1. Hintergrund
1.1 Zur Idee eines Fakultätenschwerpunktes âInterreligiöser Dialog zwischen Judentum â Christentum â Islamâ
In Ãsterreich hat sich in den vergangenen Jahrzehnten eine beindruckende Zahl interreligiöser Dialog-Initiativen etabliert. Religionsgemeinschaften, zivilgesellschaftliche Organisationen und NGOs, öffentliche und staatliche Organisationen wie Schulen, Krankenhäuser, Hochschulen und die Universitäten in Wien, Innsbruck, Graz, Klagenfurt und Salzburg, sowie der Staat reagieren auf die Situation kultureller und religiöser Pluralität und engagieren sich im interreligiösen Dialog.1 Herauszustreichen sind unter diesen Initiativen die regelmäÃige und gute Kooperation religiöser Führungspersonen der in Ãsterreich gesetzlich anerkannten Religionsgemeinschaften, der mittlerweile 65 Jahre bestehende âKoordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Ãsterreichâ2, die von der Katholischen Aktion Ãsterreichs und der Islamischen Glaubensgemeinschaft gegründete âPlattform Christen und Muslimeâ3 und die europaweit einzigartige âKirchliche Pädagogische Hochschule Wien-Kremsâ4, in der unter der Trägerschaft der katholischen, evangelischen, orthodoxen und anderer Kirchen mittlerweile auch die Islamische Glaubensgemeinschaft, die Israelitische Kultusgemeinde, die Buddhistische Religionsgesellschaft, die Freikirchen und die Alevitische Glaubensgemeinschaft im Rahmen der Lehrer*innenbildung kooperieren. In zahlreichen Krankenhäusern gibt es eine interreligiös verantwortete Krankenhausseelsorge5, lokale Nachbarschaftsprojekte bemühen sich um Austausch und friedliches Zusammenleben zwischen Menschen unterschiedlichen religiösen Selbstverständnisses, in kirchlichen Bildungseinrichtungen wird der interreligiöse Dialog gepflegt6, und auch die âAbteilung Religion und Ethik des ORFâ7 trägt mit ihrem Bildungsprogramm Wesentliches zur Kenntnis und zur Pflege interreligiöser Beziehungen in Ãsterreich bei. Nicht zuletzt haben sich auch an den theologischen Fakultäten staatlicher Universitäten Forschungseinrichtungen und -projekte sowie Bildungsprogramme etabliert, die die Kenntnis und Forschung zu Religionen, interreligiösem Dialog und interreligiösem Lernen fördern, wie z. B. das âZentrum Theologie interkulturell und Studium der Religionenâ8 an der Paris Lodron Universität Salzburg, das âZentrum für interreligiöse Studienâ9 an der Universität Innsbruck, das Projekt âChristlich-Islamischer Religionsunterricht im Teamteachingâ10 an der Universität Graz oder das âForschungszentrum Religion and Transformation in Contemporary Societyâ11 an der Universität Wien, mit dem auch das Institut für Praktische Theologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät im Rahmen seines Forschungsschwerpunktes âInterreligiösität im säkularen Kontextâ12 kooperiert. Mittlerweile unüberschaubar und ausdifferenziert ist auch die wissenschaftliche Forschung zum interreligiösen Dialog als solchem im deutschsprachigen und anglophonen Raum13, insbesondere im Blick auf den christlich-jüdischen und den christlich-islamischen Dialog aus systematisch-theologischer, hermeneutischer und exegetischer Perspektive, aber zunehmend stärker auch in der Geschichtswissenschaft, der Religionswissenschaft und den Sozial- und Kulturwissenschaften.
Gleichwohl kann man beim Blick auf die österreichische Bevölkerung den Eindruck bekommen, dass das reiche Praxis- und Theoriewissen, das mittlerweile infolge dieses intensiven interreligiösen Engagements zur Verfügung steht, bei groÃen Teilen der Bevölkerung und auch unter Gläubigen noch nicht ausreichend angekommen ist. So belegt z. B. eine Umfrage an der Universität Salzburg14 ein hohes Ausmaà an Islamfeindlichkeit in Ãsterreich. Ihr zufolge sind 35% der Befragten Muslim*innen gegenüber negativ eingestellt. Knapp 70% der Bevölkerung sind der Ãberzeugung, dass der Islam nicht in die westliche Welt passt. Für etwa zwei Drittel der Befragten stellt das Tragen eines Kopftuchs das Symbol der Unterdrückung muslimischer Frauen dar, weshalb dies in Schulen verboten werden sollte. 48% der Befragten sind der Ansicht, dass man in Ãsterreich keine Moscheen tolerieren sollte. 51% denken, dass die Glaubensausübung von Muslim*innen eingeschränkt werden sollte, und 45% treten explizit dafür ein, dass Muslim*innen nicht die gleichen Rechte haben sollten wie alle in Ãsterreich. Gemessen wurde in dieser Studie auch der Zusammenhang mit einem religiösen Selbstverständnis: Tolerante Einstellungen zum Islam und zu Muslim*innen vertreten zum einen Menschen ohne religiöses Selbstverständnis und sehr religiöse Menschen. Auch Antisemitismus stellt in Ãsterreich nach wie vor ein signifikantes Problem dar. So werden laut der österreichische Antisemitismus-Studie 202015 affektiv antisemitische Aussagen16 zwar aktuell nur von 8% der Bevölkerung vertreten (2018: 12%), aber ein pseudo-rational argumentierter Antisemitismus17 ist bei 23% der Befragten anzutreffen. Insgesamt lässt sich bei 44% der Befragten die Zustimmung zu antisemitischen Aussagen finden. Im Zuge der Covid-19 Pandemie stimmten sogar 59% der Aussage zu, dass âeine mächtige und einflussreiche Elite (z. B. Soros, Rothschild, Zuckerberg â¦) die Corona-Pandemie nutzt, um ihren Reichtum und den politischen Einfluss weiter auszubauenâ.18 Im Pandemie-Jahr 2021 erreichten auch antisemitische Ãbergriffe einen Tiefpunkt: Der Antisemitismus-Meldestelle der Israelitischen Kultusgemeinde19 wurden insgesamt 965 Vorfälle gemeldet â im Vergleich zu 2020 ein Anstieg um 65% und die damit höchste erfasste Anzahl antisemitischer Vorfälle seit Beginn der Dokumentation vor 20 Jahren. Die Zahl der antisemitischen Vorfälle ist 2022 zwar gesunken, aber beunruhigend ist nach wie vor die Ãberrepräsentation verbaler und physischer Ãbergriffe â insbesondere gegen als jüdisch erkennbare Kinder und Jugendliche.20 Nicht zuletzt lässt sich auch in lokalen interreligiösen Nachbarschaftsprojekten und basisnahen Initiativen erkennen, dass das Primär-Interesse am interreligiösen Dialog mehr im Zusammenleben und weniger in theologischen Dialogen besteht bzw. theologische Grundlagen solcher Aktivitäten wenig bekannt bzw. reflektiert sind oder sich Vorurteile finden lassen.21
Vor diesem Hintergrund entstand an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien die Idee, im Wintersemester 2020 einen Fakultätenschwerpunkt âInterreligiöser Dialog zwischen Judentum â Christentum â Islamâ zu setzen und die wissenschaftliche Expertise zum interreligiösen Dialog Studierenden aus allen Studienrichtungen und einem interessierten Publikum bekannt zu machen und so das Interesse, das Wissen wie auch die Kompetenz zum interreligiösen Dialog zu fördern, für dessen Möglichkeiten und Probleme, Herausforderungen und Grenzen zu sensibilisieren sowie die Notwendigkeit interdisziplinärer Forschung zu diesem komplexen und heterogenen Praxisfeld deutlich zu machen. Die Universität Wien bietet mit ihren zahlreichen Instituten und Strukturen, die sich dem Thema âReligionâ widmen, ausgezeichnete Möglichkeiten in kooperativer Forschung und Lehre: zwei christlich-theologische Fakultäten, zwei Institute für Religionswissenschaft, das Institut für Islamisch-Theologische Studien, das Institut für Islamwissenschaft, das Institut für Judaistik und das Forschungszentrum âReligion and Transformation in Contemporary Societyâ, das als interdisziplinäre Plattform u. a. den interreligiösen Dialog wissenschaftlich begleitet.22 In den Fokus des Fakultätenschwerpunkts wie auch der Ringvorlesung wurde der Dialog zwischen Judentum, Christentum und Islam gestellt. Zwar gibt es an der Universität Wien auch eine ausgezeichnete Expertise zum Buddhismus, zum Hinduismus und anderen Religionen, aber da insbesondere der Dialog der sogenannten âabrahamitischenâ23 Religionen im Zentrum der öffentlichen und politischen Aufmerksamkeit steht und bereits der bi- und trilaterale Dialog zwischen diesen drei monotheistischen Religionen eine hochkomplexe und nahezu unüberschaubare Herausforderung ist, haben wir uns für dieses Semester entschieden, den thematischen Schwerpunkt auf diese drei religiösen Traditionen zu legen.
