In den letzten Jahren ist in Medien und Sozialwissenschaften ein wachsendes Interesse an Kindheiten jenseits des âNormalalltagsâ zu beobachten â sei es im Kontext von Migration, Armut oder gesundheitlicher Belastung.1 Die Kurkinder der 1950er bis 1980er Jahre â oder in der Selbstbezeichnung der Betroffenen âVerschickungskinderâ â sind Teil dieser Diskussion. Ihre Erfahrungen verknüpfen gesundheitliche MaÃnahmen mit Bildungs-, Sozial- und Familienfragen. Angesichts der Debatten um kindgerechte Räume, Teilhabe und Resilienz eröffnet das Nachdenken über Kuraufenthalte historische Perspektiven auf Phänomene von gesetzlichem Regelungsbedarf, systemischem Aufsichtsversagen und strukturell ermöglichenden Gewalträumen sowie Formen autoritärer Erziehung, die heute mehr denn je und vollkommen zu Recht in der Kritik stehen.
Seit Anfang 2025 ist es um das Thema Kinderkuren oder Verschickungskinder etwas ruhiger geworden. Das war im Juli 2024, als die Tagung stattfand, aus der dieser Sammelband hervorgegangen ist, noch ganz anders. In den zwei vorhergehenden Jahren waren die Kinderkuren in der Presse und im Fernsehen ein Dauerthema. In der Zuspitzung auf die zahlreich berichteten Gewalterfahrungen ehemaliger Kurkinder (und Jugendlicher) der 1950er bis 1980er Jahre entwickelte sich in den Medien ein Skandalisierungskomplex, der die vorhandenen positiven Erinnerungen in Zweifel zog oder mehr oder weniger unberücksichtigt lieÃ. In Beiträgen und Veröffentlichungen von Anja Röhl, Hilke Lorenz oder Lena Gilhaus wurden die personellen und vorgeblich pädagogischen Kontinuitäten aus dem Nationalsozialismus als Ursachen herangezogen,2 wenige tödliche Unfälle als ein zentrales Charakteristikum der Kurorganisation dargestellt3 oder körperliche und sexualisierte Gewalt als Signum der Kinderkuren propagiert.4
Um das hier direkt klarzustellen: das alles gab es. Die Beiträge von Bastian Tebarth, Engelbert Tacke und Heiner Fangerau/Silke Fehlemann/Sylvia Wagner in diesem Band belegen die personellen Kontinuitäten in Kurheimen und Tuberkulose-Sanatorien, in denen ehemalige NS-Ãrzte und Pflegepersonal ihre Karrieren und Arbeit nach 1945 ohne Einschränkungen fortsetzen konnten, einschlieÃlich experimenteller Erprobung und Testung von Arzneimitteln. Auf dem Weg zur Kur und in den Kurheimen kamen in den 1950er bis 1970er Jahren Kinder zu Tode, vielfach durch Unfälle und Erkrankungen, die nur bedingt mit der Kur zu tun hatten. In einigen Fällen aber auch durch gewalttätiges Verhalten des Personals. Und die mittlerweile 15.000 Fragebögen, die an ehemals verschickte Kinder gesandt und seit 2019 durch die Initiative âVerschickungsheimeâ gesammelt wurden, zeugen von autoritärer und gewaltvoller Pädagogik, die in vielen Kinderkurheimen über verschiedene Zeiträume endemisch war. Die fehlende Empathie für kindliche Bedürfnisse war bei vielen âTantenâ5 ausgeprägt und verwoben mit Formen schwarzer Pädagogik und autoritärer Erziehungsstile, deren Ursprünge historisch weit zurückreichen.
Gleichwohl hat diese verständliche Fokussierung auf die Gewaltverhältnisse die Entstehungsbedingungen des Kinderkursystems, seine Ausformungen und nicht zuletzt die Agency oder Selbstwirksamkeit von Kindern und Jugendlichen verdeckt und nivelliert. Zudem hat diese Aufmerksamkeitsökonomie dazu geführt, die örtliche und zeitliche Gebundenheit der Gewalt zu verwischen und zu einem überzeitlichen Phänomen zu verformen. Hinter den Erfahrungsberichten aus der Zeit der BRD zwischen 1950 und 1980 wurden die Ursprünge und Widersprüchlichkeiten, die Ambivalenzen und Entwicklungslinien der Kuren verborgen.
