Nach dem Ersten Weltkrieg, so die Ausgangsthese des vorliegenden Sammelbandes, formiert sich in den wissenschaftlichen, ökonomischen und medialen Diskursen und Praktiken im Zeichen der Leistung eine Doppelstrategie der wechselweisen Materialisierung und Spiritualisierung von körperlichen und seelisch-geistigen Funktionen und Prozessen. Die Beiträge untersuchen, wie diese Doppelstrategie in der Literatur der Zwischenkriegszeit thematisiert, performiert und reflektiert wird.
Anders als die bis in die aktuellen Forschungen vertretenen Thesen, welche die seit der Aufklärung immer wieder aufblühenden (neo-)religiösen und esoterischen Spiritualismen und Okkultismen als Gegenreaktion zur Aufklärung und zum damit verbundenen Rationalismus betrachten, wird hier von einer simultanen Regie der Effizienzsteigerung und Auratisierung von Körper und Geist ausgegangen. Durch die kreative methodische Neubewertung von Benjamins Aura-Begriff, die den Begriff der Effizienz als darin bereits dialektisch angelegt betrachtet, wird die Herausbildung der neuen Körper-Geist-Ontologie nach dem Ersten Weltkrieg mit einer diskurshistorisch fundierten Erkenntnispoetik beobachtbar. Die methodische Innovation verdankt sich ebenso der besonderen Perspektiven, welche die ausgewählten literarischen Werke von beispielsweise Emmy Hennings, Maurice Sandoz, Bruno Goetz und Meinrad Inglin für die Forschungsarbeiten eröffnen: Die Mehrzahl der Beiträge befasst sich mit Texten, die sich der „kleinen Literatur“ zurechnen lassen. Unter diesem Begriff haben Gilles Deleuze und Félix Guattari ein Bündel von Merkmalen und Verfahren versammelt, aufgrund derer sich Texte der ästhetischen und ökonomischen ‚Verwertung‘, Majorisierung und Kanonisierung entziehen.1 Mit einem Beitrag zu Romanen der Neugeist-Literatur wird aber auch umgekehrt die Suche nach Vermarktungsmöglichkeiten auratischer Denkwelten mitbedacht und analysiert. Gemeinsam ist den unterschiedlichen Beiträgen jedoch immer die Akzentuierung verschiedener Aspekte des Verhältnisses von Aura und Effizienz. So können nebst Werken von kanonischen Autor:innen auch bislang wenig erforschte literarische Texte in einem kulturwissenschaftlich bedeutenden und aktuellen methodischen Fokus beleuchtet und in diesem Band vereint behandelt werden.
Diskursiver Zugang
Das moderne Zeitalter wird traditionell vor dem Hintergrund der Aufklärung mit Rationalisierungsbestrebungen in Verbindung gebracht. Ganz im Sinne einer Kompensation für die moderne „transzendentale Obdachlosigkeit“2 wird der gleichzeitige Aufstieg okkultistischer und spiritualistischer Denkwelten und Praktiken bis ins 20. Jahrhundert von der Forschung weitestgehend als Gegenreaktion zur Aufklärung und dem damit verbundenen Rationalismus erklärt.3 Ein solcher Zugang blendet jedoch die spezifische Dialektik von spiritualistischen Strömungen und Rationalismus aus, die sich zwischen dem Ende des 19. Jahrhunderts und dem Zweiten Weltkrieg herausbildet. Im Zuge des Ersten Weltkriegs, der einerseits einen tiefen Bruch auf der Ebene des politischen und sozialen Kollektivs, andererseits aber auch einen starken Schub an technologischer und ökonomischer Innovation (Medien, Maschinen, Fabrikation, Verkehr, Wissenschaft) bewirkt hat,4 verschränken sich die okkultistisch-spiritualistischen Strömungen zu effizienztreibenden Symbiosen mit der modernen Technisierung und Normierung von Produktionsprozessen. Im Gegensatz zur Geschichtsschreibung widmet die Literatur der 1920er- und 1930er-Jahre der Produktivität dieser zum Teil offenkundigen, aber vor allem aus den diskursiven Zwischenschichten und Zwischenräumen heraus sich entfaltenden Wechselwirkungen von Materialismus und Spiritualismus weitaus größere Aufmerksamkeit, indem sie diese mit divergierenden Verfahren in poetischer Distanz zum Zeitdiskurs erprobt, erkenntniskritisch durchdringt und produktiv nutzt.5
Die Moderne um 1900 ist maßgeblich durch die Hervorrufung und Nutzbarmachung neuartiger Optimierungs- und Normierungsdiskurse und -praktiken geprägt.6 Sie bilden eine entscheidende Kraft für die rasante Weiterentwicklung und Institutionalisierung der wissenschaftlich-experimentellen Physiopsychologie, das heißt der Erforschung von Interaktion und Kommunikation zwischen Körper und Geist.7 Dabei wird eine Neuordnung und -bewertung der Grundkategorien des Lebens – von Körper, Geist und Seele – vollzogen. In diesem Kontext erkennt Philipp Sarasin in dem Satz „ich habe einen Körper“ die bezeichnende Erneuerung im Umgang mit dem Körper – das Subjekt besitzt einen Körper, für den es, in einem unternehmerischen Verhältnis zu sich selbst stehend, Verantwortung zu tragen hat.8 In dieser Subjekt-Objekt-Hierarchie sieht sich der Körper verschiedenen Ausdifferenzierungsprozessen ausgesetzt und es zeichnet sich die zunehmende Tendenz einer „Rationalisierung des Körpers“ – die Herausbildung eines Leistungskörpers – ab.9 Der mit der Technisierung von Arbeitsprozessen einhergehende Leistungskörper kann als paradigmatisch für die modernen Neuordnungen der traditionellen Körper-Geist-Dichotomien gelesen werden.10 Synchron dazu entfaltet sich eine Leistungsmentalität, denn sowohl der lebendige und tätige Körper als auch der Geist werden nachhaltig auf Effizienz getrimmt. Das sich stets erneuernde moderne „Macht-Wissen“11 erhebt den ‚effizienten Menschen‘ zum Richtwert für die wechselnden Grenzziehungen zwischen Norm, Devianz und Ideal. Zugleich geht diese moderne Rationalisierung von Körper und Geist mit einer neuen kultisch-rituellen und technisch-medialen Überhöhung derselben einher, aus der die modernen Effizienzvisionen ihre Wirkkraft schöpfen. Die neue Welle von (para-)religiösen, mystischen, esoterischen und okkulten Transzendierungen des körperlichen Lebens, die in einem ganzen Spektrum von Konversionen, Messianismen und Spiritismen aufblühen,12 kann man als Auratisierung bezeichnen. Die simultane Regie, in der die verschiedenen Diskurse und Praktiken der Materialisierung und Spiritualisierung von Körper und Geist teils separat verlaufen, sich teils überkreuzen, einander durchdringen und sich wieder trennen, wird im vorliegenden Band aufgegriffen und mit dem Begriffspaar von Aura und Effizienz analytisch abgetastet.
