Tagebücher aus dem Episkopat Lorenz Kardinal Jaegers sind nicht überliefert. Doch im Verzeichnis zu seinem Nachlass fällt die Rubrik „Terminkalender“ ins Auge. Diese lassen vermuten, dass aus ihnen der Alltag eines Bischofs, seine Verantwortung und sein Zeitmanagement zu rekonstruieren sind. In verschiedenen Beiträgen zum Leben und Wirken Lorenz Jaegers fielen immer wieder seine vielfältigen Belastungen und besonders sein seelsorgliches Engagement für Firmreisen im Erzbistum auf. Ebenso wissen wir um seine Teilnahme an den Sitzungsperioden des II. Vatikanischen Konzils, seine Teilnahme an den Versammlungen der Fuldaer Bischofskonferenz, um Visitationen von Ordensgemeinschaften und andere mit seinem Weiheamt verbundenen Verpflichtungen. Es sieht fast so aus, als könnte man aus den bisher gewonnenen Erkenntnissen und Ergebnissen der Forschungsbeiträge im Lorenz-Jaeger-Projekt die Terminkalender des Erzbischofs ohne große Schwierigkeiten rekonstruieren. In diesem Beitrag wird der Versuch unternommen, sich der Person Lorenz Jaegers über seine Terminkalender zu nähern. Neben dem Alltag des Bischofs ist von Interesse, ob dieser neben seinen amtlichen Verpflichtungen auch ein Privatleben hatte. Unter Privatleben verstehe ich Aktivitäten außerhalb des Amtes, also die Begegnung mit Freunden und der Familie sowie Auszeiten, wie zum Beispiel Urlaub.
1. Terminkalender in ihrer Funktion als historische Quelle
Archivisch betrachtet gehören Terminkalender zur Quellengattung der Amtsbücher, so sie in Lagen gebunden sind1. Dies trifft für die von Lorenz Jaeger verwendeten vorgedruckten Kalenderbücher durchweg zu. Die Funktion von Kalendern ist das tägliche Gedenken und Erinnern sowie die Organisation von beruflichen und privaten Terminen, die im Blick behalten werden müssen. In der Regel werden die Eintragungen in Stichworten vorgenommen. Wenn die Terminverwaltung organisiert und effektiv sein soll, darf nur ein Kalender geführt werden. Nur so bleibt gewährleistet, dass kein Termin untergeht oder sich wichtige Termine überschneiden. Ein Terminkalender ist ein Instrument zur Strukturierung und Planung der zur Verfügung stehenden Zeit. Er ist somit Spiegel von Aufgaben und Verpflichtungen.
Ein Terminkalender sollte auch dazu dienen, Stress zu vermeiden. Bei vielen Terminen, gerade die, die mit Reisetätigkeiten verbunden sind, sollte die notwendige Vor- und Nachbereitungszeit bzw. Reisezeit einkalkuliert werden. Für Jaeger, der viel mit dem Auto unterwegs war, mussten Geheimsekretär und Fahrer dafür sorgen. Die Erinnerungsfunktion an Termine, Ereignisse und Gedenktage wird in analog geführten Kalendern durch die vorausschauende Lektüre wahrgenommen. In analogen Kalendern kann man leicht vor- und zurückblättern, um die Übersicht zu behalten. Noch nicht fixe Termine werden meist mit Bleistift eingetragen, so dass sie ohne Probleme korrigiert werden können. Bei Jaeger wäre es auch möglich gewesen, die Kalender mit der schriftlichen Ablage zu verknüpfen. Dies war aber in seiner Büroorganisation nicht vorgesehen. In keinem Kalender gibt es Hinweise auf Akten bzw. Unterlagen, die man zu einem Termin mitgenommen oder zur Vorbereitung benötigt hätte. Die meist benutzen Buchkalender hätten auch schnelle Notizen erlaubt, so man sie bei der Hand gehabt hätte. Das geschah nur an ganz wenigen Stellen.
Nach einer allgemeinen Beschreibung der vorliegenden Terminkalender erfolgt deren Auswertung. Die Kalender wurden chronologisch durchgesehen. Bearbeitet wurden die Besonderheiten für jedes Jahr. Die Einträge wurden mit bekannten Ereignissen aus Jaegers Biographie abgeglichen, um die Qualität dieser Quelle beurteilen zu können.
2. Beschreibung der vorliegenden Kalender
Es sind für 26 Jahre insgesamt 48 Terminkalender von Lorenz Jaeger überliefert2. Der jüngste stammt aus dem Jahre 1936, also noch vor seiner Zeit als Bischof. Dann setzt die Überlieferung erst 1950 ein und reicht bis 1975. In diesen 25 Jahren gibt es für vier Jahre zwei (1950, 1966, 1968, 1973) und für zehn Jahre (1957, 1959, 1965, 1967, 1969, 1970, 1971, 1972, 1974, 1975) sogar drei Kalender. Die Doppel- und Dreifachführung von Kalendern offenbart an dieser Stelle schon ein Problem: Diese Kalender waren in der parallelen Führung nie deckungsgleich und kein Kalender war vollständig. Ein Kalender wurde mehr oder weniger intensiv von Lorenz Jaeger selbst geführt, der zweite spurenweise von Jaeger, aber überwiegend von seinem Geheimsekretär. Im dritten Kalender wurden von seiner Sekretärin – einer Ordensschwester, die den Schwestern der Christlichen Liebe (Mutterhaus Paderborn) angehörte3 – meist die für das Jahr schon feststehenden Termine eingetragen. Sie wurden nicht aktualisiert bzw. weitergeführt. Jaeger trug seine Notizen zum Teil in der graphischen Kurzschrift Stolze-Schrey ein. Diese diente Jaeger nur für seine eigenen Einträge, da seine Mitarbeitenden die Kurzschrift offensichtlich nicht beherrschten. In den letzten Amtsjahren verzichtete auch Jaeger darauf. Im Rahmen dieser Untersuchung wurden die Stenogramme nicht aufgelöst4. Bei den Kalendern handelt es sich durchweg um in Lagen gebundene Bücher. Die Mehrzahl waren Werbegeschenke von Firmen. Ab und an wurde auch der sogenannte „Kleruskalender“ („Taschenkalender mit kirchlich-statistischem Jahrbuch für den katholischen Klerus“) benutzt. Alle Kalender hatten Anhänge mit Maßen, Zahlen und Gewichten, Freiraum für Adressen und Telefonnummern etc. Der „Kleruskalender“ bot noch Raum und Tabellen für eigene statistische Eintragungen, die aber nie genutzt wurden. In fast allen Kalenderserien wurden zu Jahresbeginn die regelmäßigen und bereits feststehenden Termine und Feste eingetragen: Der 10. August als Namenstag – das Fest des heiligen Laurentius – wurde immer markiert, ebenso der Jahrestag der Bischofsweihe, der 19. Oktober 1941, Bischofskonferenzen, Pontifikalämter im Dom, das Schützenfest am 2. Sonntag im Juli, das Liborifest, die Teilnahme an den Treffen des „Jaeger-Stählin-Kreises“, Katholikentage und die Eröffnung der Theologischen Akademie Paderborn im Oktober. Hinzu kamen bis 1958 Geburtstag und Namenstag seiner Mutter Anna Liberta Jaeger geb. Enke (1864–1958)5. Jaeger nahm auch an allen zwölf Katholikentagen seiner Amtszeit zwischen 1948 und 1970 teil6. Warum für einige Jahre Kalender fehlen, ließ sich aus der Überlieferung nicht nachvollziehen.
3. Die Jaegerschen Terminkalender in chronologischer Auswertung
3.1 Das Jahr 19367
Der ledergebundene Kalender mit Goldschnitt ist ein Werbeprodukt der Bielefelder Sackfabrik GmbH. 1936 war Jaeger noch Gymnasiallehrer. Der Kalender ist vollständig in Jaegers Handschrift geführt. Stenografische Notizen wechseln sich ab mit ausgeschriebenen Hinweisen. In der ersten Januarwoche steht zunächst „Erlaubnis vom OP [Oberpräsidenten der Provinz Westfalen; d. Verf.]“, darunter „Gutachtertätigkeit für neue Lehrbücher? – […] Bis wann Einreichung des Manuskripts?“. Wenig später: „Druck und Binden. Anfang Februar, Manuskript […].“ – „Portoerstattung (20 Mk) pro Heft“, dann vier nicht weiter zu identifizierende Namen: „Störmann, Clever, Rosseler, Woellgens“, „BMV Essen [Schule bzw. Kloster der Augustinerchorfrauen in Essen; d. Verf.]“, „Bonn/Koblenzer Str. 19 (Coll. Albertinum); A.T. Cremer Köln-Lindenthal, Kerpener Str. 65, NT. D. Dogm. + Phil.“ Die nicht taggenau, sondern einfach fortlaufend eingetragenen Notizen enden schon Mitte Februar. Der Rest des Kalendariums ist leer.
