Karl Aloys Schenzingers Roman Anilin ist nach Mein Kampf der zweitgröÃte deutschsprachige Bestseller der Jahre zwischen 1933 und 1945. Anders als Hitlers autobiographische Propagandaschrift ist der Roman über die Geschichte der Farbstoffchemie, den Millionen Menschen gelesen haben, bisher kaum erforscht. Die vorliegende Studie rekonstruiert anhand von Anilin und anderen erfolgreichen âBüchern mit Stoffbezugâ, deren Thema die Syntheseprodukte, Kunstfasern, Medikamente und vieles andere sind, wie durch diese Stoffe ein neuartiges Verhältnis zum eigenen âdeutschenâ Raum entsteht. Die Populärkultur im Umfeld der NS-Wirtschaftspolitik wird als Akteurin eines deutschen Kolonialismus ohne Kolonien identifiziert und die hier erstmals erforschte Textsorte der âBücher mit Stoffbezugâ als zentral beteiligt erkannt. Dadurch wird die Lücke in der Erforschung der deutschen Kolonialgeschichte zwischen der Machtübergabe und den Angriffskriegen des Zweiten Weltkriegs weiter geschlossen.
Copyright Year:
2022
Karl Aloys Schenzingerâs novel Anilin is the second best selling book of the years between 1933 and 1945 after Mein Kampf. Unlike Hitlerâs autobiography the novel about the history of dye chemistry has hardly been researched so far. On the basis of Anilin and other âbooks with fabric applyâ, Alexander Wagner identifies a continuation of German colonialism without colonies.
Alexander Wagner hat Germanistik und Philosophie studiert und ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturgeschichte an der Universität Wuppertal.