Zur Begrifflichkeit von Aura und Effizienz
Walter Benjamins Begriff der Aura ist in der Forschung der 1980er- und 1990er-Jahre hauptsächlich in Bezug auf die Definitionsdefizite, seine religiös-esoterischen Relikte oder dann im Zusammenhang mit den neuen Medien diskutiert worden.13 Nach einer Latenzzeit, in der sein analytisches Potenzial an anderen Konzepten wie Stimmung oder Atmosphäre erprobt worden ist, sind in etwas jüngerer Zeit der Begriff der Aura und seine aktive Derivation der Auratisierung als entsprechende diskursive, technische, mediale Praktik in verschiedenen Kulturbereichen und Epochen diskutiert worden.14
Dass sich Benjamins Begriff der Aura in seinem Aufsatz „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ (1936/1939) ganz elementar mit dem Begriff der Leistung verknüpft findet, ist bislang wenig beachtet und noch kaum begrifflich und argumentativ herausgearbeitet worden.15 Die vielfältige technisch-ästhetische Herstellung des „Gleichgewicht[s] zwischen dem Menschen und der Apparatur“16 verbindet Benjamin in der Analyse der Filmtechnik, welche die Zersetzung der Aura exemplifiziert, direkt mit der ökonomisch-industriellen Technisierung und Rationalisierung der Arbeit und anderer Lebensbereiche im Zeichen der Leistung: Die filmischen Techniken der Segmentierung und Isolierung von Momenten und Abläufen verwandle die Darstellung des Schauspielers in eine „Testleistung“. Im Unterschied zur „sportlichen Leistung“ handle es sich um einen „mechanisierten Test“, wie der „Arbeitsprozeß, besonders seit er durch das laufende Band normiert wurde, täglich unzählige Prüfungen“ hervorbringt.17 Benjamin diagnostiziert hier wie auch in seinen Studien über Baudelaire und im Passagen-Werk den Modernisierungsschub um 1900, den die Sozial- und Kulturwissenschaften von Max Weber und Norbert Elias in Kategorien des Psychischen und Mentalen fassen, als eine technisierte und medialisierte ‚Arbeit am Körper‘, die das Sensorium und die gesamte Physis durchdringt.
Indem Benjamin neben Ansätzen der ästhetischen Kritik, der experimentellen Physiologie oder der Psychoanalyse stets die marxistische Perspektive mitdenkt, gelingt es ihm, die neue Medientechnologie und -ästhetik direkt mit der leistungsoptimierenden Technisierung der Arbeitsprozesse und generell der Lebensprozesse zusammen zu sehen, die insbesondere von Frederick Winslow Taylor, Henry Ford und Frank Bunker Gilbreth entworfen und schon vor dem Ersten Weltkrieg, vor allem aber danach in den Fabrikbetrieben implementiert wurden.18 Der Film, der einerseits die Rationalisierung der Arbeitsabläufe ermöglicht, bringt andererseits die technischen Apparaturen wieder zum Verschwinden, befreit den Menschen aus der „Kerkerwelt“ der Arbeits- und Existenzverhältnisse.19 Mit der Ausstellung der „Testleistung“ nimmt der Filmdarsteller für die Arbeiter „Revanche“, „indem seine Menschlichkeit […] der Apparatur gegenüber sich behauptet“, so dass jeder, der Leistung erbringt, den „Anspruch“ hat, „gefilmt zu werden“20 und auf diese Weise am „Starkultus“ teilzuhaben.21 Benjamin schreibt den technischen Bildmedien damit das Vermögen und die Funktion zu, eine Art sekundäre Aura, eine „Pseudo-Aura“, zu erzeugen,22 eine Aura der Ausstellung, welche die zerstörte Kult-Aura ersetzt und die Apparatur der Leistung überstrahlt und damit die Leistung, die im Arbeitsprozess als Maßnahme der Selektion und der Optimierung im Zeichen der Effizienz wirkt, als begehrenswert erscheinen zu lassen. Die Analysen der neuen auratischen Effekte beschränken sich jedoch nicht auf die technisch-mediale Umrüstung der Ästhetik (im umfassenden Sinn der Wahrnehmungs- und Empfindungsweise) der Kunst, des Alltags und der Arbeitswelt, sondern sind immer schon auf die politische Dimension ausgerichtet, die das Vorwort und das Nachwort (zur Kritik der faschistischen Ästhetisierung der Politik und zur kommunistischen Antwort der Politisierung der Kunst) ausbuchstabieren.23
Aura und Effizienz sind bei Benjamin mithin als dialektische Begriffe angelegt, die geeignet sind, die skizzierte Regie der Spiritualisierung und Materialisierung aus dem Zeitdiskurs heraus methodisch zu konturieren und zu analysieren. Dass der Aura-Begriff auch für Benjamin ein kritischer Arbeitsbegriff ist, der verschiedene, teils widersprüchlich erscheinende Aspekte der Wirkung und Wahrnehmung von Kunst und Technik zu fassen versucht, erlaubt den Beiträgen in diesem Band, eine kreative methodische Handhabung zu betreiben und entlang der literarischen Texte bislang weniger beachtete Aspekte des Aura-Begriffs zu entfalten, ohne diesen dabei ins Zentrum rücken und die vielfältige Forschungsdiskussion mittragen zu müssen.
