Wenn auch verspätet, so begleitete die Literatur den Bergbau an der Ruhr als treue Partnerin über Jahrzehnte hinweg, was Ausdruck fand in einer Fülle von fiktionalen, semifiktionalen, halbdokumentarischen oder autobiografisch fundierten Darstellungen, ob in Lyrik, Drama, Prosa oder Reportage. Die Ruhrgebietsliteratur, die Literatur über das Ruhrgebiet, also die Literatur, die sich thematisch oder motivisch mit dem Ruhrgebiet befasst, besteht in ihrem älteren Abschnitt zu etwa einem Viertel aus Bergbau-Literatur (davon Prosa 47â %, Lyrik 22â % und Drama 11â %). Ab etwa 1960/61, dem Zeitpunkt, an dem einerseits mit der Gründung der »Dortmunder Gruppe 61« eine neue Phase der Literatur und an dem andererseits mit dem Beginn der groÃen Kohlekrise im Revier der permanente Strukturwandel eingeläutet werden, wird sich dieser Anteil ungefähr halbieren. Die Fülle der Titel, die verschiedenen Aspekte, die unterschiedlichen Genres: dies alles lässt sich kaum abbilden oder bebildern; man muss auch nicht alle Titel kennen. Zwischen 1900 und 2000 erschienen rund 220 monografische Veröffentlichungen mit literarischem Ruhrbergbau-Schwerpunkt â und Schwerpunkt meint tatsächlich, dass sich mehr als die Hälfte eines Titels erkennbar auf dieses Motiv beziehen lässt. Den literarischen Beginn über den Bergbau markiert im Ruhrgebiet â nach vereinzelten Probebohrungen â Heinrich Kämpchen, und den Schlusspunkt setzte â so meine Beobachtung â die groÃe Anthologie von Walter Köpping: 100 Jahre Bergarbeiter-Dichtung (1982).
Ãltere Bergbau-Anthologien
Anthologien standen nicht selten an den entscheidenden Stellen der Literaturgeschichte des Ruhrgebiets, auch wenn sie â quantitativ betrachtet â keine vornehmliche Rolle spielen. Anführen lieÃen sich für diesen Kontext die Anthologien, die zur Kulturhauptstadt Europas 2010 erschienen â Ruhr.Buch (2009), Ruhrgebiet erlesen (2009), Das Schwarze sind die Buchstaben (2010)1 â, zuvor etwa die von Horst Hensel und Heinrich Peuckmann verantwortete Anthologie Heimat ist dort, wo du dein Geld verdienst (1986), die sich angesichts des (ver)schwindenden Bergbaus auch gerade diesem zuwendet, oder Horst Laubes Ruhrpottbuch (1972), das zwar bemerkenswerte Namen aufweist, inhaltlich jedoch weniger Ruhrgebiet enthält, als der Titel verspricht, und das trotz Nicolas Borns Kohlenstory völlig bergfrei bleibt. Auch so etwas ist möglich. Viel weiter zurück verweist die Anthologie Ruhrland (1923), die erste poetische Manifestation der gleichnamigen Dichter-Vereinigung unter ihrem Gründer Otto Wohlgemuth (1884â1965). Mit ihm und seinem Vorbild Heinrich Kämpchen (1847â1912) gelangt man ganz an den Beginn der Bergbau-Literatur im Ruhrgebiet und in der Folge in sämtliche Anthologien entlang des Ruhrbergbaus â bis hin in jene von Köpping, in welcher Kämpchen und Wohlgemuth prominent mit den weitaus meisten Beiträgen vertreten sind.
Vertreten sind Kämpchen und Wohlgemuth bereits in den ersten beiden zu nennenden Bergbau-Anthologien, die zur Mitte und gegen Ende der Weimarer Republik erschienen, während jenes Zeitraums, in dem wichtige Anthologien ganz allgemein zur Arbeiterdichtung auf den Markt kamen (Karl Bröger, Wilhelm Haas, Hans Mühle).2 Unter Tag (1927) heiÃt die eine Anthologie, herausgegeben von Franz Osterroth, der in den 1920er Jahren als Jugendsekretär beim Alten Bergarbeiterverband in Bochum arbeitete, für den Kämpchen geschrieben hatte und für dessen Nachfolgeorganisation später Köpping tätig sein sollte. Einen westfälischen Hintergrund besaà auch Hans Ballhausen, der Bearbeiter der anderen Bergbau-Anthologie mit dem Titel Der Kumpel (1932). Beide Lyrik-Sammlungen besitzen eine Fülle von Gemeinsamkeiten: Sie haben denselben schmalen Umfang, setzen mit Heinrich Kämpchen, Otto Wohlgemuth, Josef Winckler, Heinrich Lersch und Paul Zech auf dieselben Beiträger, mitunter sind es gar dieselben Gedichte (wie Dehmels Bergarbeiterlied, Lerschs Ausfahrt der Bergleute oder Passagen aus Wincklers Eisernen Sonetten), und beide Anthologien wenden sich ausdrücklich an die deutsche Arbeiterjugend bzw. Werkjugend, in dessen Umfeld die Bände verlegt wurden.3 Diese beiden frühen Bergbau-Anthologien sollen auch deshalb genannt werden, weil sich ihre Spuren problemlos in Köppings mehr als zehnmal so umfangreicher Bergbau-Anthologie wiederfinden lassen. Bis auf Karl Bröger oder Gerrit Engelke umfasst sie aus jenen Sammlungen sämtliche Autoren und in Einzelfällen identische Gedichte, die durch ihren Abdruck in den verschiedenen Bergbau-Anthologien geradezu kanonischen Charakter erlangten.
