Ziel des Buches ist es, das Individuum zu sprengen. Jedes Individuum muss dem Anspruch nachgeben, sich zu definieren. Dadurch aber erstarrt es im Dinghaften und mit ihm auch das Denken: reproduzierbares Wissen und das Verlangen nach durchgängiger Verständlichkeit â kurz: die Banalität â obsiegen. Gilles Deleuze und Martin Heidegger relativieren den pessimistischen Charakter dieses Gedankens, indem sie in der Banalität eine Zweideutigkeit ausmachen: Die Banalität ist nicht nur lähmend, sie kann auch produktiv werden und zwar dort, wo sie unerträglich wird. An diesem Punkt nämlich zwingt sie uns zu einer Ãberschreitung ins Ungewisse und erst dann wird das Denken geboren. Da nun jedes Individuum von seiner Geschichte abhängt und umgekehrt, siegt auch in der Geschichte die Banalität. Es fragt sich also im gröÃeren MaÃstab: Ist heute der geschichtliche Augenblick gekommen, das Individuum zu sprengen? Womöglich. In jedem Fall gilt: In der Zweideutigkeit liegt die Sprengkraft geborgen.
Copyright Year:
2024
The aim of the book is to dissolve the individual. Every individual must live up to the task of defining oneself. It thus becomes a thing. Thought loses its momentum and becomes banal. Yet Deleuze and Heidegger recognize an ambiguity in banality: It paralyzes thought, but once banality has become unbearable, it becomes creative by forcing individuals to transcend themselves. Thus, thought is born.
Jan Ferdinand Schindler, geb. Schmidt, studierte Philosophie und Französische Philologie an der Freien Universität Berlin und promovierte in Philosophie an der Universität der Künste Berlin. Zurzeit arbeitet er als Gymnasiallehrer in Berlin.