Eine analytische Verbindung von Benjamins ‚Aura‘ mit den modernen Leistungsdiskursen wurde noch nicht in die kultur- und literaturwissenschaftliche Forschung hineingetragen. Zwar gibt es vereinzelte Studien, die sich dem Verhältnis von Literatur und Arbeit bzw. Leistung zuwenden, die auratisierenden Dimensionen bleiben in diesem Kontext aber weitgehend unberücksichtigt.24 Auf eine intensivere Forschungsphase zum Aura-Begriff in den 1980er- und 1990er-Jahren25 und eine nachfolgende Latenzzeit hat der Sammelband Aura und Auratisierung mit mediologischen Perspektiven erst 2014 endlich die Auratisierung als ein Ensemble von diskursiven Praktiken in verschiedenen Kulturbereichen und Epochen in den Fokus der Forschung gerückt.26 Eine systematische Aufarbeitung des in den Schriften von Benjamin angelegten dialektischen Verhältnisses zwischen Natur- und Geisteswissenschaft findet sich in dem 2017 erschienenen Band Aura und Experiment. Naturwissenschaft und Technik bei Walter Benjamin.27 Eine weitere Grundlage für die Thesen des vorliegenden Bandes bildet die thematisch nahe, aber medienwissenschaftlich basierte und keinen Bezug zur Literatur und Benjamins Begriff der Aura aufweisende Studie von Florian Hoof, Engel der Effizienz. Eine Mediengeschichte der Unternehmensberatung (2015), welche die Geschichte der Beraterbranche nachzeichnet und als eigenes „Sinnsystem“ zu begreifen sucht.28 Die fundierte Monographie von Bernd Stiegler, Der montierte Mensch. Eine Figur der Moderne (2016), liefert wichtige Erkenntnisse zur technisch-medialen Durchdringung von Körper, Psyche und Ästhetik im 20. Jahrhundert.29
Die Beiträge
Bereits anlässlich der im Juni 2021 online durchgeführten Tagung „Aura und Effizienz. Leistungsorientierte Materialisierung und Spiritualisierung in literarischen Texten von 1900 bis 1939“ haben die Vorträge das hier skizzierte diskurshistorische und methodische Spannungsfeld von Aura und Effizienz vielfältig entwickelt. Die überarbeiteten Beiträge haben die Bezüge im gewünschten Sinn der internen Korrespondenzen noch einmal erweitert und zugleich verdichtet. Sie lassen sich thematisch in drei Gruppen einteilen: I. Technologie, Medialität, Genialität, II. Materialität und Praktiken, III. Mystik und Magie. Es versteht sich, dass die Zuordnung nach dem Schwerpunkt erfolgt, so dass die einzelnen Beiträge der einen auch in die thematischen Gebiete der anderen Abteilungen hineinreichen können.
I. Technologie, Medialität, Genialität
Das Stichwort der Genialität in Kombination mit den anderen beiden zeigt an, inwiefern Innovationen, die vor allem auf materiell-ökonomische Leistungssteigerung ausgerichtet erscheinen, nicht erst mittelbar Aura-Effekte zeitigen, sondern ihre Entdeckung und Entstehung mit solchen Phänomenen in unmittelbaren wechselseitigen Produktionsbeziehungen stehen. Dies konkretisiert Magnus Wieland in seinem Beitrag „Aura und Antenne“ mit einer Diskursanalyse der Entdeckung der Wireless-Technologie zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Existenz physikalisch messbarer, aber unsichtbarer Ausstrahlungen schien okkulte Aura-Theorien auf wissenschaftlicher Basis zu bestätigen. Selbst führende Wissenschaftler waren in spiritistischen Denkmustern verhaftet, wie auch in Schriftsteller- und Künstlerkreisen menschliche Receiver-Phantasien virulent waren. Exemplarisch am Roman Lesabèndio (1913) von Paul Scheerbart lässt sich nicht nur die Genese einer solchen ‚Antennenexistenz‘ nachvollziehen, sondern auch der Paradigmenwechsel von der alten, numinosen zu einer technologisch neuen, radialen Aura, was Wieland abschließend mit Benjamin als dialektischen Umschlag reflektiert.
Beobachten läßt sich die Dialektik von Materialität und Spiritualität auch in der Intermedialität von Dichtung und Bildkunst, wie Alena Heinritz anhand von „Text-Bild-Kompositionen der Avantgarde“ zeigt. Sie untersucht zunächst die gemeinsame Arbeit von Blaise Cendrars (Text) und Sonia Delaunay (Bild) an La Prose du Transsibérien et de la petite Jehanne de France (1913). Statt um den Anspruch, Industrie, Bewegung und Leistung poetisch darzustellen, geht es hier um den Versuch, das „‚Prinzip der Industrie‘“ (Hans R. Jauß) zu übernehmen. Sodann steht die kollektive Arbeit aus dem Kreis des tschechischen Poetismus des Schriftstellers Jindřich Štyrský und der Künstlerin Toyen (eigentlich Marie Čermínová) im Fokus der Analyse. Mit ihren abstrakten Farbgedichten des Artifizialismus gingen sie 1927 eine symbiotische Werkbeziehung ein. Im intermedialen Bemühen um die Darstellung von Gefühlen offenbart sich die Schnittstelle zwischen (spiritueller) Transzendenz und Körperlichkeit als Pendelbewegung zwischen beiden Bereichen, welche die binären Kategorien zu verwischen sucht.
