Zur Signatur moderner Gesellschaften gehört ihr Pluralismus. Davon ist der Bereich der Ethik nicht ausgenommen. Wofür ein moralischer Pluralismus im Einzelnen steht, das ist allerdings alles andere als eindeutig.
Um der Kontroverse über moralische Vielfalt, die in der Gegenwart nicht selten diffus geführt wird, möglichst klare Konturen zu verleihen, empfiehlt es sich, wenigstens drei Grundarten zu unterscheiden: einen deskriptiv-ethischen, einen normativ-ethischen und einen tugendethischen Pluralismus.
Innerhalb der jeweiligen Grundart sind, wie in dieser Abhandlung schwerpunktmäÃig aufgezeigt wird, etliche Differenzierungen anzubringen. Ohne sich einen Ãberblick über zentrale Varianten eines moralischen und ethischen Pluralismus zu verschaffen, kann der Diskurs nicht sachgerecht geführt werden. Vorwiegend werden mannigfache Facetten moralischer Diversität eruiert. Einige Hinweise, wie mit dem Pluralismus verantwortlich umgegangen werden kann, werden angefügt.
Dr. theol. Dieter Witschen, von 1976 bis 1986 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Moraltheologie der Universität Münster, ist seit 1986 Mitarbeiter beim Bischöflichen Offizialat Osnabrück.