Unter der Leitung der katholischen Pastoraltheologin Regina Polak boten die Katholisch-Theologische Fakultät, die Evangelisch-Theologische Fakultät, das Institut für Judaistik, das Institut für Islamisch-Theologische Studien und das Forschungszentrum âReligion and Transformation in Contemporary Societyâ in Kooperation mit der Kardinal König Stiftung der Erzdiözese Wien im Wintersemester 2020 daher eine interdisziplinäre Ringvorlesung âJudentum â Christentum â Islam: Inter- und transdisziplinäre Perspektiven auf den interreligiösen Dialog der abrahamitischen Religionenâ, zehn Lehrveranstaltungen der beteiligten Fakultäten und Institute mit interreligiöser Schwerpunktsetzung, ein Tutorium zur Vertiefung der Ringvorlesung sowie ein interreligiöses Begleitprogramm, das von der interreligiösen Studierenden-Initiative âCafé Abrahamâ (heute: âDialog: Abrahamâ) veranstaltet wurde, an. Mit 190 Studierenden aus der Theologie, der Islamischen Theologie, der Judaistik, der Religionswissenschaft, der Bildungs-, Sozial- und Kulturwissenschaft etc. aus dem In- und Ausland sowie zahlreichen Vertreter*innen aus verschiedenen Religionswissenschaften, der Zivilgesellschaft und der interreligiösen Praxis stieà die Ringvorlesung auf groÃes Echo. Die Vorträge der Ringvorlesung werden nun in diesem Band publiziert.
1.2 Gesellschaftliche Relevanz der Thematik
Dialog und Begegnung zwischen Vertreter*innen aus Judentum, Christentum und Islam sind keine Erfindung des 20. und 21. Jahrhunderts.24 Aber im Verlauf des 20. Jahrhunderts hat der Dialog der Religionen eine Bedeutung gewonnen, die weit über ausschlieÃlich inner-theologische bzw. inner-religiöse Fragestellungen hinausgeht.25 Er tritt heute â nicht nur in Ãsterreich â wesentlich aufgrund seiner Relevanz für den Frieden, das gesellschaftliche Zusammenleben und die soziale Kohäsion, die Verbundenheit und Solidarität der Menschheit untereinander und insbesondere im Blick auf die Verantwortung für die Leidenden und Schwächsten in das Zentrum der Aufmerksamkeit. Diese ist zum einen den Katastrophen der beiden Weltkriege und der Schoah geschuldet, zum anderen der Entstehung einer Weltgesellschaft, in der es vor allem für junge Menschen zur Normalität wird, dass Menschen aus verschiedenen religiösen und weltanschaulichen Traditionen in ihrer Pluralität zusammenleben â und zusammenleben lernen müssen. So kommt in den säkularen und zugleich religiös pluralen Gesellschaften Europas dem interreligiösen Dialog als gesellschaftlich relevanter Praxis national wie international eine wachsende Bedeutung zu. Insbesondere seit der Jahrtausendwende hat infolge des Terroranschlages islamistischer Extremisten am 9. September 2001 der interreligiöse Dialog so auch im politischen Raum zunehmend an Gewicht gewonnen. Dabei steht vor allem der trilaterale Dialog zwischen Jüd*innen, Christ*innen und Muslim*innen im Zentrum der Aufmerksamkeit. So bekennt sich z. B. die Generalversammlung der Vereinten Nationen zur Förderung des interreligiösen Dialogs26 und der Europarat veröffentlichte ein âWeiÃbuch zum interkulturellen Dialogâ27, in dem dessen religiöse Dimension eigens erwähnt wird. Seit 2010 wird von der UNO jedes Jahr die sog. âWorld Interfaith Harmony Weekâ28 organisiert, die den Dialog zwischen den Religionen stärken soll, und auch die Mitgliedsstaaten der OSCE29 bekennen sich in zahlreichen Commitments zum interreligiösen Dialog als Instrument zur Sicherung von Frieden und Zusammenarbeit zwischen den Staaten.
Was der interreligiöse Dialog in Krisenzeiten beitragen kann, konnte auch im Verlauf der Ringvorlesung beobachtet werden, die infolge der Covid-19 Pandemie online stattfinden musste, uns dadurch aber eine internationale Hörer*innenschaft erreichen lieÃ. So entstanden im Vor- und Umfeld zum Fakultätenschwerpunkt bemerkenswerte Initiativen von Religionsgemeinschaften, die sich ihrer Verantwortung für den Frieden in der Welt und der Solidarität mit jenen bewusst waren, die unter der Pandemie und deren sozialen, ökonomischen und politischen Folgen am meisten zu leiden hatten. Obwohl die Corona-Krise so z. B. für Jüd*innen, Christ*innen und Muslim*innen zu massiven internen Problemen führte â an vielen Orten konnten das jüdische Pessachfest, das christliche Osterfest und der gesamte islamische Fastenmonat Ramadan nur sehr eingeschränkt gefeiert werden und die Gläubigen lange Zeit weder am Schabbat die Synagoge, am Sonntag die Kirche oder am Freitag die Moschee besuchen â bekundeten zahlreiche Religionsvertreter national wie international ihre Solidarität mit den jeweils religiös Anderen und generell mit allen Menschen ungeachtet deren religiöser Zugehörigkeit. Sie appellierten an die Notwendigkeit internationaler Kooperation zum Bestehen der Krise.30 Die Solidarität und Verbundenheit der Menschheit in der Pandemie war auch die Schlüsselbotschaft führender Bischöfe, Imame, Rabbiner oder Swamis, darunter der Wiener Kardinal Schönborn. Deren spirituelle Impulse sowie Einsichten in Glaube und Gesellschaft wurden während der Pandemiezeit vom Onlineprojekt âCoronaspectionâ31 des internationalen âElijah Interfaith Instituteâ verbreitet. In einem GruÃwort dankt Franziskus für das Coronaspection-Projekt: âMein Bestreben ist es, dass diese Worte Gutes bewirken und dass sie den Menschen helfen, das Gefühl der weltweiten Brüderlichkeit zu vertiefen, das die gegenwärtige Krise erfordert.â
Diese kurz skizzierten Entwicklungen im interreligiösen Dialog verdeutlichen, welche Relevanz der Dialog der Religionen in den kommenden Krisenjahren haben kann. Er kann vielen Menschen Hoffnung geben und zum Bewusstsein beitragen, dass die Fülle der aktuellen Krisen nur in menschheitlicher Solidarität und internationaler Kooperation gelöst werden können â über religiöse und weltanschauliche Grenzen hinweg.