In seinem Beitrag „Der Geist der Technokratie“ führt Yashar Mohagheghi Siegfried Kracauers Kritik der Industrialisierung der Kunst (an die Benjamin in Bezug auf den Film, aber auch konkreter auf die Neue Sachlichkeit und den Dadaismus anschließt) und seine Massensoziologie in der Analyse des Weimarer Films zusammen. Kracauer sieht die Vergnügungskultur von einer Auratisierung geprägt, welche die inhaltliche Leere mit scheinbarer Bedeutung auflädt, um so die manifesten gesellschaftlichen Gehalte zu verdrängen und die Entpolitisierung der quasi-proletarisierten Angestelltenschicht zu befördern. Dabei zeigt Kracauer auf, wie die Kulturindustrie von den Rationalisierungstendenzen der Ökonomie bestimmt wird: Die Transposition der Leistungsideologie vom Betrieb auf den Sektor der Kultur schlägt sich in einer ausgeprägten Technisierung, gar ‚Taylorisierung‘ der Künste nieder. Deren Segmentierung und Testierbarkeit nähern sich den betrieblichen Eignungsprüfungen an, die mit den Leistungsansprüchen der Wirtschaft Auftrieb erfahren. Die technokratische Organisation der Künste und Kulturinstitutionen stabilisiere dabei den Verblendungszusammenhang und lasse an die Stelle der Aura des Kunstwerks eine mit leerem Glanz aufgeladene Fassadenkultur treten. Das gilt insbesondere für den Film, dem Suggestionskraft schon durch seine spezifische Technologie eignet. Am Beispiel der Filme Dr. Mabuse, der Spieler (1922) und Das Cabinet des Dr. Caligari (1920) demonstriert Yashar Mohagheghi mit Kracauer, dass die Beliebtheit spiritistischer Stoffe im Weimarer Film einer massenpsychologischen Disposition zur Manipulation und zum Führerkult entspringt. Das Spiritistisch-Okkulte erscheint hier nicht als einfach reaktive Bewegung, sondern findet sich bereits dialektisch angelegt in der (gesellschaftlichen) Technisierung und Rationalisierung, die, zur Mythologie geronnen, in ersatzreligiöse Gläubigkeit umschlagen. Die besondere Beliebtheit von spiritistischen Motiven im Film ist daher in dessen – mit anderen Kunstpraktiken durchaus homologer – Technologie begründet, wobei die indizierte Apotheose des Technokratischen fatalistisch als geschichtlich unabwendbare, übernatürliche Macht betrachtet wird.
Wie die Künstler:innen in ihrem schöpferischen Selbstverständnis mit dem Einzug technischer Messbarkeit von Leistungen in ihr Gebiet umgehen, untersucht Martin Andersson unter dem Titel „Umschlag der Leistung. Das Ende des Genies in der Moderne“ vergleichend bei Rainer Maria Rilke, Robert Musil und Walter Benjamin. Eigentlich ein Begriff aus einer auratischen Tradition, erscheint das Genie ihnen wie selbstverständlich im Paradigma der Leistung, womit es plötzlich der Höchstleistung in anderen Feldern menschlicher Tätigkeit oder auch von Tieren gleichgeordnet erscheint. So wird die Idee des Genies in neuer Weise fragwürdig. Die drei Autoren, jeweils durch eine literarische Halbgeneration getrennt, finden verschiedene Antworten, die jedoch alle die Leistungsfrage als Angelpunkt haben. Gemeinsam ist ihnen die gewisse Last einer auratischen Tradition, die aber durch die überraschende Konfrontation mit der gleichmäßigen Leere des Leistungsprinzips eine neue, produktive Wendung erhält. Für Rilke bildet nicht das Genie das Maximum des Künstlers, sondern seine Wandlung zum Arbeiter, der sein Werk als Ding realisiert und nicht als Ausfluss seiner Persönlichkeit. Bei Musil besteht eine pessimistische Festlegung auf das Werk trotz seiner relativen Entwertung. Anders bei Benjamin: Der Filmstar, der die Testleistung erbringt, enthält (potenziell) das Bild wahrer Arbeit, in der das auratische Genie überwunden wird.
II. Materialitäten und Praktiken
In der zweiten Gruppe von Beiträgen stehen weniger die neuen Technologien und ihre (neo-)auratischen Effekte im Vordergrund, sondern die weniger spektakulären Materialitäten und Praktiken, die gleichsam dazwischen wirksam sind und die Produktion von Subjekten, Objekten und Affekten regulieren.
