1 Prämissen
Wir alle sind, zumal als Literaturwissenschaftler, durch Weichenstellungen, die bis in die Goethezeit zurückreichen, so sozialisiert, daà wir Literatur unwillkürlich buchförmig denken â jedenfalls im deutschsprachigen Kulturraum. Und buchförmig meint, wiederum wie selbstverständlich: in Form des monographischen Buchs, für dessen Identität und Identifizierbarkeit die Parameter Autor und Werk konstitutiv sind.1 Eine Fluchtlinie, in der âºdas Buchâ¹, im emphatischen Singular, vom konkreten, materialiter greifbaren Exemplar abstrahiert gleichsam Ideenstatus erlangt. Von diesem körperlosen Status des literarischen Werks zeugen die gängigen Formen bibliographischer Verzeichnung, bibliothekarischer Ordnung sowie die autor- und werkbasierten Prämissen der Editionsphilologie einerseits,2 die daran halbwegs bruchlos anschlieÃenden Abstraktionen von der print culture zu den contents der digital humanities andererseits.3
Dagegen sucht die Forschergruppe »Journalliteratur: Formatbedingungen, visuelles Design, Rezeptionskulturen«, die zum 1. Oktober 2016 in Bochum, Marburg und Köln die Arbeit aufgenommen hat,4 das Medium in seiner irreduziblen Materialität zum Ausgangspunkt literatur- und medienwissenschaftlicher Forschung zu machen.5 Leitend ist die Ãberzeugung, daà es einen Unterschied macht, ob der (vermeintlich) selbe Text in einem journal- oder buchförmigen Medium gedruckt und gelesen wird,6 und zwar nicht nur hinsichtlich der je verschiedenen spatialen und temporalen GesetzmäÃigkeiten von Publikation und Rezeption (»Formatbedingungen«), sondern auch mit Blick auf differente Strategien des optischen Auftritts, der Gestaltung von Schrift- und Bildkomponenten (»visuelles Design«). Daraus resultiert, daà auch für die Konzeptualisierung des Rezeptionsakts die Modellierung des Lesers, des Leseorts, des Lesens selbst durch die materiale VerfaÃtheit des jeweiligen Lesemediums ernst genommen werden will (»Rezeptionskulturen«). Methodisch wegweisend ist für uns gegenüber der dominant autor- und werkorientierten neuphilologischen Forschung7 der seit den 1990er Jahren in der Mediävistik unter den Voraussetzungen handschriftlicher Ãberlieferung vollzogene Paradigmenwechsel von der Textkritik Lachmannscher Prägung, die am Konstrukt des einen Autortextes ausgerichtet ist, zur material philology mit ihrem Interesse an den konkreten Handschriften und den ihrer materialen Gestaltung, ihren Gebrauchs-, Archivierungs- und Tradierungsformen jeweils ablesbaren Rezeptionsmodi,8 wie sie neuerdings auch in der Klassischen Philologie Fuà faÃt.9
Parameter wie Format, Typographie, mise en page, Papierqualität, publizistisches Umfeld, Publikationsrhythmus oder Distribution sind in material-philologischer Perspektive nicht Rahmenbedingungen des âºeigentlichenâ¹ Werks, von denen sich fallweise je nach Fragestellung auch absehen läÃt. Vielmehr sind sie Teil des Textes, jedes Textes in Schrift und Bild (auch des monographisch-buchförmigen), beteiligt an den zwischen ihm und dem Rezipienten ablaufenden Sinnbildungsprozessen,10 und wer von ihnen absieht, tut im Prinzip nichts anderes, als läse er (was natürlich niemand täte) ein Sonett unter Verzicht auf den vierzehnten Vers, als blickte er auf einen Comic und abstrahierte von den Linien der Panels, als studierte er ein Altarbild ohne Einbeziehung der Altar- und Kirchenarchitektur.
Nur gibt es auf dem literarischen Markt, im je konkreten hic et nunc zeitgenössischer Marktkonkurrenz, Medien(formate), die die serielle, visuelle und navigative Dimension in ihrem Marktauftritt eigens zur Geltung bringen â darauf setzen in besondrem MaÃe journalförmige Medien (Fig. 3.1), aber etwa auch buchförmige periodische Formate wie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts das literarische Taschenbuch (Fig. 3.2),11 das nicht nur mit aller Macht die Blicke der Leser und vor allem Leserinnen auf sich ziehen will, sondern auch mit haptischen Reizen lockt, durch Einbände aus Samt, Seide(nmoiré), Maroquin (weichem Ziegenleder) oder (wie es 1840 in einer Rezension heiÃt) durch ein »Papier, daà die Finger bey seiner Berührung wonnelächeln«.12 Und es gibt Medien(formate), die sich im Namen der Kunst vom bunten, lauten Marktgeschrei distanzieren, deren Typographie in der funktionalen Schlichtheit des Werksatzes13 darauf zielt, sich in der Leserwahrnehmung zugunsten körperlosen Sinns zum Verschwinden zu bringen (Stichwort Autonomieästhetik) â etwa die mehrbändige, buchförmige Werkausgabe, die aber natürlich mit diesem Distinktionsgebaren ihrerseits auf dem Markt reüssieren will. Daà gerade letztere so maÃgeblich wie einseitig unsere Vorstellung von Literatur geprägt hat, hängt, wenigstens im deutschsprachigen Kulturraum, mit Wertungs-, Kanonisierungs- und Exklusionsprozessen im Literaturbetrieb der ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts zusammen â Prozessen, die zeitlich konvergieren mit der Etablierung der Germanistik als universitären Faches.



Konkurrieren um Sichtbarkeit auf dem publizistischen Markt â Zeitschriften ⦠Exemplare in Privatbesitz (Andreas Beck, Volker Mergenthaler)



⦠und literarische Taschenbücher und Almanache des 19. Jahrhunderts. Exemplare in Privatbesitz (Nicola Kaminski, Volker Mergenthaler)
Wenn unsere Forschergruppe gegen die vorherrschende Ausblendung darauf setzt, âºJournalliteraturâ¹ zu akzentuieren, dann bedeutet das freilich nicht, im Gegenzug buchförmige Formate auszuklammern â auch das ergäbe ein schiefes Bild der je zeitgenössischen Marktszene. Wie in der Printkultur in der Regel kein Schrift- oder Bildtext allein steht, sondern umgeben ist von anderen Schrift- und Bildbeiträgen (das monographische Einzelwerk ist ein Extrem, nicht der Normalfall!), so erscheint auch auf dem literarischen Markt keine Publikation (journal- oder buchförmig, mit vielfältigen Misch- und Zwischenformen insbesondere im Bereich des Lieferungswerks) ohne journal- und buchförmige Konkurrenz.14 Wenn ich im folgenden je ein Beispiel aus den beiden Teilprojekten, an deren Leitung ich innerhalb der Forschergruppe »Journalliteratur« beteiligt bin,15 skizziere, dann sind, wo ich in der Nahaufnahme konkret werde, die Begrenzungen kontextoffen zu denken.
2 Exempel
Beispiel 1: »Ueber das Marionettentheater«
Nach meinem methodischen Vorab mag die Wahl des ersten Beispiels, allem Anschein nach literaturwissenschaftsaffin, ausgehend von kanonischem Autor und prominentem Text, enttäuschen â nichts, das man nicht schon kennte. Der Marionettentheater-Essay dürfte Kleists in der Forschung am intensivsten traktierter Prosatext sein. Kurt Wölfel modelliert bereits 1998 »[s]eine Interpretationsgeschichte« nach dem »Mythos von Sisyphos: jeder Interpret findet sich wieder am Fuà des Berges, das dem (Be-)Griff entgleitende Stück Prosa vor sich und in seinem BewuÃtsein die kaum mehr absehbare Reihe der Vorgänger, die es auf den Gipfel der Erkenntnis zu wälzen unternommen haben.«16 Ich möchte statt der üblichen Höhenflüge im philosophisch-ästhetischen Diskurs am Fuà des Berges bleiben und vorschlagen zu blättern.
»Ueber das Marionettentheater« ist (ohne Gattungsangabe) im 63sten bis 66sten Blatt der Berliner Abendblätter in vier Fortsetzungslieferungen erschienen, am 12., 13., 14. und 15. Dezember 1810, Mittwoch bis Samstag.17 Von der Forschung wird dieser Text fraglos als Text Kleists verstanden; selbst Sibylle Peters, die in ihrer Dissertation Heinrich von Kleist und der Gebrauch der Zeit. Von der MachArt der Berliner Abendblätter für die ersten neunzehn Blätter detailliert die Dramaturgie der Informationsvergabe rekonstruiert, spricht ihn von vornherein als Kleistschen Text an.18 Der zeitgenössische Erstleser hatte dieses Autorwissen nicht: bei der Lektüre der ersten Lieferung vom 12. Dezember sowenig wie bei derjenigen der zweiten und dritten Lieferung an den Folgetagen; noch die Lektüre der letzten Lieferung erfolgt nicht im Horizont Kleistscher Autorschaft. Es sei denn, der Leser hätte es nach drei Tagen anonymer Fortsetzungspublikation nicht mehr ausgehalten und vor dem Lesen des »Beschlu[sses]« zu dessen Schluà auf der dritten Seite des 66sten Blattes vorgeblättert â und dort die Sigle »H. v. K.« gefunden.19 Erst eine Relektüre des ganzen »Marionettentheater«-Textes (frühestens am Samstag abend) könnte ihn als das lesen, als was die Forschung ihn in aller Selbstverständlichkeit âºimmer schonâ¹ liest: als literarisches, ästhetisches, womöglich auch den ästhetischen Diskurs ironisierendes âºWerkâ¹ eines namhaften Autors.20 Zu dieser retrospektiv sich eröffnenden Möglichkeit sind aber die impliziten Signale des Publikationsmediums ins Verhältnis zu setzen. Die Berliner Abendblätter gehören hinsichtlich des Erscheinungsturnus (»täglich, mit Ausschluà des Sonntags«),21 des Umfangs (eine Nummer hat vier Seiten) und des Aufbaus zum generischen Format Tageszeitung22 â einem Format, das seine Leser nicht mit der Erwartung wiederholter, intensiver Lektüre konfrontiert. Andererseits stoÃen die Rezipienten von früh an, zum erstenmal in einer redaktionellen Beilage zur fünften Nummer, immer wieder auf Rückverweise und »Druckfehler«-Korrekturen, die zum Zurückblättern animieren23 â eine rekursive Praxis, die bis Mitte Dezember als eingespielt gelten kann. Daraus ergibt sich eine Spannung, die es nicht biographisch âºwegzuerklärenâ¹ gilt,24 sondern medienkonzeptuell herauszuarbeiten: eine hochkulturell referenzierbare ästhetische Abhandlung wird in einer »ideale[n] Wurstzeitung« (so Wilhelm Grimm)25 abgedruckt, d.h. in einem Lokalblatt, das man nach der Lektüre eher wegwirft als aufbewahrt,26 vielleicht weiterverwertet, etwa zum Einwickeln von Einkäufen auf dem Wochenmarkt,27 das jedoch ungeachtet seines ephemeren âºAuftrittsâ¹ implizit die eigene »longevity«28 unterstellt (ein Wink, dem prominent, aber halbwegs singulär wiederum die Grimms gefolgt sind).
