»Nächtliche Erkundungen«, der verheiÃungsvolle Titel meines Beitrags stammt leider nicht von mir, sondern von den beiden Ausstellungsmachern Gregor Gumpert und Ewald Tucai. Ihn haben die beiden Herausgeber des kleinen Bändchens Ruhr.Buch. Das Ruhrgebiet literarisch (2009) einigen wenigen ausgewählten Passagen aus Joseph Roths Ruhrgebietsreportagen von 1931 vorangestellt.1 Die Ãberschrift bezieht sich vorderhand auf die Tageszeit, in der der homodiegetisch berichtende Reporter das nächtliche Essen â die »Stadt der Arbeit«2 â im ersten Abschnitt des späten Abdrucks erkundet, kann aber, wenn man die Eingangspassage als wahrnehmungsästhetischen Text interpretiert, auch programmatisch verstanden werden:
Ich habe ein wenig Angst vor diesem Abend, aber ich habe ihn auf mich genommen, freiwillig, wie ein lockendes Unglück. Ich weiÃ: in einer Stunde, wenn die Lichter erstrahlen, um die Finsternis sichtbar zu machen, werde ich der Einsamkeit anheimgefallen sein wie einem treuen, verläÃlichen Feind. Ich hätte auch am Vormittag ankommen können, am Abend weiterfahren. Aber es scheint mir, daà die Ruhrgebiete dieser Welt in den spärlichen Stunden besser zu erkunden sind, in denen die Natur sie leider zwingt zu rasten und in denen das Vergnügen der Arbeit von der bitteren Arbeit des Vergnügens abgelöst wird.3
So beginnt der kurze Ausschnitt im Ruhr.Buch, aber auch die Reportage Abend in Essen, die Roth am 14. Juni 1931 in der Kölnischen Zeitung veröffentlicht hat (III, 331â333). Sie ist Teil einer kleinen wöchentlichen Serie über das Ruhrgebiet, die mit Der Hafen von Ruhrort am 24. Mai 1931 begann (III, 320â323) und mit Ein Arbeiter mit Namen M. (III, 342â346) am 21. Juni 1931 endete. Die Serie ist Teil der Kleinen Reise (III, 300â346), die noch einige wenige Stationen östlich des Reviers bedenkt.
Die Licht-Nacht-Metaphorik des Eingangszitats kennen wir aus dem Steigerlied,4 das man hier wohl nicht zitieren muss. Obwohl das Lied eigentlich aus Sachsen stammt und erstmals im Freiberger Berg-Lieder-Büchlein von 1710 zu finden ist,5 hatte es in den 1930er Jahren für alle Bergbauregionen in Deutschland einen regionalen bzw. sozialen Wiedererkennungswert. Die Popularität des Liedes etwa bei der Saarabstimmung 1935 belegt dies zum Beispiel. Das Steigerlied wird im Saarland, in der Lausitz, im Harz, in Sachsen oder eben und besonders bis heute im Ruhrgebiet gesungen. Joseph Roth wird es genau da gehört haben, wo er abends in Essen einkehrt â in einer Kneipe der Arbeiter, einer »Bar«, wie es heiÃt, »wo nur Bier ausgeschenkt wird« (III, 335). Auf die Schlager, die in dieser Welt zu hören sind, komme ich noch zurück.6
Die Einsamkeit des Sprechers beim Abend in Essen, die Roth auch in anderen Reportagen hervorhebt (vgl. III, 323), markiert die Differenz des Beobachters zum Geschehen, die Licht-Nacht-Metaphorik signalisiert jenseits seiner konkreten tageszeitlichen Bedeutung ein prinzipielles Eingehen auf Szenarien des Bergbaus. Selbst das âºEinfahrenâ¹ wird in Verben wie »weiterfahren« variiert. Der Reporter fährt quasi in das Ruhrgebiet zur Schicht ein. Diese eher assoziative Näherung an die Arbeitsbedingungen des Reviers ergänzt der Sprecher durch den aufgerufenen spezifischen Gegensatz von Arbeit und Vergnügen: Dabei wird überraschend die Arbeit geradezu euphemistisch als Vergnügen, das Vergnügen aber als bittere Arbeit des journalistischen Beobachters ausgestellt.
