Zum ersten Mal erörtert ein Buch das enigmatische Motiv des Doppelgängers, welches hier nicht nur in der deutschen Literatur untersucht wird, getrennt in Drama, Dichtung und Epik und unternimmt in einem breit angelegten Versuch den Brückenschlag zum (Stumm)film. Was in der bisher vorliegenden Sekundärliteratur nur angedeutet wurde, thematisiert dieses interdisziplinäre Werk, das auch auf Spaltungsphantasien in Malerei und Fotografie eingeht. Im Mittelpunkt stehen Facettenreichtum, Vieldeutigkeit und Langlebigkeit des fantastischen Doppelgänger-Motivs, welches sogar im literarischen Realismus oder durch die Erkenntnisse der Psychoanalyse kaum an Attraktivität verliert und sich im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit psychischer Phänomene auf der Leinwand eindrucksvoll zurückmeldet. Für Literatur- und Filmwissenschaftler ist diese Thematik genauso interessant, wie für philosophisch und psychoanalytisch geschulte Leser.
Gerald Bär, geboren 1961 in Freiburg i. Br.; Studium an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (M.A.); Promotion an der Universidade Aberta / Lissabon. 1991-96 Lektor für deutsche Sprache und Literatur an der Universidade da Madeira / Portugal; derzeit Professor Auxiliar an der Universidade Aberta (Fernuniversität Portugals). Mitarbeit am internationalen Projekt CEFES â Creating a European Forum for European Studies (online); Entwicklung eines Multimedia Deutschkurses für den Fernunterricht (in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut), der im portugiesischen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Veröffentlichungen im Bereich der Vergleichenden Literaturwissenschaft, Studien zu Literatur und Film, Deutsch als Fremdsprache und Fernunterricht:
âDie Besonderheit von Bärs Arbeit besteht [â¦] in ihrer intermedialen Fokussierung auf den Film[â¦]Bärs Eingehen auf den Film ist auch im Hinblick auf die von ihm untersuchten Autoren folgerichtig [â¦] auch über Fachgrenzen hinweg als Beitrag zu einer modernen Bewusstseinsgeschichte unter der Signatur des multiplen, verdoppelten oder gespaltenen Subjekts relevantâ¦â in: Germanisch-Romanische Monatsschrift, Vol. 56, 2006
Strukturierung und Erkenntnisinteresse der Dissertation
Einführung
Teil I
1. Entwicklung einer Definition des Doppelgängerbegriffs als Arbeitsgrundlage
2. Der Doppelgänger als Gegenstand moderner Literaturkritik
3. Zusammenfassung und Beurteilung der für die Zielsetzung dieser Arbeit wichtigsten Thesen
Teil II
1. Das geistige Umfeld kollektiver Doppelgängerphantasien
2. Das spaltbare Ich
Teil III
1. Spaltungstypen: Beispiele der Verarbeitung von literarischen Doppelgängerphantasien in Drama, Dichtung und Epik
2. Zusammenfassung
Teil IV Die Darstellung von Doppelgängern und verwandten Motiven im Stummfilm
1. Der abgebildete Doppelgänger: Von der Malerei über Textillustration, Comics und Fotografie zum Zelluloid
2. Filmtheoretische Aspekte
3. Die ersten âAutorenfilmeâ mit Doppelgängermotiven
4. Die Psychoanalyse und das andere Ich im Film
5. Das Doppelgängermotiv in weiteren deutschen Stummfilmen
6. Tabellarische Ãbersicht
Bibliographie