Hölderlins Gedicht »Hälfte des Lebens« von 1803 fordert mit seiner bestürzenden Aktualität die Leser und Ãbersetzer immer neu heraus. Im vielfachen Echo seiner französischen und englischen Ãbertragungen, die hier erstmals dokumentiert und analysiert werden, erscheinen neue Facetten des Originals. Peter Utz zeigt in dem vorliegenden Band, wie Hölderlins Bildsprache die Ãbersetzer herausfordert, vom »heilignüchternen Wasser« bis zu den »klirrenden Fahnen«. Doch das Gedicht enthält auch schon in sich eine Poetik des Ãbersetzens. In seinen vielfachen fremden Lesarten erscheint das Verhältnis von Original und Ãbersetzung â im Licht von Walter Benjamins Ãbersetzeraufsatz â als dynamisch und komplementär: Die Ãbersetzungen realisieren die implizite »Ãbersetzbarkeit« des Originals und zeigen sich so als seine »Nachreife«, seine andere, verborgene »Hälfte«.
Peter Utz ist ordentlicher Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Lausanne. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen: Goethezeit, Jahrhundertwende, bes. Robert Walser, literarisches Feuilleton, Schweizer Autoren des 20. Jahrhunderts, literarisches Ãbersetzen.