Der Titel und Untertitel dieser Publikation âEine Summe politischer Religionspädagogik? Johannes A. van der Vens âKritische Godsdienstdidactiekâ in vergleichender Perspektiveâ macht deutlich, dass eine niederländische Veröffentlichung von vor 40 Jahren für die neuere Entwicklung der Religionspädagogik bedeutsam sein kann. Es stellt sich allerdings die Frage, welche Bedeutung Politik für religiöse Bildung hat. Jan-Hendrik Herbst beschreibt in seinem Vorwort, dass er in einem seiner Dissertationsgespräche Norbert Mette die Frage stellte: âWelche Spuren hat eine politische und kritisch-emanzipatorische Orientierung in der internationalen und vor allem europäischen Religionspädagogik hinterlassen?â Er war offenbar auf der Suche nach der Geschichte seines Faches innerhalb der Praktischen Theologie. Wie diese Frage zur Entdeckung von van der Vens Publikation führte, ist in seinem Vorwort nachzulesen.
Dass van der Vens Publikation ihn zu einem Ãbersetzungsprojekt inspirierte, ist nicht verwunderlich, denn Umfang (700 Seiten) und Inhalt sind geprägt von einem historischen, systematisch-theologischen und kritischen Ansatz, der sich aus seinen Studien zur Vorbereitung seiner Vorlesungen und Arbeitsgruppen in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre für niederländische Studierende der Pastoraltheologie (Fachrichtung Katechetik) an der Katholieke Universiteit Nijmegen ergab.
Im Februar 2022 suchte Jan-Hendrik Herbst den Kontakt mit dem niederländischen Verlag Kok, in dem er zum Ausdruck brachte, dass er als Religionspädagoge an einer deutschen Ãbersetzung interessiert sei und ob man ihm bei urheberrechtlichen Fragen helfen könne, da der Autor leider verstorben sei. Kok antwortete, dass eine Rücksprache mit den Erben erforderlich sei und dass der Verlag Damon ihm dazu möglicherweise Informationen bereitstellen könnte. Damon beantwortete seine Frage, indem er auf mich als Alleinerbin verwies, und schickte ihm meine E-Mail-Adresse. So kam der Kontakt mit mir zustande.
Zunächst war ich überrascht und erstaunt über seine Idee, eine Publikation von vor 40 Jahren mit dem Umfang von 700 Seiten übersetzen (lassen) zu wollen. Andererseits versuchte ich mir vorzustellen, wie van der Ven wohl reagiert hätte. Ich wusste, dass die meisten seiner Monographien auf Niederländisch nach kurzer oder längerer Zeit ins Englische und/oder Deutsche übersetzt wurden. Ich fragte mich jedoch, ob eine vollständige Ãbersetzung dieser Publikation Sinn machen würde. Nach ein paar Tagen wurde mir klar, dass ich nicht diejenige bin, die beurteilen kann, ob das Vorhaben realistisch und sinnvoll ist. Ich entschied mich für die Rolle der Vermittlerin und wandte mich an Prof. Dr. Hans-Georg Ziebertz, einen Kollegen van der Vens auf diesem Gebiet, der mit den deutschen Entwicklungen vertraut ist. Er bot mir an, mit Jan-Hendrik Herbst Kontakt aufzunehmen, um seine Motivation und sein Interesse abzuschätzen. Auf der Grundlage des Gesprächsberichts wurde beschlossen, dass er nach seiner Promotion im Sommer 2022 einen Projektplan entwickeln würde. Im Oktober 2022 legte er einen Entwurf vor, in dem er bestimmte Teile aus van der Vens Publikation zur Ãbersetzung auswählte sowie eine Gliederung für diese Publikation und Vorschläge für Mitautor:innen formulierte. Nachdem er Ziebertz und meine Kommentare eingearbeitet hatte, startete er das Projekt mit groÃem Elan. Im Februar 2023 erhielt ich die Urheber- und Veröffentlichungsrechte vom Kok-Verlag und gab sie dann Jan-Hendrik Herbst.
In einem meiner Gespräche mit Hans-Georg lieà er durchblicken, dass Jan-Hendrik der Typ junger Wissenschaftler ist, mit dem van der Ven gerne einen wissenschaftlichen und persönlichen Austausch gepflegt hätte. In diesem Sinne bin ich zufrieden, dass die Verwirklichung dieses Projekts in der Tradition steht, in der wissenschaftliche Entwicklungen auf dem Denken früherer Inspirator:innen, in diesem Fall van der Ven, aufbauen.
Ich bin Jan-Hendrik und Hans-Georg für die gute Zusammenarbeit dankbar und habe die Gespräche mit Hans-Georg, in denen wir unsere Erinnerungen an Johannes (Hans) van der Ven austauschen konnten, genossen. Ich hoffe auch, den Initiator dieser Publikation, Jan-Hendrik Herbst, beim Erscheinen persönlich treffen zu können und wünsche ihm alles Gute.
Dr. Mechtild M. L. Beek, Nijmegen, Juni 2023