Erste Zwischenbilanz: Ein ästhetischer Text erscheint völlig deplaziert in einem lokalen Sensationsblatt, das »in der ersten Jnstanz« auf »Unterhaltung aller Stände des Volks« zielt,29 spottbillig ist, auf schlechtem, nicht zur Archivierung einladendem Papier gedruckt wird und das marktschreierisch damit wirbt, daà (gesperrt gesetzt!) »bloà das, was dieses Blatt aus Berlin meldet, das Neueste und das Wahrhafteste sei«.30 Diese Deplaziertheit ist, wenn man von der materialen Logik des Publikationsmediums her liest, Teil des Textes »Ueber das Marionettentheater« und stellt die Weichen für die zeitgenössische Rezeption. Und zwar, je nach rezeptionskulturellem Kontext, unterschiedlich: wer, neugierig auf Stadtsensationen wie die Brandstiftungsserie der sog. »Mordbrenner-Bande«,31 zu den Abendblättern greift, wird den Marionettentheatertext tendenziell als Fremdkörper lesen, vielleicht auch schlicht überblättern (wobei dann vier Nummern in Folge lang wenig mehr für ihn abfällt); wer zur Bildungselite gehört (zunächst einmal der tendenziell unwahrscheinlichere Adressat, doch zeigt die Empirie an exponierten Vertretern wie den Grimms oder Fouqué, daà es ihn gab), wird die Deplazierung wahrnehmen.
Zweite Zwischenbilanz: In mancher Hinsicht ist »Ueber das Marionettentheater« in den Berliner Abendblättern gar nicht so deplaziert. Denn was die Forschung gern als ästhetische Abhandlung klassifiziert, ist in eine dialogische Rahmenerzählung eingebettet;32 und auch die Binnenargumentation setzt sich aus anekdotischen Erzählungen zusammen, die in einer theoretischen Schrift einen Fremdkörper bilden, nicht aber in einem Nachrichten- und Unterhaltungsblatt.33 Der Spannung zwischen Publikationsmedium und Diskursreferenz korrespondiert eine Spannung in der Machart des Textes, der das miszellane »allen allerley vom All« als Signatur »aller Zeitschriften überhaupt, ja des Quodlibet-Säkulums selber«34 in seiner Lieferungsfolge im kleinen wiederholt.
Gesetzt den Fall, die Literaturwissenschaft nähme diese genuin rezeptionskulturelle Spannung als Teil des Textes »Ueber das Marionettentheater« wahr, dann läge es einerseits nahe, mit neuen Augen noch einmal zu lesen, was man zu kennen glaubt; und andererseits lohnte es sich, die Augen zum Schauen zu benutzen, in die Berliner Abendblätter nämlich.35
Lesen wir also in die erste Lieferung hinein:
Als ich den Winter 1801 in M ⦠zubrachte, traf ich daselbst eines Abends, in einem öffentlichen Garten, den Hrn. C. an, der seit Kurzem, in dieser Stadt, als erster Tänzer der Oper, angestellt war, und bei dem Publico auÃerordentliches Glück machte.36
Der erste Satz situiert die Erzählung der Form nach im Anekdotischen, inhaltlich im hochkulturell-bildungsbürgerlichen Milieu, dem Herr C. als erster Tänzer wie das Ich als regelmäÃiger37 Opernbesucher eindeutig zugehören. Der »öffentliche[] Garten« als neutraler Begegnungsort stellt diese Zuordnung nicht in Frage. Wohl aber der nächste Satz:
Jch sagte ihm, daà ich erstaunt gewesen wäre, ihn schon mehrere Mal in einem Marionettentheater zu finden, das auf dem Markte zusammengezimmert worden war, und den Pöbel, durch kleine dramatische Burlesken, mit Gesang und Tanz durchwebt, belustigte.38
Ein extremer Milieuwechsel von der hochkulturellen Institution Oper zur niederen Pöbelbelustigung auf dem Markt, der den ersten Tänzer wie das ihn beobachtende Ich als Grenzgänger zwischen Hochkultur und Pöbelkultur ausweist, auch dies mit RegelmäÃigkeit.
Schauen wir jetzt: Auch wenn die Berliner Abendblätter durch Publikationsturnus und materiales Erscheinungsbild (Nummern zu vier Seiten, keine Bogensignatur, Zeitungskopf auf der ersten Seite jeder Nummer, billiges Papier, anspruchslose Typographie, am Ende der Nummer kleiner und kompreà gesetzt tagesaktuelle Rubriken) klar dem generischen Format des zeitungsnahen Nachrichten- und Unterhaltungsblatts zugeordnet sind, so gilt dies doch in einer Hinsicht nicht: sie erscheinen nicht im Quartformat mit gespaltenem Satz,39 sondern in Kleinoktav in einer Kolumne (Fig. 3.3); der Satzspiegel beträgt gerade einmal 13,5 à 7,1 cm.40



Berliner Abendblätter. 63tes Blatt. Den 12ten December 1810, 64tes Blatt. Den 13ten Dezember 1810, 65tes Blatt. Den 14ten December 1810, 66tes Blatt. Den 15ten Dezember 1810. Exemplar der Staatsbibliothek zu Berlin â PreuÃischer Kulturbesitz (Signatur: Libri.impr.rari.oct.216)
Ein grotesk winziges Format für eine Zeitung, anders gefaÃt: die Berliner Abendblätter tendieren ihrem typographischen Format nach auf Buchförmigkeit41 und loten damit die maximale Spannung zwischen literarischem Buch und ephemerer Tageszeitung aus.42 Gerade durch die Tendenz aufs Buch aber nötigen sie einem Text wie »Ueber das Marionettentheater« um so ausgeprägtere Journalförmigkeit auf: denn daà der Text in vier Fortsetzungslieferungen (so »[d]ie Redaction«) gebrochen werden muÃ,43 verdankt sich eben dem »Prokrustes-Bette« (so der Verleger) des buchförmigen Kleinoktavformats;44 in zweispaltigem Quartdruck, wie ihn etwa Der Freimüthige oder Berlinisches Unterhaltungsblatt für gebildete, unbefangene Leser praktiziert, hätten die elf Seiten der Abendblätter gut sieben Spalten gefüllt, nicht einmal eine ganze Nummer (Fig. 3.4).45



Der Freimüthige oder Berlinisches Unterhaltungsblatt für gebildete, unbefangene Leser Nro. 246. Montag, den 10. December 1810, S. 994/995; Berliner Abendblätter. 65tes Blatt. Den 14ten December 1810, S. 234/235. Montage. Exemplare der Sächsischen Landesbibliothek â Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (Signatur: Eph.lit.0237.f) und der Staatsbibliothek zu Berlin â PreuÃischer Kulturbesitz (Signatur: Libri.impr.rari.oct.216)
Bildet man beide Grenzgänge â den zwischen marktgängigem Pöbeltheater und prestigeträchtiger Oper und den zwischen wertlosem Zeitungsdruck und überzeitlichen Wert symbolisierendem Buchformat â, als deren tertium sich der âºoptische Auftrittâ¹ bestimmen läÃt, aufeinander ab, so verhandelt »Ueber das Marionettentheater« im Gespräch zwischen dem Tänzer und dem Ich über die Grazie der Holzpuppe gegenüber einstudierter menschlicher Darstellungskunst auch den eigenen âºMarktauftrittâ¹ zwischen den geläufigen Formaten.46 Wie die fremdbestimmt einem Drahtzieher unterworfene, durch ihn freilich auch »antigrav« sich bewegende Marionette unterliegt der journalliterarische Fortsetzungstext einem »auf eine mechanische Weise«, durch die jeweiligen temporalen und spatialen Formatbedingungen, vorgegebenen »Rhythmus der Bewegungen«, der ihn gegenüber dem nichtsequenzierten Buchtext vor typographischer »Ziererei« bewahrt und zugleich im Wechsel von Fortsetzung und Abbruch bei hoher Absatzfrequenz47 schwerelos macht.48 Der provokant âºgeheimniÃvolleâ¹ und âºgeistloseâ¹, durch Sperrung zum Leuchten gebrachte »Weg der Seele des Tänzers«,49 der in doppelter Ãbersetzung (der Empfindungen der Seele in die »Bewegungen seiner Finger« und dieser wiederum in die »Bewegung der daran befestigten Puppen«) dem Marionettentheater ablesbar wird,50 beschreibt dann auch die paradoxe Bewegung des Fortsetzungstextes auf dem literarischen Markt im Versuch, ob das âºParadiesâ¹ ungezierter Kunst jenseits autorzentriert-monumentaler »Werkpolitik«51 âºvielleicht von hinten irgendwo wieder offen istâ¹.52
Beispiel 2: Extrablätter vom April 1814
