Im Nationalsozialismus krank in der Psychiatrie? Was bedeutete das? Die Publikation spürt den Lebensgeschichten von fünf Frauen und Männern nach, die im annektierten Grenzraum Elsass Patientinnen und Patienten waren oder wurden. Ihre Geschichten könnten kaum unterschiedlicher sein. Die biografischen Annäherungen bieten Zugänge zu bisher verborgenen Lebenswelten und lassen Psychiatrie als erlebte Praxis greifbar werden. Von der elsässischen Metropole Strasbourg führten die Lebenswege mitunter bis in die Mordanstalt Hadamar, die zum Symbol der nationalsozialistischen âEuthanasieâ-Verbrechen wurde. Die vorliegende Arbeit versteht sich als Institutionengeschichte âvon innenâ, die konsequent auf die Sicht der Betroffenen baut. Indem die Untersuchung intergenerationellen Auswirkungen nachspürt, reicht sie über das Jahr 1945 hinaus. Sie bezieht die tastenden Auseinandersetzungen der Angehörigen mit ihren Familiengeschichten mit ein und führt so vor Augen, dass die Bedeutung dieser Geschichte bis in die Gegenwart reicht.
Copyright Year:
2026
What did it mean to be a patient in psychiatry during National Socialism? Starting in the border region of occupied Alsace, the life stories of five women and men are reconstructed that could barely be more diverse. Their biographies offer access to previously invisible life worlds. Tracing intergenerational meanings of their families demonstrate that the aftermath reaches up to the present day.
Lea Münch ist Ãrztin und Historikerin. Die im Rahmen der internationalen Kommission zur Geschichte der Medizinischen Fakultät der âReichsuniversität StraÃburgâ 2023 verteidigte Dissertation über Psychiatrieerfahrungen im Elsass wurde mit fünf Wissenschaftspreisen ausgezeichnet. Aktuell lehrt sie an den Universitäten Magdeburg und Strasbourg. Ihr Habilitationsprojekt beschäftigt sich mit der Erfahrungsgeschichte der künstlichen Beatmung.