Im Umgang mit literarischen Texten spielt die Vorstellung, dass Literatur eine bestimme Funktion hat oder bestimmte Funktionen erfüllt, eine gewichtige Rolle. Funktionszuschreibungen werden immer wieder, in mehr oder minder expliziter Form, von den verschiedenen Akteuren des literarischen Feldes vorgenommen â von Autor:innen, Literaturkriter:innen sowie verschiedenen Rezipierendenkreisen, insbesondere aber von Literaturwissenschaftler:innen.1 Aussagen oder Annahmen über die Funktionen von Literatur stellen einen zentralen Gegenstand der Literaturwissenschaft dar, âdenn letztlichâ, so konstatieren Marion Gymnich und Ansgar Nünning, âsetzt jede interpretierende Aussage über einen literarischen Text Annahmen darüber voraus, welche Funktionen Texte oder einzelne Textelemente erfüllen.â2 Entsprechend mag es wenig verwundern, dass der Funktionsbegriff zu den âHundert Grundbegriffenâ der Literaturwissenschaft gezählt wird.3
Zugleich bleibt der Begriff selbst merkwürdig unbestimmt, wie Nünning in seinem Lexikoneintrag zur âFunktionâ gleich eingangs bemerkt: âDer Terminus zählt zu den meistgebrauchten, vieldeutigsten und zumeist nur vage oder gar nicht definierten Grundbegriffen der Literaturwissenschaft.â4 Auch Rüdiger Zymner, der sich in der gleichnamigen Untersuchung explizit den Funktionen der Lyrik zuwendet und sich darum bemüht, das Konzept âFunktionâ literaturwissenschaftlich zu rekonstruieren und zu erweitern, betont, dass âdie literaturwissenschaftliche Verwendung des Konzepts âFunktionâ allenfalls klar, aber nicht deutlichâ5 sei. Zugespitzt seien âFunktionâ und âFunktionenâ zumeist âkaum mehr als bloÃe terminologische Jokerâ, mit denen âmehr oder weniger professionelle Sinnkonstrukte erzeugt werdenâ, die âimmer irgendeinen Nagel auf den Kopfâ treffen.6
Im Anschluss an diese Beobachtungen zur relativen Unbestimmtheit des Funktionsbegriffs soll in diesem Kapitel in einem ersten Schritt zunächst sein literaturwissenschaftlicher Gebrauch überblicksartig herausgearbeitet werden. Ausgehend von einem solchen Ãberblick expliziter und impliziter Funktionsbestimmungen in verschiedenen literaturtheoretischen Ansätzen gilt es in einem zweiten Schritt, die literaturwissenschaftliche Rede von Funktionen, genauer den Akt der literaturwissenschaftlichen Funktionszuordnung, als eine Praktik des Funktionalisierens zu begreifen. Schon die eingangs gemachten Beobachtungen verdeutlichen, dass Funktionszuordnung und Interpretation in den meisten Fällen in einem engen Zusammenhang stehen. Aus diesem Grund soll versucht werden, im Anschluss an Andrea Albrecht, Lutze Danneberg, Olav Krämer und Carlos Spoerhase, die den Akt des Interpretierens als eine literaturwissenschaftliche Praktik in den Mittelpunkt rücken, das Zuschreiben von Funktionen ebenfalls als eine solche Praktik zu begreifen. Praktiken sind in diesem Sinne, wie Albrecht et al. hervorheben, zu verstehen als âroutineförmige Tätigkeiten, die oftmals nicht vollständig durch explizite Regeln oder Methoden bestimmt sind, sondern in hohem MaÃe auf implizitem Wissen und Können â auf einem Know-how â beruhen, das durch Imitation und Beispiele erworben wird.â7 Literaturwissenschaftliche Praktiken, zu denen eben jene interpretative Funktionszuschreibung gehört, sind in ihrem Vollzug vielleicht nicht vollständig durch explizite Methoden geleitet, doch werden sie, wie die Autor:innen hervorheben, durchaus âin routinierter und somit auch bis zu einem gewissen Grad regelmäÃiger Weise vollzogenâ.8 Um diese Routinen und RegelmäÃigkeiten genauer fassen können, gilt es in einem zweiten Schritt literaturwissenschaftliche Ansätze zu diskutieren, die dezidiert den Funktionsbegriff selbst zu problematisieren und begrifflich zu schärfen suchen.
Hiervon ausgehend fragt das Kapitel in einem dritten Schritt danach, inwiefern sich das Funktionalisieren auch als konstruktive Praxis im literarischen Denk- und Schreibprozess verstehen lässt.
1.1 Der Funktionsbegriff, literaturtheoretisch
In zahlreichen literaturtheoretischen Ansätzen und Methoden spielt der Funktionsbegriff eine zentrale Rolle. Ohne erstmal nach einer genauen Definition von Funktion zu fragen, lässt sich als heuristischer Ausgangspunkt eine Unterscheidung ziehen zwischen solchen Ansätzen, die sich mit der Rede von Funktion auf textimmanente Phänomene beziehen, und solchen, die sich vornehmlich auf das Zusammenspiel von Text und auÃertextuellem Kontext konzentrieren.
Für erstere stehen vornehmlich strukturalistische Traditionen. Sie beziehen âFunktionâ auf innertextuelle Phänomene und fragen danach, wie Bedeutung aus den Beziehungen von einzelnen Sprach- oder Textelementen zu anderen Elementen hervorgebracht wird. Im Anschluss an Ferdinand de Saussure rücken sie dabei die Sprache als semiotisches System in den Mittelpunkt. Als ein System von Zeichen verstanden, konstituiert sich die Bedeutung dieser Zeichen aus der Funktion, auf ein Bezeichnetes zu verweisen: âDie Bedeutung ist dem Zeichen nicht auf geheimnisvolle Weise immanent, sondern sie ist funktional, das Ergebnis einer Verschiedenheit von anderen Zeichen.â9 Sprache besteht demnach von Grund auf aus einem funktionalen Zusammenhang der einzelnen Zeichen untereinander.
Diesen Funktionszusammenhang, der sich hinsichtlich der Literatur auf die Beziehung zwischen der Form eines Textes und seinem Inhalt konzentriert, näher zu beschreiben, stellt das Grundanliegen hierauf aufbauender strukturalistischer Ansätze dar. Juri Tynjanov definiert diese Beziehung als âkonstruktive Funktionâ: âDie Korrelation eines jeden Elements des literarischen Werks als System zu anderen Elementen und folglich zum ganzen System nenne ich die konstruktive Funktion des betreffenden Elements.â10 Jene âkonstruktive Funktionâ steht dann auch im Mittelpunkt anderer Untersuchungen, etwa Wladimir Propps Analyse russischer Volksmärchen, in der er ausgehend von der Untersuchung spezifischer Strukturelemente und Handlungsmuster eine Typologie des Genres Märchen entwickelt. Funktion bezieht sich bei Propp auf die kleinsten Erzähleinheiten, âdie eine absichtsvolle und zielgerichtete Handlung innerhalb einer Handlungssequenz darstellenâ.11 Während Propp damit eine funktionalistisch-strukturelle Grundlage für die konkrete Literaturanalyse vorgelegt, konzentriert sich ein an Roman Jakobson anschlieÃender Strukturalismus stärker auf linguistische Konzepte der Semiotik und auf die Frage nach der Konstitution von Bedeutung. Diese Richtung interessiert sich im Anschluss an Karl Bühlers Organon-Modell stärker für die Sprachfunktionen, die dieser in Darstellungs-, Ausdrucks- und Appellfunktion unterteilt.12 Jakobson erweitert diese Klassifizierung auf sechs Funktionen, die sprachliche ÃuÃerungen erfüllen können. Dabei rückt die Literaturwissenschaft insbesondere die poetische Funktion in den Mittelpunkt, also jene, die die Aufmerksamkeit der Rezipierenden auf die spezifische Beschaffenheit der Sprache selbst lenkt.13 Der Funktionsbegriff in strukturalistischen Ansätzen fokussiert sich auf die Verfahrensweise der poetischen Sprache, auf die Beschreibung von Beziehungen einzelner Textelemente und Darstellungsverfahren innerhalb eines Textes. Im Zentrum steht verstärkt der über seine Funktionen bestimmbare ästhetische Aspekt des literarischen Textes selbst, weniger der kulturelle oder politische Kontext, in den Literatur immer auch eingebettet ist.