Anthologien, so schreibt Erhard Schütz in einem kleinen Beitrag zum Umkreis der »Dortmunder Gruppe 61«, »pflegen Texte als Musterexemplare oder auch Warenproben zu versammeln, Vorzeigbares, Mustergültiges, Programmatisches â ob nun für ein Genre, ein Thema, eine Epoche oder eine Gruppe.«4 Und noch einmal anders: »Anthologien sammeln das mustergültige Alte und präsentieren das bemerkenswert Neue, oft beides zusammen, so das Neue oder auch nur Jüngere an das Alte, Bewährte anschlieÃend.«5 Diese Näherungen scheinen auch auf Köppings Bergbau-Anthologie von 1982 zuzutreffen. Für den Bereich der Arbeitswelt verweist Schütz auf die Vorgänger-Anthologie, auf die Lyrik-Sammlung Wir tragen ein Licht durch die Nacht (1960), für die Fritz Hüser und Walter Köpping verantwortlich zeichneten und die in ihrer zweiten, erweiterten â auch optisch einem kleinen Relaunch unterzogenen â Auflage (1961) nicht nur für Schütz die interessantere darstellt, weil dort neben dem Präsentieren des Etablierten auch »Aktuelles angestrebt wurde«.6 Für Uwe-K. Ketelsen hingegen ist bereits diese Bergbau-Anthologie, bezogen allerdings auf die erste Auflage, »literarisch wie kulturpolitisch ein Abgesang«.7 Zu entnehmen ist diese Einschätzung dem profunden Nachwort, das er anlässlich der Neuausgabe (2011) verfasste und dem hier nichts hinzugefügt werden soll.8
Stattdessen sei noch einmal ein kleiner chronologischer Rückschritt eingeflochten. Während Hüser 1958 in Dortmund sein »Archiv für Arbeiterdichtung und soziale Literatur« der Ãffentlichkeit zugänglich machte und der reale Ruhrbergbau seinen insgesamt 60 Jahre währenden Schrumpfungsprozess einleitete, sah es zehn Jahre zuvor zumindest für den Bergbau an der Ruhr hoffnungsvoll aus, lediglich das Problem des steigenden Arbeitskräftebedarfs war zu lösen. Die Literatur an der Ruhr stand dem (wieder einmal) zur Seite. Neben einer Vielzahl von Jugendbüchern, die sich teilweise wie belletristische Werbetexte für den Bergmannsberuf lesen,9 erschienen in dieser Phase auch einige Anthologien, die das Interesse an der Arbeit im Bergbau literarisch stützen sollten. Da diese Anthologien aus Texten zusammenstellt wurden, die auf Schreibwettbewerben oder Preisausschreiben gründeten, verkörpern sie einen anderen Typ als den der bisher genannten. Zu ihnen zählen die Sammlungen, die von der Bochumer »Vereinigung der Freunde von Kunst und Kultur im Bergbau« herausgegeben wurden (Aus dem Bergmannsleben, 1949; Unter Tage wächst unser Schicksal, 195110), sowie Sammlungen, die vom Organ der IG Bergbau (Die Bergbauindustrie) initiiert wurden (Kumpel, Kerle, Kameraden, 1956; Kumpel erzählen, 1958). Diese Anthologien enthalten, wie es die Sammlung Aus dem Bergmannsleben ausdrücklich vorausschickt, »nur Dichtungen noch lebender Autoren aus dem Bereich des Bergbaues«11 und unterscheiden sich damit von den anderen Bergbau-Anthologien: von Hüsers/Köppings Wir tragen ein Licht durch die Nacht, die den Beginn einer neuen Literatur der Arbeitswelt im Umfeld der »Dortmunder Gruppe 61« provozierte, sowie von Köppings rund zwanzig Jahre später publizierter 100 Jahre Bergarbeiter-Dichtung, die den Abgesang an die Literatur schreibender Bergleute aus dem Ruhrgebiet darstellt.
