Schon ein kurzer Blick auf Darstellungen der deutschsprachigen Literatur der 1960er Jahre zeigt, dass die »Dortmunder Gruppe 61« auÃer der schlichten Tatsache, dass sie existiert hat, nur wenige Spuren in dem Bild hinterlassen hat, das dort entworfen wird.1 Allenfalls steht der Name Max von der Grüns neben denen von Grass, Enzensberger, Fried, Johnson oder Hochhuth. Dabei findet am ehesten noch ihr Ende, die offene Krise ab 1965/66, Interesse, also von den »Werkstätten« und vom »Werkkreis Literatur der Arbeitswelt« her, unterschwellig auch in ihrer Frontstellung zur DDR.2 Aufgrund dieser Orientierung auf die Spätzeit ziehen Günter Wallraff, Erika Runge und später Peter-Paul Zahl Aufmerksamkeit auf sich.3 Allerdings waren die Konflikte, die in dieser Schlussphase aufbrachen, historisch gesehen, nicht neu, sie kamen von weit her; es handelte sich eher um ein Nachspiel. Was die Gruppe jenseits archivarischer Gewissenhaftigkeit, ruhrgebietsnostalgischer Neigungen und â ja â jenseits solidarischer Pietät aus literaturgeschichtlicher und kulturwissenschaftlicher Perspektive heute erinnerungswürdig macht, sind m.â E. generelle Probleme unserer historischen Situation, etwa die Verschiebung sozialer Gegebenheiten ins Symbolische oder Prozesse, in denen kulturelle Handlungsweisen und Normen hegemonial gesetzt werden, oder die Konfigurationen historischer Ungleichzeitigkeiten oder die Möglichkeit (und vielleicht auch die Unmöglichkeit) âºdichterischerâ¹ Darstellung von Arbeit.
1.
Die »Gruppe 61« bereitet dem Historiker schon bei der Frage nach ihrer literaturgeschichtlichen Einordnung Schwierigkeiten, die aus deren Vorgeschichte herrühren. Diese Crux stellt für die westdeutsche, an der âºModerneâ¹ orientierten Literaturgeschichtsschreibung kein beiläufiges Problem dar4 â jedenfalls, solange die Vereinigung nicht als ein nur regionalkulturelles Phänomen, sondern darüber hinaus im Gesamtzusammenhang der Nachkriegsliteratur gesehen wird. Ohne groÃe Umstände rückte etwa der Verfasser eines 1965 in der Welt erschienenen Artikels die Schreibarbeit der Gruppe an den »Rand[â ] der Literatur«.5 Nicht grundlos verfestigte sich diese (durchaus mehrschichtige) Verortung an der Peripherie des literarischen Felds in der einschlägigen Sekundärliteratur nachgerade zu einer stehenden Redewendung und stieg sogar zu einem Buchtitel auf.6 Sicherlich handelt es sich um eine forcierte Formulierung, mit welcher Wilfried Barner in der von ihm besorgten Geschichte der deutschen Literatur nach 1945 die Gründung der »Gruppe 61« aus dem geschichtlichen Kontinuum herausnimmt, wenn er meint, dass es sich »wie zufällig traf, daà [â¦] 1960 [â¦] Fritz Hüser und Walter Köpping eine Anthologie bergmännischer Dichtung herausbrachten«.7 Aber gerade diese Zuspitzung macht auf ein grundsätzliches historiografisches Problem in der Auseinandersetzung mit der Gruppe aufmerksam. Zwar versucht der Autor sich zunächst aus der Klemme zu ziehen, indem er konzediert, dass die beiden Anthologisten »an eine besonders markante Tradition von Arbeiterdichtung an[knüpften], die weit in die Vorkriegszeit, ja bis in die erste Phase der Industrialisierung zurückreicht«.8 Doch trotz dieses floskelhaften Einschubs (der zudem eine Präzision verdient hätte) hält Barner letztlich an seiner Auffassung fest, es habe »der Randfiguren, der Zufälle, der persönlichen Verbindungen« bedurft, welche der »Gruppe 61« zu ihrer Geburt verholfen haben.9
Eine solche Einschätzung der Gruppe als einer kontingenten literarischen Erscheinung10 war vor dem Hintergrund des Literaturbegriffs, der zumindest im Rahmen der überkommenen ästhetischen Wertsetzungen vorherrschte, durchaus plausibel. Sie rechtfertigte auch die lange Zeit vorherrschende isolierte, auf das Industriegebiet bezogene Betrachtung; erst Studien der letzten Jahre weiten den Horizont auf die gesamtliterarische Szene.11