Der Kalender wurde nur als Notizbuch benutzt und nicht chronologisch geführt. Die Eintragungen wurden in Bleistift und Tinte durchgeführt. Jaeger, der zu dieser Zeit noch Studienrat war, hatte sich erst am 16. Oktober 1936 als Gutachter für die Prüfung von Religionslehrern zur Verfügung gestellt8. Im März 1936 war Jaeger zum Diözesanreferenten des Verbandes der katholischen Religionslehrer an höheren Schulen im Erzbistum Paderborn ernannt worden. In dieser Funktion erarbeitete er Vorschläge für die Zusammenfassung der katholischen Religionslehrer in Arbeitsgemeinschaften, die der Umsetzung der im Januar 1936 von der Fuldaer Bischofskonferenz formulierten Grundsätze für den Religionsunterricht dienlich sein sollten9. Als Leutnant der Reserve hielt Jaeger immer den Kontakt zu seinen Offizierskollegen aus dem Ersten Weltkrieg. Nach der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht im März 1935 wurde er im September 1936 Wehrpflichtiger der Reserve und gehörte der Landwehr I an (Wehrbezirkskommando Dortmund I)10. Auf diese Verpflichtung beziehen sich wohl – bis auf Namen und Orte sind die Notizen im Stenogramm geschrieben – die in den Kalender von hinten, also gegenläufig auf leeren Seiten eingetragenen Notizen. Genannt wird „Heerespfarrer Wittgens“, „P. Viktor“, „Kalthoff“, „P. Ketter – Bochum, Propstei“, „P. Zimmermann & Propst“. Dazu die Orte Herne, Wanne-Eickel, Recklinghausen, Holsterhausen. Dann folgt ein Eintrag „Gelsenkirchen 8./12. 44 Propstei“. Hier wird deutlich, dass alle hinteren Einträge nicht aus dem Kalenderjahr 1936, sondern schon aus seiner Zeit als Erzbischof stammen, also der Kalender als Notizbuch wieder- bzw. weiterverwendet wurde. Dann finden sich Einträge wie „Brandenburg, Erzpriester Jochmann“ und „Oberin des Marienkrankenhauses in Brandenburg“, „Pfarrer i.R. [Hugo] Taepper [1880–1943, Pfarrer an St. Andreas und Dechant in Köln; d. Verf.]“11, „Oberin der Cellitinnen Düren“. Oder eine Notiz „Pius X, 1907, 1909 … AAS [Acta Apostolicae Sedis; d. Verf.]“. Ein inhaltlicher Zusammenhang ließ sich aus diesen überwiegend stenographisch geführten Notizen nicht herstellen. Die Personen lassen sich zum Teil entschlüsseln: Franz Wittgens (1897–1968) war Soldat im Ersten Weltkrieg, wurde 1924 zum Priester geweiht und war ab 1937 kommissarischer Heerespfarrer in Bielefeld, ab 1938 bei der 6. Infanteriedivision und wurde nach einem Dienststrafverfahren 1939 amtsenthoben. Ab Januar 1951 war er als Seelsorger in Dortmund tätig12. Erzpriester Albrecht Jochmann (1891–1960) war seit 1937 Pfarrer der Katholischen Kirchengemeinde Heilige Dreifaltigkeit Brandenburg an der Havel13.
3.2 Das Jahr 1950
Mit dem Jahr 1950 beginnt die chronologische Überlieferung der Kalender. Für 1950 wurden zwei Kalender geführt14. Ein „Taschenkalender mit kirchlich-statistischem Jahrbuch für den katholischen Klerus 1950“ (65. Jahrgang) und als zweiter Kalender ein „WEJU Geschäftstagebuch 1950“ der Firma Wilhelm Eilers jr. (Junior), einer Bielefelder Fabrik für Kalender und Werbegaben. Nur in einem Kalender befinden sich zu Jahresbeginn Einträge von der Hand Jaegers, dann werden Termine eingetragen, die Jaeger zugesagt hat, zum Beispiel am 13. September 1950: „Tagung des Fürsorgevereins. Erscheinen an einem [Unterstreichung im Original; d. Verf.] Tag, wenn eben möglich, zugesagt.“ Solche Eintragungen fanden sich auch in Jaegers Korrespondenz mit den Ordensleuten seiner Diözese. Bei mehrtägigen Kapiteln und Oberinnentreffen sagte er oft das Kommen für einen Tag zu15. Am 15. September 1950 ist vermerkt: „Abfahrt nach Sachsen“. Jaeger nahm am 17. September an einem 100-jährigen Jubiläum mit Pontifikalamt in Torgau teil, um dann am Montag mit der Firmung im Dekanat Torgau zu beginnen. Dieser Kalender wurde vermutlich von einer der Schwestern in seinem Sekretariat geführt und blieb in Paderborn. In den von Jaeger selbst auf den ersten Januarseiten gemachten Notizen formulierte er neun Punkte, die er wohl in 1950 angehen wollte: 1.) Wiederaufbau der Akademie (Gelände- und Gebäudetausch mit dem Gymnasium, Mittelbeschaffung, Studienfonds und Haus Bürenscher Fonds, Promotionsrecht), 2.) Lippe-Detmold (Schulfrage und Personalfragen, Detmolder Eheberatung), 3.) Gymnasium Dortmund, 4.) Anstellung der Flüchtlingsgeistlichen als Pfarrer, 5.) Hilfsschulen konfessionell? Ja!, 6.) Neue Satzung für Stift Kappel, 7.) Domorgel, 8.) Stelle für evangelischen Pfarrer Dr. Scheuer [?]16, 9.) Michaelskloster 50.000 DM Bauhilfe oder Zinsenübernahme. Eine solche programmatische Zusammenstellung fand sich nur in diesem Kalender.
An Alltagsterminen sind notiert die Teilnahme an goldenen Priesterjubiläen, die Teilnahme an Einkleidungs- und Professfeiern von Ordensgemeinschaften, die Einweihung von Häusern und Brücken, Priesterweihen, Teilnahme an verschiedenen Konferenzen, an Wallfahrten wie zum Beispiel nach Werl, am Klein-Libori-Fest (22. Oktober 1950) sowie ein Besuch seines Bruders Prof. Dr. Felix Jaeger (1896–1968). Auch an diesem Besuchstag, einem Sonntag, mit Pontifikalamt im Dom, ging es um 15.30 Uhr schon auf nach Hamm zu einem Empfang, wo am 23. Oktober die Firmung begann. Am 19. Dezember 1950 fand ein Termin statt, der mit den ersten Eintragungen Jaegers vom Januar her korrespondierte: „13 Uhr in Düsseldorf Theresienhospital, Besprechung schwelender Fragen mit Frau Kultusminister Teusch“. Hierbei dürfte es um die Verabschiedung des ersten Landesschulgesetzes in NRW gegangen sein sowie um den sich anbahnenden Schulstreit in Lippe, der zu den Aufgabengebieten von Kultusministerin Christine Teusch gehörte17. Ebenso um Hilfen für den Wiederaufbau der Theologischen Akademie in Paderborn. Jaeger bat 1951 die NRW-Kultusministerin um Mittel zum Bau eines Internates in Bielefeld für die aus Breslau vertriebenen Ursulinen18. Der zweite Kalender wurde von zwei verschiedenen Händen geführt und dieser wurde auch mit statistischen Notizen versehen, so zum Beispiel mit der Anzahl der Firmlinge in den Pfarreien eines Dekanats. Für diese Eintragungen wurde der Adressteil zweckentfremdet. Einige wenige Telefonnummern von Klöstern und Pfarreien wurden darin ebenfalls eingetragen. Beide Kalender aus dem Jahre 1950 stimmen in den Eintragungen nicht überein, was auch für die anderen Jahre mit Doppel- und Dreifachkalendern gilt. Gerade das Jahr 1950 – die Jahre von 1949 bis 1965 werden ja als Jaegers produktivste Zeit als Bischof angesehen – macht deutlich, dass die Kalender keine erstrangige Quelle für Jaegers Aktivitäten sind. In beiden Kalendern von 1950 ist seine im Januar 1950 durchgeführte zweiwöchige Englandreise überhaupt nicht erwähnt. Unter anderem um finanzielle Unterstützung für das Erzbistum einzuwerben, besuchte Jaeger London, Birmingham, Stratford und Nottingham19.