Nimmt man hingegen Ansätze in den Blick, die sich für das Zusammenspiel von Text und Leser:in oder, stärker kulturwissenschaftlich ausgerichtet, für die dynamische Wechselwirkungen von Literatur und Kultur interessieren, lassen sich auch dort unterschiedliche Funktionszuordnungen finden. Insbesondere wenn Literatur als Medium âkultureller Kommunikationâ14 und der âkulturellen Selbstwahrnehmungâ15 begriffen wird, wenn man den Fokus auf die Rezeption von Literatur innerhalb sozialer und gesellschaftlicher Kontexte legt, stellt sich die Frage nach der Funktion von Literatur.
Einen entscheidenden Impuls für die sich in der Rede von Funktionen manifestierende Beziehung von Text und Rezipierenden liefert die Rezeptionsästhetik. Sie geht von der Grundannahme aus, dass sich die Bedeutung eines Textes nicht ausschlieÃlich aus textimmanenten Strukturen konstituiert, sondern erst durch den Lesenden hervorgebracht wird. Hans Robert Jauà bezeichnet dies als die âgesellschaftliche Funktionâ von Literatur. Diese zeigt sich nach Jauà eben dort, âwo die literarische Erfahrung des Lesers in den Erwartungshorizont seiner Lebenspraxis eintritt, sein Weltverständnis präformiert und damit auch auf sein gesellschaftliches Verhalten zurückwirkt.â16 JauÃâ Einschätzung erlaubt die Festhaltung eines wichtigen Grundsatzes, nämlich dass sich Ãberlegungen zu Funktionen von Literatur immer wieder auf das Zusammenspiel von Text und Leser:in sowie dem sozialen und kulturellen Kontext berufen. Hieran schlieÃt etwa Hans Ulrich Gumbrechts Funktionsbegriff an: âUnter Funktionen von Texten sollen jene Auswirkungen auf das Verhalten und Handeln ihrer Hörer/Leser verstanden werden, die sich als Folgen der Textrezeption verstehen lassen.â17 Wo Gumbrecht von Auswirkungen spricht, stellt Wolfgang Iser die Wirkung von Literatur ins Zentrum der von ihm mitbegründeten Wirkungsästhetik.18 Wie Gymnich und Nünning konzentriert feststellen, konstituiert Literatur ânach Iser einen imaginativen Spezialdiskurs, dessen spezifisches Funktionspotential sich in der ästhetischen Wirkung auf den Leser konkretisiertâ.19
Umgekehrt fragt Michel Foucaults Autorfunktion nach der Wechselwirkung zwischen Kontext und Autorkonzept. In Was ist ein Autor? untersucht er die Modalitäten und Verschiebungen der Funktion âAutorâ in spezifischen Diskursen. Er begreift den Autor als âbestimmtes Funktionsprinzipâ20, das durch historisch wandelbare âdiskursive Praktikenâ21 überhaupt erst hervorgebracht wird, statt als Subjekt, das einen Text hervorbringt. Eine Funktion ist demnach nicht von sich aus schon gegeben, sondern Ergebnis verschiedener Operationen und Praktiken, die âje nach den Epochen und den Diskurs-Typenâ22 variieren.
Daneben finden sich spezifische Funktionszuordnungen vor allem in theoriegeleiteten Ansätzen, die sich vornehmlich auf einen gröÃeren kulturellen Kontext konzentrieren, die Literatur als Medium der âkulturellen Selbstwahrnehmungâ begreifen und hieraus verschiedene Funktionszuschreibungen ableiten. Hubert Zapf etwa fragt nach der Rolle literarischer Texte innerhalb der Kultur und entwickelt ein âFunktionsmodell der Literatur als kultureller Ãkologieâ23. Dabei geht er von der Grundannahme aus, dass âAnalogien zwischen ökologischen Prozessen und den spezifischen Strukturen und kulturellen Wirkungsweisen der literarischen Imaginationâ24 bestehen und modelliert hieraus systematisch ein triadisches Modell âkulturökologischer Funktionenâ der Literatur. Nach Zapf können literarische Texte erstens als âkulturkritischer Metadiskursâ auf defizitäre Strukturen in der Gesellschaft hinweisen; zweitens als âimaginativer Gegendiskursâ im fiktionalen Raum das darstellen, âwas im kulturellen Realitätssystem marginalisiert, vernachlässigt oder unterdrückt istâ25 ; und drittens als âreintegrativer Interdiskursâ26 das Ausgegrenzte mit dem âkulturellen Realitätssystemâ zusammenführen und so, im besten Fall, zur âErneuerung des kulturellen Zentrums von dessen Rändern herâ27 beitragen.
Hat die Literatur bei Zapf vornehmlich eine korrektive Funktion, die Missstände aufzuzeigen und Alternativen zu entwerfen vermag, heben etwa die Ãberlegungen Astrid Erlls die erinnerungskulturelle Funktion von Literatur hervor. Sie betont, âdaà literarische Werke neben Denkmälern, Riten, religiösen oder historischen Schriften ein wichtiges Medium kultureller Erinnerung darstellen.â28 In diesem Zusammenhang hat Literatur also vor allem die Funktion, durch Praktiken des Speicherns und der Zirkulation Erinnerung überhaupt erst hervorzubringen.29
Weitere konkrete Funktionszuordnungen, die vor allem im Kontext politisch-kritischer Ansätze in den Gender und Postcolonial Studies vorgenommen werden, fokussieren sich ebenfalls auf eine solch kritische, subversive oder sensibilisierende Funktion von Literatur.30
1.2 Funktionalisieren. Eine literaturwissenschaftliche Praxis
Dieser Ãberblick macht deutlich, dass Vorstellungen von Funktionen bzw. Funktionszuordnungen literarischer Texte in verschiedenen literaturtheoretischen Ansätzen eine entscheidende Rolle spielen. Wie sich diese Zuordnungen jedoch genau vollziehen und was eigentlich unter âFunktionâ zu verstehen wäre, bleibt dabei hingegen weiterhin unbestimmt. Folgt man in einem ersten begrifflichen Annäherungsversuch Zymners Einschätzung, formieren sich als Konnex zwischen den im Rahmen der entfalteten Ansätze genutzten Funktionsbegriffe Aspekte wie ââeine Aufgabe erfüllenâ, âeine Leistung erfüllenâ, âeinen Zweck haben bzw. erfüllenâ, âeinen Effekt hervorrufenâ, âeine Wirkung habenâ, âeine Auswirkungen habenâ, âeine Rolle spielenâ, âeiner Intention entsprechenâ, âfür etwas geeignet seinââ.31 Die zugrundeliegende Annahme ist dabei, dass es eine âdynamische Abhängigkeitâ zwischen dem literarischen Text und einem hiervon unterschiedenen âSachverhaltâ gibt, sei es âeine Grund-Folge-Beziehung/Ursache-Wirkung-Beziehung bzw. [â¦] eine kausale oder aber auch [â¦] finale Beziehung im Unterschied zu bloÃer statischer Parallelität oder Korrelation.â32
