Eine verbindende Geschichte haben die vier adiastematisch neumierten Handschriften der Berlinka-Sammlung erst seit ihrer Aufbewahrung in Berlin. Während der Weg der Handschriften in die Berliner Bibliothek einzeln zu klären ist, kann ihr Weg von Berlin nach Krakau zunächst in cumulo dargestellt werden. Dem Benutzerbuch des Rara-Lesesaals der Staatsbibliothek ist zu entnehmen, dass man den vier Handschriften vor dem Krieg kein gemeinsames Interesse gewidmet hat, was stellvertretend an Ms. theol. lat. qu. 11 dargestellt sei.1
Die erste Benutzung der Handschrift erfolgte am 3. August 1937 durch „W. Wang“. Die Unterschrift findet sich nur innerhalb eines mehrtägigen Besuchs in der Preußischen Staatsbibliothek Berlin. Die weiteren Handschriften, die sich Wang angesehen hat, vor allem aus der Signaturengruppe der Manuscripta borrussica, lassen weniger auf ein musikalisches Interesse als mehr auf ein Interesse an der Geschichte an Minden schließen. Bis zur Auslagerung wurde die Handschrift noch drei weitere Male konsultiert. Auch wenn in Ms. theol. lat. qu. 11 kein Benutzerverzeichnis eingebunden ist, lässt sich die Einsichtnahme von Jacques Handschin am 9. September 1937 durch das Benutzerverzeichnis von Mus. ms. 40338 bestätigen. An den Tagen bis zum 14. September 1937 hat sich Handschin aus der Mindener Handschriftengruppe auch Ms. theol. lat. qu. 15 angesehen und in der folgenden Zeit bis Mitte Oktober nach und nach beinahe sämtliche Musikhandschriften der Abteilung. Der Bibliothekar versah sogar dessen Einträge im Benutzerbuch zwischenzeitlich mit geschweiften Klammern über mehrere Zeilen. Handschin hatte also kein dezidiertes Interesse an einer speziellen Handschrift, sondern verschaffte sich einen Überblick über die mittelalterlichen Musikhandschriften der PSB.
Ähnlich verhält es sich mit den Einsichtnahmen von Bruno Stäblein, der sich im Herbst 1938 ebenfalls etliche Handschriften vorlegen ließ. Da es üblich war, die Zahlen der Signaturen nach der Rückgabe durchzustreichen, ist nicht ersichtlich aber dennoch wahrscheinlich, dass Ms. theol. lat. qu. 11 auch darunter war. Am 20. Dezember 1938 unterzeichnete ein „Strecker“ (?) und am 21. April 1941 ein „Prof. Dr. W. Fleming“ (?) im Benutzerbuch, das damit also belegt, dass es zu Ms. theol. lat. qu. 11 keine dezidiertere Forschung gegeben hat.



Benutzerverzeichnis mit Einträgen von J. Handschin.
Insbesondere bei Handschin und Stäblein wäre jedoch von weiteren Untersuchungen auszugehen gewesen. Da allerdings die Findwerkzeuge für Handschriften damals nur rudimentäre Querverweise ermöglichten, blieb zunächst nur der umständliche Weg eines Überblicks über sämtliche Handschriften mit erst daraufhin anschließenden Detailstudien, die aber bis zur Auslagerung 1941 nicht mehr möglich sein sollten. Auf den Karten des Zettelkatalogs wurden zwar die Incipits der Sequenzen notiert und enthielten auch Markierungen mit Querverweisen zu den Analecta Hymnica, mussten aber letztlich doch unvollständig bleiben.2
Während beispielsweise für Mus. ms. 40338 – eine Handschrift, die mit acht foliae von geringem Umfang ist – bereits zwei Karten notwendig waren, um die Sequenzen einzeln aufzuführen, umfasst das Halberstädter Missale Mus. ms. 40045 drei Karten, auf denen es unmöglich gewesen wäre, sämtliche Propriumsgesänge einzeln aufzulisten. Man hat es bei gröberen Angaben zu Teilen des Inhalts belassen.