Im Gegensatz zu solchen Zuschreibungen von Diskontinuitäten, die sich â oft nicht sehr überzeugend â mühen, der Schreibarbeit der Gruppe subversive, d.â h. brechende Qualitäten zuzuschreiben,12 und dabei gerne Hildegard Wohlgemuths Gedichtzeile »Wir stören? Das ist unsre Absicht« zitieren, versuchten zumindest in der Anfangsphase die Initiatoren der Gruppe, diese (vermeintliche) Sperrigkeit wenigstens etwas zu glätten und dem Vorhaben eine gewisse Kontinuität zuzuschreiben. Anders ist kaum zu erklären, warum Fritz Hüser auf der Gründungsversammlung der Gruppe überraschenderweise (als handele es sich um die Sitzung eines Proseminars) zwei Referate hielt, von denen sich das eine mit dem »Ruhrlandkreis« (1920er Jahre) auseinandersetzte und das andere â noch überraschender â die »Werkleute auf Haus Nyland« (aus der Zeit des späten Wilhelminismus) beleuchtete. Es scheint, als habe er auf diese Weise dem Projekt die ihm zugeschriebene historische Randständigkeit nehmen wollen,13 indem er ihm das vorschaltete, was dem Historiker zu fehlen schien: eine Kontextualisierung über eine legitimierende Vorgeschichte.14
Der Versuch, die Arbeit der Gruppe in einen geschichtlichen Zusammenhang zu rücken, stieà übrigens nicht bei allen Gruppenmitgliedern auf uneingeschränkte Begeisterung. Im Programm, das diese sich 1963 gaben, rückte die Beschäftigung mit der Tradition an die letzte Stelle des Aufgabenkatalogs, sie sollte zudem »kritisch« sein. Diese Rückstufung gab auch der gelegentlich vorgetragenen Meinung Nahrung, die Schreibarbeit der Gruppe sei ein Reflex auf die Krise im Bergbau Ende der 1950er Jahre. Dieser Hinweis ist nicht ganz unrichtig, aber durchschlagend ist er auch nicht, denn die Texte sprechen nur sehr selten dezidiert davon und werden dann dieser Situation thematisch kaum und formal schon gar nicht gerecht; so ist etwa Josef Büschers Gedicht Zechensterben15 nirgendwo zu entnehmen, warum das Bergwerk, von dem die Rede ist, überhaupt stillgelegt worden ist. Gleiches gilt für Günter Westerhoffs Verlassene Zeche: »Am Morgen / warf sich schreiend ab / vom toten Förderturm / ein Falkenpaar / und floh.«16
Auch die meisten Prosastücke â nimmt man die Arbeiten von der Grüns und Wallraffs aus â halten konkurrierenden Darstellungen industrieller Arbeit (wie etwa betriebswirtschaftlichen, unfallanalytischen, fördertechnischen Berichten) kaum stand, zumal ihre Verfasser nur zu oft der Neigung nachgeben, die Erzählung in die Schilderung zwischenmenschlicher Konstellationen zu verschieben. Der Sachbezug dieser Texte scheint am Ende nicht das Wichtigste gewesen zu sein.
Wenn es um die Impulse geht, welche die Gründung der Gruppe beflügelten, dann wäre vielleicht eher auf die Bemühungen âºbürgerlicherâ¹ Autoren wie Alexander von Cube, Wolfgang Rothe, Alfred Andersch und vor allem Walter Jens zu verweisen, die glaubten, hier ein braches Feld entdeckt zu haben, zum einen wohl, um dem »Bitterfelder Weg« der DDR etwas entgegenzusetzen, zum anderen, um dem Buchmarkt ein nach ihrer Meinung vernachlässigtes Themenfeld zu öffnen und auf diese Weise neue Leserschichten zu gewinnen. Merkwürdigerweise wird übrigens â jedenfalls soweit ich sehe â nirgendwo auf die Wende verwiesen, welche die SPD mit dem Godesberger Programm kurz zuvor vollzogen hatte, lesen sich doch manche der Debatten wie literarische Kompensationen politisch aufgegebener Positionen.
Näher kommen der historischen Situation die Hinweise auf die Kontinuität der montanindustriellen Lyrik seit den 1920er Jahren. Schon in der von Fritz Hüser und Walter Köpping im Jahr 1960 besorgten Anthologie bergmännischer Lyrik,17 welche die Initialzündung zur Gründung der Gruppe gegeben hat, sind Gegenwartsautoren in einer deutlichen Minderzahl (und das war kein Zufall). Diese Kontinuität wird allerdings schnell personalisiert, indem diese â die 1930er Jahre bewusst umgehend â in erster Linie den Aktivitäten Otto Wohlgemuths zugeschrieben wird. Obwohl die âºWestfalenâ¹-Ideologie, die den »Ruhrlandkreis« weithin geprägt hatte, nach dem Krieg zunehmend obsolet geworden war, blieb Wohlgemuth unermüdlich bestrebt, die alten Mitglieder des Kreises zusammenzuhalten und unter jüngeren Schreibern der Region Verbindungen zu knüpfen, etwa indem er â allerdings vergeblich â eine neue Anthologie zu lancieren versuchte.18 Nicht ohne Grund (und nicht ohne Folgen) ist er in der Hüser/Köpping-Anthologie der am stärksten vertretene Autor.