Köppings Anthologie 100 Jahre Bergarbeiter-Dichtung
Zusammen mit dem Hochlarmarker Lesebuch Kohle war nicht alles (1981) und Köppings Anthologie Lebensberichte deutscher Bergarbeiter (1984) war der Band 100 Jahre Bergarbeiter-Dichtung die dritte wichtige Veröffentlichung zur Ruhrgebietsliteratur, die der Asso-Verlag während der 1980er Jahre als sogenannte Oberhausener Trilogie vorlegte und es in dieser Konzentration in den folgenden Jahrzehnten nicht mehr wiederholte. Das galt in Abstrichen auch für seinen Herausgeber. Walter Köpping (1923â1995) setzte sich selbst mit dem mehr als 500 Seiten zählenden Werk ein Denkmal, zumindest setzte er ein Ausrufezeichen und zugleich den seinerzeit bereits absehbaren Endpunkt zur Literatur schreibender Bergarbeiter aus dem Ruhrgebiet.12 Als langjähriger Bildungssekretär der IG Bergbau und Energie sowie als unermüdlicher Förderer von Arbeiterliteratur war er wie kein anderer mit diesem Terrain und Stoff bestens vertraut und hatte als Herausgeber mit den beiden thematisch ähnlich ausgerichteten Anthologien Unter Tage â Ãber Tage (1966) sowie Schwarze Solidarität (1974), die er mit dem Hinweis versah, angesichts der ZechenschlieÃungen gebe es »noch genug Stoff für sozialkritische und für kämpferische Bergmannsdichtung«,13 entsprechende Vorarbeiten geleistet, ohne die der Band 100 Jahre Bergarbeiter-Dichtung nach mehr als zehnjähriger Recherche kaum zu realisieren gewesen wäre. Darüber hinaus spricht die Säkulumsidee für jenen Berichtsendpunkt deutscher Bergarbeiterdichtung, auch wenn man beim Nachrechnen feststellen muss, dass der Anthologie von 1982 zum runden Datum (1990) genau genommen einige Jahre fehlten.
Den chronologischen Beginn der Anthologie setzen die Gedichte Kämpchens, denen der Asso-Verlag zwei Jahre später â wiederum unter Mitwirkung von Köpping â eine wichtige Ausgabe widmete (Seid einig, seid einig â dann sind wir auch frei, 1984), die für eine Wiederentdeckung und Neurezeption des Autors nicht nur im Ruhrgebiet sorgte. Kämpchens schriftstellerische Laufbahn begann 1889, dem Jahr des groÃen Bergarbeiterstreiks im Ruhrgebiet, an dem Kämpchen als einer der Wortführer maÃgeblich beteiligt war mit der Konsequenz, dass ihm eine weitere Beschäftigung im Ruhrbergbau zeitlebens verwehrt wurde. Mit dem Jahr 1889 beginnt auch die Anthologie, genauer: mit dem Jahr 1890, aus dem das erste der zahlreichen Bergbau-Gedichte Kämpchens stammt, das abgedruckt ist. Der Stellenwert dieser Gedichte, mit denen laut Köpping vor allem aufgrund ihres kämpferischen Tons »ein neues Kapitel der deutschen Bergmannsdichtung begann«,14 lässt sich auch daran ablesen, dass sie oftmals eines der zwölf Kapitel der Anthologie einleiten. Den jüngsten Beitrag liefert in 100 Jahre Bergarbeiter-Dichtung ein Gedicht von 1982, das von dem Bottroper Bergmann Kurt Küther (1929â2012) stammt und das nicht nur einen zeitlichen Bogen zu Kämpchen schlägt, sondern auch einen programmatischen: Küther verstand sich in seinem lyrischen Schaffen in der Nachfolge Kämpchens.15 Kämpchen und Küther verband zudem, dass beide zu den Hausautoren des Asso-Verlags gehörten, ebenso wie Bruno Gluchowski, Willy Bartock, Josef Büscher, Herbert Berger, Liselotte Rauner, Richard Limpert, Günter Westerhoff oder Ilse Kibgis, die den GroÃteil der neueren Beiträge innerhalb der Köppingâschen Anthologie bestreiten, und zwar alle dezidiert aus einer Ruhrgebietssicht. Den umfangreichen Raum zwischen den zeitlichen Polen des singulär zu verortenden Kämpchen und jener aktuellen Bergarbeiterliteratur (aus dem Umfeld der »Dortmunder Gruppe 61« bzw. des »Werkkreises Literatur der Arbeitswelt«) füllt die Anthologie einerseits mit den bekannten Namen der âºklassischenâ¹ Arbeiterdichtung (Josef Winckler, Paul Zech, Otto Wohlgemuth) und der proletarischen Arbeiterliteratur (Victor Kalinowski, Hans Marchwitza, Erich Grisar) sowie andererseits mit einer Reihe weitgehend unbekannter Autoren, die hier durch Köpping zum Teil ihre erste Veröffentlichung verzeichnete. Unter den 66 Autoren,16 von denen über 80â % einen Ruhrgebietsbezug aufweisen, befinden sich einige wenige Frauen (Hildegard Wohlgemuth, Liselotte Rauner, Ilse Kibgis), ein Aspekt, auf den der Herausgeber ausdrücklich hinweist: »Die Sammlung gewann auf diese Weise eine neue Perspektive â die Berichte und Bilder aus dem Inneren der bergmännischen Existenz werden ergänzt durch Betrachtungen und Bewertungen von auÃen.«17 Auf die Schwierigkeit solcher persönlichen Vereinnahmungen, eine »lebensweltliche Nähe zum Bergbau herauszustreichen«,18 hat am Beispiel Hildegard Wohlgemuths bereits Ketelsen im Zusammenhang mit Hüsers/Köppings Bergbau-Anthologie von 1960 aufmerksam gemacht.