Zettelkatalogkarten zu Mus. ms. 40338.
Der Weg, den die Handschriften von Berlin nach Krakau nahmen, lässt sich anhand der Tagebücher von Hugo Andres Krüss nachverfolgen, der seit 1925 Direktor der damaligen Preußischen Staatsbibliothek, der größten Bibliothek des damaligen Deutschen Reiches, war.3 Sie war – wie heute neben weiteren Gebäuden immer noch – an der Berliner Prachtstraße Unter den Linden im sogenannten Ihne-Bau beheimatet; der königlich-preußische Hofarchitekt Ernst von Ihne hatte das neobarocke Gebäude nach elf-jähriger Bauzeit 1914 fertiggestellt. Zu ihrem Bestand gehörten 1925 mehr als 3 Millionen Druckschriften und 70.000 orientalische und europäische Kodizes sowie Musikhandschriften.4
Mit Krüß war der Generaldirektorenposten mit einem Ministerialdirektor des Kultusministeriums besetzt worden und nicht mit einem ausgebildeten Bibliothekar.5 Der 1879 geborene Krüß stammte aus einer angesehenen Hamburger Akademikerfamilie, hatte in Jena, Würzburg, Marburg und Göttingen Mathematik, Chemie und Physik studiert und 1903 mit der Dissertation Die Durchlässigkeit einer Anzahl Jenaer optischer Gläser für ultraviolette Strahlen abgeschlossen. Ein Thema, das eindeutig auf die Arbeit im Hamburger Familienbetrieb ausgerichtet gewesen war. Seine Beteiligung an der Organisation des deutschen Beitrags auf der Weltausstellung 1904 in St. Louis (USA) und seine Fähigkeiten, dort den Bereich „Wissenschaftliche Instrumente“ zu organisieren, hatten allerdings im Wissenschaftsministerium derart Eindruck hinterlassen, dass Krüß von einer Tätigkeit im Familienbetrieb absah und eine Beamtenlaufbahn einschlug. 1925 hätte eine weitere Beförderung erfolgen sollen, war aber aus politischen Gründen nicht möglich, weshalb man ihm den Posten als Generaldirektor der PSB antrug.
Diese unübliche Personalie war zunächst, vor allem innerhalb der Bibliothekarszunft aber auch öffentlich, kritisch diskutiert worden, sollte sich später allerdings als glückliche Fügung für die Staatsbibliothek erweisen. Für damalige Zeiten ungewöhnlich pflegte Krüß sehr intensive nationale und auch internationale Kontakte,6 so auch diejenigen ins Ministerium. 1939 war er zu Gast auf dem Empfang des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung Bernhard Rust (1883–1945) anlässlich des „VI. Internationalen Archäologenkongresses“. Im Kongressbericht steht über diesen Empfang am Freitag, dem 25. August 1939:
Im Namen der Reichsregierung hat der Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung am Freitagabend zu einem Empfang in den weißen Saal des Berliner Schlosses eingeladen. Mit den Teilnehmern des Kongresses versammelte sich ein auserlesener Kreis von Gästen aus den Reichsministerien, der Wehrmacht und der Partei. Der EMPFANG DER REICHSREGIERUNG wurde eingeleitet durch ein Konzert, in dem das Strube-Quartett Schubert und Hugo Wolf sowie Opernsänger Hans Wocke Lieder von Hugo Wolf und Richard Strauss und eine Arie von Verdi zum Vortrag brachte. Anschließend begaben sich die Gäste in die weiteren Prunkräume des Schlosses und verblieben in angeregten Gesprächen bis in die späte Nacht.7
Dass die Teilnehmer zumindest eine Ahnung vom nahenden Kriegsbeginn gehabt haben müssen, darüber gibt ein Abschnitt aus der Rede von Professor Dr. Alexander Willem Byvanck aus Leiden zum Abschluss des Archäologenkongresses Auskunft:
In Kürze werden wir den Saal verlassen und treten in eine dunkle und bange Welt. Keiner weiß, was die nächsten Tage bringen werden. Gott gebe, dass es der Frieden sei! Doch sicher werden die nächsten Tage noch voller Leid und Not sein. Ich glaube, dass dann und auch noch später die schönen Berliner Tage für uns alle ein kostbarer Besitz sein kann. Sicher werden wir empfinden, daß es Höheres, Wertvolleres gibt als die Archäologie und die menschliche Freundschaft. Doch noch in den dunkelsten Augenblicken kann die Erinnerung an diesen Kongreß uns ein leuchtender Trost sein.