Diese Wertschätzung von Arbeit7 als Werktätigkeit hat wenig mit den arbeitenden Menschen selbst zu tun und ihren Mühen, sondern bezieht sich primär auf die Topografie des Ruhrgebiets; sie erscheint aber nicht als statische, sondern wird je anders vom Reporter und vom Arbeiter wahrgenommen: Sie ist relational.8 Die personifizierte Montanregion wird gezwungen in der Nacht »zu rasten«, obwohl es â das städtische Konglomerat â an sich zur unablässigen Arbeit und eben nicht zum MüÃiggang geschaffen wurde. Der spatiale Wert des Reviers liegt in seiner Arbeitstopografie und ist daher nicht an sogenannten Sehenswürdigkeiten festzumachen. Sie kommen daher in den Reportagen auch nicht vor. Der im Zitat verwendete ungewöhnliche Plural von Ruhrgebiet, »Ruhrgebiete«, suggeriert dabei eine Verallgemeinerbarkeit und Vergleichbarkeit des topografischen Zugangs (âºRäume, wie diese â¦â¹), nicht aber eine Entindividualisierung des bereisten Raums. Denn das Ruhrgebiet erscheint ja namensgebend, mithin also paradigmatisch. Roth spielt hier zudem mit dem bekannten Topos der ruhelosen, durch Industriearbeit und Rohstoffverarbeitung geprägten GroÃstadtlandschaft, die gleichsam wie ein eigenes, mächtiges Subjekt rastlos agiert.9
Das abendliche Eindringen in die Revierwelt hat auch einen ganz praktischen Grund, denn nur so kommt der Reporter ohne weiteren Aufwand in Kontakt zu den arbeitenden Menschen, insbesondere zu den Kumpels im Bergbau. Die Reportage Abend in Essen bietet einen solchen Zugang zum Revier aber noch nicht, zögert ihn sogar heraus; denn sie erzählt zunächst â und nicht ohne retardierende Intention â vom Besuch eines Kinos, wo ein Hollywood-Film über die Versöhnung eines Fabrikanten mit seinen streikenden Arbeitern gezeigt wird:
Ein Programm, für Industriegebiete zugeschnitten und zur Versöhnung der Klassen bestimmt. Ein paar Zuschauer lachen laut. Jemand ruft: »Ho, ho!« Ich frage mich, wo in aller Welt so viel Naivität zu finden ist, die glaubt durch diese hirnlosen Märchen die Unbarmherzigkeit der Wirtschaftsgesetze mildern zu können? In Hollywood ist sie zu finden ⦠(III, 333)
Nicht nur: Fritz Langs Metropolis (1927), der vermutlich wichtigste Film der deutschen Zwischenkriegszeit, setzt am Ende ebenfalls auf eine Versöhnung von Industriellen und Arbeitern. Für Roths Argumentation, die sich peu à peu der Realität des Arbeiterlebens im Ruhrgebiet nähern will, ist dies unerheblich. Implizit spielt die Reportage auf einen einschlägigen Essay von Siegfried Kracauer, Roths Freund und Kollege bei der Frankfurter Zeitung, an: Film und Gesellschaft (1927), später veröffentlicht unter: Die kleinen Ladenmädchen gehen ins Kino.10 Hier wird konstatiert, dass »die Filme«, analysiert man sie im Hinblick auf Mentalitäten, Positionen und Projektionen, ein »Spiegel der bestehenden Gesellschaft« seien.11 Weil das »Publikum [â¦] aus Arbeitern und kleinen Leuten« â so Kracauer â sehr wohl ȟber die Zustände in den oberen Kreisen räsonieren« würde, befriedige die Filmindustrie »die gesellschaftskritischen Bedürfnisse seiner Konsumenten. [â¦] Niemals aber wird« sie sich »zu Darbietungen verführen lassen, die das Fundament der Gesellschaft im geringsten angreifen.«12 Die Kritik am Hollywoodfilm, den Roth in Essen gesehen hat, und die Dokumentation der Zuschauerreaktionen markieren beides: die Kritikfähigkeit der Arbeiter und den beschwichtigenden, den einhegenden Duktus der Filmindustrie. Die Traumfabrik wird hier differenzierter gesehen als in manchen modernen Filmrezensionen, die oftmals die beruhigend (früher hätte man gesagt: repressiv)13 eingesetzte Gesellschaftskritik im Hollywoodfilm übersehen. Doch das ist ein anderes Thema.
Ehe ich Joseph Roth bei seinen nächtlichen Erkundungen des Ruhrgebiets und seiner Arbeitswelt weiter verfolge, gebe ich einen kurzen Ãberblick über seine Ruhrgebietsreportagen und schiebe auch einige wenige Sätze zur Poetik seiner Reportagen ein.
Die ersten Texte Roths über das Ruhrgebiet finden sich zu Beginn der 1920er Jahre. Wahrscheinlich ist Flug über Dortmund (Berliner Börsen-Courier, 4.10.1921), eine Reportage über einen Rundflug über der Ruhrmetropole während eines GroÃflugtages, eines der frühesten Beispiele. Ab 1923 finden sich einige Artikel zur Ruhrbesetzung und zum Ruhrkampf: Die Schwarzen im Ruhrgebiet (Die Glocke, 5.3.1923), Vergebliche Ruhrpropaganda (Die Glocke, 3.4.1923), implizit zumindest Ruhr-Totenfeier mit Shimmyklang (Vorwärts, 21.4.1923) oder Die Schwerindustrie im Ruhrgebiet (Neues Wiener Tageblatt, 20.12.1923). Mitte des Jahrzehnts erscheinen einige Reportagen zum Metropolencharakter des Reviers; geradezu paradoxal ruft Trübsal einer StraÃenbahn im Ruhrgebiet (Frankfurter Zeitung, 9.3.1926) bis heute geltende topografische Topoi der Region auf: »Die Stadt hört nicht auf. Wenn sie aber aufhört, beginnt sofort die andere. Die Städte reichen einander die StraÃen.« (II, 545) Natürlich fehlt eine Bemerkung zur abwesenden Natur im Stadtbild nicht: »Es ist keine Landschaft, es ist eine Art langgedehnter Stadtschaft, Industrieschaft, von blühenden Gartenlokalen unterbrochen.« (II, 546) Anders als bei anderen GroÃstadtfeuilletons des Expressionismus und der Zwischenkriegszeit, die mehr oder minder markante Punkte bekannter GroÃstädte fokussieren â Paul Zechs Auf der Terrasse am Pol (1913),14 Stefan Zweigs Heydepark (1919),15 Siegfried Kracauers Abschied von der Lindenpassage (1930)16 oder Walter Benjamins Tiergarten (1932â1938)17 â beschreibt Roth in seinem Text die Gesichtslosigkeit einer städtischen Landschaft; sein kulturkritischer Impetus gibt seinem Essay nicht nur einen attraktiven Akzent für Leserin und Leser, sondern sichert auch der beschriebenen Metropol-Landschaft eine gewisse Aufmerksamkeit im kulturellen Feld, heute würde man wohl sagen ein Alleinstellungsmerkmal:
Wir fahren jetzt wieder. Da beginnt auch schon die nächste groÃe Stadt. Wir sind am Ziel. Es sieht aus wie der Anfang. Es ist, als gäbe es keine räumlichen Ziele hier: nur zeitliche, wie den sicheren, unausbleiblichen, endgültigen Tod des letzten Stückchens Erde. (II, 546)
Das Ruhrgebiet als dystopischer Ort. Es folgt mit ähnlicher These eine Woche später die Reportage Der Rauch verbindet Städte (Frankfurter Zeitung, 18.3.1926). Dann, nach einigen Jahren, veröffentlicht Joseph Roth in der Kölnischen Zeitung die erwähnte Kleine Reise, eine Reihe von Deutschland-Reportagen, die mehrheitlich dem Ruhrgebiet gewidmet sind. Aus einer der Reportagen habe ich anfangs zitiert. Diesen Texten widme ich mich im Folgenden: Hafen von Ruhrort (24.5.1931), In anderen Kneipen (24.5.1931), Gustav (7.6.1931), Ankunft in Essen (7.6.1931), Abend in Essen (14.6.1931), Die Bar erster und zweiter Klasse (14.6.1931), Die andere Bar (14.6.1931), Der Morgen aber (14.6.1931), Ein Ingenieur mit Namen K. (21.6.1931) und Ein Arbeiter mit Namen M. (21.6.1931). Später erschienen â soweit ich sehe â keine Reportagen Roths über das Ruhrgebiet mehr.