Der Band 100 Jahre Bergarbeiter-Dichtung setzt sich aus Lyrik und Prosa zusammen, und viele Beiträger finden sich darin, die â was nicht untypisch für die Bergarbeiterliteratur ist â beide Gattungen gleichermaÃen vertreten (Paul Zech, Otto Wohlgemuth, Hans Marchwitza, Ewald Rolf, Emil Smirnow, Willy Bartock, Josef Büscher, Herbert Berger, Richard Limpert, Günter Westerhoff, Bruno Leon, Ilse Kibgis, Kurt Küther). Der überwiegende Teil der Beiträge besteht aus Gedichten, wohl auch deshalb, weil sich hierdurch quantitativ mehr Texte berücksichtigen lieÃen. Die Prosa-Beiträge, die im Verhältnis zu vergleichbaren Anthologien aber keineswegs unterrepräsentiert sind, rekrutieren sich formal aus Romanauszügen, Erzählungen, Kurzgeschichten oder Reportagen. Eine erhebliche Schwachstelle der Anthologie ist allerdings, dass sie (im Gegensatz zu Hüsers/Köppings vorangegangener Anthologie von 1960) kein Quellenverzeichnis besitzt und nur in seltenen Fällen eine Angabe hinzufügt, sodass nur diejenigen, die mit der Materie vertraut sind, rekonstruieren könnten, welche Texte bereits publiziert und welche hier erstmals gedruckt wurden. Mag dies bei einzelnen Gedichten vergleichsweise unproblematisch sein, ergeben sich bei einigen Prosa-Beiträgen durchaus quellenkritische Fragen. Während lediglich Textausschnitte von Max von der Grün (Männer in zweifacher Nacht, 1962) bzw. Herbert Berger (Der Pütt hat mich ausgespuckt, 1981) nachgewiesen werden, kommen beispielsweise (halbwegs zu identifizierende) Romanauszüge von Hans Marchwitza (Schlacht vor Kohle, 1931) oder Bruno Gluchowski (Der Honigkotten, 1965) ohne jede Angabe aus (dafür aber mit fiktiven Ãberschriften), was ebenfalls für weitere Prosatexte gilt. Möglicherweise ist dieses Verfahren, das keinerlei wissenschaftlichen Ansprüchen standhielte, dem Lesebuch-Charakter oder ästhetischen Gründen geschuldet. Denn eines ist der Bergarbeiterdichtung-Anthologie kaum abzusprechen: Nicht nur im Rahmen der Produktion von Ruhrgebietsliteratur, sondern auch von Literatur über die Arbeitswelt stellt der Band 100 Jahre Bergarbeiter-Dichtung formal wie inhaltlich ein beachtliches âºSchwergewichtâ¹ dar, dem zu den über 400 Texten 70 ganzseitige Illustrationen (Bilder, Grafiken, Zeichnungen) beifügt sind, die nach MaÃgabe des Herausgebers überwiegend von Arbeitern stammen.19 Köppings Anthologie wurde so für manchen Kritiker nicht nur zu einem Standardwerk, sondern zu einer âºBibelâ¹ der Bergarbeiterliteratur.20
Wie Hüsers/Köppings Band Wir tragen ein Licht durch die Nacht ist die Anthologie 100 Jahre Bergarbeiter-Dichtung nicht chronologisch organisiert, sondern sinnvollerweise nach zwölf Themenkreisen angeordnet. Die entsprechende Palette reicht vom Bergmann selbst über seinen Arbeitsplatz, die tägliche Arbeit, Grubenunfälle, Arbeitskämpfe bis hin zum Leben in der Zechensiedlung, zusammen mit Familie und Nachbarn. Die Anthologie unternimmt hierbei erst gar nicht den Versuch, jedes der Kapitel gleich lang oder ausgewogen zu gestalten, sondern setzt thematische Schwerpunkte, hinter denen sich durchaus programmatische Ãberlegungen erkennen lassen. Wie bei Köppings anderen Bergbau-Anthologien stehen weniger die Arbeit als Faszination oder der Alltag als Verklärung im Mittelpunkt (auch wenn das in einigen Beispielen anklingt), sondern vielmehr der möglichst unverstellte Blick auf die Härte der Arbeit und die damit verbundenen Anforderungen und Auswirkungen unter wie auch über Tage. So widmet sich das bei Weitem umfangreichste Kapitel, das wie alle anderen in »einer losen chronologischen Folge«21 zusammengesetzt ist, der Arbeit unter Tage, also dem âºklassischenâ¹ Thema engagierter Bergarbeiterliteratur. Besonders an diesem Kapitel wird ersichtlich, dass Köpping möglichst viele verschiedene âºStimmenâ¹ berücksichtigen wollte, eben nicht nur die kritischen (Kämpchen, Zech, Küther, Marchwitza), sondern auch gemäÃigtere (Günter Westerhoff, Otto Wohlgemuth), bisweilen selbst affirmative (Fritz Lötte, Walter Vollmer). Und am Ende, nachdem von Füllort und Akkord, von Abbauhammer und Kohlenhobel, von Grubenpferden und Zechengeistern erzählt worden ist, wird die »Gezähkiste« mit dem unvermeidlichen Bergmannshumor aufgemacht (Heinz Otto Schmitt). So drängt sich der Eindruck auf, der Band 100 Jahre Bergarbeiter-Dichtung wolle um jeden Preis die letztgültige Anthologie sein, die alle möglichen Aspekte von möglichst vielen (verschiedenen) Beiträgern würdigt.22 Die Problematik dieses Unterfangens, bei dem auch Köppings Nachwort wegen fehlender Hinweise auf etwaige Auswahlkriterien nicht weiterhelfen kann, ist kaum zu übersehen und verantwortlich für den streckenweise abhanden gekommenen roten Faden.