Die Erinnerungen an diese Tage, da wir als Mitglieder von verschiedenen Nationen als Mensch zu Mensch einander gegenüberstanden, als wir Gedanken austauschten und die Gefühle von Herz zu Herzen gingen, die Erinnerung an diese Tage verbürgen uns den festen Glauben, an eine wirkliche geistige Gemeinschaft der Menschen.
Zwar leben wir nicht immer wie friedliche Menschen, doch wir tragen die Sicherheit mit uns, daß es eine gemeinsame Gesinnung gibt, die alle Gegensätze überbrückt, sobald wir treu und entschlossen mit Hingebung und Verständnis einander gegenübertreten. Mit diesen Gedanken, die meinen Glauben bekunden, möchte ich schließen und Ihnen unseren deutschen Gastgebern, unseren deutschen Freunden, unseren verbindlichsten Dank aussprechen.8
In diesen Sätzen klingt die Furcht vor einem nahenden Krieg durch, die auch Krüß an diesem Abend nicht entgangen sein wird. „Bereits im Sommer 1935 wurden leitende Berliner Kulturbeamte vom Kultusminister aufgefordert, ein Konzept zur Sicherung von Kunstwerken für den Fall von ‚kriegerischer Auseinandersetzung‘ zu entwickeln.“9 Spätestens seit Herbst 1937 bereitete Krüss sich auf immer dringlicher werdende Auslagerungsaktivitäten vor und keine zwölf Monate später lagen ihm von der Abteilung für Musikhandschriften entsprechende Listen mit 166 Signaturen vor.10 Aus seinen Tagebüchern geht hervor, dass er am 24. August 1939, also einen Tag vor dem Kongress, in einer Sitzung mit den Abteilungsleitern über logistische Herausforderungen von Auslagerungen gesprochen hat.11 Dass er am Tag nach dem Empfang des Archäologenkongresses, am Samstag, dem 26. August 1939, die ersten Auslagerungsaktivitäten anschieben lassen kann, geht also auf seine vorausschauenden Vorbereitungen zurück. Es wird damit begonnen, die wertvollsten Sonderbestände, wozu man hauptsächlich Handschriften zählte, einzupacken und auszulagern. Bis September 1939 werden diese Bestände zunächst in den Keller des Reichswirtschaftsministeriums (RWM) verlagert.12
Das RWM hatte 1933 ein Gebäude der ehemaligen Disconto-Gesellschaft, einer 1929 mit der Deutschen Bank fusionierten Aktiengesellschaft, gekauft. Dieses Gebäude lag nicht nur gegenüber der PSB, sondern verfügte auch über einen entsprechenden zweigeschossigen Panzerkeller, in den die Bestände verbracht wurden. Die Handschriften wurden in Ölpapier eingewickelt, damit sie nicht austrockneten. Daraufhin wurden jeweils etwa 200 Bände in einer Kiste zusammengefasst. Magazinbeamte der PSB führten Listen darüber, welche Bände welchen Kisten zugeordnet wurden.