Die literaturwissenschaftliche Rede von âFunktionâ geht meist einher mit Vorstellungen von Wirkung und Zweck, aber auch von Intention und Aufgabe dieser sowie mit der Annahme einer wechselseitigen, dynamischen Beziehung zwischen einem literarischen Text und einem auÃertextuellen Sachverhalt. Die unbestimmte Mehrdeutigkeit des Funktionsbegriffs und die sich daraus ergebenen Schwierigkeiten bei der Begriffsdefinition lassen sich nach Silke Stratmann vor allem zurückführen auf die Vermischung des fach- und alltagssprachlichen Gebrauchs von Wirkung und Funktion sowie auf die uneinheitliche Begriffsverwendung in den unterschiedlichen theoretischen Ansätzen.33 In vielen Fällen wird kaum expliziert, auf welche konkreten Elemente und Zusammenhänge sich die Rede von der Funktion eines literarischen Textes überhaupt bezieht.34
Einen wichtigen Impuls zu einer ersten Konturierung des literaturwissenschaftlichen Funktionsbegriffes hat Winfried Fluck im Anschluss an Isers wirkungsästhetischen Ansatz in seiner Untersuchung zur Funktionsgeschichte des amerikanischen Romans gegeben. Zum einen geht Fluck von der Annahme aus, dass, egal aus welchem literaturtheoretischen Kontext heraus, jegliche interpretativen Funktionsbestimmungen berücksichtigen müssen, âdass der Text diese Funktionen nur über ästhetische Wirkungsstrategien umsetzen kann.â35 Mit anderen Worten lassen sich Funktionen nicht unabhängig vom literarischen Text formulieren, sie können sich nur über dessen Strukturen und Verfahren verwirklichen.36 In diesem Sinne fuÃt der Funktionsbegriff bei Fluck auf dem Zusammenspiel literarästhetischer Verfahren und kultureller Selbstdeutung, aus dem heraus sich dann überhaupt erst Funktionshypothesen formulieren lassen. Damit wäre auch der zweite entscheidende Punkt an Flucks Begriffsbestimmung angesprochen, nämlich der hypothetische Charakter von Funktionsannahmen. Nach Fluck sind âüber die tatsächliche Realisierung einer sozialen Funktion in einem komplexen gesellschaftlichen Handlungsfeld letztlich keine verlässlichen Aussagen möglichâ, man könne also nur von âFunktionshypothesenâ sprechen.37 Funktionszuschreibungen lassen sich charakterisieren als für das Verständnis literarischer Texte notwendige Hypothesen über den Zusammenhang ihrer einzelnen Elemente oder Verfahren und ihrem Realitätsbezug. Folglich stellen sie einen interpretativen Akt dar, der von einer Wechselwirkung zwischen Text und auÃerliterarischem Kontext ausgeht. Dieser Dimension schenken strukturalistische Ansätze keine weitere Beachtung.38
Roy Sommer definiert in seinen Ãberlegungen zu einer terminologischen Differenzierung des Funktionsbegriffs diesen, in Auseinandersetzung mit Flucks funktionsgeschichtlichem Ansatz, als ein âretrospektives Konstruktâ39. Dieses operiere auf drei Ebenen, die in einem ersten Schritt erst einmal scharf zu trennen seien. Sommer unterscheidet zwischen âder Wirkungsabsicht bzw. Intention (der Autorinnen und Autoren) und dem Wirkungspotential des Textes sowie seiner Rezeption durch das zeitgenössische Lesepublikumâ.40 Funktionshypothesen, so sein Argument, können dann aus dem Zusammenspiel von Autor, Text und Rezipierenden heraus sinnvoll gebildet werden.
Mit dem Aspekt der Wirkungsabsicht ist es Sommer daran gelegen, zwischen der Annahme einer Autorintention vonseiten der Rezipierenden und der intendierten Wirkung eines empirischen Autors zu unterscheiden. Hierfür greift er in seiner Argumentation auf Umberto Ecos Unterscheidung zwischen dem empirischen Autor und dem Modell-Autor zurück. Nach Eco ist die Konstruktion eines Modell-Autors entschieden am Rezeptionsprozess beteiligt. So entwirft âder empirische Leser â als konkretes Subjekt der verschiedenen Akte der Mitarbeit â einen hypothetischen Autor [â¦], den er aus eben den Daten der Textstrategie deduziert.â41 Wesentlich hierbei ist, dass dieser Modell-Autor, so Sommer, als âInterpretationshypothese [erscheint], deren Grundlage der Text, nicht aber die Wirkungsabsicht des empirischen Autors ist. Vom Text ausgehend erschlieÃt sich also nicht die Intention des empirischen Autors, sondern lediglich der Standpunkt des Modell-Autorsâ.42 Da der empirische Autor keineswegs identisch sein muss mit dem konstruierten Modell-Autor, der im Akt der Rezeption entsteht, müssen nach Sommer die Wirkungsabsicht des empirischen Autors und das Wirkungspotential des Textes gesondert betrachtet werden.43
Unter dem Wirkungspotential versteht Sommer âeine vom Text her begründbare Annahme über die möglichen Effekte der narrativen Strategien, die den nacherzählbaren Inhalt eines literarischen Textes strukturieren und organisieren und damit für den Sinn entscheidend sind.â44 Sinn wiederum begreift er mit Irmela Schneider als ein âsich durch die Aktivität des Rezipienten entwickelndes Bedeutungsgefügeâ45, womit deutlich wird, dass sich keine allgemeingültigen Aussagen über das Wirkungspotential eines Textes treffen lassen, da sich die âmöglichen Effekteâ in Abhängigkeit von den Voraussetzungen der einzelnen Rezipierenden einstellen. Das Wirkungspotential lässt sich folglich nur interpretatorisch und darum immer auch nur teilweise erschlieÃen.
Unter dieser Perspektive wäre ein textbezogener Funktionsbegriff zu verstehen als Summe von âAnnahmen über die Relationierung der Textelemente durch die Leserinnen und Leser, die jeweils einen Teilbereich des Wirkungspotentials [â¦] aktualisieren bzw. realisieren.â46 Entscheidend ist, dass Sommer damit dem Text selbst ausdrücklich keine Funktion zukommen lässt. Der Text kann keine Funktion erfüllen, denn eine solche ergibt sich stets abhängig vom Akt der Interpretation und davon, welcher Teil des Wirkungspotentials dabei vom Lesenden aktualisiert wird. Im Gegensatz dazu bezeichnet der Begriff der âhistorische[n] Wirkungâ47 die tatsächlichen, literaturgeschichtlich nachweisbaren Auswirkungen eines literarischen Textes. Während das Wirkungspotential gewöhnlich in den Bereich einer hermeneutisch orientierten Literaturwissenschaft fällt, wäre die Untersuchung der historischen Wirkung, wenngleich eher schwierig zu belegen, Gegenstand der empirischen Literaturwissenschaft.