1.3 Probleme im interreligiösen Dialog
Freilich dürfen diese positiven Entwicklungen nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich mit dem interreligiösen Dialog auch zahlreiche Probleme verbinden. Innerhalb und zwischen Judentum, Christentum und Islam sind die Notwendigkeit, die jeweiligen theologischen Begründungen, die Interessen und Ziele des interreligiösen Dialogs heterogen und umstritten. Zwischen religiösen und nicht-religiösen Menschen gibt es unzählige Konflikte, die mittels des interreligiösen Dialogs nicht gelöst werden können, so wie auch der interreligiöse Dialog nicht in der Lage ist, soziale, politische oder ökonomische Probleme zu lösen, die sog. Religions-Konflikten vielfach zugrundeliegen. Akteur*innen aus dem politischen Raum interessieren sich vor allem für die gesellschaftlichen und politischen Funktionen des interreligiösen Dialogs â also z. B. Unterstützung bei der Implementierung der Menschenrechte, bei der Stärkung der Demokratie oder in der Wertebildung und moralischen Erziehung â und erwarten sich dabei mitunter das Vertreten von Positionen, die von Teilen der Religionsgemeinschaften aus inner-theologischen Gründen nicht geteilt werden (können) â man denke hier z. B. an die Debatten um Gender, gleichgeschlechtliche Partnerschaften, diverse sexuelle Identitäten, das Recht auf Abtreibung oder assistierten Suizid. Antisemitismus, antimuslimischer Rassismus und die Diskriminierungen von Christ*innen, Einschränkungen und Bedrohungen der Religionsfreiheit â all dies gehört zu jener Realität, in der sich der interreligiöse Dialog vorfindet. Nicht zuletzt ist in der Praxis des interreligiösen Dialogs alles andere als klar oder eindeutig, welche Konzepte, Vorstellungen, Ideen und Motive sich mit ihm verbinden. Vielmehr finden sich diesbezüglich im Alltag des interreligiösen Dialogs auf der Ebene der âNicht-Expert*innenâ höchst unterschiedliche Vorstellungen davon, was dieser ist, wie er sich begründen lässt und welche Ziele er haben soll.
2. Zur Ringvorlesung âJudentum â Christentum â Islam: Inter- und transdisziplinäre Perspektiven auf den interreligiösen Dialog der abrahamitischen Religionenâ
Der vorliegende Band kann und wird auf all diese komplexen Fragen keine Antworten bieten können. Aber dieser gesellschaftlich-praktische Alltags-Kontext war der Ausgangspunkt der Konzeption der Ringvorlesung. Denn aus einer praktisch-theologischen Perspektive, der dieser Band verpflichtet ist, ist der interreligiöse Dialog kein theologisches Glasperlenspiel zwischen Religionsvertreter*innen oder Gelehrten, sondern ist zutiefst eingebettet in gesellschaftliche Kontexte, denen sich Menschen stellen müssen, die sich in diesem Bereich engagieren. Umgekehrt ist eine wissenschaftliche Expertise unabdingbar, um auf die Herausforderungen, die sich im interreligiösen Dialog auch in gesellschaftlicher Hinsicht stellen, fundiert reagieren zu können. Diese Komplexität des interreligiösen Dialogs ist deshalb ebenfalls ein Grund, sich ihm an der Universität Wien aus wissenschaftlicher Perspektive zu widmen. Die inter- sowie transdisziplinäre Erforschung des interreligiösen Dialogs ist ein Gebot der Stunde und im deutschsprachigen Raum bisher ein wissenschaftliches Derivat. Forschung und Lehre in allen wissenschaftlichen Disziplinen sind notwendig, weil als Mensch im 21. Jahrhundert zu leben bedeutet, sich in einer weltanschaulich und religiös pluralen Welt vorzufinden und sich in dieser so bewegen zu können, dass die Diversität der Weltanschauungen wahrgenommen und anerkannt wird und man über die weltanschaulichen Grenzen hinweg miteinander im Dialog stehen und in Frieden zusammenleben kann â unabhängig von der eigenen weltanschaulichen Ãberzeugung. Der interreligiöse Dialog ist dafür eine von mehreren Möglichkeiten, sich dieser Wirklichkeit zu stellen. Religiöse Menschen können aus dieser Sicht daher heute nur mehr âinterreligiösâ leben und sind angehalten, den eigenen Glauben im Dialog mit den religiös und weltanschaulich Anderen wahrnehmen, denken und leben zu lernen. Menschen ohne religiöses Selbstverständnis wiederum sollten zur Kenntnis nehmen, dass Religion für viele Menschen ein existenzieller Lebensbereich ist, der auch von öffentlicher Relevanz ist â auch und gerade dann, wenn in Gesellschaften, die sich selbst als säkular verstehen, die Frage nach der Verortung von Religion und Religionsgemeinschaften neu diskutiert wird, und Religionsgemeinschaften bzw. Religiosität in ihrem Einfluss auf die Werte der säkularen Gesellschaft einen ambivalenten Einfluss haben, also z. B. affirmative Einstellungen zu Demokratie, kultureller Pluralität oder gleichgeschlechtlichen Beziehungen fördern aber auch blockieren können.32 Wir leben in Gesellschaften, die vor der Herausforderung eines mehrfachen Pluralismus stehen (innerhalb und zwischen den Religionen, zwischen Religionen und säkularer Gesellschaft)33 und zugleich von einem säkularen Paradigma geprägt sind, das Religion legitimationspflichtig macht.34
Um den Beitrag des interreligiösen Dialogs zu gesellschaftlichen Herausforderungen besser identifizieren und verstehen zu können, ist es daher u. a. nötig, dessen Selbstverständnis aus der Sicht der beteiligen Akteur*innen, seine Geschichte und soziokulturellen Funktionen, die Probleme, die ihn begleiten, sowie den Prozess des interreligiösen Lernens kennen- und verstehen zu lernen. Auf diese Weise können die Chancen, aber auch die Grenzen des interreligiösen Dialogs besser ausgelotet werden.
Der vorliegende Band ist ein erster Schritt, sich diesem Anliegen aus wissenschaftlicher Sicht zu widmen. Historische, theologische, sozial-, kultur- und religionswissenschaftliche wie bildungswissenschaftliche Zugänge eröffnen heterogene Perspektiven auf das komplexe Phänomen des interreligiösen Dialog zwischen Jüd*innen, Christ*innen und Muslim*innen.
Leider kommen in diesem Band aus Ressourcen- und Zeitgründen nicht alle wissenschaftlichen Disziplinen zu Wort, die zu einer umfassenden Erforschung notwendig wären; so fehlen z. B. die Perspektive der Rechtswissenschaften, der Psychologie, der Philosophie, der Politikwissenschaft35 und der vielen theologischen Subdisziplinen in Judentum, Christentum und Islam. Die Fachdisziplinen, die für diesen Band ausgewählt wurden, verdanken sich vielmehr jenen Themen und Fragen, die in der Praxis des interreligiösen Dialogs auf der Ebene des Alltags regelmäÃig auftauchen, aber auch den zur Verfügung stehenden Expert*innen. Viele Fragen werden offen bleiben. Zugleich hoffe ich aber, mit diesem Band zu einer intensivierten inter- und transdisziplinären Forschung im deutschsprachigen Raum anzuregen. Als katholische Theologin ist der interreligiöse Dialog für mich nicht nur eine gesellschaftliche bzw. politische Notwendigkeit oder âModeerscheinungâ, sondern eine aus theologischen Gründen verpflichtende Praxis, zu der sich die Katholische Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil bekennt.36 In Nostra Aetate 2 hält sie fest: âDie katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist. Mit aufrichtigem Ernst betrachtet sie jene Handlungs- und Lebensweisen, jene Vorschriften und Lehren, die zwar in manchem von dem abweichen, was sie selber für wahr hält und lehrt, doch nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet.â Interreligiöser Dialog wäre also selbst dann eine verpflichtende Praxis für Katholik*innen, wenn diese nicht mit der Anwesenheit religiös Anderer gesellschaftlich herausgefordert wären. Denn es geht um nichts weniger als das gemeinsame Ringen um das vertiefte Verständnis der geoffenbarten Wahrheit Gottes, die zu verstehen auch gläubige Katholik*innen immer wieder aufs Neue aufgefordert sind. Dazu bedarf es aus praktisch-theologischer Sicht aber eben auch einer interdisziplinären Forschung, die die interreligiöse Praxis gleichsam bei der Entwicklung eines wissenschaftlich vermittelten Bewusstseins ihrer selbst unterstützt und dabei den am interreligiösen Dialog Interessierten entsprechende Kenntnisse und Kompetenzen vermittelt.