In einem »Vorwort« (III, 300) überschriebenen Text (Kölnische Zeitung, 3.5.1931) charakterisiert Joseph Roth das Programm der Kleinen Reise, die den damaligen »Starjournalist[en]«18 vornehmlich ins Ruhrgebiet führte: Er wolle keine Sehenswürdigkeiten vorstellen, sondern »ohne Ziel«, »ohne Plan« Städte und Landschaften bereisen (III, 300) und sich seinen »Launen anheimgeben« (III, 301). Als Autor der Reportage-Serie erscheint Roth bemerkenswert: Denn erstens war er seit 1925 einer der bekanntesten Mitarbeiter der damals eher liberalen Frankfurter Zeitung, mithin einer der damals bekanntesten Feuilleton-Journalisten überhaupt. Erst 1932 â also nach der Serie in der Kölnischen Zeitung â gab Roth seine Tätigkeit bei der renommierten Zeitung auf. Die Kleine Reise im Mai/Juni 1931 war zu diesem Zeitpunkt die einzige gröÃere journalistische Tätigkeit auÃerhalb der Frankfurter Zeitung. Eigentlich wollte Roth erneut aus Russland berichten, doch war dies dem Kölner Verlag offenbar zu teuer. Trotzdem wurden die Ruhrgebietsreportagen vermutlich extrem gut bezahlt, nicht nur weil Roth einer der bekanntesten Journalisten, sondern weil er zudem einer der ökonomisch erfolgreichsten Schriftsteller seiner Zeit war.19 Denn beim Verlag Gustav Kiepenheuer (Berlin) hatte Roth nach seinem dort erschienenen Welterfolg Hiob. Der Roman eines einfachen Mannes (1930) einen Vertrag über den Roman Radetzkymarsch (1932) abgeschlossen, der ihm sage und schreibe 22.000 Mark an regelmäÃigen Vorschüssen einbrachte. Roth war mit Sicherheit während der Kleinen Reise einer der am besten verdienenden Autoren deutscher Sprache. Die eher konservative Kölnische Zeitung, wo die Reportagen erschienen, gehörte neben der eher linksliberalen Frankfurter Zeitung zu den wichtigsten überregionalen Tageszeitungen Deutschlands in der Zwischenkriegszeit. Schon aufgrund dieser Konstellation zählen die Ruhrgebietsreportagen von Joseph Roth zu den wichtigsten journalistischen Texten über die Region und seine Arbeiter in dieser Zeit.20
Einige wenige Sätze zur Poetik der Reportage im Kontext von Joseph Roth: Als Reportage versteht man gemeinhin eine »informationsbezogene journalistische Text- und Stilform«;21 der Textsortenbegriff leitet sich von englisch âºreportâ¹ (Bericht) ab. In Deutschland wird er seit Anfang des 20. Jahrhunderts verwendet und spätestens seit 1918 differenziert diskutiert. Denn in diesem Jahr erschien Egon Erwin Kischs einschlägiger Artikel Wesen des Reporters im Literarischen Echo,22 ein Versuch der sozialen Aufwertung des strikt an den Tatsachen orientierten Berichterstatters. Insofern sei er vom Feuilletonisten,23 Leitartikler oder Rezensenten zu unterscheiden:
An sich ist immer die Arbeit des Reporters die ehrlichste, sachlichste, wichtigste. [â¦] Er mag übertreiben, unverläÃliche Nachrichten bringen, â dennoch ist er immer von der Tatsache abhängig, immer von der Sachlichkeit, immer ist ein Patrouillengang, ein Weg, ein Gespräch oder ein Anruf die Grundlage selbst der kleinsten Notiz. [â¦] Die Ergebnisse der Recherche sind aus erster Hand, sind aus dem Leben.24
Kisch fordert eine »unbefangene Zeugenschaft«, aber auch die »Erlebnisfähigkeit« des Autors; er favorisiert eine Unmittelbarkeit des Zugriffs, aber auch eine phantasievolle Aneignung des Materials, schlieÃlich eine verblüffende Charakterisierung alltäglicher Welt und die Umformung der Realität zur textuell vermittelten »Sensation«. Egon Erwin Kischs Vorgaben für den »rasenden Reporter«25 wirken wie ein idealisierendes Rezept für die Reportagen Joseph Roths, auch wenn sich en détail seine Texte von denen des Kollegen unterscheiden mögen. Roth und Kisch verstehen Reportagen programmatisch als »Zeitaufnahmen«, als nicht retuschierte Bilder und als Schrift gewordene Realsubstrate.26 Vielleicht betont Roth stärker den ästhetischen Charakter der Reportage.27 Allerdings können auch seine Texte nicht â jetzt zitiere ich Tucholskys Kritik am rasenden Reporter â den spezifischen »Standpunkt« des Betrachters verleugnen.28 Man erkenne ihn daran, dass der moderne Reporter â so Tucholsky â ȟberall ein Quentchen âºGeistâ¹, ein Zitatchen, eine Schmeichelei über die Bildung des Lesers« einflechte.29 Letztlich schreibe der Reporter bei aller intendierten Sachlichkeit an jedem Ort »ja immer nur [über] sich selbst«.30 Auch diese Einschätzung Kischs ist zweifellos cum grano salis auf Roths Ruhrgebietsreportagen übertragbar.
