Diese Studie beleuchtet, wie das in der Literaturwissenschaft kaum beachtete Krankheitsphänomen Hypochondrie eine privilegierte Beziehung zur Gattung des Romans ausbildet: Zum einen erzeugt der Roman mit seinen spezifischen Darstellungsweisen ein Wissen über die Hypochondrie, das die im fachwissenschaftlichen Feld der Medizin gewonnenen Erkenntnisse zu perspektivieren und zu erweitern vermag. Zum anderen erfahren diese Darstellungsweisen in der Repräsentation der Hypochondrie eine differenzierte Ausgestaltung. Vor diesem Hintergrund erfolgt eine Fokussierung auf zwei Zeiträume: Dem Zusammenhang der Kristallisierung der modernen Hypochondrie und der Gattungsinnovation des Romans im 18. Jahrhundert entspricht beispielsweise die Gleichzeitigkeit der Beschreibung einer neuen, auf geistige Prozesse bezogenen Hypochondrieform und der Entwicklung innovativer narrativer Verfahren der Bewusstseinsdarstellung im frühen 20. Jahrhundert.
Copyright Year:
2025
This study illuminates the relationship between the phenomenon of hypochondria and the genre of the novel: On the one hand, the novel, with its distinctive modes of representation, generates a knowledge about hypochondria that complements the insights gained in the specialised field of medicine. On the other hand, these modes of representation evolve in the portrayal of hypochondria.
Friederike Zankovich hat nach Abschluss des ersten Staatsexamens in Medizin Vergleichende Literaturwissenschaft und Philosophie studiert und wurde an der Universität Bonn promoviert. Ihre Forschungsinteressen umfassen die europäische Literatur seit dem 18. Jahrhundert und die Beziehungen zwischen Literatur, Philosophie und Psychiatrie.