Natur in politischen Ordnungsentwürfen der Vormoderne

Von der Antike bis an die Schwelle der Moderne wurden politische Ordnungen immer wieder im Rückgriff auf die schillernde Semantik von ‚Natur‘ bestimmt. Was lange Zeit als obsolet galt, erlebt in der politischen Rhetorik unserer Tage eine erstaunliche Renaissance.
Durch die Rekonstruktion der politischen Funktionalisierung von Natur in einem weiten Spektrum historischer Fallbeispiele bieten die Beiträge des Bandes eine Archäologie heutiger Debatten. In der Geschichte wurde Natur zum einen als normatives Modell herangezogen, um politische Ordnung zu legitimieren, zum anderen erschien sie als eine anarchische Gegenkraft, die durch politisch-kulturelle Ordnungsleistungen gezähmt werden muss. Zudem gilt: Wer sich in politischen Diskussionen auf Natur beruft, unterstellt Gegebenheiten, die sich menschlicher Verfügungsmacht entziehen. Sowohl aus ihrer Doppeldeutigkeit wie aus dem Phantasma ihrer Unverfügbarkeit gewinnt die Berufungsinstanz Natur in politischen Diskussionen ihre besondere rhetorisch-argumentative Stärke.
From antiquity to the threshold of modernity, political orders were repeatedly determined by recourse to the dazzling semantics of 'nature'. What was long regarded as obsolete is experiencing an astonishing renaissance in contemporary political rhetoric.
By reconstructing the political functionalization of nature in a broad spectrum of historical case studies, the contributions in this volume offer an archaeology of today's debates. In history, nature was on the one hand used as a normative model to legitimize political order, and on the other it appeared as an anarchic counterforce that had to be tamed by political-cultural order achievements. Moreover, anyone who refers to nature in political discussions assumes conditions that elude human power of disposal. Both from its ambiguity and from the phantasm of its unavailability, nature as an instance of appeal gains its particular rhetorical-argumentative strength in political discussions.

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Farbtafeln
Pages: p1–p4
Register
Pages: 221–224
Andreas Höfele war bis 2016 Professor für Englische Literaturwissenschaft an der LMU München und von 2002 bis 2011 Präsident der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft.
Beate Kellner ist seit 2010 Professorin für Germanistische Mediävistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 2016 war sie Gastprofessorin an der University of California, Berkeley.
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