Zwar bildet das Ruhrgebiet als Steinkohlenrevier für die weitaus meisten der Autoren den Hintergrund, dennoch bleibt das Ruhrgebiet in den weitaus meisten der Texte im Hintergrund. Es wird als solches selten benannt, selbst die Zechen sind ohne Namen, Orts- und Zeitangaben rücken weit aus dem Bild. Angesichts des Anliegens, 100 Jahre Bergarbeiterliteratur als einen Zusammenhang zu präsentieren, steht oftmals ohne Konkretion die Allgemeingültigkeit des Beschriebenen und Erzählten im Vordergrund. So wird das Ruhrgebiet in den Texten der Anthologie nur indirekt konstruiert. Das gilt weitgehend auch für das für diesen Aspekt besonders einschlägige Kapitel »Heimat im Revier«, das wie das Eingangskapitel »Der Bergmann« bis auf einen Prosatext ausschlieÃlich aus Gedichten besteht. Auch wenn in deren Ãberschriften gelegentlich Ortsbezeichnungen auftauchen (Ruhr, Emscher, Bottrop), bleiben die Texte ohne gröÃere Verbindung zur eigentlichen Realität des Reviers. Stattdessen transportieren die Gedichte häufig Stimmungsbilder, ausgerichtet an den geläufigen Tages- und Jahreszeiten (Abendlied im Boot auf der Ruhr; Nacht über Zechen; Feierabend im Juni; Mai im Revier; Herbstabend im Ruhrgebiet; Sommermorgen im Revier), bisweilen auch in westfälischer Mundart wie im Fall von Otto Wohlgemuth. Als Formulierung erinnert »Heimat im Revier« an die literarischen Unternehmungen des Dortmunders Walter Vollmer (1903â1965) während der NS-Zeit, unter dem Rubrum »Ruhrland« für einen harmonischen Ausgleich von Landwirtschaft und Industrie zu sorgen. In den Visionen von Vollmer, der in Köppings Anthologie mit einem Gedicht enthalten ist, steht »Heimat nicht im Gegensatz zu einer beklagten und angeklagten Industrie; Industrie soll vielmehr selbst zur Heimat gemacht werden«.23 Im Kapitel »Heimat im Revier« findet sich die Bezeichnung »Ruhrland« bei so unterschiedlich positionierten Autoren wie Hans Marchwitza oder Ewald Rolf. Der ehemalige Gladbecker Bergbau-Angestellte Rolf (1901â1993), der mit seinen Texten ausschlieÃlich in Anthologien zu finden ist, beschlieÃt mit seiner Prosaskizze Regennacht im Frühling (1964) programmatisch das genannte Kapitel. Das Bild, das hier entwickelt wird, kommt einem aus dem entsprechenden Fundus der Ruhrgebietsliteratur allzu bekannt vor: Von einer erhöhten Warte aus wirft der Ich-Erzähler »zu nächtlicher Stunde« einen faszinierten Blick auf die Arbeitslandschaft des »Ruhrlands«, auf seine Identität stiftende Landschaft, die er mit Stolz und Hingabe betrachtet, »Ruhrland, du mein Heimatland«:24
Schön ist es, dieses Auf- und Niederbrennen der zuckenden meterhohen Gasflammen, dieses Wallen und Quirlen der abziehenden magisch beleuchteten Dämpfe und Rauchschwaden der Kokslöschtürme und Schornsteine zu nächtlicher Stunde. Ja, auch die Industrie hat ihre Schönheiten von besonderer Eigenart. Wer ein rechter Bergmann und Kind dieser Scholle ist, wird nicht nur Qualm und Ruà sehen, sondern auch die Schönheiten des Reviers entdecken. Der auf- und abschwellende Lärm vom Werksgelände, das dumpfe, bellende AufstoÃen der Förderwagen und das monotone Rauschen der immer rieselnden Kühler wird zur Melodie, zur Sinfonie der Arbeit vor dem flammenden, vom Feuerschein durchlohten Hintergrund der Kokereien.25
Ein abschlieÃender Blick auf den Band 100 Jahre Bergarbeiter-Dichtung soll einen Rückblick auf Köppings Vorgänger-Anthologien mit einschlieÃen. Im Vergleich mit diesen enthält die Anthologie von 1982 bedeutend mehr Beiträge von jüngeren Autoren, was vor allem daran liegt, dass diese jeweils mit einer gröÃeren Anzahl beteiligt sind. Auf der anderen Seite sind Autoren versammelt, die nur mit einem einzigen Text vertreten sind. Diese lassen sich zumeist zu den âºKlassikernâ¹ der Bergarbeiterliteratur zählen, und die zitierten Texte sind zumeist die aus den übrigen Bergbau-Anthologien weithin bekannten: Dehmels Bergarbeiterlied, Wincklers Auszüge aus den Eisernen Sonetten, Zechs Kleine Katastrophe, Otto Wohlgemuths Kameraden, gute Nacht, Lerschs Ausfahrt der Bergleute, Kläbers Gesang der Bergleute oder Vollmers Nächtlicher Spuk. Auf diese Texte und Autoren wollte Köpping offensichtlich nicht verzichten. Umso erstaunlicher ist, welche Autoren er im Vergleich zu den Vorgänger-Anthologien nicht berücksichtigte: Aus Hüsers/Köppings Anthologie von 1960 fehlen die namhaften Arbeiterdichter Karl Bröger, Gerrit Engelke und Max Barthel, von den regional bekannten Autoren fehlen Georg Breuker, Adolf Wurmbach oder Franz Krey. Warum diese Autoren auÃen vor blieben, müsste man im Einzelfall klären, in Köppings Nachlass lieÃen sich hierzu leider keine Antworten finden. Möglicherweise wollte Köpping bei aller Kontinuität oder Kanon-Orientierung für etwas Variation sorgen.
