Wir danken Ew. Exzellenz [Unterstreichung im Original; d. Verf.] für das groÃherzige Weihnachtsgeschenk, die Gründung des St. Hedwigswerkes. Darin ist wegweisend die groÃe Aufgabe der Beheimatung unserer Katholiken in der neuen Diözese wie auch die Frage des Zusammenlebens [â¦] mit der alten westfälischen Bevölkerung auf eine Grundlage gestellt, die eine neue Gemeinschaft von Brüdern aus Ost und West in der Erzdiözese schaffen kann.
Diese herzlichen Worte widmete der Breslauer Diözesanpriester und soeben ernannte Diözesanpräses des St.-Hedwigs-Werkes der Erzdiözese Paderborn Wilhelm Trennert (1909-1972)1 im Februar 1948 Erzbischof Lorenz Jaeger. Durch seine Korrespondenz mit dem Paderborner Oberhirten zieht sich auch in den folgenden Jahrzehnten als entscheidendes Narrativ die Freude und Dankbarkeit über das âGeschenkâ2 â so mehrfach wörtlich â dieses Heimat- und Kulturwerkes als gelungene Form der kirchlichen Integration der Vertriebenen. Nicht zuletzt in der Einladung, die Pfarrer Trennert dem Erzbischof im Vorfeld der Weihe der Kapelle des St. Hedwigs-Hauses in Oerlinghausen im April 1960 zukommen lieÃ, kehrten die Superlative verbunden mit einer gehörigen Portion Pathos wieder. Das Gotteshaus auf dem Gelände des fünf Jahre zuvor vom Hedwigs-Werk eröffneten Bildungshauses stelle
die Krönung der Heimatvertriebenenarbeit in der Erzdiözese Paderborn dar und damit die Krönung unseres St.-Hedwigs-Werkes. Wir möchten an diesem Tag besonders herausstellen, dass Ew. Exzellenz von Anfang an mit einem groÃen, tiefen Verständnis den Wünschen der Heimatvertriebenen, Sowjetzonenflüchtlinge und Spätaussiedler entgegengekommen sind und damit unseren herzlichen Dank verbinden.3
Kurz gesagt drängt sich bezogen auf die Korrespondenz zwischen der institutionalisierten Vertriebenenseelsorge und Erzbischof Jaeger der Eindruck auf, die kirchliche Betreuung und Integration der Vertriebenen im Erzbistum sei gerade dank der Person von Jaeger eine reine Erfolgsgeschichte gewesen, weil er âdie Seelsorge für die Vertriebenen in seinem Bistum stark unterstützteâ4. So jedenfalls die Annahme der bisherigen Forschung.
Diese These gilt es im Folgenden unter Fokussierung auf den Erzbischof zu überprüfen. Gehörte Lorenz Jaeger zu den Mitgliedern des deutschen Episkopats, die besonders sensibel auf die Herausforderungen von Flucht und Vertreibung reagierten, handelte es sich bei ihm um einen besonderen Freund der Vertriebenen? Wie hat Jaeger sich gegenüber seinen Mitbrüdern im Bischofsamt, gegenüber dem Vertriebenenklerus und nicht zuletzt gegenüber einzelnen Vertriebenen verhalten?
Antworten auf diese Fragen zu finden, wird derzeit noch dadurch erschwert, dass die Geschichte der kirchlichen Vertriebeneneingliederung im Erzbistum Paderborn anders als in anderen Bistümern bisher weder zusammenhängend dokumentarisch erfasst, wie beispielsweise im Bistum Osnabrück5, noch erschöpfend wissenschaftlich aufgearbeitet ist, wie in den Diözesen Augsburg, Münster und Rottenburg sowie im Ostteil des Bistum Fulda6. Sie stellt, abgesehen von einigen von der Forschung bereits aufgegriffenen Teilaspekten,7 noch ein Desiderat der Forschung dar. Gleiches gilt insbesondere für die Rolle von Erzbischof Jaeger, dem bisher lediglich grundsätzlich attestiert wird, dass er sich âimmerhin intensiv mit der Flüchtlings- und Vertriebenenthematik beschäftigteâ8. Aber aus den Quellen heraus und in erster Linie aus dem Nachlass Jaeger im Erzbischöflichen Diözesanarchiv in Paderborn, der für dieses Themenfeld vielfältige Auskünfte bereithält, lässt sich die Thematik vertiefend erschlieÃen.
Bereits in der einschlägigen Literatur stöÃt man auf zwei Faktoren, die nahelegen, weshalb gerade beim Erzbischof von Paderborn eine Affinität zur Flüchtlings- und Vertriebenenproblematik nach dem Zweiten Weltkrieg zu vermuten ist. Das eine ist die Tatsache, dass das âErzbistum Paderborn [â¦] mit 730.000 die höchste Zahl vertriebener Katholiken auf[nahm]. Sie machten 1950 30,7 Prozent der katholischen Bevölkerung aus.â9 Immerhin nahm der Katholikenanteil allein im Westteil der Erzdiözese durch den Vertriebenenzustrom um 18,3 Prozent zu. Gerade die ländlichen Regionen Ostwestfalens und Lippes beherbergten zahlreiche Vertriebene, und mit den Umsiedlungen ab dem Beginn der 1950er Jahre wanderten viele in die Lohn und Brot bietenden Städte des Ruhrgebietes weiter. Ãhnlich war die Situation im Ostteil, wo die Bevölkerungszunahme 20 Prozent betrug. Die Katholikenzahl wuchs dort von 150.000 auf über 700.000. Das andere Faktum liegt in der quasi angeborenen Rolle des Erzbischofs von Paderborn als Vorsitzender des dort seit 1849 ansässigen Bonifatiusvereins der deutschen Katholiken, des heutigen Bonifatiuswerks, dessen Intention damals allein in der finanziellen Förderung der deutschen Diaspora lag. Hinzu trat die Verantwortung für das 1942 neu geschaffene Diasporakommissariat der Fuldaer Bischofskonferenz, dessen Aufgabe die finanzielle Unterstützung des Diasporaklerus war.10
1. Erste Begegnung mit dem Schicksal von Flüchtlingen und Vertriebenen
Sieht man von diesen recht allgemein skizzierten Rahmenbedingungen einmal ab, begegnete Jaeger das Leid der Flüchtlinge 1945 zuerst in der Person seines bischöflichen Mitbruders Maximilian Kaller (1880-1947) von Ermland, der als Flüchtling aus Frauenburg am 1. März 1945 im Krankenhaus der Grauen Schwestern von der heiligen Elisabeth in Halle (Saale) Aufnahme gefunden hatte.11 Bezeichnenderweise in der Geburtsstadt des zuständigen Ordinarius Lorenz Jaeger und in einer karitativen Einrichtung, welche Jaeger durch verschiedene Besuche sehr vertraut war.12 Dieser hieà ihn am 6. März 1945, also noch zwei Monate vor Kriegsende, in seiner Diözese willkommen und sicherte ihm seine Unterstützung zu. Zwar ging Jaeger klar von einem zeitlich begrenzten Aufenthalt aus,13 jedoch erteilte er Kaller freimütig die bedingungsweise Erlaubnis, bischöfliche Amtshandlungen im Ostteil seiner Diözese auszuüben.14 Der Bezug nach Paderborn war für Kaller auch dadurch gegeben, dass Weihbischof Johannes Hillebrand (1874-1931) 1930 einer der Mitkonsekratoren bei seiner Bischofsweihe gewesen war.15 Und Jaeger schien zu Kaller ein vertrauensvolles Verhältnis zu pflegen. Jedenfalls gab er ihm im Oktober 1945 Einblick in seine eigene Unsicherheit über die aktuelle Situation. Es seien
schon viele Tausende in die Englische Zone geflüchtet und suchen hier Arbeit und Brot. Das ist nicht leicht, da die Industrie zum gröÃten Teil noch still liegt und der Westen ja in einem unvorstellbaren Maà durch Luftangriffe zerstört ist. Wie alle diese Menschen den Winter überstehen wollen, ohne ein rechtes Dach über dem Kopf zu haben und ohne entsprechenden Schutz gegen Kälte und Nässe, weià ich nicht.16
Es würden zwei Millionen Flüchtlinge noch erwartet, für deren Aufnahme sich der Caritasverband bereits rüsten würde.
Die hier zur Sprache kommende Empathie gegenüber dem Leid des Einzelnen, der Haus und Hof, Arbeit und möglicherweise Teile der Familie verloren hatte, ist aus der Korrespondenz mit Priestern, Ãrzten, Landwirten und Adeligen aus dem Osten in der Zeit des Kriegsendes 1945 und der ersten Nachkriegszeit spürbar.17 Wenn Bischof Clemens August Graf von Galen (1878-1946) im benachbarten Münster weitaus mehr Zuschriften von Notleidenden erhielt, ist dies der Tatsache geschuldet, dass er überregional und über Konfessionsgrenzen hinweg weitaus höhere Bekanntheit und Popularität genoss als Jaeger.18 Ãber die Vorgänge in den deutschen Ostgebieten war Jaeger aber gleichwohl gut informiert. So teilte ihm ein Paderborner Priester, der als Wehrkreispfarrer in Danzig gewirkt hatte, Einzelheiten über den in Polen geführten Prozess und die Verurteilung des Danziger Bischofs Carl Maria Splett (1898-1964) mit und bot sich als Entlastungszeuge an, der ânoch eine ganze Anzahl Trümpfe in der Handâ19 hätte. Der Breslauer Domvikar Dr. Johannes Kaps (1906-1959), der im Auftrag Kardinal Bertrams (1859-1945) dem Heiligen Stuhl und den deutschen Bischöfen über die Situation in Schlesien berichten sollte, versuchte zwei Mal vergeblich zu Jaeger durchzudringen und lieà ihm im September 1945 über Prälat Heinrich Czeloth (1895-1958) in Hamm eine Durchschrift seines Memorandums zukommen.20 Ãber seinen in Büren lebenden Bruder bedankte er sich im Mai 1946 bei Jaeger mit dem Hinweis, dass âvor allem Ew. Exzellenz uns Verständnis und gröÃtmögliche Hilfe angedeihen lassenâ21.
2. Handlungsoptionen: Hirtenbriefe sowie Aufnahme und Erfassung vertriebener Priester
Wie ging Lorenz Jaeger mit diesem Wissen und den 1945 gewonnenen Erfahrungen um? Wenn Robert Zurek konstatiert, dass die Situation der Vertriebenen âzu den zentralen Themen in den öffentlichen Aussagen katholischer Bischöfe Deutschlands in den Jahren 1945-1948â22 gehörte, steht Lorenz Jaeger dabei mit an vorderster Front. Hervorzuheben ist sein umfangreicher Lagebericht an Papst Pius XII. vom 1. Januar 1946, in dem Jaeger die Vertreibung aus dem deutschen Osten deutlich als Verbrechen kennzeichnete.23 Der Erzbischof von Paderborn sah zudem in bischöflichen Verlautbarungen, wie Hirtenbriefen und Kanzelverkündigungen, die einzige Möglichkeit, Einfluss auf das Vertreibungsgeschehen zu nehmen. Denn zum einen âwurden sie von den alliierten Besatzungsbehörden mit Aufmerksamkeit wahrgenommenâ,24 zum anderen erfüllten sie den Zweck einer Sensibilisierung der einheimischen Bevölkerung. Er lieà Erzbischof Josef Frings (1887-1978) in Köln als dem neuen Vorsitzenden der Fuldaer Bischofskonferenz einen Entwurf für eine entsprechende bischöfliche Stellungnahme zukommen, den Frings guthieÃ. âIm Namen der Gerechtigkeit erheben wir unsere Stimme für unsere Landsleute im Ostenâ hieà es in der am 30. Januar 1946 von allen Kanzeln der (Erz-)Bistümer Köln, Paderborn, Hildesheim, Münster, Osnabrück und Aachen verlesenen Kanzelverkündigung. Verspätet signalisierte der Limburger Bischof seine Zustimmung zu dem Entwurf, und der Bischof von Trier wollte sich letztlich auch noch anschlieÃen. Allerdings war der Text da schon gesetzt. Frings plädierte dafür, die Verkündigung unbedingt auch an Faulhaber weiterzuleiten. âIm Ãbrigen harren wir der Dinge, die da kommen sollen [â¦]â25.
