Jerusalem Carl Schlicht und den deutschen Konsul. Lediglich über die Zusammenkunft mit der Familie Schneller wissen wir, dass sich das Gespräch u.a. über ihre Erfahrungen in der Evangelisation unter den Jesiden und die Ausbildung eines Syrers drehte, der für diesen Zweck zum Gehilfen ausgebildet wurde.70 Außerdem nutzte Lepsius seinen Aufenthalt in Jerusalem für kulturelle Erkundigungen, indem er die Fortschritte im Bau der Erlöserkirche – unter der Führung des Baumeisters Paul Groth – begutachtete oder die Ausgrabungsstätten des US-amerikanischen Archäologen Frederick Bliss besichtigte. Insgesamt war Lepsius wohl viel beschäftigt, wenn er an seine Frau schreibt: „Inzwischen gab es keine Gelegenheit dir zu schreiben.“71
Lepsius schätzte, in ca. 14 Tagen wieder in Friesdorf zu sein und plante, am nächsten Tag (30. Mai) die Bahn nach Alexandria zu nehmen, um von dort aus am 1. bzw. 2. Juni mit dem Lloyddampfer nach Konstantinopel zu fahren.72 Seine Rückreise erfolgte allerdings über eine andere Route – nämlich über Beirut, Damaskus, Zypern, Rhodos, Izmir und Konstantinopel.73 Laut einer Depesche, die Lepsius seiner Frau aus Beirut zukommen ließ, erreichte er schließlich am 14. Juni Konstantinopel.74
Dort begab sich Lepsius nach Tarabya, um die Haltung der deutschen Botschaft zu seinem geplanten Projekt in Erfahrung zu bringen. In dem Gespräch mit dem Botschafter Anton Saurma von der Jeltsch präsentierte Lepsius sein Vorhaben, „die Mädchen an ihren Aufenthaltsorten zu belassen, dagegen insofern für ihren Unterhalt und moralischen Schutz zu sorgen, dass man sie zu Industriezweigen aller Art, insbesondere zu der dort besonders im Schwung befindlichen Teppichweberei heranzieht. Sie sind dabei nach außen hin völlig abgeschlossen, arbeiten unter gehöriger Aufsicht unter sich allein und sind in der Lage, bei entsprechendem Fleiß sich ihren Lebensunterhalt mit Leichtigkeit zu erwerben.“75 Im Vergleich zu den Plänen Julius Disselhoffs und der Kaiserswerther Anstalten, die die Waisenkinder aus den Notstandsgebieten nach Izmir überführen wollten und dabei unweigerlich mit Schwierigkeiten seitens der osmanischen Behörden rechnen mussten, hörte sich die von Lepsius präsentierte Option für den deutschen Botschafter wohl unproblematischer an. In seinem Bericht äußert sich Saurma wohlwollend über Lepsius, „der ein praktischer und gewandter Mann ist, dabei die hiesigen besonderen Verhältnisse genau kennt“.76 Ferner wird dem Botschafter willkommen gewesen sein, dass er „ohne jedwede Hilfe und direkte Unterstützung der Kaiserlichen Regierung die Angelegenheit persönlich ins Werk setzen“ wollte.77
Lepsius kehrte am 18. Juni 1896 nach insgesamt sechzig Reisetagen vom Osmanischen Reich ins Deutsche Kaiserreich zurück und hielt sich noch mindestens vier Tage in Berlin auf. Hier traf er Bernstorff, Pückler, Faber sowie seine Geschwister, die ihn und seinen Reisebericht erwarteten.78 Erst danach konnte Lepsius endlich nach Friesdorf reisen. Dort warteten nicht nur Margarethe und seine Kinder, die Pfarrergemeinschaft des Wippratals sowie seine Gemeinde auf Lepsius, sondern auch die Amtsgeschäfte, seine Teppichfabrik, das begonnene Projekt der Deutschen Orient-Mission sowie die Erledigung der angehäuften Korrespondenz. Nicht zuletzt erwartete ihn die Verarbeitung seiner Reiseeindrücke und die die Beantwortung der Frage, welche Aufgaben sich aus der Erkundungsreise ergeben sollten.
Entstehungsgeschichte des Textes
Johannes Lepsius, der noch im Juni 1896 als relativ unbekannter Pfarrer der Kirchenprovinz Sachsen aus dem Osmanischen Reich nach Friesdorf heimkehrte, avancierte nur drei Monate später zu einem der prominentesten und umstrittensten evangelischen Pastoren Deutschlands. Zweifellos ist dieser Umstand der Publikation seiner Artikelserie in Der Reichsbote und der anschließenden Veröffentlichung seiner Schrift Armenien und Europa. Eine Anklageschrift wider die christlichen Großmächte und ein Aufruf an das christliche Deutschland zu verdanken sowie seiner danach aufgenommenen Vortragstätigkeit.
Die Entstehungsgeschichte von Armenien und Europa lässt sich durch einige Selbstzeugnisse von Lepsius und Richard Schäfer sowie durch Korrespondenzen aus dem Archiv des Lepsiushauses Potsdam rekonstruieren.
Es sind in erster Linie zwei Grundmotive, die den Entscheidungsprozess von Lepsius vorantrieben, das Engagement für die verfolgten Armenier vorerst publizistisch zu entwickeln: Zum einen hat Lepsius durch seine Reise in das Osmanische Reich (April bis Juni 1896) einen „Einblick in den entsetzlichen Umfang der armenischen Massakres und die dadurch hervorgerufene Notlage des armenischen Volkes, und besonders seiner Witwen und Waisen“ gewonnen. Zum anderen wurde mit der Gründung seiner Missionsstationen in Talas und Urfa der Grundstein für das noch zu entwickelnde Hilfswerk gelegt, ein christlich-humanitäres Projekt.79 Dafür war es notwendig, weitere Mitstreiter und darüber hinaus eine breite Unterstützung zu finden. Das konnte nur geschehen, indem Lepsius die unerhörten Tatsachen über die Not der Armenier möglichst bald schriftlich verarbeitete und sie einer breiten Öffentlichkeit im Deutschen Kaiserreich, in der Schweiz und darüber hinaus zur Verfügung stellte.
Hierbei sah sich Lepsius in einem Dilemma, denn die zu veröffentlichenden Tatsachen entsprachen überhaupt nicht der Linie der offiziellen Presse im Deutschen Kaiserreich.80 Sie würden „einen Sturm der Entrüstung heraufbeschwören […], der so leicht nicht zu beschwichtigen sein würde“.81 Außerdem brächte eine solche Veröffentlichung die aufzubauende Unterstützungsarbeit in Konflikt – nicht nur mit der deutschen Politik, die das Bündnis mit dem Osmanischen Reich um jeden Preis aufrechterhalten wollte. Dabei war die Notstandsarbeit auf das Wohlwollen beider Staaten angewiesen. Lepsius spricht von einem „Kreuzfeuer“, dem er sich in dieser schwierigen Lage aussetzen würde. Er war jedoch bereit, den nötigen Mut aufbringen zu können und sich „rückhaltlos in den Dienst der Barmherzigkeitspflicht zu stellen, die mir, als einem, der um die Thatsachen wußte, auf dem Gewissen brannte.“82
Lepsius’ Frömmigkeit und die Stimmen seines persönlichen Umfeldes belegen, dass die Entscheidungsfindung für seinen Einsatz keineswegs einfach war.83 Die Zeugnisse einiger seiner Freunde sprechen von einem tiefen Glauben daran, dass Gott die Dinge schon selbst regeln würde. Besonders anschaulich wird dieses tiefe Gottvertrauen in einem Brief des Breslauer Pfarrers Kusch, der schreibt: „Wir wollen die Sache ganz dem Herrn anvertrauen. Was die Sache wegen Armenien betrifft, so will ich vorläufig und überhaupt nicht darauf rechnen, sondern sie auch dem Herrn überlassen. Sollte der Herr uns die Thore nach Armenien öffnen, so wird Er sich auch die wichtigen und brauchbaren Werkzeuge holen. Ruft Er mich dann, so will ich Seinem Rufe folgen. Wir alle wollen aber zum Herrn auf den Knien beten, Er möge Armenien Licht und Rettung recht bald bringen, damit nicht noch mehr Menschenblut vergossen werde.“84 Allein die Entscheidung in das Osmanische Reich zu reisen verlangte von Lepsius und Margarethe langwierige Gebete zu Gott85 und es ist davon auszugehen, dass sie sich in Hinsicht auf die Vorhaben umso mehr in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes wähnen wollten.
Lepsius rang zwar einige Zeit mit der Idee etwas zu unternehmen, aber die Erwägungen dauerten nicht länger als bis Ende Juni 1896. Inzwischen verschickte er einen kurzen Reisebericht an seine engsten Freunde und diejenigen, die er als potenzielle Mitstreiter für ein mögliches Unternehmen einschätzte.86 Die Idee dahinter war, einen Kreis von Unterstützern zu bilden, die den aufkommenden Aufgaben und den Belastungen standhielten, die durch eine Reaktion gegnerischer Akteure und insbesondere der offiziellen Presse ausgelöst würden. Daraufhin kontaktierte Lepsius Lohmann mit der Bitte, Gleichgesinnte, die mittlerweile bereit waren, sich für das Hilfswerk zu engagieren, für den 2. Juli 1896 nach Frankfurt/Main einzuladen.87 Bei diesem Treffen wurde diskutiert, was zu tun sei, um ein betriebsfähiges Hilfswerk aufzubauen und auf welchen Wegen weitergehende Ziele erreicht werden können. Als organisatorischer Rahmen wurde der Deutsche Hilfsbund für Armenien gegründet.88
Zusammenstellung und Auswahl des Quellenmaterials
Nach der Rückkehr aus Frankfurt/Main machte sich Lepsius auf die Suche des Materials und begann mit seiner Zusammenstellung. Er hatte zwar viele mündliche wie schriftliche Informationen im Zuge seiner Reise sammeln können, aber es schien ihm notwendig, darüber hinaus möglichst weitere Quellen zusammenzustellen, um absehbare Angriffe gegen die Publikation zu erschweren.89 Wie es sich später herausstellen sollte, war die am wenigsten anfechtbare Quelle der aus dem sogenannten Blaubuch stammende Botschafterbericht, und „man kann sich denselben, wie ich es nach meiner Rückkehr gethan, in Berlin durch jede Buchhandlung verschaffen.“90 Wahrscheinlich handelt es sich bei dieser Berliner Buchhandlung um den Unter den Linden angesiedelten Buchladen Asher & Co., von dem im Archiv des Lepsiushauses Potsdam zwei Postkarten vorliegen, beides negative Antworten hinsichtlich seiner Rechercheanfragen. Die erste Karte stammt vom 6. Juli 1896 und reagiert auf ein Gesuch von Lepsius. Er wollte Felix Charmetants Martyrologe Arménien bestellen, jedoch hieß es seitens der Buchhandlung, dass das Buch noch nicht zu haben sei. Asher & Co. empfahl stattdessen, Les Massacres d’Armenie von Carra de Vaux zu erwerben.91 Bei der Schrift von Carra de Vaux handelt es sich um eine 19-seitige Publikation, die größtenteils Angaben aus Charmetants Martyrologe Arménien enthält.92
Während der gesamten Schreibphase blieb Lepsius auf der Suche nach weiterem Material. Einige Tage nach der obigen Anfrage erkundigte er sich bei der gleichen Buchhandlung nach einer Schrift des Duke of Westminster, allerdings ohne den exakten Titel angeben zu können.93 Asher & Co. konnte in dieser Angelegenheit jedoch nicht aushelfen und auch nicht hinsichtlich einer angefragten Broschüre, die im Januar 1896 erschienen war. Höchstwahrscheinlich wollte Lepsius die sogenannte Armenia-Broschüre bestellen, die in Deutschland den Experten bereits bekannt war.94 Aber die Buchhandlung half mit einem wichtigen Hinweis, indem sie die Angaben von Haunting Horror of Armenia95 mitteilte. Ferner empfahl Asher & Co. die Broschüre von MacColl, die Lepsius im Vorwort von Armenien und Europa seinerseits empfiehlt.96
Lepsius akquirierte alles an Material, das er beschaffen konnte. Darauf weist ein Brief von Dicran Arslanian aus Ankara hin, den er während seiner Reise flüchtig kennengelernt hatte. In einem Brief bat Lepsius, ihm seine Broschüren zukommen zu lassen. Arslanian entsprach diesem Wunsch, indem er seinen Verleger anwies, ihm die Schriften zur Verfügung zu stellen. Bei diesen Publikationen handelt es sich um das türkische Grundeigentumsrecht sowie um Studien zur Geographie, Wirtschaft und zum Finanzwesen in der Provinz Ankara.97 Die Sichtung des Inhaltes dieser Schriften macht schnell klar, dass sie für Lepsius’ Vorhaben ungeeignet waren. Der Sachverhalt an sich veranschaulicht jedoch umso mehr die breit angelegte Suche nach Informationsquellen, die für seine Schrift erschlossen werden sollten. Im Vorwort von Armenien und Europa nennt Lepsius eine ganze Liste von Quellen98 :
Dillon: The Condition of Armenia, 1895 und Armenia, an Appeal, 1896; Greene: The Armenian Crisis in Turkey, 1895 und The Rule of the Turk, 1895; MacColl, Englands Responsibility towards Armenia, 1896; Charmetant: Martyrologe Arménien 1896; Godet, Les Souffrances de l’Arménie, 1896; Clemenceau: Les Massacres d’Arménie, 1896; Blaubücher Turkey. No. 1 und No. 2, 1896.
Hinsichtlich Lepsius’ Recherche kann noch ergänzt werden, dass er Ausgaben der Christlichen Welt beschaffen wollte, wie aus einem Brief von einem gewissen Schrecker aus Braunrode hervorgeht. Dieser hatte seinerzeit keinen Zugriff auf die Zeitschrift, unterbreitete jedoch Lepsius den Vorschlag, sich mit dem Anliegen direkt an den Herausgeber Martin Rade zu wenden. Schrecker ermunterte ihn bei der Recherche zusätzlich mit dem Rat, „er wird Ihnen dankbar sein, wenn Sie dann auch aus Ihren persönlichen Erfahrungen dort bezüglich der Armenier etwas in die Tageszeitungen wirken.“99 Hinsichtlich der Materialrecherche soll des Weiteren auf einen Brief von Elisabeth Gräfin von Groeben100 aus Frankfurt/Main hingewiesen werden. Am 24. Juli schickte sie Lepsius zwei Briefe, die sie kurz zuvor selbst erhalten hatte. Von Groeben fertigte für Lepsius eine Übersetzung an, die allerdings in großer Eile erfolgte und daher wohl nur von unzureichender Qualität war.101 Dieses Detail an sich ist nicht spektakulär, es zeigt jedoch im größeren Bild, dass Lepsius innerhalb kurzer Zeit zahlreiche Personen in sein Publikationsvorhaben einspannte, indem er sich mit ihnen in Kontakt setzte und sie um Material und Hilfe bat. Wenn auch Lepsius derjenige war, der die eigentliche Arbeit machte, wäre ihm dies jedoch nicht möglich gewesen ohne die Kooperation seines Umfeldes, das ihn mit Hinweisen und Zuarbeit unterstützte.