Erst in neueren Untersuchungen wird auf den zumindest landesgeschichtlich wohl interessantesten Impuls zur Gründung der »Gruppe 61« verwiesen: auf die vielfältigen Bemühungen, nach 1945 die im Bergbau Beschäftigten kulturell zu âºbetreuenâ¹.19 Dabei spielten unterschiedliche und doch konvergierende Interessen eine Rolle: Die britische Besatzungsmacht wollte die Kohleförderung sichern, die Bergwerksgesellschaften brauchten dringend Arbeiter, die IG Bergbau war daran interessiert, die neu ins Revier strömenden Arbeiter einzugewöhnen, die Einheitsgewerkschaft fürchtete rechte wie linke Konkurrenzvereinigungen. Dieser Harmonieverbund bestimmte unter dem Schlagwort âºSozialpartnerschaftâ¹ lange Zeit das soziale Klima Westdeutschlands und barg, wie vor allem die Auseinandersetzungen über von der Grüns Roman Irrlicht und Feuer (1963) zeigen sollten, nicht geringe Sprengkraft. In den Gewerkschaften und im sozialdemokratischen Flügel der Sozialisten wirkten jene Anstrengungen nach, die â mit welchem Erfolg auch immer â auf die âºHebungâ¹ von Bildung innerhalb der Arbeiterschaft gedrängt hatten. Diese milieubildende Kraft schwand angesichts der Veränderungen der Arbeitswelt und unter dem Druck dessen, was wir âºAmerikanisierungâ¹ nennen, in den Nachkriegsjahrzehnten erheblich. Dem sollte mit beachtlichem organisatorischem Aufwand (übrigens ebenfalls in der DDR) entgegengewirkt werden. In diesem Kontext agierte auch der gewerkschaftliche Bildungssekretär Walter Köpping, auf dessen Initiative die IG Bergbau seine gemeinsam mit Hüser bearbeitete Sammlung Wir tragen ein Licht durch die Nacht (1960) sponserte. Am bedeutendsten war in diesem Zusammenhang die vom Landesverband der Volkshochschulen, dem Land NRW und der IG Bergbau getragene Revierarbeitsgemeinschaft für kulturelle Bergmannsbetreuung (REVAG); zudem stellten die Bergwerksgesellschaften, etwa die Gelsenkirchener Bergwerks-AG oder die Hibernia AG, Kulturreferenten ein. Besonders aktiv agierte dabei der Beauftragte der Schachtanlage Walsum in Dinslaken, Willy Bartock, der selbst Schriftsteller war und mit der Bezeichnung »Kohlen-Goethe« in die Annalen der Bergarbeiterliteratur einging, eine Bezeichnung im übrigen, die entlarvend genug war. Er organisierte vom 2. bis 4. November 1956 die sogenannte Walsumer Tagung, an welcher rund 20 Aktive teilnahmen, die später teilweise auch der »Gruppe 61« angehörten. Man diskutierte über organisatorische, aber auch über ästhetische Fragen, wobei es â durchaus kontrovers â vor allem um die Milieugebundenheit von Arbeiterliteratur, um deren agitatorische Funktion und um Fragen der literarischen Qualität ging, alles Probleme, um die auch ein halbes Jahrzehnt später in der »Gruppe 61« gerungen wurde.20 Das Niveau scheint allerdings â zumindest in den Augen von Pressevertretern aus dem kulturellen Mainstream â nicht sehr überzeugend gewesen zu sein, wenn etwa die Berichterstatterin des WDR von den Autoren als »Dichter[n] des einfältigen Herzens« sprach.21
Mit den so herausgearbeiteten historischen Zuordnungen war für die Beteiligten (und für die Literarhistoriker) der milieuspezifische Bezug und die literarische Einordnung der Schreibarbeit der »Gruppe 61« hinreichend fixiert. Sie ergeben ein Gefüge soziokultureller und literarischer Charakteristika, das trotz den tiefgreifenden Veränderungen in der montanindustriellen Arbeitswelt und auf dem literarischen Feld über fast ein halbes Jahrhundert erstaunlich stabil ausfiel. Erstere wurden so gut wie nie thematisiert, letztere bei leichten Anpassungen an herrschende Moden abgewehrt (wie etwa in Artur Granitzkis Zurückweisung Ingeborg Bachmanns in Die Anrufung des groÃen Bären22), oder sie wurden â wie zumeist â ignoriert.
2.
Das auf diese Weise scheinbar ausgelotete Problem der literarischen Zuordnung der literarischen Produktion der »Gruppe 61« ist am Ende aber doch entschieden komplexer. Auch wenn es nicht länger im Mittelpunkt der Diskussionen und Bemühungen stand, tauchte es hinterrücks doch fortwährend wieder auf, denn eine der immer wieder erhobenen Forderungen lautete, die literarische Beschäftigung mit der industriellen Arbeitswelt müsse »literarisch-künstlerischen« Kriterien genügen. Wie ein Mantra zieht sich diese Erwartung durch die Verlautbarungen der Gruppe. Aber: warum »künstlerisch«? Das war â und ist â angesichts des Sujets und der gesellschaftlichen Selbstverortung der Mitglieder durchaus nicht selbstverständlich. Und was hieà in diesem Zusammenhang überhaupt »künstlerisch«? Für die Initiatoren der Gruppe schien das klar, gleichsam naturgegeben zu sein, denn in ihren Texten finden sich â und auch das nur selten â allenfalls recht allgemeine Hinweise darauf. Wie selbstverständlich bewegten sich die Autoren mit ihren Vorstellungen auf einem Terrain, das in den Diskussionen ausgemessen worden war, die am Ende des 19. Jahrhunderts in der sozialistischen Bewegung geführt worden waren. 1896 hielt die SPD einen Parteitag ab, auf dem literarische Fragen sogar im Mittelpunkt standen. In diesen Auseinandersetzungen hatten sich â bei gehöriger Reduktion von Komplexität â zwei Tendenzen herausgebildet, eine orthodoxe und eine konservative, wobei erstere â etwa unter dem (später so formulierten) Kampfruf »Kunst als Waffe« â die sozialistische Literaturdoktrin über die Weimarer Republik bis weit in die DDR hinein bestimmte, während letztere im (engelsskeptischen, leninablehnenden23) sozialdemokratischen und gewerkschaftlichen Flügel präferiert wurde; sie bekam von der Arbeitersängerbewegung und vor allem vom (für Arbeiterkinder indes insgesamt mageren) staatlichen Schulwesen her nicht unerhebliche Unterstützung, aber auch von âºbürgerlichenâ¹ Initiativen, etwa von den âºKathedersozialistenâ¹.
Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts bestimmten diese Positionen die Praxis von âºArbeiterdichtungâ¹. Es ist unmöglich, auf die â oft auch querlaufenden â Impulse der sozialdemokratischen und gewerkschaftlichen âºArbeiterbildungspolitikâ¹ hier mehr als nur hinzuweisen, in deren Rahmen sich diese âºArbeiterdichtungâ¹ entfaltete. Unter dem Liebknechtâschen Schlagwort »Wissen ist Macht« wurde zwar in erster Linie Organisationswissen vermittelt, aber es sollte der Arbeiterschaft auch ermöglicht werden, an âºKulturâ¹ teilzuhaben,24 und unter âºKulturâ¹ verstanden selbst die entschieden historischen Materialisten â wie etwa Franz Mehring â ganz selbstverständlich die normativ gesetzte âºbürgerlicheâ¹ Kultur (die sie allerdings nicht so nannten). Es ist bemerkenswert, in welchem MaÃe sich die sozialdemokratischen und gewerkschaftlichen Protagonisten der âºArbeiterbildungspolitikâ¹ der breiten Schar der âºbürgerlichenâ¹ Allerwelts-Literaten anschlossen, die im Schatten der klassischen Literaturdoktrin auf dieser Position verharrten. Solcherweise bauten sie die arbeitenden Schichten auch auf dem Feld der symbolischen Organisation von Welterfahrung ins Arsenal der künstlerischen Ausdrucksformen ein, die das âºBildungsbürgertumâ¹ eisern als seinen kulturellen Besitz verteidigte,25 und stabilisierten somit die vom âºBildungsbürgertumâ¹ normativ fixierten Notierungen des âºkulturellen Kapitalsâ¹ (was übrigens â das nur in Klammern â bis heute der Fall ist, denn es wird auch jetzt noch anstandslos von den âºbildungsfernen Schichtenâ¹ gesprochen).
Wenngleich die Propagandisten der nachklassischen Popularästhetik â vor allem Schiller und Hegel in deren theoretischem Gestus folgend â einigen argumentativen Aufwand trieben,26 waren deren ästhetische Vorstellungen doch verhältnismäÃig einfach, und die konservativen âºArbeiterdichterâ¹ schlossen sich ihnen verwässernd an. Das Denkmuster, welches die Produktion aus der Tiefe lenkte, bestand eigentlich nur aus drei Prinzipien: Im Hinblick auf das Kunstwerk Idealisierung, im Hinblick auf den Urheber Ausdruck, im Hinblick auf den Rezipienten Gefühlserregung. Nicht, dass sich die âºArbeiterdichterâ¹ etwa die Populardichter (wie vor allem Geibel, Heyse oder Rodenberg), so berühmt und verbreitet diese auch waren, expressis verbis zu Vorbildern erkoren! Es handelte sich vielmehr um einen milieugebundenen Diskurs (um dieses mystische Wort hier zu benutzen).27
Am wirkungsvollsten erwies sich die Forderung nach Idealisierung, wie sie am nachhaltigsten Schillers Abhandlung über Anmut und Würde (1793) zur kanonischen Kunstdoktrin ausformuliert hatte: Das Kunstwerk sei selbstbestimmt nur den eigenen Gesetzen verpflichtet, es sei der Raum der physischen wie der moralischen Freiheit. Damit war eine sehr deutliche, heià umkämpfte Scheidelinie gezogen, an der alles âºInteresseâ¹ aus dem Bereich der âºKunstâ¹ verbannt und als âºTendenzâ¹, als âºPropagandaâ¹ denunziert wurde. Auch Hüser und Köpping folgten wie selbstverständlich noch dieser Vorgabe, wenn sie die aufrüttelnden Texte von Kämpchen, Kläber und Niekrawietz, an denen sie in ihrer Sammlung wohl glaubten, nicht vorbeigehen zu können, unter der Ãberschrift »Kampfzeit« an die Spitze ihrer Auswahl auslagerten. In den dazugehörigen Personalnotizen verbargen sie gegebenenfalls die Verbindungen ihrer Autoren zum kommunistischen »Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller« sorgsam; Fritz Dahlmann, der 2. Vorsitzende der IG Bergbau, hielt diesen Kämpen einer grauen, glücklicherweise vergangenen Vorzeit in seinem »Wort voraus« zu der von der Gewerkschaft geförderten Anthologie von Bergarbeiterlyrik nachgerade eine zweite Grabrede: »Wir dürfen unsere Arbeiterdichter nicht vergessen. Wir wollen [â¦] ihrer gedenken und ihnen danken.«28 Mit spitzer Feder legt Wolfgang Körner in seinem Roman Nowack dem gewerkschaftstreu plappernden Dramaturgen der Ruhrfestspiele die Sentenz in den Mund: »Welcher Werktätige will Agitprop? Schiller müÃte man mal wieder spielen.«29 Das wahre Kunstwerk agitiert nicht, lehrt nicht, es beschreibt nicht nur, es legt vielmehr einen tieferen âºSinnâ¹ hinter den Erscheinungen frei, d.â h. es arbeitet die thematisierte Referenzebene zu einem Symbol um. So urteilt Köpping über Bruno Gluchowskis Roman Der Durchbruch: »Dieser Roman ist viel mehr als die realistische Schilderung eines Unglücks [â¦]. Gluchowskis Blick dringt tiefer und reicht weiter, er erfaÃt tiefere Wahrheiten und Zusammenhänge [â¦].«30 Das wahre Kunstwerk ist (so der zweite Grundsatz) Ausdruckskunst, oder wie Fritz Hüser in seinem Vorwort zum Almanach der Gruppe 61 â teils zitierend â konstatiert, das »sensible Dichtergemüt« folge einem »ihm innewohnenden Gesetz, die ihm teilhaftig werdende Erlebniswelt in das rhythmische Wort zu bannen«, denn der Dichter werde aufgrund seiner Arbeitssituation von einem »starken Bestreben« getrieben, »Leben und Arbeit in dichterische Sprache zu übersetzen.«31 Und schlieÃlich zielt das wahre Kunstwerk â und ganz besonders die Lyrik â auf das Gefühl des Lesers, dem sich im dichterischen Wort die tiefere Wahrheit der Dinge erschlieÃt; um noch einmal Fritz Dahlmann zu zitieren: »[S]o mancher Bergmann wird in den Gedichten eigenes Erleben und sein Hoffen, sein Bangen und sein Fühlen und damit sich selbst finden.«32 D.â h. die Instanzen Autor und Leser fallen zusammen, und im Text öffnet sich ein gemeinsamer gefühlsmäÃiger Erlebnisraum.
