Pädagogik als Wissenschaft des Unmöglichen

Bildungsphilosophische Interventionen

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Man hört, Bildung sei als Zukunfts-Ressource unserer Gesellschaft eine Wissenschaft, die den faktischen Bildungsstand messen und seine realen Entwicklungsmöglichkeiten prognostizieren könne. Vergessen scheint, dass sich der Siegeszug moderner Pädagogik einer utopischen Kraft verdankt. Ihr Realismus besteht darin, das Unmögliche anzustreben.
Moderne Pädagogik konstituiert sich im Bezug zur unwahrscheinlichen Idee einer vernünftigen, gerechten Gesellschaft von freien Individuen, zu einer unbekannt gewordenen Zukunft und einem Zögling, der dahingehend fremd bleiben wird, dass niemand weiß, was aus ihm werden kann. Pädagogik tritt an mit dem Versprechen, gegen die realen gesellschaftlichen Bedingungen gewendet den Individuen zu ihren eigensten Möglichkeiten zu verhelfen. Damit verstrickt sie sich in Paradoxien, denn Erziehung schien von Beginn an zugleich notwendig und unmöglich zu sein. Erst unter Theoriebedingungen und der Positivierung des Unbestimmten kann sie die Irreduzibilität ihrer Aporetik anerkennen. Da diese kein Makel mehr ist, kann man von ihr nun zu Recht als Wissenschaft des Unmöglichen sprechen.

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Preliminary Material
Pages: 1–6
Pädagogik in Zeiten der Ungewissheit
Denken und Handeln unter Kontingenzbedingungen
Pages: 43–76
Lehren und Bildung
Anmerkungen zum Unwissen in der Lehre und zu einem „unmöglichen Beruf“
Pages: 95–115
Zwischen Utopie und Pragmatismus
Zum Status und Wandel pädagogischer Zukunftsvorstellungen
Pages: 117–134
Bildungsruinen in der Wissensgesellschaft
Anmerkungen zum Diskurs über die Zukunft der Bildung
Pages: 135–150
Vom individuellen Allgemeinen zur mediatisierten Singularität
Sprache als Bildungsmedium bei Humboldt und Derrida
Pages: 213–238
Bildung und Wahn
Konfigurationen von Wissen und Wahn in Bildungsprozessen
Pages: 289–313
Ethik der Differenz und Gerechtigkeit
Zur pädagogischen Relevanz der Philosophie von emmanuel Levinas
Pages: 315–342
Ethik des Antlitzes und Politik der Sichtbarkeit
Zur Ambivalenz des Bilderverbots
Pages: 343–357
Die Agonalität des Demokratischen und die Aporetik der Bildung
Zwölf Thesen zum Verhältnis zwischen Politik und Pädagogik
Pages: 359–374
Pädagogik als Kulturwissenschaft
Programmatische Überlegungen zum Status der Allgemeinen Erziehungswissenschaft
Pages: 375–390
Unmögliche Empirie oder Empirie des Unmöglichen?
Zum Status des Undarstellbaren in der empirischen Bildungsforschung
Pages: 391–429
Vergessen wir nicht – den Anderen!
Anmerkungen zur Konjunktur des Diskurses über Heterogenität in der Pädagogik
Pages: 431–452
Textnachweise
Pages: 453–456
Michael Wimmer, Dr. phil., ist seit 2000 Ordentlicher Professor für Systematische Erziehungswissenschaft an der Universität Hamburg.
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