Mit Wirkungsabsicht, Wirkungspotential und historischer Wirkung differenziert Sommer drei zentrale Aspekte, die zumeist in der literaturwissenschaftlichen Rede von der Funktion subsumiert und stillschweigend vermischt werden. âFunktionsgeschichtliche Hypothesenâ, so schlussfolgert Sommer, âstellen im Nachhinein einen Zusammenhang zwischen diesen Aspekten her. Dieser ist stets abhängig von den jeweiligen theoretischen Annahmen und Erkenntnisinteressen, da Funktionen nicht Wesensmerkmale der zu untersuchenden Phänomene, sondern Beobachterkategorien sind.â48
Während Sommer und Fluck âFunktionâ als nachträgliche, interpretatorische Zuschreibung und damit als ârekonstruktives Konstruktâ begreifen, kritisiert Zymner eben diese Auffassung. Eine solche Perspektive verabsolutiere den Blick der Literaturwissenschaftlerin oder des Literaturwissenschaftlers und sei nicht offen für eher âprospektive Zuweisungenâ, etwa vonseiten der Autor:innen selbst und damit auch für die von Sommer sogenannten âWirkungsabsichtenâ eines empirischen Autors.49 Aus diesem Grund unterscheidet Zymner dann auch explizit zwischen Zuschreibung und Zuweisung einer Funktion. Unter Zuschreibung versteht er âkommunikative Vorgänge auf einer Metaebene, sie betreffen das, was ein wie auch immer distanzierter Beobachter macht.â50 Zuweisungen hingegen fasst er als âkommunikative Vorgänge auf der âObjektebeneâ oder im aktuellen âObjektdiskursâ, sie betreffen das, was ein Geschehensteilnehmer machtâ.51 Als wesentlich für Funktionszuschreibung wie -zuweisung, erweist sich für Zymner dabei der kulturelle Kontext, der in beiden Fällen über ihre Plausibilität entscheidet:
Eine bestimmte Funktion kann nur dann plausibel (weder irrtümlich noch vorsätzlich falsch noch beliebig) zugeschrieben oder zugewiesen werden, wenn die sprachlichen Formen, Verfahren oder Inhalte in einem gegebenen kulturellen Kontext als prinzipiell dazu geeignet betrachtet werden, bestimmte dynamische Beziehungen zwischen Sprachgebilden und anderen Sprachgebilden oder Sachverhalten zu ermöglichen.52
Auch Zymner hebt an dieser Stelle die Rede von Funktion als Zusammenwirken der unterschiedlichen Ebenen von Autor, Text und Rezipierenden hervor. Zum einen können Funktionszuweisungen vonseiten eines Autors, egal ob explizit oder implizit, nur abhängig vom kulturellen Kontext gedacht werden, in dem sie entstehen. Zum anderen betont er, dass im Text selbst bestimmte Anlagen vorhanden sein müssen, die eine spezifische Funktionszuschreibung oder -zuweisung als âsinnkonstruktive Interpretationâ53 überhaupt möglich machen. Und dass diese in hohem Grade kontextabhängig und damit wandelbar ist, âdass Funktionszuordnungen historisch und kulturell variable Konstrukte sindâ54, eben weil sie stets âsinnkonstruktive Interpretationenâ darstellen. Aus diesem Grund plädiert er dafür, die Plausibilität von Funktionszuordnungen unter literaturwissenschaftlicher Perspektive âanhand einer Rekonstruktion der kulturellen Kontexte [zu überprüfen, NJ], in denen Verfahren und Formen sprachlicher Repräsentation im Prinzip für geeignet gehalten wurden oder werden, eine bestimmte Dienlichkeit zu haben.â55
Insofern sich die Plausibilität einer literaturwissenschaftlichen Funktionszuordnung an einem bestimmten kulturellen Kontext bemisst und in diesem stets eine sinnkonstruktive Interpretation unter der MaÃgabe bestimmter literaturtheoretischer Ansätze darstellt, schlussfolgert Zymner, dass es sich bei der Funktion um einen Dispositionsbegriff statt um einen Beobachtungsbegriff handelt. Dies hebt auch Harald Fricke hervor: âEin Text bzw. ein Textelement erfüllt eine bestimmte Funktion [â¦], wenn es die in empirischer Verallgemeinerung nachweisbare Disposition [â¦] besitzt, angebbare Textrelationen herzustellen und angebbare Leserwirkungen hervorzurufen.â56 Anders als Fluck oder Sommer geht Frickes Definition der Funktion stärker vom Text selbst aus, in dem eine bestimmte Disposition angelegt sein muss, die sich prinzipiell eignet, beim Rezipierenden eine bestimmte Wirkung hervorzurufen. Um diese Disposition genauer bestimmen zu können, differenziert er zwischen interner und externer Funktion. Der Begriff der internen Funktion bezieht sich auf die Relation eines Textelements zu anderen beziehungsweise zum Textganzen. Diese Relation lässt sich unterscheiden hinsichtlich einer âBeziehung der âÃhnlichkeitââ, der ââEntgegensetzungâ oder der ââgeordneten Reihungââ.57 Die interne Funktion bezieht sich also, ähnlich wie der Funktionsbegriff des Strukturalismus, ausschlieÃlich auf die Textebene, auf sprachliche Verfahren, die in einem literarischen Text eingesetzt werden. Die externe Funktion hingegen setzt ein Textelement oder den ganzen Text in Bezug zum auÃertextlichen Geschehen: âEine externe Funktion erfüllt ein Text oder Textelement genau dann, wenn durch dessen Besonderheit eine signifikante Beziehung zu einem auÃerhalb dieses Textes liegenden Sachverhalt hergestellt wird.â58 Eine externe Funktion zu formulieren, stellt dann die Leistung des Rezipierenden bzw. Interpretierenden dar und erweist sich damit wiederum als abhängig vom theoretischen oder kulturellen Kontext, in dem sich dieser bewegt.
Die von Fricke vorgenommene terminologische Differenzierung hebt noch einmal hervor, dass man bei der Rede von Funktionen konzeptuell zwischen den Ebenen des Textes und des kulturellen Kontextes unterscheiden muss. Zugleich läuft sein Dispositionsbegriff und eine präzise Trennung in interne und externe Funktionen Gefahr, wesentliche Aspekte von Funktionszuordnungen zu verschleiern oder zumindest den Blick darauf zu verengen: Zum einen, so betonen Gymnich und Nünning, dürfe der Blick nicht dafür verstellt werden, âdass interne mit externen Funktionen verknüpft sindâ: âDarstellungsverfahren, die in literarischen Texten zum Einsatz kommen, sind keine kontingenten textinternen Strukturierungsprinzipien; sie tragen vielmehr in vielfältiger und komplexer Weise zu einer Inszenierung von inhaltlich-thematischen Aspekten bei, sind also oftmals hochgradig semantisch aufgeladen.â59 So erfülle etwa ein Erzählerkommentar nicht nur eine interne Funktion, sondern könne etwa zugleich als âMittel der Rezeptionslenkungâ60 fungieren und trage damit maÃgeblich zu möglichen externen Funktionen des Textes bei. Umgekehrt gilt zu beachten, dass auch interne Funktionen oftmals nur dann plausibel zugewiesen werden können, wenn der auÃertextuelle Kontext einbezogen wird.61
Zum anderen legt Frickes Definition erst einmal nahe, dass es bei der Rede von Funktion als Dispositionsbegriff um das empirisch nachweisbare âErfüllenâ einer Funktion geht. Tatsächlich geht es bei Funktionszuordnungen, so zeigen die obigen Ansätze, insofern man sie als âsinnkonstruktive Interpretationenâ begreift, um Plausibilität (wobei der jeweilige Kontext darüber entscheidet). Damit zielt der Funktionsbegriff weniger auf eine empirische Nachweisbarkeit als auf die âpotentielle Dienlichkeit einer Sacheâ62, wie Reinhold Schmücker betont. Funktion bezieht sich auf die potentielle Eignung einer Sache, ganz unabhängig davon, ob diese sich unter empirischen MaÃstäben tatsächlich erfüllt oder nicht.
