Leben, Filmen

Jonas Mekas und der Wert des lichten Augenblicks

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Jonas Mekas (1922–2019) hat ein filmisches OEuvre hinterlassen, das den Begriff des Lebenswerks gleichermaßen verkörpert wie theoretisch herausfordert. Seit seiner Ankunft als litauischer Migrant in New York blieb der Mann mit seiner Kamera untrennbar verbunden. Angesichts des radikalen Schwindens der Zeit, das seine Filme sichtbar machen, kultiviert Mekas mit seinem filmischen Tagebuch eine Haltung zum Leben, die die Kamera selbst zum Vorbild nimmt: Er wendet sich der sinnlichen Gegenwart zu und setzt sich Licht und Farben aus. In einem Verfahren der spontanen Zerlegung und Synthetisierung des Sichtbaren verdichtet Mekas ausgewählte, unbeschwerte Augenblicke seines Alltags zu pointierten visuellen Ereignissen, wodurch das Gewöhnliche und Unscheinbare eine neue Evidenz gewinnt. Die lebenslange Feier dieser lichten Augenblicke ist politisch zu verstehen – als subversive Reaktion auf jene totalitären Ideologien, die das 20. Jahrhundert mit Gewalt und Krieg geprägt und kollektive wie individuelle Traumata hinterlassen haben. Anhand von drei ausgewählten Tagebuchfilmen untersucht dieses Buch das philosophische Programm von Mekas’ Werk im Rahmen eines New American Cinema, das Film als Arbeit an der Wahrnehmung begreift und an die transformative Kraft bewegter Bilder glaubt.
Jonas Mekas, key figure in New York’s avant-garde cinema, left behind a filmic legacy that he uniquely embodies. From his arrival as a Lithuanian immigrant to his death, he remained inseparable from his camera. His cinematic diaries offer a critical counter to the dominant ideologies of the 20th century, revealing that the so-called ordinary is not self-evident but requires sensory engagement.

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Eva Kuhn ist Kunst- und Filmwissenschaftlerin und arbeitet mit (queer-)feministischen und postkolonialen Perspektiven an den Schnittstellen von Kunst und Kino. Seit 2024 vertritt sie die Professur für moderne Kunstgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin, zuvor war sie an der Universität der Künste Berlin, der Leuphana Universität Lüneburg und der Universität Basel tätig. Neuste Publikationen sind „Feministische Ökonomien und Zeitlichkeit“ (Frauen und Film) sowie „Jeanne Dielman“ (edition text+kritik).
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