Mein zweites Beispiel bildet ein Untersuchungscorpus, das nicht für den Schreibtisch des Literaturwissenschaftlers bestimmt scheint, sondern ganz der medialen Logik journalistischer Tagesaktualität verpflichtet. Ereignisgeschichtlich perspektiviert, sind die Texte, die ich herausgreife, publizistische Reaktionen auf die Besetzung von Paris durch die alliierten Truppen am 31. März/1. April 1814 im Rahmen der Befreiungskriege gegen Napoleon. Zeitgenössisch wurde dieser Höhepunkt des ersten Frankreichfeldzugs, dem am 2./3. April die Thronentsetzung Napoleons folgt, von Anfang an als Zäsur von weltgeschichtlicher Bedeutung wahrgenommen; schon die Rheinüberquerung der Alliierten im Dezember 1813 wird als epochal erfahren und zum Anlaà von Journalgründungen, so der Teutschen Blätter ab dem 6. Januar 1814 bei Herder in Freiburg.53 Die Aufladung des Geschehens mit Bedeutsamkeit ist militärisch und politisch leicht nachvollziehbar, frappant sind jedoch die Formen, in denen das geschieht: man kann sie regelrecht als barock bezeichnen. Charakteristisch sind Chronogramme, vorzugsweise in lateinischen Distichen, sowie typologisch-allegorische Argumentationsfiguren.54 Ein markantes Beispiel ist die Nummer 43 der zweiten Abteilung der Teutschen Blätter vom 14. April 1814 (die Teutschen Blätter erscheinen wöchentlich dreimal, jeweils in einer ersten Abteilung »Kriegs- und politische Nachrichten«, in der Regel vier Seiten, und einer zweiten Abteilung »Patriotische Erhebungen«, in der Regel ebenfalls vier Seiten): Die Nummer 43 der »Patriotischen Erhebungen« hat nur zwei Seiten (Fig. 3.5/3.6), denn die »Kriegs- und politischen Nachrichten« vom gleichen Tag haben sechs Seiten gebraucht; sie ist â absolute Ausnahme â abgesehen vom Zeitungskopf ganz in Antiqua gesetzt; sie bietet â abermals absolute Ausnahme â abgesehen von der Ãberschrift ausschlieÃlich Verse und will, abgesehen von den schlieÃenden drei lateinischen Distichen, gesungen werden; die âºRegieanweisungâ¹ unter der Ãberschrift lautet: »Mel. Freude, schöner Götterfunken etc.«.55



Teutsche Blätter. II. Patriotische Erhebungen. Nro. 43. Donnerstag den 14. April 1814, S. 153/154. Exemplar der Universitätsbibliothek Freiburg i.Br. (Signatur: H 2264 f 1814)



Teutsche Blätter. II. Patriotische Erhebungen. Nro. 43. Donnerstag den 14. April 1814, S. 153/154. Exemplar der Universitätsbibliothek Freiburg i.Br. (Signatur: H 2264 f 1814)
Die nachfolgende Ode in hohem Ton steht so im Zeichen Schillers56 und überblendet das antike »Elisium«57 mit christlicher Auferstehungsfreude:
Im weiteren Verlauf wird es politisch konkret, Paris wird genannt und die drei Monarchen, ebenso der namenlose »Tirann« und »Kettenschmieder« Napoleon.59 Das lateinische Chronostichon fixiert wie in Stein gemeiÃelt semantisch den Tag der Einnahme von Paris ( »prIDIe CaLenDas AprILIs«: am 31. März), chronogrammatisch das Jahr.60 Wie paÃt das aber zum »aus Todesbanden« erstandenen Herrn, womit die deutschen Verse die Befreiung Deutschlands vergleichen? Der 31. März ist der Donnerstag vor Palmsonntag, im Kirchenjahr ein völlig unscheinbarer Tag. Die Ãberschrift verrät es, gibt aber zugleich ein neues Rätsel auf: »Bey der Feyer des Einzugs der verbündeten Heere in Paris und des Sturzes Napoleons. (Freyburg, den 10. April 1814, am ersten Ostertage.)«61 Warum erst am 10.? In Freiburg wuÃte man von der Besetzung der französischen Hauptstadt schon am 7. April (Gründonnerstag) durch ein »Extra-Blatt« zu Nummer 40 der Teutschen Blätter, das auf einem ganzen Bogen ultraknapp aus Paris berichtet und die zugehörigen Aktenstücke abdruckt (Fig. 3.7).62
![Armee-Nachrichten. [Extrablatt zu Teutsche Blätter. I. Kriegs- und politische Nachrichten. Nro. 40. Donnerstag, den 7. April 1814], unpag. Exemplar der Universitätsbibliothek Freiburg i.Br. (Signatur: H 2264 f 1814)](/display/book/9789004468313/inline-9789004468313_webready_content_m00025.jpg)
![Armee-Nachrichten. [Extrablatt zu Teutsche Blätter. I. Kriegs- und politische Nachrichten. Nro. 40. Donnerstag, den 7. April 1814], unpag. Exemplar der Universitätsbibliothek Freiburg i.Br. (Signatur: H 2264 f 1814)](/display/book/9789004468313/full-9789004468313_webready_content_m00025.jpg)
![Armee-Nachrichten. [Extrablatt zu Teutsche Blätter. I. Kriegs- und politische Nachrichten. Nro. 40. Donnerstag, den 7. April 1814], unpag. Exemplar der Universitätsbibliothek Freiburg i.Br. (Signatur: H 2264 f 1814)](/display/book/9789004468313/full-9789004468313_webready_content_m00025.jpg)
Armee-Nachrichten. [Extrablatt zu Teutsche Blätter. I. Kriegs- und politische Nachrichten. Nro. 40. Donnerstag, den 7. April 1814], unpag. Exemplar der Universitätsbibliothek Freiburg i.Br. (Signatur: H 2264 f 1814)
Mit diesem Extrablatt eröffnen die Teutschen Blätter eine Art âºAusnahmezustandssequenzâ¹, in der auch das reguläre Blatt von der Semantik extraordinärer Bedeutsamkeit affiziert wird: Nummer 41 der »Kriegs- und politischen Nachrichten« vom 9. April (Ostersamstag) reproduziert das Extrablatt vom 7. April (auf zweieinhalb von vier Seiten).63 Die Begründung für die ungewöhnliche Dopplung liefert eine redaktionelle FuÃnote:
Zum Besten derjenigen Herren Abonnenten, denen das mit unserer letzten Nummer ausgegebene Extra-Blatt nicht zugekommen seyn sollte, nehmen wir den Jnhalt desselben auch in gegenwärtige Nummer auf.64
Die Folge, performativ: die Zeit steht publizistisch still. Und seriell: es wird zu Nummer 41 erneut ein Extrablatt nötig (Fig. 3.8/3.9).
![Auszug der officiellen Nachrichten aus Paris Nro. 1. oder Fortsetzung der Armee-Nachrichten. [Extrablatt zu Teutsche Blätter. I. Kriegs- und politische Nachrichten. Nro. 41. Samstag, den 9. April 1814], unpag. Exemplar der Universitätsbibliothek Freiburg i.Br. (Signatur: H 2264 f 1814)](/display/book/9789004468313/inline-9789004468313_webready_content_m00026.jpg)
![Auszug der officiellen Nachrichten aus Paris Nro. 1. oder Fortsetzung der Armee-Nachrichten. [Extrablatt zu Teutsche Blätter. I. Kriegs- und politische Nachrichten. Nro. 41. Samstag, den 9. April 1814], unpag. Exemplar der Universitätsbibliothek Freiburg i.Br. (Signatur: H 2264 f 1814)](/display/book/9789004468313/full-9789004468313_webready_content_m00026.jpg)
![Auszug der officiellen Nachrichten aus Paris Nro. 1. oder Fortsetzung der Armee-Nachrichten. [Extrablatt zu Teutsche Blätter. I. Kriegs- und politische Nachrichten. Nro. 41. Samstag, den 9. April 1814], unpag. Exemplar der Universitätsbibliothek Freiburg i.Br. (Signatur: H 2264 f 1814)](/display/book/9789004468313/full-9789004468313_webready_content_m00026.jpg)
Auszug der officiellen Nachrichten aus Paris Nro. 1. oder Fortsetzung der Armee-Nachrichten. [Extrablatt zu Teutsche Blätter. I. Kriegs- und politische Nachrichten. Nro. 41. Samstag, den 9. April 1814], unpag. Exemplar der Universitätsbibliothek Freiburg i.Br. (Signatur: H 2264 f 1814)
![Auszug der officiellen Nachrichten aus Paris Nro. 1. oder Fortsetzung der Armee-Nachrichten. [Extrablatt zu Teutsche Blätter. I. Kriegs- und politische Nachrichten. Nro. 41. Samstag, den 9. April 1814], unpag. Exemplar der Universitätsbibliothek Freiburg i.Br. (Signatur: H 2264 f 1814)](/display/book/9789004468313/inline-9789004468313_webready_content_m00027.jpg)
![Auszug der officiellen Nachrichten aus Paris Nro. 1. oder Fortsetzung der Armee-Nachrichten. [Extrablatt zu Teutsche Blätter. I. Kriegs- und politische Nachrichten. Nro. 41. Samstag, den 9. April 1814], unpag. Exemplar der Universitätsbibliothek Freiburg i.Br. (Signatur: H 2264 f 1814)](/display/book/9789004468313/full-9789004468313_webready_content_m00027.jpg)
![Auszug der officiellen Nachrichten aus Paris Nro. 1. oder Fortsetzung der Armee-Nachrichten. [Extrablatt zu Teutsche Blätter. I. Kriegs- und politische Nachrichten. Nro. 41. Samstag, den 9. April 1814], unpag. Exemplar der Universitätsbibliothek Freiburg i.Br. (Signatur: H 2264 f 1814)](/display/book/9789004468313/full-9789004468313_webready_content_m00027.jpg)
Auszug der officiellen Nachrichten aus Paris Nro. 1. oder Fortsetzung der Armee-Nachrichten. [Extrablatt zu Teutsche Blätter. I. Kriegs- und politische Nachrichten. Nro. 41. Samstag, den 9. April 1814], unpag. Exemplar der Universitätsbibliothek Freiburg i.Br. (Signatur: H 2264 f 1814)
Und zwar ein merkwürdiger Zwitter aus ordentlichem und auÃerordentlichem Blatt, sowohl was seine Serialität angeht als auch hinsichtlich des typographischen Erscheinungsbildes. In der Ãberschrift (»Auszug der officiellen Nachrichten aus Paris Nro. 1. oder Fortsetzung der Armee-Nachrichten«65) gibt es sich als Fortsetzung, fügt sich somit als Glied in die serielle Ordnung ein â allerdings als Fortsetzung nicht des regulären Blattes, sondern des in seiner AuÃerordentlichkeit Einmaligen: des Extrablatts zu Nummer 40 unter dem Titel »Armee-Nachrichten«! Entsprechend zwiespältig das Druckbild: einerseits erscheint das Fortsetzungsextrablatt (anders als das erste) im regulären Satzspiegel der Teutschen Blätter und im normalen Umfang von vier Seiten, wenn auch nicht in die Paginierung einbezogen; andererseits bringt der Ereignisdruck eine regelrecht gestische âºExtra-Typographieâ¹ hervor, es ist kompreà gesetzt (âºes pressiertâ¹), und doch bleibt vom zweiten Blatt die halbe Vorderseite und die ganze Rückseite unbedruckt (âºkeine Zeit für mise en page, keine LückenbüÃerâ¹).