Wie radikal-kritisch und zugleich poetisch-produktiv Literatur die sozialen, ökonomischen und politischen Diskurse und Praktiken in Bezug auf Aura und Effizienz zu inszenieren und reflektieren vermag, zeigt – neben Lorella Bosco und Nicola Behrmann, deren Beiträge ebenfalls Emmy Hennings gewidmet sind – Jael Bollag in ihrem Beitrag „Gepriesen und preisgegeben“ zu Emmy Hennings’ Roman Das Brandmal (1920). Sie verfolgt die These, dass Das Brandmal eine poetische Ethik der preislosen Gabe entwickelt, welche die äußerlich forcierten und auf Steigerung der Produktivität abzielenden Subjektivierungsprozesse in ein Erlösungsnarrativ des Selbst transformiert. Hierbei lässt sich der Begriff der ‚Preisgabe‘ – als Engführung der ökonomischen (Preis) und theologischen (Gabe) Ordnung – nicht einfach als fiktionalisiertes Ethos, sondern auch als einschlägig für Hennings’ Praxis des Schreibens fortdenken. Vor dem Hintergrund der um 1900 rasant anwachsenden Leistungsdiskurse wendet sich die Ich-Erzählstimme in Hennings’ Roman vom protestantisch geprägten Glücksstreben ihrer Zeit ab, um sich stattdessen einer vom Körper aus agierenden und vom katholischen Mystizismus inspirierten Erfahrung des Leides und der Erniedrigung zu verschreiben. Das literarische Experiment einer Entwirrung der Dispositive und Effekte, die auf das Subjekt einwirken und es formen, die Trennung von Preis und Gabe, von ökonomischer und theologischer Ordnung zugunsten einer Auratisierung des Selbst scheitert jedoch und mündet stattdessen in der Darstellung einer unlöslichen Verflechtung von Materialisierung und Spiritualisierung im Zuge biopolitischer Subjektivierungsprozesse.
Durchaus in Richtung einer ökonomischen Leistungsaffirmation verhandelt die ‚Neugeist-Literatur‘ die Dialektik von Spiritualismen und rationalisierten Erfolgstechniken, wie Wim Peeters und Stephanie Wollmann in ihrem Beitrag darlegen. Zwar weist die Neugeist-Bewegung materialismuskritische Tendenzen auf, lehnt weltlichen Erfolg jedoch nicht ab; sie versucht vielmehr, moderne Leistungsoptimierungstechniken mit dem spiritualistischen Heilsdenken in Einklang zu bringen. Neugeistiger Erfolg kann sich dabei ausschließlich im stark inkorporierenden institutionellen Rahmen der Bewegung effizient einstellen. Im neugeistigen Denken haben Leib, Geist und Seele in gleicher Weise Anteil an der leistungsfähigen ‚Körpermaschine‘. Populäre Romane verschiedener esoterischer Strömungen, welche die Neugeist-Bewegung in eklektizistischer Weise unter sich zu vereinen versucht, wie G. W. Suryas Moderne Rosenkreuzer oder: Die Renaissance der Geheimwissenschaften. Ein okkult-wissenschaftlicher Roman (1914) oder Bruno Willes Der Maschinenmensch und seine Erlösung (1930), werden im Medienverbund der Neugeist-Bewegung als Erregungsmedien zur „Vernichtung blindmaterialistischer Irrlehren“ (siehe S. 102) eingebunden. Die titeltragende Figur von Bruno Willes Roman Adyar (1930) wird, entsprechend der Neugeist-Lehre, als „geistig geleiteter Anleiter“ und als lichtumstrahltes auratisches Wesen dargestellt, das die Anhänger:innen lehrt, einer „inneren Führung“ zu folgen (siehe S. 107). Neugeistige Literatur fungiert also auch als Vehikel, die Aufmerksamkeit für ‚weise‘ Persönlichkeiten zu schärfen, die als transgressive Gestalten die Möglichkeit verkörpern, die alltägliche Affektwelt übersteigen zu können.
Der Beitrag von Hubert Thüring beobachtet die Dialektik von Aura und Effizienz anhand des Verhältnisses von „Literatur und Arbeit in der Merkwelt der Moderne“. Er konstelliert eine diskursanalytische Begegnung zwischen Walter Benjamins materialistischer Diagnose der technisch-medialen und der antimodernistisch-naturverbunden Kritik des Innerschweizer Autors Meinrad Inglin unter dem Aspekt der Arbeit. Die genealogische Perspektive unternimmt zunächst eine kritische Revision von Benjamins marxistischem Begriff von Arbeit: Benjamin betrachtet ‚Arbeit‘ – jenseits der differenzierten Diagnose der neuen technisch-medialen Bedingungen – fast ausschließlich unter dem Aspekt der ökonomisierbaren, mit der Lebenskraft koextensiv gedachten Arbeitskraft und verdeckt damit die verschiedenen Tätigkeiten oder Tätigkeitstypen. Diese zu erfassen gelingt indes mit Hannah Arendts in der Kultur- und Literaturwissenschaft wenig beachteten Unterscheidung von Arbeiten, Herstellen und Handeln und der bekannteren Unterscheidung von vita activa und vita contemplativa. Diese Differenzierungen kommen in der Analyse von Inglins Roman Grand Hotel Excelsior (1928) zum Zug. Im modernen Alpenhotel lassen sich die Modi der vita contemplativa in Form des Luxuskonsums der Gäste oder des ‚arbeitsverweigernden‘ Protagonisten als Dandy-Philosoph und die aktiven Tätigkeiten der Angestellten (Küche, Service, Zimmer, Portier etc.) oder des Unternehmers mikrokosmisch beobachten. Der Text bietet zwar detailreiche und diverse Schilderungen der Tätigkeiten, übergeht oder verdrängt dagegen die technisch-materiellen und sozialökonomischen Bedingungen der Arbeit im Mikrokosmos des Hotels weitgehend im Gegenbild einer auratisierten Naturlandschaft.