Von daher ist der vorliegende Band von folgenden Zielen und Interessen geleitet:
Studierende und am interreligiösen Dialog Interessierte sollen â unabhängig von ihrem weltanschaulichen Selbstverständnis â für die Komplexität des interreligiösen Dialogs sensibilisiert werden und diesen wissenschaftlich multiperspektivisch wahrnehmen und erstmals bzw. besser kennen und verstehen lernen.
Dazu sollen sie ausgewählte basale Kenntnisse erwerben, die den interreligiösen Dialog sowohl aus der historischen und theologischen Innenperspektive der beteiligten Religionen als auch aus der AuÃenperspektive nicht-theologischer Wissenschaften wie der Geschichtswissenschaft, der Religions-, Sozial- und Kulturwissenschaft erforschen.
Weiters soll ein Bewusstsein für die gesellschaftliche Relevanz und konkreten Probleme im Umfeld des interreligiösen Dialogs gefördert werden; exemplarisch stehen dafür die Bedeutung des interreligiösen Dialogs für Frieden, Gerechtigkeit und Solidarität, aber auch die Rolle der Frauen im interreligiösen Dialog sowie die Auseinandersetzung mit Antisemitismus und Islamfeindlichkeit.
Nicht zuletzt soll anhand eines religionspädagogischen Zugangs auch gezeigt werden, dass und wie interreligiöser Dialog im Rahmen von Lernprozessen eingeübt und gelernt werden kann und muss.
Der Band richtet sich also nicht nur an Theolog*innen, sondern an eine breitere, interessierte Hörer*innenschaft. Er erhebt auch nicht den Anspruch, in den aktuellen Status quo der historischen, systematisch-theologischen, exegetischen etc. Forschung einzuführen, sondern stellt eine Möglichkeit für ein heterogenes Publikum dar, in wissenschaftliche Fragestellungen zum interreligiösen Dialog einzusteigen.
3. Aufbau und Inhalt
3.1 Aufbau
Der Band gliedert sich von daher in drei Teile. Im ersten Teil verdeutlichen Statements von Leitungspersonen der an der Ringvorlesung beteiligten Institutionen der Universität Wien, welche Aufgabe einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem interreligiösen Dialog aus ihrer Sicht zukommt. Der zweite Teil widmet sich historischen und theologischen Themen aus jüdischer, christlicher und islamischer sowie geschichtswissenschaftlicher Perspektive. Deutlich wird dabei, dass und wie Religionsgemeinschaften die Praxis des interreligiösen Dialogs aus eigenen religiösen Quellen begründen (müssen). Zum anderen zeigt sich, dass der zeitgenössische interreligiöse Dialog von historischen Kontexten, Prozessen und Erblasten ebenso geprägt ist wie von positiven Erfahrungen. Um das Bewusstsein zu fördern, dass die Einschätzung historischer und theologischer Argumentationen aus wissenschaftlicher Sicht durchaus heterogen und widersprüchlich ist, werden (fast37) alle Hauptvorträge jeweils von Repliken ergänzt. Im dritten Teil werden inter- und transdisziplinäre Perspektiven auf den interreligiösen Dialog geworfen, die die Rolle der Frauen im interreligiösen Dialog exemplarisch analysieren, den Beitrag eines sozial-, kultur- und religionswissenschaftlichen Zugangs identifizieren sowie konkrete Praxiserfahrungen und Probleme im Alltag und Kontext des interreligiösen Dialogs diskutieren.
3.2 Inhalt
Teil 1: Statements
Christa Schnabl, Vizerektorin für Studium und Lehre an der Universität Wien, setzt sich in ihrem Statement âInterreligiöser Dialog: (K)eine Aufgabe einer Universität?!â anlässlich der Eröffnung der Ringvorlesung mit der Frage auseinander, welche Position die Universität (Wien) gegenüber dem interreligiösen Dialog in Forschung und Lehre einnimmt. Dazu reflektiert sie auch die Rolle theologischer Fakultäten an staatlichen Universitäten, die unter verstärktem Legitimationsdruck hinsichtlich ihrer wissenschaftstheoretischen Positionierung stehen. Vor diesem Hintergrund identifiziert sie die spezifischen Aufgaben der theologischen und interdisziplinären Forschung und Lehre zum interreligiösen Dialog an einer öffentlichen Universität sowie den spezifischen Beitrag der Religionsforschung an der Universität Wien.
Johann Pock, ehem. Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät und Professor für Pastoraltheologie an der Universität Wien, verortet in seinem Statement âInterreligiöser Dialog aus Sicht der Katholisch-Theologischen Fakultätâ die Relevanz des interreligiösen Dialogs im Kontext zeitgenössischer globaler Krisen und betont aus der Perspektive der römisch-katholischen Theologie und des kirchlichen Lehramtes die Rolle, die der interreligiöse Dialog zur Lösung dieser Probleme innehaben kann und soll. Einen Schwerpunkt setzt er dabei auf die Anliegen von Papst Franziskus. Vor diesem Hintergrund beschreibt er im weiteren, wie der interreligiöse Dialog in Forschung und Lehre an der Katholisch-Theologischen Fakultät in Wien verankert ist.
Wilfried Engemann, ehem. Dekan der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien und Professor für Praktische Theologie, nähert sich in seinem Statement âLebensdienlichkeit als Basiskategorie des interreligiösen Dialogs. Anthropologische und religionssoziologische Prämissen im Diskurs der Theologienâ dem Thema der Interreligiosität aus anthropologischer und soziologischer Sicht und formuliert mit der Kategorie der âLebensdienlichkeitâ die Grundlage für theologische Diskurse über den interreligiösen Dialog. Erst die Bezugnahme auf dieses der conditio humana verpflichtete Prinzip mache eine theologische Analyse von (z. B. christlichen, jüdischen oder muslimischen) Glaubenskulturen und religiöser Praxis möglich. Eine solche Perspektive legitimiere überdies die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit âReligionâ, da diese eine gesellschaftliche Ausdrucks- und Bewältigungsform des Lebens ist und wie jeder gesellschaftliche Praxisbereich kritisch-konstruktiver Begleitung bedarf.
Für Gerhard Langer, Professor am Institut für Judaistik der Universität Wien, ist âDer Beitrag eines Instituts für Judaistik zum interreligiösen Dialogâ und dessen wissenschaftliche Erforschung wesentlich der Solidarität mit Jüdinnen und Juden geschuldet, die auch in Ãsterreich in wachsendem Ausmaà mit Antisemitismus konfrontiert sind. Nach einem Einblick in die Präsenz und Geschichte jüdischer Studien in Ãsterreich beschreibt Langer am Beispiel der verstärkten wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der sephardischen Tradition, wie sich das Institut für Judaistik in Wien dem interreligiösen Dialog öffnet.
Aus der Sicht von Zekirija Sejdini, Vorstand und Professor am Institut für Islamische Theologie und Religionspädagogik der Universität Innsbruck und zum Zeitpunkt der Ringvorlesung Vorstand am Institut für Islamisch-Theologische Studien an der Universität Wien, können Theologie und die Generierung religiösen Wissens in säkularen Gesellschaften nur mehr interreligiös und im Dialog mit nicht-religiösen Menschen betrieben werden. Diese Position begründet er in seinem Statement âHerausforderungen und Chancen des interreligiösen Dialogs aus islamisch-theologischer Perspektiveâ u. a. mit der Verpflichtung theologischer Forschung, zum gesellschaftlichen Frieden beizutragen.