Ein kurzer Ausblick auf die Folgezeit
War die deutschsprachige Bergarbeiterliteratur, hier verstanden vor allem als diejenige über den Ruhrbergbau, mit Köppings Werkschau nun an ihr Ende gekommen? Gab es 1983, als im Ruhrgebiet von einstmals 173 Zechen im Jahre 1957 noch etwa 23 Bergwerke förderten,26 Bergleute, die über ihr Arbeitsleben schrieben und publiziert wurden? Befragt man (wie seinerzeit Peter Kühne27) mit soziologischem Blick Köppings Anthologie, kann man aufgrund der dort angehängten Autoren-Informationen â ein Glanzstück des Bandes (auch wenn nicht alle Daten korrekt sind) â feststellen, dass lediglich zwei Beiträger aktiv im Bergbau tätig waren und vier weitere über Tage arbeiteten (= 9â %). Ein Drittel der Beiträger war verstorben,28 25â % sind als (Knappschafts-)Rentner ausgewiesen, und 20â % der Beiträger sind biografisch nicht mit dem Bergbau verbunden. Hierzu zählen Arbeiter aus anderen Branchen, aber auch Gewerkschafter, Journalisten und (professionelle) Schriftsteller, wobei Letztere traditionell nicht unbedingt über eine bergbauliche Vorgeschichte verfügen müssen, um den Bergbau thematisch zu literarisieren.29
Zwei Jahre nach der Erstauflage von Köppings 100 Jahre Bergarbeiter-Dichtung erschienen 1984 nicht nur eine zweite Auflage, sondern auch Köppings 450-Seiten-Anthologie Lebensberichte deutscher Bergarbeiter und, was dem bisher Ausgeführten zu widersprechen scheint, die Bergbau-Anthologie Toffte Kumpel, die mit ihrem bewusst flotten Titel30 den Eindruck erwecken konnte, als sei unter Tage Alles paletti (1985), wie im Jahr darauf eine andere Anthologie vom selben Herausgeber, im selben Verlag und in derselben Reihe (Reihe âºRâ¹) hieÃ. Unter den knapp 30 »Geschichten aus dem Ruhrgebiet« (Untertitel) finden sich dort auch fünf, die sich thematisch dem Bergbau widmen â und mit Limpert und von der Grün gar zwei Autoren, die in Köppings Bergbau-Anthologie enthalten sind, was einmal mehr verdeutlicht, wie verzahnt miteinander diese Geschichte und die Geschichten im Revier waren. Das trifft idealerweise auch auf die Geschichte zu, die von der Grün beisteuerte, der sich innerhalb seiner Romanliteratur seit Irrlicht und Feuer (1963) allmählich aus dem Berg herausgeschrieben hatte, während seine Berichtliteratur â wie im vorliegenden Beispiel â dem Ruhrbergbau noch eine Zeit lang verbunden blieb (etwa Was ist geblieben vom alten Pütt?, 1988). In Wenn die Zeche in Derne geschlossen wird entwirft von der Grün aus aktuellem Anlass ein Bild von dem, was aus dem Dortmunder Vorort werden könnte, wenn das Bergwerk »Gneisenau«, einst eine der gröÃten Steinkohlenzechen Europas, nicht mehr existiert, was bereits der Fall war, als der Band Alles paletti erschien.31
Von der Grüns Post-Karbon-Vision findet sich als wortgleicher Beitrag auch in besagter Toffte Kumpel-Anthologie (1984) von Thomas Rother. Allein von ihrem Umfang her unternimmt diese erst gar nicht den Versuch, mit Köppings Monumentalsammlung in Konkurrenz zu treten, und grenzt sich mit ihrem Untertitel »Bergarbeiterdichtung heute« entsprechend von ihr ab. Die Anthologie, die auf eine Leseveranstaltung unter dem Titel »Aus Schacht und Kolonie« im Rahmen der legendären »Rote Erde«-Ausstellung im Essener Ruhrlandmuseum zurückgeht, umfasst 50 Texte von neun lebenden Autoren, die alle zuvor im Ruhrbergbau tätig waren. Die Palette reicht gattungstechnisch von Romanausschnitten (Herbert Somplatzki, Hans Dieter Baroth) über Erzählungen hin zu Lyrik und zeitlich von frühen Texten Bruno Gluchowskis bis zu von der Grüns aktuellem Bericht über eine Zechenstilllegung â einen Aspekt, dem sich hier wie auch in Köppings Anthologie in besonderer Weise der Mülheimer Günter Westerhoff (1923â2015) mit seinen Gedichten zuwendet. Mit Jochen Meier (1928â1998) aus