Illustrierende Beispiele für diesen Anschluss der »Gruppe 61« an die Prinzipien der populären Dichtung des 19. Jahrhunderts anzuführen, ist insofern nicht leicht, als es in der Gruppe keinen einheitlichen Stil gab, so dass kein einzelner Text stellvertretend für viele stehen kann. Aber dennoch mag Josef Büschers Am Abend knarrt die Nacht doch als ein Exempel gelten: »Am Abend knarrt die Nacht / ihr dunkles Laken mühsam / zur Erde. Feuerträume grinsen, / und die Fensterscheibe starrt / erschrocken, das Alphabet / zu lesen, das die Arbeit / in die Wolken schreibt.«33 Unter der spätexpressionistischen Aufkrustung der Textoberfläche sind die drei angeführten Konstituenten populärpoetischer Literaturproduktion leicht zu erkennen: die Verwandlung der Referenzebene in ein âºSinnâ¹ tragendes Bild, die Emotionalisierung des Adressaten, die Betroffenheit des Sprechenden. Das Gedicht verwandelt eine Industrielandschaft in ein erschreckendes Symbol für eine pandämonische natur-, um nicht zu sagen weltzerstörende Produktivität.
3.
Das konservative Poesie-Modell musste sich in der Auseinandersetzung mit der sich rasant verändernden Arbeitswelt auch dem letzten Verteidiger vertrauter Redeweisen als wenig tauglich erweisen. Unter dem Druck, Arbeitsvorgänge so darzustellen, dass diese sich in âºSinnâ¹ tragende Bilder verwandelten, verflüchtigten sich die Bedingungen und Zustände industrieller Arbeit zu vagen (und nur zu oft auch konventionellen und brüchigen) Worthülsen, so etwa, wenn Bruno Leon in einem Gedicht unter der Ãberschrift Auferstehung die Förderung und Verstromung der vor Jahrmillionen in die Finsternis der Erde eingepferchten Kohle mit dem Aufstieg Jesu aus dem Dunkel der Zeit in den Glanz der Ewigkeit überblendet: »Angespannt die Kettensehne. / Gierig reiÃen Eisenzähne / Span auf Span aus Urweltzeit. / Polternd fällt in breite Tröge / Stück um Stück Vergangenheit. / [â¦] / Tagwärts quillt der Erde Blut, / wird zum Lichte, umgewandelt, / Auferstehung aus der Glut.«34 Abgesehen von der peinlichen Sakralisierung industrieller Arbeit: Diese sprachliche Ausdünnung geschieht nicht von ohngefähr, denn sie findet in einem sehr konkreten historischen Zusammenhang statt. Der Kohlehobel, der hier in ein âºSinnâ¹ einschlieÃendes Symbol verwandelt wird (nämlich für die menschliche Arbeit als Befreiung von der durch die Erdgeschichte gegebenen Zeitordnung), stellte Ende der 1950er Jahre eine technische Innovation dar, die tief in vertraute Produktionsweisen eingriff; ihm drohte allerdings â Ironie der Geschichte â wegen der Bergbaukrise das Schicksal, selbst binnen kurzem im stillgelegten Schacht in die Tiefen der Zeit zu versinken, woher er die Kohle gekratzt hatte. Von alledem kann der metaphorisierende Text nicht reden; hinter vielen Wörtern keine Welt, jedenfalls keine Arbeitswelt. Die Kritiker innerhalb der Gruppe zogen aus dieser Konstellation den kurzen Schluss, den sie auf das Cover einer der Veröffentlichungen des »Werkkreises Literatur der Arbeitswelt« druckten: »Poesie beginnt dort wo Tendenz ist«,35 und griffen auf ältere nicht-metaphorische Darstellungsweisen von Arbeit zurück, etwa auf die Reportage.
