In diesem Sammelband werden bewegende, tragische und auch hoffnungsvolle Lebenswege von verschiedenen Personen und Familien vorgestellt, denen eins gemeinsam war: Sie alle kamen während der nationalsozialistischen Herrschaft oder in den Jahren danach zwangsweise nach Wewelsburg und lebten für einige Monate oder auch für Jahre in dem Barackenlager am Ortsrand, das 1940 von der SS als Konzentrationslager Niederhagen eingerichtet worden war. Die Vielfalt der Biografien zeigt das Ausmaà des radikalen, menschenverachtenden NS-Terrors, der Millionen von Menschen in ganz Europa betraf und sich in seinen Folgen bis in die Nachkriegszeit fortsetzte. Sie wurden verfolgt, deportiert, umgesiedelt, evakuiert oder vertrieben. Sie mussten ihre Heimat verlassen. Viele starben durch Gewalt, Hunger, Erschöpfung und Krankheit. Ihnen ist dieser Sammelband gewidmet.
Mit der Einweihung des GeDenkOrts im Sommer 2024 richtete das Kreismuseum Wewelsburg einen neuen Ausstellungsstandort der Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg 1933â1945 auf dem ehemaligen Gelände des Konzentrationslagers Niederhagen ein. Bei dem GeDenkOrt handelt es sich um den umfassend sanierten Seitenflügel der 2018 vom Kreis Paderborn übernommenen ehemaligen Lagerküche, der nach dem Krieg zu Wohnungen für Geflüchtete umgebaut worden war. Die zahlreichen Bauspuren aus der KZ- und der Flüchtlingslagerzeit wurden in den früheren Wohnungen und im Küchenkeller freigelegt und sind jetzt Teil der Ausstellung zur Geschichte des Lagergeländes. Weiterhin werden im übergeordneten Themenbereich âZwangsmigrationâ die Biografien jener Menschen dokumentiert, die zwangsweise nach Wewelsburg gekommen waren.
Zwangsmigration ist per Definition meist eine Folge von gewaltsamen Konflikten oder Kriegen â auch heute noch. Zu den Opfern zählen Menschen oder Menschengruppen, die einer bestimmten Ethnie, Religion, Konfession oder einer anderen Minderheit angehören. Es gehört zu dem historisch-politischen Bildungsangebot des neuen GeDenkOrts, sich mit den verschiedenen Aspekten der gewaltsamen Migration von Menschengruppen und ihren Folgen auseinanderzusetzen. Ausgehend von dem historischen Ort Wewelsburg regen die ausführlichen Biografien zum Nachdenken über die unterschiedlichen Gründe und Konsequenzen von Krieg, Verfolgung und Vertreibung an. Ich wünsche diesem Sammelband daher die verdiente Aufmerksamkeit und viele interessierte Leserinnen und Leser.
Ich danke allen, die zu dem Gelingen dieses Bandes beigetragen haben, den Autorinnen und Autoren und den beiden Herausgebenden Kirsten John-Stucke und Erik Beck.
Christoph Rüther
Landrat des Kreises Paderborn