Der vorliegende Aufsatz untersucht die Frage, weshalb die barocke Trag�dienpoetik unter Berufung auf Aristoteles eine Vorstellung entwickelt, die bei Aristoteles in dieser Weise nicht zu finden ist: die Vorstellung n�mlich, da� die Trag�die den Zuschauer moralisch zu bessern habe. Hierzu werden zun�chst die zentralen Z�ge des aristotelischen Trag�dienmodells als Rezeptionsgrundlage skizziert (I), wobei deutlich wird, da� Aristoteles s�mtliche Gattungselemente in den Dienst der Trag�dienwirkung stellt, die allerdings keine moralische ist. Im n�chsten Schritt wird dann die Rhetorisierung des aristotelischen Modells im Humanismus nachgewiesen (II): Die Trag�dienwirkung ger�t in das Bezugsfeld der officia oratoris (die Katharsis wird als docere aufgefa�t), und andere Trag�dienelemente (Personal, Ereignis, Verh�ltnis der Trag�die zur Geschichte) erfahren eine neuartige Ausrichtung durch die rhetorische Stillehre. Schlie�lich wird gezeigt, da� sich die barocke Poetik zwar auf Aristoteles bezieht, sie dabei jedoch dessen Trag�dienmodell auf der Grundlage der humanistischen Rhetorisierung moralisch nutzbar macht (III): Die Wirkung besteht nun in der Besserung des Zuschauers, und vom tragischen Helden wird moralische Vollkommenheit gefordert.
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Der vorliegende Aufsatz untersucht die Frage, weshalb die barocke Trag�dienpoetik unter Berufung auf Aristoteles eine Vorstellung entwickelt, die bei Aristoteles in dieser Weise nicht zu finden ist: die Vorstellung n�mlich, da� die Trag�die den Zuschauer moralisch zu bessern habe. Hierzu werden zun�chst die zentralen Z�ge des aristotelischen Trag�dienmodells als Rezeptionsgrundlage skizziert (I), wobei deutlich wird, da� Aristoteles s�mtliche Gattungselemente in den Dienst der Trag�dienwirkung stellt, die allerdings keine moralische ist. Im n�chsten Schritt wird dann die Rhetorisierung des aristotelischen Modells im Humanismus nachgewiesen (II): Die Trag�dienwirkung ger�t in das Bezugsfeld der officia oratoris (die Katharsis wird als docere aufgefa�t), und andere Trag�dienelemente (Personal, Ereignis, Verh�ltnis der Trag�die zur Geschichte) erfahren eine neuartige Ausrichtung durch die rhetorische Stillehre. Schlie�lich wird gezeigt, da� sich die barocke Poetik zwar auf Aristoteles bezieht, sie dabei jedoch dessen Trag�dienmodell auf der Grundlage der humanistischen Rhetorisierung moralisch nutzbar macht (III): Die Wirkung besteht nun in der Besserung des Zuschauers, und vom tragischen Helden wird moralische Vollkommenheit gefordert.
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