Oder verhält es sich womöglich anders? An dieser Stelle kommt in den Halbjahresband der Teutschen Blätter ein Moment âºGegenwartâ¹, der sich erhalten, jedoch nicht in die durch das Gesamttitelblatt66 als intendiert bezeugte Archivordnung der Zeitschrift gefunden hat. Nach dem Fortsetzungsextrablatt ist im Freiburger Exemplar nämlich noch ein einseitig bedrucktes Extrablatt eingebunden (Fig. 3.10), unter dem schieren Titel »Armee-Nachrichten«, mit Datum »Paris, den 1sten April 1814« (die Fortsetzung reichte bis zum 7.).



Armee-Nachrichten. Paris, den 1sten April 1814, unpag., zwischen dem Fortsetzungsextrablatt zu Nro. 41 und Nro. 42. Exemplar der Universitätsbibliothek Freiburg i.Br. (Signatur: H 2264 f 1814)
Der erste Satz lautet: »Jch wünsche, daà diese Nachrichten die ersten seyn mögen, die das Publikum über den glänzenden Erfolg unserer Waffen erhält.«67 Eine Lektürereihenfolge wird demnach âºgewünschtâ¹, die dieses Extrablatt vor dem zuvor eingebundenen vorsieht (also in Spannung steht zu der buchstäblich als petitio principii daherkommenden Zählung »Nro. 1« in dessen Ãberschrift), vielleicht sogar noch vor dem Extrablatt zu Nummer 40. Mit welcher Autorität der Wunsch geäuÃert wird, wessen Ich spricht, bleibt unklar; der zweite Satz (»Am 24sten März vereinigten sich unsere Truppen mit der Armee des Feldmarschalls Blücher [â¦]«68) läÃt nur erkennen, daà der Sprecher der Armee des Fürsten von Schwarzenberg angehört, ein namenloser Augenzeuge somit aus dessen Truppenteil (womöglich gar in dessen Auftrag?), auf dessen Geheià auch die Teutschen Blätter erscheinen. Gegenüber der unzweideutigen Sequenzialität periodischer Publikation haben sich die Hierarchien, zeitlich wie dem Range nach, für einen Moment aufgelöst zur konkurrierenden Polyphonie froher Botschaften.
In Nummer 42 der »Kriegs- und politischen Nachrichten« vom 11. April (Ostermontag) wiederholt sich der Funktionstausch zwischen regulärem und Extrablatt: sie druckt das Fortsetzungsextrablatt noch einmal (nicht aber die einseitigen »Armee-Nachrichten«69) und kann ein neuerliches Extrablatt nur vermeiden, indem sie zuungunsten der zweiten Abteilung sechs Seiten beansprucht.70 Gleiches gilt für die nun kein Extrablatt nachtragende, dennoch sechsseitige Nummer 43:71 auÃerordentliche Zeiterfahrung fordert Extraraum. Die ungewöhnliche Nummer 43 der zweiten Abteilung setzt diesem âºExtra-Trendâ¹ stillgestellter Zeit und raumsprengender Ereignisfülle ein Ende:72 durch transzendente Sinnsetzung (politische Auferstehung als Ostergeschehen), durch den Gestus klassischer Literarizität (»Freude, schöner Götterfunken!«), durch das typographisch ausgewogene Antiquablatt, das das ephemere Extrablattformat (ein Blatt) in den »Patriotischen Erhebungen« zum Denkmal umfunktioniert.
Dies aber nicht zeitlos, jenseits periodischer Logik. Indem die Teutschen Blätter, die die Besetzungsnachricht in Freiburg schon am 7. April erreicht, eine publizistische Dramaturgie des Epochalen entwickeln, die von der GründonnerstagsverheiÃung auf Ostern zielt, lassen sie der erlösenden Nachricht buchstäblich Zeit anzukommen: in Berlin, das vom PreuÃischen Correspondenten turnusmäÃig erst am zweiten Osterfeiertag wieder auf den neuesten Stand gebracht wird, am Montag unter dem Datum des Vortags mit Verweis auf »die religiöse Feier des heutigen Tages«,73 in Wien, wo der Oesterreichische Beobachter und die Wiener Zeitung feiertagsbedingt am Ostersonntag nicht erscheinen, offenbar gleichwohl noch »im Laufe des Nachmittags« in einer »auÃerordentliche[n] Beilage« zu letzterer,74 in Leipzig aber am 10. April in einem Extrablatt zur Leipziger Zeitung wahrhaftig, epiphanisch als Osterbotschaft (Fig. 3.11).75



Extra-Blatt zur Leipziger Zeitung. Sonntags den 10ten April 1814, unpag. Exemplar des Deutschen Historischen Museums Berlin (Signatur: Do 53/250)
Die Gunst der Ãberlieferung will es, daà im erhaltenen Exemplar des Deutschen Historischen Museums Berlin eine handschriftliche Notiz »1ster Osterfeiertag« diese performative Lesart zeitgenössisch beglaubigt.
3 Konklusionen
Wofür treten die beiden aus ihren Projektzusammenhängen herausgegriffenen, jeweils nur anskizzierten Beispiele in den Zeugenstand?
Dafür, daà âºLiteraturâ¹ (im denkbar weitesten Sinne) einen Körper hat, daà dieses Corpus bei weitem keine verblaÃte Metapher ist, sondern in seiner Materialität produktionsseitig wie rezeptionsseitig Bedeutungsträger;
â , daà ein wesentlicher Faktor dieser âºKörperlichkeitâ¹ literarischer (wiederum im denkbar weitesten Sinn) Medien Zeit ist, auch sie produktions- wie rezeptionsseitig in Betracht zu ziehen: insofern sie einmalig-punktuell âºam Stückâ¹ ein der Idee nach âºGanzesâ¹ hervorbringt oder aber periodisch-sukzessive zukunftsoffenes Fortsetzungs-âºStückwerkâ¹, das sich in der Retrospektive in ein âºGanzesâ¹ verwandelt, von dem nur noch in bewuÃter Willensanstrengung zu abstrahieren ist; und insofern sie so nicht nur am Einzeltext wirksam wird, sondern am Medienformat, Journalförmigkeit in der Archivierung in Buchförmiges transformiert, so daà in der Retrospektive die ephemeren âºBlätterâ¹, âºNummernâ¹, âºHefteâ¹, âºStückeâ¹ der Journale in ihren Interimseinbänden (wenn überhaupt) nurmehr im Ausnahmefall anzutreffen sind;
â , daà Literarizität, verstanden als bedeutungstiftende Gestaltung von Kontingentem, im Horizont von âºJournalliteraturâ¹ weit unterhalb der Einheit âºTextâ¹ manifest wird, und zwar vorzugsweise als Abweichung von der formatkonstitutiven Serialität, sei es âºchronopoietischâ¹ im Verhältnis zur Norm regelmäÃiger Periodizität, sei es mittels optischer Signifikanzen im Verhältnis zum seriell identitätstiftenden typographischen Erscheinungsbild;
â , daà solche materialphilologischen close readings (und close viewings) nicht gegen literaturwissenschaftliche arbeiten, sondern mit ihnen, allerdings nicht supplementär, sondern im Wortsinn re-vidierend. Solcherart zielen sie nicht auf Widerlegung, sondern auf Wiedervorlage von vermeintlich Bekanntem.
Verzeichnis der zitierten Literatur
Quellen
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Zwanzigste auÃerordentliche Beylage zur Oesterreichisch-Kaiserlichen privilegirten Wiener-Zeitung Nro. 100 u. 101. Sonntag den 10. April 1814.
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Locus classicus ist der Vortrag von Michel Foucault: Was ist ein Autor? In: Michel Foucault: Schriften zur Literatur. Aus dem Französischen von Karin von Hofer und Anneliese Botond. Frankfurt a.M.: Fischer 1988, S. 7â31. Nicht minder wirkungsmächtig Gérard Genette: Paratexte. Das Buch vom Beiwerk des Buches. Mit einem Vorwort von Harald Weinrich. Aus dem Französischen von Dieter Hornig. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 2001.
