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Christoph von Schallenberg und die Deutsche Liebeslyrik am Ende des 16. Jahrhunderts

in Daphnis
Autor:in:
Gert Hübner
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Die Rezeption italienischer (und, in geringerem Ausmaß, neulateinischer) Textvorbilder im deutschen Liebeslied, die in den 70er Jahren des 16. Jahrhunderts einsetzte, führte zu einer Erweiterung des bestehenden liebeslyrischen Systems um petrarkistische (und, in geringerem Ausmaß, antikisierende) Ausdrucksformen. Zu einem Systembruch kam es nicht, da weder das bestehende Liebeskonzept noch die traditionellen Liedtypen und Rollenmodelle aufgegeben wurden. Der Integrationsvorgang ermöglichte eine große inteme Vielfalt der Liebeslied-Lyrik, verhinderte aber das für die zeitgenössische romanische und spätere deutsche Lese-Liebeslyrik charakteristische Spiel mit unterschiedlichen Liebeskonzepten. Die Entwicklung in der Liedlyrik basiert auf dem fortbestehenden Desinteresse an der Textautorschaft, das eine Differenzierung von Autoritäten und eine Poetik der imitatio im Sinn konkreter Einzeltextreferenz nicht begünstigte. Christoph von Schallenberg ist trotz seiner Ausnahmestellung als reiner Textdichter und wegen der Besonderheit der Überlieferungsverhältnisse ein erkenntnisträchtiger Modellfall für die praktizierte Poetik in der Epoche des ‘italianisierten Lieds’.

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