Hervorzuheben ist ebenso der Hirtenbrief der Bischöfe der Kölner und Paderborner Kirchenprovinz vom 27. März 1946, in dem die Vertreibungen der Deutschen aus dem Osten als âhimmelschreiende Vorgängeâ26 gebrandmarkt wurden, dessen Entwurf von Kardinal Frings stammte, in den Jaeger aber Ergänzungen einbringen konnte.27 In der Wahl der Terminologie für das Geschehen unterschied sich Jaeger nicht von seinen Kollegen im Bischofsamt und höchstens graduell von den Jurisdiktionsträgern der Vertriebenen, wie zum Beispiel Maximilian Kaller oder dem Glatzer Generalvikar Franz Monse (1882-1962).28 Cum grano salis verwendeten alle Oberhirten in ihren öffentlichen Kundgebungen sehr drastische Attribute für das Vertreibungsgeschehen, sicherlich nicht zuletzt mit der Intention, den Appellcharakter zu unterstreichen. So führte Erzbischof Jaeger zum Beispiel in seinem Fastenhirtenbrief 1946 den Gläubigen seines Erzbistums die Not vieler Familien vor Augen. Er habe erfahren, âdass Kinder weinend ihre Eltern suchen, Eltern keine Auskunft mehr geben können über den Verbleib ihrer Kinder, [â¦]â29.
Die Vertriebenenthematik beschäftigte den Paderborner Erzbischof nicht nur temporär in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Beispielsweise besuchte er mehrfach das 1948 von den fünf Wohlfahrtsverbänden, darunter der Caritas, aufgebaute Sozialwerk Stukenbrock, das sich auf dem Gelände eines ehemaligen Kriegsgefangenen- bzw. Internierungslagers der Ausbildung und Betreuung vertriebener Jugendlicher widmete. Dort zeigte er deutlich mehr Präsenz und Anteilnahme als hochrangige Vertreter der evangelischen Landeskirche.30
Von besonderer Tragweite war es für den Erzbischof, angesichts des Vertriebenenzustroms die Seelsorge im Erzbistum sicherzustellen. Im Laufe des Jahres 1946 wuchs die Liste der Flüchtlingsgeistlichen auf 131, und 1950 waren dort 148 vertriebene Geistliche im Einsatz.31 Mitte der 1950er Jahre waren insgesamt 321 vertriebene Priester im gesamten Erzbistum tätig, darunter 60 Ordensgeistliche. Von den 261 Weltpriestern gehörten allein 162 der Erzdiözese Breslau an, 20 dem Bistum Ermland und 16 der Erzdiözese Prag (Grafschaft Glatz), um nur die am stärksten vertretenen Jurisdiktionsbezirke zu nennen.32
Gleichwohl empfand Jaeger diesen Zustrom an Seelsorgepersonal nur als Tropfen auf dem heiÃen Stein. Als ihm zu Ohren kam, dass viele Geistliche aus dem Osten in Bayern Zuflucht gefunden hatten, wandte er sich im Mai 1946 an Michael Kardinal Faulhaber (1869-1952), den Erzbischof von München und Freising und Vorsitzenden der Bayerischen Bischofskonferenz, mit der dringenden Bitte, Priester für die Diaspora im Ostteil des Erzbistums Paderborn bereitzustellen. 20 Geistliche seien für das Kommissariat Magdeburg notwendig, dazu zehn für Thüringen und acht für Mecklenburg. Faulhaber sagte zwar umgehend zu, die Hilfsaktion angesichts des auch für ihn erkennbaren Priestermangels nach Kräften zu unterstützen, machte Jaeger aber wenig Hoffnung, weil die Vertriebenengeistlichen in seinem Erzbistum damit argumentierten, auch in der Diaspora ihre überall zerstreuten einstigen Pfarrangehörigen nur unzureichend seelsorgerisch betreuen zu können. Die Suche nach jüngeren, arbeitsfähigen Geistlichen aus Schlesien bzw. dem Sudetenland gestaltete sich dementsprechend schwierig.33 Ein in dieser Korrespondenz unausgesprochener Grund dürfte vornehmlich darin gelegen haben, dass sich zu diesem Zeitpunkt schon die sowohl wirtschaftlich als auch kirchlich problematische Situation in der sowjetischen Zone abzeichnete, die für Geistliche wenig attraktiv war.
Wie einfühlsam Jaeger nicht zuletzt angesichts des Priestermangels im Umgang mit den Priestern aus dem Osten vorging, zeigt sich im Entwurf eines Rundschreibens, in welchem âIch aber und mit mir der ganze Klerus der Erzdiözese Paderborn [â¦] Sie hier von Herzen als unseren Konfrater willkommen [heiÃe]â34. Und er gebrauchte für die Vertriebenenpriester das Bild aus dem Lukasevangelium von den Petrus mit einem Schiff zu Hilfe eilenden Jüngern. Dieser Brief, der âzu vervielfältigen und jedem Ankommenden zuzusendenâ war, wie Jaeger handschriftlich vermerkte, ist datiert auf Anfang 1947, als die meisten Geistlichen aus dem Osten bereits eingetroffen waren. In der Retrospektive erscheint dies als spätes Zeichen der Solidarität, aber in anderen Diözesen hat eine solche Aktion überhaupt nicht stattgefunden.35 Angesichts des zunehmend den Austausch mit dem sächsischen Teil der Erzdiözese beeinträchtigenden Eisernen Vorhangs nahm der Einfluss Jaegers auf die in groÃen Teilen aus dem Osten stammenden Katholiken im Kommissariat Magdeburg verständlicherweise mehr und mehr zugunsten einer dort selbständig betriebenen Vertriebenenseelsorge ab, die freilich in der DDR offiziell nicht mehr so heiÃen durfte. Nur bedingt konnte die Einrichtung von Dekanatspatenschaften zwischen dem West- und Ostteil des Erzbistums dieser Tatsache entgegen treten, und regelmäÃige Besuche Jaegers im Kommissariat Magdeburg, wie sie bis 1959 möglich bleiben sollten,36 vermittelten ihm wohl nur punktuelle Eindrücke von der pastoralen Situation vor Ort und dienten primär der Repräsentation. Zumindest spiegeln sie sich in den konsultierten Akten zur Flüchtlings- und Vertriebenenfrage im Nachlass von Kardinal Jaeger kaum wider.37
Dabei legte Jaeger eine gewisse Nonchalance an den Tag, wenn es um die Ãberwindung von Schwierigkeiten bei der Einreise in den Ostteil des Erzbistums ging. Als sich die für die Sowjetische Besatzungszone (SBZ) zuständigen Bischöfe im Dezember 1945 zu einer Konferenz in Berlin trafen, um die Frage der Flüchtlingsseelsorge dort zu erörtern, hatte Bischof Wilhelm Berning (1877-1955) von Osnabrück keine Einreiseerlaubnis erhalten und zeigte sich im Nachhinein überrascht, dass Jaeger aus der britischen in die sowjetische Zone reisen konnte. Jaeger berichtete daraufhin stolz, die Reiseerlaubnis sei ihm problemlos erteilt worden. Er habe mittels eines auf Russisch verfassten Fahrbefehls und in Begleitung eines englischen Soldaten Berlin wohlbehalten erreichen können. Die zentrale Frage nach der Verteilung der Gelder des Diasporakommissariats der Bischöfe bzw. des Bonifatiusvereins unter den Diasporadiözesen sei aber so lange zurückgestellt worden, bis die Diözesen die Anzahl der Flüchtlinge und Flüchtlingspriester in der SBZ gemeldet hätten, beruhigte Jaeger seinen Osnabrücker Amtskollegen.38
Im Westteil der Erzdiözese blieb die rechtliche Stellung des heimatvertriebenen Klerus ein Problem, das Jaeger über viele Jahre verfolgte. Exemplarisch wird dies am Beispiel des 1936 zum Priester der Erzdiözese Breslau geweihten Vikars Alfred Krömer (1908-1995) deutlich. Der in Lünen-Süd eingesetzte Geistliche könne sich selbstverständlich um eine Pfarrstelle im Erzbistum Paderborn bewerben, lieà Jaeger ihm mitteilen, müsse aber dafür in Kauf nehmen, vom Augenblick seiner Investitur auf die Pfarrstelle im Erzbistum Paderborn inkardiniert zu sein.39 Da die meisten Vertriebenenpriester in der Inkardination einen Verrat an dem bei der Weihe gegenüber ihrem Heimatordinarius abgegebenen Versprechen sahen, blieben Bewerbungen auf Pfarrstellen bei ihnen überschaubar. Erst als sich 1960 zehn ostvertriebene Geistliche gemeinsam an den Erzbischof wandten und ihre Zurücksetzung gegenüber Paderborner Diözesanpriestern beklagten,40 erlieà Jaeger eine Verordnung, der gemäà ab 1. April 1961 allen Vertriebenenpriestern nach dem 25-jährigen Priesterjubiläum automatisch der Titel Pastor zustehen sollte, vorausgesetzt, sie verfügten über das Pfarrexamen.41
3. Unterstützung von und Vereinnahmungsversuche für Hilfsorganisationen
Dass Jaeger persönlich die materielle Notsituation über seine primäre Sorge um die katholischen Vertriebenen innerhalb seiner Diözese hinaus zu schaffen machte, zeigt seine Bereitschaft, auch Hilfsaktionen privat zu unterstützen, deren Klientel sich nicht oder nicht primär im katholischen Milieu bewegten.
Erwähnt sei hier zunächst die Prinzessin-Kira-von-PreuÃen-Stiftung, die 1952 von der Gattin des Oberhauptes des ehemals regierenden preuÃischen Königshauses Prinz Louis Ferdinand (1907-1994) gegründet worden war, um sozial benachteiligten Kindern (insbesondere aus der Vier-Sektoren-Stadt Berlin) kostenlose Ferien auf der Burg Hohenzollern zu ermöglichen. Dass Jaeger 1954 in das Kuratorium der Stiftung eintrat, hatte Prinz Friedrich von Hohenzollern (1892-1965) vermittelt.42 Das Oberhaupt des ehemaligen fürstlichen Hauses Hohenzollern-Sigmaringen war über den Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem mit Erzbischof Jaeger bekannt43 und hatte den Kontakt zur protestantischen Familie des letzten deutschen Kaisers hergestellt, die einen Vertreter der höheren katholischen Geistlichkeit für ihre soziale Arbeit gewinnen wollte. Zu den Kuratoriumssitzungen entschuldigte sich Jaeger jedoch regelmäÃig. Eine gewisse Affinität des Erzbischofs zu sozialen Aktivitäten aus Adelskreisen ist nicht zu verkennen, unterstützte er doch schon 1952 die Ost-Hilfe e. V. in Backnang einer Gräfin Elisabeth von Vitzthum (1870-1961)44. Dagegen hatte er den Avancen der als Präsidentin der âStillen Hilfe für Kriegsgefangene und Internierteâ agierenden Prinzessin Helene von Isenburg (1900-1974), ihn als Mitglied zu gewinnen, zunächst keine Beachtung geschenkt.45 Erst als Jaeger von einem vatikanischen Diplomaten dezent darauf hingewiesen wurde, dass dieser Verein der finanziellen Unterstützung von deutschen Kriegsverbrechern diene und zu diesem Zweck auch prominente Vertreter der katholischen Kirche vereinnahme,46 reagierte Jaeger. Der Prinzessin gegenüber, die als geborene Gräfin Korff genannt Schmising zu Kerssenbrock aus dem katholischen Adel Westfalens stammte, erklärte er sein Schweigen mit Arbeitsüberlastung, die auch dazu führe, dass er keine aktive Mitarbeit in der âStillen Hilfeâ leisten könne. Und bloà seinen Namen herzugeben, das sei ihm zu schade. Seinem Informanten vertraut Lorenz Jaeger an, er habe âförmlich abgesagt, damit nicht mit meinem Namen auf der vorläufigen Teilnehmerliste Missbrauch getrieben wirdâ47. Der Gefahr, öffentlich in die Nähe zu ehemaligen Nationalsozialisten gerückt zu werden sowie in deren Netzwerken aufzutauchen, wollte der Erzbischof sich also keineswegs aussetzen. Diese Distanzierung hielt ihn aber nicht davon ab, in den folgenden Jahren mehrfach private Spenden an den umstrittenen Verein zu überweisen und die ihm als Gegenleistung zugeschickten Rundbriefe der âStillen Hilfeâ zu sammeln.