Ausgehend von der Utopie einer Universität, die der âGesellschaft ein Bewusstsein ihrer selbst gibtâ (Klaus Heinrich) beschreiben Jakob Helmut Deibl, Assistenzprofessor an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien und wissenschaftlicher Manager des Forschungszentrums RaT, und seine Kollegin, die Arabistin und Islamwissenschaftlerin Margareta Wetchy in ihrem Statement âInterreligiöser Dialog: Ein Thema des Forschungszentrums RaT?â die Perspektiven, aus denen sich das Forschungszentrum dem interreligiösen Dialog nähert und stellen ausgewählte Projekte dar. Sie betonen, dass sich Transformationsprozesse von Religionen immer auch in einem Wechselspiel mit anderen Religionen vollziehen und sich eine interreligiöse Perspektive immer auch in zentralen gesellschaftlichen Feldern wie Migration, Gender, Bildung, Recht uva. bewähren muss.
Florian Welzig, Leiter des im Bundeskanzleramt der Republik Ãsterreich angesiedelten Kultusamts, skizziert in seinem den Teil der Statements abschlieÃenden Beitrag âDialog und soziale Kohäsionâ das spezifische Interesse einer staatlichen Institution am interreligiösen Dialog und betont dabei die Notwendigkeit wissenschaftlicher Expertise für die Arbeit des Kultusamtes. Er streicht die Wichtigkeit der Kooperation heraus und wünscht sich einen Dialog, in dem von allen Akteuren der soziale Zusammenhalt gefördert wird.
Teil 2: Historische und theologische Perspektiven
Der herausfordernde Beitrag âDie Not mit dem Messias und der antijüdische Affekt des Heidenchristentumsâ von Wolfgang Treitler, ao. Professor für Fundamentaltheologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, zielt auf den Kern der Differenz im christlich-jüdischen Dialog: die Christologie. Basierend auf zahlreichen, in der deutschsprachigen Theologie bisher noch kaum rezipierten Studien zur Entstehungsgeschichte des frühen Christentums und der dabei entstehenden Dogmatik weist er nach, dass, wie und warum das Heidenchristentum das neutestamentliche Zeugnis von Jesus, dem Messias transformiert bzw. auch aufgehoben hat und dabei in der dogmatischen Christuslehre einen antijüdischen Kern implantiert hat, der seine mörderische Wirkung in der Verfolgung der Juden bis hin zur Shoah entfaltet hat. Aus dieser historisch-theologischen Sicht ist jeder Dialog, der sich den damit verbundenen Anfragen und Herausforderungen an die Christologie nicht stellt, nicht nur nicht aufrichtig, sondern birgt mit einer unveränderten Christus-Lehre weiterhin antijüdisches Gefahrenpotential.
Adam Shehata, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Islamische Theologie der Universität Osnabrück, nähert sich dem Dialog nicht theologisch, sondern auf der Basis der Beschreibung ausgewählter Beispiele des Zusammenlebens zwischen Jüd*innen, Christ*innen und Muslim*innen im frühen Islam der ersten drei Jahrhunderte. In seinem Beitrag âDer frühe Islam in seiner Begegnung mit Judentum und Christentum â Vielschichtige Beziehungenâ fokussiert er dabei zum einen auf in der islamischen Tradition überlieferte Lebensereignisse des Propheten Mohammed; zum anderen auf das Leben von jüdischen und christlichen Gemeinden im arabischen Raum unter islamischer Herrschaft. Im Zentrum stehen dabei vor allem â aus der Sicht der damaligen Epoche â positive Beispiele des Zusammenlebens. Diese sollte man zwar weder idealisieren noch lassen sie sich unmittelbar als Role-Modell auf die Gegenwart übertragen â aber sie verdeutlichen, dass es für die Anerkennung von religiöser Diversität im Islam durchaus zahlreiche Anknüpfungspunkte und die Erinnerung an eine jahrhundertelange praktische Erfahrung gibt, die den Alltag des Zusammenlebens prägte.
Mit dem Beitrag âChristen, Juden und Muslime im Frühmittelalterâ bringt Walter Pohl, em. Professor für Mittelalterliche Geschichte und Historische Hilfswissenschaften an der Universität Wien, eine weitere historische Perspektive ein, die verdeutlicht, wie mit der Verbreitung der abrahamitischen Religionen im Frühmittelalter nicht nur eine im Vergleich zur Spätantike tiefgreifende Veränderung des Verständnisses von âReligionâ entsteht, sondern auch wesentliche Weichen für das Verhältnis von Jüd*innen, Christ*innen und Muslim*innen zueinander gestellt werden, die auch heute noch deren Beziehungen prägen bzw. belasten. Pohl skizziert die Neuerungen, die mit den abrahamitischen Religionen einhergehen â von der Unterscheidung zwischen âwahrerâ und âfalscherâ Religion und den damit verbundenen Gültigkeitsansprüchen über Erlösungsvorstellungen bis zum Missionsverständnis und Universalitätsansprüchen â, beschreibt aber auch die Unterschiede und Konfliktfelder zwischen Judentum, Christentum und Islam aus historischer Perspektive.
Welch fatale Rolle der christliche Antijudaismus im Frühmittelalter im Verhältnis zum Judentum spielt, zeigt in ihrer Replik Uta Heil, Dekanin und Professorin für Kirchengeschichte an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. In ihrem Beitrag âAugustins Schutzschild für die Juden und seine Wirkung. Eine Problemanzeigeâ setzt sie sich kritisch mit der Meistererzählung zahlreicher Historiker auseinander, die Theologie über die Juden des Kirchenvaters Augustinus und deren Rezeption in der Kirchengeschichte habe diese lange Zeit beschützt und noch Schlimmeres verhindert. Ihre auf fundierter Quellenforschung beruhenden Ergebnisse widerlegen diese Behauptungen nicht nur, sondern werfen für das Christentum die Frage auf, welche Verantwortung es von Beginn an für das spätere konfliktive Verhältnis der abrahamitischen Religionen trägt.
Der Kirchenhistoriker Rupert Klieber, ao. Professor an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, verstärkt und ergänzt in seiner Replik âVom Neben-, Mit- und Gegeneinander der Juden / Christen / Muslime in der Welt bis 1500â in 40 Thesen die Ausführungen von Walter Pohl. In einer tour dâhorizon über die Religionsgeschichte in den Heimatregionen der abrahamitischen Religionen â beginnend mit dem Christentum â bietet er nicht nur einen Ãberblick, sondern zeigt u. a., dass insbesondere âMonotheismen in powerâ zu jenen historischen Konflikten und Gewaltproblematiken geführt haben, die in der Wahrnehmung der Religionsgeschichte aktuell im Zentrum stehen. Demgegenüber ist die Forschung zu den oft sehr langen Phasen friedlichen Zusammenlebens vergleichsweise wenig vorhanden. Seine Thesen zeigen, dass die Frage, ob monotheistische Religionen Unruhe und Leid mehren oder lindern, differenziert beantwortet werden muss. Sie machen überdies erneut die Notwendigkeit deutlich, sich auch im interreligiösen Dialog mit der Geschichte des Verhältnisses der Religionen zueinander zu befassen.
Aus jüdischer Perspektive beschreibt der deutsche Rabbiner Dr. Jehoshua Ahrens, u. a. Mitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz in Deutschland und ehrenamtlicher Direktor für Zentraleuropa des Center for Jewish-Christian Understanding and Cooperation, in seinem Beitrag âGrundlagen und Interessen des Dialoges mit Christen aus jüdischer Perspektiveâ die Geschichte des Dialogs zwischen Jüd*innen und Christ*innen. Dabei wird deutlich, wie sehr sich das Verhältnis des insbesondere orthodoxen Judentums bereits vor der Shoah, aber dann auch nach dem Zweiten Weltkrieg geändert hat â trotz Diskriminierung, Verfolgung und Mord und auch in theologischer Hinsicht. Anhand zweier jüdisch-orthodoxer Erklärungen anlässlich des 50. Jahrestages von Nostra Aetate erörtert Rabbiner Ahrens die zeitgenössischen orthodoxen Positionen zu insbesondere katholischen Christ*innen, identifiziert zukünftige gemeinsame Aufgaben und betont angesichts nach wie vor tiefgreifender Unterschiede, die keinesfalls ausgeblendet werden können oder müssen, die Nähe zwischen orthodoxen Juden und frommen Christen.
