Siegfried Kracauer ist trotz der erfreu-lichen Fortschritte, die die Herausgabe seiner Werke in den letzten Jahren gemacht hat, immer noch weit weni-ger bekannt als viele seiner Zeitgenos-sen. Obwohl seine Theorien und Konzepte in jüngster Zeit zunehmen auf Interesse gestoÃen sind, bedarf die Eigenart seines philosophischen Den-kens noch immer der genaueren Auf-arbeitung. Diese Besonderheiten werden freilich erst dann hinreichend sichtbar, wenn Kracauers Werk von seinem Kontext her wahrgenommen und untersucht wird: denn die bestehenden Berüh-rungspunkte mit den philosophischen und ästhetischen Konzepten von Ben-jamin, Adorno, Cassirer, Warburg und anderen werfen einerseits die Frage nach Kracauers Selbständigkeit auf und sind andererseits der Schlüssel für deren Beantwortung. Der Band setzt hier an und versucht, in einer verglei-chenden interdisziplinären Perspektive die internen Strukturen und die spezifi-sche Produktivität von Kracauers Schaffen zu klären. Dabei wird ein Realismus sichtbar, der keineswegs âwunderlichâ ist, wie Adorno mit kriti-schem Akzent noch in den 60er Jah-ren bemerkte, sondern sich durch eine Nähe zu den Phänomenen und eine ungewöhnliche analytische Schärfe gleichermaÃen auszeichnet.
I. Methodische Optionen: Oberfläche, Konkretion, Wahrnehmung
Vielschichtige Oberflächen. Kracauer und die Modernität von Weimar, Dagmar Barnouw
Kracauers Ideal der Konkretion, Dirk Oschmann
Das anschmiegende Denken. Kracauers Erotik der Wirklichkeit, Helmut Stalder
âBegrenzen ohne zu definierenâ. Kracauers Ãsthetik der Aufmerksamkeit als âpraktische Phänomenologieâ, Dorothee Kimmich
III. Der Vorrang des Optischen: Bilder und Medien
MedienRevolution. Zum utopischen Diskurs in den Medientheorien Kracauers und Benjamins, Günter Butzer
Unsichtbares sichtbar machen. Visualisierungsstrategien bei Siegfried Kracauer, Markus Schroer
Gruppenporträt und Ornament der Masse. Zum Verhältnis von Geschichtsphilosophie, Ãsthetik und Soziologie bei Alois Riegl und Siegfried Kracauer, Claus Volkenandt
Bild, Kultur und Theorie. Siegfried Kracauer und der Warburg-Kreis, Detlev Schöttker