Bönen, der im Jahr darauf einen eigenen Bergbau-Erzählband veröffentlichte (Der Einfahrer, 1985), kam erstmals ein neuer Name hinzu, der als Knappschaftsrentner die allgemeine biografische Entwicklung indes nicht aufzuhalten vermochte. Toffte Kumpel sollte nämlich ursprünglich zehn Bergarbeiterschriftsteller beinhalten, doch während der Vorbereitung dieser Anthologie verstarb der Gelsenkirchener Josef Büscher (1918â1983). Und wenn man bedenkt, dass mit Gluchowski (1900â1985) im Jahr nach der Publikation ein weiterer Beiträger verstarb, dann wären es nur noch acht gewesen. Rothers Erfahrung, dass »er wenig Autoren fand, die im Bergbau tätig sind«,32 mag in etwa zeigen, wie dünn die Personaldecke geworden war, mit der die aktuelle Auseinandersetzung mit der Bergbau-Thematik im Ruhrgebiet stattfinden sollte. Vor diesem Hintergrund scheint es gerechtfertigt zu sein, zu behaupten, dass die Anthologie 100 Jahre Bergarbeiter-Dichtung von 1982 in ihrer mustergültigen Präsentation einen, wenn nicht den Endpunkt darstellt. In seiner knappen Nachrede verliert Köpping dazu kein Wort, ich bin mir jedoch sicher, dass er darum wusste.
Vgl. hierzu Dirk Hallenberger: [Rez.] Ruhr.Buch â Ruhrgebiet erlesen â Das Schwarze sind die Buchstaben. In: Der Emscherbrücher 15 (2011/12), S. 96â f.
Karl Bröger (Hg.): Jüngste Arbeiterdichtung. Berlin: Arbeiterjugend 1925; Wilhelm Haas (Hg.): Antlitz der Zeit. Sinfonie moderner Industriedichtung. Berlin: Wegweiser [1926]; Hans Mühle (Hg.): Das proletarische Schicksal. Ein Querschnitt durch die Arbeiterdichtung der Gegenwart. Gotha: Klotz 1929.
Franz Osterroth (Hg.): Unter Tag. Bergbau- und Bergarbeiterdichtung unsrer Zeit. Berlin: Arbeiterjugend 1927; Reichsverband der katholischen Arbeitervereine/Werkjugend (Hg.): Der Kumpel. Alte und neue Bergmannsgedichte. Bearbeitet von Hans Ballhausen. Köln: Werkjugend [1932].
Erhard Schütz: Von Capri nach Kohle â und drüber hinaus. Anthologien der 1950er und 1960er Jahre. In: Gertrude Cepl-Kaufmann/Jasmin Grande (Hg.): Schreibwelten â Erschriebene Welten. Zum 50. Geburtstag der Dortmunder Gruppe 61. Essen: Klartext 2011, S. 49â57, hier S. 49.
Ebd.
Vgl. ebd., S. 52.
Uwe-K. Ketelsen: Nachwort. In: Ders. (Hg.): Wir tragen ein Licht durch die Nacht. Gedichte aus der Welt des Bergmanns. Hg. von der Industriegewerkschaft Bergbau. Bearbeitet von Fritz Hüser und Walter Köpping. Reprint der 1. Auflage Bochum 1960. Bielefeld: Aisthesis 2011, S. 132â148, hier S. 133.
Hüsers/Köppings Anthologie ist nicht zu verwechseln mit der schmalen Sammlung Wir tragen ein Licht durch die dunkle Nacht (1937), einer szenischen »Feierabendfolge« mit Gedichten und Erzählungen »von des Bergmanns Glück und Leid«. Beide Titel gehen indes zurück auf den Beginn von Richard Dehmels Bergarbeiterlied (1913), das â zusammen mit einigen anderen Gedichten â als âºTraditionsstückâ¹ von Hüser und Köpping mit aufge- bzw. aus Osterroths Anthologie Unter Tag übernommen wurde. In Köppings 100 Jahre Bergarbeiter-Dichtung fehlt das Bergarbeiterlied ebenso wenig.
Vgl. Krystyna Nowak: Arbeiter und Arbeit in der westdeutschen Literatur 1945â1961. Köln: Pahl-Rugenstein 1977, S. 127â131.
Dieser Erzählband erschien nicht mehr, stattdessen später das motivische Sammelwerk Bergmännische Weihnacht (1953). Vgl. Fritz Hüser: Vorwort. In: Ders./Max von der Grün in Zusammenarbeit mit Wolfgang Promies (Hg.): Aus der Welt der Arbeit. Almanach der Gruppe 61 und ihrer Gäste. Neuwied: Luchterhand 1966, S. 7â29, hier S. 18.
Heinrich Winkelmann: Vorwort. In: Ders. (Hg.): Aus dem Bergmannsleben. Bochum: Vereinigung der Freunde von Kunst und Kultur im Bergbau 1949, S. 5â f., hier S. 5. â Den Beiträgen dieses Unternehmens attestiert Nowak allerdings »formale Unzulänglichkeiten« (Nowak: Arbeiter und Arbeit [Anm. 9], S. 106).