Was ihn, zumal in den späten Ruhrgebietsreportagen, vielleicht etwas stärker als Kisch prägt, ist seine Teilhabe am Soziographie-Diskurs um 1930.31 Dominant erscheinen hier einerseits neue (vor allem demoskopische) Erforschungsmethoden, die Eingang etwa in die berühmte Marienthaler Studie32 fanden, andererseits auch die GroÃstadtsoziologie, wie sie etwa Robert Ezra Park und die »Chicago School of Sociology« seit 1925 entwickeln.33 Im deutschsprachigen Raum dürften die âºgeisteswissenschaftlichâ¹ orientierten Denker der Zeit Siegfried Kracauers Die Angestellten. Aus dem neuesten Deutschland (1930) rezipiert haben.34 Roth kannte und schätzte Kracauer als Kollegen bei der Frankfurter Zeitung. Er rezensierte zum Beispiel dessen Roman Ginster (1928).35 Kracauer denkt in seiner Studie Ansätze Emil Lederers und seines Lehrers Georg Simmel weiter.36 Das Buch Die Angestellten, das in der Frankfurter Zeitung in einzelnen Sequenzen vorabgedruckt wurde, präsentiert eine »Diagnose« unterschiedlicher Lebenssituationen der Mittelschicht; es nutzt »Zitate, Gespräche und Beobachtungen an Ort und Stelle [â¦] als exemplarische Fälle der Wirklichkeit«, wie Kracauer in seinem Vorwort schreibt.37 Die einzelnen Fallstudien geben Einblicke in die Arbeitswelt und das soziale Selbstverständnis der Angestellten. Ein Jahr später legt Alexander Graf Stenbock-Fermor mit Deutschland von unten (1931) ein Buch mit Reportagen vor, dass dezidiert Fallstudien aus dem Arbeitermilieu bzw. dem Landproletariat enthält. Hier findet sich auch eine Reportage zu den Bergleuten im Ruhrgebiet,38 die an seinen viel gelesenen autobiografischen Bericht Meine Erlebnisse als Bergarbeiter (1928) anknüpft.39
In den späten Ruhrgebietsreportagen aus der Kölnischen Zeitung nimmt sich Joseph Roth etwas überraschend die Welt der Angestellten, ja, selbst der Besserverdienenden vor. Sie besuchen bestimmte Bars und favorisieren entsprechende Schlager â kurz sie zeigen einen Habitus,40 der ihrem Milieu weitgehend entspricht (vgl. III, 333â f. passim). Allerdings â so Roth â besorgt die »Vergnügungsindustrie unserer Zeit [â¦] für alle Schichten und Zwischenschichten dieselben Genüsse« (III, 335). Anders als Kracauer bewertet er offenbar die Macht der Kulturindustrie41 höher als den Habitus des eigenen Milieus:
Die Schlager, die soeben noch das musikalische Gut der gehobenen Stände zu sein schienen, werden auch hier [in den Kneipen der Arbeiter] gesungen, richtig entstellt wie drüben [bei den Reichen], heftig und süà wie drüben. Sie sind eben das gemeinsame Sangesgut des Ganzen, beinahe sage ich, der gesamten Bevölkerung. Wie verräterisch ist diese Hingabe der Armen, der Besitzlosen, der Arbeitermädchen an die musikalischen Ausgeburten einer kleinbürgerlichen Zivilisation, einer kleinbürgerlichen Vorstellung von âºLebenâ¹, âºLiebeâ¹ und âºGenuÃâ¹! (III, 335)
In Kracauers Angestellten-Analyse lesen wir den reziproken Fall: Das einzige â hier offenbar fast sprichwörtliche â Arbeitermädchen kommt von den Schlagern ihres Milieus nicht los und beginnt sie unbewusst mitzuträllern, wenn sie irgendwo gespielt werden.42 Natürlich erkennt Roth auch Unterschiede in den Milieus: In den Bars »mit Bierbetrieb« (III, 335) kleidet man sich anders und konsumiert andere Speisen und Getränke. Und er räumt ein: »Der Nacht fällt es leichter, Gegensätze zu verwischen, als dem Tage.« (III, 336) Bei Licht betrachtet zeigen sich die unwirtlichen Wohn- und Lebensverhältnisse der Arbeiterviertel deutlicher.