Dieser zweite Kalender nennt allerdings ab Mai in einem Jahresüberblicksteil die anderen Reisen Jaegers. Bis Mai sind auch im ersten Kalender keine größeren Abwesenheiten eingetragen. Hier ein Auszug aus Jaegers Terminen für 1950, in dem die Firmreisen besonders gekennzeichnet wurden:
Diese Terminübersicht scheint allerdings nachträglich erstellt. Zum einen fängt sie erst im Mai an und wie erklärt sich sonst der Eintrag einer Beerdigung an einem Tag, an dem die Person noch nicht gestorben war? Am 23. Juni ist „Beerdigung Rasche“ eingetragen. Es handelt sich um den Paderborner Regens und Domkapitular Bernhard Rasche (1866–1950), der am 19. Juli 1950 starb und am 23. Juli 1950 beigesetzt wurde21. In diesem Jahr waren fünf Firmreisen von insgesamt 55 Tagen angesetzt. Das heißt, Jaeger befand sich gut 1,5 Monate im Jahr auf Firmreise. Die Arbeitsbelastung von Jaeger nahm schon ab 1949 merklich zu. In diesem Jahr war er mit 177 Reisetagen mehr als die Hälfte des Jahres unterwegs, was aus einer Aufstellung seiner Reisetage hervorgeht, die für dieses Jahr überliefert ist.22 Während seiner Anwesenheit in Paderborn sind im zweiten Kalender zum Teil Besprechungstermine mit Priestern, Ordensleuten, Lehrern, Vorsitzenden und Vertretern von Vereinen etc. eingetragen. Nicht alle Personen lassen sich identifizieren. Ein Beispiel für zwei Tage im Juli 1950:
In den Kalendern sind weitere persönliche Termine mit Ordensleuten eingetragen, mit denen Jager auch korrespondierte, so mit dem Franziskaner P. Rainulf Schmücker OFM (1908–1995)29. Schmücker war Leiter des Katholischen Rundfunkinstituts und Schriftleiter der FUNK-Korrespondenz und Sr. Rolandis Heil aus Salzkotten30, mit der Jaeger auch rege korrespondierte31, oder dem Provinzialminister der Franziskaner P. Dietmar Westemeyer OFM aus Dortmund32, mit Oberinnen usw. Bei den persönlichen Terminen ist allerdings unklar, ob diese vor Ort im bischöflichen Haus stattfanden oder ob Jaeger auch Telefontermine wahrgenommen hat. In späteren Kalendern sind Termine oft im Viertelstundentakt angegeben, was auf Telefontermine schließen lässt.
3.3 Das Jahr 195233
Termine wiederholten sich: Visitationen bei Ordensgemeinschaften, Priesterkonferenzen, Firmungen, Oberinnenkonferenzen und Einkleidungen von Ordensleuten. Besonders war die Bischofsweihe von Friedrich Maria Rintelen (1899–1988) in Magdeburg am 24. Januar 1952. Für 1952 gibt es nur einen, nicht von Jaeger geführten Kalender. Darin ist auch vermerkt, dass Jaeger vom 2. April bis 9. April 1952, also in der österlichen Bußzeit bis Gründonnerstag (10. April) erkrankt war. Alle Termine wurden abgesagt. In diesem Kalender ist vom 25. August bis 13. September 1952 ein „F“ für Ferien vermerkt. Wo der Bischof sich aufhielt, steht nicht dabei. In diesem Kalender gibt es einen handschriftlich hinzugefügten Statistikteil für die Firmungen:
Wie 1950 sind hier wieder fünf größere Firmreisen eingetragen. Im Abspann dieses Kalenders wurden schon Termine für 1953 vornotiert. Als eine Aufgabe wurde genannt: „Diözesanmuseum ordnen“. Jaeger hatte 1949 das im Archivraum des Generalvikariates befindliche Diözesanmuseum wiedereingerichtet und 1950 war der romanische Kapitelsaal hinzugenommen worden. Das Metropolitankapitel fasste 1967 den Entschluss für einen Neubau.34
3.4 Das Jahr 195335
1953 wurden von Jaegers Hand im vorderen Teil im alphabethischen Verzeichnis Namen und Telefonnummern überwiegend von Bischöfen und Prälaten bzw. Generalvikariaten eingetragen. Einziger privater Eintrag: „Jaeger, Prof. Dr. Felix, Ludwigshafen am Rhein 62236“. Jaegers Bruder, der habilitierte Chirurg Felix Jaeger, war von 1943 bis 1962 Chefarzt am Städtischen Krankenhaus in Ludwigshafen, von 1948 bis 1966 Direktor dieses Krankenhauses und von 1946 bis zu seinem Tode 1968 nicht beamteter außerordentlicher Professor an der Medizinischen Fakultät der Universität Mainz.36
Vom 22. August bis 20. September war wiederum ein „F“ für Ferien vermerkt, doch ab dem 8. September wurden wieder reguläre Termine eingetragen. Ein privater Termin findet sich unter dem 6. bis 8. April 1953, und zwar die Wiedersehensfeier der Abiturienten in Wipperfürth. Es war die 40-jährige Wiederkehr des Abiturs37. Vom 9. bis zum 24. April 1953 ging es nach Rom. In diesem Kalender sind römische Termine genannt, so am Samstag, 18. April 1953, um 11.00 Uhr eine Audienz beim Hl. Vater Pius XII. und am Sonntag, 19. April, stand ein Besuch im Franziskanerkloster Castel San Elia an, welches zur Sächsischen Franziskanerprovinz vom Heiligen Kreuz gehörte. Jaeger hatte einen engen Kontakt zum dortigen Guardian P. Ambrosius Eickler38. Am 11. Mai ist über dem Formulareintrag im Kalender notiert: „Geburtstag der Mutter“. Für den 26. Juli 1953 waren um 16.30 Uhr zwei Einzelfirmungen in der Hauskapelle vorgesehen: „Frl. Dr. Runge, Bielefeld und stud. theol. [Gerhard; d. Verf.] Krah, Leokonvikt“.
3.5 Das Jahr 195439
Dieser Kalender ist ein Wochenvormerkkalender und fällt damit aus dem Rahmen. Hier ist die Zeit der Sommerferien notiert, die 1954 in NRW vom 30. Juli bis zum 8. September dauerten. Jaegers Urlaubszeiten sind in der Regel daran orientiert. In diesem Jahr fielen seine Ferien allerdings auf die Zeit vom 26. September bis zum 12. Oktober.
1954 sind auf dem ersten Blatt für das Frühjahr 15 Kirchen- bzw. Altarkonsekrationen aufgeschrieben. Für den 10. Februar ist ein Fotografentermin eingetragen. Vom 14. bis 21. Mai 1954 stand eine Fahrt nach Lourdes auf dem Programm. Die Lourdes-Pilgerfahrt des Erzbistums Paderborn, an der Jaeger ebenfalls teilnahm, fand vom 20. bis 26. Juni 1958 statt40. Jaegers Teilnahme lässt sich nicht kalendarisch überprüfen, weil für 1958 kein Kalender überliefert ist.
3.6 Das Jahr 195541
Am 26. Februar 1955 um 11.30 Uhr stand Besuch aus Detmold auf dem Programm: P. Cyprian Mayr OSB (1907–1992), der Gründer des Säkularinstituts St. Bonifatius, einer missionsbenediktinischen Gemeinschaft auf dem Kupferberg in Detmold42 und Dechant Augustinus Reineke (1908–2001, 1949–1971 Dechant)43, der aus der Jugend- und Pfarreiarbeit des Erzbistums nicht wegzudenken ist. Diese beiden tauchten schon in anderen Kalendern auf, allerdings immer mit Einzelterminen. Für den 9. Mai 1955 um 9.00 Uhr war Ministerpräsident Karl Arnold notiert. Bei diesem Gespräch ging es sicherlich um den Anteil Paderborns am neu zu gründeten Bistum Essen. Jaeger stand hierzu seit März 1954 im Austausch mit dem Ministerpräsidenten44. Zum Schluss wurden statistisch alle Konsekrationen mit Datum und die Anzahl der Firmlinge aufgenommen.
3.7 Das Jahr 195645
Sein Namenstag, der Geburtstag der Mutter und der Namenstag der Mutter am 26. Juli sind fast regelmäßig in alle Kalender eingetragen. Die Ferien waren vom 6. bis 29. September 1956.