Die Zeitungsartikelserie „Die Wahrheit über Armenien“ in Der Reichsbote
Indes konnte Lepsius sich nicht ausschließlich auf seine Publikation konzentrieren. Zur gleichen Zeit, als er das Material für seine Schrift sammelte und verarbeitete, ging er Aufgaben nach, die sich aus seiner neu erworbenen Expertise ergaben. In der überlieferten Korrespondenz finden sich einige Anfragen zu Vorträgen über seine Erfahrungen und Eindrücke, die er auf seiner Reise ins Osmanische Reich gewonnen hatte. Nur ein paar Tage nach seiner Rückkehr fragte beispielsweise der Pfarrer Schräder aus Braunschwende an, ob Lepsius eine Ansprache nach einem Gottesdienst halten könne und bat wörtlich darum „uns von dem, was Sie in Armenien gesehen und erlebt haben [,] zu erzählen? Sie werden jedenfalls eine für die unendlich traurigen Schicksale dieses armen Volksstammes sehr interessierte Zuhörerschaft finden.“102 Ähnlich trat Siedersleben aus Neudorf an Lepsius heran: „Wir bitten dich am letzten Sonntag im Juli beim Missionsfest von deiner armenischen Reise zu sprechen.“103 Siedersleben scheint Lepsius als Experten für muslimische Kultur ausgemacht zu haben und richtete an ihn Mitte Juli die sehr spezielle Anfrage, ob er ihm islamspezifische Literatur für einen interessierten Strafgefangenen empfehlen bzw. besorgen könne.104 Freilich müssen solche Adressen einerseits die knappen Ressourcen von Lepsius strapaziert haben, andererseits war der Kreis derer, auf die Lepsius angewiesen war und vice versa noch relativ übersichtlich. Somit war er wohl dazu genötigt, seine Zeit auch in weniger bedeutende Angelegenheiten zu investieren.105
Zusätzlich zu den erwähnten Arbeitsfeldern war die Arbeit der Deutschen Orient-Mission (DOM) zu organisieren. Mit der Gründung der Missionsstationen in Talas und Urfa stand ihr Führungsgremium vor Aufgaben, die ihm völlig neu waren und koordiniert werden mussten. Friedrich Zeller gehörte zu den leitenden Mitgliedern der DOM und beklagte die vielen Unklarheiten hinsichtlich der betriebswirtschaftlichen und finanziellen Struktur der Missionsstationen: „Ein Comite aber, das von dem meisten, was in seinem Namen geschieht, keine Ahnung hat, kann sich pensionieren lassen. Andererseits wird es ohne ein mitarbeitendes, mitratendes, die Verantwortung mittragendes und mitglaubendes Comite einfach nicht gehen. Das Werk an sich ist außerordentlich hoffnungsvoll und die Punkte, wo die Arbeit eingesetzt hat, sind sehr gut gewählt. Trotzdem wird alles zu Grunde gehen, wenn es Joh[annes] nicht gelingt, ein Comite zusammenzubekommen, das die eben beschriebenen Eigenschaften hat.“106 Angesichts der zu bewältigenden Aufgaben kritisierte Zeller die Reisetätigkeit von Lepsius und schloss mit der Mahnung: „Ich bitte Joh[annes] dringend, meinen Rat zu befolgen; diese Dinge sind jetzt wichtiger, als auf allen möglichen Conferenzen und Conferenzlein Reden und Vorträge zu halten.“107
Lepsius’ vordringlichste Aufgabe war jedoch die Publikation über die Verfolgung der Armenier. Als Organ wurde die Tageszeitung Der Reichsbote gewählt.108 Nach Kontaktaufnahme mit der Redaktion ließ der Stellvertreter der Zeitung Conrad Müller am 31. Juli eine Antwort zukommen. Er teilte mit Lepsius die „entschieden christliche Auffassung“ hinsichtlich der „türkischen Greuelthaten“ und hieß es willkommen, wenn diese Ereignisse in seiner Zeitung „in voller, erschütternder Wahrheit geschildert werden“. Inhaltlich schien Müller mit Lepsius Haltung d’accord gewesen zu sein, er sah lediglich einige Mängel im strategischen Vorgehen. Hinsichtlich eines planmäßigen Vorgehens machte er daher einen grundsätzlichen Vorschlag: „Wenn man einen derartigen Feldzug einleitet, wie Sie ihn bezeichnen, ist es ein altes Gebot politischer Strategie nicht alle Patronen auf einmal zu verschießen, sondern das Feuergefecht in wohlerwogenen Absätzen zu führen. Man eröffnet es […] durch eine Anzahl starker Salven und wartet erst deren Wirkung ab, ehe man fortfährt. In diesem Sinne möchte ich Sie bitten, die Artikelserie in zwei Hälften zu teilen, in die eine, welche alles thatsächliche Material enthält, und in die zweite, welche die politischen und kulturellen Beleuchtungen bringt.“109
Tatsächlich hat sich Lepsius an diesem Vorschlag orientiert und seine Schrift zweiteilig konzipiert – in die von ihm apostrophierte Behandlung der quaestio facti und quaestio juris.110 Ferner brachte sich Müller bei der Titelgebung ein, indem er die Artikelserie mit „Wahrheit über Armenien“ zu versehen vorschlug. Außerdem offerierte er, zunächst die Veröffentlichung des ersten Teils abzuwarten, damit die quaestio facti eine Wirkung auf die öffentliche Meinung entfalten könnte. Darüber hinaus unterbreitete er den Vorschlag, die Artikelserie, die ursprünglich aus zwölf Kapiteln bestand, in einer bestimmten Reihenfolge anzuordnen. Die jeweiligen Kapitel lassen sich allerdings heute nicht mehr nachvollziehen, da Müller sie nach Kapitelnummern und nicht nach Titeln gliederte.111 Außerdem besaß er nicht die definitive Entscheidungsbefugnis über die Veröffentlichung, da er nur als Vertreter des abwesenden Chefredakteurs Heinrich Engel fungierte und dessen Wiederkehr vorerst abwarten wollte.112 Allerdings versprach er, die ersten Artikel „mit einigen lobenden empfehlenden Einleitungsworten zu versehen.“113
Am Schluss gab Müller Lepsius noch Empfehlungen hinsichtlich der Darstellung, die seiner Ansicht nach „um so wirksamer sein [wird], je objektiver und schlichter sie ist.“ Dieser Ratschlag weist darauf hin, dass die Texte Ende Juli noch nicht druckreif waren, sondern sich noch im Bearbeitungsprozess befanden. Müller gab am 31. Juli die zeitliche Vorgabe aus, dass die Publikation bereits in drei Tagen abgeschlossen sein sollte, damit die Redakteure noch ihre „letzte profunde Hand“ an die Texte anlegen könnten.114 Mutmaßlich hielt Lepsius diesen Termin ein, da der Chefredakteur Engel am 6. August an Müller telegraphierte: „Aufsätze annehmen aber liegen laszen [sic] bis ich komme brief [sic] folgt“.115 Mit diesem Schreiben folgten wahrscheinlich weitere Anweisungen, denn die Redaktion des Reichsboten hat zeitgleich mit der Rückkehr Engels entschieden, die Publikation der Artikelserie am 12. August 1896 zu starten. So erschien auch der erste Artikel der Serie mit einem von der Redaktion versehenen Vorwort noch an diesem Tag in der 1. Beilage des Reichsboten.116
Aus der geschilderten Korrespondenz geht hervor, wie dynamisch und unverzüglich Lepsius’ Publikation vorangetrieben wurde. Wie Müller selbst angab, vertrat er ebenso wie der Autor eine „entschiedene christliche Auffassung“ hinsichtlich der Massenmorde an den Armeniern. Daher hielt er den Kontakt zu Lepsius aufrecht und machte den Weg frei für Die Wahrheit über Armenien. Aber auch Lepsius’ Freunde wiesen ihn auf die Notwendigkeit der raschen Veröffentlichung hin und drängten ihn, mit der Arbeit fortzufahren. Beispielhaft sei Wilhelm Faber erwähnt, der sich energisch bei Lepsius nach dem Stand der Dinge erkundigte: „Bist Du mit der Armenischen [sic] Schrift fertig? Jede Woche der Verzögerung schadet.“117
Lepsius’ Artikelserie hätte zu keinem günstigeren Zeitpunkt erscheinen können als Mitte August 1896. Denn nahezu zeitgleich berichtete die Frankfurter Zeitung über große Massaker in der Provinz und der Stadt Van.118 Nur zwei Wochen nach Lepsius’ erstem Artikel berichtete die deutsche Presse intensiv über die Besetzung der Konstantinopler Ottoman Bank durch Armenier.119 Christliche Blätter nutzten die öffentliche Aufmerksamkeit und propagierten Lepsius’ Artikel. So empfahl die Christliche Welt ihren Lesern: „Inzwischen hat der Reichsbote uns ‚Die Wahrheit über Armenien‘ durch einen zusammenfassenden Artikel über das gesamte heut vorliegende Thatsachenmaterial ganz anders kennen gelehrt. Niemand, der die Wahrheit zu erfahren den Mut hat, wird an diesen Aufstellungen vorübergehen dürfen. Sie stehen im Beiblatt Nr. 188.“120 Auch die Allgemeine Evangelisch-Lutherische Kirchenzeitung berichtete im August über Lepsius’ „genaue Statistik über die armenischen Christenverfolgungen“ und zitierte im Anschluss an die Ankündigung eine längere Passage aus dem erwähnten Artikel.121
Die Kunde von seiner Veröffentlichung erreichte auch London, wo die Evangelical Christendom in der Septemberausgabe ihrem internationalen Publikum mitteilte: „Pastor Lepsius, who visited Armenia in the spring, and who hitherto found it wiser to keep his journey secret, in order to be able to repeat it, has now began to publish an account of the massacres according to his information. He thought it right to remain silent no longer, as he is convinced that the Turkish Government means to continue the extermination of the Armenians, and thatfore public opinion must be roused.“122
Auf die Artikelserie reagierten auch andere Zeitungen, indem sie Lepsius als Kenner der Ereignisse im Osmanischen Reich anführten und auf seine Berichte verwiesen.123 In einem Brief an ihre Eltern berichtete seine Frau Margarethe, dass er „eine Reihe von Artikeln im Reichsboten veröffentlicht. […] Die Artikel sind sehr gut und eine Menge Zeitungen drucken ihn, wenigstens auszugsweise wieder ab.“124 Auf der anderen Seite gab es auch feindliche Reaktionen auf Die Wahrheit über Armenien, wobei an stereotype Vorurteile gegenüber Armeniern angeknüpft, eine vermeintliche Naivität pro-armenischer Pastoren behauptet oder relativ offen ein Festhalten an dem politischen Bündnis mit dem Osmanischen Reich ad infinitum postuliert wurde. Solche „Debatten“ und publizistischen Auseinandersetzungen hielten gar bis ins Frühjahr 1897 an.125
Von der Zeitungsartikelserie zum Buch Armenien und Europa
Es ist nicht möglich vollständig zu rekonstruieren, wann die Entscheidung fiel, aus der Artikelserie ein Buch in einem Verlag zu veröffentlichen.126 Vermutlich kamen Impulse zur Buchpublikation aus dem Umfeld des Hilfsbundes in der Hoffnung, dass damit eine wirksame Kampagne eingeleitet werden könne. Denn auf der Konferenz des Hilfsbundes am 28. August 1896 wurde eine mediale Kampagne beschlossen. Die Organisation fasste den Plan, „durch Broschüren, Flugblätter, Vorträge und durch eine lebhafte Agitation in Zeitungen und Zeitschriften [dafür zu] sorgen, daß die durch die deutsche Presse […] bisher verschwiegene oder verschleierte Thatsache der armenischen Christenverfolgung […] in ganz Deutschland bekannt gemacht werden“. Als übergeordnetes Ziel wurde formuliert, dass ein der Größe der Not entsprechendes Hilfswerk organisiert würde.127
Der chronologisch erste Beleg für den Plan, Lepsius’ Material in Buchform herauszubringen, ist auf Mitte August 1896 zu datieren. Am 15. August schickte Rade Lepsius den Van-Artikel der Frankfurter Zeitung und problematisierte die Veröffentlichungen mit antiarmenischen Positionen. Daraus leitete er die Notwendigkeit ab, den öffentlichen Diskurs zu beeinflussen: „Die öffentliche Meinung muß ja endlich umlernen. Kommen Sie nur recht bald mit Ihrer Broschüre heraus.“128 Seitdem besaß für Rade Lepsius’ Buchpublikation die größere Priorität. In Vorbereitung auf eine kommende Tagung der Gustav-Adolf-Stiftung (14.–19. September) machte er ihm die Bedeutung seiner Schrift klar: „Aber was wird es nützen? Ihre Broschüre ist viel wichtiger; es ist gut dafür zu sorgen, daß sie nicht totgeschwiegen wird.“129 Die Motivation blieb die gleiche – eine möglichst große öffentliche Aufmerksamkeit und Wirkung.
Aufgrund der nun zeitlich eng getakteten Agenda blieb der Kontakt zwischen Rade und Lepsius in diesem Zeitraum rege. Am 28. August 1896 stand die zweite Konferenz des Hilfsbundes an und Rade sprach im Vorfeld aus, was ihm zufolge dort von größerer Bedeutung sein sollte: „Die Bearbeitung der öffentlichen Meinung muss auch noch auf die Tagesordnung. Sollte ich durch die Amtsgeschäfte verhindert das nicht beantragen können, so thun Sie’s bitte. Von Protestversammlung [sic] hoffe ich z.Z. nicht viel, aber sehr viel von Ihrer Broschüre u[nd] einer etwaigen Massenpetition an den Kaiser.“130 Diese Stelle unterstreicht nochmals, welche Rolle Rade der Publikation von Lepsius’ Broschüre beigemessen hat und für wie dringend er die Beeinflussung des öffentlichen Diskurses einschätzte.
Aber Lepsius brauchte womöglich nicht allzu viel Ansporn für die Herstellung seines Buches, denn die Arbeit kam anscheinend gut voran. Dabei erhielt er sogar konzeptionelle Unterstützung aus England. Am 20. August traf ein Telegramm von einem gewissen Isbister aus dem englischen Burwash mit dem konzisen Vorschlag ein: „Certainly translate Dillon“.131 Diese Arbeit übernahm Lepsius’ Schwager Pastor Friedrich Zeller132, wie es aus einem Brief Margarethes hervorgeht: „In dem Buch kommt auch eine Übersetzung eines Artikels von Dillon in der Contemporary Review [vor], den Friedrich übersetzt hat.“133 Zu diesem Zeitpunkt war die Arbeit an Armenien und Europa bereits nahezu abgeschlossen. Ebenda schreibt Margarethe: „Das Buch ist im Druck und wird hoffentlich Mitte September fertig sein. Es hat doch viel Mühe gemacht, aber Johannes kann fabelhaft viel arbeiten.“134
Mit dieser Äußerung meinte Margarethe vermutlich, dass Lepsius’ Text zur Herstellung der Druckfahne abgeliefert wurde. Denn einen Tag später meldete sich der Freund und Verleger Wilhelm Faber bei Lepsius mit der Bitte, er möge doch möglichst bald den Umfang seines „Werkes [fixieren], damit die buchhändlerische Propaganda nicht gehemmt wird. Die wird energisch beginnen können, wenn der Ladenpreis fixiert ist.“135 Faber erhoffte sich viel von dem Werk und versprach, selbst einen Beitrag zu seiner größtmöglichen Wirkung zu leisten: „Gott mache das Buch zu einem Schleuderstein wider den Goliath der europäischen Indolenz. […] Ich werde
Armenien und Europa erschien in der ersten Septemberwoche als Buch. Hermann Goltz datiert die Publikation um den 5. September 1896, allerdings ohne einen Beleg anzuführen.137 Dank eines Schreibens Margarethes an ihre Eltern vom 21. dieses Monats lässt sich der Termin auf spätestens 7. September festlegen, da sie angibt: „Vor 14 Tagen ist sie [d.h. die Broschüre] fertig geworden“.138 Als Margarethe diese Zeilen verfasste, war die erste Auflage von 3000 Stück bereits vergriffen und eine zweite ist in Auftrag gegeben worden. Stolz verkündete sie ihren Eltern, „[g]anz Deutschland ist jetzt in Bewegung gesetzt und Johannes’ Name steht in allen Zeitungen. Es wird natürlich auch viel über ihn geschimpft und man sagte ihm, die Herren von der Botschaft wünschten ihn zum Teufel.“139
Als Armenien und Europa endlich veröffentlicht war, wurde die Neupublikation auch beworben. Die AELKZ beispielsweise kündigte noch vor dem Erscheinen an, die bald erhältliche Schrift präsentiere „eine Fülle authentischen Materials über Ursprung, Verlauf und Folgen der armenischen Blutbäder aus dem Nothstandsgebiet“.140 Sobald Lepsius’ Buch herauskam, forderte die Christliche Welt ihre Leserschaft auf, unabhängig vom politischen Standpunkt „ihre Verbreitung sich zur Herzenssache zu machen.“141 Die Allgemeine Missionszeitschrift begrüßte die Neuerscheinung und lobte Lepsius’ gelehrsame Kompetenz und seinen Mut, denn er „hat in urkundlicher Begründung und Beleuchtung über die entsetzlichen Vorgänge in Armenien Thatsachen zusammengestellt, welche schreien, und wir begleiten seine Veröffentlichung mit dem Wunsche, daß dieser Schrei in Millionen Menschenherzen Entrüstung und Teilnahme hervorrufe.“142 Die evangelische Halbmonatsschrift Die Friedens-Halle bewarb in mehreren Ausgaben Lepsius’ Anklageschrift mittels Anzeigen.143
Wirkungsgeschichte des Textes
„Im Herbst des Jahres 1896 konnte man in allen deutschen Buchläden die gelbe, mit flammenden [sic] Rottitel gedruckte Lepsius-Schrift ausliegen sehen […]“, so erinnert sich ein langjähriger Freund und Weggefährte von Johannes Lepsius.144 Zweifellos war Armenien und Europa ein publizistischer Erfolg und es wurden bis zur fünften Auflage (1897) 13.000 Exemplare verkauft. Fortan wurde das Buch der Referenzpunkt und das Synonym für eine pro-armenische Haltung im Deutschen Kaiserreich. Die Presse stand weiterhin überwiegend fest an der Seite der osmanischen Regierung und ihrer Propaganda. „Herr Lepsius und die Großmächte“145 seien eindeutig gegen die Interessen des Deutschen Reiches gerichtet und er verbreite mit seiner Publikation englische Lügen. Überhaupt werde man „den Pastoren, die es für ihre Aufgabe betrachten, die diesseitige Kirchlichkeit für die armenischen terroristischen Mörderbanden einzusetzen, von Staates wegen das Handwerk legen müssen“, so die Hamburger Nachrichten als Fazit zum Engagement kirchlicher Kreise in der „Armenischen Frage“.146
Es lassen sich drei wichtige Dimensionen der Wirkung von Armenien und Europa feststellen:
1. Der Anstieg des Diskurses zur „Armenischen Frage“ durch zahlreiche Rezensionen und Teilabdrucke des Textes, flankiert von einer schnellen Übersetzung des Buches ins Französische und Englische. 2. Eine umfangreiche und öffentliche Reise- und Vortragstätigkeit von Lepsius zwischen September und Dezember 1896, die über die Massaker im Osmanischen Reich vor einem zahlreichen Publikum informierte. 3. Die persönlichen Folgen in Form der Amtsniederlegung, um ein humanitäres Hilfswerk aufzubauen.
Zeitgenössische Reaktionen
In dem in Berlin erscheinenden Blatt Der Sonntagsfreund wurde vom Herausgeber Pastor Ernst Evers auf das Buch Armenien und Europa schon gegen Ende September 1896 hingewiesen. „Ich will selbst nichts über Armenien schreiben, ich will dich aber bitten, ein Buch zu lesen, welches soeben erschienen ist […] Der Verfasser ist selbst durch die Lande geritten, die durch die Grausamkeit der Türken verwüstet sind: was er da gesehen und gehört hat, übertrifft alle Vorstellungen, welche man sich bisher von den verübten Greuelthaten gemacht hatte.“ Aus dem 2. Kapitel „Etwas für starke Nerven“ wird ein Abschnitt ausführlich zitiert. „Diese Sätze mögen für heute genügen. Hoffentlich findet das Buch des Dr. Lepsius die weiteste Verbreitung. Der Herr aber thue der Christenheit die Hände und die Herzen auf für die armen Armenier!“147
Auch in der Kirchlicher Anzeiger der evangelischen Gemeinde zu Köln wurde das Buch vorgestellt. Ludwig Schneller, Sohn von Johann Ludwig Schneller, war seit 1898 an der Trinitatiskirche in Köln als Pastor tätig. Vater Schneller und sein Sohn kannten Lepsius aus seiner Vikariatszeit von 1884–1886 in Jerusalem persönlich. In seinem Beitrag Schreckenstage in Armenien148 entnahm Schneller seine Schilderungen über die Verfolgung der Armenier aus Armenien und Europa. Die Angaben von Lepsius beruhten auf den Berichten der Botschafter, welche vorsichtige sowie auch zuverlässige Darstellungen gewesen seien. Zum Schluss seines Beitrags teilte Schneller seinen Lesern seine Bedenken, ob er solche schrecklichen Dinge überhaupt mitteilen sollte. Er wollte über die dortige Not nur einen Einblick gewähren. Der Leser, in dem Falle seine Kirchengemeinde in Köln, sollte zur Linderung der Not und des grenzlosen Elends beitragen.
