Das Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) hat Kerstin von Lingen den Czempiel-Preis für die beste postdoktorale Monografie aus der Friedensforschung verliehen. Weitere Informationen finden Sie in der Pressemitteilung des HSFK. Transnationale Debatten unter Juristen haben das humanitäre Völkerrecht entscheidend geformt. Die Zivilisierung von Kriegsgewalt stand seit der Mitte des 19. Jahrhunderts im Zentrum und gipfelte im Konzept von âCrimes against Humanityâ, das im Internationalen Militärtribunal von Nürnberg erstmals zum Tatbestand erhoben wurde.
Kerstin von Lingen zeichnet diesen Weg nach â von den frühen völkerrechtlichen Debatten unter Juristen über die Haager Friedenskonferenzen und die Verhandlungen von Versailles nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. Angesichts immer höherer Opferzahlen und ansteigender Massengewalt gegen Zivilisten wirkte der Zweite Weltkrieg wie ein Katalysator: Das Konzept âCrimes against Humanityâ wurde in London in Gremien geschärft, deren Akten für dieses Buch erstmals ausgewertet wurden. âCrimes against Humanityâ wurde nach 1945 neben dem Genozid-Vorwurf zum wichtigsten juristischen Werkzeug unserer Zeit, um Massengewalt gegen Zivilisten zu ahnden.
Copyright Year:
2018
This study addresses the normative framework of the concept of âCrimes against Humanityâ from an intellectual history perspective, by scrutinizing a century of legal debates of marginalized (and exiled) academic-juridical actors, from âInstitut de Droit Internationalâ at Gent in the 1870ies up to the âUnited Nations War Crimes Commissionâ (UNWCC) in the 1940ies. Decisive for the successful implementation were two factors: the growing scale of mass violence against civilians in the 20th c., as well as the support by âperipheral actorsâ, jurists forced into exile at London by the Second World War, who used the commissionâs work to push for a codification of international law. This finally materialized during the London Conference of August 1945, where a Charta for Nuremberg was agreed upon.