Seit 1939 notierte Krüss in seinen Tagebüchern regelmäßig die Uhrzeiten der nächtlichen Fliegeralarme, später schneidet er nur noch die Verdunklungsanweisungen aus der Zeitung aus und klebt sie ein. Regelmäßig erhält das Personal der PSB Schulungen für den Fall von Brandbomben. Als in der Nacht vom 9. auf den 10. April 1941 der Ihne-Bau erstmals bei einem Luftangriff von einer Brandbombe getroffen wird, erfahren die Auslagerungsaktivitäten eine erhebliche Beschleunigung. Krüss lässt weitere Auslagerungsorte jenseits von Berlin ermitteln und die Logistik sehr genau planen. Am 26. August 1941 notiert er in seinem Tagebuch „Besprechung mit den Vertretern der Firma Henze wegen Überführung von Beständen nach Kloster Beuron und Schloss Benz“.13 Drei Orte fasst er für die Auslagerung der wertvollsten Bestände ins Auge: das nördlich vom Bamberg gelegene ehemalige Benediktinerkloster Banz, das ebenfalls 1803 säkularisierte Augustiner-Chorherrenstift Beuron und das schlesische Schloss Fürstenstein. Pro Depot plante er, etwa 200 bis 300 Kisten auszulagern. Auf diese Weise wurde es möglich, in kürzester Zeit etwa 180.000 Bände auszulagern. Bevor die Zettelkataloge ausgelagert würden, sollten sie verfilmt werden, damit sie zunächst weiterhin in Berlin zur Verfügung stünden und nach dem Krieg die Vollständigkeit des Bestandes hätte überprüft werden können. Bei Ende des Krieges hatte man 3 Millionen Drucke und 900.000 Objekte aus Sondersammlung ausgelagert.



Am 27. und 28. Oktober 1941 sowie vom 4. bis 6. November 1941 wurden 201 Bücherkisten, darunter 32 Kisten mit Musikalien, von einem LKW-Triebwagen mit zwei Anhängern sowie einem Begleitfahrzeug mit Mitarbeitern der Bibliothek nach Fürstenstein gebracht. Krüss notiert dazu am 17. November 1941 in seinem Tagebuch: „Besuch von Van Dorp und Geschke (Speditionsfirma Henze). Abschließender Bericht über die Transporte nach Schloss Banz, Kloster Beuron u Schloss Fürstenstein)“. In seinem Tagebuch sind Fotografien aus Fürstenstein, Banz und Beuron eingeklebt. Es steht zu vermuten, dass er sich damit das Eintreffen belegen lassen wollte. Unter die Fotografien klebt er die Schlagzeile ein: „Rosenberg Reichsleiter der besetzten Ostgebiete“. Er wusste, dass er nun häufiger mit dem ihm ohnhin bestens bekannten Alfred Rosenberg zu tun haben werde. Vom 28. April bis 2. Mai 1942 werden weitere 304 Bücherkisten nach Fürstenstein gebracht. Diesmal wird als Transportmittel die Eisenbahn gewählt. Die Kisten werden am Bahnhof in Fürstenstein von LKW in Empfang genommen und zum Schloss gebracht. Am 2. Juli 1944 verlagert man die nunmehr 505 Kisten ins 20 km entfernte Kloster Grüssau. Albert Speer wollte mit dem paramilitärischen Bautrupp „Organisation Todt“ in Fürstenstein ein Ausweichquartier für die Wolfsschanze anlegen, das jedoch nicht mehr gebaut wurde.14
Am Ende des Krieges lagerten diese Kisten auf der Orgelempore der Kirche des Klosters Grüssau. Berichten von Zeitzeugen zufolge soll die Rote Armee, die am 9. Mai 1945 Grüssau besetzte, das gesamte Kloster nach möglicher Kriegsbeute abgesucht haben, aber die Bücherkisten nicht aufgespürt haben. Am 29. August 1946, nachdem die polnische Armee in Grüssau eingetroffen war, haben Soldaten die Kisten gefunden und sie am 16. Mai 1946 nach Krakau transportiert.15 Die Berlinka-Sammlung – wie sie fortan genannt wurde – war derart raumeinnehmend, dass