1. Entwicklung der Kinderkuren
Der Beginn der Kinderkuren liegt im 19. Jahrhundert, an dessen Ende viele Nationalstaaten ein Verständnis von Bevölkerungspolitik entwickelten, in dem die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ein zentraler Bestandteil der Politik wurde. Francois Ewald prägte dafür den Begriff âVorsorgestaatâ.6 In der Folge sich beschleunigender Industrialisierung und einer zunehmenden Verstädterung wurde körperliche Gesundheit zur Ressource der Zukunft der Nationen. Produktivität und damit Erfolg im Wettstreit der Nationen hing von der physischen Leistungsfähigkeit der Bevölkerung ab, wodurch die junge Generation in den Blick der gesundheitsfürsorgerischen Akteur:innen geriet.7 In der Suchbewegung entwickelten diese Akteur:innen eine âgroÃe Vielfalt an Vorsorgekonzepten und -maÃnahmenâ,8 die sowohl kurativ als auch präventiv ausgerichtet waren. Kinder gerieten um 1900 immer stärker in das Visier dieser Gesundheitspolitiken, in GroÃbritannien z.B. aufgrund der Niederlagen im Burenkrieg.9 Spätestens im Ersten Weltkrieg wurden die Kinderkuren zu einer groà angelegten MaÃnahme, die nach Ende des Krieges in den ersten Jahren der Weimarer Republik weiter ausgebaut worden war. Die katastrophale Versorgungslage in den letzten Kriegsjahren lieà die temporäre Verschickung von Kindern und Jugendlichen aus den Städten und industriellen Ballungszentren in ländliche Regionen als geeignete MaÃnahme erscheinen, die gesundheitlichen Folgen der Mangelernährung und erziehungstechnischen Herausforderungen zu lindern. Kreise, Städte und Kommunen hatten teilweise schon vor dem Krieg eigene Kurheime errichtet oder für diesen Zweck in konfessionellen Einrichtungen Plätze âgemietetâ.10 In den 1920er Jahren versuchten die Provinzialverwaltungen Rheinland und Westfalen, die Kuren und die Verteilung der Kinder und Jugendlichen auf die Heime zu organisieren. Einerseits ging es um die Ausweitung der Arbeitsfelder der Provinzen,11 andererseits um eine möglichst effiziente Organisation â die Heimträger und Entsendestellen wollten alle Heimplätze durchgehend belegt wissen. Daher richtete man im Rheinland und Westfalen entsprechende Verwaltungsstellen ein, um lokale Initiativen in Abstimmung mit privaten Akteuren und den Wohlfahrtsverbänden zu bündeln.12
Während des Nationalsozialismus und insbesondere in der Zeit des Zweiten Weltkriegs wurden die Kinderkuren in weiten Teilen ausgesetzt. Nachdem die Nationalsozialisten zahlreiche Heime in die nationalsozialistischen Wohlfahrtsverbände zwangsüberführt und kirchliche Träger freigestellt hatte, wurden die Kinderkuren unter ârassenhygienischenâ Voraussetzungen teilweise weitergeführt. Die Requirierung zahlreicher Heime durch Wehrmacht und andere staatliche Behörden während des Krieges verunmöglichte die Kuren jedoch. Gleichzeitig kam es aufgrund des sich verschärfenden Luftkrieges zur so genannten Kinderlandverschickung von Kindern und Jugendlichen aus den industriellen Ballungszentren und GroÃstädten.13 Diese Kinderlandverschickung hat allerdings nur wenig Ãhnlichkeiten mit den Kinderkuren und diente einem anderen Zweck.
Nach dem Ende des Krieges nahmen die Vorkriegsakteure â auch diejenigen, die von den Nationalsozialisten ausgebootet worden waren â das Kursystem wieder in Betrieb. Schon 1946 begann z.B. die Ausgleichsstelle14 im Provinzialverband Westfalen, Kinder im Rahmen von Kuren in Heime zu senden. Zwei Argumentationslinien nutzten die Protagonist:innen und Befürworter:innen der Kinderkuren für die zügige Wiedereinführung. Zum einen wiesen sie auf den schlechten Gesundheitszustand und die katastrophale Versorgungslage nach dem Krieg hin, die bis in die 1950er Jahre zahlreiche Kinder und Jugendliche belasteten. Daher war das âAufpäppelnâ der Kurkinder bis Mitte der 1950er Jahre das zentrale Ziel der Fürsorge. Nicht zuletzt deshalb wurde der Kurerfolg an der Gewichtszunahme gemessen â das ständige Wiegen ist eines der meisterinnerten Ereignisse von âVerschickungskindernâ während der Kuraufenthalte bis in die 1960er Jahre.15 Zum anderen unterstellte die deutsche Nachkriegsgesellschaft Kindern und Jugendlichen eine âVerwahrlosungâ, die durch Krieg, Nationalsozialismus und Vaterlosigkeit hervorgerufen worden war.16 Daher waren die Kuren neben dem präventiv-medizinischen Ansatz auch an Mustern autoritärer Erziehung ausgerichtet, die feste Strukturen und Disziplin, Gehorsam und Unterordnung als notwendig erachteten. Das Repertoire von MaÃnahmen, dass auch in den Kinderkurheimen zur Anwendung kam, reichte von Züchtigung und Prügelstrafe bis hin zu Beschämungen und anderen psychischen Strafen.17