Vgl. dazu Nora Ramtke: Anonymität â Onymität. Autorname und Autorschaft in Wilhelm Meisters âºdoppelten Wanderjahrenâ¹. Heidelberg: Winter 2016, bes. S. 261â298.
Auf diesen blinden Fleck der digital humanities weist mit Nachdruck hin James Mussell: The Nineteenth-Century Press in the Digital Age. Basingstoke/New York: Palgrave Macmillan 2012 und fordert Reflexion darauf, daà »[e]very digitization project is also an editorial project and all editorial projects must define in some way what it is they edit« (S. 4).
Vgl.
Vgl. als Prospekt unseres Forschungsvorhabens Nicola Kaminski/Jens Ruchatz: Journalliteratur â ein Avertissement. Hannover: Wehrhahn 2017 (Pfennig-Magazin zur Journalliteratur Heft 1).
Vgl. dazu als Fallstudie mit paradigmatischem Anspruch Volker Mergenthaler: Garderobenwechsel. »Das Fräulein von Scuderi« in Taschenbuch, Lieferungswerk und Journal (1819â1871). Hannover: Wehrhahn 2018 (Pfennig-Magazin zur Journalliteratur Heft 2). Daà die binäre Unterscheidung zwischen Journal und Buch gegenüber der materialen und distributiven VerfaÃtheit des im 19. Jahrhundert auf dem literarischen Markt Konkurrierenden zu grobschlächtig ist, haben wir in einem von Fallbeispielen in der breiten Zone der Zwischenformen ausgehenden Bochumer Workshop »Journalähnliche Bücher, buchförmige Journale« am 26./27. April 2018 in ersten Ansätzen zu kartieren versucht: vgl. Andreas Beck/Volker Mergenthaler (Hgg.): Journalähnliche Bücher â buchförmige Journale. Hannover: Wehrhahn 2022 (Pfennig-Magazin zur Journalliteratur Heft 8) (im Druck). Die Rede von âºbuchförmigenâ¹ versus âºjournalförmigenâ¹ Medien(formaten) sucht für diesen systematischer Erforschung noch harrenden Sachverhalt zu sensibilisieren. Vgl. auch Mark W. Turner: Companions, Supplements, and the Proliferation of Print in the 1830s. In: Victorian Periodicals Review 43 (2010), S. 119â132.
Vgl. aber das Themenheft Edition & Typographie (Text. Kritische Beiträge 11 [2006]), darin insbes. Rainer Falk: Literatur aus dem Winkelhaken. Zur literatur- und editionswissenschaftlichen Bedeutung der Typographie, S. 33â53, sowie den Sammelband von Wolfgang Lukas/Rüdiger Nutt-Kofoth/Madleen Podewski (Hgg.): Text â Material â Medium. Zur Relevanz editorischer Dokumentationen für die literaturwissenschaftliche Interpretation. Berlin/Boston: De Gruyter 2014 (Beihefte zu editio 37), ferner die Literaturwissenschaft und Buchwissenschaft disziplinär enger als in der deutschsprachigen Universitätslandschaft zusammendenkende angelsächsische Journalliteraturforschung.
Grundlegend Stephen G. Nichols: Why Material Philology? Some Thoughts. In: Zeitschrift für deutsche Philologie 116 (1997) (Sonderheft: Philologie als Textwissenschaft. Alte und neue Horizonte. Hg. von Helmut Tervooren und Horst Wenzel), S. 10â30, und Roger Chartier: Lesewelten. Buch und Lektüre in der frühen Neuzeit. Aus dem Französischen von Brita Schleinitz und Ruthard Stäblein. Frankfurt a.M./New York/Paris: Campus 1990.
Vgl. den Sammelband von Cornelia Ritter-Schmalz/Raphael Schwitter (Hgg.): Antike Texte und ihre Materialität. Alltägliche Präsenz, mediale Semantik, literarische Reflexion. Berlin/Boston: De Gruyter 2019 (Materiale Textkulturen 27).
Ob es sich dabei um Intendiertes oder um kontingente Effekte etwa der Satzerstellung handelt, ist aus einer rezeptionsorientierten Perspektive, die von der Frage nach materialer Konditionierung von Lektüre geleitet wird, gleichgültig. Vgl. demgegenüber vom produktionsästhetischen Standpunkt des Editionsphilologen aus den Versuch der Unterscheidung von Roland ReuÃ: Spielräume des Zufälligen. Zum Verhältnis von Edition und Typographie. In: Text. Kritische Beiträge 11 (2006), S. 55â100.
Vgl. Nicola Kaminski: Die Almanach- und Taschenbuchsammlung im Archiv des Bochumer Germanistischen Instituts. In: Carsten Zelle (Hg.): Literaturwissenschaftliche Aufbaujahre. Beiträge zur Gründung und Formation der Literaturwissenschaft am Germanistischen Institut der Ruhr-Universität Bochum â ein germanistikgeschichtliches Forschungsprojekt. Frankfurt a.M.: Lang 2016, S. 223â248. Ausführlich dazu: Stephanie GleiÃner/Mirela HusiÄ/Nicola Kaminski/Volker Mergenthaler: Optische Auftritte: Marktszenen in der medialen Konkurrenz von Journal-, Almanachs- und Bücherliteratur. Hannover: Wehrhahn 2019. Einer der ersten, der den Marktfaktor in der zeitgenössischen Taschenbuchkultur systematisch diagnostiziert, ist Friedrich Arnold Brockhaus, der als Nachtrag zur fünften Auflage seines Conversations-Lexicons selbst den Artikel beisteuert: Taschenbücher- und Almanachsliteratur in Deutschland. In: Allgemeine deutsche Real-Encyclopädie für die gebildeten Stände. (Conversations-Lexicon.) Jn zehn Bänden. Zehnter Band. To bis Zz. Fünfte Original-Ausgabe. Mit Königl. Würtembergischen Privilegien. Leipzig: F. A. Brockhaus. 1820, S. 973â978.
Die Almanache von 1841. (Fortsetzung.). In: Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode [Nr.] 207. Montag, den 28. December 1840, S. 1653â1655, hier S. 1653. Mit dieser schmeichelhaften Zuschreibung wird bedacht: Jris. Taschenbuch für das Jahr 1841. Herausgegeben von Johann Graf Mailáth und Dr. S. Saphir. Zweiter Jahrgang. Mit sechs Stahlstichen. Pesth, Verlag von Gustav Heckenast.
Die Unterscheidung zwischen »Werksatz«, »Zeitungssatz« und »Accidenzsatz« macht zum Grundrià seiner Darstellung August Marahrens: Vollständiges theoretisch-praktisches Handbuch der Typographie nach ihrem heutigen Standpunkt. Herausgegeben von August Marahrens, Buchdrucker. Erster Band: Das Setzen in seinen verschiedenen Branchen. Leipzig. Verlag der Leipziger Vereinsbuchdruckerei. 1870.
Von dieser Einsicht aus formuliert Linda K. Hughes die Empfehlung »thinking and moving sideways«. Linda K. Hughes: SIDEWAYS! Navigating the Material(ity) of Print Culture. In: Victorian Periodicals Review 47 (2014), S. 1â30, hier S. 21.
Teilprojekt 2 (zusammen mit Volker Mergenthaler): »Zeit/Schrift: journalliterarische âºChronopoetikâ¹ und Genese von Literarizität« (Ruhr-Universität Bochum); Teilprojekt 3 (zusammen mit Volker Mergenthaler): »Optische Auftritte: mise en page in Journal- versus Buchliteratur« (Philipps-Universität Marburg).
Kurt Wölfel: Ãber das Marionettentheater. In: Walter Hinderer (Hg.): Kleists Erzählungen. Stuttgart: Reclam 1998, S. 17â42, hier S. 17.
Ueber das Marionettentheater. In: Berliner Abendblätter. 63tes Blatt. Den 12ten December 1810, S. 247â249; Ueber das Marionettentheater. (Fortsetzung.). In: Berliner Abendblätter. 64tes Blatt. Den 13ten Dezember 1810, S. 251â253; Ueber das Marionettentheater. (Fortsetzung.). In: Berliner Abendblätter. 65tes Blatt. Den 14ten December 1810, S. 255â257; Ueber das Marionettentheater. (BeschluÃ.). In: Berliner Abendblätter. 66tes Blatt. Den 15ten Dezember 1810, S. 259â261. Zugrundegelegt wird das Exemplar der Staatsbibliothek Berlin â PreuÃischer Kulturbesitz (Signatur: Libri.impr.rari.oct.216).
Sibylle Peters: Heinrich von Kleist und der Gebrauch der Zeit. Von der MachArt der Berliner Abendblätter. Würzburg: Königshausen & Neumann 2003. Diese der zeitgenössischen Sukzessivität von Journallektüre Rechnung tragende Perspektive bestimmt die ersten beiden Kapitel, vgl. S. 8â67. Das (beinah) SchluÃkapitel zum »Marionettentheater«-Text (S. 180â210) hingegen geht, in einem typischen Gestus der Kleistphilologie, aus von einem Brief Kleists an seine Schwester Ulrike, um sodann die bislang von der Forschung nicht systematisch in Rechnung gestellte Publikation als Fortsetzungstext ausgerechnet als »Gemeinsamkeit« mit Schillers in der Neuen Thalia (einem ästhetischen Journal, keiner Tageszeitung!) erstpublizierter Abhandlung »Ueber Anmuth und Würde« zu exponieren (S. 180). Auch im Fortgang des Kapitels bilden Kleist und seine Texte in den Berliner Abendblättern den Referenzhorizont, so daà Petersâ ingeniöse Lektüre von »Ueber das Marionettentheater« unversehens eine Journalpoetik unter der Signatur des Autors zutagefördert. Folgerichtig attestiert sie im allerletzten Kapitel den Abendblättern einen verzeitlichten Quasi- »Werk-Status« (S. 215).
