Im Frühjahr 1982 eröffnete der Kreis Paderborn die Dokumentations- und Gedenkstätte „Wewelsburg 1933–1945. Kult- und Terrorstätte der SS“ „zur Mahnung für die Lebenden und zum ehrenden Gedenken an die Opfer des KZ Niederhagen“. Vorausgegangen war eine konfliktreiche Auseinandersetzung über das Gedenken an die Opfer der SS-Gewalt. 2010 öffnete nach einer umfassenden inhaltlichen Neukonzeption und Erweiterung die Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg 1933–1945 mit der Dauerausstellung „Ideologie und Terror der SS“ ihre Türen. In den vergangenen 40 Jahren entwickelte sich das Kreismuseum Wewelsburg zu einem bundesweit und international anerkannten Ort der musealen Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus, speziell der SS.
Vor Ort gab es immer wieder lebhafte Diskussionen über den Umgang mit den baulichen Überresten der SS-Gebäude und des Konzentrationslagergeländes. Als weitere Standorte im Dorf wurden 2005 der ehemalige SS-Schießstand und 2019 die ehemalige KZ-Häftlingsküche mit Anbau für die pädagogische Arbeit der Gedenkstätte erschlossen. Der von KZ-Häftlingen 1941 erbaute und von der SS auch als Hinrichtungsstätte genutzte Schießstand im Waldgebiet Oberhagen wird regelmäßig im Rahmen von Workcamps gesäubert und gepflegt. 2023 wird der Anbau der Häftlingsküche, der in der Nachkriegszeit zu Flüchtlingswohnungen umgebaut worden war, zusammen mit dem Keller der ehemaligen Lagerküche als „Ge-Denk-Ort“ eröffnet.
Anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Gedenkstätte werden die in den letzten Jahren initiierten Forschungsprojekte zur Geschichte des Konzentrationslagers in Wewelsburg und zur frühen Nachkriegszeit in Wewelsburg in diesem Sammelband zusammengetragen. Die Beiträge eröffnen neue Sichtweisen auf die Menschen, deren Leben während oder nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Lagergelände in Wewelsburg verknüpft war: sei es als Mit-Täter der verbrecherischen nationalsozialistischen Politik bis 1945, sei es als deren Opfer und Leidtragende oder als Angehörige der Befreiungs- und Besatzungstruppen.
Ich danke allen, die zu dem Gelingen des Sammelbandes beigetragen haben, vor allem den Autorinnen und Autoren der Beiträge für ihre häufig mühevolle Recherche sowie der Museumsleiterin Kirsten John-Stucke für die Herausgabe.
Der Sammelband leistet einen wichtigen Beitrag für die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Geschichte im Kreis Paderborn, ich wünsche ihm daher die verdiente Aufmerksamkeit und eine interessierte Leserschaft.
Christoph Rüther
Landrat des Kreises Paderborn