Ãhnliches geschieht im Hinblick auf das Postulat der Emotionalisierung, um nicht zu sagen: der Sentimentalisierung des Lesers. Damit das gelingt, greifen die Texte nur einen sehr schmalen Bereich industrieller Arbeit auf. So geht es in der Anthologie Aus der Welt der Arbeit (1966) neben der Arbeit vor Kohle etwa um Säuberungstätigkeiten (Klas Ewert Everwyn), Ãberwachungsaufgaben (Dieter Forte), Löten im Akkord (Elisabeth Engelhardt), Datenverarbeitung (Wolfgang Körner), Einsargen von Toten (Karl Alfred Wolken), Vertreterjobs (Ernst F. Wiedemann), Hilfsarbeiten auf der Zechen-Verschubstrecke (Matthias Mander), Packarbeit im Akkord (Angelika Mechtel), Lackieren (Günter Wallraff) usw., oder es wird â zuweilen recht gekonnt â das sinnlose Gelabere im âºrestringierten Codeâ¹ vorgeführt (Christian Geissler, Erwin Sylvanus). Von der Arbeit selbst wird dabei allerdings kaum berichtet, der Leser erfährt selten Genaueres. Der Bau komplizierter Maschinen, etwa einer Tunnelbohrmaschine, hätte nicht in das Bild gepasst, das hier vom Ruhrgebiet gezeichnet wird. Die einfache, knochenharte Industriearbeit taucht quasi nur in ihrem Abbild, in Gestalt der psychischen Effekte auf, die sie hinterlässt, und die sind immer und überall dieselben: Langeweile, Fremdbestimmung, das Gefühl von Sinn- und Hilflosigkeit, von Verdinglichung und vom Verlust der âºEigentlichkeitâ¹. Wie der Steinstaub in den Lungen der Bergveteranen drückt (Max von der Grün), so lastet die miese Lage auf den Personen. Offene Auflehnung der Betroffenen ändert nichts: »âºWorum handelte es sich denn eigentlich heuteâ¹, fragte ein junger Mann [auf der Rückfahrt von einer Demonstration], âºwar das ein Protest, war das eine Beerdigung?â¹ âºEine Beerdigungâ¹, sagte jemand. Keiner widersprach.«36 Es bleibt nichts als Resignation. Und selbst wenn eine Aktion einmal erfolgreich ist, dann bleibt allenfalls der Status quo erhalten; »ist das ein Grund zur Freude?«, fragt einmal der Erzähler einer Geschichte.37 Auch beim Leser erwecken die Geschichten nur ein einziges Gefühl: ausweglose Tristess; da hilft auch kein (relativer) Wohlstand der Figuren. Dieser Effekt kann sich nur einstellen, weil zum einen die Autoren ihre Protagonisten allesamt am unteren Rand der Arbeitsgesellschaft ansiedeln, dort wo die simpelste Arbeit erledigt wird, und zum anderen weil sie die Erzähler ihrer Geschichten fest in den Erfahrungshorizont ihrer Figuren einwurzeln. Das Individuum gewinnt so im industriellen Arbeitsprozess nur als ein in und an den Verhältnissen Leidender seine Personalität, die Möglichkeiten für veränderndes Handeln liegen jenseits des sozialen Spielraums, in den die Figuren gebannt sind. Selbst wenn sich ein Erzähler einmal in höhere Etagen der Arbeitshierarchie verirrt, etwa in die Welt eines Betriebsdirektors, dann drückt auch diesen das Elend der Welt, allerdings nicht in Gestalt industrieller Arbeit, sondern aufgrund des kriminellen Fehlverhaltens seines missratenen Sohns (Josef Reding). Die Autoren gaben sich alle Mühe, das Mitgefühl des Lesers zu stimulieren â und gingen dabei oft an die Grenze des Erlaubten (wie etwa Artur Granitzki in seinem Gedicht Intermezzo in grau38), was von Gewerkschaftsseite auch moniert wurde (etwa im Fall von der Grüns). In ihrem Gleichklang verfestigen die Texte in der Tat genau jenes Image, welches dem Ruhrgebiet auÃerhalb der Region wie Pech anklebt und das es seit mehr als einem halben Jahrhundert in seinen Marketingaktionen so unverdrossen wie vergeblich loszuwerden versucht.
4.
Die Voraussetzung für die âºEchtheitâ¹ dieses traurigen Blicks auf die desolate Stimmung in der industriellen Arbeitswelt liegt in der Versicherung, die Schilderung dieser Welt entspringe der Lebenserfahrung der Autoren. So bildeten deren Selbstdarstellungen ein zentrales Moment ihrer Schreibarbeit; die Mitglieder der Gruppe traten als Bewohner der bedrückenden Industriewelt in Erscheinung, in der ihre Erzählungen spielen. »Man muà sich«, forderte Günter Wallraff, »den Bedingungen auch aussetzen, von denen man ausgeht und die man beschreiben will«, eine Forderung, der sich auch Max von der Grün entschieden anschloss.39 Dieser Gestus existentieller Betroffenheit erlaubt nur ein relativ schmales Themenfeld, dessen literarische Behandlung sich schnell erschöpft. Der Stil einer empathischen Darstellung der unteren Segmente der Arbeitswelt hält die Ränder der Erzählungen porös gegenüber allgemeinen Vortexten, die mit anderen als âºkünstlerischenâ¹ Mitteln die industrielle Arbeitswelt beschreiben, etwa zu Zeitungsartikeln, Fernsehberichten oder zu Analysen der prekären Lage an der Ruhr. Diese (scheinbare) Bestätigung legt einen Hauch von âºAuthentizität⹠über die Texte und erhöht deren Glaubwürdigkeit, und damit deren Akzeptanz.
Mit dem gleichen Ziel umringen die Autoren ihre Texte mit biografischen Nebentexten, in denen sie â nicht selten mit einigem Aufwand â ihre Nähe zur industriellen Arbeitswelt zu dokumentieren suchen. Keiner allerdings zog solche radikalen Konsequenzen wie der gelernte Buchhändler Günter Wallraff, wenn dieser das traditionelle Feld der Literatur in Richtung einer zumindest inszenierten Realität verlieà und diese Grenzüberschreitung zu dem Credo zusammenfasste: »Ich glaube [â¦], daà an Stelle der Ãsthetik so etwas wie soziale Wahrheit, so etwas wie Aufklärung treten müÃte.«40 Damit war dann der Punkt markiert, an dem der »Werkkreis« die »Gruppe 61« sprengte.
Vgl. Wolfgang Promies: âºArbeiterdichtungâ¹ â âºDichtung der Arbeitsweltâ¹. In: Ludwig Fischer (Hg.): Literatur in der Bundesrepublik Deutschland bis 1967. München: Hanser 1986, S. 403â409; Ralf Schnell: Geschichte der deutschsprachigen Literatur seit 1945. Stuttgart: Metzler 1993, S. 360â371; Walter Gödden: Arbeiterliteratur. »Wir stören? Das ist unsre Absicht!«. In: Westfalenspiegel 60 (2011), H. 1, S. 30â34.