In der Mitte der 1950er Jahre lösten dann medizinisch-indizierte Kinderkuren die âAufpäppelkurenâ sukzessive ab, da aufgrund des wirtschaftlichen Aufschwungs in der jungen Bundesrepublik die gesundheitlichen Folgen des Krieges überwunden schienen. Auch die Krankenkassen waren nicht mehr bereit, reine Erholungskuren zu bezuschussen. Nun gerieten verstärkt Zivilisationskrankheiten ins Visier der Kinderkuren, wie der damalige Dezernatsleiter des LWL (Landschaftsverband Westfalen-Lippe) Kurt Gedicke in einem Interview 1977 verlauten lieÃ.18
2. Wahrnehmungswandel
Viele Zeitgenossinn:en sahen die Kinderkuren als gesundheitspolitisch auÃerordentlich erfolgreich an. Nicht nur hatten Gesundheitsfürsorger:innen und Heime die Gesundheit der Kriegs- und direkten Nachkriegsgeneration der Kinder und Jugendlichen erhalten oder wiederhergestellt. Auch den folgenden Generationen wurde dadurch präventiv und kurativ zu einer besseren Gesundheit verholfen. Noch in den 1970er Jahren veröffentlichten Städte und Gemeinden Fest- und Werbeschriften zu ihren Kinderkurheimen in den Bergen oder auf den Nordseeinseln und die Kurheime selbst lieÃen Postkarten zu Werbezwecken drucken.19 Die Idee, dass beinahe 50 Jahre später diese Erfolgsgeschichte durch die zahlreichen kritischen Berichte ehemaliger Kurkinder über Schläge und Gewalt hinterfragt wurde, kam den Betreibern offenbar nicht in den Sinn.
Die Verschickungskinder jedoch erzählen andere Geschichten. Von rigider Bett- und Nachtruhe, strenger Disziplin, Demütigungen, Schlägen, dem Zwang Erbrochenes zu essen und sexualisierter Gewalt.20 Hans Walter Schmuhl vertritt die Ansicht, dass die Kinderkurheime ein weiterer dunkler Fleck auf dem âvergessenen Kontinentâ der Anstaltswelten der Bundesrepublik waren, die genau so wie die Einrichtungen für Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung, für so genannte Fürsorgezöglinge oder Psychiatrien erforscht werden müssen.21 Gewalt und Missbrauch waren in vielen dieser Einrichtungen alltäglich.22 Und ähnlich wie die ehemaligen Heimkinder und Anstaltsbewohner:innen, haben auch die von diesen unter Umständen traumatisierenden Erfahrungen betroffenen Kurkinder die Aufarbeitung ihrer Geschichte eingefordert.23 Die zahlreichen bundesweiten und regionalen Interessenvertretungen und Vereine haben bereits einige Erfolge bei der Forderung nach Aufarbeitung erzielt. In NRW hat der Landtag einen Runden Tisch Kinderverschickung eingerichtet, der eine erste Vermessung des Forschungsfeldes durch Marc von Miquel initiiert hat.24 Und auch der vorliegende Sammelband ist auf die Initiative und die finanzielle Förderung des Runden Tischs und des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales zurückzuführen. Er ist das Ergebnis einer Tagung, die von Katharina Tiemann vom LWL-Archivamt für Westfalen und dem Autor dieses Beitrags vom LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte konzipiert und unter dem Titel âWissenschaftliche Aufarbeitung von Kinderverschickung in NRW â eine Zwischenbilanzâ im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster vom 2.-3. Juli 2024 durchgeführt wurde.25 Sie bot einerseits eine Zwischenbilanz der bis 2024 geleisteten geschichtswissenschaftlichen Forschung und musealen Bearbeitung zu Kinderkuren und wirft neue Fragen für die Forschung auf. Sie vermittelte andererseits eine vorläufige Bilanz aus der Perspektive der Archive â über Bestände, Zugänge, Hilfestellungen und die Herausforderungen zwischen Aufarbeitung und Persönlichkeitsrechten.
3. Aufbau des Bandes
Jens Metzdorf und Ingrun Osterfinke geben in ihren Beiträgen Einblicke in die Archivbestände kommunaler und konfessioneller Träger. Am Beispiel der Ãberlieferung im Stadtarchiv Neuss kann Metzdorf darlegen, wie verstreut einzelne Aktenbestände zu Kinderkuren vorliegen. Ingrun Osterfinke kann anhand der evangelischen kirchlichen Archive ganz ähnliche Feststellungen treffen. Die Organisation evangelischer Gemeinden als selbstständige Einheiten erschwert nicht nur die Bestandsbildung, sondern zwingt Forschende und Betroffene auch zur Recherche in verstreuten Beständen. Diana Ascher und Astrid Küntzel präsentieren einen Ãberblick über die Quellenbestände zu Kinderkuren im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland. Stefan Schröder zeigt anhand von drei Beispielen, welche Quellen in den Archiven von Stiftungen, die häufig Heimträger waren, zu erwarten sind.