Wie stark Roth in den Ruhrgebietsreportagen mit wiedererkennbaren Motiven arbeitet, zeigt seine Beschreibung der Arbeiter auf dem Weg zu den Zechen, Stahlwerken und anderen Industriebetrieben. Die Szene erinnert an eine Sequenz relativ zu Beginn von Berlin. Die Sinfonie der GroÃstadt (1927) und an den Epilog von Menschen am Sonntag (1929/30),43 zwei bekannten Filmen seinerzeit, die mit dokumentarischem Duktus je einen Tag in Berlin abfilmen:
Und ehe noch zu sehen war, wie sie entsteht, sich zusammensetzt, sammelt und auszuschreiten beginnt, erfüllt schon eine lange, erst schüttere, dann immer dichter werdende Menschenkette die StraÃen rechts und links, zwei unregelmäÃig geflochtene, hier und dort verknotete Ketten, deren Glieder durch unsichtbare Bindungen zusammenhängen und, wo der Bürgersteig zu schmal wird, an die StraÃenränder niedertropfen. Schweigen und Schritte. Schweigen und Schritte. Sohle auf Steinen, leises Wimmern von Blechgeschirren, helles Knarren metallener Henkel in metallenen Ãsen. Manchmal Gespräch in einer Gruppe. Vorbei! Wieder Schweigen und Schritte. (III, 337)
Die Filmreferenzen stellen den Authentizitätsanspruch der Reportage nicht in Frage; sie rufen bei den Leserinnen und Lesern der Kölnischen Zeitung nur einen Frame auf, mit dem sie den Beginn der Werktätigkeit einordnen, oder sogar in seiner Eigenlogik verstehen können. Die Gruppenbildung der Arbeiter in der Beschreibung lässt gegensätzliche Assoziationen zu. Man kann an das Prinzip der Solidarität und an Gemeinschaftserlebnisse der Arbeiter denken, aber auch an typische GroÃstadtmotive wie Vermassung, Anonymität und Auflösung des Individuums in übergeordnete Gesellschaftsstrukturen. Die Indifferenz und Konkurrenz möglicher Deutung gehört zum Prinzip der Reportage. Betont wird diese Haltung durch eine ostentative Platzierung des Betrachters auÃerhalb des Arbeiterzugs:
Ich bin einigermaÃen ratlos. Ich schäme mich, mitzugehen, stehenzubleiben, in die entgegengesetzte Richtung zu gehen. Man kann sich wohl einem Trauerzug anschlieÃen, einer Parade, einem fremden Umzug, man kann in jeder öffentlichen Veranstaltung unauffällig erscheinen und unauffällig verschwinden. Aber hier, an diesem Gang zur Arbeit, in den ich geraten bin, kann ich niemals nur zum Schein teilnehmen, ich müÃte denn schon wirklich arbeiten gehen. So unerbittlich ist dieser Marsch, wie die Arbeit selbst. (III, 338)
Der Betrachter der Szene suggeriert durch seine homodiegetische Schreibweise und das verwendete Präsens der Reportage eine unmittelbare Teilhabe am Geschehen. Der homodiegetische Beobachter lässt eine Identifikation der Rezipientin bzw. des Rezipienten zu, die bzw. der so quasi an der Szenerie teilnimmt â umso mehr als sich der Betrachter entschlieÃt, sich dem Zug nun doch anzuschlieÃen:
Ich entschlieÃe mich mitzugehen, um an der StraÃenecke abzubiegen. Eindringlicher als eine Marschmusik befiehlt der Aufschlag der tausend Sohlen meinen Schritten den Rhythmus, ich zwinge mich vergeblich zu einem andern, zu dem ich berechtigt bin, ich will diesen hier nicht, den ich mir gewissermaÃen schreitend erschleiche. Es hilft nichts. Aber hier ist die Ecke. Hier löse ich mich, ein Fremder von Fremden, ohne GruÃ. (III, 338)
Das Motiv der tausend Sohlen verweist auf das Massenphänomen Arbeit, der Rhythmus der Schritte zugleich auf die Gleichförmigkeit der Aktanten, ihren Vorhaben und die werktätige Wiederkehr des immer Gleichen.44 Was wie die Eingebung eines Augenblicks erscheint, ist â man möchte sagen wieder mal â medial vermittelt: Roths Versuch einer Teilhabe über die Antizipation des Rhythmus, den die Schritte der Arbeiter vorgeben, arbeitet nämlich mit einem bekannten Intertext: Aufgerufen wird das Ende eines bekannten Romans von Richard Beer-Hofmann, den Roth als Wiener Student natürlich gelesen hat: Der Tod Georgs (1900).45 Offen und bis heute in der Forschung umstritten bleibt, ob in diesem Roman die beschwichtigende und stabilisierende Eingliederung des Protagonisten in den Zug der Arbeiter gelingt. In der Ruhrgebietsreportage gelingt sie definitiv nicht; zu fremd sind dem Betrachter die zur Arbeit schreitenden Menschen, zu denen er nicht gehört.
Zehn Minuten später erdröhnen die heisern Sirenen, einmal, zweimal, dreimal. Es dröhnt wie von groÃen Dampfern (die Verwandtschaft der Signale ist mir sympathisch), und ich denke mit ehrfurchtsvollem Schrecken an den grausamsten, gefährlichsten und gefräÃigsten aller Ozeane: den der Arbeit. (III, 338)
Mit einer Metapher, die die Endlosigkeit und Unübersichtlichkeit der Arbeitermassen und ihrer Werktätigkeit aufnimmt, endet diese Reportage. Der »ehrfurchtsvolle Schrecken« dekuvriert einmal mehr den beschreibenden Ãstheten: Der millionenfache Arbeitsbeginn im Ruhrgebiet löst Empfindungen des Erhabenen aus, bei denen die Unfassbarkeit des Beschreibungsobjekts âºArbeitâ¹ zumindest in einem ästhetisch überformten Rezeptionsempfinden anklingt.
