Vom 08. bis zum 10. November 2023 fand die 25. Münstersche Vorlesung zur Philosophie an der Universität Münster mit dem Gast Carl Friedrich Gethmann statt. Drei Tage lang konnten Studierende der Philosophie und Interessierte an Vorträgen und Diskussionen teilnehmen, in denen die philosophische Arbeit Gethmanns im Mittelpunkt stand. Der vorliegende Band versammelt die Beiträge, die im Rahmen dieser Veranstaltung entstanden sind, und gewährt dadurch einen Einblick in das philosophische Lebenswerk Carl Friedrich Gethmanns einerseits sowie in die intensive Auseinandersetzung Studierender und junger Wissenschaftler:innen damit andererseits. Auf diese Weise liefert der Band einen produktiven und verschiedene Perspektiven integrierenden Dialog, in dem der philosophische und gesellschaftliche Fragen verhandelt werden.
Dieser Band enthält den Abendvortrag, den Carl Friedrich Gethmann zum Auftakt der 25. Münsterschen Vorlesung unter dem Titel „Der Grundsatz der transzendentalen Ad-Operation und das so genannte Leib-Seele-Problem“ gehalten hat. Daran schließen sich in einzelnen Kapiteln die Beiträge der Studierenden an, die das Augenmerk auf verschiedene Aspekte der Philosophie Carl Friedrich Gethmanns richten und sich mit ebendiesen kritisch auseinandersetzen. Jeder Beitrag wird von einer ausführlichen Replik Gethmanns begleitet. Die dialogische Struktur des Bandes spiegelt dabei den Austausch im Kolloquium der Münsterschen Vorlesung wider. Abgeschlossen wird der Band von einem weiteren Aufsatz Gethmanns („Zur Rehabilitierung des Prinzipiellen gegenüber der Herrschaft des Konkreten“), in dem der Autor unter anderem die grundlegende Rolle situationsinvarianter Verfahren für die menschliche Lebensform betont. Damit wird ein Aspekt ins Zentrum gerückt, der sich in vielen Beiträgen dieses Bandes wiederfindet und der es daher verdient, am Ende dieses Buches abschließend ausgeführt zu werden.
Angesichts seiner beachtlichen akademischen und zivilgesellschaftlichen Verdienste war es uns eine besondere Freude, Carl Friedrich Gethmann als Gast der Münsterschen Vorlesungen begrüßen zu dürfen: Mit zahlreichen Veröffentlichungen in Bereichen der theoretischen und praktischen Philosophie, etwa der Sprachphilosophie, der Philosophie der Logik, historisch in der Heidegger-, Husserl- und Becker-Forschung sowie in der angewandten Ethik (insbesondere der Medizin-, Umwelt- und Technikethik), Mitgliedschaften in hochrangigen Gremien und mit leitender Funktion in akademischen und außer akademischen Institutionen hat Carl Friedrich Gethmann die philosophische Landschaft in den letzten Jahrzehnten maßgeblich geprägt. Auch im für die Veranstaltung obligatorischen Vorbereitungsseminar fiel es uns ob der beachtlichen Breite und Tiefe seines Schaffens wahrlich nicht leicht, einzelne Texte aus seinem Werk auszuwählen. Exemplarisch für die extensive Publikationstätigkeit zeigen monographische Veröffentlichungen wie die Protologik von 1979, Vom Bewußtsein zum Handeln von 2007 oder die Konstruktive Ethik von 2013 die thematische Vielseitigkeit von Gethmanns philosophischem Wirken. Im besten Sinne eklektisch gelingt es Gethmann stets, Mittel- und Argumentationsbestände aus verschiedenen philosophischen Theorien und Strömungen miteinander in Beziehung zu setzen. Wenn bestimmte Denkfiguren, sozusagen als „Allzweckwaffe“, immer wieder Schlagkraft in verschiedensten Anwendungsbereichen zeigen, dann beweist das ihre hohe Qualität. Gethmanns stets methodisch fundierten, sachlich differenzierten und historisch informierten Darlegungen stellen einen wohltuenden Gegenentwurf zu Stimmen dar, die einfache Lösungen für komplexe Probleme bereitstellen wollen. Die Philosophie Carl Friedrich Gethmanns bietet einen reichhaltigen Fundus, aus dem für eine vernünftige Begegnung mit drängenden gesellschaftlichen Fragen geschöpft werden kann, und der für eine Besprechung im Rahmen der Münsterschen Vorlesung geradezu prädestiniert war. Wir sind uns sicher, dass in der Beschäftigung mit Gethmanns Positionen und Argumenten alle Teilnehmenden in ihrem eigenen philosophischen Schaffen ein großes Stück vorangeschritten sind.
Dass wir die Gelegenheit hatten, einen renommierten Philosophen nach Münster einladen und für ein dreitägiges Kolloquium gewinnen zu können, wäre ohne die Mithilfe zahlreicher Personen und Institutionen nicht möglich gewesen. Zunächst sind hier die studentischen Beiträger:innen zu nennen: Bei der Veranstaltung wie auch im Vorbereitungsseminar haben die Studierenden mit ihrem Engagement und ihrer Wissbegierde unter Beweis gestellt, dass sie sich mit dem umfangreichen Werk Gethmanns auseinandersetzen und dieses kritisch bearbeiten wollen. Nicht zuletzt ihretwegen waren das Seminar und die Veranstaltung auch für uns ein Beispiel gelingenden akademischen Philosophierens im Lehr- und Lernkontext, das wir äußerst positiv in Erinnerung behalten. Für die Teilnahme und ihr Engagement wollen wir den Studierenden der 25. Münsterschen Vorlesung unseren Dank aussprechen. Dem Philosophischen Seminar der Universität Münster, insbesondere dem für das Format der Münsterschen Vorlesung zuständigen Mittelbau, dem Geschäftsführenden Direktor Professor Oliver R. Scholz sowie der Geschäftsführerin Dr. Sibille Mischer sei ausdrücklich für die umfangreiche organisatorische Unterstützung gedankt. Besonderer Dank gilt außerdem Tanja Uekötter, Claudia Güstrau, Sigrun Fels, Andrea Ebbers und Sandra Bertels für die umfassende Unterstützung in verschiedenen Belangen der Veranstaltung. Auch den Kolleg:innen und Studierenden des Faches Philosophie möchten wir für wichtige Hinweise, praktische Unterstützung und ihre Teilnahme an den Veranstaltungen danken. Die studentischen Hilfskräfte Hilal Balci, Miriam Feldmann, Pia Jauch, Fenja Marie Steinmann und Christoph Tiemann haben das dreitägige Kolloquium tatkräftig unterstützt und für einen reibungslosen Ablauf gesorgt. Stephan Kopsieker, Catharina Krallmann und Melina Temme vom Brill-Verlag sei für die ausgezeichnete Betreuung während der Planung und Erstellung dieses Bandes gedankt, Sophie Kuhnekath für ihre Hilfe bei der Sichtung der Druckfahnen. Zu guter Letzt gebührt unserem diesjährigen Gast Carl Friedrich Gethmann ein besonderer Dank – für seine Bereitschaft, an der 25. Münsterschen Vorlesung mitzuwirken und diese durch sein Engagement, seine Freude am Diskurs und seine zugänglichen Ausführungen und Erläuterungen zu einem besonderen Ereignis werden zu lassen, das – so hoffen wir – allen Beteiligten wertvolle Erkenntnisse nicht nur inhaltlicher Art, sondern auch darüber liefern konnte, was es heißt, gemeinsam zu philosophieren.
Münster im August 2024
Anna Kahmen, Nicolas Koj