3.8 Das Jahr 1957
Für das Jahr 1957 gab es gleich drei Terminkalender46. Im ersten Kalender sind von einer Hand (Schwester im Sekretariat) die offiziellen Termine Jaegers eingetragen. So für den 18. und 19. Januar 1975 „Eröffnung d. Konfessionskundlichen Instituts“. Dieser Kalender war wohl für das ganze Jahr „vorausgefüllt“ und wurde nicht weiter aktualisiert. Im zweiten Kalender stehen nur die aktualisierten öffentlichen Termine.
Der dritte Kalender wurde von Lorenz Jaeger selbst geführt, in Kurz- und Langschrift. Er hat, wenn man ihn mit den anderen vergleicht, fast eine Art Tagebuchcharakter, da es für die meisten Tage einen Eintrag gibt. Aber auch dieser Kalender weist Lücken auf. So wurde von Jaeger am 19. Januar 1957 das „Institut für Konfessions- und Diasporakunde“ gegründet (ab 1966 Institut für Ökumenik)47, doch die Einträge im Kalender beginnen erst im Februar. Die Tage 15. bis 21. Januar fehlen als Seiten in diesem Kalender!
Im anderen Kalender steht unter dem 18. Januar „nicht zelebriert“. Daraus kann man schließen, dass Jaeger sonst täglich die Messe gefeiert hat. Bei vielen Tagen ist eine Messe um 6.00 Uhr morgens angegeben. Manchmal wird 5.00 Uhr Aufstehen vermerkt. Für samstags ist in der Regel um 16.00 Uhr „Hl. Beichte“ vermerkt. Dieser Kalender ist ein typisches Beispiel dafür, dass zu Jahresbeginn gute Vorsätze gefasst wurden, den Tagesablauf zu erfassen, diese aber nicht durchgehalten wurden. Regelmäßige Termine, wie die tägliche Feier der Hl. Messe, fanden weiter keine Erwähnung, weil sie selbstverständlich in den Alltag integriert waren.
Am 18. und 19. März (Fest des hl. Joseph) sind ein paar Kritzeleien eingetragen (Köpfe). Hier scheint eine Sitzung oder eine Besprechung ein wenig langweilig gewesen zu sein.



Eine Seite aus Jaegers Terminkalender mit seinen Kritzeleien (Foto: G. Fleckenstein)
Dies ist ein seltenes Zeugnis dafür, dass der Kalender mitgenommen wurde. Eingetragen ist eine Notiz zu Kolping und Hinweise auf einen Missionsfilm. An diesem Tag war der Bischof bei einer Tagung in Braunshardt, die vom 18. bis 20. März 1957 dauerte. In Braunshardt war das Immaculatahaus der Karitasschwestern, dort traf sich der Braunshardter Kreis, geleitet von Rudolf Goethe (1880–1965), der Jaeger regelmäßig zu diesen Treffen einlud. Rudolf Goethe war im Alter von 70 Jahren aus dem evangelischen Pfarramt ausgeschieden. 1950 konvertierte er zusammen mit seiner Frau und war 1951 zum katholischen Priester geweiht worden48.
3.9 Das Jahr 1959
Kalender für das Jahr 1958 fehlen komplett. Für 1959 gibt es wieder drei Kalender49. 1959 war Jaeger mehrmals in Berlin. So ab dem Weißen Sonntag, 5. bis 10. April 1959. Die Daten lassen sich aber nur durch die Kombination der drei Kalender herausfinden. Im April war er bei einer Seelsorgekonferenz. Der Anlass geht nur aus dem dritten Kalender hervor. In den beiden anderen Kalendern steht nur der Eintrag „Berlin“. Am 11. Juni 1959 war die Konsekration von Bischof Dr. Alfred Bengsch (1921–1979) in Berlin. Gleichzeitig war aber im zweiten Kalender vom 7. bis 16. Juni Firmung in Lichtenau eingetragen. Aus dem dritten Kalender geht hervor, dass Jaeger bei der Firmung war. Vom 11. bis 15. November 1959 ist Dechantenkonferenz in Berlin eingetragen und eine Begegnung mit den Priesteralumnen in Berlin am 14. und 15. November. Diese Reise findet sich in allen drei Kalendern.
Der dritte Kalender enthält zum Teil durch Jaegers Handschrift ergänzte Termine. Die offiziellen Termine waren, wie im zweiten Kalender, von anderer Hand eingetragen. Sonntags finden sich manchmal private Termine, wie am 12. April 1959 „17 ½ Familie Enke“. Der Urlaub fand in diesem Jahr vom 22. Februar bis zum 7. März statt.
3.10 Das Jahr 1960
Diesem Kalender – es gibt nur einen für das Jahr 196050 – ist in Maschinenschrift ein „Gebet der Freude!“ beigelegt. In diesem Kalender sind einige offizielle Termine voreingetragen. Andere Termine wurden sehr sporadisch von Jaegers Hand ergänzt. An einigen Stellen finden sich auch ergänzte tagesaktuelle Einträge von „Zwischenbesuchen“, die Jaeger machte. So ist für Montag, den 4. Januar 1960 eingetragen: „Religionslehrer an Berufsschulen, Dortm[und] Kolpinghaus. Ganztägig“ und später ergänzt „Besuch in der Mittagspause bei den Schönstatt-Priestern der Erzdiözese im Pfarrhaus von St. Joseph-Dortmund“51. Oder für den 5. und 6. Januar 1960 ist eingetragen „Arbeitstagung: höhere Fachschulen Thomas Morus-Akademie, Bensberg. 18.00 Anreise: In meiner Vertretung ist Assessor Dr. [Josef] Droste52 hingefahren“. Die Vertretung wurde von Jaeger handschriftlich ergänzt. Dieser Eintrag zeigt, dass aus den Kalendern nicht immer hervorgeht, ob Jaeger die Termine auch selbst wahrgenommen hat. Solche „Zwischentermine“ bzw. die Kombination von Terminen nahm Jaeger regelmäßig wahr. Er besuchte oft Priester und Ordensleute. Diese Gespräche bedeuteten ihm sehr viel, hatte er doch so das Ohr an der Basis53. Vom 15. bis 18. Februar 1960 standen Exerzitien im Benediktinerkloster Gerleve auf dem Programm. Vom 21. bis 27. Februar 1960 war Jaeger in Ludwigshafen am Rhein. Sein Bruder Felix wohnte und arbeitete dort. Am 2. Mai ist vermerkt „Trauung Ludwigshafen“. Wahrscheinlich hatte Nichte oder Neffe geheiratet. Am 3. Mai wurde notiert „Salzkotten Mutterhaus Pontifikalamt zum 100-jähr. Jubiläum“54. Im Anschluss vom 4. bis 16. Mai 1960 Firmung in Detmold. Es wurden noch andere Termine, wie beispielsweise abends zu einer Journalistentagung nach Hardehausen, vermerkt. Vom 5. bis 8. April 1960 war ein Besuch in Heidelberg eingetragen. Bei einigen Terminen mit Besuchern steht auch dahinter „telefonisch erledigt“. Dies bestätigt den oben gewonnenen Eindruck, dass für kurz aufeinanderfolgende Termine das Telefon benutzt wurde.
3.11 Das Jahr 1961
Im einzigen Kalender von 196155 gibt es wenige Eintragungen, die von Jaegers Hand ergänzt wurden. Besucher, wie am 30. Januar: „10.15 Uhr Heitkamp, Vanistendal [sic!], 11.00 Uhr P. [Paschasius] Rettler56 O.F.M. z. Z. Castrop-R., 15.30 K.V. Steinheim“ und am nächsten Tag 31. Januar 17.00 Uhr „Einweihung der Badeanstalt des Leokonviktes“57. Die Konferenz der „Diözesanreferenten“ wurde gestrichen. Die Besucher waren Willi Heitkamp (1903–1988), der Diözesansekretär der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) des Erzbistums Paderborn und August Vanistendael (1917–2003), der Generalsekretär des Internationalen Bundes Christlicher Gewerkschaften. Ziel der beiden war, mit Unterstützung des Paderborner Prälaten Caspar Schulte (1899–1980), die Gründung eines Entwicklungswerkes „Weltnotwerk der Arbeiterschaft“58. Diese Angabe wäre erstmals ein Mehrwert aus den Terminkalendern. Allerdings gibt es dazu keine weiteren Akten im Nachlass. Der Termin gehört zu den Voreintragungen, der von den Schwestern des Sekretariates getätigt wurde. Es ist anzunehmen, dass dieser Termin nie stattgefunden hat. Auch die fehlerhafte Namensschreibweise von August Vanistendael wurde nicht berichtigt.