Die Ãberlieferungsbildung ist und bleibt eine Kerndisziplin der Archive. Johannes Kistenich-Zerfaà skizziert in seinem Beitrag die neuen und vielfältigen Herausforderungen, mit denen sich Archive bei der Aufarbeitung von Unrecht insbesondere durch Betroffene konfrontiert sehen. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen muss es Anspruch der Archive sein, durch Ãberlieferungsbildung Aufarbeitung zu ermöglichen. Damit unterstreichen Archive ihre gesellschaftliche Relevanz. Michael Scholz stellt den Schutz personenbezogener Unterlagen in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Sensible Aufarbeitungsvorhaben erfordern vor dem Hintergrund konkurrierender Grundrechte (Persönlichkeitsrechte/Aufklärungsinteresse) nicht selten eine Abwägung im Einzelfall. Dazu dienen die archivgesetzlichen Schutzfristen als Richtlinien während auf Seiten der Forschenden schlüssige Datenschutzkonzepte insbesondere beim Umgang mit den Daten lebender Personen unverzichtbar sind.
Im historischen Teil gibt Hans Walter Schmuhl in seinem Beitrag zuerst einen konzisen Ãberblick über die Geschichte der Aufarbeitungsforschung zum Thema Verschickungskinder und den aktuellen Forschungsstand bis zum Herbst 2025. Danach stellt er acht Forschungsperspektiven vor, die in zukünftigen Forschungsprojekten berücksichtigt werden sollten. Zu einigen dieser Perspektiven â der internationale Vergleich, die Kontinuitätslinien und die NS-Netzwerke â werden in diesem Band erste Erkundungen und Tiefenbohrungen vorgelegt. So unternimmt Jens Gründler die Verortung des deutschen Kinderkurwesens in den internationalen Kurkosmos. Während die Wahrnehmung einer gefährdeten Kindergesundheit in nahezu allen Ländern Ende des 19. Jahrhunderts die Initialzündung zur Einführung von Kinderkuren darstellte, folgte die Ausformung der jeweiligen Kurpraktiken nationalen Entwicklungspfaden. Und auch die Konjunkturen der Kinderkuren zeigen nationale Spezifika. Die Heimaufsicht â ein Phänomen des deutschen Kurwesens â analysiert Engelbert Tacke. Er diskutiert ausführlich die gesetzlichen Vorgaben und deren Schwachstellen, die er anhand eines Beispiels aus dem sauerländischen Brilon ausführlich belegt. Trotz offensichtlicher Mängel und deutlicher Beschwerden blieb das Landesjugendamt in Münster weitgehend untätig. In zwei weiteren Beiträgen ist die ehemalige Kinder-Lungenheilstätte Wülfrath-Aprath der zentrale Ankerpunkt der Analysen. Die Historiker:innen Heiner Fangerau, Silke Fehlemann und Sylvia Wagner haben im Rahmen ihrer Untersuchung der Arzneimittelerprobung und des Medikamentenmissbrauchs im Land NRW in verschiedenen Heimen und Anstalten auch Kinderkurheime untersucht. Sie präsentieren erste Ergebnisse zum Arzneimitteleinsatz und der -erprobung dort und versuchen eine Einordung nach zeitgenössischen ethischen Standards. Auch Bastian Tebarth untersucht die Heilstätte Aprath. Er verortet ihren Leiter in einem Netzwerk aus Pharmafirmen, Ãrzten und Heilstätten, die wenig Rücksicht auf die Gesundheit der Kinder nahmen, sondern vielmehr an Forschungsergebnissen interessiert waren. Eine konzeptionelle Einordnung der Oral History in Aufarbeitungsprozessen faltet Felicitas Söhner auf. Sie kann in ihrem Beitrag zeigen, dass die Oral History marginalisierte Erfahrungen und verdeckte Lebensrealitäten sichtbar macht und damit zentraler Bestandteil von Aufarbeitungsprozessen sein kann. Söhner betont dabei, wie wichtig eine kontinuierliche kritisch-methodische Reflexion bei der Erhebung und Auswertung bleibt, um das Potential der Methode auszuschöpfen. SchlieÃlich verlässt Jeanette Metz mit ihrem Beitrag die angestammten Felder der Geschichtswissenschaft. Nachdem sie die Bedeutung der Kinderkuren in Bad Sassendorf historisch erklärt, eröffnet sie anhand eines Vermittlungsprojekts des Museum Salzwelten Bad Sassendorf in Kooperation mit der Universität Münster, wie eine umfassende und zugängliche Form der Darstellung des historischen Phänomens Kinderkur gelingen kann. Die digitale Kunstfigur Anna, ein achtjähriges Kurkind, berichtet in einem digitalen Ortsrundgang durch Bad Sassendorf von ihren Erfahrungen und Erlebnissen während ihrer Kur. Annas Erlebnisse basieren auf Interviews mit ehemaligen Kindern und anderen Akteur:innen, die prototypisch zusammengestellt wurden.26
