Mikroskopische VergröÃerungen sind instrumentell konstruierte Sichtbarkeiten, die nur im Mikroskop betrachtet werden können und keine Referenz in der für uns sichtbaren Wirklichkeit aufweisen. Sie können daher nicht hinsichtlich ihrer âRichtigkeitâ und âWahrheitâ überprüft werden.
Wird die VergröÃerung fotografiert, überträgt sich die Unsicherheit über die Richtigkeit des zu Sehenden auf die Aufnahme: Sie zeigt ein instrumentell konstruiertes Bildobjekt von fragwürdiger Existenz. Mikrofotografien evozieren somit die Frage, wie mit diesen Aufnahmen insbesondere in einer Zeit umgegangen wurde, in der dem fotografischen Bild âWahrhaftigkeitâ und âObjektivitätâ zugesprochen wurde. Die Autorin findet hierauf Antworten, indem sie sowohl die theoretischen Debatten über den Einsatz der Fotografie in der Mikroskopie im 19. und frühen 20. Jahrhundert untersucht als auch verschiedene praktische Umgangsformen und Verwendungskontexte von Mikroaufnahmen analysiert.
Copyright Year:
2020
This book examines the practical handling of photomicrography in the 19th and early 20th centuries, and thus at a time when truthfulness was still ascribed to photographic images. For photomicrographs, however, this attribute is inappropriate, because they show microscopic magnifications that are artificially generated and have no reference in the visible world. By examining theoretical debates and analyzing various applications of the thereby created images, this book shows how practitioners at that time dealt with this problem.
Stefanie Dufhues arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Ausstellungskuratorin für die Abteilung âFoto und Filmâ im Deutschen Museum, München.