Für die literaturwissenschaftliche Betrachtung von Funktionen eines literarischen Textes bedeutet das Konzept der âpotentiellen Dienlichkeitâ, dass demselben Text potentiell unendliche Funktionen zugeschrieben werden können, âje nach leitender Literaturtheorie, und hier wiederum jeweils nach orientierender Bezugstheorie und leitenden Modellen, Methoden und Begriffenâ.63 Entsprechend groà scheint bis heute daher der Wunsch nach einer heuristischen Typologisierung der Funktionen, die Literatur in verschiedenen Kontexten einnehmen kann.64
Wie die Betrachtung der bisher genannten Positionen verdeutlicht, dreht sich der literaturwissenschaftliche Funktionsbegriff beständig um das Herausarbeiten von Beziehungen, seien es textimmanente oder solche zwischen Text und auÃerliterarischem Kontext. Um diese adäquat beschreiben zu können, muss konzeptuell notwendigerweise zwischen den Ebenen Autor, Text und Rezipierenden unterschieden werden. Literaturwissenschaftlichen Funktionszuordnungen geht es dann meist darum, Zusammenhänge zwischen diesen Aspekten herzustellen, wobei es mit der Klassifikation der internen Funktion eben auch möglich ist, nach der Funktion einzelner Textelemente für den Gesamttext zu fragen.65 Doch auch hier wäre zu beachten, dass solche Fragestellungen selten rein textintern gegriffen werden können, sondern zumeist implizit auch externe Funktionen, etwa spezifische Rezeptions- und Interpretationsangebote, mitverhandeln.
Entscheidend ist, dass Funktionszuordnungen in den meisten Fällen Interpretationen sind, die plausibel sein müssen. Hierfür gewinnt der kulturelle Kontext an Bedeutung, da dieser die Bedingungen vorgibt, innerhalb derer interpretative Zuordnungen vorgenommen werden können. Dabei lässt sich allerdings nicht fragen, ob ein Text empirisch nachweisbar eine bestimmte Funktion tatsächlich erfüllt (hat), sondern ob sprachliche Verfahren und literarische Formen innerhalb eines kulturellen Kontextes potentiell für geeignet gehalten werden, eine bestimmte Dienlichkeit zu haben. Aus diesem Grund greift das Verständnis von Funktion als ausschlieÃlich âretrospektives Konstruktâ zu kurz. Eine solche Definition exponiert den zumeist nachträglichen Blick der Literaturwissenschaftler:innen und lässt etwa Funktionszuweisungen vonseiten der Autor:innen, die keineswegs ausschlieÃlich retrospektiv sein müssen, weitestgehend auÃer Acht. Ebenso scheint eine vorschnelle Gleichsetzung von Funktion und Wirkung wenig zielführend, wenngleich beide Begriffe in einem engen Zusammenhang stehen.
So wäre etwa eine bestimmte, empirisch nachweisbare, aber potentiell auch idiosynkratische Wirkung denkbar, die nicht zwangsläufig mit den sinnstiftenden Normen eines kulturellen Kontextes oder mit den sprachlichen Verfahren des Textes korreliert. Zudem verschleiert eine solche Gleichsetzung doch noch einmal die im Funktionsbegriff konzeptuell zu unterscheidenden Ebenen mit einem Fokus auf den auktorialen Blick des Rezipierenden.
Die dargelegten Ãberlegungen verdeutlichen vor dem Hintergrund einer ersten Standortbestimmung zweierlei. Zum einen, dass in zahlreichen literaturtheoretischen Ansätzen und ihren methodischen Verfahren Vorstellungen davon herrschen, welche Funktionen literarische Texte erfüllen (können). Oder anders ausgedrückt, dass sich sowohl für text-, kontext- wie auch leser:innenbezogene Ansätze verschieden gelagerte Fragen nach der Funktion von Literatur stellen, freilich ohne dabei immer einen genauen Funktionsbegriff zu bestimmen. Zum anderen zeigt sich, dass dort, wo an der Konzeptualisierung und Präzisierung des Funktionsbegriffs gearbeitet wird, mit der Rede von Funktion immer mehr oder minder explizit das Bilden von Funktionshypothesen oder Funktionszuordnungen als interpretatorische Praxis gemeint ist, oder wie Zymner schreibt, das Bilden von âFunktionsinterpretationenâ66. Es lieÃe sich also, im Anschluss an Ãberlegungen zu Praktiken des Interpretierens,67 in diesem Fall durchaus von einer literaturwissenschaftlichen Praktik des Funktionalisierens sprechen. Funktionalisieren soll in dieser Arbeit zuerst einmal verstanden werden als das interpretatorische Zuordnen einer Funktion,68 wobei es dieses Verständnis auf eine literarische Praktik des Funktionalisierens auszuweiten gilt.
1.3 Funktionalisieren. Eine literarische Praxis
Alles bisher Gesagte bezieht sich vornehmlich auf das Verhältnis von Text und literaturwissenschaftlich Rezipierenden und damit auf den Modus der Rezeption. Interessanterweise bleibt in den diskutierten Theorien der Modus der literarischen Produktion bei der Rede von Funktionen weitestgehend unbeleuchtet. Auch Zymner, der begrifflich ausdrücklich zwischen Funktionszuweisung und -zuschreibung unterscheidet, konzentriert sich in seiner Untersuchung vor allem auf die Ebenen Text und Rezipierende. Ãberlegungen zur literarischen Produktion beschränken sich zumeist auf Selbstaussagen von Autor:innen und deren Poetiken, also auf mehr oder minder explizierte Funktionshypothesen vonseiten der Autor:innen, die zum Gegenstand literaturwissenschaftlicher Analysen oder Interpretationen werden.69
Diese Zurückhaltung scheint einherzugehen mit einem kritischen Blick auf das Konzept des Autors, der sich in genau dort zeigt, wo Funktion mit Wirkung weitestgehend gleichgesetzt wird. Denn schnell verleitet diese Gleichsetzung dazu, ânach der Intention oder Wirkungsabsicht des Autors als âpostuliertem Endzweckââ70 zu fragen. Eine âauktoriale Wirkungsabsichtâ71 zu unterstellen, der sich der literarische Text zu fügen hat, kann aber trotz neuerer Ansätze zu einer kritischen Neukonzeption des Autors keineswegs das Anliegen literaturwissenschaftlicher Funktionshypothesen sein.72 Schon Sommers Ãberlegungen zur Wirkungsabsicht und zum Wirkungspotential legen jedoch nahe, dass bei der Rede von literarischen Funktionen weniger ein empirischer Autor von Bedeutung ist als vielmehr spezifische âTextstrategienâ, die eine Imago eines Autors in der Vorstellung der Leser:innen evozieren. Der Fokus auf spezifische Textfigurationen erlaubt es, Funktionalisieren nicht mehr nur als literaturwissenschaftliche Praxis, sondern im Modus der Produktion auch als literarische Praxis beobachtbar zu machen. Als eine Praxis, die sich nicht auf explizite Funktionshypothesen empirischer Autor:innen beschränkt, sondern sich, eingeschrieben in verschiedene Textfigurationen, als konstitutiv für literarische Denk- und Schreibprozesse erweist.
Eine Möglichkeit, eine solche literarische Praxis des Funktionalisierens genauer zu konturieren, soll in dieser Arbeit in der Verschränkung von JauÃâ âgesellschaftlicher Funktionâ mit Jakobsons âpoetischer Funktionâ erprobt werden. Nach JauÃâ rezeptionsästhetischem Ansatz wird âdie gesellschaftliche Funktion der Literatur [â¦] erst dort in ihrer Möglichkeit manifest, wo die literarische Erfahrung des Lesers in den Erwartungshorizont seiner Lebenspraxis eintritt, sein Weltverständnis präformiert und damit auch auf sein gesellschaftliches Verhalten zurückwirkt.â73 Die âgesellschaftsbildende Funktion der Literaturâ74 ist für Jauà vornehmlich an die literarische Erfahrung und damit den Modus der Lektüre gebunden.
