Anlässlich des 700. Geburtstags von Giovanni Boccaccio beschäftigt sich Peter Roland Schwertsik mit dessen Abstammungssagen der antiken Götter. Dabei entdeckt er, dass Boccaccios rätselhafte Hauptquelle Theodontius auch die Basis eines Manuskripts seines Freunds Zanobi da Strada bildet.
In seiner Studie zu Boccaccios Genealogia Deorum Gentilium untersucht Schwertsik die zeitgenössischen Quellen dieses Hauptwerks des italienischen Nationaldichters. Darunter befindet sich auch der mysteriöse Theodontius, dessen historische Existenz sehr umstritten ist. Schwertsik identifiziert eine Handschrift als in enger Verbindung mit Theodontius stehend, ediert sie in ihren wesentlichen Teilen und verortet sie in der Ãberlieferungsgeschichte.
Copyright Year:
2014
In seiner Studie untersucht Peter Schwertsik die zeitgenössischen Quellen der Genealogia Deorum Gentilium. Unter diesen befindet sich auch ein gewisser Theodontius, den die
Forschung auÃerhalb von Boccaccios Genealogia bislang nicht nachweisen konnte, und der daher Boccaccios Glaubwürdigkeit unterminiert. Dabei entdeckt er, dass die Zitate, die Boccaccio dem ominösen Theodontius zuschreibt, auch die Basis eines weiteren anonymen und akephalen Textes in einem Manuskript in Neapel bilden, das jüngst im Nachgang der
Forschungen Schwertsiks Boccaccios Freund Zanobi da Strada als Autograph zugeschrieben werden konnte.
Schwertsik ediert diesen Text, der Ovids »Metamorphosen« glossenhaft kommentiert, in seinen wesentlichen Teilen und verortet seine Inhalte in der Rezeptionsgeschichte der antiken Mythen im Mittelalter. SchlieÃlich stellt er die Hypothese auf, dass Boccaccio bei den von ihm dem Theodontius zugeschriebenen Zitaten nicht etwa seine Quelle fingiert,
sondern vielmehr einen anonymen Ovidkommentar einem erfundenen Autor zuschreibt. Durch den gräzisierenden Namen Theodontius verleiht Boccaccio so einem wohl weitverbreiteten mittelalterlichen Kommentar zu den Metamorphosen Ovids Autorität im Wortsinne und setzt die Literaturwissenschaft auf die falsche Fährte.