Wie leicht im Prinzip groÃherzig gemeintes und öffentlichkeitswirksames soziales Engagement in das Gegenteil umschlagen konnte, hatte Jaeger im Kontext der Ankunft der nach Konrad Adenauers (1876-1967) Moskau-Besuch 1955 von der UdSSR freigelassenen deutschen Kriegsgefangenen zu spüren bekommen. Als er als Repräsentant der katholischen Kirche symbolträchtig einen der Transporte im Lager Friedland bei Göttingen empfing, wurde er in Rundfunk und Presse der DDR als Faschist gebrandmarkt, weil sich unter den von Jaeger BegrüÃten ein SS-Arzt befunden hatte, der im Konzentrationslager Sachsenhausen medizinische Experimente durchgeführt haben soll.48 Ihn erreichten daraufhin zahlreiche Briefe von Katholiken aus der DDR, die ihn der Verherrlichung von Kriegsverbrechen bezichtigten, ein Zeichen dafür, welcher Erfolg der antikirchlichen und antiwestlichen Propaganda in der DDR auch bei einigen dort lebenden Katholiken beschieden war. Jaeger jedenfalls fühlte sich zu Unrecht in die Enge getrieben und ideologisch vereinnahmt.
4. Das Problem der dauerhaften Aufnahme vertriebener Bischöfe im Diözesangebiet
Die Phase persönlichen Zuspruchs und materieller Ersthilfe wurde recht bald von der Frage überlagert, welche Funktion die aus dem Osten des Deutschen Reichs vertriebenen Menschen bei längerem Aufenthalt einnehmen konnten. Virulent wurde diese Frage für Jaeger zuallererst bezüglich des bereits erwähnten Bischofs Kaller von Ermland. Im September 1945 lieà Jaeger Propst Wilhelm Weskamm (1891-1956) in Magdeburg wissen, dass Kaller ihm angeboten habe, eine âZentrale Flüchtlings- und Such-Dienststelle für Mitteldeutschlandâ in Halle (Saale) zu errichten.49 Jaeger zeigte sich zum einen im Prinzip offen für eine solche Konstruktion, falls Weskamm seine Zustimmung gebe. Zum anderen lieà er den Magdeburger Propst gleichzeitig wissen, dass er âallein [Unterstreichung im Original; d. Verf.] alle Jurisdiktionen im Kommissariatsbezirkâ besitze. Kaller dürfe sich keineswegs in pastorale oder administrative Fragen einmischen. Ãberhaupt plädiere er dafür, dass âvon Anfang an ganz klare und saubere Ordnung hinsichtlich der jurisdiktionellen Verhältnisse im Ostteil der Erzdiözese herrschtâ. Damit war unmissverständlich klar gemacht, dass einer Sonderseelsorge für die Flüchtlinge unter bischöflicher Leitung eine Absage erteilt werden müsste. âEine eigene Seelsorge für die Evakuierten einzurichten, ist ungutâ50, schrieb er Kaller Ende November 1945. Stattdessen sollten sich die Flüchtlinge schnell vor Ort integrieren.
Im Hintergrund spielte wohl auch eine Rolle, dass Kaller bischöfliche Funktionen wahrnehmen konnte, während der Delegat Weskamm nicht die Bischofsweihe besaà (und erst 1949 in der Funktion eines Paderborner Weihbischofs mit Sitz in Magdeburg erhalten sollte). Hinzu traten das besondere Charisma51 und die Umtriebigkeit Kallers. Dieser hatte innerhalb weniger Monate in Halle (Saale) 18.000 Anschriften von Flüchtlingen gesammelt52, wobei ihm seine Erfahrungen mit dem Seelsorgeinstrument der Pfarrkartothek aus der GroÃstadtseelsorge in St. Michael Berlin zugutekamen. Immerhin wohnte Kaller bis Anfang Juli 1946 in Halle (Saale)53, bevor er âauf Einladung von Erzbischof Jaeger [â¦] in die englische Besatzungszone nach Wiedenbrückâ54 umsiedelte, wo er bis Oktober 1946 im St. Josephshaus der Schwestern von der Christlichen Liebe wohnte und den erkrankten Paderborner Weihbischof Augustinus Baumann (1881-1953) bei Firmungen vertrat. Erst dort erreichte ihn die vom 24. Juni 1946 datierte Ernennung zum âpäpstlichen Beauftragten für die heimatvertriebenen Katholiken Deutschlandsâ55. Die erneute Verlegung seines Wohnsitzes nach Frankfurt a. M. war dem Umstand geschuldet, dass dort bereits 1945 eine Kirchliche Hilfsstelle für Ostflüchtlinge gegründet worden war, deren Leitung er übernahm. Ein Zeichen dafür, dass Jaeger ihm unter den westdeutschen Bischöfe auch über den Wechsel in das Bistum Limburg hinaus am nächsten stand, ist sicherlich darin zu sehen, dass dieser bei der Beisetzung des im Juli 1947 plötzlich verstorbenen Maximilian Kaller in Königstein (Taunus) die Totenpredigt hielt.56
Kaller war nicht der erste bischöfliche Gast, den Lorenz Jaeger nach Wiedenbrück vermittelt hatte. In den von ihm bewohnten zwei Zimmern im St. Josephshaus hatte von November 1944 bis April 1945 sechs Monate lag auch der von der Gestapo internierte polnische Primas Augustyn Kardinal Hlond (1881-1948) logiert.57 Hlond war von dort aus nach Rom gereist, wo er die umstrittenen Sondervollmachten des Heiligen Stuhls erhielt, mit denen er im August 1945 Bischof Kaller und die übrigen ostdeutschen Jurisdiktionsträger zur Abdankung zwang, was sicherlich als eine Ironie der Geschichte verstanden werden kann. Von Rom aus hatte Hlond sich noch einmal in Sorge über die polnischen Displaced Persons im Erzbistum bei Jaeger gemeldet,58 woraufhin der Paderborner Erzbischof ihm mit groÃer Empathie und Anteilnahme versicherte: âIhre polnischen Landsleute werden entweder von eigenen Geistlichen oder auch von meinen Seelsorgern in den Lagern betreut [â¦].â59 Und Jaeger schloss mit dem Bekenntnis: âMöge Ihr tapferes Volk endlich zu einer nationalen Sicherheit und Geborgenheit und zu einem friedlichen Verhältnis mit seinen Nachbarn kommen. Das ist mein inniger Wunsch.â Der Paderborner Oberhirte sah also nicht nur einseitig die deutschen Flüchtlinge als Opfer des Zweiten Weltkriegs. Er reflektierte, wie sich aus diesem Briefwechsel ablesen lässt, zugleich auch aufrichtig und mit Sympathie den Leidensweg des polnischen Volkes im Kontext von NS-Diktatur und Zweitem Weltkrieg.
Von April bis August 1946 beherbergte die Schwesterngemeinschaft in Wiedenbrück mit dem Generalvikar der Grafschaft Glatz GroÃdechant Franz Monse einen weiteren aus seiner Heimat vertriebenen ostdeutschen Jurisdiktionsträger.60 Prälat Monse, den ein Vertriebenentransport zunächst nach Werl verschlagen hatte und der im Sommer 1946 in das Bistum Osnabrück übersiedelte, hatte Erzbischof Jaeger bereits im März 1946 noch aus Glatz auf abenteuerlichem Weg ein Hilfegesuch zukommen lassen. Darin bat er den Paderborner Oberhirten um möglichst geschlossene Aufnahme seines Klerus im Erzbistum.61 Offenbar kannten die beiden sich von den Sitzungen der Fuldaer Bischofskonferenz, und Monse hegte Vertrauen zu Jaeger wie auch zum Osnabrücker Bischof Wilhelm Berning, dem er ein ähnlich lautendes Schreiben zustellen lieÃ.62 Bezeichnend ist, dass kurze Zeit später groÃe Teile des Grafschafter Klerus gerade in die Diözesen Paderborn und Osnabrück gelangen sollten.
Auch der Breslauer Weihbischof Joseph Ferche (1888-1965) holte sich von Jaeger eine Abfuhr, was eine Tätigkeit im Ostteil des Erzbistums Paderborn angeht, obgleich er bereits Anfang 1946 von Breslau aus mit diesem Kontakt aufgenommen hatte.63 In diesem Fall hatte sich Kaller in seiner Funktion als Vertriebenenbischof Ende November 1946 in gleichlautenden Schreiben an die Bischöfe von Osnabrück, Paderborn und Fulda gewendet.64 Ferche, den sein Biograf Sebastian Holzbrecher âals begabten Seelsorger präsentiert, dem durch seine persönliche Begabung wichtige Seelsorgefunktionen zuteilwurdenâ,65 hielt sich zu diesem Zeitpunkt in Erfurt, also im Ostteil der Diözese Fulda, auf. Er hatte zwar von Kardinal Frings bereits das Angebot erhalten, im Erzbistum Köln als Weihbischof zu beginnen, wollte jedoch aufgrund des hohen Vertriebenenanteils primär in der sowjetischen Zone wirken. Erst auf erneute Bitte Kallers um eine Antwort wagte Jaeger sich aus der Reserve und artikulierte im Januar 1947 ähnliche Bedenken, wie er sie schon im Falle Kallers 1946 geäuÃert hatte.66 Zunächst einmal zeigte er eine gewisse Unsicherheit, wie er mit dem Anliegen Kallers umgehen solle. Konkret sah er einerseits die Option einer Aufnahme Ferches in das Paderborner Domkapitel unter ausdrücklichem Verzicht auf sein Kanonikat in Breslau, eine Möglichkeit, die ja in Köln bestand. Dies würde aber eine Residenzpflicht in Paderborn bedeuten und stehe einer Tätigkeit im Kommissariat Magdeburg entgegen, abgesehen davon, dass zurzeit kein Kanonikat vakant sei. Andererseits wäre ein Sitz in Magdeburg nur mit Genehmigung der dortigen Militärregierung möglich. Vor allem würde dies aber âzu Reibereienâ67 führen. âSie kennen ja Herrn Domkapitular Propst Weskamm und wissen, dass er das nicht ertragen würdeâ. Nicht nur mit Blick auf die Rolle Weskamms muss das bisher in der Literatur gezeichnete negative Bild Jaegers hinsichtlich eines seelsorglichen Einsatzes vertriebener Mitbrüder im Bischofsamt sicherlich differenzierter betrachtet werden. Zunächst einmal spricht die Konsequenz für ihn, mit der er seine Bedenken sowohl gegen Kaller als auch gegen Ferche äuÃerte. Sodann wird aus den Quellen deutlich, dass die mangelnde Aufnahmebereitschaft weniger bei Jaeger als vielmehr bei Weskamm lag. SchlieÃlich erwies der Paderborner Erzbischof sich in dieser Personalfrage deutlich als Verantwortungsethiker und eben nicht als Gesinnungsethiker. Verantworten konnte er eine temporär befristete Mithilfe Ferches bei Firmungen im Ostteil seiner Diözese. Aber das bot freilich nicht die Sicherheit, welche Ferche letztlich 1947 in Köln erlangen konnte.