Ueber das Marionettentheater. (BeschluÃ.) (15. Dez. 1810) (Anm. 17), S. 261.; die Signatur kann er zu diesem Zeitpunkt schon sicher zuordnen.
Daà die retrospektiv vollständige Zugänglichkeit der Berliner Abendblätter die Forschung verleitet habe, sie »als ein gewissermaÃen geschlossenes Werk [zu] untersuch[en], aus dem die für die Entstehung des Korpus konstitutive Sukzession der täglichen Ausgaben getilgt ist«, moniert demgegenüber Peter Staengle: »Eine Art Vorläufer der Zeitungen«. Zur politischen Berichterstattung in Kleists »Berliner Abendblättern«. In: Von der Zeitschrift zum poetischen Text. Die »Berliner Abendblätter« Heinrich von Kleists. Beiträge eines deutsch-italienischen Kolloquiums in der Villa Vigoni im Frühjahr 1997.
[Redaktionelle Mitteilung]. In: Berliner Abendblätter. 1stes Blatt. Den 1sten October 1810, S. 4.
Vgl. Heinrich Aretz: Heinrich von Kleist als Journalist. Untersuchungen zum âºPhöbusâ¹, zur âºGermaniaâ¹ und den âºBerliner Abendblätternâ¹. Stuttgart: Heinz 1983, S. 163â167.
Vgl. An das Publikum. [Beilage zu Berliner Abendblätter. 5tes Blatt. Den 5ten October 1810.], unpag.: »Uebrigens wird nur auf den Schluà des vierten Blattes (vom 4ten October) verwiesen [â¦].« Die Rubrik »Druckfehler« bringt zum erstenmal das achte Blatt vom 9. Oktober.
Beispielsweise bei Aretz (Anm. 22), S. 288â291, wenn er Kleist, als es ihm »aufgrund der schwierigen Zensurauseinandersetzungen schwerfiel, sein Blatt zu füllen, [â¦] mit diesem Aufsatz in Fortsetzungsform quasi als âºLückenbüÃerâ¹ vier hintereinanderfolgende Nummern seiner Zeitung jeweils dreiseitig bestreite[n]« sieht, dem »exemplarisch [â¦] die Zwänge der in den âºAbendblätternâ¹ angewandten Aktualisierungsstrategien für nicht primär aktuelle Beiträge« abzulesen seien.
Wilhelm Grimm an Paul Wigand am 18. November 1810. In: Peter Staengle: »Berliner Abendblätter«. Chronik. In: Brandenburger Kleist-Blätter 11 (1997), S. 369â411, hier S. 378f. (Zitat S. 379). Kurz zuvor hatte Grimm diese Spannung so beschrieben: »Die Zeitung ist recht vernünftig gedacht, und dabei nicht wie andere TheatermäÃig herausgeputzt. Nur die Polizeianzeigen nehmen sich hier oft lächerlich aus: es ist als ob jemand, der uns raisonabel unterhalten, auf einmal mit seltsamer Vertraulichkeit seine Taschen herauszög, die Brodkrumen herauswischte und die Löcher zeigte, die geflickt, und die Flecken, die müÃten herausgewaschen werden. Einem dabei stehenden Schneider wär das unstreitig das interessanteste an dem ganzen Mann, und so mag es vielen dort, besonders rechten Hausricken das liebste sein, mithin hat es einen Grund auch wieder, daà es da ist.« Wilhelm Grimm an Clemens Brentano am 6. November 1810, ebd., S. 376f. (Zitat S. 376).
Daà die Berliner Abendblätter sich konzeptuell in der Spannung zwischen »ephemerality« und der dem »canonizable artwork« zugeschriebenen »permanence« positionieren, zeigt, ausgehend von der ersten Nummer des zweiten Quartals, Sean Franzel: Kleistâs Magazines: Archiving the Ephemeral in the Berliner Abendblättern. In: German Studies Review 40 (2017), S. 487â507. Zitate S. 487 und 488.
Die genaue Bedeutung von âºWurstzeitungâ¹ ist unklar. Das Grimmsche Wörterbuch konstatiert für âºWurstâ¹-Komposita dieser Art einen »abwertenden oder doch vergröbernden sinn [â¦] mit der vorstellung des geringwertigen und bäuerlichen« und gibt für âºKäse- und Wurstblattâ¹, âºWurstblättchenâ¹, âºWurstzeitungâ¹ die Erläuterung »lokalzeitung«. Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. Bd. 14/II: WILBâYSOP. Bearbeitet von Ludwig Sütterlin. Leipzig: Hirzel 1960, Sp. 2295â2310 s.v. âºWURSTâ¹, hier Sp. 2310 C.6. Zeitlich näher die Erklärung zur in Hessen-Cassel seit 1731 bis ins frühe 19. Jahrhundert erscheinenden Fürstlich-Hessisch privilegirten Polizey- und Commerzien-Zeitung: »Von dem darin stets bemerkten Preise des Fleisches und der Würste rührt auch der Spottname der Wurstzeitung her, mit welchem man sie hin und wieder bezeichnete.« Ueber politische Zeitungen und Intelligenzblätter in Sachsen, Thüringen, Hessen und einigen angränzenden Gebieten. Von Joachim von Schwarzkopf, Königlich Brittischem Churbraunschweigischem Ministre-Resident bei dem Chur- und dem Oberrheinischen Kreise, der Königlichen Societät der Wissenschaften zu Göttingen correspondirenden, und der Churmainzischen Akademie Nützlicher Wissenschaften zu Erfurt, wie auch anderer gelehrten Gesellschaften wirklichem Mitgliede. Gotha, in der Ettingerschen Buchhandlung 1802, S. 80f., Zitat S. 81.
Vgl. Laurel Brake: The Longevity of âºEphemeraâ¹. Library Editions of Nineteenth-Century Periodicals and Newspapers. In: Media History 18 (2012), S. 7â20.
Erklärung. S[iehe] VoÃ[ische] Zeitung, den 25. Sept. 1810. In: Berliner Abendblätter. 19tes Blatt. Den 22ten October 1810, S. 75.
An das Publikum (Anm. 23).
Polizeiliche Tages-Mittheilungen, Etwas über den Delinquenten Schwarz und die Mordbrenner-Bande. Extrablatt zum 7ten Berliner Abendblatt, unpag.
Dieses Moment ist der Forschung selbstverständlich nicht verborgen geblieben; Ernst damit macht die Entscheidung des Herausgebers Walter Hinderer, dem »Essay[] Ãber das Marionettentheater, bei dem es sich genau genommen um einen raffiniert erzählten Text handel[e]«, innerhalb der 1998 vorgelegten »Interpretationen der sämtlichen Erzählungen Heinrich von Kleists« einen Platz einzuräumen. Walter Hinderer: Vorwort. In: ders. (Hg.): Kleists Erzählungen. Stuttgart: Reclam 1998, S. 7â15, hier S. 14. Gleichwohl dominiert in der interpretatorischen Praxis die Behandlung des Literarischen als Einkleidung, selbst da, wo dessen Inkommensurabilität als Ablenkung der philosophischen Argumentation ernst genommen wird.
Weigel (Anm. 20), S. 266, sieht darin einen Strategiewechsel zwischen den ersten zwei und den beiden folgenden, »fast ausschlieÃlich mit zwei wahrscheinlich aus dem âºIdeenmagazinâ¹ stammenden Anekdoten gefüllt[en]« Lieferungen. Doch beginnt schon der erste Satz des »Marionettentheater«-Textes anekdotisch.
So Jean Paul in seiner »Abschieds-Rede bey dem künftigen Schlusse des Morgenblatts« zu dessen Eröffnung, als er auf die »stehende[n] Artikel« zu sprechen kommt und unter ihnen als »universal-monarchische[n] Direktorial-Artikel« die Rubrik »Miszellen« hervorhebt. Abschieds-Rede bey dem künftigen Schlusse des Morgenblatts. Von Jean Paul. In: Morgenblatt für gebildete Stände Nro. 1. Donnerstag, 1. Jänner, 1807, S. 1â4, hier S. 3.
Vgl. Tom Grettons glückliche Prägung vom »reader-viewer« oder, davon angeregt, die Rede vom »Leser-Betrachter« bei Andreas Beck, der Gretton (zu Recht) vorwirft, über dem Schauen das Lesen zu vergessen. Tom Gretton: Industrialised Graphic Technologies in Symbiosis with the World of Art: the Illustrated London News and the Graphic c. 1870âc. 1890. In: Kate Nichols/Rebecca Wade/Gabriel Williams (Hgg.): Art versus Industry? New Perspectives on Visual and Industrial Cultures in Nineteenth-Century Britain. Manchester: Manchester University Press 2016, S. 140â157, passim; Andreas Beck: Einstürzende Textbauten, Lücken im Schriftsatz, schattierender und durchscheinender Druck â von der Produktivität des Bedruckstoffs Papier in frühen illustrierten Journalen. In: Andreas Beck/Nicola Kaminski/Volker Mergenthaler/Jens Ruchatz (Hgg.): Visuelles Design: Die Journalseite als gestaltete Fläche. Visual Design: The Periodical Page as a Designed Surface. Hannover: Wehrhahn 2019 (Journalliteratur 1), S. 333â359.
Ueber das Marionettentheater (12. Dez. 1810) (Anm. 17), S. 247.
Das signalisiert beiläufig »seit Kurzem«, das âºRegelwissenâ¹ unter Beweis stellt.
Ueber das Marionettentheater (12. Dez. 1810) (Anm. 17), S. 247.