Dr. Willy Weisz, der jüdische Vizepräsident des Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Ãsterreich, zeigt in seiner âReplik auf Rabbiner Jehoshua Ahrensâ, dass es trotz der veränderten theologischen Sichtweisen auf das Judentum seit Nostra Aetate nach wie vor Schwierigkeiten im interreligiösen Dialog gibt, u. a. in Bezug auf die nach wie vor nicht flächendeckende Anerkennung des Verzichts auf Judenmission, aber auch mit Blick auf den Dialog mit Muslim*innen, die aufgrund des strengen Monotheismus dem Judentum zwar näher stehen, aber in konkreten Praxis- und Rechtsfragen dann doch deutliche Unterschiede aufweisen. Trotz dieser Schwierigkeiten ist aus seiner Sicht der interreligiöse Dialog jedoch um der Intensivierung des wechselseitigen Verständnisses und der Zusammenarbeit notwendig und wichtig.
Ausgehend von einem Verständnis des Kanons als Alternative zu den Narrativen, Zeitvorstellungen und Repräsentationen herrschender Mächte und der damit verbundenen Eröffnung einer Alterität und Dezentrierung des eigenen Selbst, die einen offenen Ãbersetzungsprozess fordern, widmet sich Kurt Appel, Professor für Theologische Grundlagenforschung an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, in seinem Beitrag âKritik an Repräsentationen der Macht. Die politische Dimension des Evangeliums in der geschwisterlichen Alterität von Bibel und Koranâ der Frage, ob nicht der Koran vom Christentum als geoffenbarte, kanonische Schrift und damit als Evangelium anerkannt werden sollte. In einem interpretatorischen Durchgang durch Altes und Neues Testament, in dem der Name Gottes und seine Repräsentation in Jesus von Nazareth im Zentrum steht, verdeutlicht er, dass die Bibel den Blick auf die Geschichte radikal umwendet, indem sie die Zeit nach vorne hin öffnet, die Repräsentationen von Siegermächten durchkreuzt und den Blick auf die Opfer und Besiegten hin wendet. Diese Alteritäts-Bezogenheit von Tenach und Bibel eröffnet eine das Christentum durchaus herausfordernde Perspektive auf den Koran.
Einspruch in Form theologischer assertorischer Rede gegen die These vom Islam als Offenbarung für Christen leistet Ulrich H.J. Körtner, Professor für Systematische Theologie H.B. an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, in seiner Replik auf Kurt Appel. In seiner âThesenreiheâ bezieht er sich u. a. auf die Unterscheidung zwischen Religion und Offenbarung sowie Unterschiede im Offenbarungsverständnis und äuÃert sich kritisch zum islamischen Vorwurf des taḥr
Martin Jäggle, em. Professor für Religionspädagogik und Katechetik der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, ergänzt in seiner Replik âIslam als Offenbarung für Christen?â den Beitrag von Kurt Appel, indem er sich drei Themen widmet, die nachvollziehbar machen, warum diese Frage in der Katholischen Kirche und Theologie überhaupt möglich und beantwortbar geworden ist. Dazu skizziert er zunächst den grundlegenden Paradigmenwechsel der Katholischen Kirche, den diese vor allem am Zweiten Vatikanischen Konzil im Verhältnis zu den religiös Anderen vollzogen hat. Danach beschreibt er, welche Auswirkungen dieser Einstellungswechsel auf die Auseinandersetzung mit dem Islam hat, um abschlieÃend anhand der Theologie des Jesuiten Jacques Dupuis zu verdeutlichen, wie Schritte zu einer christlichen Theologie des religiösen Pluralismus aussehen können.
Eine islamisch-theologische Perspektive auf den interreligiösen Dialog bietet Amena Shakir, Leiterin der Interdisziplinären Forschungsstelle Islam und Muslim*innen in Europa der Sigmund Freud Privatuniversität Wien, in ihrem Beitrag âInterreligiöser Dialog mit Juden und Christen aus islamischer Perspektiveâ. Dabei zeigt sie auf der Basis des Korans, ausgewählter Hadithe und der Forschung zeitgenössischer islamischer Theologen, dass Dialog aufgrund der grundlegenden, gottgewollten und durch Menschen unaufhebbaren Vielfalt der Schöpfung konstitutiv für ein islamisches Selbstverständnis und sogar Ziel der Schöpfung ist. Der Beitrag diskutiert Grundlagen, Interessen, Ziele, ethische Prinzipien, praktische Konsequenzen, wie z. B. den Umgang mit Konflikten, sowie Grenzen des interreligiösen Dialogs mit Jüd*innen und Christ*innen. Die Alternativlosigkeit beständigen Dialogs wird dabei ebenso deutlich wie die Notwendigkeit der Anerkennung fundamentaler und unaufhebbarer Differenz.
3. Teil: Inter- und transdisziplinäre Perspektiven
Der Thematik âFrauen im interreligiösen Dialogâ widmet sich Edith Petschnigg, Dozentin für Alttestamentliche Bibelwissenschaft an der Privaten Pädagogischen Hochschule Augustinum in Graz. In ihrem Beitrag âDer Dialog und die Frauen. Ein Blick auf interreligiöse Basisinitiativen aus feministischer Perspektiveâ zeigt sie, dass infolge der strukturellen Machtverhältnisse und damit verbundenen männlichen Dominanz auf institutioneller Ebene innerhalb vieler Religionsgemeinschaften Frauen im interreligiösen Dialog vor allem auf der Ebene von Basisinitiativen zu finden sind. Exemplarisch für diesen Sachverhalt beschreibt sie anhand der Biografie von Erika Horn und der Geschichte der durch diese initiierten Christlich-Jüdischen Bibelwoche in Ãsterreich, der Antijudaismus-Debatte in der feministischen Theologie sowie zeitgenössischer Initiativen des trilateralen Dialogs zwischen Jüdinnen, Christinnen und Musliminnen die Relevanz solcher Initiativen für das interreligiöse Zusammenleben wie auch die Forschung.
Mit seinem Beitrag âInterreligiöser Dialog aus sozial- und kulturwissenschaftlicher Sichtâ bietet Karsten Lehmann, Hochschulprofessor für Interreligiosität an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems, einen ebenso profunden wie umfassenden Ãberblick über die Genese, aktuelle Forschungspole, -stränge und -felder sowie zukünftige Forschungsdesiderate zum interreligiösen Dialog aus der Perspektive der Sozial- und Kulturwissenschaften. Dabei werden die Unterschiede zu einem theologisch-historischen Zugang ebenso deutlich wie der eigenständige Beitrag der zahlreichen Studien zur Erforschung des interreligiösen Dialogs, die Lehmann in seinem Beitrag präsentiert. Unter anderem werden die Ein- und Verbindung des interreligiösen Dialogs mit anderen gesellschaftlichen Feldern (Politik, Ãkonomie, Kultur etc.) und deren Interessen sowie der enge Zusammenhang mit groÃen gesellschaftlichen Themen wie Frieden oder Tendenzen wie Globalisierung und Säkularisierung erkennbar, wie Lehmann am Fallbeispiel seines Forschungsprojektes âTalking Dialogueâ eindrücklich zeigt.
Aus der Perspektive eines in der Praxis des interreligiösen Dialogs in zahlreichen Initiativen wie z. B. âReligions for Peaceâ engagierten Religionswissenschaftlers präsentiert Michael A. Schmiedel, Universität Bielefeld, in seiner Replik auf Karsten Lehmann eine andere Sicht auf die religionswissenschaftliche bzw. religionssoziologische Strukturierung des Forschungsobjektes âinterreligiöser Dialogâ. Dabei macht er vor allem den Subjekt-Status der am interreligiösen Dialog beteiligten Akteur*innen auch im Prozess der Forschung stark und argumentiert, dass dieser nicht am âRandâ (wie Lehmann meint), sondern in der âMitteâ der Religionen angesiedelt sei. In der in der Religionswissenschaft vernachlässigten Subdisziplin der Religionsphänomenologie erkennt er überdies eine Brückendisziplin zwischen einem religionswissenschaftlichen und einem theologischen Zugang zum interreligiösen Dialog, deren Zusammenarbeit es in einer Zeit globaler Herausforderungen bedarf.