3.12 Das Jahr 1962
In diesem Kalender für 1962 stehen nur voreingetragene offizielle Termine59, wie zum Beispiel 22. bis 26. August Katholikentag (der 79. Deutsche Katholikentag fand in Hannover statt). Am 23. August ist um 19.15 Uhr eingetragen „Niels-Stensen-Feier im Opernhaus“, eine Veranstaltung, die im Rahmen des Katholikentages stattfand.
3.13 Das Jahr 1963
Dieser Kalender für 196360 enthält nur sporadische Eintragungen von Besuchern und offiziellen Terminen. Von der Hand Jaegers wurden Termine hinzugefügt, so zum Beispiel Mittwoch, 20. März: „15 Uhr Besuch bei der schwer erkrankten Sr. Erentrud in Wiedenbrück, Altersheim, 20 Uhr Geistl. Gespräch mit Priester-Exerzitanten im Priester-Seminar.“ Oder ein privater Termin am Sonntag, 1. Juni 1963: „Besuch von Felix + Josefine (bis 4.6. vormittags)“. Am Sonntag, 2. Juni ist zu finden: „Besuch von Anni + Monika (bis 4. 6. vormittags)“. Hier waren, wie es oft in der Familie vorkam, sein Bruder und seine Frau sowie seine Schwester Anni (Anna) Stolze, die in Altenburg in Thüringen lebte mit ihrer Tochter Monika, also die Nichte Jaegers, zu Besuch61.
Als besonderes Ereignis wurde am Montag, 3. Juni 1963 eingetragen: „Todestag des Papstes Johannes XXIII“. 1963 war für Jaeger – laut Ausweis der von Detlef Grothmann und Dina van Faassen erstellten biographischen Skizze – ein besonders stressiges Jahr mit vielen Terminen und Terminüberschneidungen. Jaeger sollte auf Wunsch des Ministers für gesamtdeutsche Fragen, Dr. Rainer Barzel, an der Einweihung von Regina Martyrum in Berlin-Plötzensee (Gedenkkirche der deutschen Katholiken für die Opfer des Nationalsozialismus) teilnehmen, was er absagte, da er sich beim besten Willen nicht dreiteilen könne. Er schickte einen Weihbischof. Anfang Mai musste Jaeger gegen seinen Willen in Konstanz eine Investitur des Ritterordens vom Hl. Grabe vornehmen. Er hatte die Teilnahme bereits aufgrund von Verpflichtungen in seiner eigenen Diözese abgesagt, wurde aber von Rom zur Teilnahme angewiesen. Jaeger schrieb im April 1963 an Prälat Wilhelm Wissing, den Leiter des Katholischen Büros in Bonn: „Man ist heute als Bischof ein gehetztes Wild und hat ständig zwei oder drei Verpflichtungen gleichzeitig wahrzunehmen“.62 Aus dem vorliegenden Kalender, es ist nur einer für dieses Jahr überliefert, geht dies nicht hervor, was wiederum zeigt, dass nie alle Termine eingetragen wurden.
3.14 Das Jahr 196463
Der einzig überlieferte Kalender für das Jahr 1964 enthält nur sehr sporadische Eintragungen und überwiegend leere Blätter. Vom 10. bis 28. August 1964 war Jaeger wohl zum Urlaub in Bad Pyrmont, wie aus den knappen Notizen hervorgeht. Es ist nur Abreise und Wiederkehr eingetragen.
3.15 Das Jahr 196564
Das Jahr 1965 brachte für den Paderborner Oberhirten die Ernennung zum Kardinal der römisch-katholischen Kirche. Zu Jahresbeginn war man in den ersten Terminkalender noch eintragefreudiger. Der erste Kalender für 1965 enthält viele Einträge von der Hand Jaegers, so auch von den wichtigen Ereignissen am Montag, 25. Januar 196565:
12 h Bekanntgabe durch telefon. Anruf von KNA [Katholische Nachrichten-Agentur; d. Verf.] u. über Rundfunk des für 22. Februar anberaumten Konsistoriums, in dem unter 27 Kandidaten auch der Erzb. von Paderborn ins Kardinalskollegium aufgenommen werden soll
15 h WDR u. Fernsehen für Kurzreportage zur Berufung erschienen
17 h H.H. Dr. Dittrich wegen Druck seiner Promotionsarbeit (Bitte um Druckkosten-Zuschuss)
Bei diesem Besuch handelt es sich um Jaegers ehemaligen Kaplan und Geheimsekretär (1954–1960) Hieronymus Dittrich (1925–2013), der in Würzburg zum Dr. theol. promoviert worden war. Von 1973 bis 2000 war Dittrich Domkapitular66. Im Jahr 1965 häuften sich Fernsehaufnahmen und Presseauftritte, so ist für Dienstag, 16. Februar 1965 eingetragen „Aufnahme für das italienische Fernsehen“. Auf diesen Tag war auch die eigentlich für den 19. Februar terminierte Vorstandssitzung des Mädchenschutzbundes vorverlegt worden, weil Jaeger am Freitag, den 19. Februar, um 12.30 Uhr von Düsseldorf über München nach Rom abflog. Für das Konsistorium ist nichts eingetragen. Das heißt, dieser Kalender ging nie mit auf Reisen. Ein zweiter kleinformatiger Taschenkalender der Dresdner Bank weist keine nennenswerten Einträge auf.
3.16 Das Jahr 196667
In diesem Kalender finden sich viele Eintragungen von Jaegers Hand mit den üblichen Terminen, besonders Firmungen, deren Zahlenwerte auf der hinteren Einbandinnenseite eigens vermerkt wurden. Für den 3. Oktober ist vermerkt „Düsseldorf: Empfang 20 Jahre NRW.“ Und am Abend um 17.00 Uhr im Marianum in Neuß (die Ausbildungsstätte des Erzbistums Köln für Theologen auf dem 2. Bildungsweg): „Dankandacht und Festakademie“. Für den 4. Oktober 1966, am Festtag des heiligen Franziskus, fand um 9.30 Uhr eine Altarkonsekration in einem Franziskaner-Kloster statt. In welchem wird nicht angegeben, dies ließe sich aber aus den Presseberichten im Nachlass ermitteln68. Zum 25-jährigen Bischofsjubiläums Jaegers ist um 16.00 Uhr ein Ständchen des Knabensemiars eingetragen. Der zweite Kalender enthält offizielle Termine mit Bearbeitungen und Streichungen. Hier ist das 25-jährige Bischofsjubiläum am Mittwoch, 19. Oktober, vermerkt mit Konzelebration der Bezirks-Dekane und anschließendem Festakt mit dem Klerus in den Paderhallen. Das festliche Pontifikalamt fand am darauffolgenden Sonntag, 23. Oktober 1966 statt. Am 25. Oktober, Dienstag, fand ein Festessen mit den ehemaligen Geheimsekretären bzw. Kaplänen statt. Im Kalender befindet sich ein von Schülerhand geschriebener Einlegezettel mit zwei Namen und Geburtsdaten mit dem Hinweis „England“: Ulrike Brandenburg, geb. 1954 und Claudia Schiller, geb. 1953. Claudia Schiller war die Großnichte Jaegers. Er bemühte sich im Mai und Juni 1966 für sie und ihre Freundin um eine Ferienunterkunft in England zur Verbesserung der Sprachkenntnisse69.
3.17 Das Jahr 1967
Im ersten von drei Kalendern70 befinden sich keine Eintragungen von Jaegers Hand. Lediglich Termine in Rom sowie die üblichen Feiern und Besucher. Der zweite Kalender sticht aus der Reihe aufgrund seines Einbandes hervor. In braunes genarbtes Leder gebunden und mit der Goldprägung „Lorenz Kardinal Jaeger“ versehen, wohl ein Geschenk für den Kardinal von der Firma „Hunke & Schröder“ Gesangbücher. Das Geschäftstagebuch wurde von Jaeger nur in den ersten Seiten für Protokollnotizen von Diözesanreferententreffen für ökumenische Fragen benutzt, allerdings mit der Datierung „4/X/71“ bzw. das Adressverzeichnis wurde mit Text überschrieben. Im Kalendarium gibt es keinerlei Eintragungen. Das heißt dieser Kardinal-Prägekalender fand erst 1971 eine Verwendung als Notizbuch. Im dritten Kalender für 1967 befinden sich wenige Eintragungen von offiziellen Terminen. An manchen Tagen gibt es gar keine Eintragungen, dafür liegen zum Teil maschinenschriftliche Zettel bei, die die Termine für einen Tag auflisteten. Diese befinden sich auch im ersten für dieses Jahr geführten Kalender. Dieser Wechsel zu einer effektiven Terminorganisation, die erstmals alle drei Kalender auf einem vierten Datenblatt zusammenführt, ist wohl dem neuen Kaplan- und Geheimsekretär Karl Heinrich Brinkmann (1938–2019) zu verdanken, der im Februar 1967 sein Amt angetreten hatte71. Die Zusatzblätter sind nur in wenigen Kalendern überliefert. Brinkmann war bis Juli 1973 Geheimsekretär.