Dieser Versuch einer Standortbestimmung aus archivischer und geschichtswissenschaftlicher Perspektive zeigt, wie dynamisch und unerschlossen die Geschichte der Kinderkuren in der Bundesrepublik und darüber hinaus noch immer ist. Die Verschränkung sozialgeschichtlicher und kulturwissenschaftlicher Forschungsperspektiven auf die Geschichte der Prävention, der Kindheit und Pädagogik, auf die Geschichte staatlicher Fürsorge- und Kontrollregime erlauben neue Einsichten in die formative Phase der bundesdeutschen Geschichte. Dieser Sammelband leistet zu diesem Forschungsfeld einen doppelten Beitrag: die Autorinnen und Autoren präsentieren zum einen eine Bilanz des bereits Erreichten. Zum anderen aber soll der Band mit seinen ersten Vermessungen neuerer Forschungsansätze auch dazu beitragen, weitere, tiefenschärfere Untersuchungen anzuregen und durch die Kartographierung der Archivbestände den Forschungszugang vereinfachen.
Vgl. dazu unter vielen anderen zu Kindern und Jugendlichen in Heimsystemen Matthias Benad/Hans-Walter Schmuhl/Kerstin Stockhecke (Hg.), Endstation Freistatt. Fürsorgeerziehung in den v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel bis in die 1970er Jahre, 2. Aufl., Gütersloh/Bielefeld 2011; Franz-Werner Kersting/Hans-Walter Schmuhl, Psychiatrie- und Gewalterfahrungen von Kindern und Jugendlichen im St. Johannes-Stift in Marsberg (1945-1980). Anstaltsalltag, individuelle Erinnerung, biographische Verarbeitung, Münster 2018; Hans-Walter Schmuhl/Ulrike Winkler (Hg.), Welt in der Welt. Heime für Menschen mit geistiger Behinderung in der Perspektive der disability history, Stuttgart 2013; dies., âAls wären wir zur Strafe hierâ. Gewalt gegen Menschen mit geistiger Behinderung; der Wittekindshof in den 1950er und 1960er Jahren, Bielefeld 2011; dies., Ausgeschlossen â eingeschlossen. Die Evangelische Stiftung Alsterdorf von der Anstalt ins Quartier, Stuttgart 2023; Karsten Wilke/Hans-Walter Schmuhl/Sylvia Wagner/Ulrike Winkler, Hinter dem Grünen Tor. Die Rotenburger Anstalten der Inneren Mission, 1945-1975, 2. Aufl., Gütersloh 2018; Ulrike Winkler/Hans-Walter Schmuhl, Heimwelten. Quellen zur Geschichte der Heimerziehung in den Mitgliedseinrichtungen des Diakonischen Werkes der Ev.-Luth. Landeskirche Hannovers e.V. von 1945 bis 1978, Bielefeld 2011; Matthias Frölich (Hg.), Quellen zur Geschichte der Heimerziehung in Westfalen 1945-1980, Paderborn/München/Wien/Zürich 2011. Zum Zusammenhang von Kindheit und Armut vgl. u.a. Christoph Lorke, Armut im geteilten Deutschland. Die Wahrnehmung sozialer Randlagen in der Bundesrepublik und der DDR, Frankfurt a.M./New York 2015; Ders., Armut in Bundesrepublik und DDR: Diagnosen sozialer Randlagen, soziale Konstruktionen und symbolische Formen im doppelten Deutschland, in: Heiner Timmermann (Hg.), Dem Gedächtnis eine Erinnerung: Der Mauerfall von 1989 und seine Relevanz für kommende Generationen, Münster u.a. 2015, S. 125-138. Historische Perspektiven auf migrantische Kindheiten in Deutschland sind bisher Mangelware. Vgl. Oltmer, Jochen, Kinder und Jugendliche auf der Flucht Gewaltmigration und Aufnahme von Schutzsuchenden im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert, in: Nora von Dewitz /Henrike Terhart, Henrike/Mona Massumi (Hg.), Neuzuwanderung und Bildung. Eine interdisziplinäre Perspektive auf Ãbergänge in das deutsche Bildungssystem. Weinheim, Basel 2018, S. 41-58.