VerheiÃungsvoll ist dementsprechend der Cliffhanger gestaltet: Man erwartet in der nächsten Reportage Auskünfte über den »grausamsten, gefährlichsten und gefräÃigsten« Arbeitsalltag im â für Fremde kaum differenzierbaren â Ruhrrevier. Wir erinnern uns an Kisch, der ja vom Reporter die Darstellung des AuÃergewöhnlichen im Alltäglichen verlangt: »Der Reporter dient der Sensation«, auch wenn er dem »Wille[n] zur Sachlichkeit, zur Wahrheit« verpflichtet ist.46 Der sorgsam am Ende der Reportage arrangierte Gestus des Erhabenen kommt diesem Wille paradoxerweise mit einer Ãberpointierung des Rhetorischen nach. Es dient dazu, das Motiv des Unfassbaren sprachlich-künstlerisch angemessen zu gestalten. Ãber den unübersehbaren Ozean der Arbeitsrealität im Ruhrgebiet erfährt man in den nächsten Reportagen indes wenig.
Als nächstes folgen dann nämlich die zwei exemplarischen und antipodisch angelegten Porträts eines Ingenieurs und eines Arbeiters. Schauen wir uns letzteres abschlieÃend genauer an. Es beendet die Reportage-Serie der Kleinen Reise von 1931. »Friedrich M. ist Arbeiter.« (III, 342) â so beginnt die Reportage, die dann nicht dessen Arbeit, rein zeitlich gesehen also seinen wesentlichen Lebensinhalt beschreibt, sondern Momente seines Freizeit- und Familienverhaltens. Die längste Passage seiner Reportage widmet Roth einem gemeinsamen Theaterbesuch â eine nächtliche Erkundung also â, so als wolle er das eigene Kulturinteresse des bildungsfernen Milieus betonen. Von der Werktätigkeit Friedrichs sagt er immerhin, dass es »eine schwere Arbeit« sei. »Man leistet sie nicht jahrelang ohne Schaden für die Gesundheit.« (III, 342) Friedrich M. war nicht im Bergbau, sondern â der zweite groÃe Industriezweig des Reviers â im Stahlwerk beschäftigt. Die harte Arbeit habe den Körper des Mannes geprägt, sei ihm »eine zweite und grausamere Natur« gewesen (III, 344).
Roth legt Wert auf die »Persönlichkeit« des arbeitenden Menschen; er zweifelt an der »Gültigkeit des Typs« (III, 344), an der Stilisierung eines irgendwie einheitlichen Bildes vom Stahlarbeiter â und das ist der Grund, warum die Beschreibung des Berufsalltags zugunsten einer âºprivatenâ¹ Sicht auf Friedrich M. unterbleibt. Als dieser einmal angedeutet wird, markiert er so deutlich einen intermedialen Bezug, dass man versteht, was er will: Den Stahlarbeiter, der »die feurigen Schlangen aus Eisen mit Zwickzangen« bearbeitet (III, 344), kennt Roth von einem alten Berliner Gemälde Menzels,47 nicht aber aus der modernen Ruhrgebietsrealität. Am Arbeitsplatz hat er Friedrich M. offenbar nie besucht.
Roth geht es in seinen Ruhrgebietsreportagen also nicht um die Arbeit an sich, die das Leben in dieser Region prägte: den Bergbau, die Schwerindustrie, sondern um die Menschen, die diese Arbeit verrichten und von ihr geprägt wurden. Die Arbeitsverhältnisse prägen über den Arbeitsalltag hinaus eine unverwechselbare Stadtlandschaft mit ihren spezifischen Verkehrsmitteln, urbanen Räumen, privaten Wohnquartieren und Vergnügungsstätten.
Und der Bergbau? Die Kohle? Beides spielt in den Ruhrgebietsreportagen kaum eine Rolle: Ja, als visuelles Element taucht es mal in einem ästhetisierten Genrebild zu Beginn der Reportage-Serie auf. In Der Hafen von Ruhrort heiÃt es: »Ich liebe [â¦] die schwarzgrauen, wirbelnden Staubschleier, den die ausgeladene Kohle aus ihren eigenen, allerfeinsten Molekülen erzeugt und über diese bewegte Welt breitet.« (III, 320) Interessiert sich Roth nicht für den Bergbau? Doch, es gibt zum Beispiel eine sehr ausführliche Reportage Unter Tag (Frankfurter Zeitung, 29.2.1927; II, 787â794), die sehr eindrücklich vom Kohleabbau und der harten Arbeit der Kumpel in Form eines Briefes berichtet. »Es ist«, schreibt Roth, »als hätte sich einer jener Träume realisiert, die vor fünfzehn Jahren aus meinen Büchern in meine Nächte wandelten, dem Gedächtnis Bilder schenkten, dem Herzen Sensationen der Schrecknisse und die langen, bunten Fäden der Phantasie« (II, 791). Ãber seine Hoffnungen belehrt ihn ein Arbeiter: »Wir brauchen keine bequemeren Schächte. Wir brauchen nur eines: mehr Arbeit und mehr Geld!« (II, 792) Die Bergerlebnisse Roths entstanden aber nicht im Ruhrrevier, sondern beim Besuch des französisch besetzen Saarlandes.
Die Arbeit, die Zeche, die Kohle und der Pütt werden in den Ruhrgebietsreportagen48 â so meine These â absichtsvoll ausgeklammert, um den arbeitenden Menschen nicht als Stereotyp, sondern als Menschen in spezifischen topografischen Gegebenheiten zu zeigen: auf seinem Weg zur Arbeit, in seiner Familie, in seinen Kneipen, auf der StraÃe.
Joseph Roth: Nächtliche Erkundungen. In: Gregor Gumpert/Ewald Tucai (Hg.): Ruhr.Buch. Das Ruhrgebiet literarisch. München: dtv 2009, S. 26â30.