5. Jaeger und die Katholische Osthilfe in Lippstadt
Einen entscheidenden Schub erhielt Jaegers Suche nach Antworten für eine Institutionalisierung der Flüchtlingsseelsorge durch die im Oktober 1945 in Lippstadt als Fachabteilung des Diözesan-Caritasverbandes (DiCV) gegründete âKatholische Osthilfe im Erzbistum Paderbornâ.68 Bei deren Initiatoren handelte es sich um einige besonders umtriebige Vertriebenengeistliche: Wilhelm Trennert und Johannes Smaczny (1902-1968)69 aus der Erzdiözese Breslau, Paul Kewitsch (1909-1997) aus dem Bistum Ermland und Georg Goebel (1900-1965) aus der Erzdiözese Prag (Grafschaft Glatz). Als die Katholische Osthilfe über Pfingsten 1946 eine Tagung in Lippstadt organisierte, war Jaeger als Gast mit dabei und versicherte den Initiatoren im Schlusswort der dreitägigen Veranstaltung seine Solidarität, Gleichzeitig betonte er aber auch, dass die Kirche im Westen nicht allein die Not lindern könne, sondern dazu die Existenz eines deutschen Staates sowie ein Friedensvertrag notwendig seien.70
Der Geistliche Rat Georg Goebel fiel Jaeger bald dadurch negativ auf, dass er den Radius der Katholischen Osthilfe über die Paderborner Bistumsgrenzen hinaus auszudehnen versuchte. So propagierte er die Errichtung einer âArbeitsgemeinschaft ostverwiesener Seelsorgerâ der gesamten britischen Zone. Zu einer ersten Tagung im Frühjahr 1947 in Lippstadt lud er noch gemeinsam mit Wilhelm Trennert ein. Doch stieà Goebels dort vorgestelltes Programm mit stark politischen Akzenten hinsichtlich einer baldigen Wiedergewinnung der deutschen Ostgebiete kirchenintern auf starke Kritik. Erzbischof Jaeger offenbarte dem Glatzer Generalvikar Franz Monse als dem für Goebel zuständigen Ordinarius sein Unbehagen. Monse versuchte Goebel deshalb vergeblich zum Wechsel in eine andere Diözese zu bewegen. Als letzterer sich widersetzte sowie auÃerdem auÃerhalb des kirchlichen Bereichs einen âHauptausschuss der Ostvertriebenenâ der britischen Zone ins Leben rief und im Kontext der NRW-Landtagswahlen 1950 mit einer âTatgemeinschaft freier Deutscherâ eine Listenverbindung mit der rechtsextremen Deutschen Reichspartei, einem Sammelbecken ehemaliger überzeugter NSDAP-Anhänger, einging, war das Maà voll.71 Jaeger lieà über Generalvikar Friedrich Maria Rintelen (1899-1988) in der Presse verlautbaren, dass der Geistliche Rat Goebel kein kirchliches Amt im Erzbistum Paderborn bekleide und ihm jegliche politische Betätigung verboten sei.72 Goebel selbst konnte nur eine schwere Erkrankung in seinem publizistisch mit markigen Worten ausgetragenen Kampf für die Rechte der Vertriebenen ausbremsen. In einem später verfassten Lebenslauf kommentierte der 1965 im Bistum Essen verstorbene Grafschaft Glatzer Geistliche sein Verhalten mit dem Satz: âDer Unterzeichnete ging seine eigenen Wegeâ73.
Dagegen gefiel Erzbischof Jaeger sichtlich die StoÃrichtung von Pfarrer Trennert, der schon 1946 für eine einheitliche Ausrichtung der Flüchtlingsseelsorge im Rahmen einer Zentralstelle plädierte.74 Ihm ging es darum, die Katholische Osthilfe, die von Beginn an als Abteilung dem DiCV unterstellt und auf rein karitative MaÃnahmen ausgerichtet war, um eine religiös-kulturelle katholische Vertriebenenorganisation zu ergänzen. Geschickt verstanden es die mit der Leitung beauftragten Geistlichen Wilhelm Trennert75 (als Diözesanleiter) und Paul Kewitsch76 (als Diözesansekretär) die eigenen Organisationsbemühungen als hilfreich für das gesamte Erzbistum darzustellen. Trennert sollte auch in der Folge noch mehrfach gegen seinen Mitbruder Georg Goebel polemisieren, indem er ihm Interkonfessionalismus vorwarf.77 Zunächst aber hieà es im Januar 1946 aus Lippstadt: âIm Auftrag des H.H. Generalvikars soll bei uns eine diözesane Flüchtlingskartei angelegt werden, die im Interesse der Erzdiözese, der Pfarrämter und der Flüchtlinge ausgewertet wirdâ78. Jaeger musste also den Eindruck gewinnen, dass hier angesichts der nicht abreiÃenden Flüchtlings- und Vertriebenenströme mit damals modernen Methoden strukturiert gearbeitet wurde, und dies zudem von Geistlichen, welche aufgrund ihrer Herkunft einen besseren Zugang zu den ankommenden Schlesiern und Ermländer besaÃen als er, bzw. welche bereits auf Erfahrungen in der Caritasarbeit zurückgreifen konnten, wie im Fall von Kewitsch. Letzterer sah sich 1947 durch den wachsenden Einfluss Trennerts dem Druck des Paderborner Generalvikariats ausgesetzt, in die Pfarrseelsorge zu wechseln, verstand es aber trotz wachsender Konkurrenz zu Trennert seine Position als Caritassekretär in Lippstadt zu behaupten.79
6. Jaeger als Gründer und Schirmherr des St.-Hedwigs-Werkes
Die Vertriebenenseelsorger Trennert und Smaczny wussten die Grundsympathie von Erzbischof Jaeger wie auch des Osnabrücker Bischofs Wilhelm Berning für die Vertriebenen zu nutzen. Sogenannte Hedwigstage im Oktober 1947 in Lippstadt dienten der Vorarbeit für die Gründung eines Kulturwerks der katholischen Vertriebenen.80 Dieses St.-Hedwigs-Werk, von dem eingangs bereits die Rede war, wurde von beiden Bischöfen für ihre Diözese Ende 1947 approbiert. Trennert erhielt die Ernennung zum Paderborner Diözesanpräses, während Johannes Smaczny von Gelsenkirchen aus nach Meppen (Ems) wechselte und dort als Diözesan-Geschäftsführer die Geschäftsstelle für das Bistum Osnabrück aufbaute sowie einen âSchriftendienstâ gründete (Osnabrücker Diözesanpräses wurde der Glatzer GroÃdechant Generalvikar Franz Monse). Angesichts der negativen Erfahrungen mit dem Geistlichen Rat Goebel dürfte Erzbischof Jaeger gefallen haben, was Smaczny in einer kurz darauf erschienenen programmatischen Broschüre über die Intention schrieb: âOhne das Recht auf die angestammte Heimat aufzugeben, stellt sich das St. Hedwigs-Werk auf den Boden der nüchternen Wirklichkeit. Es hält sich fern von Illusionen. Für die Ostvertriebenen gilt es, neue Wurzeln zu fassen in den Gebieten, in welche sie eingewiesen sind. [â¦]â81. Klare Voraussetzung war die Anpassung an die westdeutsche Bistumsstruktur. Jaegers Anliegen war zweifelsohne âeine engere Verbindung der Ostvertriebenen mit dem Diözesanklerusâ, wie es in der Satzung des Paderborner Hedwigs-Werkes ausdrücklich hieÃ. In jeder Pfarrei des Erzbistums, in der eine entsprechende Anzahl katholischer Vertriebener lebte, wollte er die Gründung eines Hedwigskreises als kirchliche Vertriebenengruppe ermöglichen. Während andere Bischöfe, wie etwa Michael Keller (1896-1961) in Münster, darin die Gefahr einer Ghettobildung der Vertriebenen sahen und Hedwigskreise in ihrer Diözese nur in Ausnahmefällen überhaupt genehmigten, sah Jaeger hier eine Chance, die Vertriebenen in das kirchliche Leben vor Ort möglichst zu integrieren. Ein wichtiger Kontrollmechanismus des Erzbischofs gegen eine Absonderung blieb die in der Satzung festgehaltene Bestimmung, dass der jeweilige Gemeindepfarrer als Präses des Hedwigskreises zu fungieren habe. In dieser engen Anbindung an die Pfarrei waren die Hedwigskreise zumindest zeitweilig ein Erfolgsmodell. Gab es sie 1948 in ca. 100 Gemeinden, wurde der Höhepunkt der Verbreitung 1956 mit 339 Hedwigskreisen und rund 70.000 Mitgliedern im Erzbistum erreicht.82 Ein anderes Beispiel für Jaegers Beharren auf der Pfarrstruktur lässt sich im Fall des bereits erwähnten Sozialwerks Stukenbrock erkennen. Während auf evangelischer Seite eine separate Lagerseelsorge eingerichtet wurde, war auf katholischer Seite der örtliche Pfarrvikar zuständig.83
Ein neuer ernstzunehmender Konkurrent für das St.-Hedwigs-Werk trat 1948 mit dem ermländischen Erzpriester Josef Lettau (1898-1959) auf den Plan. Sein Heimatbischof Maximilian Kaller hatte ihn als âgeistig reich begabt und [ein] vorzüglicher Seelsorgerâ84 charakterisiert. Sein Versuch, Lettau in das Domkapitel in Frauenburg zu holen, war allerdings am Widerspruch der NS-Regierung gescheitert. Nachdem Josef Lettau in Hamburg und Schleswig-Holstein Erfahrung in der Organisation und Koordination der Vertriebenenpastoral gesammelt hatte85, kam er Anfang 1948 als Diözesanflüchtlingsseelsorger in das Erzbistum Paderborn. Der ihm mit Blick auf soziale Aktivitäten zugedachte Titel löste heftigen Widerspruch bei Trennert aus, der sich in seiner gerade errungenen Position als Diözesanpräses des St.-Hedwigs-Werkes düpiert fühlte. Jaeger delegierte den Fall an seinen Generalvikar Friedrich Maria Rintelen, dessen salomonische Lösung, die beiden Kontrahenten sollten die Sache unter sich ausmachen, auch keinen Erfolg brachte. Letztlich reduzierte Lettau seinen Wirkungskreis auf die auf Schloss Vinsebeck angesiedelte Schulungsstätte für Caritas-Helferinnen, die schon im Oktober 1948 auÃerhalb des Erzbistums einen neuen Standort bezog.86 Nach deren SchlieÃung im November 1949 kehrte Lettau in das Erzbistum zurück, um als Diözesan-Caritas-Sekretär die hauptamtliche Schulungsarbeit im DiCV zu übernehmen.87 Der äuÃerst charismatische Geistliche engagierte sich aber ehrenamtlich weiterhin auf den Feldern der Jugendseelsorge (Gemeinschaft Junges Ermland)88 wie auch der Betreuung der vertriebenen Landwirte im Ermländischen Landvolk. MaÃgeblich dem Einfluss von Lettau und Kewitsch ist auch die Errichtung des Maximilian-Kaller-Heims in Balve-Helle zu verdanken, einer 1952 eröffneten Ausbildungsstätte für katholische ermländische Landwirte.89 Während Lettau für eine landsmannschaftlich ausgerichtete Vertriebenenseelsorge stand, vertrat Trennert nachdrücklich das überlandsmannschaftliche, an die Paderborner Diözesanstruktur angepasste Prinzip, wobei er die schlesische Landespatronin Hedwig zur âSchutzfrau des deutschen Ostensâ stilisierte.90 Erzbischof Jaeger unterstützte deutlich diese Vereinnahmung, um das Problem einer nach ostdeutschen Bistümern getrennten Seelsorge zu umgehen, die ja auch stets die Gefahr beinhaltete, dass sich die zuständigen Ordinarien, so etwa der Kapitularvikar des Bistums Ermland, in die diözesane Vertriebenenseelsorge einmischten.
