Diese Arbeit war geplant als eine umfassende Studie zu der Geschichte der Seelenpotenzen. Sie sollte die einschlägige Studie Künzles (Das Verhältnis der Seele zu ihren Potenzen) über Thomas von Aquin hinaus fortführen. Mit der inhaltlichen Darstellung sollte ein methodologischer Zugang korreliert werden, der durch eine Mikrorekonstruktion einzelner Entwicklungen zugleich einen Kontext geboten hätte, aus dem heraus die Positionen der âgroÃenâ Denker (Thomas, Scotus, Ockham, Descartes) besser zu verstehen gewesen wären. Hierzu gibt es allerdings derart viel Material, dass das Gesamtprojekt nicht von mir als einzelnem Wissenschaftler in angemessener Zeit und noch dazu unter Konzeption einer geeigneten Methodologie verwirklicht werden kann. Das ist und bleibt ein Projekt für eine längere Zukunft!
Darum habe ich in der vorliegenden Arbeit einen pragmatischeren Ausgangspunkt gewählt. Ich führe exemplarisch eine Mikrorekonstruktion an der Position eines Denkers durch, die selbst schon als eine Position des Ãbergangs vom Hoch- zum Spätmittelalter angesehen werden kann und der in der bisherigen Forschung (jedenfalls was die Seelenpotenzen anbelangt) wenig Beachtung geschenkt worden ist: der Theorie des Durandus von Saint-Pourçain. Ich möchte zeigen, dass die Position interessante Merkmale einer Potenzenlehre aufweist, in sich stimmig und vor dem Hintergrund der durandischen Psychologie kohärent ist. Darüber hinaus werde ich Durandusâ Potenzenlehre nicht nur zu seiner Seelenlehre in Beziehung setzen, sondern auch zu anderen Potenzenlehren, die geeignet sind, seine Lehre genauer zu konturieren. Zudem nutze ich Durandusâ Theorie der Seele, um sie bzw. Durandus selbst als einen Denker des Ãbergangs zu charakterisieren, der auf der Wasserscheide zwischen hochmittelalterlichem und spätmittelalterlichem Paradigma steht. Dabei verwende ich das Konzept des Paradigmen- oder Epochenwechsels, obwohl die Idee einer Einteilung der Philosophiegeschichte in klar abgegrenzte Abschnitte mit Problemen belastet ist. An Durandusâ Position lässt sich nämlich â auch und gerade durch die Verwendung des Epochenbegriffs â zeigen, dass es in der Philosophiegeschichte um Kontinuitäten und Brüche geht, die unmittelbar mit ihrem zeitgeschichtlichen Kontext zu korrelieren sind. Wenn ich also Durandusâ Potenzen- und Seelenlehre als eine solche des Epochenwechsels bzw. des Ãbergangs deklariere, dann tue ich das auch, weil sich in ihr eine doppelte Kontinuität und ein doppelter Bruch zeigt, nämlich sowohl mit Blick auf die alten Denkmuster (oder mit L. Fleck: Denkstile) seiner Vorgänger als auch in Bezug auf die neuen Denkmuster seiner Nachfolger. Nicht zuletzt ist ein guter Teil der Arbeit Durandus und seinem Sentenzenkommentar gewidmet: Ich versuche, den Status quo der Forschung konzis zusammenzufassen.
Die vorliegende Studie wurde der Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln im Sommersemester 2019 als Habilitationsschrift vorgelegt und im Wintersemester 2019/20 angenommen; sie wurde für den Druck in Teilen überarbeitet. An dieser Stelle möchte ich daher allen Dank sagen, die meine Arbeit begleitet und unterstützt haben: allen voran meinem Betreuer Prof. Dr. Dr. h.c. Andreas Speer (Köln), der nicht nur diese Arbeit, sondern alle meine Projekte mit nie endendem Wohlwollen und stetem Interesse begleitet hat. Seine Ermunterungen waren auch wesentlich dafür verantwortlich, dass die Arbeit in dieser Form erscheinen kann. Danken möchte ich auch den weiteren Gutachtern, Prof. Dr. Wouter Goris (Bonn), Prof. Dr. Frank Hentschel (Köln) sowie Prof. Dr. David Wirmer (Köln) für ihre Bereitschaft, die Koreferate zu übernehmen, und für wichtige inhaltliche Rückmeldungen.
Darüber hinaus bin ich Dr. Guy Guldentops (Köln) und PD Dr. Christian Rode (Bonn) für ihre wertvollen Hinweise und ausführlichen Kommentare zu Dank verpflichtet. Bei Prof.â Dr.â Fiorella Retucci (Lecce/Köln) bedanke ich mich für die gute Zusammenarbeit und bei Christoph Burdich für interessante Gespräche â auch, aber nicht nur über Durandus. Dr. Pavel Blažek, Dr. Massimo Perrone und Dr.â Federica Ventola danke ich dafür, dass sie ihre Forschungen über Durandus stets zuvorkommend mit mir geteilt haben.
Während der Arbeit an dieser Untersuchung konnte ich die infrastrukturellen Möglichkeiten eines angesehenen Instituts, namentlich des Thomas-Instituts in Köln, nutzen. Nicht nur seinem Direktor Andreas Speer sei hierfür herzlich gedankt, sondern auch allen Kollegen*innen und Gastforschenden, die immer wieder fruchtbare Diskussionen ermöglicht haben. Explizit für ihre wertvolle Hilfe danken möchte ich an dieser Stelle noch den Bibliothekaren des Thomas-Instituts, Dipl.-Bibl. Wolfram Klatt und Dr. Maxime Mauriège, sowie dem Bibliothekar des Petrarca-Instituts, Dipl.-Bibl. Miguel Kramb.
Die meisten der hier unterbreiteten Ideen habe ich bereits in einschlägigen Vorträgen u.â¯a. in Amsterdam (2013), Basel (2013), Leeds (2013), Leuven (2014 und 2018), Tours (2015) und Köln (2018) unterbreitet: Allen Zuhörenden und kritisch Nachfragenden bin ich ebenfalls für ihre Einlassungen dankbar.
Ein Jahr der Recherche durfte ich am De Wulf-Mansion-Centre der KU Leuven verbringen, finanziell unterstützt von der Alexander von Humboldt Stiftung und der KU Leuven. Meinem Gastgeber Prof. Dr. Russell L. Friedman, aber auch allen Kollegen*innen dort möchte ich herzlich danken für die inspirierenden Gespräche und Diskussionsrunden.
Dem Herausgeber dieser Reihe, Andreas Speer, bin ich für die Aufnahme in die âStudien und Texteâ zu Dank verpflichtet. Dem Verlag Brill, und namentlich Marcella Mulder, sowie Madelon Janse von TAT Zetwerk danke ich für die sorgfältige Betreuung des Buchs während des gesamten Publikationsprozesses.
Meiner Familie möchte ich abschlieÃend meinen tiefsten Dank aussprechen â nicht nur, aber auch für ihre groÃe Geduld!
Köln, im Mai 2021