Von wenigen Ausnahmen abgesehen â Jochen Meier: Der Einfahrer (1985), Hans Dieter Baroth: Mann ohne Namen (1987), Willy Bartock: Nacht, die mich nicht schlafen läÃt (1987) â, wurde die heimische Bergarbeiterliteratur in der Folgezeit, 100 Jahre nach den ersten Gedichten Kämpchens, zunehmend durch (autobiografische) Bergbau-Erinnerungen geprägt.
Walter Köpping: Kommentar III. In: Ders. (Hg.): Schwarze Solidarität. 85 Jahre Kämpferische Bergarbeiterdichtung. Oberhausen: Asso 1974, S. 87â89, hier S. 89.
Walter Köpping: Zu diesem Buch. In: Ders. (Hg.): 100 Jahre Bergarbeiter-Dichtung. Oberhausen: Asso 1982, S. 522â525, hier S. 523.
»Mein Vorbild ist der Bergarbeiterdichter Heinrich Kämpchen« (Kurt Küther/Bottrop [30 Arbeiterschriftsteller antworten auf eine Rundfrage der »Clearingstelle für Arbeiterbildung und Arbeiterdichtung«]. In: Ãsterreichische Gesellschaft für Kulturpolitik [Hg.]: Arbeiterdichtung. Analysen â Bekenntnisse â Dokumentationen. Wuppertal: Hammer 1973, S. 174â f., hier S. 175).
Im Autorenverzeichnis fehlt Ferdinand Oppenberg als Beiträger.
Köpping: Zu diesem Buch (Anm. 14), S. 525.
Ketelsen: Nachwort (Anm. 7), S. 136.
Vgl. Köpping: Zu diesem Buch (Anm. 14), S. 525.
Vgl. etwa Erasmus Schöfer: Gezähmter Realismus im Pütt. Das Buch »100 Jahre Bergarbeiter-Dichtung«. In: Deutsche Volkszeitung, Nr. 49, 2.12.1982.
Köpping: Zu diesem Buch (Anm. 14), S. 525.
Wenn man die Texte auszählen wollte, wie es etwa Brand getan hat (vgl. Astrid Brand: Lyrik mal repräsentativ ⦠oder: Wenn die »Spezis« das Sagen haben. In: Welt der Arbeit, Nr. 1, 6.1.1983), erhielte man eine Aufstellung mit einer erheblichen Diskrepanz zwischen einigen Autoren mit vielen Abdrucken (Westerhoff: 40, Küther: 32, Kämpchen: 29, Berger: 27, Büscher: 27, allesamt Asso-Autoren) und vielen Autoren mit einem einzigen Abdruck (Dehmel, Bruns, Lersch, Kläber, Vollmer usw.).
Renate von Heydebrand: Literatur in der Provinz Westfalen 1815â1945. Ein literarhistorischer Modell-Entwurf. Münster: Regensberg 1983, S. 212. Siehe auch den Beitrag von Walter Gödden im vorliegenden Band.
Ewald Rolf: Regennacht im Frühling. In: Köpping (Hg.): 100 Jahre Bergarbeiter-Dichtung (Anm. 14), S. 96â f., hier S. 97.
Ebd., S. 96.
Gerade hatten die Zechen Nordstern und Zollverein fusioniert, bevor drei Jahre später Zollverein endgültig schlieÃen sollte (1986).
Vgl. Peter Kühne: Arbeiterklasse und Literatur. Dortmunder Gruppe 61 â Werkkreis Literatur der Arbeitswelt. Frankfurt am Main: Fischer 1972.
Legte man das eigentliche Ende des Berichtsraums von 1990 zugrunde, käme man auf fast 50â % verstorbene Beiträger.
Dazu gehören nach 1990 Romane aus der Kinder- und Jugendliteratur (Inge Meyer-Dietrich: Plascha, Otto Wiesner: Ponny und der Groschenkrieg, Rainer M. Schröder: Das unsichtbare Siegel), Kriminalromane (Jan Zweyer: Glück auf, Glück ab, Peter Kersken: Im Schatten der Zeche), Erinnerungsromane (Ralf Rothmann: Junges Licht, Martin Becker: Marschmusik) oder die »Tatsachenromane« von Rafael Seligmann (Die Kohle-Saga und Revier im Wandel).
»[â¦] âºtoffteâ¹ hat noch viel Volkstümlichkeit«, schreibt Herausgeber Rother dazu (Thomas Rother: Vorwort. In: Ders. [Hg.]: Alles paletti. Geschichten aus dem Ruhrgebiet. Essen: Klartext 1985, S. 5â7, hier S. 5).
Vgl. hierzu Gerhard Langemeyer (Hg.): Leben mit Gneisenau, hundert Jahre ⦠Eine Zeche zwischen Dortmund und Lünen. Begleitbuch zur Ausstellung der VHS Dortmund. Essen: Klartext 1986.
Hans Dieter Baroth: Wie ein kleiner Biedenkopf »funktioniert«. In: Revier-Kultur 2 (1987), H. 1, S. 77â80, hier S. 78.