Die Studie eröffnet einen neuen Blick auf den Entstehungsprozess kommunaler Schriftkultur in einer europäischen GroÃstadt des Spätmittelalters. Dabei zeigt die Geschichte der umfangreichen Ãberlieferung Augsburgs, wie mehrere Generationen städtischer Autoritäten im Zuge wachsender Emanzipation zunehmend auf Schriftlichkeit angewiesen waren und eigene Bedürfnisse der Archivierung ausprägten. Die Verschriftlichung war ein komplexer Prozess, der wichtige Lebensbereiche und Teile der städtischen Gesellschaft in unterschiedlicher Zeit und Intensität erfasste. Weniger als bisher angenommen ging es dabei um die pragmatische Effektivierung des Regierungshandelns. Die Antriebskraft der Verschriftlichung im Spätmittelalter entsprang einem wachsenden Bedürfnis nach Kontrolle und Ãberprüfbarkeit.
Mathias Kluge studierte an der Universität Augsburg Geschichte und Germanistik. Nach monatelanger Forschungsarbeit in Archiven und einem research fellowship an der University of Alberta in Edmonton (Kanada) wurde er 2013 in Augsburg promoviert. Dort lehrt er als Akademischer Rat Mittelalterliche Geschichte. Seine Dissertation wurde mit dem Universitätspreis des Bezirks Schwaben ausgezeichnet.
Mathias Kluge, PhD, studied history and German language and literature at the University of Augsburg. After many months in the archives and a research fellowship at the University of Alberta in Edmonton (Canada), he finished his PhD at the University of Augsburg in 2013. There, he is Akademischer Rat for medieval history. His dissertation was awarded the University Prize for the district of Swabia
"[...] kann resümiert werden, dass Kluges Dissertation durch die Fülle der aufgearbeiten und präsentierten Archivalien und die eingenommene Perspektive ein wichtiger Beitrag zum Verständnis von Bedeutung und Funktionieren des spätmittelalterlichen Schriftwesens ist."
Herwig Weigl (Univ. Wien), in: MIÃG 123, pp 511-2
"Kluge has produced an engaging and stimulating cultural history of civic writing in Augsburg. We may look forward to other thoughtful contributions from him in the years to come."
Joseph P. Huffman, Messiah College, in The Medieval Review 15.11.18
https://www.philhist.uni-augsburg.de/lehrstuehle/geschichte/Mittelalterliche_Geschichte/Dokumente/RezensionKlugeDiss.pdf
ABKÃRZUNGEN
TABELLEN UND ABBILDUNGEN
VORWORT
I. EINLEITUNG
1. Forschungsgeschichte
2. Schriftgebrauch, Ãberlieferungswandel und zeitgenössisches Denken
3. Methodisches Vorgehen: Stadtgeschichte und Ãberlieferung
II. GEBURT: ADAPTION UND ASSIMILATION (1234-1304)
1. Im Zeichen des Siegels
2. Die Entstehung des Stadtrechtsbuchs
2.1 Kodifikation
2.2 Verwendung
2.3 Keine Stadt ohne Recht: Bürger, Bischof, König
3. Von der Liste zum Buch: Die Anfänge kommunaler Buchführung
3.1 Adaption
3.2 Verwendung
3.3 Ãberlieferung
4. Kompetenzimport: Die Anfänge der Stadtschreiber
5. Zwischenergebnisse
III. REIFE: LEGITIMITÃT IM POLITISCHEN ORGANISMUS (1304-1368)
1. Buchführung und Legitimation
1.2 Fortpflanzungsfähigkeit: Die Arbeit der kommunalen Kanzlei
1.3 Buchführung im politischen Alltag
1.4 Nördlingen: Metropole und Kleinstadt im Vergleich
2. Das Rote Buch
3. Der Zunftbrief: Transfer und Visualisierung hierarchischer Distinktion
4. Der Privilegienschatz: Gezeigt, gehütet, geraubt und zerstört
5. Zwischenergebnisse
IV. MACHT: VERSCHRIFTLICHUNG UND KONTROLLE DES ALLTAGSLEBENS (1368-1450)
1. Schriftgedächtnis auf Papier: Von der Apotheke zur Mühle
2. Oculus civitatis: Ãberlieferung, Stadtschreiber und Kanzlei
3. Briefregister: Schriftliche Bewahrung der Korrespondenz
4. Ratsprotokolle: Verschriftlichung des Regierungsalltags
5. Das städtische Nebensiegel: Der Alltag in der Urkunde
6. Neuordnung des Archivs: Systematisierung und ErschlieÃung
7. Zwischenergebnisse
V. ERGEBNISSE
QUELLEN UND LITERATURVERZEICHNIS
REGISTER
This book is intended for all those interested in the history of the culture of writing in the Late Middle Ages and the urban history of late medieval Europe