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Hybride Temporalitäten

Lebenszeit und Weltzeit in Nicodemus Frischlins Beschreibung der Straßburger Münsteruhr (1575)

Hybrid Temporalities

Biographical and Wordhistorical Time in Nicodemus Frischlin’s Description of the Münster Clock in Strassbourg (1575)
in Daphnis
Autor:innen:
Julia Frick Deutsches Seminar, Universität Zürich Zürich Schweiz

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und
Oliver Grütter Deutsches Seminar, Universität Zürich Zürich Schweiz

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Abstract

When the astronomical clock of the Strasbourg Cathedral was inaugurated in 1574, Nicodemus Frischlin, humanist and professor of poetics in Tübingen, responded to this monumental, ‘time-defining event’ with a didactic poem – in Latin, and profoundly informed by the great models of Classical Antiquity – in which he embedded the stages of human life in an encompassing horizon of both secular and religious temporality. With his ‘carmen’, Frischlin aimed to complement the ambitious technological construction with an equally ambitious literary account, gradually tracing the building’s multiple and hybrid conceptions and semantics of ‘time’ in versified description. This article examines how Frischlin’s didactic poetry organizes knowledge of anthropological, historical, and eschatological times; moreover, illuminating the motifs of the moon disc, the ‘Lebensalterautomat’, and the mechanical figure of Death, it sheds light on the emulating adaptation of Classical tradition (Lucretius; Ovid). Frischlin portrays the Strasbourg clock as a technological masterpiece without equal in Classical Antiquity.

Abstract

Nach der Instandsetzung der astronomischen Uhr im Straßburger Münster (1574) antwortet der Humanist und Tübinger Professor für Poetik Nicodemus Frischlin auf das monumentale ›Zeitereignis‹ mit einem lateinischen Lehrgedicht, das die menschliche Lebenszeit in einem übergreifenden welt- und heilszeitlichen Gesamthorizont beleuchtet. Mit seinem an den antiken Autoritäten geschulten ›carmen‹ will Frischlin dem ambitionierten technischen Konstrukt ein ebenso ehrgeiziges literarisches Zeugnis zur Seite stellen, das die hybriden Zeitsemantiken und -konzepte des Bauwerks in einer gebundenen Beschreibung sukzessive abschreitet. Der Beitrag arbeitet heraus, wie – anthropologisches, historisches, eschatologisches – ›Zeitwissen‹ in Frischlins Lehrdichtung arrangiert wird, und wirft am Beispiel der Mondscheiben, des Lebensalterautomaten und der mechanischen Todesfigur Schlaglichter auf die aemulierende Adaptation der antiken Tradition (Lukrez; Ovid). Frischlin stilisiert die Münsteruhr zu einer technologischen Meisterleistung, die ohne Entsprechung im Altertum ist.

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