Diebstahl!

Zur Kulturgeschichte eines Gründungsmythos

Im zwanzigsten Jahrhundert wurde kaum ein kulturwissenschaftliches Thema weitreichender untersucht als die Gabe. Dieser Band versucht in interdisziplinärer Perspektive, sich dem Gegenteil der Gabe zuzuwenden: dem Diebstahl.
Zu allen Zeiten waren Diebe nicht nur eine Bedrohung für das Eigentum von Menschen, Staaten und Göttern, sondern sie tauchen auch immer wieder als Kulturgründer und als schelmische Rebellen auf. Um den Diebstahl zu verstehen, müssen unterschiedliche Disziplinen gehört werden. Die Beiträge aus diesem Band sind daher sowohl international wie auch interdisziplinär vielfältig angelegt.
In the twentieth century, there was hardly a cultural science topic that was examined more comprehensively than the gift. Its counterpart, the theft, has, however, only been rudimentarily researched. The contributions in this volume combine international and interdisciplinary perspectives on theft. Thieves have always not only been a threat to property, power and order, but have also been powerful cultural founders. In addition to the sociological, politological, philosophical, and criminological aspects of theft, which are highlighted in this volume, the investigations make clear that theft and related crimes are also narratives of illegitimate and successful strategies of inclination, secret rebellion, and ambivalent admiration for criminal heroes.

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Von Dieben und Räuberbanden
Wiedergänger in der politischen Theorie der Moderne
Pages: 41–65
Das verloren gegangene diebische Subjekt und die herrschaftsbegründende Kriminalität
Versuche, die neuere Devianzsoziologie ins Verhältnis zu setzen zum Thema „Diebstahl als Gründungsmythos“ – und einige polit-ökonomische Erwägungen
Pages: 67–82
Die Utopie der Diebe
Eine altägyptische Diebstahlsgesetzgebung und die moderne Idee des Privateigentums
Pages: 101–134
Gestohlenes Land?
Niemandsländer und ihre Aneignungspolitiken
Pages: 135–157
Wie man zu seiner Portion kommt
Eigentum und Diebstahl bei Brecht: Von Baal zum Dreigroschenroman
Pages: 179–193
„Sie machten sich das Gerippe streitig“
Colette Peignot im Kontext des ‚Collège de Sociologie‘
Pages: 211–242
Stehlen und Geben
Tadeusz Konwickis Roman Mała apokalipsa (Die kleine Apokalypse) im Kontext von Gabentheorien und Opferkultur
Pages: 243–260
Phoolan Devi: Indiens Bandit Queen
Ein Leben zwischen Rache, Raub, Mord und Politik
Pages: 261–273
Figuren des Nehmens
Eine Medienkulturgeschichte der Internetmusikpiraterie
Pages: 275–297
Andreas Gehrlach, Studium der neueren und neuesten Geschichte und Neuerer deutscher Literaturwissenschaft an der Universität Tübingen, Promotionsstipendium der ‚Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien‘ der FU Berlin für eine Promotion zum Thema des Diebstahls, 2012 Studienaufenthalt an der University of Chicago, Mitarbeit und Koordination im DFG-Projekt zum Thema „Diebstahl als Kulturgründungsmythos“ an der Universität Tübingen. Promotion im Juni 2014 im Bereich Vergleichende Literaturwissenschaft abgeschlossen (summa cum laude).
Dorothee Kimmich, Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie in Tübingen und Paris; Promotion an der Universität Freiburg 1991, Habilitation an der Universität Gießen 1999, seit 2003 Professorin für Neuere deutsche Literatur an der Universität Tübingen. Seit 2004 Leitung der Tübinger Poetik-Dozentur. Wichtigste Buchveröffentlichungen: Epikureische Aufklärungen. Philosophische und poetische Konzepte der Selbstsorge (1993), Texte zur Literaturtheorie der Gegenwart (hg. zus. mit Bernd Stiegler und Rolf G. Renner, 1995 u.ö.), Wirklichkeit als Konstruktion. Studien zu Geschichte und Geschichtlichkeit bei Heine, Büchner, Immermann, Stendhal, Keller und Flaubert (2002), Einführung in die Literatur der Jahrhundertwende (zus. mit Tobias Wilke, 2006), Kulturtheorie (hg. zus. mit Thomas Hauschild und Schamma Schahadat, 2010), Lebendige Dinge in der Moderne (2011).
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