Die Transformation literarischer Praktiken im engeren Sinn fokussiert Cristina Fossaluzza in ihrem Beitrag „Allegorie des Lebens und Darstellung der Gewalt“ am Beispiel des Dramas Glaube, Liebe, Hoffnung. Ein kleiner Totentanz in fünf Bildern (1933), das unter Ödön von Horváths Stücken dieser Jahre eine besondere Stellung einnimmt. Hier verbindet sich die Erprobung einer neuen dramatischen Form, die als Modernisierung des alten Volksstücks gedacht ist, mit spezifischen Themen im Spannungsfeld von Leistung und Religiosität. Benjamins einige Jahre später besonders mit Bezug auf die neue Kunst des Films angestellte Reflexionen konkretisieren sich auch in der schildernden, epischen Dramaturgie von Horváths Stück, wie Fossaluzza zunächst darlegt. Anhand der im Totentanz sehr präsenten religiösen Thematik, die sich in den drei theologischen Tugenden allegorisch verdichtet, zeigt sie im zweiten Teil auf, wie sich Form und Inhalt zu einem kritischen Ansatz verbinden, mit dem Horváth die wachsende Gewalt dieser Jahre analytisch sichtbar macht und reflektiert.
III. Mystik und Magie
Die dritte Gruppe von Beiträgen akzentuiert die direkt auf mystisches Erleben und magische Wirkung angelegten spirituellen Praktiken. Sie kommunizieren mit den materiellen Technologien der Effizienz, auch wenn sie sich explizit davon abwenden oder als Antidot verkaufen, aber dennoch eine kritisch-subversive Kraft entfalten können.
Nicola Behrmann erschließt unter dem Doppelaspekt von „Spielraum und Bildsprung“ Emmy Hennings’ bislang kaum beachteten Reisebericht Der Gang zur Liebe. Ein Buch von Städten, Kirchen und Heiligen (1926). Sie fragt, wie sich dieser schwärmerisch religiöse Text, der zugleich von einer eigentümlich virtuosen Erzähltechnik getragen wird, in das mitunter von politisch-sozialen Fragestellungen durchzogene Werk der Autorin einordnen lässt. Die Analyse zeigt, wie ausgerechnet in diesem vermeintlich unzeitgemäßen Buch einer Reise zu ‚Gott‘ durch das narrative Verfahren eines ‚mystischen‘ Sehens ein Handlungsspielraum geschaffen wird, der über denjenigen der früheren Texte hinausreicht. Der Gang zur Liebe vollführt nicht einfach einen autobiographischen Gang nach innen, sondern zunächst einen Gang vor die Bilder, aus dem sich eine – durchaus in einem psychoanalytischen Sinn – Annäherung an eine Deckerinnerung entspinnt. Dabei erweist sich die Technik der auratischen Betrachtung als zentral für das mystische Erleben: Bildsprung und Deckerinnerung sind die narrativen Psychotechniken der Mystik, ohne welche die Aura des Heiligen nicht erfahrbar wäre, so argumentiert Behrmann. Deshalb wird die Aura in der Reproduktion nicht etwa zunichte gemacht, sondern im Umgang damit anverwandelt und integriert.
Im dritten und letzten Beitrag zu Emmy Hennings untersucht Lorella Bosco die auratische Wirkung, welche die Verschränkung von asketischen ‚Technologien des Selbst‘ (Michel Foucault) mit der autobiographischen Schreibpraxis erzeugt, anhand des Motivs der Vera Icon in Das Brandmal (1920) und Blume und Flamme (1938). Zunächst beschreibt sie die Verfahren der schmerzhaften Einschreibung von Erlebnisseen und Ereignissen in der Motivik von Brandmal, Stigma, Wundenschrift aus Feuer und Licht in der Beziehung mit der fotografischen Bilderzeugung. In der Perspektive dieser Verfahren kann sie sodann aufzeigen, wie das Motiv der Vera Icon sich in der Dialektik von Geist und Technik, Materialität und Medialität, Wunder und Schwindel, aktivem Subjekt und passivem Objekt, Zeigen und Verbergen zu einem paradoxen Schlüsselbegriff der Poetologie verdichtet. Schließlich reflektiert sie die Eigentümlichkeit des Gegenstandes und der Wirkung der Vera Icon zum einen bildtheoretisch und im praktischen Kontext von Castans Panoptikum, zum anderen in Bezug auf den Status der Autorin und der Protagonistinnen im Text.
Das Verhältnis von Materialismus und Magie, Technik und Wunder, Aufklärung und Betrug in Walter Benjamins Erzählung „Rastelli erzählt“ (1935) ist Thema von Mareike Schildmanns Beitrag „Taschenspielertricks. Profanierung und Psychotechnik der Magie“. In einem kursorischen Gang durch die verschiedenen Interpretationsangebote, die in Benjamins Text angelegt sind, lotet Schildmann die zeitgenössische Faszination für das Magische im Spannungsfeld von Okkultismus und Artistik aus und beleuchtet deren weltanschauliche, philosophische und poetologische Implikationen. Die Zauberei als kleiner Bruder der spektakulären schwarzen Magie, so die mit Siegfried Kracauer formulierte These, erweist sich dabei weniger antiquiert als vielmehr ihrer Zeit voraus. Indem sie Übung und Suggestion in das Zentrum ihrer Technik stellt, wird sie zur Chiffre moderner Arbeits- und Lebensformen und macht den Weg frei für die Profanierung magischen Wissens in neuen Disziplinen wie der Psychotechnik und Kriminalpsychologie. Diese erklärte Modernität der Zauberei hat auch poetologische Konsequenzen: Während Benjamin noch an einem Konzept von Magie als Funktion poetischer Sprache festhält, wird die Entmystifizierung der Magie im Zaubertrick Anfang des 20. Jahrhunderts zentral für das poetologische Selbstverständnis einer Avantgarde, die künstlerisches Gestalten und Schreiben vor allem als Artistik und (technischen) Effekt begreift.