Eine ausführliche Besprechung von Claus Zeller findet sich in der Allgemeinen Konservativen Monatsschrift für das christliche Deutschland.149 Demnach sei zwar weltweit über die Verfolgung und Elend der Armenier außerhalb Deutschlands viel geschrieben. Es helfe aber den unglücklichen armenischen Christen nichts. Sie bedürften werktätiger Hilfe, diese lieferten die beiden Länder England und Amerika. Von Deutschland aus aber geschehe noch nichts. Daher sei zu begrüßen, dass Lepsius als „ein wahrer Christ und edler Menschenfreund“ nach seiner Reise im Juli 1896 einen Hilfsbund für Armenien gegründet und nun ein Buch veröffentlicht habe. Die Vorwürfe der Unkenntnis von Lepsius in den offiziösen Blätter sei falsch. Denn die Angaben von Lepsius in seinem Buch beruhten auf den Berichten der Botschafter. Seine Kritik gegenüber Lepsius bringt er darin zum Ausdruck, dass Lepsius die Großmächte in seinem Buch zu scharf angegangen habe. „Wir haben keinen Grund anzunehmen, daß unsere Regierung nicht alles thun wird, was in ihren Kräften stehet, um das Los der Armenier zu erleichtern – aber auch, was noch wichtiger ist, um den Frieden Europas zu erhalten.“ Zum Schluss empfiehlt Zeller Lepsius, dass die von ihm und von Faber „geleitete Agitation sich möglichst von jedem Versuch einer politischen Beeinflussung der Bevölkerung Deutschlands fern hält, und sich darauf beschränkt, die werkthätige Liebe zu wecken, damit bald – wie Pastor Faber am 23. September d. Js. nach einer großen Versammlung zu Gunsten der Armenier in Berlin aussprach – von Königsberg bis Straßburg, von Schleswig bis zu den bayerischen Alpen in jeder Christengemeinde die Teilnahme für Armenien erwacht.“150
Anfang Dezember 1896 wurde unter der Überschrift „Die Christenverfolgungen in Armenien“151, vom Herausgeber der Evangelischen Kirchen-Zeitung für Österreich Pfarrer Arthur Schmidt, die besonders zahlreich im österreichisch-ungarischen Raum gelesen wurde, auf das Buch hingewiesen. Nach Schmidt ist „[d]ieses Buch […] so reich an anschaulichen und ergreifenden Schilderungen und ist in so packender Weise geschrieben, dass es jedem, der sich über die wahre Lage der Armenier unterrichten möchte, willkommen sein wird. Es behält auch für alle Zeiten großen Wert als zeitgenössische Quelle über Ereignisse, welche in der Weltgeschichte und insbesondere in der Geschichte der christlichen Kirche eine hervorragende Stelle einnehmen werden.“152 Abschließend bat Schmidt die Leser um die Sendung der Gaben zu ihm an die Redaktion und an Senior Pfarrer Schwarz in Gallneukirchen. Diese sollten dann nach Frankfurt/Main an Ernst Lohmann weitergeleitet werden.
Eine ausführliche armenische Besprechung erschien in der in Tiflis herausgegebenen armenischen Zeitung „Mschak“ am 12. August 1897.153 Dort besprach Saruchan das Buch von Lepsius. Nach der ausführlichen Vorstellung wird von ihm der erste Teil von Armenien und Europa, also die Artikelserie „Die Wahrheit über Armenien“, mit den Überschriften der jeweiligen Artikel vorgestellt. Der zweite Teil des Buches über die zeitgenössischen Quellen ist nur sehr kurz besprochen und zum Schluss wird auf die englische Übersetzung hingewiesen.
Die Übersetzungen von Armenien und Europa
Sobald Armenien und Europa im September 1896 erschienen war, erkannten auch Mitstreiter aus der Schweiz und aus England die Schlagkraft des Werkes und fertigten Übersetzungen ins Englische und Französische an. Letztere erstellte ein Team um Albert Bonnard, den Redakteur der Gazette Lausanne. Allerdings kann die Veröffentlichung nicht eindeutig datiert werden. Unter dem Vorwort der Übersetzer ist November 1896 angegeben;154 Karl Meyer berichtet jedoch, dass die französische Übersetzung noch vor einer großen Protestversammlung in Lausanne, die am 7. September stattfand, bereits vorlag.155 Das ist aber sehr unwahrscheinlich, da es bedeuten würde, dass die französische Ausgabe gleichzeitig mit der deutschen erschienen wäre. Gänzlich ausschließen lässt sich diese Annahme jedoch nicht, da Meißner von zwei unterschiedlichen Versionen von L’Arménie et L’Europe spricht.156 Die Übersetzung ist identisch mit dem Text der 1. Auflage von Armenien und Europa, ergänzt um ein Vorwort der Übersetzer und einer Karte „l’Arménie turque“. Das Vorwort ist hauptsächlich eine Paraphrase des Vorwortes der deutschsprachigen Ausgabe und stellt Lepsius mit Dillon, Fitzmaurice und Charmetant als die wichtigsten Publikationen zu dem Thema heraus.
Durch das mediale Echo, das Die Wahrheit über Armenien ausgelöst hat, erfuhr auch der britische Theologe und Syrologe Rendel Harris von Lepsius’ Publikation und bot sich für die englische Übersetzung an. Dafür wandte er sich zunächst an einen Professor aus Ulm, Eberhard Nestle, der den Kontakt zu Lepsius herstellen sollte.157 Nachdem Harris die Kontaktdaten und die Information erhalten hat, dass mittlerweile Armenien und Europa als Buch vorlag, wandte er sich an Lepsius persönlich und empfahl, die Anklageschrift zu übersetzen und ein Vorwort dazu zu verfassen.158 An dieser Arbeit beteiligten sich neben Harris auch A. W. Richardson sowie vermutlich noch weitere Personen. Dies ergibt sich aus der Angabe von Harris, er und seine Kollegin Richardson hätten das Übersetzungsprojekt geleitet.159 Hinsichtlich des Erscheinungsdatums gibt es zwei Möglichkeiten: Die Angabe der Veröffentlichung der englischen Ausgabe ist mit 1897 angegeben.160 Zusätzlich liegt auch die Information von Lucy Masterman vor, der Schwester von Margarethe, die das Vorhandensein der englischen Veröffentlichung auf November 1896 bezeugt: „[d]as Buch über Armenien ist ja jetzt auch ins Englische übersetzt worden. Ich las das Buch in Jerusalem und noch jetzt erscheinen mir zuweilen in meiner Fantasie diese scheußlichen Bilder. Es ist wahr ich hatte es mir nie so furchtbar gedacht denn die Greuelthaten sind unmenschlich! Kannst du uns wohl eine Copie des Buchs schicken? Da Ernest es auch sehen und lesen möchte.“161 Möglicherweise gab es eine Vorveröffentlichung der Schrift – vielleicht auch vorerst nur der Artikelserie –, die rasch verbreitet wurde und so auch bald nach Palästina gelangt ist.
Die englische Übersetzung erschien 1897 bei Hodder and Stoughton in London. Der vollständige Untertitel wurde nicht übersetzt, sondern lautet lediglich „Armenia and Europe. An Indictment“. Ein „introductory letter“, der an Lepsius gerichtet ist, geht stark mit dem Schweigen der „leading ecclesiatics“162 in England ins Gericht und betont die Wichtigkeit der Vereinigung aller Christen gegenüber dem Schicksal der armenischen Bevölkerung im Osmanischen Reich. Harris bemerkt, dass „a few passages which were unsuitable to an English edition have been excised“.163 Ihm muss schon die 3. Auflage vorgelegen haben. Denn nach dem Vorwort der 1. Auflage ist eine gekürzte Version des Nachworts der 3. Auflage ins Englische übersetzt worden. Die Kürzungen betreffen die längeren Zitate in der deutschsprachigen Ausgabe aus dem „Contemporary Review“. Harris fasst die Ereignisse daraus kurz in Zahlen zusammen. Es fehlt auch eine Übersetzung des erst in der 3. Auflage hinzugefügten Anhangs „Kundgebungen der Evangelischen Kirche zu Gunsten des Notstandes in Armenien.“ und „Kundgebungen der Katholischen Kirche. (Bericht des Rheinischen Merkur v. 28.9.96.)“. Vermutlich meinte er vor allem das Fehlen dieses Anhangs, der nicht unbedingt interessant für ein englisches Publikum sei.
Eine niederländische Übersetzung erschien 1897 bei D. A. Daamen in Rotterdam unter dem Titel Armenië en Europa: een schriftelijke aanklacht. Dieser Text ist identisch mit dem Text der dritten Auflage, ohne zusätzliche Vorwörter oder Hinweise, und wurde von einem gewissen P.J.C. übersetzt.
1898 erschienen die Kapitel „I. Trockene Zahlen“ und Kapitel „II. Etwas für starke Nerven“ in einer russischen Übersetzung in einem Band mit dem Titel „Brüderliche Hilfe für die betroffenen Armenier in der Türkei: Ein literarisch-wissenschaftlicher Sammelband mit Originalzeichnungen“, herausgegeben vom Maler Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski, der einer armenischen Familie von der Krim entstammte.164
Die armenische Übersetzung ist im Unterschied zur französischen und englischen, die sehr zeitnahe übersetzt worden waren, von Aschot Hayruni und Mariam Martirosyan erst im 21. Jahrhundert angefertigt worden und erschien 2022 im Verlag der Staatlichen Universität Jerewan Armenien. Diese aus 372 Seiten bestehende Übersetzung hat die dritte Auflage von 1897 als Grundlage und enthält ein zusätzliches Vorwort sowie insgesamt 16 Anmerkungen der beiden Übersetzer.
Die türkische Übersetzung von Armenien und Europa erschien im Sommer 2024 und wurde von Memet Baytimur aus dem Französischen und nicht aus dem Deutschen ins Türkische übersetzt. Der deutschsprachige gesamte Titel von Armenien und Europa ist in der türkischen Ausgabe nicht vollständig angegeben. Als Titel wird lediglich „Armenien und Europa: Eine Anklageschrift wider die“ angegeben. Es wird dort mitgeteilt, dass bei der Übersetzung von Armenien und Europa ins Türkische die französische Version zu Grunde gelegt wurde. Nähere Angaben über diese Entscheidung bzw. Auswahl, das Werk aus dem Französischen zu übersetzen fehlen. In der Französischen Übersetzung vom November 1896 ist das Vorwort der deutschen Ausgabe nicht mitübersetzt worden. Daher fehlt dieses Vorwort auch in der türkischen Übersetzung. Stattdessen gab es damals in der französischen Übersetzung ein eigenes Vorwort der Übersetzer (S. 5–8). Damit beginnt auch die türkische Übersetzung auf den S. 13–16. Die Nummerierung der Kapitel in „Armenien und Europa“ ist in der französischen Übersetzung mit Zahlen nummeriert wiedergegeben. In der türkischen Übersetzung sind die Zahlen ausgeschrieben bzw. die Unterabschnittsüberschriften im Inhaltsverzeichnis mitaufgeführt. Manche Überschriften im 1. Hauptteil sind auch ganz neugestaltet bzw. mit eigenen Worten wiedergegeben. Kapitel „10. Was soll daraus werden?“ wurde im Französischen mit „10. Qu’en adviendra-t-il?“ ziemlich wörtlich wiedergegeben. Dafür steht in der türkischen Übersetzung „Ermenistan’da neler olacak?“ (Was wird in Armenien passieren?). In der Ausgabe werden Kapitel I. „Die Wahrheit über Armenien“, II. „Blutbäder“, III. Armenien vor den Massacres“, IV. „Eine Liste von Schandthaten“ vollständig ins Türkische übersetzt. Das Kapitel V. „Der Botschafter Bericht“ wurde unter der Kapitelüberschrift „Evénements de l’année 1895 en Asie Mineure“ vollständig übersetzt. Aus diesem Kapitel wird aber nur die erste Seite ins Türkische übersetzt und die folgenden Seiten des Botschafterberichtes ausgelassen. Dies gilt auch für VI. „Statistik“ von Armenien und Europa, welches in der französischen Übersetzung als „Statistique“ vollständig abgedruckt ist. Die türkische Übersetzung schließt mit der Übersetzung des Nachworts ab.
Johannes Lepsius’ Vortragsreisen September bis Dezember 1896
Noch während die Artikelserie in Der Reichsbote erschien, reiste Lepsius persönlich in zahlreiche Städte des Kaiserreiches und hielt Vorträge über die Verfolgung der Armenier, in denen er seine Zuhörerschaft weiterhin informierte und aufforderte den Verfolgten zu helfen. Dabei wurde er von zahlreichen Persönlichkeiten des öffentlichen, kirchlichen, politischen Lebens und insbesondere von breiten Bevölkerungsgruppen begleitet und unterstützt. Es meldeten sich aber auch Gegner aus öffentlichen, kirchlichen und politischen Kreisen zu Worte. In manchen Orten, wie in Dresden und Leipzig wurden ihm öffentliche Auftritte polizeilich bereits im Vorfeld verboten und auch Sammlung von Spendengeldern während bzw. im Anschluss an seine Vorträge untersagt, so z.B. in Hannover. Doch konnte er offensichtlich sehr breite Massen der Bevölkerung im gesamten Kaiserreich überzeugen, sodass innerhalb von wenigen Monaten sehr viele Spendengelder zusammengekommen sind bzw. an zahlreichen Orten sich Hilfskomitees gebildet haben. Im Folgenden soll ein Überblick über seine Vortragstätigkeiten in Deutschland, die er im letzten Quartal des Jahres 1896 gehalten hat, dargeboten werden. Über die Vortragstätigkeit von Lepsius liegen sehr umfangreiche Zeitungsberichte vor. Hier hat sich in der Forschung in den letzten Jahren durch die Digitalisierung von Zeitungen ein ganz neuer Zugang zur Erschließung und Darstellung dieser bisher in der Forschung noch nicht umfänglich bedachten Wirkungsgeschichte eröffnet.
Bereits am 9. September 1896 trat er bei dem Pfarrervereinstag in Braunschweig als dessen Mitglied sowie als Sekretär des sich im Aufbau befindlichen deutschen Hilfsbundes (Sitz in Frankfurt/Main) mit einem Vortrag über die Gräuel in Armenien auf.165 Dabei informierte Lepsius einen breiten Kreis der evangelischen Pfarrerschaft aus dem gesamten Kaiserreich, welche in Braunschweig versammelt war, im Rahmen einer überregionalen Versammlung. Lepsius bat die Mitglieder der Pfarrvereine, die Arbeit des Hilfsbundes zu unterstützen und in den Kirchengemeinden vor Ort dafür zu werben. In Braunschweig hatte der Pfarrervereinstag am 10. September einen aus vier Teilen bestehenden Antrag zu Gunsten der Armenier angenommen. Dort wurde der erste Teil dieses vierteiligen Antrags von Lepsius eingebracht.
Ein Tag darauf war er am 10. September in Berlin.166 In der Tonhalle hatte Pastor Faber in Zusammenarbeit mit dem Berliner „Christlichen Verein Junger Männer“ eine Kundgebung organisiert; dort versammelten sich 2000 Personen. Neben Lepsius hielt auch Garabed Thoumajan eine Rede. Lepsius teilte in diesem ersten großen öffentlichen Berliner Auftritt mit, dass er Berichte von Augenzeugen vor Ort gesammelt hatte und im Besitze von hunderten von Briefen von europäischen Zeugen ist. Dabei sprach er von 128.000 getöteten Armeniern und in dieser Folge von 400.000 Waisen und Witwen. Das Osmanische Reich wanke und werde untergehen, dies könne niemand verhindern. Verhindern solle man, dass unter den Trümmern das letzte Christ mitbegraben werde.167
In Dessau hielt Lepsius am 16. September nach der Sitzung der 49. Hauptversammlung des Evangelischen Vereins der Gustav-Adolf-Stiftung im Saal des Vereinshauses einen Abendvortrag und bat die Anwesenden um Fürbitte für die verfolgten Armenier zu halten sowie die Mitglieder der Gustav-Adolf-Stiftung um Unterstützung.168
Von Dessau aus reiste er erneut nach Berlin169 zurück und hielt dort zunächst in der Tonhalle am 18. September170 seinen zweiten und danach am 23. September im „Etablissement Buggenhagen“ am Moritzplatz seinen dritten Berliner Vortrag über die Verfolgung der Armenier. Somit war er innerhalb von 13 Tagen alleine in Berlin drei Mal aufgetreten.171 Diese Berliner Vorträge richteten sich an ein über die kirchlichen Kreise und Institutionen hinaus gehendes, breites Publikum. Die drei Berliner Kundgebungen wurden in öffentlichen Räumen der Stadt abgehalten und nicht in kirchlichen Räumen.
Am Freitag den 25. September hielt Lepsius in der evangelischen Altstädter Nikolai Kirche in Bielefeld einen Vortrag über „Was das evangelische Deutschland für Armenier thun könne“.172 Es war in einer der ältesten und zentralen Kirchen in Bielefeld und somit hatte die Veranstaltung nicht nur den Charakter einer Kundgebung, sondern auch einer Gebetsversammlung. So wurden zwischen den Reden der beiden Hauptredner, Johannes Lepsius und Ernst Lohmann, Gebete gesprochen und Kirchenchoräle gesungen. Nach Lepsius handelte es sich bei der Verfolgung der Armenier um Christenverfolgung, durch Zahlen belegt: es seien 328 Kirchen zu Moschen umgewandelt worden und die Bewohner in 568 Ortschaften seien gezwungen worden zum Islam zu konvertieren. Am selben Abend hielt in Bielefeld auch Pfarrer Ernst Lohmann eine Rede. Dort rief er die Anwesenden auf, die Hilfskomitees, die für die heimatlosen, nahrungslosen, elternlosen Armenier sammelten, tatkräftig zu unterstützen. Wie sich in den folgenden Monaten zeigen sollte, bildete der Raum um Bielefeld einen der Sammelschwerpunkte für die Rheinisch-Westfälischen Hilfskomitees. Pastor Matthias Siebold war dabei federführend.
