Dieser Band stellt sich aktuellen Theoriefragen, die an den Schnittstellen von Gender Studies, Postkolonialismus, Ãbersetzungswissenschaft und Kulturanthropologie greifbar werden. In der Rhetorik all dieser Disziplinen haben Metaphern und Figuren der/des 'Dritten' seit langem Konjunktur. Als Dritter Raum, Drittes Geschlecht, Hybridität, Fetisch, Sündenbock, Parasit oder Ãbersetzer/Verräter spielen sie höchst ambivalente Rollen im Raum zwischen binären Oppositionen, denn nicht selten affirmieren sie stabile Identitäten, die sie zugleich auch unterlaufen. Dieser Sammelband unternimmt es erstmals, die Gemeinsamkeiten und Differenzen all solcher Figuren zu erkunden, und untersucht ihre Funktionen in Diskursen über Zigeuner, Perverse, Geister, Gäste, Geiseln usw. auf komparatistischer Grundlage. Theoretische und historische Perspektiven verbindend, greift der Band auf vielfältige Weise in gegenwärtige kulturwissenschaftliche Debatten ein. Er richtet sich an Interessierte aus allen literatur- und sozialwissenschaftlichen Fachrichtungen.
Claudia BREGER und Tobias DÃRING: Einleitung. Figuren der/des Dritten. Doris BACHMANN-MEDICK: Dritter Raum. Annäherungen an ein Medium kultureller Ãbersetzung und Kartierung. I. Annähern, Aushandeln, Ãbertreiben: der Dritte Raum des Ãbersetzens. Helmut KAFFENBERGER: Denkbilder des dritten Raums? Walter Benjamins Theorie des Ãhnlichen. Volker GOTTOWIK: Der Andere als Leser. Zur indigenen Rezeption ethnographischer Texte. Martin MAURACH: Beobachtete 'interkulturelle' Kommunikation bei Hubert Fichte und Michel Leiris. Ein Versuch zur Ironie in der Ethnoliteratur. II. Ãberqueren - Ãberleben: Dritte an den Rändern herrschender Kulturen. Claudia ÃHLSCHLÃGER: Garant des Wunsches. Zur Opferung des Sündenbocks in Oscar Wildes Salome. Renate BÃRNER-KOTZAM: Der Parasit als Gast in Erzählungen des Bürgerlichen Realismus. Nicole WALLER: Gespenster und Gejagte: Figuren der/des Dritten bei Anzaldúa, Derrida, Cliff. III. Vermitteln/Verraten: Figuren zwischen den Fronten. Tobias DÃRING: Pocahontas/Rebecca. Ralph J. POOLE: Der Fall Fritz Haarmann, Werwolf von Hannover: Zur Instabilität des Dritten. Claudia BREGER: Zwei, Vier, Drei? Die Figur der Zigeunerin und die Durchkreuzung nicht nur der Zahlenverhältnisse in Bonaventuras Nachtwachen. Abbildungsnachweise.