Dass einander im interreligiösen Dialog genau besehen keine âReligionenâ, sondern konkrete Menschen mit ihren je spezifischen Sichtweisen auf Verständnis, Interesse und Ziel des interreligiösen Dialogs begegnen, betont auch der Beitrag âInterreligiöser Dialog: Konkrete Zugänge und praktische Erfahrungenâ von Yuval Katz-Wilfing, Religionswissenschaftler und Geschäftsführer des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Ãsterreich, Canan Yasar, islamische Religionslehrerin und Bundesvorsitzende der Muslimischen Jugend Ãsterreichs, und Regina Polak, assoz. Professorin für Praktische Theologie und Religionsforschung an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien und Herausgeberin dieses Bandes. Der Beitrag stellt die wichtigsten Themen ihres Dialogs im Rahmen der Ringvorlesung zusammen und widmet sich dabei dem Verständnis des interreligiösen Dialogs sowie den praktischen Herausforderungen im interreligiösen Dialog aus der persönlichen Sicht der drei Autor*innen, die seit Jahren im bi- und trilateralen Dialog zwischen Judentum, Christentum und Islam aktiv sind.
Im Zusammenhang mit interreligiösem Dialog muss man sich auch mit jenen Phänomenen auseinandersetzen, die diese begleiten und erschweren: dem Antisemitismus und der Islam- bzw. Muslimfeindlichkeit. Diese kommen in den folgenden Beiträgen vor allem aus der Perspektive ihres Zusammenhangs mit âReligionâ in den Blick.
Dass der Antisemitismus bis heute konstitutiv mit religiösen Motiven â in säkularisierter Form â durchsetzt ist, zeigt aus einer generischen Perspektive Andreas Peham, Rechtsextremismus- und Antisemitismusforscher am Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes in Wien. In seinem Beitrag âZeitgenössische Formen des Antisemitismus â mit Verweis auf wiederkehrende Motive aus der (christlichen) Traditionâ zeigt er anhand zahlreicher historischer und zeitgenössischer Beispiele, wie Motive des christlichen Antisemitismus in der Zeit des Nationalsozialismus auf die Spitze getrieben wurden und bis heute in neuen Camouflagen anzutreffen sind. Motive vom âJudenâ als âLügner, Kapitalist, Verschwörer, Blutsauger, Kindermörder und Brunnenvergifterâ kehren über Jahrhunderte hinweg bis in zeitgenössische Verschwörungsmythen kontinuierlich wieder und lassen deren Ursprung im christlichen Antijudaismus erkennen.
In aktuellen Debatten zur Antisemitismusforschung erfährt auch der Antisemitismus von islamischer bzw. muslimischer Seite verstärkt Aufmerksamkeit. Diesem Thema widmet sich Franz Winter, Professor für Religionswissenschaft an der Universität Graz, in seinem Beitrag âAntisemitismus im Islam. Religionswissenschaftliche Anmerkungenâ aus primär religionshistorischer Sicht mit dem Ziel, die aktuellen Probleme und Herausforderungen angemessen einordnen zu können. So widmet sich der Beitrag zunächst einer detaillierten Beschreibung und Analyse des Antisemitismus als rezentem Phänomen in islamischen Ländern in den beiden vergangenen Jahrhunderten. Im Zuge dessen bestätigt er die These, dass sich dieser maÃgeblich der Rezeption des europäischen bzw. christlichen Antisemitismus verdankt. Im weiteren aber zeigt der Beitrag in einer Darstellung des historischen Verhältnisses zwischen Islam und Judentum insbesondere in der Frühzeit des Islam, dass es auch in der islamischen Tradition selbst religiöse Anknüpfungspunkte für Antisemitismus gibt. Diese religiöse Ablehnung von Juden kam zwar erst sehr spät zum Tragen und verweist eher auf Antipathie, ausgelöst durch Abgrenzungstendenzen infolge groÃer Nähe, als auf Antisemitismus im modernen Sinn. Aber unter bestimmten Rahmenbedingungen kann sie den Boden für expliziten Antisemitismus bereiten â und tut dies auch.
Vor dem Hintergrund der âIslamisierungâ gesellschaftlicher Probleme widmet sich der Politikwissenschaftler Benjamin Opratko, u. a. Post-Doc Researcher im Forschungsprojekt âCuRe â Cultures of Rejectionâ (www.culturesofrejection.com) am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien, in seinem Beitrag âReligion und Säkularismus im antimuslimischen Rassismus der Gegenwart: Muslim*innen als anachronistische Andereâ der Frage nach dem antimuslimischen Rassismus bzw. der Islamophobie und Islamfeindlichkeit. Dazu skizziert er zunächst die aktuelle Forschungs- und Debattenlandschaft, um sodann seinen eigenen Zugang zu präsentieren: der spezifischen Form der Abwertung und Dämonisierung von Muslim*innen durch den sogenannten âhistorizistischen Rassismusâ, der â vor allem auf liberaler und linker politischer Seite â âim Namen der Emanzipationâ anzutreffen ist. Dabei fokussiert er insbesondere auf die Zuschreibungen einer âbesonderenâ Religiosität von Muslim*innen, denen wiederum ein spezifisches Verständnis von Säkularität und Säkularismus zugrunde liegt.
In seiner Replik auf Benjamin Opratko streicht Christoph Konrath, Jurist und Politikwissenschaftler sowie Lektor an den Universitäten Wien und Salzburg, die Stärken des Zugangs zum antimuslimischen Rassismus von Benjamin Opratko hervor, der sich klassischen Polarisierungen in Diskursen über âden Islamâ entzieht. Zugleich stellt er weiterführende Rückfragen, die sich auf die Frage nach einer notwendigen âÃbersetzungâ der Diskurse in diesem Forschungsfeld für die breitere Ãffentlichkeit, auf die Möglichkeit der Durchsetzung von Rechten der von antiislamischem Rassismus Betroffenen, sowie Veränderungen im Bereich des Religions- und Säkularisierungsverständnisses in rechtlichen Kontexten beziehen.
Eine religionspädagogische Sicht auf den interreligiösen Dialog werfen zuletzt Martin Rothgangel, Professor für Religionspädagogik an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, und Helena Stockinger, Professorin für Katechetik, Religionspädagogik und Pädagogik an der katholischen Privatuniversität Linz. In ihrem Beitrag âSozialpsychologische Einstellungs- und Vorurteilsforschung in ihrer Bedeutung für interreligiöses Lernenâ machen sie Erkenntnisse und Theorien der Vorurteilsforschung für das interreligiöse Lernen fruchtbar. Denn die Förderung von Toleranz und Verständnis für Menschen anderer Religionszugehörigkeit sowie der Abbau negativer Einstellungen bedarf wesentlich auch der Bearbeitung von Einstellungen und Vorurteilen gegenüber religiös Anderen. Nach einer kritischen Sichtung von Theorien und anschaulichen Beispielen, in denen Vorurteile gegenüber religiös Anderen als Kategorisierungs-, Identitäts- und Sozialisationsproblem identifiziert werden, entwickeln die Autor*innen konkrete Strategien der Einstellungsänderung, die nicht nur für pädagogische Settings von Interesse sind, sondern auch bei der Etablierung interreligiöser Begegnungssettings bedacht werden sollten.