Vgl. zur Differenz zwischen am Dispositiv Zeitung oder aber am Dispositiv Buch orientierten Journalen Jürgen Wilke: Literarische Zeitschriften des 18. Jahrhunderts (1688â1789). Stuttgart: Metzler 1978, S. 127f. Auf generische Referenz und Formatdifferenz weist für die Berliner Abendblätter Franzel (Anm. 26), S. 491 und S. 505, Anm. 19, hin.
MaÃe des Exemplars der Staatsbibliothek Berlin (Anm. 17). Anders als im Fall des 1808 von Kleist und Adam Müller veranstalteten Phöbus sind die für die Berliner Abendblätter vorliegenden Faksimile- bzw. Reprintausgaben, was den Satzspiegel angeht, originalgetreu. Das gilt jedoch nicht für das Format. Während im Berliner Exemplar die Seite in der Höhe 17,0 cm miÃt, in der Breite 9,5 cm, sind die Seiten im Faksimile von Georg Minde-Pouet â Heinrich von Kleist. Berliner Abendblätter. Mit einem Nachwort von Georg Minde-Pouet. Leipzig: Klinkhardt & Biermann 1925 (Faksimiledrucke literarischer Seltenheiten 2) â 17,5 cm hoch, 10,7 cm breit, haben also mehr unbedruckten Rand (allerdings bleibt unklar, welches Exemplar dem Faksimile zur Vorlage für die Formatwahl diente). Die Reprintausgabe von Helmut Sembdner â Berliner Abendblätter. Herausgegeben von Heinrich von Kleist. Nachwort und Quellenregister von Helmut Sembdner. Darmstadt 1982 â, die laut Impressum das 1925er Faksimile nachdruckt, vergröÃert diese Vorlage auf 18,0 à 10,9 cm. In der Zusammenschau mit den spektakuläreren Befunden für den Phöbus (vgl. Nicola Kaminski: Die Quartseite als »Kampfplatz«. Der Dresdner Phöbus. Journal für die Kunst als typographischer Gegenschauplatz zur »Bühne von Weimar«. In: Andreas Beck/Nicola Kaminski/Volker Mergenthaler/Jens Ruchatz (Hgg.): Visuelles Design: Die Journalseite als gestaltete Fläche. Visual Design: The Periodical Page as a Designed Surface. Hannover: Wehrhahn 2019 (Journalliteratur 1), S. 403â426) läÃt sich eine Tendenz zur Nivellierung irritierender optischer Auftritte konstatieren.
Darauf deutet auch die â freilich nicht singuläre, für eine täglich erscheinende Zeitung aber doch nicht selbstverständliche â Paginierung hin; jahrgangsweise (wenn das für eine nur zwei Quartale umfassende Journalpublikation zu sagen erlaubt ist), wie der Leser ab der ersten Januarnummer des Jahres 1811 feststellen kann. Vgl. Roland ReuÃ: Zu dieser Ausgabe. In: H. v. Kleist. Sämtliche Werke. Brandenburger Ausgabe hg. von Roland Reuà und Peter Staengle. Bd. II/8: Berliner Abendblätter II. Basel/Frankfurt a.M.: Stroemfeld/Roter Stern 1997, S. 384â392, hier S. 391.
Gabriele Kapp: Nachwort. In: dies. (Hg.): Heinrich von Kleist. Ãber das Marionettentheater. Studienausgabe. Stuttgart: Reclam 2013, S. 80â109, hier S. 86, faÃt das inhaltsbezogen als »Spagat zwischen Sensations- und Bildungsblatt«, ohne die Zitation des Buchformats zu sehen. Nach Franzel (Anm. 26), S. 491, habe Kleist versucht, »to fuse the reporting capabilities of the newspaper (Zeitung) with the critical ambitions of the cultural journal (Kulturzeitschrift)«; »the Abendblätterâs single-sheet, four-page octavo format could make it feel more like a pamphlet (Flugblatt) than a full-fledged journal or newspaper«.
Vgl. Anzeige. In: Berliner Abendblätter. 16tes Blatt. Den 18ten October 1810, S. 49 [recte: 66], wo an die »unbekannten Herrn Mitarbeiter, die uns mit ihren Beiträgen beehren«, appelliert wird, »auf die Oekonomie dieses Blattes Rücksicht zu nehmen, und uns gefälligst die Verlegenheit zu ersparen, die Aufsätze brechen zu müssen«.
Vgl. Hitzig an Fouqué am 18. Oktober 1810: »Mit dem Raum u. dessen Beschränkung haben Sie vollkommen Recht. Ein wahres Prokrustes-Bette; aber es ist der Wille des Herausgebers und nicht der Meine. Es lieÃe sich hierüber viel sagen, was schriftlich nicht geschehen kann.« Staengle (Anm. 25), S. 373.
Die Seite des Freimüthigen miÃt 24,5 à 20,7 cm, die zwei Spalten pro Seite sind jeweils 20,3 cm hoch, 7,2 cm breit. Zugrunde gelegt wurde die Nummer vom 14. Dezember 1810 des Exemplars der Sächsischen Landesbibliothek â Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (Signatur: Eph.lit.0237.f).
Daà die Engführung theatralischer Aufführungsform mit literarischer Kunstform zeitgenössisch nicht fern liegt, läÃt sich dem programmatischen Vorwort zur 1806 anonym erschienenen Sammlung Marionetten-Theater ablesen. Dort heiÃt es: »Die Jtaliener, Spanier und Franzosen haben viele kleine Lustspiele, die sich durch freie Charakterzeichnung, durch kecke Karikaturen, durch komische Jntrigue, durch frische Lebendigkeit auszeichnen. [â¦] Man strömt zu ihren Vorstellungen, sie belustigen, sie erfreuen, die Liebe zur Schauspielkunst wird lebendig erhalten, und das Volk, gewohnt eines seiner Hauptvergnügungen im Theater zu finden, erwirbt durch diese leichten Spiele des Scherzes den empfänglichen Sinn für die Meisterstücke des tragischen Kothurnes. Jn Deutschland ist es anders. [â¦] Mit einer Aengstlichkeit, als ob ein ungeheures Wagstück zu vollbringen wäre, gehen unsre Dichter an eine dramatische Arbeit, und gedrückt von der unerlaÃlichen Form, besonders in Rücksicht der Zeitausfüllung, geschreckt durch so manche unglückliche Versuche, voll Furcht vor der Menge der Kritiker und der babylonischen Verwirrung der Kritiken, die in demselben Verhältnisse in Deutschland sich vermehren, als die Kunst abnimmt â ist es ein Wunder, daà ihre Produkte ohne Leben, ohne Jnteresse, ohne Wirkung ausfallen? Noch einige Jahre so fort, und unser Theater, das jetzt schon in Jamben zum Grabe hinkt, stirbt mit antiken Verzuckungen an der neuen Kunsttheorie. Wär es nicht rathsam, durch kleine leichte Stücke, von freier und kecker Erfindung, nicht in der Büchersprache geschrieben, die dem freien Fluà der Rede widersteht, aber auch nicht in dem platten Jargon des Pöbels, nicht mit vornehm witzigen Pointen, aber auch nicht mit niedrigen und pöbelhaften SpäÃen, voll Satire, aber ohne Persönlichkeiten, die Lust und Liebe des Volks zum Theater zu wecken? [â¦] | Jch habe hier einen Versuch zu solchen Stücken gemacht. Jch habe sie Marionettenspiele genannt, weil ich glaube, die gezogenen Puppen von Holz werden sie eher und besser aufführen, als die hölzernen lebendigen auf unsern Haupt- und Staatstheatern.« Marionetten-Theater oder Sammlung lustiger und kurzweiliger Actionen für kleine und groÃe Puppen. Leipzig, bei Georg VoÃ. 1806, S. IIIâVI, hier S. IIIâV. Als Herausgeber der Zeitung für die elegante Welt und Pächter der Leipziger Zeitung operiert deren ungenannter »Verfasser« (S. VI) Siegfried August Mahlmann selbst auf dem nicht der »Büchersprache« verpflichteten journalliterarischen Markt. Auf die Schrift von Mahlmann verweist in ihrer Kontextualisierung des »Marionettentheater«-Textes Kapp (Anm. 42), S. 51â53.
Die Binnengliederung durch Absätze ist in »Ueber das Marionettentheater« nicht nur im Vergleich mit dem 1810 erschienenen ersten Band von Kleists Erzählungen ungewöhnlich hoch, sondern auch im Verhältnis zu den bis dahin ausgegebenen Abendblatt-Nummern. Erste Lieferung: 95 Zeilen, achtzehn Absätze; zweite Lieferung: 96 Zeilen, vierzehn Absätze; dritte Lieferung: 74 Zeilen, acht Absätze; vierte Lieferung: 82 Zeilen, acht Absätze.
Ueber das Marionettentheater (12. Dez. 1810) (Anm. 17), S. 248; Ueber das Marionettentheater. Fortsetzung.) (13. Dez. 1810) (Anm. 17), S. 252f. Die Struktur leichtfüÃigen An- und Absetzens (»Die Puppen brauchen den Boden nur, wie die Elfen, um ihn zu streifen, und den Schwung der Glieder, durch die augenblickliche Hemmung neu zu beleben«) reicht gelegentlich bis ins rahmende Gespräch hinein, vgl. die narrative Moderation der Repliken in der zweiten Lieferung: »Sehen Sie nur die P⦠an, fuhr er fort, wenn sie die Daphne spielt [â¦]. | Solche MiÃgriffe, setzte er abbrechend hinzu, sind unvermeidlich [â¦]. | Jch [â¦] bat ihn, fortzufahren.« Es schlieÃt sich die Explikation des âºAntigravenâ¹ an. Ebd. Meine Kursivierungen.