7. Jaegers Rolle bei den Vertriebenenwallfahrten in Werl
Ein weiterer Konfliktpunkt blieben die jährlichen Vertriebenenwallfahrten in Werl91, die Trennert allein organisieren wollte. Ein gewisser Widerspruch lässt sich aus der seit 1948 von ihm durchgesetzten Aufteilung in eine Hauptwallfahrt der Schlesier und vier weitere landsmannschaftliche Wallfahrtstage erkennen. Was der Logistik geschuldet war, bot gleichzeitig ein Einfallstor für die Stärkung der Position der jeweiligen Jurisdiktionsträger aus dem Osten, wenn beispielsweise am Wallfahrtstag der Glatzer und Sudetendeutschen der Glatzer GroÃdechant Monse als Hauptzelebrant und Prediger âgesetztâ war und bei den Ermländern und Danzigern regelmäÃig der ermländische Kapitularvikar Arthur Kather (1883-1957) auftrat.
Die erste gröÃere Wallfahrt am 29. Juni 1947 bereitete den Boden für eine weitere Vereinheitlichung der Vertriebenenarbeit, wobei die Initiative zu einem solchen geistlichen Treffen bereits im Vorjahr von dem schlesischen Kaplan Konrad Thomas (1914-1980) ausgegangen war. Wie sehr Trennert nicht nur darauf bedacht war, diese Wallfahrt in die Hände zu bekommen, sondern auch zur zentralen GroÃveranstaltung der Vertriebenen auf Bistumsebene auszugestalten, zeigte sich an einem Vorfall 1947. Als ebenfalls am Fest Peter und Paul der als Krankenhausseelsorger in Bochum untergekommene Kattowitzer Generalvikar Franz Wosnitza (1902-1979)92 zu einer Flüchtlingswallfahrt nach Stiepel einlud und Kaller von Werl dorthin weiterreiste, witterte Trennert unliebsame Konkurrenz und beschwerte sich bei Erzbischof Jaeger. Dieser lieà sich von Wosnitza versichern, dass die Veranstaltung in Stiepel nur wegen der ungünstigen Anbindung an den Wallfahrtsort Werl organisiert worden sei.93 Da Wosnitza Ende der 1940er Jahre die Leitung des Katholischen Siedlungsdienstes in Köln übernahm und deshalb in die Nachbardiözese wechselte, brauchte Trennert in der Folge keine Konkurrenz mehr aus dieser Richtung zu befürchten.
1953 konnte Diözesanpräses Trennert dem Erzbischof melden, dass von den 180.000 katholischen Vertriebenen im Westteil der Erzdiözese 60.000, also ein Drittel, über eine Mitgliedschaft im Hedwigs-Werk verfügte. Diese Bindungskraft der Vertriebenen an einen kirchlichen Verein beeindruckte Jaeger ebenso wie er zunächst auch über Trennerts Coup, eine verbandseigene Bildungsstätte in Oerlinghausen in der Tradition des Volksbildungshauses âHeimgartenâ im oberschlesischen Neisse zu schaffen, sehr erfreut war. âDie Lage des Hauses ist glücklichâ, lieà der Erzbischof den Diözesanpräses zunächst wissen und zeigte seine Verärgerung über den Alleingang Trennerts beim Kauf des Hauses erst, als aus dem Erzbischöflichen Seelsorgeamt deutliche Kritik zu hören war, weil man sich dort vor vollendete Tatsachen gestellt sah. Der Seelsorgeamtsleiter Weihbischof Franz Hengsbach (1910-1991) äuÃerte groÃe Bedenken, ob das Haus in Oerlinghausen wirtschaftlich zu betreiben sei. Jedenfalls müsse er âjegliche Verantwortung für das geplante Haus ablehnenâ94. An dieser Stelle wird deutlich, welchen groÃen Rückhalt die katholischen Vertriebenen in Jaeger hatten. Dass der Sauerländer Hengsbach zumindest dem St.-Hedwigs-Werk gegenüber negativ eingestellt war, belegt überdies ein Schreiben des Essener Bezirksvorsitzenden an Jaeger Mitte der 1960er Jahre, in dem es über den nunmehrigen Bischof des 1958 errichteten Ruhrbistums Essen u. a. hieÃ: âWir Vertriebenen finden hier leider nicht die geringste Unterstützung durch Herrn Bischof Dr. Hengsbach. Dieser steht uns völlig ablehnend gegenüber.â95
Lorenz Jaeger sah hingegen im St.-Hedwigs-Werk gerade in den ersten Jahren der jungen Bundesrepublik einen adäquaten Partner in politischer Hinsicht. Trennert hatte gegenüber dem Paderborner Oberhirten schon 1946 eine fehlende Nähe der neu gegründeten CDU zur Flüchtlingsproblematik beklagt und vor einer Vereinnahmung der Vertriebenen durch SPD und der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) gewarnt.96 Die Notwendigkeit der Sammlung aller Ostvertriebenen in einem Kulturwerk begründete er gegenüber dem Generalvikar 1949 mit dem Szenario, dass âvon sozialdemokratischer Seite her die gesamte geistige Leitung der Flüchtlinge erstrebt wirdâ97. Und nach Gründung des vielfach von ehemaligen Nationalsozialisten geprägten Bundes der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE), der als Interessenpartei der Vertriebenen anfänglich spektakuläre Wahlerfolge erzielte, gingen Trennert und Jaeger in der Intention einer Bindung der katholischen Vertriebenen an die CDU dâaccord. Sichtlich erfreut reagierte Jaeger auf den Auftritt von Bundeskanzler Adenauer auf der Schlesierwallfahrt in Werl im Vorfeld der zweiten Bundestagswahl 1953 und holte als weiteres Zugpferd den beliebten Kölner Kardinal Frings als Prediger auf die Gänsevöhde. âGerade heute, da die Heimatvertriebenen politisch so umworben werden vom BHEâ, schrieb Jaeger im Vorfeld dieser GroÃveranstaltung an Frings, âscheint mir ein solches Wort angebracht zu sein. Wenn es bekannt wird, dass Ew. Eminenz zu der Wallfahrt nach Werl kommen, wird der Zustrom naturgemäà noch stärker werdenâ98. Das waren weise Worte, denn der Auftritt von Adenauer und Frings brachte schätzungsweise 60.000 Menschen zusammen und damit den von Jaeger erhofften Erfolg in Presse und Ãffentlichkeit.
Klare Worte für das Heimatrecht der Vertriebenen hatte Jaeger bereits in seiner Predigt auf der Schlesierwallfahrt in Werl 1950 gefunden, als er den Tausenden Anwesenden u. a. zurief: âIhr habt ein Recht darauf, die geraubte Heimat wieder zurückzuerhalten.â99 Das Verbandsorgan des St.-Hedwigs-Werks Heimat und Glaube erkannte darin einen Schlüsselsatz, der im Druck entsprechend deutlich hervorgehoben wurde. Jedoch muss er klar im Gesamtkontext von Jaegers Predigt gesehen werden, die sich in ihrem Gedankengang an der wenige Wochen später verkündeten Charta der deutschen Heimatvertriebenen orientierte, wenn er dem Ruf nach Hass und Vergeltung grundsätzlich eine Absage erteilte.
Spätestens in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre lässt sich im Verhältnis des Erzbischofs zum St.-Hedwigs-Werk ein latenter Paradigmenwechsel ausmachen. Lorenz Jaeger machte sich bei Veranstaltungen des St.-Hedwigs-Werkes zunehmend rar, schickte aber GruÃworte und Telegramme, die dann verlesen wurden. Zum 10-jährigen Bestehen schrieb er 1957 durchaus mitfühlend:
Der Mensch muss eine Heimat haben, in der er sich wohl und geborgen fühlen kann, und wenn ihm schon das Land und die Stadt, darin seine Ahnen gewirkt und gearbeitet haben, genommen ist, dann muss er wenigstens den Zugang finden zu einem Kreis von Menschen, unter denen er sich eine geistige Heimat aufbauen kann. Das ist geschehen im Hedwigswerk.100
Ãhnlich äuÃerte er sich in einem Rundfunkinterview mit dem Westdeutschen Rundfunk, das anlässlich der Schlesierwallfahrt in Werl 1956 aufgezeichnet wurde. Zehn Jahre nach der Vertreibung argumentierte er dort, es müssten
die kulturellen und volkstumsmäÃigen Werte der Heimatvertriebenen erhalten werden, weil sie Grundwerte christlicher Persönlichkeiten sind. Eine Eingliederung in dieser Hinsicht würde zur Vermassung führen. Heimat und Glaube bedingen einander und sind tragende und aufbauende Kräfte in unserer heutigen so unruhigen Zeit.101
Die Mitgliederzeitschrift Heimat und Glaube titelte dann den Bericht über die Wallfahrt in Werl etwas groÃspurig mit: âGelöbnis der 35.000 Schlesier in Werl. Erzbischof Dr. Lorenz Jaeger betont: Hinein in das St.-Hedwigs-Werkâ102. Gleichzeitig rückten für ihn andere Verpflichtungen in der groÃen Erzdiözese mehr und mehr in den Fokus. So erteilte er u. a. zur Schlesierwallfahrt in Werl 1959 eine Absage, obwohl diese zum Gedenken an den 100. Geburtstag des von den schlesischen Vertriebenen besonders verehrten Kardinals Adolf Bertram (1859-1945) ausgerichtet wurde. Zunehmend delegierte er die Anfragen von Trennert an seinen Sekretär, der die abschlägige Beantwortung übernahm. Selbst nach seiner Emeritierung fand Lorenz Kardinal Jaeger 1974 nicht die Zeit zur Teilnahme in Werl, weil er âleider noch nicht die Gabe der Bilokationâ103 besitze. Möglicherweise war er mittelfristig doch nicht ganz überzeugt von der Ausgestaltung der Wallfahrten zu einer Mischung aus âGlaubenskundgebungen und Demonstrationen gegen das erlittene Unrecht der Vertreibungâ104. Trennert muss das gespürt haben, versicherte er doch Jaeger nach dessen Teilnahme an der Schlesierwallfahrt in Werl 1956, er âhabe persönlich von vielen Wallfahrern gehört, dass gerade diese Wallfahrt die eindrucksvollste gewesen ist und ihnen eine ganz enge Verbindung zu ihrem Erzbischof und der Erzdiözese Paderborn gebracht hatâ105.