Mit der Frage, was genau literarische Erfahrung ist, setzt sich Jauà in seinem Werk Ãsthetische Erfahrung und literarische Hermeneutik dezidiert auseinander. Literarische bzw. ästhetische Erfahrung ist für Jauà dabei das Resultat unterschiedlicher Lektürepraktiken. In der Beschreibung des Lektüreprozesses unterscheidet er grundsätzlich zwischen zwei Formen des Verstehens: dem ästhetischen bzw. wahrnehmenden Verstehen einerseits und dem auslegenden Verstehen andererseits. Das ästhetische Verstehen ist auf die Erstlektüre eines poetischen Textes bezogen: âDas ästhetische Verstehen ist beim poetischen Text primär auf den Prozess der Wahrnehmung gerichtet, mithin hermeneutisch auf den Erfahrungshorizont der ersten Lektüre bezogenâ.75 Die Erfahrung der ersten Lektüre, jenes wahrnehmende Verstehen, erweitert den Erfahrungshorizont des Lesenden. Dieser primäre Akt des wahrnehmenden Verstehens ist jedoch noch nicht die literarische Erfahrung â er ist ihre konstitutive Grundlage, leitet sie erst ein.76 Als Hermeneutiker geht es Jauà um eine Rückübersetzung der Erfahrung, die der Lesende mit dem Text macht, in diesen selbst:
Der poetische Text wird in seiner ästhetischen Funktion erst dann erschlieÃbar, wenn die poetischen Strukturen, die als Merkmale am fertigen ästhetischen Gegenstand abgelesen wurden, aus der Objektivation der Beschreibung wieder in den Prozess der Erfahrung am Text zurückübersetzt werden, die den Leser an der Genese des ästhetischen Gegenstandes teilnehmen lässt.77
Vor dem Hintergrund eines in der Erstlektüre erweiterten Erfahrungshorizonts gelangt der Lesende in der Re-Lektüre des Textes, in der Rückübersetzung des Prozesses der Erfahrung in den Text selbst, zu einem auslegenden Verstehen. Dieser sekundäre Akt als Auslegung eines Textes âsetzt immer schon ästhetische Wahrnehmung als ihr Selbstverständnis voraus; sie darf nur Bedeutungen konkretisieren, die dem Interpreten im Horizont seiner vorgängigen Lektüre als möglich aufgeschienen sind oder hätten aufscheinen können.â78
In der Unterscheidung zwischen wahrnehmendem und auslegendem Verstehen schränkt er ausdrücklich Gadamers Begriff des Verstehens ein:
Das Diktum Gadamers: âVerstehen heiÃt, etwas als Antwort verstehenâ, muss darum im Blick auf den poetischen Text eingeschränkt werden. Es kann hier erst den sekundären Akt des auslegenden Verstehens betreffen, sofern dieses eine bestimmte Bedeutung als Antwort auf eine Frage konkretisiert, nicht aber den primären Akt des wahrnehmenden Verstehens, der die ästhetische Erfahrung am poetischen Text einleitet und konstituiert.79
Die literarische Erfahrung, wie sie Jauà konzipiert, lässt sich beschreiben als Prozess von ästhetischem Verstehen, Rückübersetzung der Erfahrung in den poetischen Text und hieraus resultierend dem auslegenden Verstehen in der Re-Lektüre des Textes. Dabei geht Lektüreerfahrung für Jauà konsequent in Formen des Verstehens auf. Wenngleich er den ersten Schritt des wahrnehmenden Verstehens ausdrücklich als Ausgerichtetsein âauf den Prozess der Wahrnehmungâ definiert, ist der Akt der Wahrnehmung für ihn nicht weiter von Bedeutung. Es lieÃe sich aber fragen, ob Lektüre als Wahrnehmungsprozess, gerade in der Erstlektüre, tatsächlich in Formen des Verstehens aufgehen muss, oder ob nicht andere Wahrnehmungsformen jenseits einer direkten Bedeutungsgenerierung â insbesondere mit Blick auf Dichtung â ebenfalls berücksichtigt werden müssten.
Zur Konturierung eines differenzierteren Erfahrungsbegriffs soll an dieser Stelle Ernst Cassirers Prägnanzbegriff herangezogen werden, der es erlaubt, JauÃâ hermeneutisches Wahrnehmungsverständnis phänomenologisch um die Dimension der sinnlichen Wahrnehmung zu erweitern. Cassirer definiert im dritten Band seiner Philosophie symbolischer Formen die âsymbolische Prägnanzâ als die Art,
in der ein Wahrnehmungserlebnis, als âsinnlichesâ Erlebnis, zugleich einen bestimmten nicht-anschaulichen âSinnâ in sich faÃt und ihn zur unmittelbaren konkreten Darstellung bringt. Hier handelt es sich nicht um bloà âperzeptiveâ Gegebenheiten, denen später irgendwelche âapperzeptiveâ Akte aufgepfropft wären, durch die sie gedeutet, beurteilt und umgebildet wuÌrden. Vielmehr ist es die Wahrnehmung selbst, die kraft ihrer eigenen immanenten Gliederung eine Art von geistiger âArtikulationâ gewinnt â die, als in sich gefuÌgte, auch einer bestimmten SinnfuÌgung angehört. In ihrer vollen Aktualität, in ihrer Ganzheit und Lebendigkeit, ist sie zugleich ein Leben âimâ Sinn. Sie wird nicht erst nachträglich in diese Sphäre aufgenommen, sondern sie erscheint gewissermaÃen als in sie hineingeboren. Diese ideelle Verwobenheit, diese Bezogenheit des einzelnen, hier und jetzt gegebenen Wahrnehmungsphänomens auf ein charakteristisches Sinnganzes, soll der Ausdruck der âPrägnanzâ bezeichnen.80
Das Wahrnehmungserlebnis ist für Cassirer eine Einheit von Sinnlichkeit und Sinn, eine Einheit, die âin jedem Symbol(verstehen) die stets konkrete und spezifische Prägung des Sinns impliziertâ81. Hiervon zeugt der Begriff der Prägnanz. Die sinnliche Wahrnehmung ist dabei nicht eine aus der Sphäre des Sinnhaften ausgeschlossene, vorgängige Erfahrung; vielmehr erscheint âjede Wahrnehmungserfahrung schon als in die Sphäre des Geistigen hineingeborenâ.82 Wenn das Wahrnehmungserlebnis einen âbestimmten nicht-anschaulichen Sinn in sich faÃtâ und zugleich von Anfang an âeiner bestimmten Sinnfügung angehörtâ, bewegt sich die sinnliche Wahrnehmung als Erfahrung nicht auÃerhalb des Sinnhaften, das erst durch die Verstandesleistung eines Bewusstseins in Bedeutung überführt wird, sondern ist ihm genuin inhärent als âSinn im Sinnlichenâ83.
Als symbolisch prägnant bewegt sich die sinnliche Wahrnehmungserfahrung damit im Bereich des Bedeutsamen als das, âwovon wir nicht recht wissen, was genau es bedeutet, von dem wir aber annehmen, daà es nun eben nicht einen konkreten Sinn habe, sondern überhaupt bedeutsam sei, also nicht einfach nur da ist.â84 âMan könnte sagenâ, so heben Moritz BaÃler und Philipp Pabst in ihren Ãberlegungen zur literarischen Bedeutsamkeit ausdrücklich hervor, âjeder literarischen Bedeutung, die semiotisch expliziert werden kann, ist immer ein Element prätendierter Bedeutsamkeit beigemischt, das sich der vollständigen Explikation widersetzt.â85
Die literarische Erfahrung innerhalb des Lektüreprozesses umfasst demnach ebenfalls das Erkennen eines Bedeutens des Textes, einer Bedeutsamkeit vor der Konstitution einer spezifischen Bedeutung. Eben diese Dimension tritt in Form der sinnlichen Wahrnehmung hinzu, die sich, im Modus des Bedeutsamen, ânie vollständig in semiotische Bedeutung überführenâ86 lässt, und dennoch dem Erfahrungsprozesses untrennbar inhärent ist.