In der Bielefelder Zeitung der Der Wächter gab es im Vorfeld der Versammlung gegenüber Lepsius und den Mitgliedern des Presbyteriums der Neustädter Kirche kritische Stimmen: „Wenn in dieser Weise die Agitation für die Armenier die Politik in die kirchlichen Gemeinden trägt, so ist das entschieden zu mißbiligen. Es ist daher unbegreiflich, dass hiesige Altstädter Presbyterium die Kirche für die Agitation des Herrn Lepsius zur Verfügung gestellt hat. Solche Vorträge gehören nicht dahin, weil sie über die Grenzen des kirchlichen Gebietes hinausgehen.“173 In der westfälischen Presse gab es aber auch andere Stimmen, die sich für Lepsius einsetzten, so in der Neuen Westfälische Volks-Zeitung:
„Bielefeld, 24. Sept. (Die heutige kirchliche Versammlung in der Altstädter Kirche) betreffend, schreibt der „Wächter“ im Anschluß an die Behauptung, daß Pastor Lepsius anderwärts politisch gesprochen habe: „Wenn in dieser Weise die Agitation für die Armenier die Politik in die kirchlichen Gemeinden trägt, so ist das entschieden zu mißbilligen. Es ist daher unbegreiflich, daß das hiesige Altstädter Presbyterium die Kirche für die Agitation des Herrn Lepsius zur Verfügung gestellt hat. Solche Vorträge gehören nicht dahin, weil sie über die Grenzen des kirchlichen Gebietes hinausgehen.“ Wir würden dem „Wächter“ durchaus Recht geben, wenn anzunehmen wäre, daß Herr Pastor Lepsius „über die Grenzen des kirchlichen Gebietes“ heute Abend in seinem Vortrage „hinauszugehen“ gedächte. Wir meinen aber, daß zu dieser Annahme kein Grund vorliege. Wir erblicken im Gegenteil in dem Umstand, daß zu dieser kirchlichen Versammlung ein Gotteshaus gewählt wurde, während doch auch Säle, in denen die Redner durch Rücksichten nicht gehemmt wären, zur Verfügung standen, eine Bürgschaft dafür, daß sich Herr Pastor Lepsius einer Abschweifung in das politische Gebiet enthalten wird. Irren wir aber darin nicht, dann wäre der Tadel des Altstädter Presbyteriums, den der „Wächter“ für nötig hält, gegenstandslos und völlig unberechtigt.“174
In der reformierten Gemarker Kirche in Barmen hielt Lepsius am Abend des 27. September 1896 ab 18:00 Uhr einen Vortrag über das Thema „Was das evangelische Deutschland für die Armenier thun kann?“ Dabei legte er die beiden Verse aus Lukas 19, 39–40 aus. In derselben Veranstaltung und Kirche hielten nach Lepsius Ernst Lohmann aus Frankfurt a. M. und Ludwig Weber aus Mönchengladbach weitere Vorträge.175 Am nächsten Tag kamen Lepsius und die Initiatoren des Rheinisch-Westfälischen Hilfskomitee ab 15:00 Uhr im Vereinshaus zu Barmen zu einer konstituierenden Sitzung zusammen. Hier hielt Lepsius erneut einen Vortrag. Zu den Versammlungen in Barmen und Unterbarmen hatte es eine Einladung gegeben, die im Vorfeld in Zeitungen veröffentlicht wurde. Diese Einladung hatten 180 Personen des kirchlichen und öffentlichen Lebens des Rheinlands und Westfalens unterzeichnet, u.a. Pastor Friedrich von Bodelschwingh aus Bielefeld, Generalsuperintendent Wilhelm Bauer aus Koblenz, Pastor Julius Dammann aus Essen und Pastor Karl Franz Gieseke aus Solingen. Diese Personen unterstützten auch in den folgenden Jahren die Hilfswerke für armenische Waisen und Witwenfürsorge von Lepsius und Lohmann tatkräftig.
Nach der Gründungssitzung des Rheinisch-Westfälischen Hilfskomitees am Nachmittag des 28. September reiste Lepsius von Barmen nach Hagen und hielt dort am Abend im „Feilhaurschen Saal“ einen Vortrag. Prof. Wilhelm Bötticher hatte ihn eingeladen.176 Er sammelt später Spendengelder für die armenischen Hilfswerke.
In Darmstadt tagte vom 28. September bis zum 1. Oktober die 9. Generalversammlung des Evangelischen Bundes. Der Evangelische Bund wurde am 5. Oktober 1886 in Erfurt gegründet und verfolgte das Ziel der Wahrung der deutsch-protestantischen Interessen.177 Einer der Hauptinitiatoren war Willibald Beyschlag, der als Professor für Praktische Theologie und Neues Testament an der Universität Halle-Wittenberg lehrte. Beyschlag hatte sich im ausgehenden 19. Jahrhundert öfters zur „Armenischen Frage“ geäußert.178 Der erste Vorsitzende des Evangelischen Bundes Wilko Levin Graf Wintzingerode-Bodenstein hatte selber den „Armenien Aufruf“ der Evangelischen Allianz vom März 1896 bereits mitunterzeichnet. In Darmstadt wurde die „Armenien Resolution“ allerdings vom Magdeburger Superintendenten August Christian Friedrich Ernst Heinrich Trümpelmann eingebracht und begründet.
Am 2. Oktober 1896 hielt Lepsius im Großen Saal des Rathauses in Karlsruhe einen Abendvortrag über „Die Noth unserer Glaubensgenossen in Armenien“.179 Dabei bezog er sich insbesondere auf die bereits vorliegenden gedruckten Botschafterberichte. Demnach sei die Wahrheit nicht zu verschleiern. Lepsius rief die anwesenden badischen Zuhörer dazu auf ihren Beitrag zur Linderung der Not in Armenien zu liefern. Im Laufe des Monats Oktober bildete sich dann in Karlsruhe ein Hilfskomitee für Armenien180, welches sich im November mit einem Aufruf an die Öffentlichkeit wandte.181
In der Hamburgische Correspondent erschien am 6. Oktober 1896 eine Anzeige unter der Überschrift „Gedenket Armeniens“. Darin wurde für die große öffentliche Versammlung für den 7. Oktober 1896 in Hamburg beworben.182 Dafür kamen zwischen 500–1000 Personen im weißen Saal von Sagebiels Etablissements in Blankenese zusammen. Es wurde umfangreich in Zeitungen über den Vortrag berichtet.183
Im Rahmen einer Gottesdienstfeier erstattete Lepsius am Sonntag den 25. Oktober ab 17:00 Uhr in der Herforder Münsterkirche einen Bericht über die Lage in Armenien. So wie in Bielefeld wurde auch diese Veranstaltung in einer Kirche abgehalten.184
Am nächsten Tag war Lepsius am 26. Oktober 1896 in Hannover. Dort hielt er im Konzerthaus einen Vortrag. Eine Tellersammlung während der Veranstaltung wurde polizeilich verboten. Im Anschluss an die Veranstaltung beschlossen einige Anwesende ein Hilfskomitee für den Raum Hannover zu gründen.185
In Halle (an der Saale) hielt Lepsius am 29. Oktober im Rahmen einer Veranstaltung „Zu Gunsten der Witwen und Waisen armenischer Christen“ einen Vortrag. Die Einladung zu dieser Veranstaltung war u.a. vom Prof. Dr. Willibald Beyschlag, Theologische Fakultät Halle, Direktor der Francke’schen Stiftungen Dr. Wilhelm Richard Fries, Superintendenten Prof. Franz Theodor Förster, Konsistorial-Rath Carl Johann Gerhard Goebel, Landgerichtsdirektor Johann Friederich Wilhelm Crönert sowie vom Oberpfarrer Prof. Dr. Gottlieb August Wächtler unterzeichnet und im Vorfeld stark beworben worden.186
Am Abend des 30. Oktober sprach Lepsius im Evangelischen Vereinshaus in Bonn über „Armenien und die orientalische Frage“. Dabei wehrte er sich gegen die Behauptungen, dass die Armenier Revolutionäre oder Aufständige seien. Sie könnten es aber gar nicht sein, so Lepsius, weil sie vom osmanischen Staat entwaffnet worden waren. Sie standen wehrlos und waren der Gewalt ausgeliefert. Auch in Bonn appellierte Lepsius an seinen Zuhörer die 400,000 armenische Witwen und Waisen nicht alleine zu lassen.187
Bereits am 21. Oktober wurde der Vortrag von Lepsius für den 1. November in der Marienkirche in Lemgo angekündigt. Dabei thematisierte ein Teil der Presse wiederholt die Frage, ob ein Gotteshaus für solche Redebeiträge geeignet sei. Die Kirchenvorstände hätten im Vorfeld ihre Bedenken dazu geäußert, ein Gotteshaus sei nur für den Gottesdienst da und nicht für derartige Veranstaltungen.188 Am 1. November hielt Lepsius trotz der Bedenken in der gutbesuchten Marienkirche einen Vortrag über „Die Wahrheit über Armenien“. Im Kirchenblatt für Lippe und Schaumburg-Lippe wurde darüber berichtet.189 Es wurden 400 Reichsmark gesammelt, außerhalb der Kirche. Bereits am 27. September 1896 hatten der lutherische Pfarrer Konsistorial-Rath Rudolf Engel, Superintendent Gustav Eduard Adolf Vorberg, und die Pastoren Hermann Sogemeier, Wilhelm Frisus, und Franz Kliche in der Lemgoer Gemeindeblatt mit einem Aufruf „An unsere treuen Gemeinden!“ um Spenden gebeten.190
Lepsius hielt am 1. November in Ostwestfalen zwei Vorträge. Den ersten Vortrag hielt er am Nachmittag in der Marienkirche in Lemgo und am Abend im Evangelischen Vereinshaus in Detmold den zweiten. Im Anschluss an dem Vortrag wurde im Restaurationssaal des Vereinshauses in Detmold das lippische Hilfskomitee gegründet. Mit Aufrufen wurden in den folgenden Wochen des Jahres 1896 von der Lippischen Hilfskomitees Spenden gesammelt.191
Am 18. November 1896 wurde für Magdeburg im sozialdemokratischen Organ Volkstimme ein Vortrag von Lepsius für den 24. November angekündigt.192 Die Redaktion der Volkstimme unterstützte die Veranstaltung, teilte aber seinen Lesern mit, dass der Versammlungsort „Hofjäger“ für die Volkstimme gesperrt sei. Doch warb die Redaktion wenige Tage später am 22. November bei seinen Lesern für die Veranstaltung.193
In Stuttgart hielt Lepsius am 30. November in der dortigen Liederhalle einen Vortrag. Im Vorfeld wurde für den Vortrag in den württembergischen Zeitungen tatkräftig geworben. Lepsius schilderte an dem Abend mit sehr drastischen Worten die Verfolgung der armenischen Christen im Osmanischen Reich, aber auch das Leid der syrischen, der jakobitischen sowie das der chaldäischen Christen hatte er dabei im Blick.194 Auch hier bildete sich im Anschluss ein württembergisches Hilfskomitee für die notleidenden Armenier.
Von Württemberg aus ging es nach Bayern. Zunächst hielt er sich zwei Tage in Augsburg auf. Dorthin hatte ihn Ernest Mehl, der Kammgarnspinnerei-Fabrikant und Begründer des Diakonissen-Mutterhauses „Hensoltshöhe“ (Gunzenhausen), eingeladen. Mehl stand mit der Gemeinschaftsbewegung in Augsburg sowie mit der Gemeinschaftsbewegung deutschlandweit in Verbindung und Austausch. In Augsburg hielt Lepsius am 2. und am 3. Dezember Vorträge, im Lokal „Schießgraben“ und im Saal der dortigen Gemeinschaftsbewegung.195 Im Falle von Augsburg zeigt sich, wie die Frömmigkeitsnetzwerke für einen guten und humanitären Zweck mobilisiert werden konnten.
In den folgenden Tagen hielt er sich in Mittelfanken auf. Zunächst fand am 4. Dezember in Nürnberg ein Vortrag statt. Geladen hatte Philipp Georg Otto Bachmann, damals Gymnasialprofessor in Nürnberg und Herausgeber des „Nürnberger Evangelisches Gemeindeblatts“.196 Bachmann, der später an der Evangelisch Theologischen Fakultät in Erlangen Systematische Theologie lehrte, unterstützte mit seinem reformierten Kollegen Karl Müller die Hilfswerke für Armenien. Bereits im Oktober 1896 hatte sich in Nürnberg der Stadtdekan Carl Conrad Heller mit einem Aufruf an die Gemeinden in Nürnberg gewandt und bat sie um Unterstützung der verfolgten Armenier.197
Von Nürnberg aus reiste Lepsius am 6. Dezember 1896 nach Neustadt an der Aisch. Hier war damals sein Studienfreund Gerhard von Zezschwitz als Pfarrer tätig. In Neustadt an der Aisch wurde in der Folgezeit für die Armenier gesammelt.198
Den letzten Auftritt 1896 hatte Lepsius in München am 10. Dezember. Im großen Kaim-Saal, der späteren Tonhalle, in der Türkenstraße hielt er einen Vortrag über die Verfolgung der Armenier.199
Johannes Lepsius’ Amtsniederlegung und der Beginn der Arbeit für den Hilfsbund
Fortan galt Lepsius als der Armenienexperte schlechthin und Interessierte sowie Sympathisanten des armenischen Hilfsnetzwerkes konnten sich endlich an jemand wenden, dem Kompetenz und Autorität zugeschrieben wurde. Auf der formalen Ebene schuf der „Hilfsbund“ dafür den Rahmen, indem Lepsius zum Sekretär der Organisation ernannt wurde.200 Im weiteren Verlauf sollten alle Anfragen hinsichtlich der Tätigkeit des „Hilfsbundes“ an Lepsius gerichtet werden. Es ist daher nicht verwunderlich, dass in den folgenden Monaten zahlreiche Anliegen aus dem gesamten Reich an ihn gerichtet wurden.201 Anhand eines Briefes von Margarethe wird die immense Anzahl der Anfragen deutlich: „Johannes hat Zuschriften von e[twa] 600 Pastoren, Professoren, Lehrern, Kaufleuten etc., die ihm ihren Dank aussprachen, daß er die Sache in die Hand genommen habe und sich zur Mithilfe anbieten. Er wird überschüttet mit Bitten, Versammlungen zu halten, so daß schon fast jeder Tag bis Mitte November besetzt ist.“202 Diese Fülle an Aufgaben konnte Lepsius allein freilich nicht bewältigen, sodass der Vorschlag ins Spiel gebracht wurde, er solle einen persönlichen Sekretär einstellen.203 Zusätzlich beschloss der Hilfsbund bereits Ende August, Lepsius solle sich für einen längeren Zeitraum von seinem Pfarrdienst beurlauben lassen, „um sich ganz dem Werke widmen zu können. Man wende sich an ihn um Vorträge, Flugschriften und allerlei Auskunft über die armenische Sache [zu erhalten].“204 Sogleich traf er Vorbereitungen für die Umsetzung des Plans, indem er u.a. den befreundeten Pfarrer Kusch aus Breslau bat, „an meine unmittelbaren Vorgesetzten ein freundliches Wort meinetwegen zu schreiben“.205 Außerdem erkundigte sich Lepsius rasch nach einem Vertreter für seine Pfarrstelle, sodass zwar Bewerbungen eingingen, aber bis Mitte September konnte noch niemand gefunden werden, der als Vikar geeignet schien.206 Insbesondere scheint Margarethe es gewesen zu sein, die darauf drängte, bald eine Lösung herbeizuführen, da sie während Lepsius’ Abwesenheit mit den liegen gebliebenen Pfarraufgaben am ehesten konfrontiert war: „Hoffentlich findest du einen guten Vikar, der das Pfarramt versieht; das beunruhigt mich am meisten, daß die Gemeinde jetzt keinen Pfarrer hat.“207 Schließlich fand Lepsius den Vikar Zwanziger aus einer Nachbargemeinde für die Vertretung und stellte am 21. September sein Urlaubsgesuch, das zwar von seinem direkten Vorgesetzten befürwortet, vom Oberkirchenrat jedoch ablehnend beantwortet wurde.
Sein Urlaubsantrag ist in einer Akte des Magdeburger Landeskirchlichen Archivs zu finden.208 Darin erörtert Lepsius auf fünf Seiten, warum er für das kommende halbe Jahr freigestellt werden möchte – oder besser gesagt: muss –, denn in seiner Argumentation gibt er sich ziemlich offensiv und man bekommt den Eindruck, dass der entscheidenden Instanz keine andere Wahl überlassen wird, als dem Gesuch zuzustimmen. Erster seiner zwei Argumentationsstränge: die Gesundheit seiner Frau Margarethe – ihr wurde eine Lungenaffektion und Tuberkulose diagnostiziert – erfordere es, Friesdorf zu verlassen und sich vorerst in Berlin niederzulassen. Der Petent erklärt, dass das Klima im Südharz rau und feucht sei, die Wohnung wenig gesund und dass das Verbleiben dort die Krankheit Margarethes nur verschlimmern würde; außerdem möge eine Trennung von ihr sowie der Familie verhindert werden. In Berlin hingegen, wo sich Familie Lepsius während der Urlaubszeit niederzulassen beabsichtigte, wäre eine gründlichere ärztliche Pflege gewährleistet.