Joseph Roth: Ankunft in Essen [1931]. In: Ders.: Werke. Bd. 3: Das journalistische Werk 1929â1933. Hg. v. Klaus Westermann. Frankfurt am Main/Wien: Büchergilde Gutenberg 1994 [Erstausgabe: Köln: Kiepenheuer & Witsch 1989], S. 330. Die Ausgabe wird im Folgenden mit Band und Seitenangabe im laufenden Text zitiert.
Roth: Nächtliche Erkundungen (Anm. 1), S. 26.
Vgl. August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (Hg.): Unsere volkstümlichen Lieder. Hg. und neu bearb. von Karl Hermann Prahl. 4. Aufl. Leipzig: Engelmann 1900, S. 107.
Vgl. Gerhard Heilfurth: Das Bergmannslied. Wesen, Leben, Funktion. Ein Beitrag zur Erhellung von Bestand und Wandlung der sozial-kulturellen Elemente im Aufbau der industriellen Gesellschaft. Kassel/Basel: Bärenreiter 1954, S. 76, 194â197, 210â218, 429â439 (Editionen), 636â643 (Quellenverzeichnis) et passim.
Zum zeitgenössischen Kontext vgl. Graf Alexander Stenbock-Fermor: Deutschland von unten. Reise durch die proletarische Provinz. Stuttgart: J. Engelhorns Nachf. 1931 [Neuausgabe: Berlin: Verlag für Berlin-Brandenburg 2016]; Heinrich Hauser: Schwarzes Revier. Berlin: S. Fischer 1930 [Neuausgabe: Bonn: Weidle 2010].
Grundsätzliches zur Diskussion der Arbeit in der Zwischenkriegszeit bietet Thorsten Unger: Diskontinuitäten im Erwerbsleben. Vergleichende Untersuchungen zu Arbeit und Erwerbslosigkeit in der Literatur der Weimarer Republik. Tübingen: Niemeyer 2004.
Vgl. Martina Löw: Raumsoziologie. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2001; Dies.: Soziologie der Städte. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2008.
Bekannt ist dieser Topos etwa aus expressionistischen Gedichten oder GroÃstadtromanen wie Döblins Berlin Alexanderplatz (1929).
Siegfried Kracauer: Die kleinen Ladenmädchen gehen ins Kino. In: Ders.: Das Ornament der Masse. Essays. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1977, S. 279â294.
Ebd., S. 279.
Ebd.
Vgl. Herbert Marcuse: Repressive Toleranz. In: Robert Paul Wolff/Barrington Moore/Ders.: Kritik der reinen Toleranz. Aus dem Englischen von Alfred Schmidt. 4. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1968, S. 91â128.
Vgl. Fritz Martini (Hg.): Prosa des Expressionismus. Stuttgart: Reclam 1970, S. 189â195.
Vgl. Stefan Zweig: Länder, Städte, Landschaften. Hg. von Knut Beck. Frankfurt am Main: Fischer 1981, S. 146â152.
Vgl. Siegfried Kracauer: StraÃen in Berlin und anderswo. Berlin: Arsenal 1987, S. 24â29. Vgl. Dirk Niefanger: Orte im Abseits. Heterotopien im GroÃstadt-Feuilleton Siegfried Kracauers (und der Klassischen Moderne). In: Christoph Brecht/Wolfgang Fink (Hg.): »Unvollständig, krank und halb?« Zur Archäologie moderner Identität. Bielefeld: Aisthesis 1996, S. 175â193.
Vgl. Walter Benjamin: Berliner Kindheit um neunzehnhundert. Mit einem Nachwort von Theodor W. Adorno. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1987, S. 23â25.
Heinz Lunzer/Victoria Lunzer-Talos: Joseph Roth. Leben und Werk in Bildern. Köln: Kiepenheuer & Witsch 2009, S. 162: »Starjournalist 1927â1933«.
Damit wäre zumindest ein überregional bedeutender Schriftsteller identifiziert, der das »Ruhrgebiet als Ganzes« in den Blick nimmt und es »exemplarisch« darstellt; Dirk Hallenberger hatte dies eingefordert: Vorwort. In: Ders. (Hg.): Wandel vor Ort. Das Ruhrgebiet in ausgewählten Erzählungen. Bottrop: Henselowsky Boschmann 2007, S. 4â7, hier S. 5. Vgl. auch Ders. (Hg.): Heimspiele und Stippvisiten. Reportagen über das Ruhrgebiet. Bottrop: Henselowsky Boschmann 2005.
Vgl. Erhard Schütz (Hg.): Die Ruhrprovinz â das Land der Städte. Reportagen und Berichte von den Zwanziger Jahren bis heute. Köln: Bund 1987; Ders.: Das Revier der Reporter. Beschreibungsliteratur über das Ruhrgebiet. In: Ute Eskildsen/Ulrich Borsdorf (Hg.): Endlich so wie überall? Bilder und Texte aus dem Ruhrgebiet. Essen: Kulturstiftung Ruhr 1987, S. 92â95.
Günter Bentele: [Art.] Reportage. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Hg. von Harald Fricke, Jan-Dirk Müller und Klaus Weimar. Bd. 3. Berlin/New York: de Gruyter 2007, S. 266â269, hier S. 266.
Egon Erwin Kisch: Wesen des Reporters. In: Literarisches Echo 20 (1918), Nr. 1, Sp. 437â440.
Als Feuilleton wird hier eine »publizistisch-literarische Textsorte mit Anspruch auf unterhaltsame und stilistisch ausgefeilte Behandlung ernsthafter Themen« verstanden. Vgl. Ulrich Püschel: [Art.] Feuilleton2. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Hg. v. Harald Fricke, Jan-Dirk Müller und Klaus Weimar. Bd. 1. Berlin/New York: de Gruyter 2007, S. 584â587, hier S. 584.