3.18 Das Jahr 196872
Dieser Kalender für 1968 ist vorwiegend von Jaegers Hand regelmäßig geführt, aber nicht immer mit Aktivitätenangaben versehen. So sind bei Tagen zum Beispiel in der Urlaubszeit, an denen keine offiziellen Termine angenommen wurden nur Striche eingefügt. Für Samstag, 27. Januar 1968 ist eingetragen: „Heidelberg: Prof. Jaeger“. Sonst sind viele Einzelbesucher eingetragen, Termine von Wahlkapiteln bei Ordensgemeinschaften, die dem üblichen Arbeitsprogramm entsprechen. Am Sonntag, 21. April 1968 sagte Lorenz Jaeger alle Termine ab und reiste nach Heidelberg, wo am 22. April sein Bruder Felix Jaeger stirbt. Die Beisetzung findet am 25. April in Ludwigshafen (Limburgerhof) statt.73 Vom 27. Mai bis zum 1. Juni 1968 war Jaeger in Rom, er flog vom Flughafen Frankfurt a. M. ab. Der zweite Kalender enthält offizielle Termine mit Ergänzungen, aber nicht von Jaegers Hand.
3.19 Das Jahr 196974
Im ersten Kalender sind wenige Termine, aber nicht bis zum Jahresende eingetragen. Nur der zweite Kalender wurde aktuell geführt. Jaeger musste sich ab dem 14. Januar 1969 aufgrund seines Diabetes- und eines Gallenleidens für ca. zwei Wochen75 – dass von Grothmann und van Faassen zitierte ärztliche Bulletin spricht von vier Wochen – in ein Paderborner Krankenhaus begeben. Nur in diesem Kalender sind die Termine abgesagt bzw. ist vermerkt „Kardinal ins Krankenhaus“. Im dritten Kalender befinden sich wieder Zettel mit zusammengefassten Tagesterminen.
3.20 Das Jahr 197076
Im ersten Kalender ist am 22. Mai „Kommission II Königstein“ notiert. Es handelt sich um die Ökumene-Kommission der Bischofskonferenz. Eingetragen sind in diesen Kalender auch wieder alle Firmreisen für das Jahr. Oder vom 3. bis 13. November „Rom Einheitssekretariat“. Der zweite Kalender ist wieder ein geprägtes „Lorenz Kardinal Jaeger“ Buch. Neu im Repertoire der Eintragungen war am 22. Mai 1970 ein „Betriebsausflug. Weser“. Vielleicht ist damit ein Ausflug des Generalvikariates gemeint. Im von Jaeger geführten ersten Kalender steht an diesem Tag allerdings die Ökumene-Kommission auf dem Programm. Der dritte Kalender enthält die Voreintragung öffentlicher Termine mit Ergänzungen persönlicher Audienzen.
3.21 Das Jahr 197177
Im ersten Kalender sind keine besonderen Einträge. Der zweite, ein Kardinal-Prägekalender, wurde hier vom Geheimsekretär Karl Heinrich Brinkmann benutzt. Wer regelmäßig kam war Frau Güstchen Enke (eine Cousine Jaegers?) aus Hildesheim. Der Kardinal Jaeger hatte ihr zum 31. August 1971 zum 80. Geburtstag einen Gegenbesuch zugesagt. Der dritte Kalender enthält kaum Eintragungen. Nur Notizen Jaegers in Kurzschrift über die Personalsituation bei den Klarissen („2. Orden“), über den 10. bis 11. bzw. 14. August hinweg. Es sind Notizen von der Visitation und vom Wahlkapitel der Klarissen, deren Visitator er war78. Warum dafür ausgerechnet dieser Kalender benutzt wurde, bleibt unklar.
3.22 Das Jahr 197279
Ein schmaler Taschenmonatskalender, ein Werbegeschenk der Volksbank, wurde von Jaeger geführt. Er hat am 23. September nur notiert „80 J“. Einige Termine, auch sein Geburtstag, sind von anderer Hand eingetragen, wie die üblichen Termine Rom, Fuldaer Bischofskonferenz usw. Es finden sich, bis auf eine kleine Notiz auf der letzten Seite, keine Eintragungen in Kurzschrift. Vermutlich, weil der Kalender mitgelesen wurde. Es scheint der Leitkalender zu sein. Der zweite, wieder ein Kardinal-Prägekalender, enthält am 23. September den Eintrag „Card 80 J“ und „16–18 Uhr Empfang“. Sonst sind unter den Daten meist nur Orte eingetragen, aber keine Ereignisse, wie zum Beispiel Fulda, Rom und Wadersloh. Der dritte Kalender ist fast leer.
3.23 Das Jahr 197380
Für 1973 gibt es zunächst einen schmalen Monatskalender, ein Werbegeschenk der Darlehenskasse, in den Jaeger seinen Namen und seine Telefonnummer eingetragen hat. 1973 finden sich wie immer Eintragungen wie die Bischofskonferenz, Rom, Plenarkonferenz der Bischöfe in Honnef, Firmungen und Weihen. Vom 3. bis 7. Januar begann das Jahr 1973 mit der Vollversammlung der Synode in Würzburg. In diesem Jahr folgten mehrere Sitzungen der Synodenkommissionen. In dem Kalender steht nicht, ob Jaeger selbst da war oder sich von Weihbischof Johannes Joachim Degenhardt (1926–2002) vertreten ließ. Ein vorher offiziell von anderer Hand eingetragener zentraler Termin war der 30. Juni 1973: „24.00 Uhr Card. im Ruhestand“. Für Jaeger, der nach einem 32-jährigen Pontifikat nominell in den Ruhestand trat, ging der Alltag aber erst einmal bis zum 5. April 1974 weiter. Erst dann wurde – nach fast einjähriger Vakanz – Weihbischof Johannes Joachim Degenhardt zu seinem Nachfolger ernannt81. Ein etwas anderes Bild gibt der zweite Kalender. Am 28. März 1973 ist eingetragen um 20.00 Uhr „Kino für das Domkapitel“. Auf das schauen von Filmen, nicht auf Titel gab es in anderen Kalendern schon Hinweise. Am Sonntag, 29. April ist eingetragen „Erstkommunion in Ludwigshafen“. Vom 7. bis 27. August 1973 fuhr der Kardinal nach Olpe in die Ferien.
3.24 Das Jahr 197482
In den ersten schmalen Monatskalender, den Jaeger selbst führte, da er keinen Geheimsekretär hatte, sind die Grundtermine von seinem Sekretariat in Schönschrift eingetragen. Es werden merklich weniger Termine. Er nimmt weiter an der Bischofskonferenz teil. Eingetragen sind aber auch Erinnerungen, so für den 5. März 1974 „(Prof. Rahner 70 Jahre)“ oder 21. März „40jähr. Priesterj. Messe für Reineke & Co.“ Es ist der schon bekannte Augustinus Reineke aus Detmold. Firmungen finden weiterhin statt und Besuche sowie Visitationen bei Ordensgemeinschaften, wie zum Beispiel am 17. und 18. September 1974 Visitation und Wahlkapitel im Paderborner Klarissenkloster. Im zweiten, ein Kardinal-Prägekalender, stehen wenig Termine, so auch überschneidende, wie zum Beispiel am 1. März 1974 „Rahner gratulieren (5. 3. 70 J.)“. Der große Theologe und Jesuit Karl Rahner (1904–1984) feierte seinen 70. Geburtstag. Der dritte Kalender enthält keinerlei Einträge.