Anhand der Texte der beiden wenig bekannten Schweizer Autoren Gilbert Clavel und Maurice Sandoz untersucht Simone Sumpf das Zusammenwirken von okkulten und rationalen Motiven und Erklärungsstrukturen. Bei beiden Autoren handelt es sich um dandyhafte Außenseiter, die sich für ein Leben außerhalb der Schweiz entschieden haben, um ihre Existenz nach ihren eigenen Vorlieben und Interessen gestalten zu können. Gilbert Clavel, der auch als kunst- und philosophieinteressierter Mäzen wirkte, bewegte sich u. a. im Kreis der Futuristen, was sich in seiner Erzählung Un istituto di suicidi (1918) deutlich artikuliert. Maurice Sandoz seinerseits publizierte von den 1920er- bis 1950er-Jahren – neben einzelnen Romanen, Theaterstücken, Gedichtbänden und Reiseberichten – mehrere Bände mit Novellen und Erzählungen, die dem Bereich des Phantastischen zugeschrieben werden können. Während sich Sandoz’ Erzählungen dezidiert um Authentizität und Faktizität bemühen, um den Kontrast zum Irrationalen deutlich zu machen, versetzt Clavels Un istituto di suicidi die Lesenden sofort in die düstere futuristische Welt einer staatlichen Institution, die ihren Kunden drei Arten des Todes anbietet. Im Gegensatz zu Sandoz’ Texten, die jeweils explizit rationale, aber dennoch verblüffende Erklärungen liefern, findet Clavels Text keinerlei Auflösung für seine groteske dystopische Welt. Die Texte beider Autoren weisen, wie die Analyse zeigt, eine je eigene innere Logik und moderne Narrativik auf. Gerade in der Zusammenschau der beiden unterschiedlichen Erzählweisen zeigt sich, dass und wie Rationalismus und Okkultismus nicht nur in einem dialektischen Bedingungsverhältnis zueinander stehen, sondern unmittelbare Produktionsbeziehungen unterhalten.
Dies gilt auch und in einer besonderen, nämlich auch politisch relevanten Weise für das Werk des bis heute wenig beachteten deutsch-baltischen Autors Bruno Goetz. Die Analyse von Katharina Wolf in ihrem Beitrag über „Charisma und Leistungsdenken“ operiert mit der These, dass gerade die Literatur von weniger kanonisierten Autoren wie Bruno Goetz eigentümliche, für die Epoche aber typische Pendelbewegungen zwischen rationalistischem Effizienzstreben und okkultisch-auratischen Denkwelten besonders feinsinnig einfängt, inszeniert und auch selbst erzeugt. Anhand des Erstlingsromans Das Reich ohne Raum. Eine Chronik wunderlicher Begebenheiten (1919) legt Wolf dar, wie diese Phänomenalität zu einer spezifischen „Poetik des Pendelns“ (siehe S. 257) verdichtet wird. Mit einem Querschnitt durch die alchemistische Romanarchitektur und den eigenwilligen Lebensentwurf des charismatischen Netzwerkers Goetz kommt ein eklektizistisches Leistungsideal zum Vorschein, dessen Emanationen womöglich nicht nur Hermann Hesses Steppenwolf (1927) oder Friedrich Glausers Matto regiert (1936) erreichte, sondern wie ein genealogischer Knotenpunkt gegenwärtigen esoterischen Denkens anmutet.
Dank
Die Tagung und der daraus hervorgegangene Sammelband entstanden im Rahmen des vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) geförderten Forschungsprojekts „Aura und Effizienz. Leistungsorientierte Materialisierung und Spiritualisierung in der Literatur der 1920–30er-Jahre“. Die Tagung konnte wegen der Coronapandemie mit einem Jahr Verspätung im Juni 2021, zwar nur online, aber mit viel Erkenntnis und Vergnügen durchgeführt werden. Wir danken zuvorderst den Teilnehmer:innen der Tagung für die Vorträge, die Diskussionen und die aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse überarbeiteten Beiträge zum Band. Für die Unterstützung bei der Redaktion der Texte danken wir Anna-Lia Käslin-Tanduo und Thomas Studer. Für die institutionelle Unterstützung danken wir dem Deutschen Seminar der Universität Basel und für die finanzielle Förderung des Projekts und der Publikation neben dem SNF dem Forschungsfonds Nachwuchsforschende der Universität Basel und der Freiwilligen Akademischen Gesellschaft Basel (FAG).
Vgl. Gilles Deleuze / Félix Guattari, Kafka. Für eine kleine Literatur (1975), aus dem Französischen von Burkhart Kroeber, Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1976, S. 24–39.
Georg Lukács, Die Theorie des Romans. Ein geschichtsphilosophischer Versuch über die Formen großer Epik (1920), Darmstadt: Luchterhand, 1981, S. 32.
Vgl. James Webb, Das Zeitalter des Irrationalen. Politik, Kultur und Okkultismus im 20. Jahrhundert, aus dem Amerikanischen von Michael Siefener, Wiesbaden: Marixverlag, 2008, S. 39.
Vgl. Paul Virilio, Krieg und Kino. Logistik der Wahrnehmung (1984), aus dem Französischen von Frieda Graefe / Enno Patalas, München: Hanser, 1986; Christoph Asendorf, Ströme und Strahlen. Das langsame Verschwinden der Materie um 1900, Gießen: Anabas, 1989; Nils Werber / Stefan Kaufmann / Lars Koch (Hg.), Erster Weltkrieg. Kulturwissenschaftliches Handbuch, Stuttgart: Metzler, 2014.
Vgl. Hubert Thüring, „Der Commis, der Räuber und ihre Geschwister. Walsers erkenntnispoetische Figuren erkunden die Normalität“, in: Cristina Fossaluzza / Paolo Panizzo (Hg.), Literatur des Ausnahmezustandes (1914–1945), Würzburg: Königshausen & Neumann, 2015, S. 45–67.