keine andere Möglichkeit gesehen wurde, als sie vor ihrem Einzug in die Bibliothek zunächst über die ganze Stadt in unterschiedlichen Depots zwischenzulagern. „Entsprechend den Bestimmungen des Erlasses über das ehemalige deutsche Eigentum vom 8. März 1946 wurden die als „Preußischer Schatz“ bezeichneten Bestände systematisch nach Krakau überführt. Anfangs wurden sie provisorisch an verschiedenen Orten in der Stadt, u. a. in den Klöstern der Missionare und der Dominikaner gelagert, schließlich wurden sie 1947 aus konservatorischen Gründen in das Gebäude der Jagellionischen Bibliothek gebracht. […] Mit dem Auspacken der Bestände begann man im Gebäude der Bibliothek, wo 490 Kästen ankamen, bereits am 1. November 1947.“16 Da der Bestand zunächst verschwiegen wurde, konnten „die Bestände für mehrere Jahre von Wissenschaftlern nicht benutzt werden“.17
„Infolge der Nachkriegswirren ging die Sammlung verloren, bis 1979, auf wiederholte Nachfrage bei den zuständigen polnischen Behörden, die interessierte Fachöffentlichkeit darüber in Kenntnis gesetzt wurde, daß der sogenannte Grüssauer Schatz in die Jagellionische Bibliothek Krakau gelangt war. Vor allem Henrichs diplomatischem Geschick ist es zu verdanken, daß die Forschung seit 1979 wieder auf das Original der Handschrift zurückgreifen kann.“18 Erst in diesem Jahr begann man zaghaft, „die Berliner Bestände Wissenschaftlern zugänglich zu machen, die eine spezielle, individuell erworbene Erlaubnis des Ministeriums vorweisen konnten.“19 Zwei Jahre später, inzwischen hatte die Jagellionische Bibliothek einen neuen Direktor, wurde die Sammlung öffentlich gemacht.
Heute lagern die Bestände in klimatisierten Räumen in der Jagellionischen Bibliothek.20 Sie haben seit ihrer Einlagerung keine Restaurierungen oder andere Veränderungen erfahren. Wie aus dem Zettelkatalog der Mikrofilme und Angaben in den Mikrofilmen zu entnehmen ist, hatte man 1981 begonnen, die Handschriften zu verfilmen. Die Benutzerverzeichnisse, die 1935 von der PSB eingebunden worden sind, enthalten nach dem Krieg sporadische Einträge ab 1981. Inwieweit die Verzeichnisse sorgfältig geführt worden sind, muss dahingestellt bleiben. Zu Forschungszwecken konnten die Handschriften zwar seit dem Ende der 80er Jahre vereinzelt eingesehen werden, allerdings wurde die Berlinka-Sammlung seitdem weder in Handschriftenkatalogen noch – bis auf wenige Ausnahmen – in Datenbanken erfasst, was ihr Auffinden freilich erschwert hat und erklärt, warum auch die vier adiastematisch neumierten Handschriften musikologisch bislang keine ausgiebigere Beachtung erfahren haben.21
Die Signaturengruppe „Mus. ms.“ wurde und wird noch heute im Lesesaal der Musikabteilung eingesehen. Ob jemals ein Benutzerbuch für diesen Lesesaal existiert hat, konnte von Seiten der Staatsbibliothek nicht ermittelt werden. Da die Musikalien als eigenständiger Bereich schon sehr früh separiert worden waren, galten dort auch eigenständige Benutzungsregeln. Dass in die Handschriften Konsultationslisten eingebunden wurden, mag ein Benutzerbuch obsolet gemacht haben. Ebenso ist denkbar, dass ein möglicherweise vorhandenes Benutzerbuch im Krieg verloren gegangen ist und heute keine Kenntnis mehr darüber vorhanden ist.
Die Karten des Zettelkatalogs wurden freundlicherweise von der Musikabteilung der Staatsbibliothek zur Verfügung gestellt. Letzte Einsichtnahme am 1.9.2022.