Vgl. Konstantin Ulmer: VEB Luchterhand? Ein Verlag im deutsch-deutschen literarischen Leben. Berlin: Ch. Links 2016, S. 115â126.
Vgl. Heinz Ludwig Arnold (Hg.): Gruppe 61. Arbeiterliteratur â Literatur der Arbeitswelt? Stuttgart: Boorberg 1971; Peter Kühne: Arbeiterklasse und Literatur. Dortmunder Gruppe 61 â Werkkreis Literatur der Arbeitswelt. Frankfurt am Main: Fischer 1972.
Im Gegensatz dazu versuchten die DDR-Germanisten das Projekt einer sozialistischen Nationalliteratur zu entwerfen, in dem die »Gruppe 61« die Rolle irregeleiteter Abweichler von der historisch notwendigen sozialistischen Linie zugeschrieben bekamen. Vgl. Geschichte der deutschen Literatur. Bd. 11: Literatur der Deutschen Demokratischen Republik. Hg. von Horst Haase u.â a. Berlin: Volk und Wissen 1976; Bd. 12: Literatur der BRD. Hg. von Hans Joachim Bernhard. Berlin: Volk und Wissen 1983.
Günter Zehm: Kann es »Arbeiterdichtung« geben? Notizen zu einer Erscheinung am Rande der Literatur. In: Die Welt, 9.1.1965.
Ute Gerhard/Hanneliese Palm (Hg.): Schreibarbeiten an den Rändern der Literatur. Die Dortmunder Gruppe 61. Essen: Klartext 2012.
Wilfried Barner: Vom Schriftsteller-Engagement zur Kultur-Revolte: Literarisches Leben im Westen. In: Ders. (Hg.): Geschichte der deutschen Literatur von 1945 bis zur Gegenwart. 2., akt. und erw. Aufl. München: C.H. Beck 2006, S. 341â367, hier S. 345.
Ebd., S. 345â f.
Ebd., S. 346.
Noch heutigentags bestätigt eine Auseinandersetzung mit jüngerer Literatur des Ruhrgebiets dieses Urteil, wenn Herausgeber deren Existenz als ein »Wunder« bezeichnen â als hätte es nie zuvor eine lebhafte literarische Produktion in dieser Region gegeben. Vgl. Gerhard Rupp/Hanneliese Palm/Julika Vorberg (Hg.): Literaturwunder Ruhr. Essen: Klartext 2011.
Vgl. Jasmin Grande: Ãber das Potential der Literatur. Das Kursbuch 15. In: Gertrude Cepl-Kaufmann/Dies. (Hg.): Schreibwelten â Erschriebene Welten. Zum 50. Geburtstag der Dortmunder Gruppe 61. Essen: Klartext 2011, S. 280â287; Jan M. Boelmann: Pop statt Maloche. Versuch einer Gattungsanalyse des Neuen Ruhrgebietsromans. In: Rupp/Palm/Vorberg (Hg.): Literaturwunder Ruhr (Anm. 10), S. 125â141; Arnold Maxwill: Ismen der Veränderung. Hugo Ernst Käufer (Hg.): Beispiele, Beispiele. Texte aus der Literarischen Werkstatt Gelsenkirchen (1969). In: Moritz BaÃler u.â a. (Hg.): Vom Heimatroman zum Agitprop. Die Literatur Westfalens 1945â1975. 118 Essays. Bielefeld: Aisthesis 2016, S. 354â359; Walter Gödden (Hg.): Chronik der westfälischen Literatur 1945â1975. Bd. 2: 1961â1975. Bielefeld: Aisthesis 2016, S. 386â396. Joachim Wittkowskis Anthologie Grün ist das Schwarze. Das kleine Gedichtbuch des Ruhrgebiets (Bottrop: Henselowsky Boschmann 2015) zeichnet ein literarisches Panorama, in welchem Gedichte von Otto Wohlgemuth wie von Ernst Meister gleichermaÃen versammelt sind.
Vgl. Rainer Noltenius: Das Ruhrgebiet â Zentrum der Literatur der industriellen Arbeitswelt seit 1960. In: Jan-Pieter Barbian/Ludger Heid (Hg.): Die Entdeckung des Ruhrgebiets. Das Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen 1946â1996. Essen: Klartext 1997, S. 444â457.
Vgl. Uwe-K. Ketelsen: Dichtung »denkender Seelen mit dem Zukunftswechsel in der Tasche« â Poesie des »genau gebohrten Lochs«. Lyrik-Anthologien aus der industriellen Arbeitswelt des frühen 20. Jahrhunderts im rheinisch-westfälischen Industrierevier. In: Literatur in Westfalen 12 (2012), S. 87â120.
Im Vorwort zum Almanach der Gruppe 61 weitet Fritz Hüser seinen Versuch einer diachronen Kontextualisierung zu einer kleinen Geschichte der Arbeiterdichtung aus, wobei die »Werkleute auf Haus Nyland« und der »Ruhrlandkreis« bemerkenswerterweise nur indirekt und sehr en passant erwähnt werden. Vgl. Fritz Hüser: Vorwort. in: Ders./Max von der Grün in Zusammenarbeit mit Wolfgang Promies (Hg.): Aus der Welt der Arbeit. Almanach der Gruppe 61 und ihrer Gäste. Neuwied: Luchterhand 1966, S. 7â29.
Josef Büscher: Zechensterben. In: Ders.: Gedichte. Recklinghausen: Paulus 1965, S. 38.
