Die Kulturwissenschaften bilden eine immer noch junge und jung gebliebenene Disziplin, die in dem undeutlich abgegrenzten Bereich zwischen den Natur- und Geisteswissenschaften angesiedelt ist. Dort nämlich, âwo die Professoren sich gegenseitig aufessenâ, liegen, wie Marcel Mauss nur zu gut wusste, die dringlichsten Probleme. Es sind aber nicht nur jene Fragen, für die sich niemand zuständig fühlt und die durch das Raster herkömmlicher disziplinärer Zugriffe fallen, welche ein genuin kulturwissenschaftliches Arbeitsgebiet umreiÃen. Die Kulturwissenschaften zeichnen sich auÃerdem durch die Erfindung originärer, methodischer Zugangsweisen aus, die neue Perspektiven aufzustellen und einschneidende Entdeckungen zu machen erlauben. So verdanken wir den ethnologisch orientierten Kulturwissenschaften nicht zuletzt die Infragestellung des eurozentrischen Kulturbegriffs und die Einsicht in die Notwendigkeit interkultureller Forschung. Der Band bietet eine exemplarische Ãbersicht über die Klassiker der Kulturwissenschaften und stellt die wichtigsten kulturwissenschaftlichen Konzepte der letzten Jahre vor. Er wartet aber auch mit programmatischen Ãberlegungen und Themenfeldern auf, die für die Zukunft der Kulturwissenschaften einen durchaus bahnbrechenden Charakter haben könnten.