Zweitens: „In den letzten Wochen kommen andere Gründe hinzu, die mein Hierbleiben für den Winter fast auszuschließen scheinen. Ohne mein Zuthun hat sich durch die Veröffentlichung einer Serie von Artikeln und meiner Schrift über die Notlage in Armenien für mich eine Aufgabe eröffnet, der ich mich nicht entziehen kann und die für die nächsten Monate ganz meine Kraft in Anspruch nimmt, sodaß es schwer, ja unmöglich ist, meine Gemeinde gleichzeitig zu [betreuen].“209 Auch hier verrät die Wortwahl, wie ernst Lepsius es mit seinem Antrag meint. Denn die Formulierungen „auszuschließen scheinen, nicht entziehen können, es ist schwer, ja unmöglich“ lassen offensichtlich nur die Option für eine Bewilligung des Urlaubs zu. Im weiteren Verlauf des Anschreibens verbildlicht er seine momentane Situation. Es gäbe eine „ungeheure Correspondenz zu bewältigen“, um die Verbindung des armenischen Hilfswerkes mit Konstantinopel in Fluss zu bringen. Außerdem träte die „Nötigung“ an ihn heran, „in mehreren Dutzend Städten in allen Teilen Deutschlands Vorträge zu halten.“210 Um der Sache willen und weil er die besten Informationen über die Lage in Armenien besitze, könne er sich diesen Aufforderungen nicht entziehen, so Lepsius weiter. Hinzu komme, dass die geographische Lage seines Pfarramtes die proarmenische Tätigkeit erschwere, da man von Friesdorf aus erst zwei Stunden mit dem Wagen fahren müsse, um den Bahnhof zu erreichen, wodurch seine „Reisethätigkeit sich ungemein erschwert und vertheuert“. Ein zentral gelegener Ort wäre daher „wünschenswerth“ und das wäre Berlin-Westend ja, da es an der Stadtbahn gelegen sei.
Lepsius führt weitere Argumente für seinen Urlaub an. Berliner Freunde (Graf von Bernstorff, Oberförster von Rothkirch u.a.) hätten den Wunsch an ihn herangetragen, er möchte sich für eine „evangelistische Tätigkeit, die auch mit literarischer Arbeit verbunden sein würde, frei machen.“ Damit schließt Lepsius die Darstellung seiner unmittelbaren Pläne ab, nicht jedoch ohne darauf zu verweisen, dass es letztendlich der Wille Gottes als letzte Instanz sei, der darüber zu entscheiden habe: „Ich kann aber für jetzt noch nicht klar sehen, ob nach dem Willen des Herrn mein zukünftiger Weg in diese Richtung führen wird, und halte mich deshalb nicht für berechtigt, die Brücke hinter mir abzubrechen. Da voraussichtlich die Arbeit, welche mir für die armenische Hilfsaktion obliegt, im Lauf des Winters oder Frühjahrs zu einem gewissen Abschluß kommen dürfte, so würde für den Fall, dass sich mir inzwischen nicht eine neue vom Herrn gegebene Thätigkeit in Berlin eröffnet, mir die Rückkehr in mein stilles Pfarramt, vorausgesetzt, dass die Gesundheit meiner Frau wieder hergestellt wird, am liebsten sein.“211
Lepsius’ direkter Vorgesetzte Behrens unterstützte seinen Antrag mit den Worten: „Pfarrer Lepsius ist ein sonderlich begnadeter Mann, dem die gottgewiesenen Wege zur größeren Entfaltung seiner Gaben für das Reich Gottes möglichst zu ebnen sind.“212 Sein Dienst könne derweil vertreten werden. Magdeburg allerdings schwankte und sah sich in der Entscheidung des Gesuchs nicht befugt, da die Gründe für den Antrag wohl die „provinzialkirchlichen Interessen überschritten“. Daher reichte das Konsistorium den Antrag an den Oberkirchenrat (OKR) weiter. Sollte dieser jedoch positiv bescheiden, so Magdeburg, hätte man nichts gegen Lepsius’ Gesuch. Und der OKR? „Eben telegrafierte ich Dir“, so Margarethe Anfang Oktober an ihren Mann, „daß Dein Urlaubsgesuch abgelehnt worden ist. Der Oberkirchenrat erachtet es nicht für zulässig für den dargelegten, außerhalb der pfarramtlichen Thätigkeit liegenden Zweck, den erbetenen Urlaub zu bewilligen. ‚Ebensowenig erscheint dem OKR das Gesuch durch die Rücksicht auf Ihre Familie begründet.‘ – Ich wollte Du wärest hier, damit wir zusammen darüber reden und beten könnten. Wenn möglich, so komm bald heim. Erstens kannst du sofort – Eben wurde ich unterbrochen durch den Besuch von Pastor Kamlak, Donndorf und Lange. Da sie gleich nach Urlaubsgesuch fragten, musste ich es sagen. Sie drängten mich, dir nicht zu telegrafieren, da du sonst sofort den Fehdehandschuh hinwerfen werdest.“213 Johannes Lepsius legte sein Pfarramt eigenmächtig nieder und zog mit seiner Familie 1897 nach Berlin. Anfang Dezember 1896 erhielt er schließlich auf offiziellem Weg die Entlassung für den kommenden Jahresbeginn.
Evangelical Christendom 1896, S. 146.
Zur Evangelischen Allianz vgl. Lindemann, Für Frömmigkeit in Freiheit.
Vgl. den zentralen Aufruf, in: Evangelisches Allianzblatt für diejenigen, welche mit allen Kindern Gottes Gemeinschaft haben, 6. Jahrgang, No. 13, Blankenburg, Thüringen, 1. April 1896, S. 104.
Baumann: Orient für Christus, S. 43–46; Hayruni: Lepsius und die Armenier, S. 23–28; Meißner: Martin Rades „Christliche Welt“, S. 104–106.
Schäfer: Geschichte der DOM, S. 5–8; Schäfer: Persönliche Erinnerungen, passim.
EOL (1903): Dr. Lepsius’ erste Armenische Reise, S. 6–9; COJL (1900): Der Herausgeber an die Freunde unserer Arbeit S. 3–8; OLDOM (1925): 30 Jahre Deutscher Orient-Mission, S. 129–134. Vereinzelte Äußerungen Lepsius’ zu dieser Reise finden sich auch in COJL (1901), S. 2f. und COJL (1907), S. 65f.
„Nachdruck Verboten! Wir bitten dringend, von den folgenden Mitteilungen nichts in die öffentliche Presse gelangen zu lassen, da unser Werk dadurch sehr geschädigt werden könnte.“ Lepsius, Armenische Reise. Friesdorf bei Wippra Juli 1896, in: Sammlung Hensholtshöhe Gunzenhausen SlgHh Dokumente 1–12, hier Dokument Nr. 6 Orient-Mission.
Schäfer: Persönliche Erinnerungen, S. 5. Margarethes Briefe bieten eo ipso einen sehr nahen und authentischen Einblick in Lepsius’ Aktivitäten. Überdies soll an dieser Stelle auf die Bedeutung ihrer Rolle hingewiesen werden, da sie ihrem Mann in all seinem Tun den Rücken frei gehalten, indem sie sich nicht nur um den Haushalt und die Kinder gekümmert hat, sondern auch seine zahlreiche Korrespondenz und die damit anfallenden Aufgaben organisiert hat. Als Lepsius wegen seiner verspäteten Rückkehr aus der Türkei zu Pfingsten auf der Gnadauer Konferenz nicht erscheinen konnte, hat sie ihn dort vertreten. Ohne Margarethes Einsatz wäre Lepsius’ Engagement in diesem Ausmaß nicht denkbar.
COJL (1897), S. 6.
Margarethe an ihre Eltern vom 20. April 1896, LHA (17502) Bl. 1.
Friedens-Halle (1896), S. 135. Die Konferenz fand am 10. April 1896 statt.
Vgl. bspw. Feigel, Das evangelische Deutschland und Armenien, S. 72. In den folgenden Monaten dokumentierte die Friedens-Halle die Spendeneingänge regelmäßig, die dem Aufruf des deutschen Zweiges der Evangelischen Allianz folgten. Vgl. den Aufruf, in: Evangelisches Allianzblatt, 6. Jahrgang, No. 13, 1. April 1896, S. 104. Siehe auch die Spendenlisten in Friedens-Halle, Nachrichten aus dem Reiche Gottes. Auch Organ des deutschen Zweiges der Evangelischen Allianz, Jahrgang 10, 1896, No. 21–47.
COJL (1901), S. 2.
Lepsius, COJL (1900), S. 4. Allerdings änderte sich die Aufgabe angesichts der verheerenden Lage der Armenier dahingehend, dass diesen doch zuerst „Brot, Kleider und Arbeit“ gegeben werden sollte als das Evangelium. Vgl. ebenda.
Margarethe an die Eltern vom 20. April 1896, LHA 17598, Bl. 3f.
Der Vorstand der Deutschen Orient-Mission, EOL (1903), S. 5. Hierbei handelt es sich um den Aufruf aus dem Jahre 1896 mit einem Nachtrag zu Pfingsten 1897, vgl. Deutsche Orient Mission vom Goldnen Kreuz. Friesdorf bei Wippra, Ostersonntag 1896. Dieser Aufruf besteht aus vier Seiten und im Sommer 1896 veröffentlichte Johannes Lepsius eine überarbeitete Fassung dieses Aufrufes „Deutsche Orient-Mission, Friesdorf b. Wippra, Sommer 1896. in: Sammlung Hensholtshöhe Gunzenhausen. Dort Dokument 6 Orient-Mission. Zur gleichen Zeit arbeitete Lepsius an einem weiteren Aufruf, der noch zur Diskussion gestellt wurde. Einen Entwurf verschickte er an seine Freunde kurz vor seiner Abreise. Während Lepsius noch in der Türkei unterwegs war, vermeldete Margarethe, dass bereits die ersten Rückmeldungen betreffs des Aufrufs eintrafen: „Auf den Aufruf kommen nun täglich Antworten, teils hocherfreut, teils gern beistimmend, einmal stark ablehnend und die Sache als großen Missgriff ansehend. Die zwei ersten Arten sind aber weit überwiegend und einige bedenkliche könntest du bei persönlicher Aussprache leicht auf unsere Seite bringen.“ Margarethe an Lepsius vom 4. Mai 1896, LHA 17598, Bl. 4. Lohmann beispielsweise „ist mit Orient-Mission nicht einverstanden, es ist ihm zu großartig u[nd] das Emblem scheint ihm gefährlich werden zu können. Dietrich ist auch noch nicht dafür gewonnen.“ Margarethe an Lepsius vom 7. Juni 1896, LHA (ohne NC-Nummer). Eine ausformulierte Stellungnahme, wie mit dem Aufruf strategisch vorgegangen werden sollte, und inhaltliche Kritik an dem Text finden sich in einem Brief des langjährigen Freundes Lepsius’ Gerhard von Zezschwitz vom 13. Juli 1896, LHA 142.
DOM (1925), S. 131.
Armenien und Europa, S. 3.
Vgl. bspw. „Das Hauptwerk unserer Kundschaftsreise beruhte darauf, daß wir im Innern [der Türkei …] überall Menschen der verschiedensten Nationalitäten trafen und ausfragen konnten […] Eine Fülle von Dokumenten verdankte ich auch den amerikanischen Missionaren im Innern.“ DOM (1925), S. 133. In seinem Rundschreiben berichtet Lepsius über die gastfreundliche Aufnahme in den kilikischen Missionshäusern, wo er „reichlich Informationen über die auch in diesem Vilajet stattgefundenen Massacres einziehen“ konnte. COJL (1897), S. 8.
Lepsius, 30 Jahre Deutscher Orient-Mission, OLDOM (1925), S. 129. Vgl. Auch Lepsius, Herausgeber an die Freunde unserer Arbeit, COJL (1900), S. 3.
Evangelisches Allianzblatt vom 1. Juni 1896, S. 134. Laut einer Meldung dieses Blattes trug dieses Projekt noch den Namen Deutsche Orientmission vom Goldenen Kreuz. Vgl. Aufruf Deutsche Orientmission vom Goldenen Kreuz, in: Sammlung Hensholtshöhe Gunzenhausen SlgHh Dokumente 1–12, hier Dokument Nr. 6 Orient-Mission.
Ausführlich zur Missiologie bei Lepsius vgl. Baumann: Orient für Christus.
Lepsius, 30 Jahre Deutscher Orient-Mission, OLDOM (1925), S. 130.
Schäfer, Geschichte der DOM, S. 4f. Bei diesem Blaubuch handelt es sich um Turkey. No. 2 (1896). Correspondence relative to the Armenian Question and Reports from Her Majesty’s Consular Officers in Asiatic Turkey. Die Blaubücher sind eine Sammlung offizieller diplomatischer Depeschen samt Anhängen, die aus den osmanischen Provinzen nach Konstantinopel und dann nach London geschickt und dort veröffentlicht wurden. Dieser Band wurde im Februar 1896 herausgegeben.
Vgl. ChW (1896), Sp. 213. Vgl. auch AELKZ, S. 141. Hier handelt es sich um das Blaubuch, das die Untersuchungen der türkischen Regierung zu den Massakern in Sasun im Jahre 1894 dokumentiert und die Depeschen der verschiedenen Botschaften zusammenstellt: Turkey. No. 1 (1895). (Part I & II). Correspondence relating to the Asiatic Provinces of Turkey. Etwa zeitgleich mit der Christlichen Welt informiert die AELKZ ihre Leser über die Neuerscheinung des Blaubuchs Turkey. No. 2 (1896). Vgl. AELKZ, S. 214.
Lepsius an Margarethe vom 21. März 1896, in LHA 17592, Bl. 5.
Vgl. EAB (1896), S. 92. Im Zuge dieser Konferenz hielt Lepsius vom 15.–24. März 1896 einen „Zyklus von Evangelisationsvorträgen“, wie das EAB berichtet. Ebenda.
Vgl. Lepsius Brief an Margarethe vom 19. März 1896, LHA 17590, Bl. 2. Eberhard von Rothkirch war damals erster Präsident des „Christlichen Vereins junger Männer“ in Berlin, den er gemeinsam mit Pückler, Bernstorff und Philidius 1883 gegründet hat.
Vgl. Friedens-Halle (1896), S. 110. Diesen Aufruf hatte auch Lepsius mitunterzeichnet. Vgl. ebenda, S. 111. Ein Kurzbericht über diese Konferenz wurde an die Evangelische Allianz nach London geschickt, die darüber in ihrem Organ informierte. Die Konferenz hat Eugen Baumann einberufen; er hat ferner die Hauptrede gehalten, in der er die Notsituation der Armenier eingehend beschrieb. Vgl. Evangelical Christendom vom 1. April 1896, S. 106; Aufruf, in: Evangelisches Allianzblatt, 6. Jahrgang, No. 13, 1. April 1896, S. 104.
„Als wir vor etwa drei Wochen durch die Anfrage anfingen darüber nachzudenken […]“ Vgl. den Brief Margarethes an ihre Eltern vom 20. April 1896, LHA 17502, Bl. 3. Bezeichnend für die frömmige Orientierung des Ehepaars Lepsius ist die Einbeziehung Gottes in die Entscheidungsfindung: Es wurde „uns von Tag zu Tag klarer, daß es des Herrn Wille sei. Wir haben sehr viel darüber gebetet, und den Herrn angefleht, uns zu hindern, etwas gegen seinen Willen zu tun.“ Ebenda.
Friedens-Halle (1896), S. 135. Auch Feigel datiert die Entscheidung für die Armenienreise auf den April. Er führt diese auf den Kontakt zu Ernst Lohmann zurück. Vgl. Feigel, Evangelisches Deutschland, S. 72.
„Vorige Woche reiste nun Johannes nach Magdeburg zu einer Versammlung u[nd] dann nach Berlin“. Margarethe an ihre Eltern vom 20. April 1896, LHA 17502, Bl. 1f.
Margarethe an ihre Eltern vom 20. April 1896, LHA 17502, Bl. 4. Den notwendigen Urlaubsantrag verfasste Lepsius noch am 17. April von Friesdorf aus. Darin bat er um „einen fünfwöchentlichen Urlaub vom 20ten diesen Monats bis zum 23. Mai, zum Zweck einer Reise nach Constantinopel“. Sein Antrag wurde am 21. April bewilligt. Vgl. ebenda.
Vgl. Schäfer, Geschichte der DOM S. 5f. Laut der Friedens-Halle standen 9500 Mark zur Verfügung, wovon 5000 direkt für die Hilfsleistungen in Armenien vorgesehen waren und ein anderer Teil Lepsius’ Reisekosten abdecken sollte. Vgl. Friedens-Halle (1896), S. 135. Margarethe bestätigt die finanzielle Beteiligung des „Philadelphia-Vereins“, indem sie Dietrich aus Stuttgart als einen der Geldgeber nennt. Vgl. Margarethe an ihre Eltern vom 20. April 1896, LHA 17502, Bl. 2.
Lepsius, 30 Jahre Deutscher Orient-Mission, OLDOM (1925), S. 131. Greenfield selbst berichtet 30 Jahre später, Lepsius hätte ihn aufgefordert, ihn auf der Reise zu begleiten. Vgl. Greenfield, Johannes Lepsius zum Gedächtnis, S. 12. Zu James Greenfield vgl. Goltz/ Meissner, Thematisches Lexikon S. 192 und Meißner, Martin Rades „Christliche Welt“, S. 104. Zu Wilhelm Faber vgl. Goltz/Meissner, Thematisches Lexikon, S. 156–157.
Lepsius erhielt kurz zuvor 7000 Mark vom Vormundschaftsgericht seiner Mutter. Vgl. Margarethe an ihre Eltern vom 20. April 1896, LHA 17502, Bl. 2f.
„Von Konstantinopel, wohin wir in 68 Stunden ununterbrochener Fahrt von Berlin aus gelangten […]. COJL (1897), S. 6. Zur Reiseroute vgl. Margarethe an ihre Eltern vom 20. April 1896, LHA 17502, Bl. 4f. Lepsius und Greenfield wurden von Faber und LeSeur zum „Orient-Express“ begleitet. Vgl. LeSeur, Bilderbuch, S. 24.
Vgl. COJL (1897), S. 8.