Befremdlich musste für den Erzbischof schlieÃlich das zunehmend autoritäre Auftreten Trennerts sein, welches innerhalb des Hedwigs-Werkes zu heftigen Auseinandersetzungen führte. Trotz mancher Vorwürfe gegen den Diözesanpräses, die 1959 zu einem Gerichtsprozess führten,106 wollte er an ihm als âeiner wichtigen Integrationsfigur der katholischen Vertriebenen mit überdiözesaner Ausstrahlungâ107 nicht rütteln. SchlieÃlich band das Lippstädter Hedwigs-Werk auch Hedwigskreise in benachbarten Diözesen an sich, die über keine bischöflich genehmigte Struktur verfügten.
8. Jaeger als Kritiker von Hochschule und Priesterseminar der Ostvertriebenen in Königstein
Auf der Pfingsttagung 1946 der Katholischen Osthilfe in Lippstadt war auch die Forderung nach einem Konvikt für die ostvertriebenen Theologiestudenten in Frankfurt a. M. gestellt worden. Maximilian Kaller griff sie in seiner Eigenschaft als erster päpstlicher Sonderbeauftragter für die vertriebenen Deutschen auf,108 und sie mündete in die Gründung eines Gymnasiums mit Konvikt sowie einer Theologischen Hochschule mit Priesterseminar in leerstehenden Kasernen in Königstein im Taunus. Die Schaffung einer überdiözesanen Struktur in der Priesterausbildung ging von dem Szenario aus, im Moment einer erhofften Rückkehr in die Heimatdiözesen einen funktionsfähigen Klerus vorzuhalten. Motor war der aus Prag vertriebene Kirchenrechtler Prof. Dr. Adolf Kindermann (1899-1974), der wie bei allen westdeutschen Bischöfen, auch bei Jaeger regelmäÃig um Unterstützung nachsuchte. Wahrscheinlich lag Jaeger nicht zuletzt deshalb im Fokus von Kindermann, weil er der im August 1946 von der Fuldaer Bischofskonferenz eingerichteten Kommission für den Aufbau der Königsteiner Anstalten angehörte.109 Die 1949 offiziell errichtete Philosophisch-Theologische Hochschule in Königstein wurde augenscheinlich von Jaeger nicht in erster Linie als Konkurrenz wahrgenommen. Allerdings hielt er spätestens ab 1948 vor dem Hintergrund der immer virulenter werdenden Abschottung der SBZ von den westlichen Besatzungszonen die Gründung einer Theologischen Hochschule und eines Priesterseminars dort für wesentlich wichtiger.110 Hinzu kamen persönliche Vorbehalte gegenüber Kindermann. Der âsehr selbstbewusste und oft auch eigenmächtige Motor der Königsteiner Aktivitätenâ111 war ihm in seinem autoritären Auftreten und Geschäftsgebaren zunehmend ein Dorn im Auge. In seiner Funktion als Vorsitzender der auf Geheià von Kardinal Frings von der Fuldaer Bischofskonferenz 1954 neu eingerichteten âKommission für die Königsteiner Anstaltenâ112 bemühte sich Lorenz Jaeger über Jahre vergeblich, ein klares wirtschaftliches Konzept für die diversen Institutionen zu schaffen, die Kindermann in dem Taunusstädtchen ins Leben gerufen hatte.113 Selbst ein gemeinsam mit Kardinal Frings gestarteter Versuch, im Vatikan die Aufhebung der Königsteiner Hochschule durchzusetzen, das Gymnasium und Schülerkonvikt aber zu erhalten,114 schlug fehl. Erzbischof Jaeger vertrat die Ansicht, dass die Priesterausbildung dort nach Errichtung des Priesterseminars und Theologischen Studiums für die DDR in Erfurt 1952 ausgedient hätte. Wie sehr er angesichts des sich zunehmend verdichtenden Eisernen Vorhangs zu Beginn der 1950er Jahre Realist war, zeigt exemplarisch sein lakonischer Kommentar gegenüber Frings: âDer Versuch, Ostmissionare für die kommende Missionierung in Russland und in den Oststaaten auszubilden, ist abwegigâ115. AuÃerdem beklagte sich Jaeger über den fehlenden Rückfluss von in Königstein ausgebildeten Theologen in das Paderborner Priesterseminar.116 Dabei hatte Jaeger in einem für die Fuldaer Bischofskonferenz 1954 angefertigten Bericht konstatiert: âPaderborn hat von allen Diözesen die meisten aktiven und pensionierten Ostgeistlichen aufgenommen.â117 SchlieÃlich mokierte er sich darüber, dass der in Bad Lippspringe lebende Breslauer Domkapitular Karl Kastner (1886-1957) im Paderborner Collegium Leoninum für Königstein geworben habe. Kastner war zuvor Direktor des Breslauer Theologenkonvikts gewesen und hatte daher ein besonderes Interesse an der Gewinnung von Priesterberufen für seine schlesische Heimatdiözese.118
9. Ergebnisse
Erzbischof Lorenz Jaeger war aufgrund der Tatsache, dass sowohl der Westteil als auch insbesondere der Ostteil seiner Erzdiözese zu bevorzugten Aufnahmegebieten von Vertriebenen wurden, in besonderer Weise herausgefordert. Hinzu kam seine für die Vertriebenenseelsorge strategisch wichtige Funktion als Vorsitzender des Diasporakommissariats der Fuldaer Bischofskonferenz, ergänzt um die Aufgabe eines Vorsitzenden der eigens für Hochschule und Priesterseminar der Ostvertriebenen in Königstein eingesetzten Kommission. Die Grundkonstellation, von der Jaeger aus agierte, bot einen geeigneten Rahmen für die Etablierung von Hilfsorganisationen für die katholischen Vertriebenen gerade innerhalb des Erzbistums Paderborn rund um die Katholische Osthilfe in Lippstadt. Der Erzbischof stand vor der Herausforderung, die sich in deren Umfeld sammelnden, besonders umtriebigen und charismatischen schlesischen Geistlichen Georg Goebel und Wilhelm Trennert, dazu auch die Ermländer Paul Kewitsch und Josef Lettau, einzubinden. Angesichts der massiven Rivalitäten unter diesen Geistlichen sowie der politischen Ambitionen Goebels und der primär landsmannschaftlich ausgerichteten Aktivitäten von Lettau erschien ihm die Hedwigs-Werk-Idee von Trennert als der moderateste Lösungsweg. Letzterer agierte zwar durchaus selbstbewusst in seinem eifrigen Bemühen auf Erfassung aller katholischen Heimatvertriebenen auch über die Grenzen der Erzdiözese Paderborn hinaus sowie in seinem Anspruch auf das Amt des Diözesan-Vertriebenenseelsorgers. In der Organisation seines Kulturwerkes auf der Diözesan- wie der Pfarrebene zeigte er sich aber sehr anpassungsfähig und war für Jaeger ein Garant gegen die von auÃen wahrgenommenen Eingriffe vertriebener Jurisdiktionsträger in das Geschehen in der Erzdiözese. Anders formuliert gab er dem machtbewusst agierenden Jaeger die Garantie, dass sich der Vertriebenenkatholizismus nicht von der Paderborner Ortskirche separierte. Insbesondere war Trennerts Beitrag zur politischen Integration der katholischen Vertriebenen in die CDU ganz im Sinne des Paderborner Oberhirten, alle Katholiken, Einheimische wie Vertriebene, fest im Wählerklientel der überkonfessionellen konservativen Partei zu verankern. Insofern lässt sich modern gesprochen von einer âwin-win-Situationâ reden. Ausdruckstarker Beleg hierfür ist die bereits eingangs angeführte, fast gebetsmühlenartige Wiederholung der Gunst Jaegers gegenüber dem Hedwigs-Werk als pars pro toto für alle katholischen Vertriebenen im Erzbistum zu verstehen. Exemplarisch dafür steht Trennerts Versicherung gegenüber Jaeger im Oktober 1961 âfür das Verständnis und Entgegenkommen, dass Sie seit Gründung des St. Hedwigs-Werkes als Schirmherr uns geschenkt haben. Wir verbinden damit das Versprechenâ â so Trennerts Konsequenz â, âweiterhin stets dafür einzutreten, dass das Christsein und seine Grundsätze auch im öffentlichen Leben ihren gebührenden Platz findenâ119. Dass sich Lorenz Jaeger deutlich entschiedener als andere westdeutsche Bischöfe für die Anliegen der Vertriebenen einsetzte, lässt sich dennoch nicht pauschal sagen. Dass er die Aufnahme anderer Bischöfe aus dem Osten in seiner Diözese rundweg ablehnte, entspricht allerdings ebenso wenig der Realität und war vielmehr dem nüchternen Abwägen der Erfolgschancen von deren Einsetzung geschuldet. Wohl aber ist seine Stimme, nicht zuletzt aufgrund seiner Aufgaben an der Schnittstelle von Einheimischen und Vertriebenen, im westdeutschen Nachkriegskatholizismus stärker gehört worden als die mancher seiner Mitbrüder im Bischofsamt. AuÃerdem zeigte Erzbischof Jaeger sich von Beginn an interessiert und stets gut informiert über die Situation der Vertriebenen und machte sich ihre Anliegen zu eigen, ohne sich letztlich von einzelnen charismatischen und organisatorisch begabten Vertretern des Vertriebenenklerus vereinnahmen zu lassen.
