Der âFriedenskanzlerâ Willy Brandt ist mit seiner Ostpolitik bis heute Teil des kollektiven Gedächtnisses â in seinem Schatten steht der âFrontstadtbürgermeisterâ, der West-Berlin entschlossen gegenüber der Bedrohung aus dem Osten verteidigte. Vor dem Hintergrund einer antikommunistisch imprägnierten politischen Kultur war der Regierende Bürgermeister zu Beginn der Zweiten Berlin-Krise (1958â1963) zur international beachteten Symbolfigur des West-Berliner âFreiheitskampfsâ aufgestiegen. Nach dem Mauerbau verfinsterte sich dessen öffentliches Bild zeitweise zum âFestungskommandantenâ und Kalten Krieger. Im Windschatten von Kennedys Entspannungskurs versuchte der âdeutsche Kennedyâ Brandt, dieses Zerrbild abzulegen â und wandelte sich zum lautstarken Verfechter einer âFriedenspolitikâ. Das Buch zeichnet Brandts Weg vom âFreiheitskämpferâ zum âFriedenspolitikerâ nach und zeigt, dass Image beides sein kann: Symbolisches Kapital im politischen Wettbewerb wie belastende Hypothek.
Copyright Year:
2019
The aim of the study is to trace the transformation of Brandtâs public image from the resolute West Berlin âfreedom fighterâ to the professed âpeace policy advocateâ through the interplay of self-portrayal and public perception. The period under investigation essentially encompasses Brandtâs years as Governing Mayor of Berlin (1957â1966), focusing the account on the Second Berlin Crisis (1958â1963).
Daniel Mödinger studierte Geschichts- und Politikwissenschaft an der Universität Stuttgart und promovierte an der Abteilung Neuere Geschichte des Historischen Instituts der Universität Stuttgart.