Ein katholischer Sozialverein unter den Augen des SED-Regimes? Wie war das möglich in einem Staat, der eine bürgerliche Selbstorganisation abseits parteistaatlicher Massenorganisationen nicht dulden konnte? Das Buch geht der Frage am Beispiel der bislang unbeachtet gebliebenen Kolpingsfamilien in der DDR nach.
Die Autorin untersucht, wie sich die Existenzbedingungen in der sozialistischen Diktatur und die damit einhergehende Rückbindung an die Kirche auf das Programm, das Selbstverständnis und den Aktionsradius eines der gröÃten sozial-katholischen Laienverbände auswirkten und in der DDR zur Formierung einer âKirchlichen Kolpingsarbeitâ führten. Deren Organisation und Alltag lassen eine katholische Gegenkultur erkennen, deren nie abgerissene Kontakte zum westdeutschen Kolpingwerk das Ministerium für Staatssicherheit letztlich vergeblich zu durchdringen versuchte.
Copyright Year:
2020
The author examines how the existing conditions in a socialist dictatorship and the resulting dependence on the Church shaped the programs, self-understanding, and sphere of action of one of the biggest Catholic lay organizations, and how in the GDR these circumstances led to the formation of the âKirchliche Kolpingsarbeitâ. Its organization and everyday life show a Catholic counterculture whose contacts to the Kolpingwerk in Western Germany the Stasi tried to undermine, ultimately in vain.
Petra Heinicker ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Editionsprojekt âRegesta Imperii â Regesten Kaiser Friedrichs III. (1440-1493)â an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.