In ihrer Replik âInterreligiöse Bildung aus fachdidaktischer Perspektiveâ diskutiert Andrea Lehner-Hartmann, Dekanin und Professorin für Religionspädagogik und Katechetik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, die Rezeption der sozialpsychologischen Vorurteilsforschung im Kontext schulischer Realität und fokussiert dabei insbesondere auf die Erfahrungen und Situation von Kindern und Jugendlichen sowie die Herausforderungen, die sich für Lehrpersonen stellen, die zur Rekategorisierung, Dekategorisierung und wechselseitigen Differenzierung in der Bearbeitung von Einstellungen und Vorurteilen gegenüber religiös Anderen beitragen wollen und sollen.
Literaturverzeichnis
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Universität Wien: Forschungszentrum âReligion and Transformation in Contemporary Societyâ, online verfügbar unter https://www.religionandtransformation.at/ (Zugriff: 10.12.2022).
United Nations: World Interfaith Harmony Week 1â7 February, online verfügbar unter https://www.un.org/en/observances/interfaith-harmony-week (Zugriff 10.12.2022).
Zeglovits, Eva: Antisemitismus 2020. Ergebnisanalyse im Ãberblick â österreichrepräsentative Studie. Studie im Auftrag des österreichischen Parlaments, online verfügbar unter https://www.antisemitismus2020.at/wp-content/uploads/antisemitismus_2020_kurzbericht_oesterreichweite_ergebnisse.pdf (Zugriff: 15.07.2022).
Zentrum Theologie interkulturell und Studium der Religionen, online verfügbar unter https://www.plus.ac.at/ztkr/ (Zugriff: 10.12.2022).
Einen detaillierten Ãberblick über die einzelnen Initiativen bietet das Projekt âInterreligiöser Dialog in Ãsterreichâ von Wolfram Reiss und Robert Wurzrainer am Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, Interreligiöser Dialog in Ãsterreich: Dialoginitiativen in Ãsterreich (für detaillierte Angaben siehe Literaturverzeichnis).
Online verfügbar unter: Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit.
Interreligiöser Dialog in Ãsterreich: Plattform âChristen und Muslimeâ.
Online verfügbar unter: Kirchliche Pädagogische Hochschule Wien-Krems.
z. B. Interreligiöser Dialog in Ãsterreich: Gebetsräume im Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien.
z. B. im Rahmen der Theologischen Kurse der Katholischen Kirche Ãsterreichs, Interreligiöser Dialog in Ãsterreich: Theologische Kurse.
Online verfügbar unter: Abteilung Religion & Ethik / ORF.
Online verfügbar unter: Zentrum Theologie interkulturell und Studium der Religionen.
Universität Innsbruck: Zentrum für interreligiöse Studien.
Universität Graz: Projektbeschreibung. Christlich-Islamischer Religionsunterricht im Teamteaching.
Universität Wien: Forschungszentrum âReligion and Transformation in Contemporary Societyâ.
Institut für Praktische Theologie: Forschungsschwerpunkt âInterreligiosität im säkularen Kontextâ.
Vgl. Lehmann, Interreligiöser Dialog aus sozial- und kulturwissenschaftlicher Sicht, in diesem Band XX.
Aschauer, Einstellungen zu Muslimen in Ãsterreich.
Zeglovits, Antisemitismus 2020.
z. B. âVon einem Juden kann man nicht erwarten, dass er anständig ist.â; âWenn ich jemanden kennenlerne, weià ich in wenigen Minuten, ob dieser Mensch Jude ist.â; âIn den Berichten über Konzentrationslager und Judenverfolgung im 2. Weltkrieg wird vieles übertrieben dargestellt.â; âWenn es Israel nicht mehr gibt, dann herrscht Frieden im Nahen Osten.â; âJuden haben wenig Interesse, sich in das jeweilige Land zu integrieren, in dem sie leben. Das ist der Hauptgrund für ihre ständigen Probleme.â; âEs ist nicht nur Zufall, dass die Juden in ihrer Geschichte so oft verfolgt wurden, zumindest zum Teil sind sie selbst schuld daran.â âJuden haben nach wie vor den Tod Jesu Christi zu verantworten.â (Zeglovits, Antisemitismus 2020, S. 4).
z. B. âDie meisten Juden sind auÃergewöhnlich intelligent und wohlhabend.â; âDie Juden beherrschen die internationale Geschäftswelt.â; âIn wachsendem Ausmaà zeigen sich heute wieder Macht und Einfluss der Juden in der internationalen Presse und Politik.â; âJuden haben in Ãsterreich zu viel Einfluss.â; âDie Israelis behandeln die Palästinenser im Grunde auch nicht anders als die Deutschen im 2. Weltkrieg die Juden.â; âBei der Politik, die Israel macht, kann ich gut verstehen, dass man etwas gegen Juden hat.â; âJuden versuchen heute Vorteile daraus zu ziehen, dass sie während der Nazi-Zeit Opfer gewesen sind.â (Zeglovits, Antisemitismus 2020, S. 4â5).
Zeglovits, Antisemitismus 2020, S. 12.
Antisemitismus-Meldestelle: Antisemitische Vorfälle 2021 in Ãsterreich.
Antisemitismus-Meldestelle: Antisemitische Vorfälle Jänner bis Juni 2022 in Ãsterreich.
Vgl. Katz-Wilfing / Yasar / Polak, Interreligiöser Dialog: Konkrete Zugänge und praktische Erfahrungen, in diesem Band XX.
Vgl. dazu die âStatementsâ von Christa Schnabl, Johann Pock, Wilfried Engemann, Gerhard Langer, Zekirija Sejdini, Margareta Wetchy, Jakob Helmut Deibl und Florian Welzig, in diesem Band XX.
Wir waren uns der Problematik dieses Begriffes bewusst, da die Person des Abraham Judentum, Christentum und Islam nicht nur eint, sondern auch Anlass zu Konflikten ist (vgl. Kuschel, Streit um Abraham.). Gleichwohl haben wir uns für diese Kurzbezeichnung entschieden, da sie in der Ãffentlichkeit weit verbreitet ist.
Vgl. z. B. Borgolte, Christen, Juden, Muselmanen: Die Erben der Antike und der Aufstieg des Abendlandes 300 bis 1400 n. Chr.; Stemberger, Historische Aspekte einer Dialogkultur zwischen Judentum und Christentum; Shehata, Der frühe Islam in seiner Begegnung mit Judentum und Christentum â Vielschichtige Beziehungen (inkl. Literaturverzeichnis) in diesem Band XX; uvm.
Vgl. dazu Lehmann, Interreligiöser Dialog aus sozial- und kulturwissenschaftlicher Sicht, in diesem Band XX.
z. B. United Nations: General Assembly Adopts Resolutions Promoting Interreligious Dialogue, Continued Cooperation between United Nations, Entity Prohibiting Use of Chemical Weapons, 22 December 2016.
Europarat, WeiÃbuch zum interreligiösen Dialog.
United Nations: World Interfaith Harmony Week 1â7 February.
OSCE-Stellungnahmen online verfügbar unter: Organization for Security and Co-operation in Europe.
Vgl. Jäggle, Verändert die Covid-19 Pandemie das Verhältnis der Religionen zueinander?
Elijah Interfaith Institut: Coronaspection.
Dieser Einfluss von Religiosität auf politische Einstellungen wird interdisziplinär diskutiert in: Polak / Rohs, Values â Politics â Religion.
Vgl. Berger, Altäre der Moderne.
Vgl. Taylor, Ein säkulares Zeitalter; zu dieser Diskussion vgl. auch Opratko, Religion und Säkularismus im antimuslimischen Rassismus der Gegenwart: Muslim*innen als anachronistische Andere, in diesem Band XX.
Die Ringvorlesung hatte dazu eine Einheit, die uns aber leider nicht in verschriftlichter Form vorgelegt wurde.
Vgl. z. B. Fürlinger, Der Dialog muà weitergehen; Renz, Die katholische Kirche und der interreligiöse Dialog; vgl. dazu auch . Katz-Wilfing / Yasar / Polak, Interreligiöser Dialog: Konkrete Zugänge und praktische Erfahrungen, in diesem Band XX.
Auch hier liegen nicht alle Repliken als Manuskript vor.