Quellen- und Literaturverzeichnis
Quellen
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A-0-11: Flüchtlinge
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Flüchtlingsgeistliche/Ostgeistliche 1945-1947
Nachlass Lorenz Kardinal Jaeger (NLKJ) Akten Nr. 455, 466, 467, 470, 1250
Nachlass Paul Kewitsch, Akte Kath. Osthilfe III
Ostgeistliche 1945-1966
St.-Hedwigs-Haus Oerlinghausen 1953-1965
St.-Hedwigs-Werk 1948-1968
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Hirschfeld, Michael: Katholisches Milieu und Vertriebene. Eine Fallstudie am Beispiel des Oldenburger Landes 1945-1965 (Forschungen und Quellen zur Kirchen- und Kulturgeschichte Ostdeutschlands, 33). Köln u. a. 2002
Hirschfeld, Michael: Caritas oder Kulturwerk? Konkurrierende Erfassungsmodelle der Vertriebenen im katholischen Milieu am Beispiel der nordwestdeutschen Bistümer Hildesheim, Münster, Osnabrück und Paderborn, in: Josef Pilvousek/Elisabeth Preuà (Hg.): Aufnahme â Integration â Beheimatung. Flüchtlinge, Vertriebene und die âAnkunftsgesellschaftâ (Studien zur Kirchlichen Zeitgeschichte, 3). Münster 2009, S. 87-104
Hirschfeld, Michael: Vertriebenenwallfahrten in Westfalen und ihre Bedeutung für die Integration der Vertriebenen, in: Paul Leidinger (Hg.): Deutsche Ostflüchtlinge und Ostvertriebene in Westfalen und Lippe nach 1945. Beiträge zu ihrer Geschichte und zur deutsch-polnischen Verständigung (Quellen und Forschungen zur Geschichte des Kreises Warendorf, 46). Münster 2011, S. 294-313
Holzbrecher, Sebastian: Weihbischof Joseph Ferche (1888-1965). Seelsorger zwischen den Fronten (Arbeiten zur schlesischen Kirchengeschichte, 17). Münster 2007
Holzbrecher, Sebastian: Joseph Ferche (1888-1965). Integration eines vertriebenen Weihbischofs, in: Rainer Bendel (Hg.): Vertriebene finden Heimat in der Kirche. Integrationsprozesse im geteilten Deutschland nach 1945 (Forschungen und Quellen zur Kirchen- und Kulturgeschichte Ostdeutschlands, 38). Köln u. a. 2008, S. 119-130
Kalinowski, Dariusz: Bischof Maximilian Kaller und die Fragen des deutschen Ostens in den Jahren 1945 bis 1947, in: Zeitschrift für die Geschichte und Altertumskunde Ermlands 49 (1999), S. 175-212
Kewitsch, Paul: Chronik des Maximilian-Kaller-Heims 1952-1977. o. O. o. J. (1977)
Kluge, Gerhard: Johannes Smaczny (1902-1968), in: Johannes Gröger/Joachim Köhler/Werner Marschall (Hg.): Schlesische Kirche in Lebensbildern. Sigmaringen 1992, S. 220-222
Kluge, Gerhard: Wilhelm Trennert (1909-1972), in: Johannes Gröger/Joachim Köhler/Werner Marschall (Hg.): Schlesische Kirche in Lebensbildern. Sigmaringen 1992, S. 317-319
Kopiczko, Andrzej: Duchowienstwo Katolickie Diecezji Warminskiej w latach 1821-1945, Czesc 2: Slownik. Olsztyn 2003
Kunigk, Helmut: Lebensbild D[iözesan]P[räses] Prälat Josef Lettau, in: Ermlandbuch 61 (2010), S. 43-45
Lang-Vöge, Karolina: Maximilian Kaller als Deuter der ermländischen Glaubensgemeinschaft nach Flucht und Vertreibung, in: Thomas Flammer/Hans-Jürgen Karp (Hg.): Maximilian Kaller. Bischof der wandernden Kirche. Flucht und Vertreibung â Integration â Brückenbau (Zeitschrift für die Geschichte und Altertumskunde Ermland, Beiheft 20). Münster 2012, S. 55-65
Laws, Ernst: Wanderer zwischen drei Zonen. Bischof Maximilian Kallers Leben vom 7. Februar 1945 bis zum 12. August 1946 im Spiegel seiner Briefe, in: Ermländischer Hauskalender 90 (1957), S. 6-38
Müller, Torsten W.: In der Fremde glauben. Die Auswirkungen von Flucht und Vertreibung im Ostteil des Bistums Fulda (Erfurter Theologische Studien, 108). Würzburg 2015
Negwer, Josef/Engelbert, Kurt: Geschichte des Breslauer Domkapitels 1800-1945. Hildesheim 1964
Olschewski, Ursula: âMutter Maria, Jungfrau und Magd â all unsere Not sei Dir geklagtâ. Die Wallfahrt in der Seelsorge von Migranten im 20. Jahrhundert am Beispiel der Vertriebenenwallfahrten nach Werl in der Erzdiözese Paderborn, in: Benedikt Kranemann (Hg.): Liturgie und Migration. Die Bedeutung von Liturgie und Frömmigkeit bei der Integration von Migranten im deutschsprachigen Raum (Praktische Theologie heute, 122). Stuttgart 2012, S. 217-237
Penkert, Alfred: Höhere Mächte haben entschieden. Flucht, Vertreibung und Ankommen ostpreuÃischer Katholiken im Spiegel ihres Briefwechsels mit Bischof Maximilian Kaller (Beiträge zu Theologie, Kirche und Gesellschaft, 15). Berlin 2008
[Ploetz, Lothar]: Fato profugi. Vom Schicksal ermländischer Priester 1939 â 1945 â 1965. Kiel 1965
Samerski, Stefan: Schuld und Sühne? Bischof Carl Maria Splett in Krieg und Gefangenschaft (Deutschland und seine Nachbarn. Forum für Kultur und Politik, 25). 2. Aufl., Bonn 2000
Schmerbauch, Maik: Prälat Franz Wosnitza (1902-1979). Ehemaliger Generalvikar von Kattowitz (Arbeiten zur schlesischen Kirchengeschichte, 21). Münster 2010
Seiler, Jörg: Lorenz Jaeger als Mitglied der Bischofskonferenz. Ein Ãberblick, in: Nicole Priesching/Gisela Fleckenstein (Hg.): Lorenz Jaeger als Theologe (Lorenz Kardinal Jaeger, 1). Paderborn 2019, S. 81-126
Seiler, Jörg: Friedrich Maria Rintelen, der Erzbischöfliche Kommissar in Magdeburg, und Erzbischof Jaeger. Annotationen zum Scheitern einer Bischofsgeneration, in: Nicole Priesching/Christian Kasprowski (Hg.): Lorenz Jaeger als Kirchenpolitiker (Lorenz Kardinal Jaeger, 3). Paderborn 2021, S. 248-289
Smaczny, Johannes: Was will das St.-Hedwigs-Werk? Ein Beitrag zur Frage der Ostnot. o. O. o. J. (1948)
St.-Hedwigs-Werk der Diözese Osnabrück (Hg.): 25 Jahre St. Hedwigs-Werk der Diözese Osnabrück. Eine Dokumentation. Osnabrück 1972
St.-Hedwigs-Werk der Diözese Osnabrück (Hg.): St. Hedwigs-Werk der Diözese Osnabrück 1947-2000. Eine Dokumentation. Osnabrück 2000
Stadtrecher, Markus: Nicht unter Fremden? Die katholische Kirche und die Integration von Vertriebenen im Bistum Augsburg (Historische Grundlagen der Moderne, 14). Baden-Baden 2016
Stambolis, Barbara: Glaube und Heimat. Die Flüchtlingsarbeit der Katholischen Osthilfe im Erzbistum Paderborn nach 1945 (Zeitgeschichte im Erzbistum Paderborn, 5). Paderborn 1998
Steinert, Johannes-Dieter: Vertriebenenverbände in Nordrhein-Westfalen 1945-1954 (Flüchtlinge und Vertriebene in Nordrhein-Westfalen, 1). Düsseldorf 1986
Stückemann, Frank: âEs herrscht Einigkeit darüber, dass die soziale und geistliche Versorgung [â¦] nicht voneinander getrennt werden kann.â Personale und strukturelle Rahmenbedingungen der evangelischen Seelsorge im Sozialwerk Stukenbrock 1948-1970, in: Wolfgang Günther/Oliver Nickel/Ulrike Pastoor (Hg.): Das Sozialwerk Stukenbrock. Impulse für Forschung und Musealisierung. Bielefeld 2020, S. 47-59
Stückemann, Frank: Paul Kewitsch (1909-1997). Vater der Heimatlosen, Organisator der Katholischen Osthilfe und Begründer von Förderschulen, in: Jahrbuch für westfälische Kirchengeschichte 116 (2020), S. 383-440
Tippelt, Dr.: Der Wanderer Gottes [Josef Lettau], in: Ermländischer Hauskalender 94 (1961), S. 81-85
Tippelt, Dr.: Josef Lettaus groÃe Liebe [Die Gemeinschaft Junges Ermland], in: Ermländischer Hauskalender 94 (1961), S. 86-91
Vosberg, Barbara: Lorenz Jaeger als Grabesritter oder als âMiles Christianusâ zwischen âAbendländischer Bewegungâ und âKatholischer Aktionâ, in: Nicole Priesching/Christian Kasprowski (Hg.): Lorenz Jaeger als Kirchenpolitiker (Lorenz Kardinal Jaeger, 3). Paderborn 2021, S. 413-442
VoÃkamp, Sabine: Katholische Kirche und Vertriebene in Westdeutschland. Integration, Identität und ostpolitischer Diskurs 1945-1972 (Konfession und Gesellschaft, 40). Stuttgart 2007
Zurek, Robert: Zwangsmigration der Deutschen und Westverschiebung der deutsch-polnischen Grenze in den Aussagen der katholischen Bischöfe Deutschlands 1945-48, in: Kirchliche Zeitgeschichte 25 (2012) 1, S. 54-85
Trennert an Jaeger, 16.2.1948, EBAP, St.-Hedwigs-Werk 1948-1968.
Vgl. u. a. Trennert an Jaeger, 3.7.1961, EBAP, Nachlass Jaeger, 467.
Trennert an Jaeger, 14.4.1960, EBAP, Nachlass Jaeger, 467.
VoÃkamp, Kirche, S. 113, unter Bezugnahme auf: Stambolis, Glaube.
Vgl. St.-Hedwigs-Werk der Diözese Osnabrück (Hg.), 25 Jahre; St.-Hedwigs-Werk der Diözese Osnabrück (Hg.), St.-Hedwigs-Werk.
Vgl. Hirschfeld, Milieu; Hirschfeld/Trautmann, Glaube; Bendel, Fremde; Müller, Fremde; Stadtrecher, Fremden.
Vgl. Stambolis, Glaube; Grüttner, St. Hedwigswerk.
So: Penkert, Mächte, S. 53, aufgrund seiner Auswertung der Korrespondenz von Bischof Maximilian Kaller.
Aschoff, Diaspora, S. 110; vgl. auch: Braun, Umschichtungen.
Vgl. Seiler, Jaeger, S. 86.
Vgl. Engelbert, Geschichte, S. 257. Dort heiÃt es, er habe in deren Gästebuch geschrieben: âAls Verbannter, gewaltsam herausgerissen aus meiner ermländischen Diözese, fand ich hier bei den guten Grauen Schwestern von der hl. Elisabeth ein Heim und ein Nest.â Vgl. zudem: Laws, Wanderer; Kalinowski, Bischof. Zu Kaller vgl. zuletzt: Bendel/Karp, Bischof.
Vgl. Engelbert, Geschichte, S. 257.
Vgl. Bendel/Karp, Bischof, S. 248.
Vgl. dazu: Penkert, Mächte, S. 83.
Ein entsprechender Hinweis findet sich bei: Brandt, Vor 50 Jahren, S. 32.
Jaeger an Kaller, 11.10.1945, zit. nach: Bendel/Karp, Bischof, S. 270.
Darunter gab es auch einige âLobbyistenâ â wie Zurek sie nennt â, die systematisch alle hohen Kirchenvertreter anschrieben und mit ihren Schreckensberichten versorgten: vgl. Zurek, Zwangsmigration, S. 81.
Vgl. Flüchtlinge, BA Münster, A-0-11.
Pfarrer Anton Stukenbrock (Bödexen) an Jaeger, 25.3.1946, EBAP, Nachlass Jaeger, 455. Zu Splett: vgl. Bräuel/Samerski, Bischof; Samerski, Schuld.
Vgl. Köhler, Romberichte, S. 25.
Norbert Kaps (Büren) an Jaeger, 15.5.1946, EBAP, Nachlass Jaeger, 1250.
Zurek, Zwangsmigration, S. 54.
Vgl. Jaeger an Pius XII., 1.1.1946, in: Helbach, Akten, S. 334-346, hier 342.
Zurek, Zwangsmigration, S. 55.
Frings an Jaeger, 2.2.1946, EBAP, Nachlass Jaeger, 466.
Hirtenbrief der Bischöfe der Kölner und Paderborner Kirchenprovinz, 27.3.1946, in: Baadte/Rauscher, Dokumente, S. 96 f.
Vgl. Frings an Jaeger, 2.2.1946, EBAP, Nachlass Jaeger, 466.
Zurek, Zwangsmigration, S. 67, stellt fest, dass sich am ausführlichsten der Freiburger Erzbischof Conrad Gröber zu dieser Problematik äuÃerte.
Fastenhirtenbrief Jaeger, 2.2.1946, zit. nach: Baadte/Rauscher, Dokumente, S. 77.
Vgl. Stückemann, Einigkeit, S. 59. Leider fehlt in diesem Band ein entsprechender Aufsatz über die katholische Seelsorge in dieser Einrichtung.
Vgl. Gatz, Paderborn, S. 520 bzw. 518.
Vgl. EBAP, Nachlass Jaeger, 467.
Vgl. Faulhaber an Jaeger, 28.5.1946, EBAP, Nachlass Jaeger, 466.