Vgl. Anja Röhl, Das Elend der Verschickungskinder. Kindererholungsheime als Orte der Gewalt, GieÃen 2021, S. 203-227; Hilke Lorenz, Die Akte Verschickungskinder. Wie Kurheime für Generationen zum Albtraum wurden, Weinheim/Basel 2021, besonders S. 95-100; Lena Gilhaus, Verschickungskinder. Eine verdrängte Geschichte, Köln 2023.
Lena Gilhaus hat bei ihren Recherchen im LWL-Archivamt für Westfalen ein Verzeichnis von Unfällen und Todesfällen gefunden. Die von ihr genannten 20 Todesfälle stehen jedoch nur zum Teil in direktem Zusammenhang mit den Kinderkuren, wie eine Ãberprüfung der Quellen im LWL-Archivamt ergeben hat. Vgl. Gilhaus, Verschickungskinder, S. 11 und S. 147f. Der Aktenbestand zu Unfällen und Todesfällen bei Kurkindern während der Kuren mit dem Titel âTodesfälle während Kuraufenthalten, Bd. 1-5â mit einer Gesamtlaufzeit von 1949 bis 1971 im LWL-Archivamt für Westfalen, 620/3140-3144. Sie enthalten die genannten 20 Todesfälle und zahlreiche kleinere Verletzungen bis hin zu Knochenbrüchen o. ä.
Röhl, Elend, u.a. S. 9-10; Lorenz, Akte, S. 17-37; Gilhaus, Verschickungskinder, u.a. S. 11f.
Vielfach lieÃen sich die Erzieherinnen, insbesondere katholische Schwestern und Diakonissen, als âTantenâ anreden. Auch im Verwaltungsschriftgut und in der Literatur findet man immer wieder diese Bezeichnung. Vgl. z.B. Alexander Nützenadel u.a., Die Geschichte der Kinderkuren und KindererholungsmaÃnahmen in der Bundesrepublik 1945-1989, Freiburg 2025, hier S. 685.
François Ewald, Der Vorsorgestaat, Frankfurt a.M. 1993.
Vgl. zu diesen Veränderungen staatlicher Gesundheitspolitik und zum Wandel der Gouvernmentalität (Foucault) die Beiträge von Jürgen Martschukat, Maren Möring und Klaus GroÃe Kracht. Vgl. Jürgen Martschukat Feste Banden lose schnüren. âGouvernementalitätâ als analytische Perspektive auf Geschichte, in: ZHF 3/2006 H. 2, S. 277-283; Maren Möhring, Die Regierung der Körper. âGouvernementalitätâ und âTechniken des Selbstâ, in: ebd., S. 284-290; Klaus GroÃe Kracht, âGouvernementalitätâ â Michel Foucault und die Geschichte des 20. Jahrhunderts, in: ebd., S. 273-276. Zur Geschichte der Prävention u.a. Martin Lengwiler/Jeannette Madarász, Präventionsgeschichte als Kulturgeschichte der Gesundheitspolitik, in: dies. (Hg.), Das präventive Selbst. Eine Kulturgeschichte moderner Gesundheitspolitik, Bielefeld 2010, S. 11-28; Ulrich Bröckling, Vorbeugen ist besser ⦠Zur Soziologie der Prävention, in: Behemoth 1/2008 H. 1, S. 38-48.
Malte ThieÃen, Gesundheit erhalten, Gesellschaft gestalten. Konzepte und Praktiken der Vorsorge im 20. Jahrhundert: Eine Einführung, in: ZHF 3/2013, S. 354-365, hier S. 354.
Zuletzt erwähnte dies z.B. Jim Harris, Childrenâs Health and Urban Ecology in England, 1885-1919 (Rochester Studies in Medical History; 55), Rochester NY 2025.
Vgl. z.B. Bernhard Jungnitz, âVerhindern, daà die heranwachsende Jugend der städtischen und Industriebevölkerung ⦠dauernden Schaden an ihrer Gesundheit erleidetâ. Kindererholungskuren auf den Nordseeinseln am Beispiel des Kreises Unna, in: Westfälische Forschungen 64 (2014), S. 159-189; Fred Kaspar, Bethesda, Bethanien, Siloah und Bethlehem: Kinderheilstätten als Diakonie und Caritas, in: Rheinisch-westfälische Zeitschrift für Volkskunde, 66 (2021), S. 308-374.
Vgl. Ewald Frie, Wohlfahrtsstaat und Provinz. Fürsorgepolitik des Provinzialverbandes Westfalen und des Landes Sachsen 1880-1930, Paderborn u.a. 1993; Jungnitz, Kindererholungskuren.