Egon Erwin Kisch: Wesen des Reporters [1918], zit. n. Anton Kaes (Hg.): Manifeste und Dokumente zur deutschen Literatur 1918â1933. Stuttgart: Metzler 1983, S. 320.
Egon Erwin Kisch: Der rasende Reporter. Berlin 1925, S. VIIâVIII [Vorwort], zit. n. Kaes (Hg.): Manifeste und Dokumente (Anm. 24), S. 319â321. Von einer Nähe Roths zu Kisch zeugt nicht zuletzt Roths Essay Kein rasender Reporter. Egon Erwin Kisch zum 50. Geburtstag, erschienen in: Neue deutsche Blätter, Juni 1935 (III, 675).
Kisch: Wesen des Reporters (Anm. 24), S. 320.
Vgl. Roth: Kein rasender Reporter (Anm. 25).
Peter Panter [d.â i. Kurt Tucholsky]: Der rasende Reporter. In: Die Weltbühne 21 (1925), S. 254â f.
Ebd., S. 255.
Ebd.
Vgl. Dirk Niefanger: Gesellschaft als Text. Zum Verhältnis von Soziographie und Literatur bei Siegfried Kracauer. In: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 73 (1999), Sonderheft, S. 162â180.
Vgl. Marie Jahoda/Paul de Lazarsfeld/Hans Zeisel: Die Arbeitslosen von Marienthal. Ein soziographischer Versuch [1933]. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1975.
Vgl. Robert Ezra Park/Ernest W. Burgess: The City, Chicago [1925]. London: University of Chicago Press 1967.
Vgl. Siegfried Kracauer: Die Angestellten. Aus dem neuesten Deutschland [1930]. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1971.
Vgl. Joseph Roth: Wer ist Ginster? In: Frankfurter Zeitung, 25.11.1928; wiederabgedruckt in: Ingrid Belke u.â a. (Bearb.): Siegfried Kracauer 1889â1966. Marbacher Magazin 47 (1988), S. 52â54.
Vgl. Emil Lederer: Die Privatangestellten in der modernen Wirtschaftsentwicklung. Tübingen 1912; Ders.: Die Umschichtung des Proletariats. In: Neue Rundschau 40 (1929), S. 145â161; Georg Simmel: Philosophie des Geldes [1900; 2., verm. Aufl. 1907]. Hg. von David P. Frisby und Klaus Christian Köhnke. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1989; Ders.: Die GroÃstädte und das Geistesleben [1903]. In: Ders.: Das Individuum und die Freiheit. Essais. Hg. von Michael Landmann. Berlin: Wagenbach 1984, S. 192â204.
Kracauer: Die Angestellten (Anm. 34), S. 7.
Vgl. Graf Alexander Stenbock-Fermor: Wiedersehen mit den alten Bergarbeiterkameraden. In: Ders.: Deutschland von unten (Anm. 6), S. 102â117.
Vgl. Graf Alexander Stenbock-Fermor: Meine Erlebnisse als Bergarbeiter. Stuttgart: J. Engelhorns Nachf. 1928 [Neuausgabe: Bottrop: Henselowsky Boschmann 2017]. Siehe auch den Beitrag von Jens Wietschorke im vorliegenden Band.
Im Sinne von Pierre Bourdieu: Zur Soziologie der symbolischen Formen. Aus dem Französischen von Wolfgang Fitkau. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1974, bes. S. 125â158. Vgl. auch Ders.: Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft. Aus dem Französischen von Bernd Schwibs und Achim Russer. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1987; Ders.: Die Regeln der Kunst. Genese und Struktur des literarischen Feldes. Aus dem Französischen von Bernd Schwibs und Achim Russer. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2001.
Vgl. Theodor W. Adorno: Résumé über Kulturindustrie. In: Ders.: Ohne Leitbild. Parva Aesthetica. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1967, S. 60â70.
Vgl. Kracauer: Die Angestellten (Anm. 34), S. 65â72, hier S. 68: »Aber nicht sie [das Mädchen aus dem Proletariat, das im Angestelltenverhältnis arbeitet, D.N.] ist es, die jeden Schlager kennt, sondern die Schlager kennen sie, holen sie ein und erschlagen sie sanft.«
Vgl. Walther Ruttmanns Film Berlin. Die Sinfonie der GroÃstadt, nach einer Idee von Carl Mayer. Deutschland 1927, Premiere am 23.9.1927 in Berlin. Gemeint sind die Szenen etwa ab Minute 9.00 bis Minute 11.00. Vgl. auch den deutschen Stummfilm Menschen am Sonntag (1929/30) von Robert Siodmak, Edgar G. Ulmer und Billy Wilder, Uraufführung am 4.2.1930. Hier sind die Schlusspassagen (Arbeitsbeginn am Montag) einschlägig.
Vgl. Friedrich Nietzsche: Die fröhliche Wissenschaft [1882; 2., verm. Aufl. 1887]. In: Ders.: Kritische Studienausgabe. Hg. von Giorgio Colli und Mazzino Montinari. München: dtv 1999, Bd. 3, S. 343â651, hier S. 570.
Vgl. Richard Beer-Hofmann: Der Tod Georgs [1900]. Nachwort von Hartmut Scheible. Stuttgart: Reclam 1980, S. 116â f.
Kisch: Der rasende Reporter (Anm. 24), S. 320.
Vgl. Adolf von Menzel: Das Eisenwalzwerk (1872â1875). Nationalgalerie zu Berlin.
Ãbrigens sind die Rechte an den Ruhrgebietsreportagen Roths meines Wissens frei, sodass man eine Sammelausgabe publizieren könnte.