3.25 Das Jahr 197583
Im ersten Kalender sind für den Januar unter anderem die Teilnahme an Pontifikalämtern, Krankenbesuche bei einer Ordensschwester im Paderborner Vincenzhospital und die Teilnahme am Komtureitreffen der Ritter vom Heiligen Grab in der Busdorfkirche eingetragen. Mitte Januar wurde ein geplanter Besuch von Verwandten (Familie Stolze aus Essen) auf das Monatsende verschoben und eine Diakonenweihe im Leokonivkt an Weihbischof Paul Nordhues (1915–2004) abgegeben. Die persönlich von Jaeger vorgenommenen Einträge in diesen Kalender enden am Sonntag, 22. Februar 1975. Dort ist eingetragen: „Priesterweihe des Diakons Willecki [im andern Kalender in Bilecki korrigiert, es könnte sich um den Dortmunder Priester Johannes Bielecki handeln; d. Verf.] in Dtmd-Dorstfeld“. Die letzten Einträge zeigen, was Jaeger zeitlebens wichtig war. Die Feier der Eucharistie, der persönliche Kontakt mit Priestern und Ordensleuten des Erzbistums, die Familie sowie die Präsenz bei Weihen. Der zweite Kalender enthält nur Einträge von fremder Hand. Am Tage seines Todes, am 1. April 1975, der aber in keinen der Kalender nachgetragen wurde, steht in diesem Kalender „17.00 Uhr Konveniat b. Erzb. Degenhardt m. Abendessen“. Jaeger war am Dienstag nach Ostern frühmorgens im St. Josefs-Krankenhaus in Paderborn nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 82 Jahren verstorben84. Für das Jahr seines Todes gibt es noch einen dritten Kalender der überwiegend von Jaegers Hand geführt wurde. Bis Ende Juni waren die üblichen Grundtermine eingetragen. Jaegers Schrift wird deutlich krakeliger und er verwendet keine Kurzschrift mehr. Hier sind viele zusätzliche Termine für Januar, Februar und März eingetragen. So für Mittwoch, 29. Januar 1975: „Dr. Karl Hengst überreicht 1 Expl. seiner Dissertation (Btr. d. Paderborner Reformen)“. Karl Hengst (1939–2021) war lange Jahre Mitglied der Kommission für kirchliche Zeitgeschichte im Erzbistum Paderborn und Professor für Kirchen- und Bistumsgeschichte der Theologischen Fakultät Paderborn85. Am Donnerstag, 30. Januar stand für 18.00 Uhr Besichtigung des Museums auf dem Programm. Offiziell wurde der von Gottfried Böhm errichtete Neubau des Diözesanmuseums am 25. Mai 1975 seiner Bestimmung übergeben. Hier konnte Jaeger eine im Kalender von 1952 für 1953 eingetragene Aufgabe „Diözesanmuseum ordnen“86 nun endlich abschließen. Für Freitag, 31. Januar, ist eingetragen: „15 ½ Akten: Briefwechsel (+Propst+Asmussen: Card. Jaeger an Dr. [?]) an den Promovenden Zenz [?] /Huysburg zur Einsichtnahme gegeben“. Ebenso „Briefwechsel Card. Jaeger/ Card. Grente, Le Mans an Fachoberschullehrer“. Hier hat Jaeger wohl Arbeiten durch Akteneinsicht unterstützt. Am 31. Januar um 11.30 Uhr besuchte ihn P. Hans Hellweg SJ (1905–1988)87 aus Tokyo. Hellweg war gebürtig aus dem Kreis Arnsberg, wie er auf seiner Visitenkarte vermerkte. Auch nach seiner Emeritierung nahm Jaeger regelmäßig an den Treffen des Ökumenischen Jaeger-Stählin-Kreises teil. Eine Teilnahme war vom 17. bis 21. März 1975 in der Katholischen Akademie in Schwerte geplant.
4. Ergebnisse
Die Terminkalender von Lorenz Jaeger, die bis auf eine Ausnahme von 1936, erst 1950 einsetzen und bis in das Jahr seines Todes 1975 reichen, geben einen Einblick in den Alltag des Paderborner Oberhirten, aber nicht in der erhofften vollständigen Weise. Jaeger absolvierte bis zu seiner Emeritierung bzw. bis zur Ernennung seines Nachfolgers, ein umfangreiches Arbeitspensum. In jedem Jahr waren eine Reihe von Terminen schon vorgegeben, weil sie zu seinen Pflichtterminen gehörten: Pontifikalämter im Dom, Teilnahme an Bischofskonferenzen und Kommissionen, Liborifest, Schützenfest, Treffen des Jaeger-Stählin-Kreises, Katholikentage, Priesterweihen, Firmungen, Eröffnung des akademischen Jahres der Bischöflichen Akademie, Wallfahrten, Konsekrationen von Kirchen, Visitationen von Ordensgemeinschaften, Ad-Liminia-Besuche in Rom, Teilnahme an Konsistorien usw. Aber, wie die Untersuchung der Terminkalender zeigte, sind – auch wenn für ein Jahr drei Kalender geführt wurden – nie alle Termine eingetragen. Auch das II. Vatikanische Konzil fand in den Terminkalendern nur mit dem Hinweis „Rom“ statt.
Die Kalender sind nie Ersatz für ein Tagebuch. Nur ein Kalender von 195788 weist tagebuchartige Notizen auf. Die längste Zeit über wurden für ein Jahr immer drei Kalender geführt. Einer im Sekretariat Jaegers, einer von seinem Geheimsekretär und einer von ihm selbst. Doch diese Einteilung wurde oft durchbrochen, da sich in allen Kalendern Einträge von verschiedenen Händen befinden. Die Kalender stimmen auch, wie Stichproben zeigten, nicht immer überein und es ist nicht klar, ob alle Termine von Jaeger selbst wahrgenommen wurden. Manchmal steht auch „WB“ für Weihbischof. Viele Termine stehen auch gar nicht im Kalender oder wurden später – nicht immer richtig – nachgetragen. Die Eintragungen sind rudimentär, wie man im Vergleich mit biographischen Skizzen und Arbeiten zu Lorenz Jaeger sehen kann. Viele Termine lassen sich anhand des Findbuchs – hier sei auch auf die Fotosammlung darin verwiesen – und der Literatur besser rekonstruieren als durch die Terminkalender. Eine Durchsicht von Jaegers Terminen erbrachte keine bisher nicht bekannten Kontakte. Dies ist auch nicht in den Stenogrammen zu vermuten. Auch mit der offensichtlichen Planungsschwäche, der Führung von drei Kalendern für ein Jahr, scheinen keine Termine untergegangen zu sein. Es gibt keine Quelle für Fehlplanungen Jaegers. Die Kalender dienten daher nicht primär der Alltagsorganisation. Erst Geheimsekretär Karl Heinrich Brinkmann brachte mit den Tageszetteln eine feste Struktur in die Planungen.
Die Terminkalender sind somit keine erstrangige Quelle für das Leben Lorenz Jaegers. In keinem Fall würde eine Edition der Kalender lohnen, da der Informationsgehalt bescheiden ist. Ganz anders als die knappen Aufzeichnungen von Heinrich Böll, der für seine Kriegstagebücher mit nur stichwortartigen Notizen ähnliche Taschenkalender benutzte89. Der Unterschied zwischen Terminkalender und Tagebuch wird in diesem Vergleich sehr deutlich. Der Alltag Jaegers war von seinen priesterlichen und bischöflichen Verpflichtungen geprägt. Viel Zeit nahmen die jährlichen Firmreisen und Visitationen in Anspruch. Der zweitgrößte Zeitaufwand galt den Teilnahmen an bischöflichen Konferenzen und Tagungen sowie den liturgischen Verpflichtungen. Hinzu kamen viele persönliche und telefonische Besprechungstermine mit Priestern, Ordensleuten und der Bistumsverwaltung. Im Zusammenspiel der Terminkalender mit anderen Quellen wird mehr als deutlich, dass Lorenz Jaeger kaum ein Privatleben hatte. Die wenigen privaten Momente beschränken sich auf die Besuche von Familienangehörigen und auf den jährlichen Urlaub. Ansonsten war Jaeger quasi immer als Bischof im Dienst.
Quellen- und Literaturverzeichnis
Quellen
Erzbistumsarchiv Paderborn (EBAP) Nachlass Lorenz Kardinal Jaeger (NLKJ) Akten Nr. 489, 700, 1885, 2148–2195
Literatur
Kretzschmar, Robert: Amtsbücher (online), in: https://www.leo-bw.de/themenmodul/sudwestdeutsche-archivalienkunde/archivaliengattungen/amtsbucher (acc. 20.12.2022)
Maci, Marcel: VSTENO. Vector Shorthand Tool with Enhanced Notational Options (online), in: www.vsteno.ch (acc. 20.12.2022)
N.N.: Albrecht Jochmann (online), in: Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917–1929). Biographie Nr. 3077, www.pacelli-edition.de/Biographie/3077 (acc. 20.12.2022)
N.N.: Bernhard Rasche (online), in: Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917–1929). Biographie Nr. 25079, https://www.pacelli-edition.de/kurzbiografie-pdf.html?idno=25079 (acc. 20.12.2022)
N.N.: Felix Jäger [sic!] (online), in: Verzeichnis der Professorinnen und Professoren der Universität Mainz, http://gutenberg-biographics.ub.uni-mainz.de/id/a8b32035-ff69-4168-966b-f84efb64fc9f. (acc. 20.12.2022)
N.N.: Hieronymus Dittrich (online), in: https://de.wikipedia.org/wiki/Hieronymus_Dittrich (acc. 20.12.2022)
N.N.: Karl Hengst (online), in: https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Hengst (acc. 20.12.2022)
Westdeutsche Gesellschaft für Familienkunde e. V. (Hg.): Totenzettel Sammlungen: Taepper, Hugo (online), in: www.wgff-tz.de (acc. 20.12.2022)
Kretzschmar, Amtsbücher.