Vgl. zu Krüß v. a. Cornelia Briel, „Hugo Andres Krüß. Preußischer Beamter im NS-Staat“, in: Selbstbehauptung – Anpassung – Gleichschaltung – Verstrickung. Die Preußische Staatsbibliothek und das deutsche Bibliothekswesen 1933–1945; Beiträge des Kolloquiums am 30. Januar 2013 in der Staatsbibliothek zu Berlin aus Anlass des 80. Jahrestags der nationalsozialistischen Machtübernahme, hrsg. von Klaus Gerhard Saur, Martin Hollender, Frankfurt am Main 2014, S. 97–120; Eberhard Gering, „Die Gründer und Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft für Dokumentation im NS-Staat“, in: Website von Gerd Simon, Tübingen 2007, https://homepages.uni-tuebingen.de/gerd.simon/GeringKruess.pdf (abgerufen am: 7.12.2022).
Vgl. Werner Schochow, Bücherschicksale. Die Verlagerungsgeschichte der Preußischen Staatsbibliothek. Auslagerung, Zerstörung, Entfremdung, Rückführung. Dargestellt aus den Quellen, Berlin 2003 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin Bd. 102), S. 2. Heute hält die Staatsbibliothek Berlin 25,2 mio. Medien vor.
Diese Personalie war innerhalb der Bibliothekarszunft nicht auf Wohlwollen gestoßen. Werner Schochow geht davon aus, dass Krüß innerhalb des Ministeriums nicht befördert werden konnte, ohne dass sein damaliger Vorgesetzer damit übergangen worden wäre, sodass man Krüß zum Direktor der PSB gemacht hatte.
Nicht zuletzt war seine Frau eine aus Chicago stammende Amerikanerin. Der Nachlass gibt Zeugniss davon, dass er nicht nur in Englisch, sondern in beinahe jeder Europäischen Sprache Korrespondenzen pflegte.
Archäologisches Institut des deutschen Reiches (Hrsg.), Bericht über den VI. Internationalen Kongress für Archäologie, Berlin, 21.–26. August 1939, Berlin 1940, S. 103.
Archäologisches Institut des deutschen Reiches (1940), S. 105.
Monika Jaglarz, Bestände der ehemaligen Preußischen Staatsbibliothek zu Berlin in der Jagiellonen-Bibliothek. Forschungsstand und -perspektiven, Frankfurt a. M. 2019 (Geschichte – Erinnerung – Politik. Studies in History, Memory and Politics 23), S. 15.
Vgl. dazu im folgenden v. a. Schochow (2003).
Nachlass Krüss, Staatsbibliothek Berlin. Eingesehen am 31.8. u. 1.9.2022.
Aus dem Testament von Krüss geht hervor, dass er dort ebenfalls eine private Kiste mit wertvollen Teppichen untergebracht hat.
Nachlass Krüss, Staatsbibliothek Berlin.
Vgl. Allied Forces Counter Intelligence Sub-Division, Handbook of the Organisation Todt. MIRS/MR-OT/5/45, Osnabrück 1992 (Veröffentlichungen deutschen Quellenmaterials zum Zweiten Weltkrieg 4/3); Franz W. Seidler, Die Organisation Todt. Bauen für Staat und Wehrmacht 1938–1945, Bonn 21998; Franz W. Seidler, Phantom Alpenfestung? Die geheimen Baupläne der Organisation Todt, Berchtesgaden 2004; Franz W. Seidler; Dieter Zeigert, Die Führerhauptquartiere. Anlagen und Planungen im Zweiten Weltkrieg; mit Übersichtstabellen, München 42004.
Vgl. Dieter Henrich, „Beethoven, Hegel und Mozart auf der Reise nach Krakau“, in: Neue Rundschau 88/2 (1977), S. 175ff.
Vgl. Jaglarz (2019), S. 19.
Vgl. Jaglarz (2019), S. 20.
Vgl. Frank-Peter Hansen, Das älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus. Rezeptionsgeschichte und Interpretation, Berlin 1989 (Quellen und Studien zur Philosophie 23), S. 5.
Vgl. Jaglarz (2019), S. 21.
Vgl. Jaglarz (2019), S. 22.
Einzig Susan Rankin erwähnt Ms. lat. qu. 687 in Rankin (2018), S. 103, 104, 105, 128–35.