Das gelang nur zum Teil, da viele Kreise und Städte ihre eigenen Kurheime nicht aufgeben wollten bzw. erst in Phasen von Belegungskrisen bereit waren, eigene Handlungsmöglichkeiten einzuschränken. Vgl. z.B. Jens Gründler/Jonathan Schlunck, Kurheimkrisen. Annäherungen an die Bedingungsfaktoren von Gewalt in Kinderkurheimen in der Bundesrepublik der 1950er und 1960er Jahre, in: Matthias Frese/Lu Seegers/Malte ThieÃen (Hg.), Kurorte in der Region. Gesellschaftliche Praxis, kulturelle Repräsentationen und Gesundheitskonzepte vom 18. bis zum 21. Jahrhundert, Göttingen 2024, S. 215-244; Dies., Kontrollverluste? Die Kurheimaufsicht in Westfalen zwischen 1945 und den 1960er Jahren, in Westfälische Forschungen 73 (2023b), S. 361-380.
Vgl. u.a. Gerhard Kock, âDer Führer sorgt für unsere Kinder â¦â: die Kinderlandverschickung im Zweiten Weltkrieg, Paderborn u.a. 1997. Gleichzeitig gab es diese Form der Evakuierung auch in GroÃbritannien. Vgl. u.a. Niko Gärtner, Operation Pied Piper. The Wartime Evacuation of Schoolchildren from London and Berlin 1938-46, Charlotte NC 2012.
Zur Ausgleichsstelle im Provinzialverband Westfalen/Landschaftsverband Westfalen-Lippe siehe die Beiträge von Hans Jürgen Höötmann/Stefan Schröder, Kommunales Archivgut zu Kinderverschickungen in Westfalen-Lippe. Aspekte der Ãberlieferung und Nutzung, in: Westfälische Forschungen 73 (2023), S. 337-347; Jens Gründler/Jonathan Schlunck, âKinderverschickungâ und Kinderkuren in der Aufarbeitung. Probleme und Perspektiven der historischen Forschung, in: ebd., S. 333-336; Dies., Kontrollverluste? Die Kurheimaufsicht in Westfalen zwischen 1945 und den 1960er Jahren, in ebd., S. 361-380; Dies., Kurheimkrisen.
Vgl. zum âAufpäppelnâ und âwiegenâ z.B. die zahlreichen Berichte auf der Seite https://verschickungsheime.de/ (12.10.2025).
Vgl. z.B. Lu Seegers, Kriegsbedingte Vaterlosigkeit. Geschlechtsspezifische Erfahrungen und Deutungen in Deutschland und Polen, in: Barbara Stambolis (Hg.): Vaterlosigkeit in vaterarmen Zeiten. Beiträge zu einem historischen und gesellschaftlichen Schlüsselthema, Weinheim, München 2013, S. 140-164; Markus Köster, Jugend, Wohlfahrtsstaat und Gesellschaft im Wandel: Westfalen zwischen Kaiserreich und Bundesrepublik, Paderborn 1999.
Vgl. zu Züchtigungen und körperlichen Strafen in der Bundesrepublik u.a. Sarina Hoff, Der lange Abschied von der Prügelstrafe. Körperliche Schulstrafen im Wertewandel 1870-1980, München 2023; Sonja Levsen, Autorität und Demokratie. Eine Kulturgeschichte des Erziehungswandels in Westdeutschland und Frankreich, 1945-1975, Göttingen 2020.
O. A., ⦠ein unersetzlicher Verlust. Die Zahl der Kuren sinkt. Ein Interview mit Prof. Gedicke, in: aus: Nachrichten LWL, 4, 1977, S. 11-12. Vgl. auch z.B. O. A., Bedarf steigt â Weniger Mittel. Kuren für verhaltensauffällige Kinder, in: Nachrichten LWL, 1 (1982), S. 11; Hans R. Ossege, Der Kommentar: Kinder ohne Lobby, in: Nachrichten und Berichte aus dem Landeshaus Münster, 2 1974, S. 2; O.A., Erholungs- und Heilfürsorge. Auch Kuren für Mütter mit Baby, in: Nachrichten und Berichte aus dem Landeshaus Münster, 2 1974, S. 2f.
Vgl. etwa für Münster z.B. 50 Jahre Kinderkurheim der Stadt Münster auf der Insel Juist, Münster 1970, in: Stadtarchiv Münster, Slg-DS, 703; Otto Bachmann, Das Kurheim der AOK Berlin in Bad Pyrmont, Berlin 1969. Postkarten lieÃen z.B. das DAK-Solekurheim âHaus Hamburgâ in Bad Sassendorf, das Kinderkurheim Marienhof auf Föhr, das Kinderheim Johnen in Bonndorf im Schwarzwald oder das Kinderkurheim Schwarzwald in Birkendorf drucken.