Terminkalender, EBAP, Nachlass Jaeger, 2148–2195.
Fleckenstein, Schwestern, S. 24; Grothmann/van Faassen, Jaeger, S. 114.
Maci, VSTENO. Mit Hilfe dieses Tools lassen sich Stenogramme auflösen.
Fleckenstein, Jaeger, S. 33.
Pahlke, Katholikentage, S. 364.
1936, EBAP, Nachlass Jaeger, 2148.
Grothmann/van Faassen, Jaeger, S. 65.
Ebd., S. 64 f.
Ebd., S. 69.
Westdeutsche Gesellschaft für Familienkunde e.V., Totenzettel.
Brandt/Häger, Lexikon, S. 917.
N.N., Jochmann.
1950/1, EBAP, Nachlass Jaeger, 2149; 1950/2, EBAP, Nachlass Jaeger, 2150.
Fleckenstein, Schwestern, S. 45.
Seiler, Konvertitenseelsorge, S. 83 f. Vermutlich ging es hier um eine Stelle für einen Konvertiten.
Hüttenberger/Molitor/Dascher, Kabinettsprotokolle, S. 34–37; Kleinehagenbrock, Kardinal, S. 236–238.
Grothmann/van Faassen, Jaeger, S. 102.
Ebd., S. 99 f.; Otto, Jaeger, S. 172 f.
Gordz, Klens, S. 130. Hermann Klens (1880–1972) war Generalpräses des Zentralverbandes der Frauen- und Müttervereine Deutschlands.
N.N., Rasche.
Grothmann/van Faassen, Jaeger, S. 115.
Seiler, Konvertitenseelsorge, S. 96, Anm. 55.
Kutzner, Westemeyer, S. 387–419.
Brandt/Hengst, Geschichte, Bd. 4, S. 155.
Deisting, Preising, S. 119 f.
Brandt/Hengst, Geschichte, Bd. 4, S. 529, Anm. 174.
Ebd., S. 74, Anm. 62; Brandt/Häger, Lexikon, S. 891 f.
Kutzner, Schmücker, S. 231–245.
Zum Beispiel in: 1959/2, Eintrag vom 6.11.1959, EBAP, Nachlass Jaeger, 2160.
Fleckenstein, Schwestern, S. 43.
Zum Beispiel in: 1959/2, Eintrag vom 5.11.1959, EBAP, Nachlass Jaeger, 2160.
1952, EBAP, Nachlass Jaeger, 2151.
Brandt/Hengst, Geschichte, Bd. 4, S. 424.
1953, EBAP, Nachlass Jaeger, 2152.
N.N., Jäger [sic!].
Fleckenstein, Jaeger, S. 36 f.
Fleckenstein, Schwestern, S. 42.
1954, EBAP, Nachlass Jaeger, 2153.
Album über die Lourdes-Pilgerfahrt des Erzbistums 1958, EBAP, Nachlass Jaeger, 1885.
1955, EBAP, Nachlass Jaeger, 2154.
Gleichenstein/Lohre, Lebensbild.
Brandt/Hengst, Geschichte, Bd. 4, S. 196, Anm. 93.
Ebd., S. 33–37.
1956, EBAP, Nachlass Jaeger, 2155.
1957/1, EBAP, Nachlass Jaeger, 2156; 1957/2, EBAP, Nachlass Jaeger, 2157; 1957/3, EBAP, Nachlass Jaeger, 2158.
Grothmann/van Faassen, Jaeger, S. 109.
Seiler, Konvertitenseelsorge, S. 85–94.
1959/1, EBAP, Nachlass Jaeger, 2159; 1959/2, EBAP, Nachlass Jaeger, 2160; 1959/3, EBAP, Nachlass Jaeger, 2161.
1960, EBAP, Nachlass Jaeger, 2162.
Schmiedl, Schönstatt-Bewegung, S. 51 f.
Brandt/Hengst, Geschichte, Bd. 4, S. 122. Droste war von 1963 bis 1973 Generalvikar im Erzbistum Paderborn.
Fleckenstein, Schwestern, S. 28.
Linde/van Faassen, Franziskanerinnen, S. 50.
1961, EBAP, Nachlass Jaeger, 2163.
Brasilienmissionar, Kontakt aus dem Bund Neudeutschland: vgl. Fleckenstein, Schwestern, S. 41.
Das Hallenbad wurde 2021 im Zuge von Umbaumaßnahmen des Priesterseminars abgerissen: vgl. Schulze, Hallenbad.
Stollhof, Hungerkatastrophen, S. 101 f.
1962, EBAP, Nachlass Jaeger, 2164.
1963, EBAP, Nachlass Jaeger, 2165.
Grothmann/van Faassen, Jaeger, S. 69 (Foto), S. 114.
Zitat aus: EBAP, Nachlass Jaeger, 489 Bl. 75, zit. nach: Grothmann/van Faassen, Jaeger, S. 115; Kasprowski, Jaeger, S. 216. Auch dort befindet sich das Zitat.
1964, EBAP, Nachlass Jaeger, 2166.
1965/1, EBAP, Nachlass Jaeger, 2167; 1965/2, EBAP, Nachlass Jaeger, 2168.
Grabe, Wahrnehmung, S. 452 f.
N.N., Dittrich. Bezuschusst wurde: Dittrich, Realisierung.
1966/1, EBAP, Nachlass Jaeger, 2169; 1966/2, EBAP, Nachlass Jaeger, 2170.
Vgl. Konsekrationen, EBAP, Nachlass Jaeger, 700. Enthält: Presseberichte über von Jaeger vorgenommene Kirch- und Altarweihen 1966–1975.
Grothmann/van Faassen, Jaeger, S. 125 f.
1967/1, EBAP, Nachlass Jaeger, 2171; 1967/2, EBAP, Nachlass Jaeger, 2172; 1967/3, EBAP, Nachlass Jaeger, 2173.
Otto, Nachlass, S. 339.
1968/1, EBAP, Nachlass Jaeger, 2174; 1968/2, EBAP, Nachlass Jaeger, 2175.
N.N., Jäger [sic!].
1969/1, EBAP, Nachlass Jaeger, 2176; 1969/2, EBAP, Nachlass Jaeger, 2177; 1969/3, EBAP, Nachlass Jaeger, 2178.
Grothmann/van Faassen, Jaeger, S. 125.
1970/1, EBAP, Nachlass Jaeger, 2179; 1970/2, EBAP, Nachlass Jaeger, 2180; 1970/3, EBAP, Nachlass Jaeger, 2181.
1971/1, EBAP, Nachlass Jaeger, 2182; 1971/2, EBAP, Nachlass Jaeger, 2183; 1971/3, EBAP, Nachlass Jaeger, 2184.
Fleckenstein, Schwestern, S. 28.
1972/1, EBAP, Nachlass Jaeger, 2185; 1972/2, EBAP, Nachlass Jaeger, 2186; 1972/3, EBAP, Nachlass Jaeger, 2187.
1973/1, EBAP, Nachlass Jaeger, 2188; 1973/2, EBAP, Nachlass Jaeger, 2189.
Grothmann/van Faassen, Jaeger, S. 130.
1974/1, EBAP, Nachlass Jaeger, 2190; 1974/2, EBAP, Nachlass Jaeger, 2191; 1974/3, EBAP, Nachlass Jaeger, 2192.
1975/1, EBAP, Nachlass Jaeger, 2193; 1975/2, EBAP, Nachlass Jaeger, 2194; 1975/3, EBAP, Nachlass Jaeger, 2195.
Grothmann/van Faassen, Jaeger, S. 131.
N.N., Hengst. Der Titel seiner Dissertation: Hengst, Reformen.
Terminkalender 1952, EBAP, Nachlass Jaeger, 2151.
Schatz, Geschichte, Bd. 5, S. 202.
1957/3, EBAP, Nachlass Jaeger, 2158.
Böll, Kriegstagebücher.