Lepsius an Margarethe vom 28. April 1896, LHA (17756), Bl. 1. Auch in seinem Rundschreiben berichtet Lepsius von „lästigen Paßmaßregeln, welche […] den Lokalbehörden ermöglichen, nicht nur die Absichten der Reisenden beständig zu überwachen, sondern auch ihnen den Zutritt in gewisse Distrikte zu verweigern“. COJL (1897), S. 6.
Lepsius an Margarethe vom 28. April 1896, LHA (17756), Bl. 2.
Lepsius an Margarethe vom 28. April 1896, LHA (17756), Bl. 4. Bis dahin galt der Plan, „nachdem wir in Konstantinopel 3 Tage verloren haben, unsere Reise möglichst [zu] beschleunigen, sodass wir um Himmelfahrt [14. Mai 1896] in Adana resp. in Mersina zu sein hoffen, um dann direkt zu Schiff zurück zu kehren, sodass wir, wenn alles [glückt], noch zu Pfingsten [23.–25. Mai 1896] zurück sein könnten.“ Ebenda, Bl. 2.
Lepsius an Margarethe vom 2. Mai 1896, LHA 17757, Bl. 5.
Zagorsky stellte sich Lepsius als Italiener polnischer Abkunft vor, der an der Münchener Akademie studiert hat. „Er spricht deutsch und sämtliche übrige Sprachen der Welt so weit es für einen Weltbummler, der mit seinem photographischen Apparat, die alte und die neue Welt und den Orient […] durchritten und durchwandert hat, wünschenswert ist. […] Da der Kavalier Jose Zagorsky, wie er sich zu nennen für gut hält, außerdem noch Pferdekenner, Koch und Reisemarschall ist und dazu ein Mensch, der sich in allen Lagen zu helfen weiß, so fahren wir wirklich gut mit ihm.“ Lepsius an Margarethe vom 2. Mai 1896, LHA 17757, Bl. 2f. Über den italienischen Reisegefährten äußert sich Lepsius auch in seiner Rundreise. Hier stellt er ihn kurz als einen „junge[n] Italiener und weitgereiste[n] Maler vor. COJL (1897), S. 6.
Der US-amerikanische Missionar und Lehrer am „Missionary College“ in Tarsus Thomas D. Christie kümmerte sich um die Veräußerung der Pferde. Allerdings brachten sie aufgrund ihres schlechten Zustandes nicht mehr den ursprünglich investierten Geldbetrag ein. „Your horses were to injured, especially one, that after paying expences, we got only 1232 piasters.“ Christie an Lepsius, ohne Datum, LHA 2488.
Vgl. Lepsius an Margarethe vom 2. Mai 1896, Bl. 7.
Zum Datum der Abreise vgl. Lepsius an Margarethe vom 2. Mai 1896. Zur Reiseroute über Kırşehir und die Dauer des Ritts vgl. COJL (1897), S. 6
Vgl. Lepsius an Renate Lepsius vom 25. Mai 1896. Die aufgenommenen Kinder sollten „es gut haben und auch lesen und schreiben lernen und von unserem Heiland hören können. […] Ich will sie auch lehren Teppiche zu machen, damit sie sich etwas dazu verdienen können.“ Bl. 3. Lepsius datiert die Gründung des Waisenhauses auf den 12. Mai 1896. Vgl. Lepsius, 30 Jahre Deutscher Orient-Mission, OLDOM (1925), S. 133.
„Thirty-three girls were looked at and twelve accepted, the others being in large part to young to be taken into our schools.“ Nason an Lepsius vom 8. Juni 1896, LHA 122, Bl. 1. Eine Auflistung der Namen der ersten 14 Waisenmädchen und ihrem jeweiligen Schicksal gab Fowle Lepsius noch während seines Aufenthaltes in Talas mit. Vgl. Fowle an Lepsius vom 12. Mai 1896, LHA 106, Bl. 1f.
Vgl. Fowle an Lepsius vom 8. Juni 1896, LHA (122) Bl. 1. Anscheinend ließ Lepsius nicht den ganzen Geldbetrag für die Versorgung der Kinder in Talas, da eine restliche Summe später aus Adana nach Talas überwiesen worden ist: „According to the instructions I remitted 175 £T to Mr. Fowle, Caesarea.“ Mead an Lepsius vom 7. Juli 1896, LHA 107, Bl. 1.
Während Schäfer und Lepsius von der Aufnahme von 50 Waisenkindern sprechen, (vgl. Schäfer, S. 6.) berichtet Lepsius 30 Jahre später, dass die amerikanischen Missionare bereit waren, „40 Waisenkinder für uns aufzunehmen und von deutschem Gelde zu versorgen.“ Lepsius, 30 Jahre Deutscher Orient-Mission, OLDOM (1925), S. 133. Vermutlich ist in der letztgenannten Angabe ein Versehen aufgrund des zeitlichen Abstandes zustande gekommen.
Fowle an Lepsius vom 8. Juni 1896, LHA (122), Bl. 2f.
COJL (1897), S. 6.
„After your return home I hope you will speak and write freely but – without – revealing the sources of your information. You will understand my reason in giving this caution.“ Fowle an Lepsius vom 8. Juni 1896, LHA (122), Bl. 3.
„Wir konnten immerhin aus dem Munde von Türken und Christen uns über die furchtbaren Einzelheiten der Blutbäder unterrichten und fanden hier wie allerorts die Überzeugung bestätigt, daß nirgends etwas wie ein Aufstand oder auch nur Provokationen von Seiten der Armenier zum Überfall des Pöbels Anlaß gegeben, sondern daß ausschließlich den administrativen Maßregeln der türkischen Behörden der Ausbruch der Massacres zuzuschreiben ist.“ COJL (1897), S. 6.
Zu Zeitun als Etappenziel vgl. Lepsius an Margarethe vom 28. April 1896 LHA 17756. „Wir […] beabsichtigen, über Kaiseri-Zei[-tun]-Marash-Aintab nach Mersina zu gehen, wo das Geschäft am dringendsten ist, und unsere Ware den besten Absatz findet.“ Zum Verbot nach Osten zu gehen, vgl. COJL (1897), S. 6.
Lepsius spricht von einem starken Unwetter auf dem Weg von Kayseri nach Tarsus, das er auf den Himmelfahrtstag datiert. Vgl. COJL (1897), S. 7. Dieser Feiertag fällt auf den 14. Mai 1896.
Vgl. Lepsius an Margarethe vom 25. Mai 1896 LHA, ohne NC-Nummer.
COJL (1897), S. 7.
COJL (1897), S. 8.
Lepsius, 30 Jahre Deutscher Orient-Mission, OLDOM (1925), S. 133. Nach seiner Rückkehr berichtet Lepsius, in den drei kilikischen Städten „konnten wir reichlich Informationen über die auch in diesem Vilajet stattgefundenen Massacres einziehen.“ COJL (1897), S. 8.
Lepsius, 30 Jahre Deutscher Orient-Mission, OLDOM (1925), S. 133. Harris‘ Reiseroute ging von Iskenderun über Mardin zum Schwarzen Meer nach Samsun. Tarsus ist auf seiner Reiseroute nicht gekennzeichnet. Sollte Harris sich tatsächlich nicht in Tarsus aufgehalten haben, werden Lepsius und er vermutlich per Brief korrespondiert haben. Vgl. Harris, Letters from the Scenes. Wenn hier von Rendel Harris die Rede ist, sollte seine Frau Helen mitgedacht werden, da beide gemeinsam in der östlichen Türkei unterwegs waren und dort Seite an Seite gewirkt haben. Vgl. Goltz/Meissner, Thematisches Lexikon, S. 215.
Vgl. Goltz/Meissner: Thematisches Lexikon, S. 461. Die Missionarin muss eine starke Persönlichkeit gewesen sein: Als die Massaker in Urfa sechs Monate zuvor in vollem Gange waren und der Lynchmob hunderte von armenischen Häusern und Läden plünderte und diese bewaffnet angriff, war es dem beherzten Einsatz von Shattuck zu verdanken, dass allein das Anwesen um die protestantische Kirche herum vor Zerstörung verschont geblieben ist. Vgl. dazu Harris, Letters from the Scenes, S. 77.
Vgl. COJL (1897), S. 8. Circa drei Jahrzehnte später schreibt Lepsius, er habe sich in Tarsus zur Kontaktaufnahme mit Shattuck entschlossen und sei von Mersin aus schriftlich an sie herangetreten und habe ihr von hier aus das Geld für die Arbeit mit den Waisenkindern geschickt. Vgl. Lepsius, 30 Jahre Deutscher Orient-Mission, OLDOM (1925), S. 133.
COJL (1897), S. 8.
Vgl. Mead an Lepsius vom 7. Juli 1896, LHA (107), passim. Mead berichtet Lepsius, er habe 150 türkische Pfund an William W. Peet, den Schatzmeister des American Board in Konstantinopel, überwiesen, der wiederum diesen Betrag Shattuck zur Verfügung stellen werde. Da Shattuck im selben Brief die jährliche Versorgung eines Waisenkindes auf sechs türkische Pfund beziffert, könnten mit dem von Lepsius zurückgelassenen Betrag 25 Kinder versorgt werden. Vgl. ebenda. Ab Oktober konnten schließlich weitere 50 Kinder aufgenommen werden, wie aus einem Brief Shattucks an Harris vom 10. Oktober hervorgeht: „The last mail brought a long-expected letter from Dr. Lepsius. He authorizes our taking in fifty more orphan children immediately, making his number one hundred in all.“ Harris, Letters from the Scenes, S. 247.
Lepsius, 30 Jahre Deutscher Orient-Mission, OLDOM (1925), S. 133. In seinem Rundschreiben datiert Lepsius die Gründung des Lepsius-Home auf den 29. Juli 1896. Vgl. COJL (1897), S. 9.
COJL (1897), S. 8. Ob Greenfield Lepsius nach Jerusalem folgte ist nicht gesichert. Einen Hinweis darauf, dass jener die Rückreise nach Deutschland angetreten hat, liefert eine Bemerkung Margarethes in einem Brief an ihren Mann. Dort berichtet sie am 16. Juni – also als Lepsius noch im Zug nach Berlin saß – von einer Unterredung zwischen Faber und Greenfield, in der es um die Herstellung einer Publikation ging: „Greenfield hat ihnen [den Fabers] ja schon erzählt und er schreibt dann doch nur flugs ein Flugblatt, wenn er’s nicht schon gethan hat.“ Margarethe an Lepsius vom 16. Juni 1896, LHA (ohne NC-Nummer). Über die Rolle Greenfields auf der Reise liegen ohnehin kaum Informationen vor. Die einzige Stelle, an der Lepsius sich explizit über seinen Begleiter äußert, stammt aus Lepsius’ Mitteilung an Margarethe, wo er ihr über die Fahrt nach Eskişehir berichtet: „Mit m[einem] Reisebegleiter hatte ich heute Abend, nachdem es dunkel geworden, wieder ein zweistündiges Gespräch im Coupé. Der Herr helfe nur, ihn auf der Reise zur Erkenntniß der Wahrheit zu führen. Bete für ihn. Möchte er den Herrn so lieb gewinnen, wie er sein Volk liebt.“ Lepsius an Margarethe vom 28. April 1896, LHA 17756, Bl. 4.
Vgl. Lepsius an Margarethe vom 25. Mai 1896, LHA (17758), Bl. 4.
Vgl. Lepsius an Margarethe vom 29. Mai 1896, LHA (17596), Bl. 1. Lepsius’ Schwiegereltern hatten zwar auf seinen Besuch gehofft, waren schließlich aber doch überrascht ihn zu sehen, da das Telegramm aus Mersin, in dem er sich angekündigt hatte, nicht angekommen ist. Vgl. ebenda.
Lepsius an Margarethe vom 29. Mai 1896 (17596), Bl. 2. Möglicherweise tauschten sich Lepsius und Theodor Schneller auch darüber aus, wie die Arbeit mit Waisenkindern am besten zu organisieren sei, da letzterer noch im selben Jahr als Leiter des Syrischen Waisenhauses fungierte. Vgl. Goltz/Meissner, Thematisches Lexikon, S. 450.
Lepsius an Margarethe vom 29. Mai 1896 (17596), Bl. 1.
Lepsius an Margarethe vom 29. Mai 1896 (17596), Bl. 1.
COJL (1897), S. 8.
„Am Donnerstag [4. Juni] erwartete ich nun eine Depesche, die deine Ankunft in Stambul meldete, u[nd] als der Depeschenbote kam, habe ich ihn fast umarmt vor Freude. Der Schreck war daher groß, als da stand: „14 Stambul 18 Berlin.“ Es schien, als könnte ich diese unendliche Zeit von 16 Tagen gar nicht mehr überleben. […] und nun weiß ich, daß die Depesche auf dem Heimweg in Beirut aufgegeben war.“ Margarethe an Lepsius vom 7. Juni 1896, LHA (ohne NC-Nummer).
21. Juni 1896, PA AA, RZ 201 R 14430, Bl. 32–33.
Ebd., Bl. 33. In seinem Reisebericht spricht Lepsius davon, dass die deutsche Vertretung der Arbeit unter den notleidenden Armeniern gewiss den politischen Schutz gewähren würde, während sie darauf bestand, jede Berührung mit der „armenischen Frage“ peinlichst zu meiden. Vgl. COJL (1897), S. 8. Hinsichtlich dieser Nuancen können wir davon ausgehen, dass Lepsius in seiner gewohnt gewandten Art seine Wortwahl der Zielgruppe anpasste. Während es für die zu gewinnenden Freunde des Hilfswerkes wichtig war, ihre Unterstützung für aussichtsreich zu halten, ging es in der Konversation mit dem deutschen Botschafter darum, das Anliegen so zu verpacken, dass es diesem leichter verdaulich schien und ihn offen für eine Kooperation zu stimmen.
Ebenda.
Margarethe an Lepsius vom 16. Juni 1896, LHP (ohne NC-Nummer). Zum Treffen mit Pückler und Faber vgl. ebenda. Zu dem Termin mit Bernstorff vgl. Margarethe an Lepsius vom 7. Juni 1896, LHP (ohne NC-Nummer). Zum Aufenthalt Lepsius’ bei seinen Geschwistern vgl. Margarethe an Lepsius vom 22. Juni 1896, LHP (ohne NC-Nummer).
Bericht des Direktors betreffs der Neuwahl des Vorstandes der Deutschen Orient-Mission nebst Anlagen., LHA (16490), Bl. 2.
Vgl. Saupp: Das Deutsche Reich und die Armenische Frage, S. 33.
COJL (1900), S. 4.
COJL (1900), S. 4.
Vgl. zur Frömmigkeit Baumann: Der Orient für Christus und Ferderer: Bedürfnis nach Verständigung.
Kusch an Lepsius vom 1. September 1896, LHA (130), Bl. 1f. Ähnlich auf Gott vertrauend äußert sich der Pfarrer Eckart aus Mansfeld: „Es ist gut zu wissen, daß der, den wir um Rat und Hilfe anrufen, jede Thräne gezählt hat und das Elend völlig überschaut und daß unser Mitleiden nur ein Fünkchen ist gegen sein brennendes Herz. Was muß sein Herz im Blick auf dieses arme Volk bewegen, dessen Plagen durch die Schinderei der grausamen Menschen er an seinem eigenen Leib erfahren hat. Wie wird er eilen beizustehen denen, die sich dieses Volkes annehmen!“ Eckart an Lepsius vom 8. September 1896, LHA (3162), Bl. 1f.
Vgl. Margarethe an ihre Eltern vom 20. April 1896, LHA (17502), Bl. 3: „Als wir vor etwa drei Wochen durch die Anfrage anfingen darüber nachzudenken, wurde es uns von Tag zu Tag klarer, daß es des Herrn Wille sei. Wir haben sehr viel darüber gebetet und den Herrn angefleht, uns zu hindern, etwas gegen seinen Willen zu tun.“
Vgl. Lepsius, „Armenische Reise“, in: Sammlung Hensholtshöhe Gunzenhausen SlgHh Dokumente 1–12. Dort Dokument 6 Orient-Mission.
Vgl. dazu COJL (1897), S. 9; COJL (1900), S. 5; Schäfer: Geschichte der DOM, S. 9; Feigel: Das evangelische Deutschland und Armenien, S. 75; Hayruni: Lepsius und seine Mission, S. 29. In der Literatur wird immer wieder das Treffen vom 2. Juli mit einem zweiten am 28. August vermischt. Vgl. den Bericht des Direktors betreffs der Neuwahl des Vorstandes der Deutschen Orient-Mission nebst Anlagen., LHA (16490), Bl. 2. Vgl. auch Schäfer, Geschichte der DOM, S. 9. Vgl. ferner Baumann: Der Orient für Christus, S. 43. Zum zweiten Treffen des Hilfsbundes vgl. AELKZ (1896), Sp. 876; Der Reichsbote vom 1. September 1896, 1. Beilage zu Nr. 205, S. 4; Bei dem Gründungstreffen des Hilfsbundes war auch eine Schweizer Delegation vertreten. Vgl. dazu Mayer: Armenien und die Schweiz, S. 51.
Zur Geschichte des Hilfsbundes vgl. Schäfer: Geschichte der DOM, Hayruni: Lepsius und seine Mission und Martirosyan: Christliche Barmherzigkeit.
In dem Vorwort von Armenien und Europa spricht Lepsius von der Notwendigkeit, „jedem Mißtrauen zu begegnen“, das u.a. auf „die zur Krankhaftigkeit ausgeartete Anglophobie unserer Presse“ zurückzuführen sei. Vgl. Armenien und Europa, S. 3. Beispielhaft für Angriffe in der offiziösen Presse gegen die propagandistische Arbeit von Lepsius’ und des armenischen Hilfswerkes sind die Polemiken in der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung, der Köllnischen Zeitung oder der Post nach den ersten großen Veranstaltungen in der Berliner Tonhalle im September. Auch die publizistischen Auseinandersetzungen nach der Brandenburgischen Provinzialsynode im Oktober vermitteln einen authentischen Eindruck, wie hartnäckig die staatstragenden Akteure Lepsius und das armenische Hilfswerk zu desavouieren versuchten. Vgl. dazu Meißner: Martin Rades „Christliche Welt“, S. 74–77.
Lepsius in Die Post (1897), Nr. 35 vom 5. Februar 1897, 2. Beilage, S. 1.