Die Grundlage des Prozesses der literarischen Erfahrung wäre dabei die poetische Funktion als âEinstellung auf die Botschaft als solche, die Ausrichtung auf die Botschaft um ihrer selbst willenâ87, insofern sich die ästhetische Wahrnehmung ausdrücklich auf die âpoetischen Strukturen, die als Merkmale am fertigen ästhetischen Gegenstandâ abzulesen sind, richtet. Mithin also fokussiert sich in der Erstlektüre die Aufmerksamkeit des Lesenden, auch seine sinnliche Wahrnehmung, dezidiert auf die spezifische Beschaffenheit der Sprache selbst und damit auf die poetische Funktion des Textes â sie ist es, die zuallererst Bedeutsamkeit generiert.88 Aus jener spezifischen Beschaffenheit in der Re-Lektüre âeinen bestimmten Bedeutungszusammenhang aus dem Sinnhorizont dieses Textes zu konkretisierenâ89, wäre dann der zweite Schritt, aus dem sich die literarische Erfahrung zusammensetzt.
Vor dem Hintergrund der literarischen Erfahrung als Lektürepraxis lässt sich die gesellschaftliche Funktion, die Jauà der Literatur zuschreibt, genauer konturieren. Wenn sich die gesellschaftliche Funktion genau dort manifestiert, âwo die literarische Erfahrung des Lesers in den Erwartungshorizont seiner Lebenspraxis eintritt, sein Weltverständnis präformiert und damit auch auf sein gesellschaftliches Verhalten zurückwirktâ, schlieÃt Jauà an Gadamers Diktum der âsprachlichen VerfaÃtheit der Weltâ90 an. Diese Verfasstheit bildet die notwendige Möglichkeitsbedingung der gesellschaftlichen Funktion von Literatur, denn nur vor dem Hintergrund der sprachlichen Verfasstheit der Welt kann die literarische Erfahrung überhaupt vom Lesenden auf dessen lebenspraktischen Erwartungshorizont (und damit sind automatisch etwa sowas wie geschichtliche Erfahrung und Welterfahrung inkludiert) einwirken und ihn âaus Adaptionen, Vorurteilen und Zwangslagen seiner Lebenspraxis frei[]setzen, indem sie ihn zu neuer Wahrnehmung der Dinge nötigt.â91 Nach Jauà birgt die Literatur damit das Potential, âden Leser im Medium der Kunst mit einer neuen, âopakenâ Realität [zu] konfrontieren, die sich nicht mehr aus einem vorgegebenem Erwartungshorizont verstehen lässtâ92, gerade weil sie nicht nur vom Lesenden bereits gemachte Erfahrungen aufbewahrt (die damit in seinem Erwartungshorizont bereits integriert sind), âsondern auch unverwirklichte Möglichkeiten antizipiert, den begrenzten Spielraum des gesellschaftlichen Verhaltens auf neue Wünsche, Ansprüche und Ziele erweitert und damit Wege zukünftiger Erfahrung öffnet.â93 Die literarische Erfahrung ermöglicht damit, wenn sie in den eigenen Lebenskontext integriert wird, die âgesellschaftsbildende Funktion der Literaturâ94.
Versucht man von hier aus, eine Praxis des literarischen Funktionalisierens zu konturieren, umfasst diese zuerst einmal einen Lektüreprozess und damit das Machen einer literarischen Erfahrung. Im Akt der Lektüre kommt der poetischen Funktion des Textes eine zentrale Rolle zu. Denn die spezifische Beschaffenheit der Sprache gilt es in einem ersten Schritt wahrzunehmen, und in einem zweiten Schritt auf einen zuerst einmal intratextuellen (auf den Sinnhorizont des Textes beschränkten) Bedeutungszusammenhang auszulegen. Eine Funktionalisierungspraxis im Modus der Lektüre würde gleichzeitig davon ausgehen, dass sich der poetische Text in seiner sprachlichen Verfasstheit mit der sprachlichen Verfasstheit der Welt überschneidet, dass also die literarische Erfahrung vom Lesenden in seine Lebenspraxis integriert werden kann. Dies betrifft nicht nur den gegenwärtigen Lesenden, sondern gilt gleichfalls für das zeitgenössische Publikum eines historischen Textes. Funktionalisieren im Akt der Lektüre beinhaltet demnach auch âdie Rekonstruktion des Erwartungshorizontes, vor dem ein Werk in der Vergangenheit geschaffen und aufgenommen wurde [â¦] und damit zu erschlieÃen, wie der einstige Leser das Werk gesehen und verstanden haben kann.â95 Dies wäre ein vom Standpunkt der Rezeption aus geleitetes Verortungsverfahren des poetischen Textes im historischen auÃerliterarischen Kontext. Erst auf der Basis dieser Rekonstruktion würde der nächste Schritt folgen, nämlich die Frage nach einer möglichen Bedeutsamkeit des Textes für die eigene, gegenwärtige Situation. Mit anderen Worten die Frage, wie die eigene literarische Erfahrung in die gegenwärtige Lebenspraxis eintritt und in dieser âunverwirklichte Möglichkeiten antizipiert, den begrenzten Spielraum des gesellschaftlichen Verhaltens auf neue Wünsche, Ansprüche und Ziele erweitert und damit Wege zukünftiger Erfahrung öffnetâ.
Von diesem Punkt einer Lektürepraxis aus lässt sich die literarische Praxis des Funktionalisierens in eine Schreibpraxis wenden, die darauf zielt, den Erwartungshorizont der Lesenden zu überschreiten und Wege zukünftiger Erfahrung zu eröffnen. Im Wissen um die Prozessualität der literarischen Erfahrung, das aus dem Prozess des Schreibens vorgängigen Modus der Lektüre gewonnen wurde, würde eine solche Schreibpraxis den umgekehrten Weg gehen: Ihr Ausgangspunkt wäre eine Analyse der eigenen Gegenwart, d. h. der gegenwärtig verfügbaren gemachten Erfahrungen und des aktuellen âSpielraums gesellschaftlichen Verhaltensâ. Auf der Basis einer solchen gesellschaftlichen Gegenwartsdiagnose eröffnet sich in einem zweiten Schritt die Frage danach, welche âWege zukünftiger Erfahrungâ das eigene Schreiben zu öffnen versucht. Anders ausgedrückt: welche Leerstellen in der eigenen Gegenwart mittels der Literatur gefüllt werden sollen. Bei der Beantwortung dieser Frage spielt nun der eigene Erfahrungsprozess mit hinein, der im Modus der Lektüre gemacht wurde. Dieser erlaubt es, Texte der Vergangenheit in ihren poetischen Strukturen auf Möglichkeiten und Grenzen ihrer Aktualisierbarkeit zu befragen. Vor diesem Hintergrund gilt es dann, eigene literarische Verfahren schreibpraktisch zu erproben, die als geeignet eingeschätzt werden, die gegenwärtigen Lesenden im Medium der Poesie mit einer Realität zu konfrontieren, sie zu einer âneuen Wahrnehmung der Dingeâ zu nötigen. Mit anderen Worten gilt es, eine poetische Sprache zu finden, die den Spielraum gesellschaftlichen Verhaltens erweitern kann. Eine literarische Praktik des Funktionalisierens wäre damit als Doppelbewegung von Lektürepraxis und Schreibpraxis zu verstehen, die für den poetischen Denk- und Schreibprozess konstitutiv ist.
