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GEISTLICHE POESIE UND GEISTLICHE POETIK ZWISCHEN POESIE UND THEOLOGIE

于Daphnis
著者:
Sven Grosse
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Weshalb hat die im Barockzeitalter so hochgeschätzte geistliche Poesie in den allgemeinen Poetiken dieser Zeit keinen gebührenden Platz erhalten? Stattdessen ist der Ort eigentlich geistlicher Poetik in Vorreden. Grund ist, daß geistliche Poesie erst in theologischer Reflexion ihre Eigenart und ihren Rang erweist, nur lehrhafte theologische Reflexion aber lediglich bis in die Vorrede als Vorraum der geistlichen Poesie gelangen darf. Diese ist nach theologischen Maßstäben die höhere Form theologischer Rede. Dem entspricht, daß die gesamte Poesie als ‘verborgene Theologie’ zu verstehen ist und dieser Charakter in der geistlichen Poesie sich enthüllt. Der ‘Vorbericht’ Feustkings, erstmals seit der 3. Auflage seiner Paul-Gerhardt-Ausgabe (1723) hier vollständig abgedruckt, ist nicht nur ein Schlüsseltext für die geistliche Poesie der Zeit, sondern auch eine der wichtigsten Quellen zum Leben Paul Gerhardts (auch dessen ‘Testament’ enthaltend) und die eingehendste frühe Würdigung von Gerhardts Liedern.

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