Dass Stimmungen und Atmosphären an Formen der Historisierung gebunden sind, lässt sich kaum bestreiten. Genauso ist davon auszugehen, dass sie an vielfältigen ästhetisch-medialen Prozessen beteiligt sind oder durch diese überhaupt erst hervorgebracht werden. Als Schwelle einer verstärkten kulturgeschichtlichen Relevanz werden häufig das 18. und 19. Jahrhundert angesehen. So sehr es naheliegt, dass subjektbezogene Stimmungen und räumlich geprägte Atmosphären erst in einem entsprechenden diskursiven Umfeld emergieren können, so wenig lässt sich dies mit der Beobachtung Leo Spitzers in Verbindung bringen, wonach der Stimmungsbegriff auf antike und später christliche Konzepte der Weltharmonie zurückgeht. Die Publikation hat daher das Ziel, Stimmungen und Atmosphären auch jenseits von historischen Schlüsselepochen ausfindig zu machen. Im Zentrum steht die Frage, welche Situationen, Handlungen, Räume und Umwelten entfaltet werden und welche mediale und diskursive Dynamik sich abzeichnet.
Moods and atmospheres are tied to forms of historicization. They are involved in a variety of aesthetic and media-related processes, or are brought into being by these processes. The publication therefore aims to identify moods and atmospheres even beyond key historical periods. The central question is which situations, actions, spaces, and environments are brought to light.
Andrea Stahl ist an der Universität Würzburg im Rahmen der Französischen und Spanischen Literatur- und Kulturwissenschaft beschäftigt. Sie war Leiterin des kulturwissenschaftlichen DFG-Netzwerks âStimmungen, Konflikte, Weltenâ (2016â2023). Weitere Arbeitsschwerpunkte sind Körper-, Bild- und Wirklichkeitsmodelle im französischen 19. und 20. Jahrhundert sowie der Zusammenhang zwischen Literatur-, Wirtschafts- und Affektgeschichte im kulturgeographischen Vergleich.