Due to the success of his Gesichte Philanders von Sittewalt, Johann Michael Moscherosch became both a bestselling author of the 17th century and one of the most important German-speaking satirists of his time. Like many of his contemporaries, he did not exclusively write by his own invention, but frequently translated foreign-language texts which he adapted for his target readership. The different manners of writing â from translation and adaptation to attempts to write independently â are the subject of this study, which is the first to include in-depth analyses of Moscheroschâs satirical writings as well as his edification book and his German-French dictionary. Using an approach based in philology and hermeneutics, the study explores which questions and problems that concerned the 17th-century republic of letters Moscherosch addresses in his works, how he expresses and reflects them, and how he communicates them to his audience. Precise readings of Moscheroschâs work against backdrops such as Lutheran piety, the 17th-century notion of German âKulturpatriotismusâ and the overarching crisis of the Thirty Yearsâ War reveal that his writing is shaped by its position in the âin-betweenâ: between translation and âoriginalityâ, between regional contexts and the pursuit of wider recognition, and between the genuine intent to educate his readers and his calculated catering to the needs of the book market.
Dank seiner Gesichte Philanders von Sittewalt gilt Johann Michael Moscherosch als âBestseller-Autorâ des 17. Jahrhunderts sowie als einer der wichtigsten deutschsprachigen Satiriker seiner Zeit. Wie viele seiner Zeitgenossen erfindet er seine Erzählungen aber nicht vollständig selbst, sondern nutzt mitunter fremdsprachige Vorlagentexte, die er übersetzt und an sein Zielpublikum anpasst. Moscheroschs unterschiedliche Formen der Textherstellung zwischen dem Ãbersetzen und Bearbeiten von Vorlagentexten und dem Erproben eigener Darstellungsweisen und Inhalte sind das Thema der vorliegenden Studie, die erstmals neben den Satiren auch sein Erbauungsbuch und sein französisch-deutsches Sachgruppenwörterbuch ausführlich untersucht. Ausgehend von einem philologisch-hermeneutischen Ansatz fragt sie danach, welche Fragen und Probleme, die die Literaten- und Gelehrtenwelt des 17. Jahrhunderts beschäftigten, Eingang in Moscheroschs Åuvre finden, wie er sie gestaltet, reflektiert und an sein Publikum vermittelt. Durch die genaue Lektüre der einzelnen Werke vor Hintergründen wie der prägenden lutherischen Frömmigkeitskonzeption, dem zeitgenössischen âKulturpatriotismusâ und dem Generationenerlebnis des DreiÃigjährigen Krieges wird erkennbar, dass Moscheroschs literarisches Schaffen von einer Position im âDazwischenâ geprägt ist: Es bewegt sich zwischen Ãbersetzung und âOriginalitätâ, zwischen der Einbettung in regionale Zusammenhänge und dem Streben nach überregionaler Anerkennung sowie zwischen einer genuinen Belehrungsabsicht und buchhändlerischem Kalkül.
Sofia Derer ist akademische Mitarbeiterin am Germanistischen Seminar der Universität Heidelberg. Sie studierte Germanistik und Klassische Philologie (Latinistik) an den Universitäten Heidelberg und Oxford. Zu ihren Forschungsinteressen gehören u.a. die Literatur der Frühen Neuzeit, Ãbersetzungsliteratur und Literatur von Frauen.
Sofia Derer is a post-doctoral researcher at the University of Heidelbergâs German Department. She has studied German and Classics (Latin) at the Universities of Heidelberg and Oxford. Her research interests include literature of the Early Modern period, literature in translation and women writers.
Inhalt
Kurztitel und Siglen Vorwort
1 Einleitung
â1âDie âAnleitung zu einem adelichen Lebenâ
â2âKurze Rezeptions- und Forschungsgeschichte
â3â(Literatur-)Historischer Kontext
â4âTheoretische Bezugspunkte
â5âGegenstand, Fragestellung und Vorgehen
2 Zwischen Frömmigkeit und Selbstinszenierung: Die Insomnis Cura Parentum (1643/1653)
â1âVom englischen conduct book zum deutschen Erbauungsbuch
â2âReformorthodoxe Frömmigkeit
â3âSelbstinszenierung
â4âRückblick: Zwischen Frömmigkeit und Selbstinszenierung
3 Satire in Ãbersetzung: Die Gesichte Philanders von Sittewalt, Erster Theil (1640/1642)
â1âRechtfertigung der Satire: Petron und die Menippea
â2âEinheit und Kohärenz
â3âThemen und Konzepte
â4âRückblick: Satire in Ãbersetzung
4 Deutsche Satire als Versuchsaufbau: Die Gesichte Philanders von Sittewalt, Anderer Theil (1643/1650)
â1âDer âteutsche Parnassusâ als Problemstellung
â2âThemen und Konzepte
â3âFormen, Gattungen und Traditionen
â4âVerfahren und Techniken
â5âRückblick: Deutsche Satire als Versuchsaufbau
5 Sprachvermittlung als Weltvermittlung: Die Technologie Allemande & Françoise (1656)
â1âDie Technologie im Verlagskontext
â2âSprachdidaktisches Programm
â3âSprache und lokaler Alltag
â4âSprache und Weltentwurf
â5âRückblick: Sprachvermittlung als Weltvermittlung
The book is aimed at researches and advanced students who work in the fields of German literature, Early Modern studies and historical translation studies.
Das Buch richtet sich an Forschende und fortgeschrittene Studierende, die im Bereich der germanistischen Literaturwissenschaft, der Frühneuzeitforschung und der historischen Ãbersetzungsforschung arbeiten.