Rundschreiben des Erzbischofs an die Vertriebenenpriester, 19.1.1947, EBAP, Flüchtlingsgeistliche/Ostgeistliche 1945-1947.
Aus dem Bistum Münster z. B. ist lediglich ein primär in Behördensprache abgefasster Brief zur âBetreuung der Ostflüchtlingeâ überliefert, der im Juni 1946 an alle Pfarrämter verschickt wurde. Original in: BA Münster, Neues Archiv, 101-39.
Vgl. Seiler, Rintelen, S. 261-269.
Zum Patenschaftssystem und zu den Besuchen Jaegers im Ostteil der Erzdiözese vgl. im Ãberblick: Stambolis, Glaube, S. 37.
Vgl. Jaeger an Berning, 12.1.1946, EBAP, Nachlass Jaeger, 466.
Vgl. Generalvikar Tuschen an Krömer, 21.1.1953, EBAP, Ostgeistliche 1945-1966.
Vgl. Eingabe an Jaeger, 12.11.1960, EBAP, Ostgeistliche 1945-1966.
Vgl. Verordnung Jaegers, 27.3.1961, EBAP, Ostgeistliche 1945-1966.
Vgl. Friedrich von Hohenzollern an Jaeger, 16.2.1954 und dessen prompte Zusage, 19.2.1954, beides in: EBAP, Nachlass Jaeger, 1250.
Zu Jaegers Führungsrolle als GroÃprior der Deutschen Statthalterei des Ordens: vgl. Vosberg, Jaeger.
Vgl. Jaeger an Gräfin Vitzthum, 7.2.1952, EBAP, Nachlass Jaeger, 1250.
Vgl. Blaschke/Unterburger, Jaeger, S. 143.
Vgl. Msgr. Dr. Joseph Zabkar, Rom, an Jaeger, 11.1.1955, EBAP, Nachlass Jaeger, 1250.
Jaeger an Zabkar, 21.2.1955, EBAP, Nachlass Jaeger, 1250.
Vgl. dazu: Jaeger an Lagerpfarrer Dr. Josef Krahé, 13.1.1956, EBAP, Nachlass Jaeger, 1250. Die Protestbriefe finden sich in: EBAP, Nachlass Jaeger, 1250.
Vgl. Jaeger an Weskamm, 24.9.1945, EBAP, Nachlass Jaeger, 466. Hier auch die folgenden Zitate.
Jaeger an Kaller, 25.11.1945, Archiv Ermlandhaus Münster, hier zit. nach: Penkert, Mächte, S. 53.
Vgl. dazu: Lang-Vöge, Kaller, S. 55.
Vgl. Bendel, Kaller, S. 34.
Vgl. Engelbert, Geschichte, S. 257.
Brandt/Hengst, Geschichte, Bd. 4, S. 214.
Vgl. Penkert, Mächte, S. 188.
Vgl. Brandt, Vor 50 Jahren, S. 33.
Vgl. Penkert, Mächte, S. 37.
Vgl. Hlond an Jaeger, 10.6.1945, EBAP, Nachlass Jaeger, 466.
Jaeger an Hlond, 23.8.1945, EBAP, Nachlass Jaeger, 466. Hier auch das folgende Zitat.
Vgl. Hirschfeld, Monse, S. 88 f.
Der Glatzer Priester Leo Christoph übergab das Schreiben Monses am 15.3.1946 in Bad Oeynhausen an den Vorsitzenden des DiCV Aloys Braekling: vgl. EBAP, Nachlass Jaeger, 466.
Vgl. Monse an Berning, 1.12.1945, Archiv Heimatwerk Grafschaft Glatz e. V., Münster, zit. bei: Hirschfeld, Monse, S. 83.
Vgl. Ferche an Jaeger, 24.2.1946, EBAP, Nachlass Jaeger, 455.
Vgl. Kaller an die Bischöfe Berning, Dietz und Jaeger, 30.11.1946, abgedruckt bei: Holzbrecher, Weihbischof, S. 178 f.; vgl. dazu auch: Holzbrecher, Ferche â Integration, S. 125.
Holzbrecher, Weihbischof, S. 129.
Vgl. zu diesem Vorgang: ebd., S. 107-112.
Jaeger an Kaller, 16.1.1947, zit. in einem Brief Kallers an Ferche vom 16.1.1947, abgedruckt bei: ebd., S. 189. Hier auch das folgende Zitat.
Vgl. dazu bisher nur die schmale und auf den karitativen Bereich beschränkte Dokumentation von: Stambolis, Glaube.
Zu Smaczny: vgl. Kluge, Smaczny; mit umfangreicher Bibliographie: Hirschfeld, Smaczny.
Protokoll der Pfingsttagung der Kath. Osthilfe, 8.-10.6.1946, EBAP, Nachlass Jaeger, 466.
Zum politischen Handeln Goebels, vgl. noch immer: Steinert, Vertriebenenverbände.
Vgl. Westfälisches Volksblatt v. 14.6.1950.
Lebenslauf Geistl. Rat Georg Goebel, 30.5.1963, Archiv GroÃdechant Glatz, Münster, Personalakte Goebel. Goebel starb als pensionierter Pfarrvikar von Werdohl-Eveking und wurde in Laer (Kreis Steinfurt) beigesetzt, vgl. recht hagiographisch: [Christoph], Geistl. Rat; GroÃpietsch, Goebel.
Vgl. Trennert an Jaeger, 14.6.1946, EBAP, Nachlass Jaeger, 466.
Eine ausführliche Biographie stellt ein Desiderat dar. Vgl. bisher nur das Biogramm von: Kluge, Trennert.
Zu Kewitsch, geb. 1909 in Allenstein (OstpreuÃen), gest. 1997 in Paderborn: vgl. [Ploetz], Schicksal, S. 37; Kopiczko, Duchowienstwo, S. 133; jetzt vor allem: Stückemann, Kewitsch.
Trennert lehnte gegenüber Jaeger am 5.1.1954 die Ernennung von Goebel zum Vertriebenenseelsorger für die Dekanate Lüdenscheid und Altena ab: EBAP, St.-Hedwigs-Werk 1948-1968. Dort hieà es, Goebel habe âbis jetzt bewusst nur in interkonfessionellen Organisationen bei Jugendlichen und Erwachsenen gearbeitet und sich allein der politischen Arbeit der Heimatvertriebenen-Betreuung gewidmetâ.
Rundbrief der Kath. Osthilfe, Januar 1946, EBAP, Nachlass Jaeger, 466.
Vgl. dazu deutlich für Kewitsch Partei ergreifend: Penkert, Mächte, S. 309 f.
Vgl. im Ãberblick hierzu: Grüttner, St. Hedwigswerk, S. 314.
Smaczny, St.-Hedwigs-Werk, ohne Paginierung. Hier auch das folgende Zitat.
Vgl. Grüttner, St. Hedwigswerk, S. 317. Bis 1967 ging die Zahl aber nur minimal auf 326 zurück.
Vgl. Stückemann, Einigkeit, S. 58.
Kaller an Reichsminister für die kirchlichen Angelegenheiten, 6.7.1943, zit. nach: Fox, Auseinandersetzungen, S. 162.
Zu Lettau, geb. in Königsberg (OstpreuÃen), gest. in Warburg: vgl. [Ploetz], Schicksal, S. 42; Art. Lettau, Franciszek Jozef, in: Kopiczko, Duchowienstwo, S. 166; Kunigk, Lebensbild.
Neuer Standort wurde der ehemalige Fliegerhorst in Adelheide bei Delmenhorst (Bistum Münster): vgl. Tippelt, Wanderer, S. 84.
Vgl. Notiz: Arbeitsplanung für H.H. Erzpriester Lettau, EBAP, Nachlass Paul Kewitsch, Akte Kath. Osthilfe III.
Lettau organisierte im Erzbistum Paderborn u. a. in Vinsebeck, Wewelsburg, Schüren und Bilstein Ostertagungen der Gemeinschaft Junges Ermland: vgl. Hinz, Ermland; Tippelt, Lettaus.
Vgl. Penkert, Mächte, S. 327; Harwardt, Maximilian-Kaller-Heim; Kewitsch, Chronik.
In seinem Weihnachtsgruà an Jaeger vom 22.12.1948 schrieb Trennert von der Ausrichtung âim Geiste St. Hedwigs, der Schutzpatronin des deutschen Ostensâ. EBAP, St.-Hedwigs-Werk 1948-1968.
Vgl. dazu allgemein: Hirschfeld, Vertriebenenwallfahrten, S. 303-307.
Zu Wosnitza: vgl. Schmerbauch, Prälat, S. 79 f., wo allerdings auÃer einem BegrüÃungsschreiben Jaegers vom 23.12.1946 keine weiteren Kontakte zum Erzbischof von Paderborn nachgewiesen sind.
Vgl. auch: Olschewski, Maria, S. 218.
Hengsbach an Trennert, 22.12.1953, EBAP, St.-Hedwigs-Haus Oerlinghausen 1953-1965.
Vorsitzender des Hedwigs-Werkes, Bezirk Essen, an Jaeger, 20.4.1965, EBAP, St.-Hedwigs-Werk 1948-1968.
Vgl. Trennert an Jaeger, 14.6.1946, EBAP, Nachlass Jaeger, 466.
Trennert an Rintelen, 2.5.1949, EBAP, St.-Hedwigs-Werk 1948-1968.
Jaeger an Frings, 2.2.1953, EBAP, Nachlass Jaeger, 467.
Zit. nach: Heimat und Glaube 8 (1950), S. 3.
Jaeger an Trennert, GruÃwort 10 Jahre St.-Hedwigs-Werk, 19.6.1957, EBAP, Nachlass Jaeger, 467.
WDR-Interview mit Jaeger, 24.6.1956 in Werl, EBAP, Nachlass Jaeger, 467.
Heimat und Glaube 7 (1956), S. 1.
Jaeger an Diözesanpräses Gerhard Kluge, 21.6.1974, EBAP, Nachlass Jaeger, 470.
So die Bewertung bei: Olschewski, Maria, S. 227.
Trennert an Jaeger, 28.6.1956, EBAP, Nachlass Jaeger, 467.
Vgl. EBAP, Nachlass Jaeger, 467. Trennert betonte gegenüber dem Erzbischof am 23.8.1957 seine Unschuld. Ãber den Grund des Prozesses schweigen sich die Quellen aus.
Hirschfeld, Caritas, S. 90.
Vgl. Bendel, Hochschule, S. 48.
Vgl. ebd., S. 527, Anm. 273.
Vgl. Jaeger an Frings, 11.3.1948, in: Mertens, Akten, S. 148.
Penkert, Mächte, S. 193.
Deren Einrichtung wurde während des Treffens der westdeutschen Bischöfe vom 15.-17.3.1954 beschlossen, vgl. dazu: Bendel, Hochschule, S. 285.
Vgl. Exposé Jaegers, 1.9.1954, EBAP, Nachlass Jaeger, 467.
Vgl. Frings an den Heiligen Stuhl, 19.11.1953, Expl., EBAP, Nachlass Jaeger, 467.
Jaeger an Frings, 20.11.1953, EBAP, Nachlass Jaeger, 467.
Vgl. Jaeger an Kindermann, 20.12.1959, EBAP, Nachlass Jaeger, 467.
Jaeger, Exposé, ohne Datum (1954), EBAP, Nachlass Jaeger, 467.
Vgl. EBAP, Ostgeistliche 1945-1966; Engelbert, Kastner; Negwer/Engelbert, Geschichte, S. 210 und S. 296.
Trennert an Jaeger, 8.10.1961, EBAP, Nachlass Jaeger, 467.