Günter Westerhoff: Verlassene Zeche. In: Ders.: Gedichte und Prosa. Recklinghausen: Paulus 1966, S. 16.
Industriegewerkschaft Bergbau (Hg.): Wir tragen ein Licht durch die Nacht. Bearbeitet von Fritz Hüser und Walter Köpping. Bochum: Industriegewerkschaft Bergbau 1960 [Nachdruck: Bielefeld: Aisthesis 2011]; 2., erw. Aufl. Köln: Bund 1961.
Vgl. Anita Overwien-Neuhaus: Mythos, Arbeit, Wirklichkeit. Leben und Werk des Bergarbeiterdichters Otto Wohlgemuth. Köln: Prometh 1986, S. 96â135.
Vgl. Dagmar Kift: Arbeitswelt und Partizipation. Die Gruppe 61 und die Netzwerke der Bergarbeiterkultur im Ruhrgebiet der 1950er Jahre. In: Cepl-Kaufmann/Grande (Hg.): Schreibwelten â Erschriebene Welten (Anm. 11), S. 163â171.
Vgl. Hanneliese Palm: »war das ein Protest, war das eine Beerdigung?«. (Berg-)Arbeiterliteratur im Ruhrgebiet zwischen Kriegsende und Strukturwandel. In: Iuditha Balint/Hans-Joachim Schott (Hg.): Arbeit und Protest in der Literatur vom Vormärz bis zur Gegenwart. Würzburg: Königshausen & Neumann 2015, S. 159â181.
Vgl. die Diskussion: [Red.:] Gibt es wirklich keine »bergmännische Dichtung«? Nachbetrachtung zu einer Tagung auf der Zeche Walsum. In: Der Anschnitt 8 (1956), Nr. 6, S. 24â27; wiederabgedruckt in: Arnold Maxwill (Hg.): Bergarbeiterdichtung. Schreiben zwischen Erfahrung, Sentiment und Zorn. Essen: Klartext 2020, S. 121â125.
Artur Granitzki: Die Anrufung des groÃen Bären. In: Hüser/Von der Grün (Hg.): Aus der Welt der Arbeit (Anm. 14), S. 73â f.
Vgl. Friedrich Engels: Brief an Miss Harkness [1888]. In: Fritz J. Raddatz (Hg.): Marxismus und Literatur. Bd. 1. Reinbek: Rowohlt 1969, S. 157â159; Wladimir I. Lenin: Parteiorganisation und Parteiliteratur [1905]. In: ebd., S. 230â234.
Vgl. Josef Olbrich: Geschichte der Erwachsenenbildung in Deutschland. Opladen: Leskeâ + Budrich 2001, S. 107â134.
Georg Bollenbeck zieht diese Linie bis zur Jahrhundertwende aus, er betont vor allem die nationalen Dimensionen dieses Prozesses. Vgl. Georg Bollenbeck: Tradition, Avantgarde, Reaktion. Deutsche Kontroversen um die kulturelle Moderne 1880â1945. Frankfurt am Main: Fischer 1999, bes. S. 84â98.
Vgl. zusammenfassend Jürgen Fohrmann: Lyrik. In: Edward McInnes/Gerhard Plumpe (Hg.): Bürgerlicher Realismus und Gründerzeit. 1848â1890. München: Hanser 1996, S. 394â461, hier S. 418â445.
Vgl. Uwe-K. Ketelsen: Nachwort. In: Ders. (Hg.): Arbeiter-Philosophen und -Dichter. Hg. von Adolf Levenstein. Reprint der Originalausgabe Berlin 1909. Bielefeld: Aisthesis 2009, S. 105â133, bes. S. 123â133.
Fritz Dahlmann: Ein Wort voraus! In: IG Bergbau (Hg.): Wir tragen ein Licht (Anm. 17), S. 3.
Wolfgang Körner: Nowack. Roman. Düsseldorf: Rauch 1969, S. 61.
Walter Köpping: Hinweise auf soziale Romane. In: Gewerkschaftliche Monatshefte 16 (1965), H. 12, S. 746â753, hier S. 748.
Hüser: Vorwort (Anm. 14), S. 17.
Dahlmann: Ein Wort voraus! (Anm. 28), S. 3.
Josef Büscher: Am Abend knarrt die Nacht. In: Hüser/Von der Grün (Hg.): Aus der Welt der Arbeit (Anm. 14), S. 168.
Bruno Leon: Auferstehung. In: Walter Köpping (Hg.): Unter Tage â Ãber Tage. Gedichte aus der Arbeitswelt unserer Tage. Frankfurt am Main/Wien/Zürich: Büchergilde Gutenberg 1966, S. 73.
Godehard Schramm/Bernhard Wenger unter Mitarbeit von Peter Sauernheimer (Hg.): Geht dir da nicht ein Auge auf. Gedichte. Frankfurt am Main: Fischer 1974, Umschlag.
Josef Büscher: Bericht aus einer Stadt an der Ruhr. In: Hüser/Von der Grün (Hg.): Aus der Welt der Arbeit (Anm. 14), S. 87.
Bruno Gluchowski: Die Wasserkanone. In: Hüser/Von der Grün (Hg.): Aus der Welt der Arbeit (Anm. 14), S. 169â205, hier S. 205.
Artur Granitzki: Intermezzo in grau. In: Hüser/Von der Grün (Hg.): Aus der Welt der Arbeit (Anm. 14), S. 75.
Hanno Beth: Interview mit Max von der Grün und Günter Wallraff. In: Arnold (Hg.): Gruppe 61 (Anm. 3), S. 164, 166.
Ebd., S. 159.