Eine solche Praxis, so die Grundthese dieser Arbeit, eröffnet zugleich neue Perspektiven auf literarische Texte und ihre Konstellationen. Mit Hölderlin und Celan stehen in dieser Arbeit zwei Autoren im Mittelpunkt, die zwar in der Forschung immer wieder auf unterschiedliche Weise in Kontakt miteinander gebracht worden sind, deren Dichtungen aber im Prozess des Funktionalisierens auf neue Art in Dialog treten können. Dies zu leisten, stellt das zentrale Anliegen dieser Arbeit dar.
Im Sinne jener funktionalisierenden Doppelbewegung verbindet beide Dichter erstens, dass ihr poetisches Schreiben als Arbeit am hohen Ton auf ähnliche Art und Weise eng mit der eigenen Lektürepraxis verbunden ist. Hölderlins Ringen um einen hohen Ton erweist sich als ein kontinuierliches âStudium der Griechenâ96, das dezidiert darauf ausgerichtet ist, die antike Dichtung vor dem Hintergrund ihres Eingebettetseins in die Lebenspraxis der Polis zu verstehen und daraus ihre gesellschaftliche Funktion abzuleiten (vgl. Kapitel 2.2.). In diesem Sinne erarbeitet Hölderlin in der Lektüre der griechischen Texte ein antikes Funktionsmodell des hohen Tons, das er â als eigene literarische Erfahrung â auf potentielle Anschlussmöglichkeiten in der eigenen Zeit befragt. Celans Lektüre konzentriert sich wiederum auf Hölderlins Texte und deren möglicher Aktualisierbarkeit (vgl. Kapitel 4.1).
Zweitens ist beiden gemein, wie sie den eigenen Lektüremodus und damit verbunden die eigene literarische Erfahrung in eine funktionalisierende Schreibpraxis wenden. Hölderlin wie Celan spüren hierfür sehr genau den gesellschaftlichen Bedingungen ihrer eigenen Gegenwart nach und arbeiten derart Leerstellen heraus, die sie mittels der eigenen Dichtung als sinnstiftendem Medium zu füllen suchen. Ausgehend von einer konzisen Gegenwartsdiagnose ringen beide darum, wenngleich in völlig unterschiedlichen Konstellationen, dichterische Ausdrucksformen für die Funktion, die sie der eigenen Dichtung zukommen lassen, schreibpraktisch zu finden. Dichten gerät zum Ringen um sprachliche Formen und Verfahren, um diese Funktion potentiell erfüllen zu können. Die literarische Funktionalisierungspraxis wird zum entscheidenden Konnex, der die beiden Dichter auf neue Weise in Dialog treten lässt.
Vgl. Borkowski (2022), 116 f.
Gymnich/Nünning (2005), 3.
Vgl. Nünning (2011).
Ebd., 102.
Zymner (2013), 76.
Ebd., 75.
Albrecht/Danneberg/Krämer/Spoerhase (2015), 2.
Ebd.
Eagleton (2016), 68.
Zitiert nach Fricke (2007), 643.
Nünning (2013), 237.
Vgl. Bühler (1965).
Vgl. Fricke (2007), 645.
VoÃkamp (2003), 78.
Ebd., 77.
Jauà (1967), 63.
Gumbrecht (1978), 357.
Vgl. Iser (1976).
Gymnich/Nünning (2005), 17.
Foucault (2000), 228.
Ebd., 207.
Ebd., 214.
So der Titel des Aufsatzes Zapf (2005).
Zapf (2002), 3.
Zapf (2005), 64.
Ebd., 66.
Ebd., 65.
Erll (2002), S. 251.
Vgl. dazu auch Borkowski (2022), 120.
Vgl. dazu etwa die Ãberblickstexte von Stritzke (2005); Gymnich (2005). Zu betonen wäre, dass solche kritischen Auseinandersetzungen zumeist die sozialen Funktionen von Literatur in den Mittelpunkt der Ãberlegungen stellen und dabei gerade die ästhetische Funktion mehr und mehr in den Hintergrund rückt (vgl. Gymnich/Nünning (2005), 19).
Zymner (2013), 77.
Ebd.
Vgl. Stratmann (2013).
Vgl. Nünning (2011).
Fluck (2005), 33.
Ebd. Vgl. dazu auch Fluck (1997), 10.
Fluck (1997), 12 f.
Vgl. Gymnich/Nünning (2005), 14.
Sommer (2000), 320.
Ebd., 327.
Eco (1987), 76 f.
Sommer (2000), 328.
Vgl. ebd., und auch Gymnich/Nünning (2005), 8.
Sommer (2000), 328.
Ebd.
Ebd., 330.
Ebd., 331.
Ebd., 333.
Zymner (2013), 79.
Ebd., 79.
Ebd.
Ebd., 80. Für eine genauere Betrachtung der Plausibilität als Kriterium von Interpretationen vgl. Winko (2015).
Zymner (2013), 80.
Ebd., 81.
Ebd., 84.
Fricke (2007), 643.
Ebd.
Ebd.
Gymnich/Nünning (2005), 10.
Nünning (2004), 203.
Vgl. Gymnich/Nünning (2005), 10.
Schmücker (2001), 21.
Zymer (2013), 83.
So fordert etwa Reiner Wild, der eine erste umfangreichere Typologie produziert hat, dass âdiese Isolierung [bestimmter Funktionen] aus heuristischen Gründen gebotenâ sei (Wild (1982), 20). Auch für Borkowski erscheint âin Anbetracht der Vielzahl an Funktionen der Literatur [â¦] eine Typologie wünschenswertâ (Borkowski (2022), 125). Sowohl Schmücker wie auch Zymner erarbeiten ebenfalls ein differenziertes Beschreibungsmodell verschiedener Funktionen von Kunst, bzw. Lyrik (vgl. Schmücker (2001), insb. 28; Zymner (2013)).
Vgl. Borkowski (2022), 123.
Zymner (2013), 82.
Vgl. Albrecht/Danneberg/Krämer/Spoerhase (2015).
Und damit keineswegs in einer negativen Lesart, wie sie Borkowski vertritt, der, freilich ohne schlüssige Anhaltspunkte zu liefern, unterstellt, dass Funktionalisierung stets meine, âdass die Akteure dem literarischen Text eine Funktion zuweisen, die er aufgrund seiner Beschaffenheit nicht erfüllt und die nicht sinnvollerweise im Rahmen einer kollektiven, geteilten Praxis zugeschrieben werden kann.â (Borkowski (2022), 124).
Vor allem Horazâ über Jahrhunderte wirkmächtiges Diktum prodesse et delectare wird dabei gerne als Beispiel herangezogen: Vgl. Zymner (2013), 59â65; Gymnich/Nünning (2005), 6.
Ebd., 7.
Ebd.
Vgl. Jannidis/Lauer/MartÃnez/Winko (1999).
Jauà (1967), 199.
Ebd.
Jauà (1997), 816.
Vgl. Jauà (1997), 816.
Ebd., 815.
Ebd., 816.
Ebd.
Cassirer (1964), 235.
Recki (2004), 56.
Endres (2020), 209.
Krois (1988), 23.
Hörisch (2009), 16.
BaÃler/Pabst (2024), 164.
Ebd., S. 170.
Jakobson (2016), 92.
Das betonen auch BaÃler und Pabst in ihrem Modell der literarischen Bedeutsamkeit, denn âim Diskursfeld der Literatur wird die Bedeutsamkeitsbehauptung jenseits ihres konkreten Inhalts stets auch zur Behauptung von LiterarizitaÌt als solcher.â (BaÃler/Pabst (2024), 163).
Jauà (1997), 816.
Gadamer (1975), 420.
Jauà (1967), 202.
Ebd., 206 f.
Ebd., 202.
Ebd., 200.
Ebd., 183.
StA VI, 381.