Vgl. Asher & Co. an Lepsius vom 6. Juli 1896, LHA (150).
Die Broschüre von Charmetant trägt den Kurztitel Martyrologe Arménien. Carra de Vaux Les massacres d’Arménie: conférence faite au salon bibliographique, le 9 mars 1896, Paris.
Vgl. Asher & Co. an Lepsius vom 21. Juli 1896, LHA (784). Der Duke of Westminster war seinerzeit stellvertretender Vorsitzender des Londoner Hilfskomitees für Armenien und publizierte in der ersten Jahreshälfte Angaben über die Massaker an den Armeniern, die von offiziellen türkischen Beamten beglaubigt worden sind. Vgl. dazu AELKZ (1896), Sp. 382.
Kurz nach ihrem Erscheinen wurde die Armenia-Broschüre in der ChW (1896), Sp. 189 beworben.
Der vollständige Titel lautet: The Haunting Horror of Armenia or Who will be damned for This. Die Schrift ist 63 Seiten stark und wurde 1896 von William T. Stead in London herausgegeben.
MacColl, Malcolm: England’s Responsibility towards Armenia. London/New York 1895. Diese Schrift enthält auch einen Brief des Duke of Westminster. Zum Hinweis auf MacColl durch Lepsius vgl. Lepsius, Armenien und Europa, S. 4.
Vgl. Arslanian an Lepsius vom 24. Juli 1896, LHA (787). Bei den erwähnten Publikationen handelt es sich um Arslanian, Dicran: Das gesammte [sic] Recht des Grundeigenthums und das Erbrecht für alles Eigenthum in der Türkei. Wien 1894; ferner ders.: Le Vilayet d’Angora. Géographie, agriculture, industrie, commerce, finances, administration provinciale. Wien 1895.
Eine ausführliche Diskussion zur Verwendung der Quellen siehe das Kapitel „Die Bedeutung und Verwendung der Quellen in Armenien und Europa“ in diesem Band.
Schrecker an Lepsius vom 27. Juli 1896, LHA (450). Lepsius muss sein Anliegen einige Wochen vor dem 27. Juli vorgebracht haben, da Schrecker sich für seine späte Antwort entschuldigte. Vgl. ebenda.
Vgl. Goltz/Meissner, Thematisches Lexikon, S. 194–195.
Vgl. von Groeben an Lepsius vom 24. Juli 1896 LHA (651).
Schräder an Lepsius vom 24. Juni 1896, LHA (452). Der Vortrag war für den 7. Juli geplant. Letztendlich fand Lepsius’ Ansprache am 12. Juli statt. Vgl. Schräder an Lepsius vom 3. Juli 1896, LHA (483).
Siedersleben an Lepsius von 25. Juni 1896, LHA (457). Siedersleben scheint ein näherer Bekannter von Lepsius gewesen zu sein, da schon im April Kontakt zu seiner Ehefrau bestand. Damals erkundigte sie sich bei Margarethe, ob Lepsius in die Türkei aufgebrochen ist und somit nicht auf der Gnadauer Pfingstkonferenz teilnehmen würde. Vgl. Dora Siedersleben an Margarethe Lepsius vom 24. April 1896, LHA (ohne NC, MF 83).
Vgl. Siedersleben an Lepsius vom 17. Juli 1896, LHA (455).
Anfragen dieser Art hielten im weiteren Verlauf an, wie ein Brief des Olvenstedter Pfarrers Rieks bezeugt. Dieser bat Lepsius, er möge auf einem Missionsfest eine Ansprache halten. Vgl. Rieks an Lepsius vom 14. August 1896, LHA (467). Dieser Termin wurde auf den 30. August angesetzt. Es ist aber unwahrscheinlich, dass Lepsius diesen wahrnehmen konnte, da er am 28. August in Frankfurt/Main war und danach in Bad Blankenburg für die Konferenz der „Evangelischen Allianz“ eingeladen war. Vgl. dazu NN an Lepsius vom 24. August 1896, LHA (ohne NC, MF 83). Vgl. auch Weling an Lepsius vom 28. August 1896, LHA (369).
Friedrich Zeller an Margarethe Lepsius vom 16. August 1896, LHA (25), Bl. 2f.
Friedrich Zeller an Margarethe Lepsius vom 16. August 1896, LHA (25), Bl. 3.
Gegründet als Deutsche Wochenzeitung für Christentum und Volkstum, erschien das Blatt vom 1. Juli 1873 bis 1936 in Berlin, zumindest zeitweise auch als Tageszeitung mit bis zu zwei Ausgaben täglich, mit verschiedensten Beilagen. Sie hatte ein christlich-konservatives, scharf protestantisches Profil. Vgl. Bussiek: Der Reichsbote.
Müller an Lepsius vom 31. Juli 1896, LHA (482), Bl. 1f.
„Wir begeben uns daher zuerst auf den Boden der Thatsachen und werden in die quaestio juris erst eintreten, wenn unsere Leser in der Lage sind, sich über die quaestio facti ein Urteil zu bilden.“ Lepsius, Armenien und Europa, S. 6.
„Dem würde ich als 1. Artikelserie nach den Nummern Ihrer Capitel folgende vorschlagen: 1, 5, 9, 2, 3, 10. Als zweite dann das Übrige, etwa in dieser Reihenfolge: 8, 11, 4, 6, 7, 12, dies erst nach einer Pause, in der abgewartet wird, ob nicht schon die ersten Publikationen hingereicht haben, den Wandel in der öffentlichen Meinung und Diplomatie zu erzeugen, den Sie zu erreichen beabsichtigen.“ Müller an Lepsius vom 31. Juli 1896, LHA (482), Bl. 3f.
Zu Heinrich Engel vgl. Goltz/Meissner, Thematisches Lexikon, S. 149.
Müller an Lepsius vom 31. Juli 1896, LHA (482), Bl. 4. Zu der Einleitung Lepsius’ Artikelserie im Reichsboten vgl. Der Reichsbote vom 12. August 1896, Nr. 188. In einem späteren Brief kündigt Müller die Rückkehr Engels für den 12. August an. Vgl. Müller an Lepsius vom 7. August 1896, LHA (475).
Müller an Lepsius vom 31. Juli 1896, LHA (482), Bl. 4. Vermutlich handelt es sich hierbei um den ersten Teil der Artikelserie, da Müller eine Woche später Lepsius mitteilt: „[Engels] Rückkehr erfolgt am 12. d[ieses] Monats. Sie haben jetzt also Zeit, Ihre Aufsätze in Ruhe abzufassen.“ Müller an Lepsius vom 7. August 1896, LHA (475).
Vgl. Engel an Der Reichsbote vom 6. August 1896, LHA (480).
Die Ausgaben der Artikelserie in Der Reichsbote von 1896 sind: „Die Wahrheit über Armenien“, in: 1. Beilage Nr. 188 des Reichsboten, Berlin Mittwoch, 12. August 1896; „Die Wahrheit über Armenien. II. Etwas für starke Nerven“, in: 1. Beilage Nr. 191 des Reichsboten, Berlin Sonnabend, 15. August 1896; „Die Wahrheit über Armenien. III. Religionsfreiheit im türkischen Reich“, in: 2. Beilage Nr. 194 des Reichsboten, Berlin Mittwoch. 19. August 1896; „Die Wahrheit über Armenien. IV. Die Inszenierung der Massacres durch die Civil- und Militär-Behörden“, in: 1. Beilage Nr. 196 des Reichsboten, Berlin Freitag, 21. August 1896; „Die Wahrheit über Armenien. V. Die türkische Lügenfabrik“, in: 1. Beilage Nr. 197 des Reichsboten, Berlin Sonnabend, 22. August 1896; „Die Wahrheit über Armenien. VI. Wer ist der Schuldige?“, in: 1. Beilage Nr. 198 des Reichsboten, Berlin Sonntag, 23. August 1896; „Die Wahrheit über Armenien. VII. Die Verantwortlichkeit der Mächte“, in: Der Reichsbote Nr. 199, Berlin Dienstag, 25. August 1896; „Die Wahrheit über Armenien. VII. Die Verantwortlichkeit der Mächte (Schluss)“, in: Der Reichsbote Nr. 200, Berlin Mittwoch, 26. August 1896; „Die Wahrheit über Armenien. VIII. Satyrspiel“, in: 1. Beilage Nr. 201, Berlin Donnerstag, 27. August 1896; „Die Wahrheit über Armenien. IX. Hungersnot“, in: Beilage Der Reichsbote Nr. 202, Berlin Freitag, 28. August 1896; „Die Wahrheit über Armenien. IX. Hungersnot (Fortsetzung)“, in: 1. Beilage Nr. 203, Berlin Sonnabend, 29. August 1896; „Die Wahrheit über Armenien. IX. Hungersnot (Schluss)“, in: 2. Beilage Nr. 204, Berlin Sonnabend, 30. August 1896; „Die Wahrheit über Armenien. X. Was soll daraus werden?“, in: Der Reichsbote Nr. 205, Berlin Dienstag, 1. September 1896; „Die Wahrheit über Armenien. X. Was soll daraus werden? (Schluss)“, in: Der Reichsbote Nr. 207, Berlin Donnerstag, 3. September 1896.
Wilhelm Faber an Lepsius vom 25. Juli 1896, LHA (677), Bl. 3. Einige Wochen später drängte Rade Lepsius dazu, sich mit der Publikation seiner Broschüre zu beeilen.
Vgl. Frankfurter Zeitung vom 15. August 1896, „Die Metzeleien von Van.“, Nr. 226, Drittes Morgenblatt, S. 1. Der Autor berichtet darin u.a. von 20 Tausend ermordeten und 25 Tausend Armeniern, die zur Flucht gezwungen waren.
Vgl. bespielweise die Ausgaben der Neuen Preußischen Zeitung, des Berliner Tageblatt und der Frankfurter Zeitung vom 26.–30. August. Eine türkische Version der Besetzung der Ottoman Bank druckte die Frankfurter Zeitung am 30. August (Nr. 241, Zweites Morgenblatt, S. 2) ab.
Über den günstigen Zeitpunkt der Publikation seiner Artikelserie äußert sich Lepsius explizit und meint, „[es] war wohl entscheidend, daß die Reichsbotenartikel inzwischen erschienen waren. Sonst würde das revolutionäre Nachspiel der armenischen Massacres in Deutschland vollends die Sympathie für das armenische Volk ausgelöscht haben. Jetzt war die Wirkung eine entgegengesetzte“. Lepsius, COJL (1900), S. 5.
ChW 1896, Sp. 801. In derselben Ausgabe unter der Rubrik Verschiedenes unterrichtete die Zeitung ihre Leser sicherheitshalber nochmals über die Artikelserie: „Pfarrer Dr. Johannes Lepsius in Friesdorf bei Wippra, der erst vor wenigen Wochen aus Anatolien zurückgekehrt ist, die Vilajets Angora und Adana durchreist hat und besonders im Verkehr mit der türkischen Bevölkerung über Ursachen, Hergang und Wirkung der Massacres völlig uninteressierte Mitteilungen gewonnen hat, hat in der Nr. 188 angefangen, die Ereignisse seiner Reise im Reichsboten niederzulegen.“, Sp. 812.
Vgl. AELK, 1896, 29. Jahrgang, Sp. 815. Einige Wochen später resümierte dieselbe Zeitung, Lepsius’ Artikelserie habe „weithin Aufsehen erregt und das türkische Lügengewebe gründlich zerrissen. Kein vernünftiger Mensch glaubt mehr an die „Unschuld“ der Türken. Man weiß jetzt, wer in Armenien ‚angefangen‘ hat.“, Sp. 901.
Evangelical Christendom vom 1. September, S. 286.
Vgl. beispielweise die Frankfurter Zeitung vom 27. August 1896, Nr. 238, Abendblatt, S. 1: „Ein deutscher Gelehrter, Dr. Johannes Lepsius, hat sich die große Mühe genommen, die zerstreuten und unterdrückten Nachrichten über den wahren Verlauf der Dinge in Armenien zu sammeln, und er hat sich dadurch ein großes Verdienst erworben. Nach seiner Darstellung, die sich auf reichhaltiges Material stützt, ist es unzweifelhaft, daß die Metzeleien in Armenien, die hunderttausend wehrlosen Menschen das Leben kosteten und eine halbe Million dem Hungertode und dem Elende überlieferten, aus dem Palais des Sultans befohlen worden sind.“ Vgl. ferner die Frankfurter Zeitung vom 25. August 1896. Nr. 236, Erstes Morgenblatt, S. 1.
Margarethe an ihre Eltern vom 23. August 1896, LHA (17503). Es liegen auch einige persönliche Reaktionen des privaten Umfeldes von Lepsius auf die Publikation der Artikel vor. Sein Freund Ideler beispielweise staunte über die Dimension der geschilderten Verbrechen: „Ich habe jetzt deine Berichte im Reichsboten gelesen; es ist ja ganz furchtbar, so hatte ich mir die Sache nicht annähernd gedacht. Einliegend 300 Mark für Armenien“. Ideler an Lepsius vom 31. August 1896, LHA (614), Bl. 1f. Ein gewisser Kötzschke aus Sangerhausen lobte Lepsius’ Entscheidung in die Öffentlichkeit zu treten, beschwerte sich aber zugleich über das Format des Reichsboten: „Nun haben Sie sich doch noch zur Veröffentlichung entschlossen. Bravo! Freilich spät für die allgemeine Lage. Und der Reichsbote hat so gräßlichen Druck, daß man sich die Augen verdirbt. Freilich wäre der Weg der Vorträge unendlich viel wirksamer gewesen und wäre es noch. Dadurch wird öffentliche Meinung gemacht u[nd] kommt Geld zusammen. Ich würde dringend dazu raten.“ Kötzschke an Lepsius vom 18. August 1896, LHA (145).
Meißner widmet diesem Thema ein ganzes Unterkapitel und erarbeitet darin die zentralen Vorwürfe und Positionen. Vgl. Meißner, Martin Rades „Christliche Welt“ S. 112–126.
In den Quellen wie auch in der Sekundärliteratur werden für Armenien und Europa die Begriffe Buch und Broschüre synonym verwendet. Die Bezeichnung Broschüre für seine Schrift kategorisiert diese jedoch treffender, da seinerzeit dieses Format meist für religiöse oder politische Kampfschriften verwendet wurde, die nur von aktuellem Interesse waren.
AELKZ, 1896, Sp. 876. Bei dem Treffen wurde Lepsius zum Sekretär des Hilfsbundes ernannt. Über die Konferenz berichteten auch Der Reichsbote vom 1. September. 1896, 1. Beilage zu Nr. 205, S. 4 und die Chronik der ChW, Sp. 351 sowie die Friedens-Halle vom 10. Oktober 1896, S. 323. Darüber hinaus informierte auch die Neue Preußische Zeitung ihre Leser über dieses Treffen (5. September, Nr. 418, Abendausgabe, S. 2); ferner die Frankfurter Zeitung vom 29. August 1896, Nr. 240, Zweites Morgenblatt, 29. August, S. 2.
Rade an Lepsius vom 15. August 1896, LHA (1709). Hervorhebung im Original. Rade hatte spätestens einen Tag zuvor brieflichen Kontakt zu Lepsius aufgenommen. Dem ist ein längerer Brief Lepsius’ an Rade vorausgegangen. In seiner Antwort darauf bat ihn Rade, ein „großes Stück daraus abzudrucken, wenn Sie wünschen ohne Nennung Ihres Namens. Aber Sie kämpfen ja schon im R[eichs]b[oten] mit offenem Visier. Soll ich nichts abdrucken, bitte ich telegraphisches Nein.“ Rade an Lepsius vom 14. August 1896, LHA (5).
Rade an Lepsius vom 20. August 1896, LHA (4). Das machte Rade nochmals am Schluss dieses Schreibens klar, als es um die geplante Veranstaltung in der Berliner Tonhalle am 9. September ging: „Protestversammlung in Berlin? Wer wird kommen? Pastoren und Professoren. Die Politiker werden ausbleiben. Fahren wir fort in der Presse öff[en]tl[ich] Mein[un]g zu machen.“ Ebenda.
Rade an Lepsius vom 25. August 1896, LHA (3).
Isbister an Lepsius vom 20. August 1896, LHA (795). Dillon war ein ausgezeichneter Experte auf dem Gebiet. Er berichtete als Reporter für den Daily Telegraph von 1887–1914 und aus dem Osmanischen Reich über die Massaker an den Armeniern.
Zu Zeller vgl. Goltz/Meissner: Thematisches Lexikon, S. 547–548.
Margarethe an ihre Eltern vom 23. August 1896, LHA (17503), Bl. 3.
Margarethe an ihre Eltern vom 23. August 1896, LHA (17503), Bl. 3.
Faber an Lepsius vom 24. August 1896, LHA (680). Faber machte darüber hinaus noch detaillierte Vorschläge zur Anordnung des Titels auf dem Buchcover. Ansonsten gab er sich mit der Formgestaltung sehr zufrieden: „Titel und Kapitelüberschriften sind vortrefflich.“ Ebenda.
Faber an Lepsius vom 24. August 1896, LHA (680).
Vgl. Goltz: Das Dreieck Schweiz-Deutschland-Armenien, S. 165.
Margarethe an ihre Eltern vom 21. September 1896, LHA 17504, Bl. 1.
Margarethe an ihre Eltern vom 21. September 1896, LHA 17504, Bl. 1. Das Auswärtige Amt verzeichnet den Erhalt seiner Publikation urkundlich am 30. September: „Das anliegende Buch: Lepsius, Armenien und Europa, ist ohne Anschreiben hier eingegangen.“ Der Vermerk stammt vom „Central-Bureau“. Vgl. PA AA, RZ 201 5, R 14433, Bl. 264.
AELKZ, 1896, Sp. 876.
ChW, 1896, Sp. 911.
Allgemeine Missions-Zeitschrift, S. 583. Laut dem Autor der Rezension konfrontierte Armenien und Europa zwei Sachverhalte: „eine Fülle von Schandthaten, wie sie in der Weltgeschichte kein Analogon finden, und […] eine Fälschung der öffentlichen Meinung, die darauf hinarbeitet, für die Mörder Partei zu ergreifen.“ Ebenda, S. 583f.