Sperrsatz ist in der Zeitungstypographie zeitgenössisch geläufig, doch sind es Namen von Personen und Orten, die solcherart ausgezeichnet werden, allenfalls noch markante Zitate. Zum »Weià als Grund, der durch die Buchstaben sichtbar zum Leuchten gebracht wird«, vgl. Thomas Fries: Der weiÃe Zwischenraum aus typographischer und poetischer Sicht. In: Mareike Giertler/Rea Köppel (Hgg.): Von Lettern und Lücken. Zur Ordnung der Schrift im Bleisatz. München: Fink 2012, S. 115â127, hier S. 117f. (Zitat S. 117). Wenig ergiebig das Kapitel zum »Sperrsatz« bei Thomas Nehrlich: »Es hat mehr Sinn und Deutung, als du glaubst.« Zu Funktion und Bedeutung typographischer Textmerkmale in Kleists Prosa. Hildesheim/Zürich/New York: Olms 2012, S. 59â77, das beinah ausschlieÃlich von dessen Semantik her argumentiert, nicht von der Optik.
Ueber das Marionettentheater (12. Dez. 1810) (Anm. 17), S. 249.
Vgl. Steffen Martus: Werkpolitik. Zur Literaturgeschichte kritischer Kommunikation vom 17. bis ins 20. Jahrhundert mit Studien zu Klopstock, Tieck, Goethe und George. Berlin/New York: De Gruyter 2007.
Vgl. Ueber das Marionettentheater. (Fortsetzung.) (13. Dez. 1810) (Anm. 17), S. 253.
Das Epochale des Gründungsmoments hebt der erste Satz des ersten Artikels hervor: »Wir beginnen unsere Kriegsberichte mit dem Rheinübergang der verbündeten Heere und dem Einrücken in die Schweiz, welche wohl eine der merkwürdigsten Perioden dieses Krieges eröffnen, und nicht anders als das Signal zu den gröÃten Ereignissen seyn können.« Kriegsschauplatz. In: Teutsche Blätter. I. Kriegs- und politische Nachrichten. Nro. 1. Donnerstags, den 6. Januar 1814, S. 1. In einer redaktionellen Mitteilung unter dem Kopf der ersten Nummer stellt das neue Blatt sich so vor: »Die teutschen Blätter, welche gemäà hohen Befehls dahier in Freyburg zur schnellern Beförderung der täglichen Armee-Nachrichten fortgesetzt werden, sind einem doppelten Zwecke gewidmet. Sie werden 1. die neuesten Armee-Nachrichten und überhaupt politischen Nachrichten, 2. patriotische Aufsätze, Parallelen, Charakterzüge aus der Geschichte, politische Abhandlungen von nicht allzugroÃem Umfang, Gedichte, Rezensionen und überhaupt Aufsätze enthalten, welche dazu dienen, auf den öffentlichen Geist in Teutschland, dem hohen Zweck der Verbündeten gemäÃ, wohlthätig einzuwirken, und von der jetzigen Epoche eine würdige Schilderung zu liefern. [â¦] Alle Wochen erscheinen 3 Bogen in 4. Das erste Blatt erscheint den 6. Januar 1814.« Ebd. Hier und im folgenden wird nach dem Exemplar der Universitätsbibliothek Freiburg i.Br. zitiert (Signatur: H 2264 f 1814).
Beispielsweise die Denkfigur der »Parallele«, die im Plan der Teutschen Blätter denn auch als ein eigenes Genre namhaft gemacht wird (vgl. vorige Anm.). So konstruieren sowohl die Teutschen Blätter als auch die am 16. Juni 1814, kurz vor Erscheinungsschluà der Teutschen Blätter (am 30. Juni 1814), eröffneten Friedensblätter mittels horazischer Oden eine Parallele zwischen dem römischen Kaiser Augustus und Kaiser Franz II. von Ãsterreich. Vgl. dazu David Brehm/Nicola Kaminski/Volker Mergenthaler/Nora Ramtke/Sven Schöpf: Zeit/Schrift 1813â1815 oder Chronopoetik des âºUnregelmäÃigenâ¹. Hannover: Wehrhahn 2022 (Journalliteratur 3), S. 209â215, 225â231 und 241â247.
Bey der Feyer des Einzugs der verbündeten Heere in Paris und des Sturzes Napoleons. In: Teutsche Blätter. II. Patriotische Erhebungen. Nro. 43. Donnerstag den 14. April 1814, S. 153f., hier S. 153.
Vgl. z.B. An die Freude. Jn bekannter Melodie. In: Lieder zur Erhöhung gesellschaftlicher Freude, nebst angehängten Gesundheiten. Nürnberg, bei Johann Gottfried Stiebner, 1793, S. 59â64.
Ebd., S. 59.
Bey der Feyer des Einzugs (Anm. 55), S. 153.
Vgl. ebd., Zitate S. 154 und 153.
Es gelten als Zahlbuchstaben die Majuskeln: D (500) + C (100) + I (1) + I (1) + D (500) + I (1) + C (100) + L (50) + D (500) + I (1) + L (50) + I (1) + I (1) + I (1) + I (1) + I (1) + V (5) = 1814.
Bey der Feyer des Einzugs (Anm. 55), S. 153.
Armee-Nachrichten. [Extrablatt zu Teutsche Blätter. I. Kriegs- und politische Nachrichten. Nro. 40. Donnerstag, den 7. April 1814], unpag. Im Normalfall messen die Seiten der Teutschen Blätter in der Höhe 23,1 cm, in der Breite 19,0â19,5 cm; das vorliegende, für die Einbindung in den Halbjahresband unregelmäÃig beschnittene Extrablatt ist 39,8 cm hoch sowie am oberen Blattrand 34,6â34,7 cm breit, am unteren 33,6 cm. Referenz ist das Freiburger Exemplar (Anm. 53). Daà es sich um ein Extrablatt zu Nummer 40 handelt, erfährt man (wenigstens in der Retrospektive) erst durch eine redaktionelle Mitteilung in der Folgenummer über »das mit unserer letzten Nummer ausgegebene Extra-Blatt«. Armee-Nachrichten. In: Teutsche Blätter. I. Kriegs- und politische Nachrichten. Nro. 41. Samstag, den 9. April 1814, S. 175â177, hier S. 175, FuÃnote *).
Ebd., S. 175â177.
Ebd., S. 175, FuÃnote *).
Auszug der officiellen Nachrichten aus Paris Nro. 1. oder Fortsetzung der Armee-Nachrichten. [Extrablatt zu Teutsche Blätter. I. Kriegs- und politische Nachrichten. Nro. 41. Samstag, den 9. April 1814], unpag.
Teutsche Blätter, welche nach dem hohen Armeebefehl in Freyburg fortgesetzt wurden. Erste Abtheilung, Kriegs- und politische Nachrichten, oder die neuesten officiellen Armee-Nachrichten vom Einmarsch der verbündeten Armeen in die Schweiz bis zum Rückzug derselben aus Frankreich nach dem Frieden von Paris. Zweyte Abtheilung, Patriotische Erhebungen, welche den Zweck haben, auf den öffentlichen Geist in Teutschland dem groÃen Zweck der hohen Alliirten gemäà wohlthätig einzuwirken, und von dieser Epoche eine würdige Schilderung zu liefern. Freyburg und Konstanz, in der Herderschen Buchhandlung. 1814. Dieses Titelblatt des Freiburger Exemplars wurde laut einem Vermerk auf der Rückseite faksimiliert »nach dem Exemplar der GroÃh. Hof- und Landesbibliothek in Karlsruhe«.
Armee-Nachrichten. Paris, den 1sten April 1814, unpag. Im Freiburger Exemplar eingebunden zwischen dem Fortsetzungsextrablatt zu Nro. 41 und Nro. 42. Die hier untersuchte Extrablatt-Sequenz ist in keinem weiteren Exemplar der Teutschen Blätter nachweisbar, so daà Vergleichsmöglichkeiten entfallen.
Ebd.
Sie bleiben vielmehr in der Schwebe einer vagen Formulierung zu Beginn von Nummer 42, die es offen läÃt, ob sie disjunktiv auf beide Beigaben zum regulären Blatt bezogen werden will: »Wir haben die Details vom Einzug der Alliirten in Paris in einer Beylage zu unserer letzten Nummer gegeben. Die Summe der groÃen Ereignisse in dieser Hauptstadt enthalten folgende Armeenachrichten.« Teutsche Blätter. I. Kriegs- und politische Nachrichten. Nro. 42. Montag, den 11. April 1814, S. 179.
Vgl. ebd., S. 179â184.
Teutsche Blätter. I. Kriegs- und politische Nachrichten. Nro. 43. Donnerstag, den 14. April 1814, S. 185â190.
Jedenfalls in der zeitgenössisch-synchronen Perspektive. In der Retrospektive muà der Leser erst die buchförmig getrennt (im Freiburger Exemplar in einem Band nacheinander) gebundenen beiden Abteilungen virtuell wieder in Einzelnummern auflösen und nach MaÃgabe des publizistischen Datums synchronisieren.
Kriegsbegebenheiten. Frankreich. Hauptarmee. Berlin, den 10. April. In: Der PreuÃische Correspondent Nr. 57. Montag, den 11ten April 1814. Jm Verlage der Realschul-Buchhandlung, unpag.
Kriegsschauplatz. In: Oesterreichischer Beobachter. Nro. 100 und 101. Sonntag den 10. und Montag den 11. April 1814, S. 545. In der Wiener Zeitung findet sich im regulären Blatt kein Hinweis auf die Beilage. Deren Titel weist sie in der Druckordnung der Zeitung der am Ostermontag ausgegebenen Doppelnummer zu: Zwanzigste auÃerordentliche Beylage zur Oesterreichisch-Kaiserlichen privilegirten Wiener-Zeitung Nro. 100 u. 101. Sonntag den 10. April 1814. Exemplar der Ãsterreichischen Nationalbibliothek Wien (Signatur: 393052-D.Alt Jf. 1814).
Extra-Blatt zur Leipziger Zeitung. Sonntags den 10ten April 1814, unpag. Exemplar des Deutschen Historischen Museums Berlin (Signatur: Do 53/250).