Vgl. Jürgen Link, Versuch über den Normalismus. Wie Normalität produziert wird, Opladen: Westdeutscher Verlag, 1997; Peter Berz, 08/15. Ein Standard des 20. Jahrhunderts, München: Fink, 2001.
Vgl. Michael Hagner, Homo cerebralis. Der Wandel vom Seelenorgan zum Gehirn, Berlin: Berlin Verlag, 1997.
Philipp Sarasin, Reizbare Maschinen. Eine Geschichte des Körpers 1765–1914, Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 2001, S. 18 f.
Vgl. Philipp Sarasin, „Die Rationalisierung des Körpers. Über ‚Scientific Management‘ und ‚biologische Rationalisierung‘“, in: Michael Jeismann (Hg.), Obsessionen. Beherrschende Gedanken im wissenschaftlichen Zeitalter, Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1995, S. 78–115; zur Geschichte des weiblichen Körpers im Zuge dieser Dynamik vgl. Silvia Federici, Jenseits unserer Haut. Körper als umkämpfter Ort im Kapitalismus, aus dem Amerikanischen von Margarita Ruppel, Münster: Unrast 2020.
Vgl. Bernd Stiegler, Der montierte Mensch. Eine Figur der Moderne, Paderborn: Fink, 2016.
Vgl. Michel Foucault, „Macht-Wissen“ (1974/1975), aus dem Französischen von Claudia Honegger, in: Franco Basaglia / Franca Basaglia-Ongaro (Hg.), Befriedungsverbrechen. Über die Dienstbarkeit der Intellektuellen, Frankfurt a. M.: Europäische Verlagsanstalt, 1980, S. 63–80.
Vgl. Christine Bergé, La Voix des Esprits. Ethnologie du spiritisme, Paris: Édition Métailié, 1990; Priska Pytlik, Okkultismus und Moderne. Ein kulturhistorisches Phänomen und seine Bedeutung für die Literatur um 1900, Paderborn: Schöningh, 2005.
Vgl. Josef Fürnkäs, „Aura“, in: Benjamins Begriffe, 2 Bde., hg. von Michael Opitz / Erdmut Wizisla, Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 2000, Bd. 1, S. 95–146, hier S. 142.
Vgl. Ulrich Johannes Beil / Cornelia Herberichs / Marcus Sandl (Hg.), Aura und Auratisierung. Mediologische Perspektiven im Anschluss an Walter Benjamin, Zürich: Chronos 2014.
Vgl. Stiegler, Der montierte Mensch (wie Anm. 10), S. 297–302.
Walter Benjamin, „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ (1936/1939), zweite Fassung, in: ders., Gesammelte Schriften, hg. von Rolf Tiedemann / Hermann Schweppenhäuser, 7 Bde., Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1991, Bd. VII.1: Nachträge, S. 350–384, hier S. 375, Hervorhebung im Original.
Ebd., S. 365.
Vgl. Pierre Musso, La religion industrielle. Monastère, manufacture, usine. Une généalogie de l’entreprise, Paris: Fayard, 2017, S. 68–105.
Benjamin, „Das Kunstwerk“, zweite Fassung (wie Anm. 16), S. 376.
Ebd., S. 371, Hervorhebung im Original.
Walter Benjamin, „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ (1936/1939), dritte Fassung, in: ders., Gesammelte Schriften (wie Anm. 16), Bd. I.2: Abhandlungen, S. 471–508, hier S. 492.
Fürnkäs, „Aura“ (wie Anm. 13), S. 142.
Vgl. Benjamin, „Das Kunstwerk“, dritte Fassung (wie Anm. 21), S. 473 und S. 506–508.
Allgemein zum Verhältnis von Literatur und Arbeit vgl. u. a. Ulrich Bröckling / Eva Horn (Hg.), Anthropologie der Arbeit, Tübingen: Narr, 2002; Joseph Vogl, Kalkül und Leidenschaft. Poetik des ökonomischen Menschen, München: Sequenzia, 2002, insbes. S. 335–346; Horst-Jürgen Gerick, „Die Einsamkeit des Leistungsethikers. Eine Obsession der europäisch- amerikanischen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts“, in: Andrea Heinz / Jutta Heinz / Nikolas Immer (Hg.), Ungesellige Geselligkeit. Festschrift für Klaus Manger, Heidelberg: Winter, 2005, S. 259–270; Sabine Biebl / Verena Mund / Heide Volkening (Hg.), Working Girls. Zur Ökonomie von Liebe und Arbeit, Berlin: Kadmos, 2008; Susanne Heimburger, Kapitalistischer Geist und literarische Kritik. Arbeitswelten in deutschsprachigen Gegenwartstexten, München: edition text + kritik, 2010; Anja Lemke / Alexander Weinstock (Hg.), Kunst und Arbeit. Zum Verhältnis von Ästhetik und Arbeitsanthropologie vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Paderborn: Fink, 2014; Corinna Schlicht / Marie Kramp / Janneke Eggert (Hg.), Literatur und Arbeitswelten. Ästhetische und diskursive Strategien zur Darstellung von Arbeit in der deutschsprachigen Literatur seit 2000, Paderborn: Brill | Fink, 2023.
Vgl. Fürnkäs, „Aura“ (wie Anm. 13).
Vgl. Beil / Herberichs / Sandl (Hg.), Aura und Auratisierung (wie Anm. 14).
Vgl. Kyung-Ho Cha (Hg.), Aura und Experiment. Naturwissenschaft und Technik bei Walter Benjamin, Wien: Turia + Kant, 2017.
Vgl. Florian Hoof, Engel der Effizienz. Eine Mediengeschichte der Unternehmensberatung, Paderborn: Konstanz University Press, 2015, S. 12.
Vgl. Stiegler, Der montierte Mensch (wie Anm. 10).