Vgl. Friedens-Halle vom 12. September, S. 296 und vom 3. Oktober 1896, S. 320.
Vgl. Schäfer, Persönliche Erinnerungen, S. 7.
So der Titel einer sehr kritischen Besprechung in der Kölnischen Zeitung vom 21. September 1896.
Zitiert nach ChW 10, 1896, Sp. 1030.
Armenien., in: Der Sonntagsfreund, 27. Sept. 1896, 12. Jg., Nr. 39, S. 311.
Schreckenstage in Armenien, in: Kirchlicher Anzeiger der evangelischen Gemeinde zu Köln, Nr. 45, 8.11.1896, S. 499–503.
Zeller: Armenien und Europa, in: Allgemeine Konservative Monatsschrift für das christliche Deutschland, Jg. 53, Juli–Dezember 1896, S. 1026–1029.
Ebenda, S. 1029.
Die Christenverfolgungen in Armenien, in: Evangelische Kirchen-Zeitung für Oesterreich. Verantwortlicher Herausgeber: Lic. theol. Arthur Schmidt, evang. Pfarrer in Bielitz, XIII. Jg., Nr. 23., 1.12.1896, S. 353–356.
Ebenda, S. 355.
Saruchan: Dr. Lepsius. – Armenien und Europa. Eine Anklageschrift, Berlin 1896, in: Mschak, Nr. 93, 12.8.1897, S. 1–2.
Vgl. Lepsius: L’Arménie et L’Europe. Un acte d’accusation contre les grandes puissances chrétiennes. Lausanne 1896, S. 8. Im Vorwort von L’Arménie et L’Europe teilen die Übersetzer den Lesern mit: „Ce livre est sorti de presse en septembre dernier.“ A.a.O., S. 7. Diese Angabe kann sinnvoll nur dahin gehend gedeutet werden, dass die französische Ausgabe erst nach September erschienen ist, da es sonst heißen müsste, die französische Edition sei im selben Monat veröffentlicht, sollte sie gleichzeitig publiziert worden sein.
Vgl. Mayer: Armenien und die Schweiz, S. 42.
Während eine Version den Untertitel Un acte d’accusation contre les grandes puissances chrétiennes enthält, fehlt dieser in der anderen. Vgl. Meißner: Martin Rades „Christliche Welt“, S. 107, Anm. 450.
Vgl. Margarethe an Lepsius vom 17. September 1896, LHA (17760), Bl. 2.
Vgl. Margarethe an Lepsius vom 24. September 1896, LHA (17751), Bl. 1f.
„The translation of your little book has been accomplished under my supervision, and that of my friend A. W. Richardson, of Westfield College.“, in: J. Lepsius, PH D. Edited by Rendel Harris, M. A.: Armenia and Europe. An Indictment. London 1897, S. xi.
Vgl. Armenia and Europe. Das Vorwort, das als ein an Lepsius gerichteter Brief verfasst wurde, ist auf den 22. Dezember 1896 datiert.
Lucy Masterman an Margarethe vom 21. November 1896, LHA (ohne NC, MF 72).
Armenia and Europe, S. VII.
Armenia and Europe, S. XI.
II. Allgemeiner deutscher Pfarrvereinstag, in: Der Reichsbote, zweite Beilage zur Nr. 24, 11.9.1896, S. 9, Licht und Leben 1896 S. 360. Der Beobachter. Ein Volksblatt aus Schwaben, Nr. 214, 12.9.1896, S. 2.
Vgl. Die armenischen Gräuel, in: Berliner Tageblatt Nr. 461, 10.9.1896, S. 3.
Eine große Kundgebung gegen die Greuel in Armenien, in: Der Reichsbote, zweite Beilage zur Nr. 24, S. 11; Die armenischen Gräuel, in: Berliner Tageblatt Nr. 461, 10.9.1896, S. 3.
Die 49. Hauptversammlung des Evangelischen Vereins der Gustav-Adolf-Stiftung., in: Hamburgischer Correspondent, Abendausgabe, Nr. 660, 18.9.1896, S. 3. Neue Westfälische Volkszeitung Nr. 229, 24.9.1896 S. 3.
Ararat, Nr. 9. 1896, S. 403.
Protestversammlung gegen die Greuel in Armenien, in: Der Reichsbote, zweite Beilage zu Nr. 222, 20. 9.1896 S. 9–10.
Eine neue große Kundgebung, in: Der Reichsbote, Nr. 226, 25.91896, S. 3.
Der Wächter Bielefelder Zeitung, Nr. 225, 24.9.1896 S. 2–3.; Neue Westfälische Volks=Zeitung, Nr. 223, 22. 9. 1896, S. 3.; Neue Westfälische Volks=Zeitung, Erstes Blatt Nr. 228, 27. 9. 1896, S. 2.
Die Agitation zur Gunsten der armenischen Christen, in: Der Wächter Bielefelder Zeitung Nr. 225, 24.9.1896 S. 2–3.
Neue Westfälische Volks-Zeitung, Nr. 227, 26.9.1896, S. 2.
Einladung, in: Westdeutsche Zeitung, Nr. 222, 18.9.1896, S. 4.; Westdeutsche Zeitung, Nr. 226, 26.9.1896, S. 3.; Rhein= und Ruhrzeitung. Zugleich Kreisblatt für den Stadtkreis Duisburg und für den Kreis Mülheim a.d. Ruhr. Nr. 227, 26.9.1896, S. 2.; Langenberger Zeitung. Volksblatt für den Kreis Mettmann, Erstes Blatt, Nr. 114, 25.9.1896, S. 2.; Dorf=Chronik für Grafschafter. Anzeigeblatt für den Kreis Moers und Niederrhein, Nr. 76, 22.9.1896, S. 3.
Annener Zeitung. Anzeigeblatt für Annen, Ardey, Wullen, Rüdinghausen, Stockum Düren, Solingen, Persebeck, Langendreer, Kley, Oespel, Eichlinghofen, Kirchhörde, Bittermark, Schnee u. Umgegend. Nr. 30, 3.10.1896, S. 7.
Evangelische Bund vgl. Armin Müller-Dreier: https://evangelischer-bund.de/der-evangelische-bund/geschichte/1883-1918/2/. Und: „Grundsätze des evangelischen Bundes“, in: Evangelische Orientierung Nr. 3, 2024, Beilagenheft S. 1–7. Johannes Lepsius war auf der Versammlung anwesend, hielt aber keinen Vortrag. Vgl. Münchener Neueste Nachrichten Nr. 460, 3. Oktober 1896, S. 2 und „Neunte General-Versammlung des Evangelischen Bundes zur Wahrung der deutschen-protestantischen Interessen“ in 2. Beilage zur Nr. 235 des Reichsboten, Berlin, Dienstag, den 6. Oktober 1896, S. 9–10.
Meißner, Martin Rades „Christliche Welt“, S. 53–55; 122–123. Vgl. auch Akten des Internationalen Dr. Johannes- Lepsius-Symposiums, S. 164–173.
Karlsruher Zeitung, Mittagsblatt, Nr. 462, 3.10.1896, S. 2.; Durlacher Wochenblatt Nr. 118, 6.10.1896 S. 1.; Evangelisches Kirchen= und Volksblatt. Sonntagsblatt für Baden Nr. 39., 27.9.1896, S. .307.
Badische Presse, Nr. 300, 23.12.1896, S. 2.
Aufruf zur Unterstützung der notleidenden armenischen Christen. in: Die Kirche. Evangelisch-protestantisches Sonntagsblatt. Nr. 47, 15. 11.1896 S. 374.; Karlsruher Tagblatt, Zweites Blatt, Nr. 324, 21.11.1896, S. 5721.; Beilage zu Der Landbote, Sinsheim, Nr. 126 24.10.1896, S. 1.; Karlsruher Tagblatt, Zweites Blatt, Nr. 324, 21. 11.1896, S. 5721–5722.
Gedenket Armeniens!: in: Hamburger Correspondent, No. 704, Dienstag 6. Oktober 1896, S. 8.; Zweite Beilage zum Hamburger Fremden=Blatt Nr. 236, Mittwoch den 7. Oktober 1896, S. 11.
Eine öffentliche Versammlung zu Gunsten der armenischen Bewegung, in: Hamburger Correspondent, Morgen=Ausgabe, No. 709, Donnerstag 8. Oktober 1896, S. 10.
Dr. Lepsius und die armenische Frage: in: Zweite Beilage zum Hamburger Fremden=Blatt Nr. 238, Freitag den 9. Oktober 1896, S. 10.
Westfälische Zeitung, Nr. 239, 10.10.1896, S. 2.; Neue Westfälische Zeitung, Nr. 245, 17.10.1896, S. 2.
Zweites Blatt des Hannoverscher Couriers, Nr. 20388, 27. 10.1896, S. 5. und Hannoverischen Sonntagsblatt 1896, S. 392.
Anzeiger mit Programm, in: Beiblatt zur Nr. 504 der Saale Zeitung 26.10.1896, S. 4; General=Anzeiger für Halle Nr. 253, 27.10.1896, S. 8.; Abend Ausgabe 1. Beiblatt zu Nr. 512 der Saale Zeitung 30.10.1896, S. 1.; General=Anzeiger für Halle und Saalkreis, Nr. 257, 31.10.1896, S. 2–3.
Westdeutsche Zeitung Nr. 252, 26.10.1896, S. 3.; Bonner Zeitung Nr. 258, 30. Oktober 1896, S. 4.; Sehr ausführlicher Bericht über den Vortrag, in: Bonner Zeitung Nr. 260, 1. November 1896, S. 2.
Lippische Tages=Zeitung, Nr. 147, 21.10.1896, S. 2–3.
Lemgoer Gemeindeblatt Nr. 45, 8. November 1896, S. 360; Lutherisches Sonntagsblatt für Lippe und Schaumburg-Lippe Nr. 46. 17.Jg. Lemgo 15. November 1896, S. 368.
An unsere treuen Gemeinde!, in: Lemgoer Gemeindeblatt, Nr. 39, 27.9.1896, S. 312.
Lippische Landes=Zeitung, Nr. 253, 27.10.1896, S. 2. Lepsius hält am Sonntag den 1. November um halb Vier in der Marienkirche in Lemgo einen Vortrag. Lippische Landes=Zeitung, Nr. 256, 30.10.1896, S. 4. Lippische Landes=Zeitung, Nr. 258, 2.11.1896, S. 3; Lippische Landes=Zeitung, Nr. 286, 5.12.1896, S. 4.
Volksstimme. Sozialdemokratisches Organ für Magdeburg und Umgegend 1. Beilage zur Volkstimme Nr. 274, 22.11.1896, S. 5.
Volksstimme. Sozialdemokratisches Organ für Magdeburg und Umgegend 1. Beilage zur Volkstimme Nr. 274, 22.11.1896, S. 5.
Schwäbischer Merkur. Mit Schwäbischer Kronik und Handelszeitung, zweite Abteilung, Mittagsblatt, Nr. 276, 24.11.1896, S. 2367.; Schwäbischer Merkur. Mit Schwäbischer Kronik und Handelszeitung, zweite Abteilung, Mittagsblatt, Nr. 279, 26.11.1896, S. 2385; Schwäbischer Merkur. Mit Schwäbischer Kronik und Handelszeitung, zweite Abteilung, Nr. 282, 1.12.1896, S. 2423; Neues Tageblatt, Nr. 276, 24.11.1896, S. 2.; Der Gesellschafter Nagold, Nr. 147, 25. 11. 1896, S. 2. Nürtinger Tagblatt Nr. 277, 26.11.1896 S. 1.
Mehl: Reich-Gottes-Arbeit, S. 178.
Korrespondenzblatt evang. luth. Geistlichen in Bayern 3.12.1896, S. 404.; Noch einmal Armenien in: Nürnberger Evangelisches Gemeindeblatt. Unter Mitwirkung der Geistlichen Nürnbergs herausgegeben von Gymnasialprofessor Bachmann, 4. Jg. Nr. 11. 3. Advents=Sonntag. 13. Dezember 1896, S. 83–85. Aufruf für Armenien, in: Nürnberger Evangelisches Gemeindeblatt. Unter Mitwirkung der Geistlichen Nürnbergs herausgegeben von Gymnasialprofessor Bachmann, 4. Jg. Nr. 4. 25.10.1896 S. 29.
Aufruf für Armenien, in: Nürnberger Evangelisches Gemeindeblatt. Unter Mitwirkung der Geistlichen Nürnbergs herausgegeben von Gymnasialprofessor Bachmann, 4. Jg. Nr. 4., 25.10.1896, S. 29.
Neustädter Anzeigeblatt. Blätter für den Aischgrund und Steigerwald Nr. 237, 1.12.1896, S. 3.; Nr. 243, 10.12.1896, S. 3.; Nr. 245, 13.12.1896, S. 2.
Münchener Neueste Nachrichten Nr. 563, 3. Dezember 1896 S. 3.; Pastor Dr. Lepsius über die armenische Frage, Münchener Neueste Nachrichten Nr. 577, 11.12.1896 Morgenblatt Nr. 577 S. 3; Norddeutsche Allgemeine Zeitung Morgen Ausgabe Nr. 569, 4.12.1896, S. 2.
Vgl. AELKZ, Sp. 876; Chronik ChW (1896), Sp. 351; Hayruni: Lepsius und seine Mission, S. 29; Baumann: Der Orient für Christus, S. 43. Irrtümlicherweise schreiben Hayruni und Baumann an dieser Stelle, Lepsius sei zum Sekretär des Berliner Komitees ernannt worden, anstatt der überregionalen Organisation.
Vgl. v.a. die Korrespondenz zwischen Margarethe und Lepsius aus dem Monat September. Darüber hinaus enthielten viele Zuschriften Unterschriften von Personen, manchmal gar von Personengruppen, die ihren Namen als Unterstützer des „Hilfsbundes“ zur Verfügung stellten. Vgl. dazu beispielsweise LHA 148, 151, 179, 181, 184, 186, 17759.
Margarethe an ihre Eltern vom 21. September 1896, LHA (17504), Bl. 2.
Dazu ist es jedoch aufgrund des Einspruchs von Margarethe nicht gekommen: „Eigentlich möchte ich doch keinen Sekretär hier haben. Nur jemanden fürs Pfarramt.“ Margarethe an Lepsius vom 15. September 1896, LHA (17759), Bl. 1. Der erste Beleg für die Idee, Lepsius einen Sekretär zur Seite zu stellen, ist auf den 16. August zu datieren. Damals schrieb Friedrich Zeller an seine Schwester: „Auf diese Sache muß Joh[annes] seine Energie daher concentrieren, dann kann er mit seinem Secretär die Arbeit auch gut bewältigen.“ Friedrich Zeller an Margarethe vom 16. August 1896, LHA (25), Bl. 3f. Mit „diese[r] Sache“ ist die Organisation der Arbeit des DOM-Komitees gemeint.
Vgl. Chronik ChW vom 3. September 1896, Sp. 351. Auch Der Reichsbote machte diese – eigentlich interne – Information publik: In Frankfurt sei beschlossen worden, „mit allen Mitteln dahin zu wirken, daß die direkt zugehenden Nachrichten in weitesten Kreisen bekannt gemacht werden. Um dies ins Werk setzen zu können, wurde Herr Dr. Lepsius gebeten, sich ganz dieser Arbeit als Schriftführer des Hilfsbundes zu widmen. Derselbe erklärte sich bereit dazu und wird in Schrift und Wort für dieses Liebeswerk werben.“ Der Reichsbote vom 1. September 1896, Nr. 205, 1. Beilage, S. 4.
Kusch an Lepsius vom 1. September 1896, LHA (130), Bl. 1. Kusch lehnte das Vorhaben ab, da er meinte, „daß dadurch die Lage möglicherweise verschlimmert werden könnte.“ Stattdessen empfahl er, „die Sache ganz dem Herrn anvertrauen“ zu wollen. Ebenda.
Anfang September meldete sich ein gewisser Haupt auf Empfehlung des Pastors Lüdecke: „Wie ich vom Herrn Pastor Lüdecke erfahren habe, nehmen Sie zum Zweck der Wahrnehmung der Geschäfte der Orientmission einen längeren Urlaub, währenddessen Ihr Pfarramt in Friesdorf durch einen geeigneten Vertreter verwaltet wird. Da mein Vikariat hierselbst am 1. Oktober d. J. abläuft, so möchte ich Sie bitten, mich beim Consistorium für die Zeit Ihres Urlaubs als Verwalter Ihres Pfarramts in Vorschlag zu bringen. Ich würde Ihnen dafür sehr zu Dank verpflichtet sein und das Pfarramt ganz nach Ihren persönlichen Wünschen und Intentionen verwalten.“ Haupt an Lepsius vom 3. September 1896, LHA, (3161), Bl. 1f.
Margarethe an Lepsius vom 17. September 1896, LHA (17760), Bl. 3. An dieser Stelle scheint Margarethe sehr besorgt über die Abwesenheit ihres Mannes zu sein: „Lieber Johannes, du kommst doch ganz gewiß am Samstag heim, ja? Und bitte fahre mit dem Frühzug, damit du Briefe erledigen kannst und bei der Gebetsstunde bist. Bitte komm gewiß zum Sonntag, ich weiß mir sonst nicht zu helfen.“ Ebenda, Bl. 2f. Aufgrund der vielen Anfragen, die Lepsius hinsichtlich eines Vortrags gestellt wurden, drängte Margarethe darauf, zuerst die Situation in der Gemeinde zu ordnen: „Willst du nicht Ende Oktober [die] Rheingegendreise machen, damit erst hier Ordnung in die Verhältnisse kommt?“ Margarethe an Lepsius vom 15. September 1896, LHA (17759), Bl. 4 und 1.
Rep. A (Konsistorium der Kirchenprovinz Sachsen (seit 1816)), Spec. P, Ältere Personalakten, L 237.
Vgl. Rep. A Spec. P, Ältere Personalakten, L 237.
Ebenda.
Ebd.
Ebd.
Margarethe an Lepsius vom 7. Oktober 1896 LHA 17575.