Die von Anja Röhl gesammelten Berichte von Betroffenen erreichen mittlerweile nahezu 20.000 und können über die Website www.verschickungsheime.de recherchiert werden. Auch publizierte Berichte Betroffener liegen vor. Vgl. u.a. Regina Konstantinidis, Verschickt â Verdrängt â Vergessen. Ein persönlicher Erfahrungsbericht des Verschickungskindes Regina Baumann, Norderstedt 2021; Willi Schmidt, Verschickungsjunge, Zürich 2021.
Vgl. Hans Walter Schmuhls Beitrag in diesem Band.
Aus den zahllosen Veröffentlichungen zu diesem Kontinent hier als Auswahl vgl. z.B. Köster, Jugend, Wohlfahrtsstaat und Gesellschaft; Frölich, Quellen zur Geschichte; Benad/Schmuhl/Stockhecke, Endstation Freistatt; Kersting/Schmuhl, Psychiatrie- und Gewalterfahrungen; Schmuhl, Kur oder Verschickung?; Schmuhl/Winkler, Welt in der Welt; dies., Gewalt gegen Menschen mit geistiger Behinderung; dies., Ausgeschlossen â eingeschlossen; Wilke/Schmuhl/Wagner/Winkler, Hinter dem Grünen Tor; Winkler/Schmuhl, Heimwelten. Zum missbräuchlichen Einsatz von Medikamenten und Arzneimittelerprobungen vgl. zuletzt Heiner Fangerau, u.a., Missbräuchlicher Einsatz von Medikamenten an Kindern und Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen seit der GruÌndung des Landes bis in die 1980er Jahre, Weinheim 2025.
Vgl. z.B. die Website www.verschickungsheime.de, in der die Initiativen und Forderungen nach Aufarbeitung dokumentiert sind.
Marc von Miquel, Verschickungskinder in Nordrhein-Westfalen nach 1945. Organisation, quantitative Befunde und Forschungsfragen, Düsseldorf 2022, letzte Aktualisierung 23.5.2023, https://www.mags.nrw/sites/default/files/asset/document/studie-verschickungskinder_nrw.pdf (6.10.2025). Zudem sind zahlreiche Einzelstudien zu Einrichtungen, Trägern und Krankenkassen erschienen. Eine Auswahl: Johannes Richter/Sarah Meyer, Zwischenbericht. Erfahrungen und Hintergründe der Verschickungskinder in den Einrichtungen des Vereins für Kinder- und Jugendgenesungsfürsorge und der Rudolf-Ballin-Stiftung Hamburg â 1945-1980, Hamburg 2021; Stefan Kleinschmidt, Geschichtswissenschaftliche Dokumentation zur Kinderheilanstalt Bad Salzdetfurth 1969, Hannover 2021; Stefan Kleinschmidt/Nicole Schweig, Geschichtswissenschaftliche Dokumentation. Adolfinenheim Borkum 1946 bis 1996, Helenkinderheim Bad Pyrmont 1945 bis 1992, Seehospiz Norderney, Marienheim Norderney, Flinthörnhaus Langeoog, Kinderheimat Bad Harzburg 1945 bis ca. 1980, Hannover 2021, letzte Aktualisierung 23.5.2023, https://www.diakonie-in-niedersachsen.de/meta_downloads/48937/dokumentationen_kinderkurheime_2021.pdf (6.10.2025); Hochschule für den Ãffentlichen Dienst in Bayern, Kurerfolg um jeden Preis. Kindererholungsverschickung in Bayern von 1945 bis 1990: 14.2-7.3.2023, Bayerisches Hauptstaatsarchiv, München 2023; Hans Walter Schmuhl, Kur oder Verschickung? Die Kinderkuren der DAK zwischen Anspruch und Wirklichkeit, Hamburg 2023. Eher populärwissenschaftlich sind folgende Beiträge ausgerichtet: Anja Röhl, Das Elend der Verschickungskinder. Kindererholungsheime als Orte der Gewalt, GieÃen 2021; Dies., Heimweh. Verschickungskinder erzählen, GieÃen 2021; Hilke Lorenz, Die Akte Verschickungskinder. Wie Kurheime für Generationen zum Albtraum wurden, Weinheim 2021; Lena Gilhaus, Verschickungskinder. Eine verdrängte Geschichte, Köln 2023.
Fachtagung âWissenschaftliche Aufarbeitung von Kinderverschickung in NRW â eine Zwischenbilanzâ, https://www.lwl-archivamt.de/de/aus-und-fortbildung-fachtagung/Fachtagungen/Fachtagung-Kinderverschickung-in-nrw/ (14.10.2025).
Für das Lektorat der Beiträge bedanken wir uns bei Joelle Leci, Nils Bortlisz und Janis Ester, die als studentische Volontär:innen am LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte in Münster arbeiten. Für alle verbleibenden Fehler übernehmen die Herausgeber:innen die Verantwortung.